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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-16 · Heft 1589 (16.7.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1589 (16.7.1923)
Date
1923-07-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mm, MlMÜDg Wiener Morgen-eMmg VMH tn<Rtt über Me Wiederaufnahme der Bejiedungen der Auslandes mit RMand. Lands«.. 16. Juli. (Tel. der ,„Wr. Morgeu^eiturrg".) K s i« hat, wie di« JE i m c 8" aus Ritza melde«, dfr Sowjetregierimg «men Bericht Wer seine jüngsten Beratungen aBt Lord Curzon übemrittelt. Darin wird erklärt, daß das einzige Mittel zur Wiederau-fnahm« der Beziehungen der MÄandeS mit Sawjetvußlond und für dessen Anerkennung darin bestehe, die von den srüheren Regierungen eingegange-nen Verpflichtungen an-- zuerkennen, swme den Russen und Ausländern, die am Müdtzraufba-u der Russischen Industrie Mitarbeiten, daS Recht auf Privatbesitz einzuräumen, Aus aller Wett. Kalmar, 16. Jul-?. Durch einen Unfall auf der Tram- Vahftrecke Retournier—Hohrreck fanden fünf Personen )tn Tod. Etwa 50 Pers onen wurden verletzt. London, 16. Juli. Etwa 40 gefangene irische A u fitändische sind gestern abends aus dem Gefangenenlager son Clo n u e l en Kommen. V V» CVV VftMV MH Massenbesuch der Bäder. — Völkerwaudemng ins Freie. — Opfer des Badens. Die gestrige Rekovdhitze — 30 Grad im Schatten — hat einen Rekordbesuch sämtlicher Badeanstalten und zürn Baden geeigneter Gewässer in und rund um Wien;ur Folge gehabt. Schon in den frühen Morgenstunden begann eine Massenflucht aus dem glühenden Steinhaufen ins Freie. Nach dem GänsehäiM und den Strandbädern bewegte sich eine förmliche Völkerwanderung. Mit Kind und Kegel zogen ganze Familien aus, um sich in den Bädern zu elffrrschen. An den Endpunkten der elektrischen Straßenbahn spielten sich förmliche Schlachten »er dort angesammelten Wartenden ab. Aus den Wagen, die in der Richtung Kaisermühlen und Kagran fuhren,, hingen dre Leute heraus und es ist nn Wpnder, daß bei diesem Massenansttmm kein Unglück geschehen ist. Aber Hauptsache war — man fuhr. Vor den Kassen des Strandbades Gänsehaufel stauten sich Tausende und von Zeit zu Zeit mußte der Eintritt in das Bad vorübergehend gesperrt werden, da die Anlagen zur Aufnahme aller Einlatzbegehrenden nicht cmsrerchten. Schätzungsweise dürften gestern ' etwa 20.000 Menschen den ausgedehnten Strand des Gönisehäufels bevölkert haben. Schon von weitem hörte man das Brausen dieser Menschenmaffe, die auf ihre Weme gegen die »norme Hitze demonstrierte. Auch in den anderen ZtrandbWern war die Besucherzahl kaum geringer. Und dort, wo es keine offiziellen Badeanstalten gibt, hatten sich „wilde Gansehänfel" etabliert, wo ebenfalls TauserÄe von Menschen im Freien badeten. Selbstverständlich war die Alte Donau ruch von Hunderten von Booten und Fahrungen Me samster Art — vom selbstgezirmnerten Floß bis zum Waschtrog befahren. , Die Bäder am D o n a u k a n a I, sowie alle anderen Badeanlagen, wie die m K"ovenzl, am Achafberg, in Grinzing und die großen Donaubäder in Klosterneuburg, Krstzendörs und Greisen sie in waren überfüllt. Die Zahl der Besucher von Kritzendorf und Kloslermuhuvg wird mit Zchnbausenden angegOeu. Bor dem Franz Josefs- Bahnhof standen schon in aller MorgenfÄhe Legionen von AusfUglern und die Züge, die dort hinaus fuhren, «urden förmlich gestürmt. Besonders arg war der Andrana bei der Rückfahrt. In Kritzendorf gcib es bereits um 7 Uhr morgens keine Kabinen und Kasteln mehr, in Klosterneuburg mußten nch um halb 9 Uhr Tausende mit dem Gedanken abftnden, zu spät gekommen zu sein. Auch die anderen Bäder der Umgebung, wie Perchtoldsdorf, Baden und Bösllau, zeigten einen Massenbesuch. Wo es ein Stückchen Grün, ein wenig Schatten gab, lagerten sich die lufthuugrrgen Wiener in ganzen Scharen. Das Jnnundationsgebiet wimmelte wie ein Ameiserchcmsen. Die Unfallstatistik des gestrigen Tages. Leider hatte der gestrige Tag auch einige Todesopfer zu verzeichnen. Im Freudenau er Winterf)ofem, wo der Beamte Johann Hafenedl mit seiner Familie badete, ertranken Vater irnjb Tochter, während die übrigen Familienangehörigen gerettet werden konnten. An derselben Stelle ertrank auch der Mechanikergshrlse. Joses Sablik. Und auf der Alten Donau kam der Kaufmann Friedrich Gr über ums Leben. Die Rettungsgesellschaft hatte im Laufe des gestvi-?n Tages nicht weniger als 7 6 Ausfahrten und 7 Patienten. Chefarzt Dr. Samberg sch sich sogar -egen Abend gezwungen, einige Notbetten zu er-. «08 iiuiiimmm des „Stafa“-Warenhauses, Zentralpalast, VII,, Mariabilferstrasse 120, erhält in der Zeit vom 16. bis 31. Juli 1923 für jede Barzahlung von K 15 0.000 eine Anweisung auf eine ßratisgottJon^jStä^^^^frorGnes Gleichzeitig findet in allen Abteilungen ein grosser Sommerräumungaverkauf statt. In^aUea^L^enmWaMalenJe^Jt^ (ehemals Reicbswirtscbaftsbund und Wipa) gelangen in der Woche vom 16, bis 21. Juli zum Verkauf Kartoffeln . . . K 1.700 pro Kilogramm Schweinefett. . K 23.000 pro Kilogramm Bestellungen auf Rundholz und Kohle in plombierten Säcken einschliesslich Zustellung in den Keller werden in allen Filialen entgegen genommen. Das Im Zentralpalast VII., Marialiüferstrasse Nr. 120 bietet sichere Kapitalanlagen, gute Verzinsung und kulanteste Durchführung aller Banktransaktionen. Spargelder können in allen „S t a f a‘VL eb ensmittelf i 1 i a 1 e n eingezahlt werden. richten, da auf der Unfallstation bereits kein Matz mehr war. In zwei Fällen sind Patienten durch Sonn e nstich derart schwer erkrankt/ daß an ihrem Aufkommen ge zwei seit wird. Haute früh zeigte sich stacke Bewölkung, ohne daß die Hitze sonderlich nachgelassen Ein leichter Regen brachte eine kaum merkliche Abl'üylung. IlMetterkatastrovhe 5« Berlin. Schwere' Schäden. — Zahlreich« Tc^eSopfer. Bvrlin, 16. Juli. (Tel. der „Wr. Morgen^itung".) Ueber Berlin ging gestern abends ein .schweres Unwetter nieder. Durch 'den Mwttt erstürm ivurden in hen Parkanlagen zahlreiche Bäume entwurzelt. Cinie im Fckbr-iüsv-i'setel neu errichtete, über 160 Meter lange Mauer, wurde nmlgeworfcn. In den Gewässern in her Umgebung Berlins sind zahlreiche Segelboote gekentert. Die Zahl der hlechei ums Leben gekommenen Personen konnte bisher noch n icht' festgestellt werden- Auf der Chausse A b sd v rs—N i ed e r s ch ö neweide schlug der Witz in sinen Kastameinbaum ein, unter dem ein R-adfahrervevein Schutz Wucht hatte. Zwei Radfahrer wurden ans der Stelle getötet, mehrere andere verletzt. Im Laufe des Nachmittags wurde eine größere An« .zahl Personen vom Hitzschlag gerrossen. In den Badeorten sind sieben Personen ertrunken. Gestern fM ist der bekannte Wiener Philosypli Unü versMsvrosessor Dr. MWlm J^ruNtzM im Alter von. 69 Jahren in seiner Wohnung in d.:r Kchofftraßo 7 a infolge eures HMcklaaes plötzlich veiMeden^ Professor Dr. Jerusalem, der als Philosoph aus der Schule Robert Zirittnernranns hervoraeaamen war und von disse-m auch sehr geschätzt und geachtet wurde, ist seit dem Jahre 1891 Nrivatdozent an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität nowsen. wo er sich dann in den späteren Jahren als Professor habilitierte und bedeutende Erfolge ani denk Gebiete der klassischen Philologie zu verzeichnen hatte. . Er-war früher Professor der deutschen Sprache und Literatur sowie für philosophische Propädeutik im Piaristengvmnasium. wo er sich bei seinen Schülern schon damals einer großen BchMeit erfreute. Eines seiner bedeutendsten Werke ist das Buch „Emloitung in die Philosophie". das fast in alle Sprachen Europas und darüber hinaus übersetzt wurde und überall großen Anklang fand. Im Gymnasium von seinen Schülern und faiifpv auf der Universität von seinen Hörern geehrt nttfc geachtet, war ei stets ein Freund der Jugend, ün Mann von seltenen Qualitäten. Rubruch in eine polnische Kathedrale. St» VNMtak-andiebffahl. Jp ter Kathedrale in Gnesen wurde, wie au) Warschau geMdtt wird, ein Einbruch verübt, Btf dem Kirche «kostbar k eiten im. Werte vor einigen Milliarden geranbt wurden. Dis Einbrecher haben sich Lei der Fortfchaffung der gestohlener^ Schätze eines Automobils bedient. ßrlirntschgesahr in HeUigenstaSt. Vrrschlittungsgefahr. — Das Terrain abgesperrt. Die irichtr weniger <rls wohlriechende Angebegenhett der angeblichen HeiliiAanstLdteL'Schwefelquelle, di« seit einer Wache die Orssentlichkeit in Anspruch nimmt, beginn! langsam katastrophale Formen anzunehmen. Durch die Aus« pumpNng der Hanser-Lacke sind nicht rmr ihre Ufer, sondern auch die in ihqvr Umgebung befindlichen Gebiete ins Rutschen geraten, so daß nun für die H e i l i g e n st ä d t e r st r a ß e und die Grinzingerstr-aße eine unmittelbare Gefahr droht Einige der in der Umgebung der Teichege, gelegene Schrebergärten sind den Erdrutschungen bereits zun Opfer gefallen, und eS besteht die Möglichkeit, daß noch weitere gewaltige Erbmassen ins Gleiten kommen und die Gr inzingerstraße verschütten. Auch die zur Auspumpung des Deiches errichtete Pump a n l a g e, die sich aus einem hohen Gerüst befindet, kommt in Gefahr, vornüber inS Wasser zu stürzen. Die Polizei und das städtische Bauamt haben sich infolgedessen veranlaßt gesehen, umfassende Sichecheitsvovöehmngen zu treffen. Schon feit dem ersten Erdrutsch ist der Ftchrwerksvvrkchr in der Um gobung der Hauser-Lacke verboten. Nun wurden in weitem Umkreise Absperrungsmaßnahmen von genommen, um eine Gefährdung von Fußgängern zu vermeiden. Der Schwefelgeruch, der dem Wasser entströmt, mach! den Aufenthalt in der nächsten Umgebung des Teiches fast unmöglich. Der Gestank ist so intensiv geworden, dast man gestern nachmittags den Schwefelwafserstoffgeruch ganz deutlich auf dem Franz Josefs-Kai wahmehmen konnte. Per der ewrmen Hitze bildet diese verpestete Lust ein» direkte Gefahr für die ii Heiligenstadt wohnenden Leute, so daß sich die Hausvr-Lacke als doppelt gefährlich erweist. . Sic. es mit der angebliche Schwefelquelle bestellt ist weiß man vorläufig noch Nicht, und man kann auch nicht sagen ob wegen der Mnstürzgefahren hie AuSPumPungsarbetten in de» vorgssthenen Zeit zu Ende geführt wäden können. Meine Lokalchronik. Der Chauffeur Franz Gelliuger stchr Samstaz nachts in de-r LerchenftMrstvaße cm einen Straßenbahnzug an und wurde schwer verletzt. An der Heiligenstädterlände wurde der Kutscher Franz Summerer von einem Auto nüLeogrstzoßen. Ev erlitt einen Bruch:be8 SchäidelgvurcheS. Auf dem Elterlemplatz stieß' ein Motovva-dfahrer den SchirmmachergchWfen Dyavdäus He-n nieder, Hem wurde mehrfach verlöt. SamStag nachts stürzte sich die Hausgehilfin Joiefine Wei ß mit ihrem anderthalhjähttyen Kinde aus dem zjwsstM Stockwerk m den Hof. Mutter und Kind erlitten schwere Verletzungen. Der pnrsionierte Hosapocheker Oskar Vurkherr ist in seiner Wohnung tot aufgsfurtten worden. Todesursache: LeuchtgaSvergistung infolge undichten GaSMauchch.' , Gestern nachts geriet der Hilfsarbeiter LNatejka mit seinen beiden Schwägern in Streit, indessen Derlauf er durch zahlreiche MsseOiche schwer verletzt wurde. Me Private Marie Fran» versetzte heute nachts in einem Kassteü>au!se der Nicherin Marie Pecha ahne Mn Grund eimn solchen Schlag mit einer Bievflaische, daß die Pechs mit schweren Kopfveriletzungen zusammenbrach. * D'Albert ist patriotisch. Aus Berlm wwd berichtct; In emem gegen (Lügen dÄlhert beim Amtsgericht Berlin- Mithe schwebenden Ziviprozeß hat sein Prpzeßgvgner durch seinen Anwalt die oeütschfreundliche Gesinnung . d'Alberts bestritten und sich mit Politisch gefärbten Angriffen gegen den Komponisten gewendet. Der Arewall. der diesen Prozeß'Men d'Albert führte, hat dann kurze Jett nachher in privater Unterhalttlng über den Prozeß aesprocken und die Angriffe wiedecholt. Dieses private Gespräch war zur Kenntnis des Komponisten geMHl, der darauf gegen den Mchtsan- Walt.PvivaMgae wegen Verleumdung erhöh, da ex, obwohl von Rattomklstat SchweiM, bei seiner intimwt künstlerischen Verbindung mit Deuffchländ die AbleugUung seiner deutschfreundlichen Gesinnung als sine BklAigung empfsud. Das Gericht hatte sich diefenr StMpunkt angMlpssen nrch das HauptvWqhrvn Wffmt. Bor degr Dormin hat nun der Prozeß jedoch seine Erledigung dadurch gefunden, daß der beklagte Anwalt dem Kläger d'Mvert eine EhrenMamny abgab, und die von Am getane Amßerung als unrichtig mit dem Ausdruck. des Bedauerns zurückm>hm. Redigiert von Dr. SMel Besr. Die Gefahren -er Entbindung. . / In den ätzten Jahren kam -er Arzt eine Furcht der Frauen vor den Gefahren dev Gehurt beobachten. So manche Frau wünscht sich ein. Kind, aber sie hat von.einem schlechten Ausgang dpser oder jener Geburt gehört Atd dieses Gerücht verdirbt ihr dk Freude an dem Wesen, daß sie unter hem Herzen trägt. ' ' Ein großer Teil - dex Schuld wird.' den Aerzten zur Last gelegt, die in ihrer übergroßen Brnsicht den Frauen' WjE1; r.’.'.r’irr,

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