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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-12 · Heft 1585 (12.7.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1585 (12.7.1923)
Date
1923-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Elnzeldumnier K1QOO Wien: Zum'Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ch e c h o- S1 m k e i: Mon. K17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. Polen: Mon. Mk.25.000.Deutschland: Mon. Mark25.000. F rankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 WM" Nach Zahlungen "W> bei Preiserhöhungen Vorbehalten « \ -■! - - teuer ♦ Nr. 1585 ' Wien. Donnerstag. 12. Sali 1928 Tschecho-Slowakei tschech. K 1 — Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien Mon. 90 Leit Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephöne: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: »Morgenzeitung“ Wien Oesterr eichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 wammmmmmmam 5. gichrgano MiMische Spekulanten. -7. Wien, 12. Juli. Heute sollen im englischen Unterhaus die Regierungserklärungen über die Repavattonsfvage und das Verhältnis zu Frankreich abgegeben werden. Die politische Wett sicht in stärkster Spannung diesen Enunziationen entgegen, von denen man die schwerwiegende Aufklärung darüber erwartet, ob England sich zu einer Sonderaktton entschließt* um seine Angelegenheiten mit Deutschland allein zu ordnen, oder ob-ihm die Freundschaft mit Frankreich wichtiger dünkt. Eine Sonder- , aktton wäre das Ende der Entente und damit der Beginn neuer schwerer Komplikationen in der politischen Lage Europas. Der Inhalt der englischen Beschlüsse ist bis zur Stunde noch nicht bekannt und alles, was über dieses Thema in der deutschen Presse berichtet wird/ muß mit sehr viel Vorsicht und Mißtrauen betrachtet werden. Der deutsche Nachrichtendienst ist zu einem sehr großen Teil unter die Kontrolle des Herrn Stinnes geraten und dient sehr durchsichtigen Tendenzen. Wenn also heute immer und immer wieder in der deutschen Presse davon gesprochen wird, daß England bereit sei, die Sache Frankreichs zu verlassen, und daß in der französischen Oeffentttchreit deshalb große Erregung und Besorgnis herrsche, so muß man das mit. einer sehr starken Dosis von Skeptizismus aufnehmen. Eine solche Wendung wäre zu sehr nach dem Geschmack der, Kanonemttdustrie in Frankreich und ihrer Verbündeten in Deutschland, sie würde zu sehr den Börsemnteressen der nationalistisch orientierten Schieber entsprechend Die Friedenskonferenz in Lausanne, die..zu einem glücklichen Ende gediehen ist, kann England, als großen Erfolg seiner Elastizität. buMn., FMkreich.hat.Schritt für Schritt nachgeben müssen^ und da rn der Politik aller.Machtstaaten das „Gib, damit du bekonlnrst" gilttso kann man schon daraus schließen^ daß England es jetzt zu keinem Bruch mit Frankreich. kommen . lassen wird. Es ist zwar Tatsache, daß die englischen Wirtschaftskreise in ihrer Sorge um die nächste Zukunft einen , starken Druck auf die Regierung ausüben, um sie zu einer aktiveren Haltung zu veranlassen, aber nirgends in England tvürde man für ein völliges Abrücken von Frankreich stimmen. England und Frankreich müssen miteinander verbündet sein, weil sie einander sonst in Feindschaft gegenüberstehen; und wenn England den Deutschen Helsen und mit dazu -beitragen will, den ungeheuerlichen, militaristischen Skandal der Ruhrokkupation aus der Welt ■ zu schassen, so kann es das nur dann tun, wenn es mit Frankreich gemeinsam vor-' geht und alle Schritte Frankreichs vorher kennt. Es liegt demnach im Interesse Deutschlands, daß die Entente aufrecht bleibt. Die Schicht des deutschen Volkes, die aus den Verbrechen des französischen Chauvinismus ' hohe Profite zieht und das. Leid der Ruhrbevölkerung in hochwertige Devisen umsetzt, wäre mit einer solchen Orientierung der englischen Politik selbstverständlich nicht einverstanden, weil sie ihre Geschäfte stört. Die erste Folge der englischen Kontrolle über die französische Rnhrpolittt wäre, daß der. würgende Druck gelockert und das deutsche Volk eine Atempause erhielte. Es würde sich ihm die Möglichkeit geben, den Todfeinden der Republik im Innern aus die Finger, zu schauen ' und sich die Führer des völkischen Akttvismus aus der Nähe zu besehen. Die deutsche Industrie hat unter der Führung dieser von Frankreich bezahlten Nationalaktiven erklärt, sie könne die Reparationsleistungen bis zur Höhe von 600 Millionen Mark übernehmen, falls sie dafür innere sozialpolitische Konzessionen erhielte. Läßt man diese Erpressung weg, so ergibt sich, daß die deutsche Industrie imstande' wäre, einen schr hohen Teil der Wiederguttnachungssummen zu tragen, während den änderen Teil die Landwirtschaft übernehmen könnte, die fteilich eine Verpflichtung mit Gott für König.mtd Vaterland abjelehnt hat. Diese . Haltung der Völkischen hat in Deutschland zu einer Belastung der inneren .Polittk geführt, und Dr. Stresenwn'n hat vergangenem Samstag in der Zentralversammlung der; deutschen Volkspartei rundweg erklärt, daß Deutschland vor'einer. Revolution stehe, falls über die GaranMeistungen der.; deutschen Wirtschaft keine Verständigung erzielte wer--, den könne. Es würde dann eine Entwicklung eiytreten^ die parlamentarisch nicht mehr beherrscht, werden könne. Daß dieser. Kenner der. deutschen - Verhältnisse ins Schwarze getroffen hat, beweist das wütende Echo aus dem Lager der Völkischen, die Herrn Stresemann als Verräter, als Erzberger Nummer. 2, ja sogar als.Juden an heit Pranger stellen, wie sie überhaupt die Gewöhn- Bor der englischen krllärung. fleht Bruch mit Frankreich. - Sine Warnung. - Me deutsche zahluugsföhigkett wird ge- -Äst werde«. London, 11. IM. (Tel. d. ,Mr. MorgertzeiNng".) In hiesigen politischen Kreisen, verlautet, daß die Erklärung, die Baldwin morgen im Unterhaus vbgeben wird, nicht den Bruch mit Frankreich zu Folge haben werde. Die Erklärungen werden-in freundschaftlichem' Sötte gehalten sein, es aber au Klarheit nicht fehlen lassen und auf die Notwendigkeit einer neuen Reparationspolitik Hinweisen. „Daily News" teilen Mt, daß die Mlärungen B a l'd w i n s als A n t w o r t auf. eine Anfrage des Parlamentsmitgliedes Ma cdouäld erfolgen werden. Baldwin wird einen R ü ck b l i'ck auf die Ereignisse werfen, die in die gegenwärtige Sackgasse geführt haben. Er werde kernen bestimmten .Plan. Vorschlägen, aber > . Frankreich warnen, wenn -es auf seiner Weigerung beharren werde, die Reparationen aufs neue zu prüfen, daß sich England gezwungen sähen werde, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um seine Interessen zu schützen. Heber diese. M atz n ahmen besitze man im übrigen englischen Kabinetts ganz bestimmte Ideen. ,'V> , ■- .■ r-. Baldwin werde Frankreich.ersuchen, ernsthaft zu überlegen, bevor es. einen,Beschluß fasse. Cr werde, den pässiven berurteilen'und Frankreich auffördern, zu erklären. sagen, was die Idee eines Bruches mt Frankreich auslowmen lassen könne, sondern den tiefen Wunsch seiner. Regierung zmn Ausdruck bringen, 'daß die beilden Länder die freundschaftliche Zusammenarbeit forisetzen mögen, -die sie zum Siege geführt hat. 'England nehme den deutschen Vorschlag für die . > Einsetzung einer Sachverständigenkommisson zum Zwecke der Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit an. Benesch vermittelt. Paris, 11. Juli. „Chicago Tribune" nreldet aus London, dem Besuche .des tschecho-slowakischen Außenministers Dr. Benesch werde in p o l i t is ch e n Kreisen größte Bedeutung beig Messen. Obzwar - ein Vermittlungsversuch in der Ruhrfrage geleugnet werde, stehe doch fest,'daß Dr. Benesch nach der Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Poincare nunmehr auch Besprechungen mit dem Prenr-ierminister Baldwin und dem lAußenminister Curzon haben werde. Es bestehe kein Zweifel, daß -die Reife Doktor Benesch' einen ernsten Versuchbedeute, einen Ausgleich zwischen England und Frankreich zu erzielen, mit deren Regierungen der tschecho-slowakische Außenminister gleicherweise gute Beziehungen unterhalte. Poincare wird mit Theunis. konferieren. Paris, 11. Juli. Der Brüsseler Korrespondent des ,/Petit Journal" erfährt, daß die Zusammenkunft P o r n-!.care-Theunis erst, nach der siir Donnerstag iMgesttzten. Erklärung Baldwius itn Unterhaus Sine deutsche StatiW Wer dieRNWesetznu». Berlin, 11. Juli. Nach Angaben von unterrichteter Seite liegt nunmehr volle sechs Monate' in den: widerrechtlich besetzten Ruhrgebiet eine französisch-belgische Armee von 87.000 Mann aller Waffengattungen, davon 80.000 Franzosen und 700.0 Belgier. Im altbesetzten Gebiet stehen außerdem 97.000 Franzosen und 17.000 Belgier. Ferner wurden 10.000 französische und 3000 belgische Eisenbahner ins Ruhrgebiet entsandt. Durch das Vorgehen der Besatzungstruppen haben bis anfangs Juli 92 Pers onen ihr Leben -eingebüßt. In dem gleichen Zeit-' raum wurden 75.714 Personen aus ihren Wohnungen vertrieben^ darunter 71.145 ariszewiesen. Im preußischen Einbruchsgebiet wurden 169 Schulen mit 1637 Schulklassen durch die Be-- satzungsbchörden beschlagnahmt. Unter den zahlreichen, widerrechtlich gefällten Urteilen sind neun Todesurteile zu. verzeichnen/ wovon eines bereits vollstreckt wurde. Der Erfolg der französisch-belgischen Besatzungsbehörden sicht zu dem militärischen Aufwand in keinem Verhältnis. Vom 11.-Jänner bis 30. Juni 1923 sind nach Frankreich und Belgien insgesamt 478.700 Tonnen Kohle und 616.200 Tonnen Koks aus dem Ruhrgebiet abgefahrene worden, das ist kaum das Doppelte dessen, was Deutschland vor der Ruhrbesetzung in den ersten zehn . Tagen des Monates Jänner freiwillig geliefert hat. Griechenlands Aufnahme in die kleine Mente. ' Athen, 11. Jttli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In offiziellen Kreisen wird erklärt, daß auf der Konferenz der kleinen Entente in Sinaia mit großer Wahrscheinlichkeit die Aufnahme Griechenlands in die kleine Entente diskuttert werden wird. Englands Schulden au Amerika. Amdm, 11. Kuli. <M. der, ,Mr. MvvgeWMmtz".) Die Regierung hat den Vertrag über die KönsolidierMg der .eng- . Aschen Schulden an Amerika verÄffeMscht. Daraus geht hev- ' vor, daß Enigland an Amerika ein Kapital von 4600 Millionm Dollar schuldet. Diese Schuld muß im Jahre 1984 gezahlt sein. Die Werzvnsung beträgt 3 Prozent in den ersten zehn Jahren und 3,6 Prozent während der übrigen 42 Jahre. Im 'Jahre 1628hat England 161 Millionen Dollar zu bezahlen und in den folgenden Jahren steigt die Aremriät, um. . später - wieder zu fallen. England, ist /berechtigt, in den ersten fünf ' Jahren die- Ännrtität in amortisietzbave.n ObligatiotM zu entrichten, die.vor'dein Jahre '1984 verfallen seä.» müssen/ - Ferner ist. es bevechtigt,' während 'der ganzen Dauer dieser' Schuld die Zahlung in amerikanischen Rent-e>npapieven M leisten. Der Srieutfriede. Lausanne, 11. Juli. (Tel. der ,/Wr. Morgenzertung".) Dir Sachverständigen setzten in den letzten Tagen ihre Arbeiten fort, die bereits sehr weit sortgeischr-itten sind. Für -heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, ist eine Priv atz usam m eu-- kunst der alliierteil Delegierten mit Jsmet Pascha angMndigt. Jsmet Pascha und Bemzelos. Lausanne, 11. Juli. (Del. der ,Mr. Morgenzeitung.) Jsmet Pascha schickte heute, seinen ersten Sekretär zu Venizelvs, der heute aus Paris hier eintraf, um ihn zu benach-! richtigen, daß er sein Telegramm erhalten und. sofort an die türkische Regierung telegraphiert habe, um die Vollstrecktlug des .Urteils gegen die 17 zmn Tode verurteilten Griechen atlsz uh alten, damit diesen die Bestimtnungen der Amnestie zugute stimmen. * In griechischen Kreisen zeigt man sich schr zufrieden über diesen Schritt Jsmet Paschas. Lebemmittelnnmhen in Potsdam. Berlin, 11. Juli. Wie die Abendblätter melden, ist es heute in Potsdam zu Äebensmittelnnvuhen gelom- ' men. Auf dem Wochenmarkt forderte die Wlenge eine Herabsetzung der Preise. Schutzpolizei griff ein «und zevstvetttt die Ansammlung. Später zogen größere und kleinere Tvtchps vor die einzelnen Lebensmittelgeschäfte und^ zwangen die Inhaber, die Waren zu ermäßigten Preisen abzugeben. Zu Plünderungen ist es nicht gekommen. Fast alle Lebensmittelgeschäfte der Stadt sind z n r z e i t g e s ch l o f s e n. . Ein, Brot — 20.000 Mark. Der Preis für markenfreies Brot ist von morgetr ab auf 20.000 Mark erhöht worden. Auch'-der Preis für das übrige Gebäck erfährt eine entsprechende Erhöhung. Generalstreik in öhanien. Paris, 11. Juli. (Havas.) Die Blätter melden «iß Aladrid: Der Gewerkschaftsverband hat den ihm augeschlossenen Gewerkschaften in Madrid, Barcelona, Sevilla, Valencia, Saragossa und La Eo r u rt.a aufgetvagen, -den Generstreik zu proklamiereü. Die' kommunistischen Arbeiter habetv ihre Unterstützung : zugesagt. - heit zeigen, alles, was dem Frieden dient, was--der Vernunft entspricht, als jüdische Ätache zu stempeln. Aber der AnttfemittsNMs und der radikale Nationalismus schaffen -keine aufbauen-den Werte, sie zerstören nur und sind außerdem Politisch und sittlich nlindcrwertig und korrupt. Unter dieser Fuchtel ist die deutsche Mark so eingeschrumpft, daß sie mit freiem Auge nicht mehr sichtbar ist, und die Substanz der deutschen Wirtschaft wandert' in die tiefen Taschen der gutdeutschen Börsenjobber. '

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