Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1591 (18.7.1923)
- Date
- 1923-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EtnzelmuimerKlOO , Wien: Zum Abholei# in dci Expedition,II.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstella (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.DinlWO. Polen: Mon. Mk.30.000. D e u t s c h I a n d: Mon.Mark 50.000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 t. , BV* Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1591 Wien. MMwoch.18. 8uli 1923 T«ch«(ho>8lewakil i tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon.90Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II,, Taborstraase 1—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19, ab 6 Uhr abds,19-483,16-301 Tel.-Adr.:,Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Sahrgan» krhöhte TMgkett der deutschen SeparaUen. Versuchte Ausrufung der Rheinischen Republik. Berlin, 17. Juli. Wie die „Zeit" berichtet, ist tvieder eine eiirigere Tätigkeit der Soyderbündle r im Nh einlande zu. verzeichnen. Ein Trupp Sonderbündler hatte Freitag den Versuch gemacht, ein P o st amt z u ft ü r m e n, sei aber von der Polizei unter Mithilfe der Bevölkerung zurückgeschlagen worden. Samstag hätten die Sonderbündler an verschiedenen Stellen die Rheinische N epublik auszurufen versucht, doch seien sie von der Bevölkerung daran gehindert und mißhandelt worden Die DroMuug des Ruhrgebietes. ' Berlin, 17. Juli. (Wolff.) Die Verlängerung der V erk ehrssperre zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiete hat in allen naheliegenden Städten sowie im abgesperrtcn Gebiet selbst anßerordent- Emigung in Lausanne. Lausanne, 17. Juli. Die heutige Nachtsitzung der Mnerten en-dete nur halb 2 Uhr morgens. Das offizielle Communiqne über die Sitzung besagt: Die heutige Sitzung hat es, ermöglicht, ü b e r a l l e schwebe n den Fragen zu einer Einigung zu gelangen und eine Vollsitzung aller drei Kommissionen der Konferenz für morgen. Didnstag nachüMags ^eiMOeoufen. .. ... Auch die Vollversammlung der drei Komitees Ver Konferenz^ die heute um 5 Uhr nachmittags begonnen hat, -ist Arrz vor 8 Uhr abends geschlossen -worden. Sie hat Mit der endgültigen Einigung in allen Punkten geendigt. Die Vereinbarungen. Lausanne, 17. IM. Die Einigung, die heute nachts mii den' Türken erzielt wurde, erstreckt sich auf folgende Punkte: 1. Die Alliierten haben das- Recht, im Falle der Notwendigkeit einvn Kreuzer und zwei Torpedobootzerstörer bis Ende Dezember b. I. in den türkischen Gewässern zu behalten. Falls die Meerengeulo nventron bis zn diesem Zeitpunkte nicht ratifiziert sein sollte, gilt das TMommen als aufgelöst. 2. Die Forderung nach der Regie generale des chemnrs de fer wird ausrechterhalten. Wenn die Türkei die an Chester gegebene Menbahnkonzession innerhalb der nächsten fünf Jahre weiter vergeben will, so soll die Regie generale konkurrenz berechtigt sein. Z. Die gleiche Regelung wie für die Regie generale ist auch für die Gesellschaft Vickers Armstrong vorgenomuren worden. 4. Eine Ginigimg Wer die Frage der türkischen Pctr-oleumkompagnie ist nicht erf-olM, dagegen hat M die englische Delegation auf eine von ihr in Deutschland vor der MarattonrkSUWWSN. Ist Zucker ein Wiederanfbanmatettill? H Paris, 17. Juli. (Del. dl ,Mr. Morg-euzeitung".). Die Reparationskommissiou wird, morgen Mittwoch die deutschen Sachverständigen^ die aus Berlin in Paris angekomrnen sind, über die Frage anhören, daß Deutschland gehalten ist auf Grund des 8 19 b ldes Anhanges 2-8 des Versailler Vertrages, Zu cker als Sa chl eist>\tuge n audie Alliierten za' liefern. Der geMunte Paragraph, der am 16. Mai 1921 durch einen Beschluß der alliierten Regierungen nachträglich in den Vertrag ausgenommen worden ist, sieht vor, daß Deutschland verpflichtet sei, die für den Mederaufbau der zerstörten Gebiete notiö'endigen Rohmaterialien und die Arbeitskräfte, zu. liefern. Frankreich und Jta-l-i-en '.Hütten, -'gestützt '-aus diesen Para- MHchen, von Deutschlaud die L i e s e r u ng v o n Zucker liche Erregung hervovgevnfeN. Durch die Maßregel ist die schwerste Belästigung für eine große Anzahl von Rhein- und Ruhrdeutschen, die icht mehr rechtzeitig in die Heimat zurückkehren konnten, hevvovgerufen. worden. Die wiMchen Gründe der treuen Gewaltmaßnahme sind authentisch nicht bekannt. Dem Polizeipräsidenten von Dortmund ist lediglich der französische Befehl mitget-eilt worden, daß der General derBesatzun g r m e e wegen der Zwischenfalle von Barmen die Berkehrssperre bis zum 26. d. nachts verlängert habe, während von Vorgängen, die die Verlängerung auch nur äußerlich begründen könnten, in Barmen nichts bekannt ist. Die Sperrmaßnahmen sind in der Nacht vom Sonntag aus Montag mit besonderer Rücksichtslosigkeit durchgeführt worden. Zahlreiche Personen, die die Grenze überschreiten wollten, wurden verhaftet, Arbeitern wurden ihre Fahrräder beschlagnahmt. der nrorgigen Nachmittagssitzung qbzuge'bende Erklärung beschränkt, wonach sich En gl and das Recht Vorbehalt, für die - Interessen der türkischen Petrole umkompagnie einzntreten. Auf diese Erklärmig wird Jsmet Pascha'in einer Erklärung antworten. Damit hofft man zu einem e n d- .gültigen Ue'bereinkommen gelangt zu sein,- das inder morgigen letzten Vollisitzung.drei Konmysi «sionen seine.Offizielle MsMgsiE erhalten tvird. Die Unst e r ze i chnung des FriedHÄietttäges sieht Mm für den A n f a n gde r u a chsie w'M o ch e, wahrscheinlich Dienstag, in Aussicht. Gin diplomatischer Sieg Jsmet Paschas. Lausanne, 17. Juli. Die Einigung, die heute nachts in Lausanne erzielt wurde, auch der Ausschluß der Petroleumfrage aus dem Friedensvertrag, bedeutet abermals einen großen Erfolg Jsmet Paschas. In Len beiden Fragen'der Konzessionen für die Gesellschaft Vickers-Armstrong, welche die Hasen- und Schiffsbauten in der Türkei monopolisieren will, und die Regie generale des chemins de fer (französische Gesellschaft für Ciftnbahnuuternehnlungen in der Türkei) haben die Alliierten dem türkisch-amerikanischen Anspruch weichen müssen. - -. •*. * Der große Petroleum ka m p f zwischen der amerikanischen Standard Oil Company und der Englischtürkischen Mroleumkompagnie, beziehungsüveise Anglo- Pevsian Company, ist im letzten Moment heute nachts noch v e r m.i e d e n worden. Die Einladung an die Moskauer Regierung, | m der Unterzeichnung des Meerengenftatuts teil- ' zu nehmen, bedingt noch eine kleine Frist, und wenn alles I.glatt abläuft, dürfte der Friedensvertrag am 24. d.unterzerchnet werden. verlangt, worauf Deutschlaud erklärte, daß der Zucker kein Wrederanfba umaterüal dar-, stelle. Da es sich um die Auslegung, des Bevsailler Verträges handelt, ist Deutschland bere ch tigt, von dvr ReparattMskommission zu verlangen, vorerst feine SachderstäMrg ' anzuhören, - ehe sie darüber 'entscheiden. Dieser Beschluß-muß/aber einstimmig gefaßt werden. Wenndies nicht 'möglich ist, kann die Streitfrage einem .Schiedsrichter unterbreitet werden. Die Bezeichnung dieses Schiedsrichters muß einsttmmig. erfolgen, ^ommt eine Enngnng nicht zustande, so hat der Völkerbund rat, einem Beschluß 'des Obersten Rates vonr 13. August 1921 zufolge, das Recht, automatisch einen Schiedsrichter zu er-' nennen. . , . - Der „T c nt ft s" erklärt,daß die. ReparationPom- ■ Mission den - Sachverständig'err nichts erlgubtzn werde, den- , StWdPunkt zu entwickeln,' daß^. Deutschland seit der Be- . setzung -der-Ruhr-^Frankreich Überhaupt keine Sachleistungen mehr schulde. ' ' ' Die öfterreichifche Hymne. —y. Wien, 18. Juli. Es wird von dem Zuisanmienschluß aller antisemitischen Parteien gesprochen. Der Antffomitismus soll zum Loittnot-iv.des poliüschen Lebens in Oesterreich abgestempelt und der Appell an die Wählerschaft, gerietet werden, dies durch die Wahl von KaudÄa-ten zu bestätigen, die sich programmatisch verpflichten, ‘ den Kampf gegen das Judentum einhMich . zu Mren. Man sollte meinen, daß ein solcher Appell in so solenner Form in Oesterreich eigentlich nicht notwendig ist. In dem gegenwärttgen Kationalrat. besitzen die offen antisemitischen Parteien, die. ChristlichsoKialen, die Großdoütschen und die Bauern,' die Mehrheit; die OppoMon der So- . zialdemokraten hat sich nicht festgelegt. Sie Ist falllvorse antisemitisch, nämlich dann, wenn es sich darum handelt, populäre Stimmungen emzufangen und rm 'geistigen Kampf, Abteilung Oesterreich, zu verwerten. Es bestehen im Iüdenpunkt nur graduelle Unterschiede. Die CHÄstlichsozialen' haben die jüdischen Sanierungs- Pläne annektiert und treiben, wo sie sich unbeobachtet ' wähnen, eine stvatsmännisch ausgeputzte. antisemitische Kleinärbeit. Die Großdeutschen leben von den Geheim- -niffen der Weisen von Zion sirrd die - Sozialdemokraten werfen beiden vor, daß sie trotz aller Regierungsmacht noch immer nicht die Juden ausgewiesen und noch immer nicht ein Gesetz über den Numerus clausus emgebracht haben.' Diesen Strömungen gesellen sich jetzt die Hakenkreuzler zu, die Partei des Pogroms, die damit rechnet, daß sie mit Hrlse des von den drei großen Parteien ausgeheckten Wahlgesetzes vier öder fünf ihrer . Hauptschreier in das kommende hohe Haus wird ent-, senden können. . Daß die. Mitglieder der bürgerlichen Parteien den Wahltag ftirchten, ist verständlich. Der Wahltag ist der . einzige Tag, dem der Bürger -sein MM Merdie abgelaufene Legislaturperiode sprechen kann, die einzige Gele'gercheii, bei derdie vielen Unbefriedigten u-rch Enttäuschten zu Worte - WtmÄi. Nach diesem Tage versinken sie wieder in der Masse der Versammlungen,- aber am Wahltage hat ihre Stimme Wert, und darum zittern alle sonst so hochgemuten Gesetzgeber vor der Urne. Sie haben dc'-hcilü in Wahrnehmung ihrer Solidaritätsinteressen diese Wahlordnung entworfen, die dem Wähler das Recht auf die Auswahl einer bestimmten Person nimmt und ihn zwingt, eine hinter ver- Moffenen Türen zurecbtgebraute Liste zu wählen. Die Demotratte wird zur Diktatur und es ist höchst charakteristtsch, daßdieses altert Parlamentarismus kolnpromittierende Kompromiß - von denr Wiener Organ der Sozialdemokratie geradezu als die Reinkultur der Demokratie aufgelobt worden ist. Aber die Parteiensind damit noch immer nicht zufrieden. Wählen sind auch für Parteien von anscheinend robuster Gesundheit eine dunkle Angelegenheit, und man hat es schon erlebt,^ daß große, festgefilgte Parteien nach dem Wahltage nur mehr klägliche Reste in den Saal der Immunen retten konnten. \ Tie Leistungen des österreichischen Nattonalrates sind nun so ärmlich, daß für den Wahltag alles zu befürchten steht. In der Wirkungszeit dieses Hauses ist der - Abstteg Oesterreichs von einem freien Staat zur kontrollierten Kolome vollzögen worden. Das ist nach außen geschehen. Nach innen ist di-e Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Mitwirkung des Parlaments entzogen und in die Hände nnverantwortlicher, unkontrollierbarer Körperschaften geraten. Das Haus sagte manchmal, nein, meistens ja: so wie ihm das eingetrichtert wurde. Und die Partei des Stolzes, die Parste: der 'Republik,- die Sozialdemokratie, die gegen die Genfer Konvention, gegen den Genevalkommissär, die Mobilisierung der nioralischen Energien ankündigte und Wunders was drohte, hat sich abgesimden^ und läuft wacker mit. Sie hat ihren WidevstaM durch Herrn Otto Bauer erklärt, den Kamps bis aufs Messer: Freiheit öder Tod! Und siehe da, .Herr Bauer setzte sich dann hin und schrieb sein Buch, „Die österreichische Revolütton", eine-weinende Betrachtung über die Unzulänglichkeit alles Irdischen. Die Revolution steht nur auf dem Titelblatt. Innen ist's der Verzicht auf die Macht,' , ein wehmütiger Abschiedsgruß an dieverlorene, verfchusterte, starrsinnige verzettelte Stoßkraft der Partei, die so offensiv war und sich heute nicht provozieren - läßt. Sie tvill sich anfchtteßen, an die Christlichsozialen, vielleicht soga-r an die Großdeutschen. Blättert man ein wenig in den 300 Setten, dann entdeckt man, daß der Anschluß an die-Hakenkreuzler sogar sch-ou Vn ist. Herr Bauer, der Sohneirie'r'Brünncv v'-yv-r: Fanü/ie, bat Unmittelbar bevorstehender Iriedensschlvß M der Türkei.