Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1593 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer S1000 Wien: Zum Abholen in der Expedition, H., Taborstr.1-3, oder in einer Vcrschleisstelle (Trafik) mönatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 isitet Ts ehe c h o -Slow a-k e i: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. P o I e n: Mon. Mk.30.000.D eutschland: Mon.Mark 50.000. Frank r., Belgien: Monatl. Pres. 8 ggf" Nachzahlungen, "Vf bei Preieerhohungen Vorbehalten Nr. 1593 -7. Wien, 20. Juli. Der Ruhm der Großdeutschen -läßt die Ehristlich- -sozialen nicht schürfen. Seit mrgefähr einem hatben Jahr beschränken sich die Großdeutschen nicht mehr auf die „Neue Freie Presse" als ihr Parteiorgan. Sie haben jetzt ihren eigenen offiziellen Kehrichtplatz, die „Deutsche Zeit", die sie in «höchst würdiger Weise mit der Bevöffentlichung der Protokolle der Weisen von Zion entweihten. Das Organ des Herrn Bundeskanzlers, das Blatt des FürsterMschoss, das Blatt, welches das Christentum und die katholische Weltanschauung vertritt, dmckt nun gestern an leitender Stelle das Schlußkapitel aus einem ähnlichen Druckprodukt ab und Kündigt die lückenlose Publizierung dieses Werkes an, iöas, wie sie sagt, von „den klugen Meistern der öffentlichen Meinung" rasch aus dem Markt genommen worden ist. Die Behauptung ist unrichtig, denn wir finden dieses Gesudel seit mehreren Wochen in den Jnseratenecken der völkischen Presse cmgekündigt, und für Inserate sollte ausgerechnet die ,MeichsPost" Mnd gewesen sein? Me diese ganze Broschüre wieder nur ein Jllüstvationssaktum ist für jbie minderwertige Moral des Antisemitismus, so hat auch diese Bemerkung offenkundig nur den Zweck der Reklame. Uns würde die Sache nur so weit berühren, als wieder einmal die EhristlichsoZiale Partei ihr wahres Gesicht zeigt. /Sie hat zwei Gesichter. Eines für das kultivierte Europa und eines für den Bergjlanderbund. Wer so leicht MH. diesmal die „Reichspost" nicht wegkommen.. Wir stellen hier vor der Oeffentlichkert der Welt fest, daß das repräsentative Organ der österreichischen Regierung sich kritiklos für die : Verbreitung einer FUschung herMt. . Der, BäckergehiM SWerer,. dessen Äiche die' ,HMPöst".-MMWt Mt,. konnte sich nicht wehren, weil er tot war.Wir äöer Ä; - D-öser Penthü?TM, den die ^,ReichsposL" dem Verzeichnis ihrer Zierden vinverlewffistüns bis heüte un-. bekannt. Wir wisstn nicht, ob er riberhanpL existiert. Es ist ja immerhin möglich, daß der Mann lebt und den Namen „Tulpenthal" in einem Anagramm versteckt, hat. Vielleicht ist er. ein. getaufter. Jude, für welche Annahme das immerhin lesbare Derwsch des abgedruckten Musterstückes sprechen würde. Mein Gott, seit Pfefferkorn, seit Brimanus, Paulus Meyer usw. wissen - wir, daß es auch Mische Lumpen Mt, die durch die Auf- - nähme in den Schoß der römischen Kirche an Charakter nicht gewonnen haben, und die für Geld alles schreiben oder unterschreiben. Es ist aber auch möglich, daß die Broschüre aus der alldeutschen Gistbude stammt, deren Ignoranz in jüdischen Dingen öfters aüffcheint. Dafür würde der Fehler Isaak MontHore (der. große Philanthrop hat Moses geheißen) und Ne Schreibart Mardachai sprechen. Cs ist auch merkwürdig, daß man dieses Kapitel, das da vorliegt, Satz für Satz aus «den Leitartikeln der arischen WahvheitsfanaHer zusammenstellen kann. Die „Reichspost" wird gut tun, wenn sie sirr die folgenden Publikationen einen jüdischen Sachverständigen zu Rate zicht., Man muß.sich darüber wundern — abgesehen von moralischen Erwägungen —, daß die Meichspost" gerade diese Veröffentllchungen vormmmt.. Was Ivill sie da-mit erreichen? Mll sie in diesen Tagen der Erinnerung an das Jahr 1914, wo die „Reichspost" in fauMcken Lettern ihre Kriegslioder gegen Serbien gesungen hat, sich selbst als Werkzeug der jüdischen Weltherrschaftstendenz hinstellen? So viel wir wissen, gehörte kein Mitglied des. österreichischen oder des Potsdamer Kronwtes dem jüdischen Volk an. Wäre in diesem Blutkreis ein Jude gesessen, so hätte er die Sprache der Vernunft gesprochen und, die „Reichspost" hatte ihn als jüdischen Hochverräter dem'Patriotismus überliefert. Wie die Geheimnisse der Weisen von Zion, welche den ganzen Krieg als Werk der Juden zeigen sollen, ist auch die. Schrift des angMichen PenHa-Tull im Wesen eine tiefe Perbeugung vor der geisttgen Kraft des Judentums, die so stark sein soll, daß die Hötzendovf, die Hrndenburg, Me. großen Kriegsmänner, die Kriegsphiloisophen, die Kaffer 'und die.'Könige. und ihre Rätgelber wie blinde Mäuse hinter dem. Fleischbrocken herliefen. Auch die Bischöfe und Priester, welche die Waffen segneten, -varvn nur ^Werkzeuge des geheimnisvoll wirkenden Judentums. Und wem: nun umgekehrt jetzt der Papst für den Wiederaufbau Europas spricht, wenn'er sich für eine Verständigung zwffchen Deutschland und Frankreich rinsetzt, so wäre er nach der Logik seines lieben Sohnes Funder, auch nur „a Jud'". Das rst schließlich die einzige Konsequenz dieser MM Wifchungskarnpagne. Es wird/ so. viel.gelogen. Wim. Freitag. 2«. Sult 1928 4'scheclib*Si(iWM^ v tscheeh. K 1.— Italien: Monatl. 10 Ilxe, Ru m ä n i e n Mein. 90 Lei, Bu 1 garie.n Mon.'75 Lewa, Schweiz und das übrige; Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion ui Administration Wien, II.,Taborstrassei—3-. Telephone: 44-0-38,43-3-19,; ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.:, Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693* 5. Jahrgang Das Matt des Bundeskanzlers. Senate Auslegung des Versailler Bettrages. London, 19. Juli. Das R-entevsche Bureau, erfahrt, daß der Entwnrfder britWtt Antwort auf das 'deutsche Angebot fertiggesteW /sei und heut e v o nr K a bi nett erwogen werden solle. Man mcht, daß mehr al? eine Sitzung zur Feffstelllrng des erwgUtigen Textes notwendig sein wevbe, und manchoffe, daß die Note Kusa-rmnen mit der Manteluote «rn" «H-di e' Alliierten und an die Be-reänigten Staaten übersendet weidtzn khmre. ,Mme^ meinen, daß die Boiffchläge in dem britischen Arckwortentwurf nicht derart.seien, daß man mit einer A b I e h n u n g von irgend einer Seite zu rechnen, Lvcmcht. Es werde svWstverstäiMrch kein! Versuch gemacht, die Bestimmungen des Versailler Berwages in irgerw einer Begehung zu umgehen oder sie px ersetzen. Im Gegenteil werde Nachdruck auf eine genaue Ausl egung des Bartrages und aus die Notwendigkeit einer einheitlichen Mion auf Grundlage des Vertrages gelegt. Die Aussichten für die werteren Verhandlungen für die Alliierten seien entschieden günstiger «äls vor eimKn Tagen. In. gut'informierten politischen Krsiftn. spricht man von solgVchen . vier Punkten' als haupMchlichsten Inhalt der Antwortnote: 1. Der dev Deutschlands Zahsi^WWkoit abschatzen wird, soll, ähnlich.'dem' seiMKeitigen-Ba^ M ein beauftragter.' UMsümsschuß ' her. RePawtroüÄÄNmissiongellen. . L.- .Döe^' Morgen uuch. der« hnWeNrPerwetMgett -Dou-Höllauv und GchlWÄen zur KemMs gehchchtiMMn. JnAosem Zu-- '* sammenhMM - wird davon daß Professor' Cassel^ aus Stockholur - und der Präsident^ der Niederlä>ndffcheu Bank Bisfering. als neutrale Gächvefftändige ihre Bor-' Wäge.U'Nterbeiitett werden. 3.. Engimch wird die Frage des . passiven Mdttftcmdes erst dann in Berlin zur Sprache bringen, ävenn Frankreich und Belgien einer erneuten Abschätzung der deutschen VeistungMhigveit.zugestimmt ihaben.' 4. Falls die, ^mAhungen- Englands, zu einem direkten Einvernehmen mit. Frankreich. und Belgien zw gelangen, keinen Erfolg haben, beabsichtigt die britische Regierung, idre Rlchrfmge uird dvs Reparatüonspvoblem dem Völkerbund zu unterbreiten. Mtwortmte. — Sveuwelle Anrufung des BWerbuudes. Die belgische Vermittlung. Paris, 19. .Juli. Wie „Chicago Tribüne" von. autoritativer Seite erfährt,' sei das Hauptzngestäudnrs, das der belgische Ministerpräsident Theunis bei seiner letzten Unterredung . von P o i n c a r e erreicht habe, ldaß Frankreich den internationalen Sachverstandigenausschuß anerkennen werde, wenndie Antwortnote Baldwins eine geeignete - Formel finde. Frankreich sei bereit, auch dann seine Zustimm u ng zu geben, Mnudem Sachverständigenkomitee. amerikanische-und neutrale Sachverständige angehören. . Dr. Benesch in Brüssel. Brüssel, 19. Juli. Der ffchecho-slowakische Minister des Aeußern Dr. Benesch hatte mit dem Minister des Aeußern Jaspar eine Unterredung, die die all ge-' mei ne Politische Lage' und im . besondererr den Handelsvertrag zw'ischell Belgien und der Tschecho-Slowakei zum Gegenstände chatte. Das krmrke HandeLLlederr. London, 19. Juli. Im Unterhaus erklärte der Präsident des Handelsamtes- Lloyd G.r ea m, es sei unmöglich,, eine w'Miche optimistische Voraussage über die Entwicklung d<Ä Handels zu machen, bevor.es Ivahrscheinlich' sei, daß in der Welt stabi-le Verhältnisse emtreten. Es sei nicht änzunehmeu,, daß im nächsterr Halbjahr die Lageder- Wigen gleich, sein Iver-de. Fabrikanten, Kaufleute und Parckiers k-lagan,- ldaß. keine.B.estieilungen gernäMIverhen^ .DerArmch-hi-erfür -sei' me a l lg eMe-.i.n.e^ , veWvjaU'.-KerLk, 'ffoch Mcht gelungen-se'^ geor'd-ne.t>e Zu'stände in^ der Weit zu Die Lage im Ruhrgebiet verschärft sich. London, 19. JE Der. SonderLerlchLevstatter des; „D a i lh' CH r o n i c -l e". im Nuhrgebiet sendet ' seinem Blatt einen längeren Bericht, dessen AngaLen von einem ehemaligen britischen Offizier stannuen, der. erklärte, die BerMtnisse entsprächen Len Verhältnissen in der Straff kölonie auf der Tleufelsinsel. „Westminster Gazette" schreibt, die Lage im Ruhrgebiej gestalte sich inuner e r n st e r. Die Franzesen schickten Dausende' von Arbeitern auf die Straße und beschlagnahmten Kohle und Koks der Fabriken, nähmen. 'Lohngelder weg rrnd desorganisierteri die. L-ebensmittelzufnhr. Durch dieses Ailziehen der Schraube werde ein Kompromiß erschwert, da die Arbeiter auff ge hetzt würden., Wahltag in Seftmeich : A. Moder. In der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses «wurden die Auträ«ge . der Rchievug. betreffend Ernennmrg^ der Mitglieder der Haachtwahlbchörde genehmigt und als W a h ltag für die Nationalratswahlen der Ä. Oktober festgelsetzt. . Kne Konferenz der rheinischen Eedarattste« in Koblenz. Berlin, 19. Juli. Das „Berliner Ta ge b latt" bevichtet aus K-oblenz: Die. Sepavatfften. entfalten in den letzten Tagen eine stebwhafte Tätigkeit/ Besonders.rührig sind sie in Kob l e n z, wohin die Vertvauensnranner der einzelnen Ortsgnrppen berufen Warden sind. Es hat den Anschein,, als ob sich Dorten und Smeets geeinigt hätten und eine formelle Verständigung zwischen . Än beiden Richtungen, der' SondeMrMer erfolgt sei. Dorten.und Smeets werden sich, um einen engen Zusammenschluß-herbeizufühven, m K o b l e n z tvefftm Während dÄ eine! am 29. d. atff der Haupttagung der. Rheinischen Volksvereine in Koblentz.sprechen 'wird, wird de« andere zu gleicher Zeit «in einer öffentlichen Äeffammkrng progmmmatffche Er- KävüWen abgeben. - . . IemUM aller keifinuigen Ge> memdeMe in MbWM. Budapest, 19. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgeirzeibnug"^ Die freisiüurgen Stadtvepräsentantml, 57. an der Zähl, «haben demissioniert Mld deit Sitzungssaal demonstrativ.verlassen. Sie sind entschlosstn, bis zn den. k o mm e nden Wahlen nicht in die Städtreprasentaltz^ zuvückWkchren. Die Veranlassung zu diesem Vorgehen -bot die Wahl des Magistvatsratss .Zilahi- Kiß zum dritten Bürgermeister durch die ch r i st l i ch e K o m m n u a l p a r t e i. Zilahi-Kiß wurde vor alten, verdienstvollen Atagfftvatsräten gewählt, weil er der W o r t f ü h r e r d e r. ch % t ft I ft ch u a i tu« alen Richtung ist, sich als wütender A n t r s e m i t ausgezeichnet, und Hunderte von Lchrkräf.ten nur ihre Stellung gebracht hat, nur um sie^urch christlichnatvoualgesinnte zu ersetzen. . Die Stadtvepräseirtarrz bleibt infolge der Massenabdcmkmvg unvollständig, es gibt keine Möglichkeit, sie vor dm Neuwahlen zu. ergänzen, weil die Erscchnütgjlieder nur bezivksweffe einberufen werden können urw iu den einzelnen Bezirken. nicht mehr die. genügende Anzahl Ersatzmitglieder vorhanden ist. Lcmt dem Gesetz Mßte der Minister des Innern die unvollständige Repräsen-. tanz auflösen wird unverzüglich Neuiwahlen aus schreiben. ' . haß die Lüge sich ffeGft aufhÄt und zum Schluß nur die nackte Gemeinheit übrig- Weiht. Gehört der. Pogrom mit zu dem Sanievungsprograrnm der Regierungs- ,Parteien m Oesterreich, so sollen sie das ganz offen sagen und - sich zu dem Novös-at dekennen, der» viel cmfrickstiger - und ehrlicher nur das .getan hat, wofür ihm 'die Presse des KreuzeL und des Hakenkreuzes die geistige Powereitung bisferte. Das ist -N.schtzn Wp.'jWiWWNrt,^ an der gearbeitet-wird, Das ist die Einheitsfront, fitt die die Jüdetr gewonnen werden sollen. Uns.-kann das recht sein, wenn das Blatt des Bundeskanzlers Seiv-t diese Art Propaganda für die Einhertssror^ befrei Uns wird dadurch viel Arbeit erspart und den jüdische Wählern wird die ganze Ausbreitung der ihr feiMiche' Position offenbar. Nur so weiter. 2203