Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1584 (11.7.1923)
- Date
- 1923-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eil rAi lll,ll msr&IOOO Wien: Zorn Abholen in der Expedition,IL,Taborstr.l-3, »der m einer VerschleiasteUe fprafik) monatl. K 28.000 Mit Postvera and für Wien u. Desterr. monatl. K 28.000 fs dr e ,c h o - S1 owoke!: Won. K17. Jugoslawien: Won. Dinar 40. Polen: Man. ilk^S.OOO.Dentschland: tfon.Mark25.000. F rankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT* Naehsahlunjea "Wg I«! PreSierhohmgen vorbebsltcn mm Nr. 1584 teuer Sie», Mttinöch. 11. Snli 1923 Tscheche-Slowakei» tschech. K 1 — Italien: Monatl.lOUfei Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon.75,Lewa, S e b w e i z, und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, Il.,Taborstrasael—3. Telephone: 44-0-38,43-3*19, ab6 Uhr abds. 19-483,16-301 TeL* Adr.: »Morgenzeitong“ Wien Oesterreichisches Postspar* kassen- Konto Nr. 150.693 mmmmmmmmaam 5. SofirflmtB Sie Sonderaktion Englands. Samstag fall eine englische SachverftSndigeakonserenr die deutsche MlnngrfWgleit feststelle». - Bor der AegierungserklSmug. Englands Alntwort an Deutschland. London, 10. IM. (Tbl. der ,Mr. Morgenzeitung".) Der diplornatische Kor-rchpondent der „Pall Mall Gazette" glaubt, daß die englische Regierung bereits Endedieser Woche eine S o n d e r ak t i o n in der Repavatronsfrage eröffnen wird. Sie wird vorerst eine Kommission englischer Sachverständiger für -die Bestimmung der deutschen Zahluugsfähigket ernennen. Auf Grund der Beschlüsse dieser Kommission wird dann die Antwort an Deutschland ausgeurbeitet werden. Auch der ,-Star" drückt sich in ähnlicher Weise aus. „E v e n i n g Stauda r d" schreibt mit Bezug auf die Rede Poincäres in der Kammer, daß man auf den Burenkrieg zurückgreifen müsse, um so beleidigende Aeußerungen gegen England zu finden, wie sie Poincare ausgesprochen habe. vor den englischen Regierungseeklärungen. London, 10. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Zeitungen teilen mit, daß Bald Win seine Erklärungen im Unterhaus Donnerstag in Form einer Antwort auf die Anfrage eines Abgeordneten abgeben wird. Eine Diskussion wird wahrscheinlich erst am Fveitagfftattfinden. London, 10. Juli. (Molff.) Der - diplomatische Berichterstatter des „Daily Delsgraph" glaubt, daß bei den iycchr-- scheinlichen' Evklävungm des,. Premiermi nisterH,-,W Unterhaus und des^WMnmiMters Lypd Curzo-rNM Oberhaus am Donnerstag die . ^etz-te?r Englands M. b^S-- eüropWHe». KMl '< dens werden behandelt werden. In politischer Hinsicht sei' der Stand der engbisch-sr-anMischen Bezichungen seit dem Rnhreirmrarsch durch Mchtzusamnre-naribe-it charakterisiert gewesen. Weiters erklärt der Berichterstatter, amerikanische, und neutrale Kreise hätten ihre große Gonngtunng darüber anSgedrückt, daß die OeffenMchEeit endlich über ' den britischen Standpunkt unterrichtet werde. Der diplomatische. Berichterstatter des ,/Daily Chronicle" sagt zum bevorstehenden Besuch des tschechoslowakischen AussonnrinPers, Dr. Benes ch ko-rnnre in An-g elege nheiten der kleinen Entente nach'London. Um eine Vermittlung in der Rnhvfrage handle es sich nicht. Ein internationaler Kongreß unter amerikanischem Vorsitz. Paris, 10. Juli. (WoW^Der Londoner Korrespondent der „Chicago Tribüne" will bestimmt erklären können, in der gestrigen Sitzung des englischen Kabinetts sei beschlossen worden, daß durch eine - internationale Kömmission die deutsche Zahlungsfähigkeit festgestellt werden solle. Großbritannien werde die Initiative ergreifen. und die Alliierten und die neutralen Mächte auffordern, Delegierte zu einem Kongreß zu 'entsenden, der die Lage Deutschlands zu prüfen und die. Enffchädigungsansprüche gegen Deutschland festzusetzen hätte, Frankreich werde zur Teilnahme aufgefordert werden und, wenn es ablehne, werde der Kongreß trotzdem statffmden. Man hoffe indes, daß die Franzosen die Teilnahme an der Konferenz einer vollständigen Isolierung vor^iehen würden. Nach dem gegenwärtigen Plane würden die Vereinigten Staaten ausgefordert werden, den Vorsitzenden zu ernennen. Sollte die amerikanische Regierung eine Teilnahme ablehnen, so würden die Mächte vielleicht einen hervorragenden amerikanischen Juristen mit dem Vorsitz betrauen. In diesem Zusammenhänge 'würden die Obersten Richter der Vereinigten Staaten Taft und Eli hu Root genannt. Es werde.erwartet, daß Italien und die kleine Entente sich* dem Vorgehen Englands an-- schlietzen wurden. Die Pariser Verhandlungen Dr. Benesch'. Paris, 10. Juli. Ueber die Absichten Dr. Benesch' schreibt ,-Petit Journal": Man kann als sicher annÄhmen, daß die Unterredung Dr. Be ne sch' mit Poincare der allgenreinen Lage gegolten hat, die durch die Noparationskrise geschaffen worden ist. Sein Stand-' pu-nkt ist, daß die Entente cordiale.zwischen Paris und L ondo n eine unbedingte Notwendigkeit für die Aufrecht- '^MltuMZM-Ordnung77Ütz^ried - in/MttÄeuroPa fei. ' Das' Grde- 'der- 'EntejM wcWpM^ WOk^ Ansicht .' .«'ms direkte Bedrohung der Tschecho-Slo'wakei. Man begreift ' unter diesen Umständen, fährt das' Blatt fort, daß. , sich Dr. Benesch :rach den westlichen Hauptstädten begeben hat, um.sich Rechenschaft über die wahre.Lage zu geben. Es Ware jedoch vollkommen falsch, zu sagen, daß er als Vermittler komme. Auch Japan gegen die Ruhrbesetzung. Paris, .10. Juli. Die ,Humanite" entnimmt einer offiziellen französischen- Veröffentlichung einige Stellen aus einer Zusammenstellung japanischer Presseäußerun-- gen Zur Besetzung , des Ruhrgebietes, worin es heißt: Die japanische öffentliche Meinung erweist sich schon seit den ersten Tagen der Besetzung der französischen Mion u n g ü n st i g. Die gesamte japanische Presse bringt zum Ausdruck, daß die von Frankreich getroffenen Maßnahmen als eine K.undgebu ng des Imperiälismus bettachtet werden müssen. Allen seinen ^Wartungen zuwider .stehe Frankreich vor einem völligen M i ßerfolg. ' . Aufnahme Deutschlands ln den BMerbnnd. Eine internationale Mrtfch»stsko»kerenr. Berlin, 10. Juli. Die „B. Z. anr Mittag" meldet l aus London: Der gestvige Kabinettsrat hat zwei Bels ch l ü s f e gefasst, und zwar: 1. Da die Methode der I diplomatischen Aussprache sich als - ü n f.r uchtbar erwiesen hat und Frankreich zu einseitigen Erklärungen über, seine unabänderliche, intransigente .Haltung, ühevgegangen ist, fft die englische Regierung schon mit Rücksicht auf ihre öffentliche Meinung genötigt, eine -ausführliche R-egierungscrMrung über den von ihr vertretenen Standpunkt, i n der Rep ar a t io u s f r ag e abzugeben. 2. Die äußerst beunruhigende Lage in Deuts ch-- la nd läßt es als erforderlich erscheinen, daß die englische' Regierung unverzüglich der deutschen Regierung eine Antwort auf ihre letzte Denkschrift in dex Reparationsfrage erteilt. Als erster Schritt wird also eine englische . Erklärung erfolgen, in der der zweite Schritt, die'Antwort an' Deutff chla n if, bereits angekündigt werden dürfte. Die englische Antwort Wird verhältnismässig - kurz sein. Sie . gibt der Bereitwilligkeit Ausdnrck,' Deutschlands Zahlungsfähigkeit von einem i nt ernat tbna len Sa ch v er- .stäubigenausschuß abschätzen zu lassen. Aus den ^voneinander abweichenden Zeitungsaneldnngen geht heri vor, daß man in englischen Regierungskreiftn noch keinen ' endgültigen Beschluß gefaßt hat, ob dieser Sachverständii genausschuß von der Reparationskommission nh»* voin -BWerbemd aus Englands Anttag ernannt werden soll. Liegt dos-Gutachten dieses Ausschusses vor und ist Deutschland, wie man in England bestimmt hofft, anfangs September in Genf in den Völkerbund ausgenommen worden, dann mühte a u f e i n e r i n t e r n at i o n a l.e n W i r t s ch a f t s k o n f c r e n z dies stellt den dritten Schritt dar —, die von England oder vom Völkerbund einznberufen wäre und . an der außer den verhandlungsbereiten Alliierten und den Vereinigten Staaten auch die Neutralen teilzuuehinen' hätten, . über die F i n a n z i erun g der Deutschland von den Sachverständigen zugemnteten JahresZahlungen und über die Regelung der interalliierten Schulden beraten werden. Nachdem das technisch-wirtschaftliche RePavationsprogramnr gelost sein wird, wird England als vierten Schritt einen Versuch machen, durch dieselbe internationale Maschinerie ein Abkommen über die Sicherungsfrgge und die Räumung des Ruhrgebietes herbeizuführen.! Wie „Daily Telegraph" nreldet, soll Außenminister. Lord'Curzon in seiner gesttlgen Unterred'ung mit den: deutschen Botschafter Dr. Sthamer darauf hingewiesen haben, daß die deutsche Negierung gut daran, täte, in nicht mißzuverstehenden Worten ihre Mißbilligung jeder Art v o n S a b o t a g e auszufprechen. Die Unterredung soll in ihrem weiteren Verlaufe nach englischen Angaben sich mit der Frage des Passiven Widerstandes eingehend beschäftigt haben. England md die jüdische -7. Wien, 11. JuR. Der Ausbau des jüdischnatiorralen Heims in Pälasüna ist wieder der Gegenstand einer politischen Kampagne der englischen Unterhausparteien. Wie dies gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, sind die Gegner die rührigeren, während die Vertretung der Mandatsverpflichtung von der Regierung allein besorgt wird. Es hat in der Vorwoche wieder eine Anseinandersetzung km Unterhaus gegeben, die von dem Unterstaatssekretär der Kolonien, Herrn Ovmsby Göre, mit der. bündigen Versicherung abgeschlossen wurde, die Balfour-Deklaration bleibe weiter die GruM-age der englischen Palästina-Polittt. Diese Versicherung klingt sehr radikal, ist aber doch nicht geeignet, die Besorgnis zu zerstreuen, daß das Mandat nicht.dem Geist der vom Völkerbund genau präzisierten Zweckbesttmmung entsprechend ansgeführt wird. Es hat ganz den Anschein, als ob Parteien und Regierung miteinander darin übereinsttmmen, die Palästtna-Angelegenheit als eine englische Frage zu betrachten; in Wirtlichkeit fft sie.seit San Remo eine jüdische Frage..Es besteht zwischen dem jüdischem Volk und dem Völkerbund ein'Vertrag, der im Juli 1922, also vor einem Jahre, ratifiziert worden ist, und in der Erfüllung dieses Abkommens ist der jüdische Partner bisher mir der wartende Teil geblieben. Es mag sein, daß andere, vom Starchpunkt des englischen Imperiums wichtigere Sorgen die politische . Aufmerksamkeit der britischen Regierimg auf sich ziehen. Aber trotz allen loyalen RückiichteN, denen - sich das jüdische Volk anpäßt, .bestehen in allen jüdischen Kreisen schwerwiegende Mißstimmungen. Dies vor dem in drei Wochenbeginnenden 13.. Ziomste'nkwgreß feistzustellen, ist eineechtste-Pflicht. . . . ..- Was an den RegieNngserklärungen vor ^allein aüffällt Mtd nachdenklich stimmt, ist die Abschwächung des jüdischen Inhaltes , der Frage. Es. tritt der Suezkanal und. die Sorge um diese britische Ader außerordentlich stark hervor. Wir haben alles Verständnis dafür, daß England seine Fragen mehr am Herzen liegen, über das Junktim zwischen Suez und Palästina ist doch nur ein militärpolitisches, von der gegenwärtigen Konstellation bedingtes. Falls England aus der kommenden Tanger-Konferenz für Gibraltar und Port Said andere, bessere Sicherungen erzielt, wird die Bindung auch dann noch bestehen? Oder wird sie nicht etwa nach der. jüdischen Seite hin gelockert werden, deren Ansprüche ein so brauchbares KonrprmnißobjekL für die Auseinandersetzung mit den großarabifchet'. Aspirationen darstellen? Diese Auseinandersetzung fühv) derzeit England allein mit den Arabern. Daß es auch einen jüdischen Partner gibt, um dessen Zukunft die Würfel fallen, wird.in dieser Diskussion für unse: Empfinden zu wenig betont. Es mag noch verfrüht sein die Befürchtungen, die tatsächlich bestehen, stärker zr untersttmchen, zumal sich aus der englischen Sette zwei auf der arabischen drei verschiedene Strömungen zeigen Aber wie nnrner sich die Wage neigt, stets müssen, .wv die Dinge liegen, die jüdischen Interessen der Gegen stand des Handels sein. Wir wissen genau, daß wi politische Opfer bringen müssen.-Mer wir müssen aller Wert darauf legen, daß wir es sind, die die Breite uni die Grenze des Opfers bestimmen. Wir können un! nicht darauf einrichten, zu Kompromissen, die öhn urvsere Mtbesttmmung vereinbart werden, ja uni amen zu sagen. England ist der Sachwalter des Völker bundes; nicht weniger, aber auch nicht mehr. De - Parallelismus der englischen und der jüdischen Inter essen ist heute noch gegeben; wird, er es auch morgei sein, wenn von dem jüdischen Palästina das jüdisch vielleicht gar nicht mehr besteht? Die GmMage der englischen Palästtm-Politit ifwie Mr. Ormsby Gore erklärt, die Balsour-Dekle ratton. Das ist ganz aus dem Gesichtspunkt der enc lischen Auffassung gesehen. Für uns ist die Grundlao der Politik der Vertrag, der uns vom Völkevbnn "garantiert ist, und der ausspricht, daß wir in Palästin keine Duldung genießen, sondern das volle Anrecht dc Landesnation. Daß die jüdische Bevölkemngszifser i Palästina noch immer eben nur Minorität ist, ändei nichts an der rechtlichen Seite der Sache; denn diest Umstand bestand ja schon zur Zeit des Vertrags, abschlusses, ja er war die Basis, auf der die Verham. lungen sich belvegten. Aber daß die jüdische Einwand. rung dieses Vakuum nicht bekmupfen konnte, daß heu>^ noch eine Mnorität besteht, ill niäll ausschlieM