Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1594 (21.7.1923)
- Date
- 1923-07-21
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980675--15496-3002327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sk. 1LS4 Wien, Samstag - Wiener: Moegerrzettrmg. Leichtathletik. Die Meisterschaften. Samstag Md Sonntag, 8 Uhr, W. A. C.-Platz. Heute nachmittags nehmen die Meisterschaften des Oesterreichischen Leichtathlet ikevderbaudes ihren Anfang. Die Göttzöorger Kampfspiele haben neuerlich bewiesen, daß Oesterreichs Leichtathletik noch in den Kinderschuhen steckt. Jmmerhin wird man bei den heutigen Kämpfen, die national sind, so daß man von auswärts nichts zu befurchten hat, interessante Kämpfe uitd hoffentlich auch annehmbare Leistungerl zu jeden bekommen. Der 200 Meter-Lauf für Herren, den in: Vorjahre Lederer (W. A. C.) gewann, wir 15 Teilnehmer am Starte sehen. Lederer, Schedl und' Rauch sind die aussichtsreichsten DewerLer. Klambauev gewann int Vorjahre den Diskuswurf, er sollte auch Heuer siegreich bleiben. Schwarginger sollte einer seiner schärfsten Konkurrenten sein. Der 1600 Meter-Lauf ist «dem vorjährigen Sieger Friede (Graz) wieder nicht zu nehmen. Wenn Egger nicht allzu nervös ist, toitb er seinen vorjährign Sieg im Weitsprung mühelos wieder holen. Rauch und Kcrindl dünsten die Plätze besetzen. . Im 110 Meter - Hmdenlauf ist der vorjährige Sieger Weilheim. wieder Favorit. Rübelt sollte ihm hart zusetzen. Das 6000 Meter - Gehen wird wieder Kühnel gewinnen. Um die Plätze werden mehrere Provinzvertreter kämpfen. Der Stabhochsprung. für den acht Neumm^n abgegeben wurden, sieht unter anderem -den vorjährigen Sieger Haselsterner am Start. Fritz (Innsbruck) könnte eine Uebervafchung bringen. In der Owmpischen Stafette treten sieben.Mannschaften an, der W. A. C. ist Favorit. Von Damenwettbeweöben kommen heute nachfolgende zur Auswägung. Hochfprung, 300 Meter-Lauf, Kugelstoßen, 4 mal 100 Meter-Stoffel. Als Funktionäre Kr die Meisterschaften wurden folgende Herren bestimmt: Leiter: Wraschtil; Schiedsrichter: Dr. Fürth; Starter: Mraz; Zielrichter: Flach, Schaffer. Blau. A. Unterbevg, Dr, Rappaport; Zeitnchmev: Dr. Unterberg, Dr. Rappa* Port, Ing. Reiter, Koja. Für Wurf- und Srungkonkurrerlzen: Mtzß, I. Naimer, Solar. Die Leistungen eines kleinen Volkes in Göteborg. .. Bon den großen Spoptnationen war England in Götea mtr durch emM.Zuifallstsilnchmer' vertreten, die.kerne spielten. Amerika fchlte ganz; die Bersmigben Staaten wollen ihre planmäßige Vorbeveituna für die Olynrpischen Spiele des Icchves 1934 in Paris nicht, wie sie fager-, durch eine Europarmse u-nteübrechon. Wonu man die Gesamtheit der Kämpfe überschaut, so wird man nicht zögern, den Finnländevn die Pcmne. Muerkennen. Es ist ganz unerWrl'ich, wie dies kleine,, kaum -mehr ass -zwei Millionen zählende Volk mit seiner jungen Sportkultur ein sportlich so altes Voll wie Schweden und ein so großes Volk wie Deutschland meistern kann. Die forsche Leistung beischräM sich dabei nicht etwa ans einige bevorzugte Besonderheiten und ebensowenig auf einige wenige sportliche Wunderkinder, sie erfaßt gleichmäßig alle Sportgabiete, Schwinnnen ausgenommen. Kaim man der.« Schweden .zugute halten, daß sie seit langem keinen Krieg geführt, so trifft' das für die Finnen nicht zu. Finnisches Blut ist im.-Weltkrieg geflossen. Wieweit sich dieser Unterschied mit wifsenschasKichen Methoden Wiegen läßt, sei dahingestellt, dem Blick des SportSmannes bleibt das Mehr an allgemeiner Kövperkvaft nicht verborgen. Dann aber sind sie gründliche .Dech-uiker. Sie haben trotz ihrer kurzen Lehrzeit die Auslfühvung der Reibungen durchdacht und. eine eigene, sehr erfolgreiche ' Schule begründet. Es wiirde sich wohl löhnen, ihre eigenartige Ue'bnngsnnd^ Trainingsforim eirnml an der Qmlle zu studieren. Schließlich setzen sie noch eine un>ge-tvöhnliche Leidenschaft ein: Sport ist für sie Natiouaffache. Jeder Herzschlag schlügt Kr -den Erfolg ihrer Farben, und rücksichtslos wird bis Mm Mivdetzbrechen gekä-mW. MaÜabi' (Proßnktz) gegen Makkabi (Brünn) 3:4 (2:0). Das Wettspiel am Brunner Makkabi-Platz hat den.Brunnern viel-zu schaffen gegeben, da sie offenbar den Proßnitzer Gegner unterschätzten. Dies kam insbesondere in der ersten Hälfte zum Ausdruck, in welcher die Proßnitzer im offenen Spiel scharf vordrängten -und schon in der 22. Minute durch Steimtz das erste Tor und durch denselben Spieler in der 40. Minute aus der Elfmet-erlinie das zweite Tor erzielten. Nach Seitenwechsel schießt Reiner für Brünn das erste Tor, worauf St-einitz infolge eines Fouls Foldmanns durch einen Elfmeter das 3. Tor Kr, ProtzN'itz erreicht. Erst jetzt wurden sich die Bvünner der Stärke des Gegners, bewußt und gingen scharf zum Angriff über, welcher ihnen den knappen Sieg brachte. Die Brunner traten zwar mit drei Ersatzleuten an,-dies allein ist nicht die Ursache des knappen Sieges, sondern die Tatsache, daß sie den Gegner unterschätzten. Bedauerlicherweise spielten , die Brunner .sehr derb. Ihre besten Leute waren Schwarz und Reiner. Proßnitz hatte seine Hauptstützen an Mves, Brüder Breuer und Platzer.. Schiedsrichter-Allerhand. Die Slavta konnte auch ihr zweites Spiel in der Türkei siegreich beenden. Die Tschechen schlugen die türkische Nationalmannschaft 7:3 (3:1). Oskar. Münzerder ausgezeichnete Tormann.von Ari, hat sich beim S. C. Hagibor angemeldet, desgleichen Schuster von Arkadia. ' . fei ♦ „Wiener Morgenzeitung" 1 21. Juli 1923 Seite 11 Touristik. Hakoüh (Touvistensektion). Auskünfte über Touren, Mit« glicdsamnÄdungcn, gesellige Zusammenkünfte joden Freitag um halb 9 Uhr abends. Die Führer erwarten die Teilnehmer, wenn nichts anderes vereinbart wird, beim HaiAteingang des Abfahrtsbahnhofes. Bei b- und c-Touren ist Voranmeldung nötig. Programm für Sonntag den 22. d.: a) Menerwald. Westbahn 6 Uhr 40 Min. Rekawiukel—Steirwlattt—Kaltenleutaeben. Führer Goldsaud, b) Schneeberg. Abfahrt Vortag. 16 Uhr 40 Mm. nach Payerbach. Weichtalklamm—Kaisevstein Führer Mnsler. Schwimmen. Das- Perchtoldsdorfer Schwimme« ting. Zum Perchtoldsdorser Schtvmnneeting, das, wie bereits berichtet, am nächsten Sonntag stattfindet, sind folgende Nennungen eingelaufen: Herr-enbewerb«: Neulingslschwimmcn 60 Meter: O. Hahn, I. Denzinger (Jster), H. Eywo, L. Kauf (1. W. A. S. K.), A. Wenzel (N-at'i-on-al), E. Reich, M. Reiser, E. Weigler (Hakoakh), E.' Taussig (W. B. C.), W. Kätscher (Donau), H. Meier, I. Stadlbauer (Cricket). Schwimmen 840 Meter für zweite Senioren: A. Pabeschitz, B. Redlich W. A. C.), E. Gold (Wr. Am. ch,.). H. Schaich (W. B. C), E. Weiß (Donau), F. Wessely (Jster), E. Pvuschma, S. Böba, P. Schwarz (Cricket). Rücken 102 Meter (offen): E. Farkas (Wr. Am. Spv.), R. Raf-' fay W. B. C.), F. Glaser (Donau), W. Altar. I. Barta (Hakoah), F. Lorenz (W. A. C.), K. Reich, T. DWller, K. Scharasch (1. W. A. S. K.), K. Grünwald, W. Fpifchauer, S. Boba, R. Winter, Ph. Mnter, B. Szombathy (Cricket). Hauptschwimmen 102 Meter (offen): F. Lajta, E. Farkas, F. Neuwelt Wr. Am. Spv.), F. Broeiner <W. B. C.), E. Landesmann, N. Schwarz (Hakocch), L. Grünfeld, H. Schrepfer (W: A. C.), O. Reinmger,. T. Müller (1. W. A. S. K.). A. Dorn. F, Wesseily Mer), E. Pruschlna, S. Böba, W. Frischauer, F. Schiff, P. Schwas (Cricket). Funior-Bruftstaffel 3m<Ä 108 Meter: Wr. Am. Spv., Donau, W. D. C., Mer, 1. W. A. S. K. je öme, Hakoah, Cricket k zwei Mannschaften. Brust 204 Meter (offen): I. Barba, W. Pollaik, N. Haftel (Haloah), H. Liwi W. A. €), O. Aulchla (Jster), K. Zenk, K. Reich. K. PatuW, K. Scharsach (1. W. A. S. K.), R. Musil (Donau), E. Pruschlna, K. Grünwald, W. Friischauer, R. Winter, Ph. Winter, B. Szombathy (Cricket). Voraabeschwmrmen 08 Meter: K. Zeinler (Donau). K. Seit, L. Csanh, H. Schedl (W. B. C.), P. Horcher, E. Gold, T. Bauer, F. Rosler, R. Winter, I. Czerrch Wr. Am. Spv.), E. Landesmann, H. Schaffer, B. Steinhardt, P. Schlesin«r, M. R-osenblatt, P. Frankl, N. Schwarz, E. Weigler, M. Reiser, E. Reich, S. Chlamtatsch (Hakoah), W. Schvepftr <W.' A. C.), H. MaM, F. Barta, H. Bleies S. Boba, P. Schwarz, F. Schiff, B. Szombathy, R. Winter, Ph. Winter, E. Pruschina, K. GvünwM, W. Frischauer (Cricket). Flieger- StaffÄ i mol 68 Meter: W. B. C., Jster, W. A. C., Wr. Am. Spv., 1. W. A. S. K. je eine, Hakoich, Cricket je zwei MaMschästen. Schauspringen: F. Glaser, W. Kätscher Monau), H. Schneider, V. N-enkirchen (Cricket). . Rettungsschwimmen 102 Meter (tu Kleidern): O. Anlehla (Jster), K. Pa-tuml <1. W. A. S. K-), K. Zeinler, R. Musil (Donau), P. Höniger Wr. Am. Spv.), W. Frischauer, E. Pruschina, S. Boba (Cricket). ....... ~ Metev: K. Kl-esatschle, R. Pechinger .National), F. Schiff, P. Schwarz, S. Böba, H. Bl-eier, H. Mandl, F. Barta, E. PMfchi-na, K. Gvünwalld W. Fr-ischauer, R. Winter, PH. Winter, B. Szombathy (Cr'-cket). D-amenbewer>be: Brust 106 Meter (offen): H. Bienenseld, H. Weiß (Hcckoah) L. Karsten W. A. C.), E. Breitcgger, C. Bienenfeld Wr. Am. Spb.), M. Beer, H. Svietek (Freya), S. Fuchs (Dannbia), M. Wodasfak, L. Hornof (Cricket). Schwimmen 304 Meter (für zweite Senioren): P. Feldscharek, Copyright 1923 Nachdruck verboten. byB*L8wit-Verlag,Wien-Leipzig. . (43. Fortsetzung.) Zn Polens Wäldern. Roman von I. Opatoschu. Lntorisievte Uebertragung aus de-m Jüdischen von Siegfried Schmitz. Mitten auf dem Hofe stand eine jungd Frau. Sie biß sich ihr altes SamWeid vom Leibe, fiel halbnackt quf.den Sand wiedier und öffnete >deu schaumbedeckten Mund; wie ein Knäuel ballte sich ein Gelächter, -das Nawg wie Greisenlachen. Ein zweites, ein dvittes antwortete, eines lauter als das andere, eines frecher und ausgelaffener als das zweite. Das Gelächter sprang durch den Hof, es klang, als stünden mitten in der Menge alte Juden mit langen BäÄen und hielten sich die Bäuche vor Lachen. Bor den Augen slimmevten Ringe, sprangen hin und her und vereinigten sich mit denr Bellen; es klang frech und ausgebaffen, als lvä'ven böse Geister vor des Kozkers Fenster gekommen, u>m ihn toll zu machen. In der Menge tau-chte Reb Jtsche «auf; er ging auf die Kranke zu-, legte die Hand auf ihr Haupt und fragte sie: „Wie heißt -du?" ,Lea!" antwortete das Mädchen bellend... „Was fehlt dir, Lea?" fragte Reb Jtsche weiter. „Da sitzt etwas" — das Mädchen deutete auf ihr Herz und brach in Tränen aus. ,Weine -nicht, liebes Kind," begann Reb Jtsche sie zu bemchigen, indem er sie bei der Hand faßte, „sich' auf; so! Gott wird dir helfen, du wirst gesund iverden." Das kranke Mädchen begann zu lächeln, das Lächeln ging bald in ein übermütiges Gelächter, über, sie umfaßte Reb Jtsche mit beiden Händen und rief: ,Mein Bräutigam! Du bist meru BväutMm!" Reb Jtsche entzog sich der Kranken nicht; er bliebin.ihrer Umarmung stehen und sah sie mit trauernden Augen an, wie ein Vater auf ferne kmnke Tochter schaut; dabei bevuhig-te er sie; ' ,Dei nur ruhig, Lea! Ich bin?dein Bräutigam! Ich bin dem Bräutigam!" ,^Vervücktes Ding!" vief die Mutter und riß 'das Mädchen von Hob Fische los.- „Hast du schyn gar keim; Scham -mehr?" - - - - Die Kvanke M sich um, sie fchiest ersk jetzt die Menge ringsum zu. bÄyeMt; ihr wuM Kar, was. sitz getan 'hatte' und - verlegen, mit geiseMem Blick, drMe sie sich an die alte Mutter. - ,Me hat «tfgchövt -u'lbMM" einer aus/-der Menge. ' „Der Böse hat keine Macht vor dem Zadik." - . „Wo ist . Reb Jtsche?" „Da steht er doch!" . ,Mo?" „Reh Jtsche ist der -wahre Zadik feiner Zeit!" schrie der bloßfüßige Israel. „/Seht, Rabbi Mendele steht noch am Fenster!^ rief einer und deutete mit dem Finger hin. Rabbi Mendele stand -unbeweglich die ganze Zeit am Fenster, blickte auf Reb Jtsche, und sein altes, verrunzeltes Gesicht leuchtete. - ' Reb Jtsche führte das kranke Mädchen zu einem Holzklotz, setzte sie dort nieder und beruhigte sie; als er den Rabbi sah, der am Fenster staub und ihn unverwandt anblickte, schämte dr sich und ging. Er. trat ins - Bech Hmnidmfch;, einige Wiale durchlief er es -in seiner ganzen Länge, den schlvarzen Bart kauend; dann blieb er plötzlich,stehen, nahm ein Bück) aus einem Schrank, stützte einen Fuß auf eine Pank,-brummte etwas vor sich hin, blätterte, stellte das Buch wieder an seinen Platz und begann wieder im Be-th Hamidväfch auf und ab zu gehen. , , - Mordechai kanr ihm entgegen. -Reb Jtsche sah ihn an, als kennte er ihn gar nicht und chatte ihn nie gesehen. Mordechar wurde verlogen und wollte, mükehren; da legte Reb. J-tsch'e seinen Arm um ihn: „Nun, Movdechai, hast 'du schon gesvühstückt?" Mordechai rückte mit dem Kopse; obwohl er seit gestern noch keinen Bissen gegessen hätte. . „So komm', -wir wollen zMt Rabbi" Reb Jtsche faßte Mordechai untern: Arm und verließ mit ihm das Bech Hamidrasch. ^^Her^'.GhcmvmeS. .des Rabbi,- ein alter Mann mit bangen,- dicken Schläfen-locken, ging eilig vorüber.'- Seine langen Schläfenlocken flogen -nach rechts und, links und sähen aus 'wie'di« gespreizten Flügel eines Storches. Reb Jtsche hielt, ihn auf: „Güten Morgen, Reb Fei-wffch!"!. ,L)h" der Schamnres 'blieb, erfreut stehen und wollte Reh Jtsche di« ^n-d reicher:; er erinnere sich aber, daß er eine Prise Da-bak stvi scher: zlvei Fingern - hielt, stopfte sie schnelrl M die- Mst, verzog >das -Gesicht und wischte - seine Händea?/ stimm 'Ripskaftan ab. „Scholem alejchoyr, Reb.Jtsche!" ' - ' - - - " ' '„Wie' geht' cs dem Rabbi?" . ' / ,/Lo ist schtmuH, Reb Jtsche, sehr, schwächt" arBworlete der- Scha^mmes seufMd. gestern hat er gar nichts sim?MWche--gchaibt!" - mmr jetzt -M-Dm -Mvedi.?" „Ja, das heißt, hinein kann man," der SchammeS stotterte, „rmr, -wenn Ihr jetzt hine-ingeht, -wird der Rabbi nicht essen. Seid nicht böse, Reb Jtsche, geht indessen zu- Reb DowVl; sobald der Rabbi gegeffen hat, rufe ich Euch sofort, gut?" „Gr:t, gut, sehr gut!" Reb Jtsche rieb die Hände und ging mit Mordechai zu Reb Dowidl, dem ältesten Sohne des Rabbi. Reb Dowidl, ein schöner Mann in den vierziger Jahverr, mit vollen, leicht geröteten Wdngen und gekräuselten Schläfenbogen, die wie Spiralen gebogen waren, stellte das Glas Tee weg, das er in der Hand hielt, stand auf und ging den Gästen entgegen; er trug einen gestrevftm seidenen Schlafrock und ein Paar persische, -weiche Pantoffeln. Während er Reb Jtsche die Hand reichte, fragte er, auf Movdechai deutend: ,-Wer ist der junge Mann? Das Gesicht kommt mir bekannt vor..." „Das ist der Sohn Reb Abrahams des Schreibers." ,-Do, er sieht dem Vater ganz ähnlich." Reb Dowidl streckte Mordechai eine kleine, weiche, warnre Hand ent-, gegen; et zog sie nicht sofort zrrrück, führte ihr: zum Tffch und rückte ihm einen Stuhl zurecht. „Nimm Platz, du bist, glaube ich, der einzige Sohn, was? Wie geht es dem Vater?" v Movdechai wurde verlegen; ehe er noch Zeit hatte, zu antworten, fpmch Reb Dowidl bereits mit Reb Jtsche. Reb Dowidl hielt sich für einen schwer kranken Mann — er litt in den Füßen, hatte Gallensteine und fürchtete, er' -wurde afthnräleidend werden. Jedes Jahr fuhr er in ausländische Bäder, kam stets leidender zurück als er hmgefahren war, brachte immer eine frische Krankheit mit, von der noch uienrand etwas gchört hatte, und hütete sie wie einen Edelstein. Wenn er von seinen Krankheiten sprach, lebte er auf; er fand Frei/de daran, allen Angst einzujagen, hatte den Wunsch, bedauert zu werden, und mehr als einmal, wenn es am Hofe Streit gab, schreckte er die Leute mit der Drohung, er würde sich operveven lassen. Das ganze Hofleben war beherrscht von Dowidls Krank- -heiten. Seine Frau verbrachte ganze Tage damit, um nachzudenken, was sie kochen solle, damit ihr Mann daran seine schwache Gesundhei: stärke. Die Kinder gingen auf den Fußspitzen durchs die Zimmer und -hüteten sich vor einem lauten Wort oder einem Geräusch, als wären sie in einem Spital; sie dachten stets >daran, daß , der Vater nicht gesirnd sei. Reb DowM selbst lernte wenig und war viel mit seiner eigenen Apotheke beschäftigt, in der auf Regalen viele huiwert Tiegels: und Flästhchen mW verschiedene Rezepte standen; sanft spieüe er täglich Schttch. (Fortsetzung folgt) i 787569