Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1581 (8.7.1923)
- Date
- 1923-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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OPien: Zum Abholen in de* Expedition, II.,1Taborstr.1-3, »der in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien ü. Oesterr. monatl. K 28.000 Tsche cho-Slowak ei: Mon. KL 17. Jugoslawien: Mon.Dinar40. Polen: Mon. Mk.25,OOO.D eutschland: Mon.Mark 251000. F r a n k r,, Belgien: Mdriatl.; Frcs. 8 MT Nachzahlungen bei Preiaerhohungen Vorbehalten rener ■ schocho -Siewaktli tSChech. K 1,- lt allen: Monatl. 10 Lire, Rumänien Mon. 90 Lei, Bulgarien Mon. 75 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u, Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6ührabds.T9-483,16-301 Tel.- Adr. ,Morgenzeitung0 Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 15ÖÜ593 Rr. 1881 Wien. Sonntag. 8.8uli 1923 8. Jahrgang Theodor Herzl. Me Regelung der Reparationssrage. «MM wünscht ein eugei Zusammengehen mit Italien. . -y. Wien, 8. Juli. Mt dem Namen Herzls ist die Wandlung der jüdischen Weltanschauung eng verbunden. Ms zu seinem Auftveten stand die Emanzipation im Zusammenhang mit der Aufklärung. Das jüdische Volk war ein Objekt der Gesetzgebung. Die Emanzipation stand in Verbindung mit der ratronailistischen Philosophie, welche alles auf der Bermmft aufbauen wollte, wobei der Herren eigener Geist sich mit dem Geist der Zeit verwechselt^ 'Dieser Geist der Zeit betrachtete die Iudenftage als den Inbegriff von Staatsverordnungen und Polizemiaßnahmen, so daß die Emanzipation nur ein Akt de,r kalten und seelenlosen Administrative war. Diese ganz fälsche Konstruktion, die rein doktrinäre und bureaukratische Auffassung blieib an den Aeußerlichkeiten Hasten, sah nur die Ghettomauern, die Aufenthcrltsbeschränkiwgen, die Gewerbebeschränkungen und die Demütigungen der Juden, ließ aber das Wesen der Frage außer acht. Die Befreiung eines Volkes kann kein Geschenk von außen sein. Sie muß von dem Volk selbst von innen heraus erworben werden. In dieser Entwicklung vermögen die anderen Völker sehr.. viel; sie können überflüssige .Hindernisse wegräumen, den Kampf entgiften, aber Sie Hauptsache ist, ' daß das betreffende Volk seine Atomisierung und ihre Gefahr erkennt und durch die Zusammenfassung der Willensäußerungen, aller seiner, selbst als nationale. Einheit bewußt wird. Das. Iudentimr mußte aus einem Objekt der Gesetzgebung zu einem Subjekt werden. Es mußtedürch>den Gedanken der ngtionalen. Selbstbestimmung von der individuellen . zur nationalen EmMApÄronvorschreiten: Dies > zu, lehren, war die Sendung "Herzls. ■ . . Aus seinen. Tagebüchern erkennt: man die Wandlung, die sich in ihm vollzogen hatte. . Wie .Heine und Börne, schritt auch er anfänglich auf dein Weg zum WeltLürgertum, und wie diese vernahm auch er den Haß. Aber statt sich, wie diese beeiden es taten, taub zit stellen und in die volle AssÄnilätion einzugehen, drang ihm die Stimme seines Volkes in die Seele. Daß sein persönliches Leid das Leid der Nation sei, erkannte er im Sturm des Drehsuß-Pvozesses und er zog die Konsequenz. Er bekannte sich zu seinem Volk. Aber er sah auch den politischen Charakter des Problems.,Die Befreiung des Judentums kann nicht ohne die volle und bewußte Mitwirkung des Judentums als nationaler Einheit, erfolgen. Sie ist nur möglich, wenn das Iudentmn, wie jedes andere. Volk, sein. Rechts auf Freiheit und Land zur Geltung' bringt.. Diese These ' zu formulieren, sie dem eigenen Volk und den Völkern - der Wölt vorzulegen, berief Herzl den.ersten Ziömsienkongreß, die.erste jüdische Konstituante.' Sie.war die Versammlung des Volkes, und von diesem Augenblicks an überging die Führung des Schicksals, von den'Nota-. beln auf-das Volk selbst. . Seitdem sind 25 . Jahre verstrichen. In diesem Vierteljahrhundert hat der Zionismus.und durch.'ihn das Mische 'Volk, dessen Repräsentant er ist, die Weltgeltung erreicht.' Der Zionismus hat das Iudentmn ’ organisiert, hat die einzelnen Teile, der Nation dazu; veranlaßt, sich für die Vergangenheit oder für die Zu-. kuust zu entscheiden. Er hat dem - Judentum große kulturelle und soziale Aufgaben gestellt. All dies im Hinblick auf den Wiederaufbau -Palästinas,- der durch den Zionismus zur Angelegenheit des jüdischen Volkesgeloorden ist. In der Diaspora selbst hat er das Selbstvertrauen des Volkes geweckt. Er hat es gelehrt, kern Welchen seines Rechtes , sich nekstnen zu lassen-und' seine Gleichwertigkeit und Gleichberechtigungals feststehende Tatsache zu wahren. Die Theorie von der Bodenständigkeit, die nur eine moderne Auflage des barbarischen Fremdenhasses ist, kann dies nicht mehr beseitigen. Unsere GleichwertiMt haben wir nicht erst zu beweisen, unser gleiches Recht ergibt sich Ms unserer Exfftertz. In - diesen 25 Jahren hat aber auch der Haß unserer Feinde zugenommen. Sie sehen, daß wir auf dein Wege zur Erneuerung unseres Volkstums, zum Aufbau einer Heimstätte sind, und sie verdoppeln deshalb ihre Mühen, umuns das Ziel zu verlegen. U-m so fester muß unsere Energie, um so klarer' unser Wollen, -uw so größer unser Opfemmt sein, mit dem ganzen Herzen und dem ganzen.Vermögen für . das einzutveten, was dir. Erlösung unseres Volkes, und das Ende der Verbannung bedeutet. Weim wir heute anl Grabe Herzls Vorbeigehen, füll dies unser Gelöbnis, sein. Rom, 7. Juli. Die „Tribuna" zitiert das „Echo de Paris". und das „Petit Journal", nach denen Lord Curzon im Gespräch mit dem italienischen Botschafter in London den. Wunsch ausgedrückt habe, daß Italien in engster Zusammenarbeit mit England Vorgehen. möge, ohne damit Deutschland begünstigen zu wollen. Der Korrespondent des „Petit Journal" fügt'hinzu,' daß ihm eine hervorragende itaÜemsche Persönlichkeit, erklärt habe, daß die gegenwärtige Lage die Möglichkeit der' Mederberuhigung Europas biete, und daß zu diesem Zwecke die Anschauungen J't a l i en s sich jenen Englands sehr g e n ä h e r t hätten.- - Der französische Botschafter in London, St. Aula ire, ist ermächtigt worden, das englische Aüßenamt von seinen am 14. Juni aus Paris erhaltenen Weisungen Abschriften nehmen zu lassen. Was die gestrigen. Besprechungen .anlangt, so glaubt man, daß die Botschafter von Frankreich, Belgien und Italien den Wunsch haben, ihre Regierungen zunächst von den Ergebnissen der Besprechungen mit Lord Curzon in Kenntnis zu setzen, worauf die weiteren Konferenzen folgen werden. Die britische Regierung wünscht vor allem die R e g.e l u n g d e r Reparations,frage in kürzeste^ Frist und wird, um. dieses Ziel zu erreichen, sich weiterhin bei. den'. äMerterr.Mächten I n f o.r'm ä t i o n e n '.ein-, holen. '-7., 'Der englisch-fuanzösische Gegensatz besteht; London, 7. IM. Der diplWMHe. BevichteHW^ der e st m in ft e r G azette" schreibt, die en g l i sch-.- Ae MWhenFMdendfordemngen. Konstanttnopel, 7. Juli. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) ' Die Zeitung „Ta n n i n" teilt mit, daß Me türkische Regierung folgende Beschlüsse gefaßt halbes ' 1. DierFrage der Konzessionen darf -.in Lausa-nne nicht beharchelt weichen. 9 : . 2:) Die Frage der Coupons muß getrennt vom Friedensvert-tag behandelt werden.; : 3. Konstantin-ope£und die Meerengen - müssen sofort ge ra u m t wech'en. . Wenn die Alliierten. diese;Bedingungen' nicht annehmten, wird die"türkische'Delegation in Lausänne den Befehl erhalten, Lausanne sofort zu - verlassen. Bemrteilungver royaliUchm Atteutäkr mts «MiMr. Toulouse, 7. Juli. Der RohaM E b e i o t ist wegen ' seines Ueberfalles auf Caillaux zu dreiMonaten Gefä'nguis ohne Aufschub der Strafe verurteilt worden, ' seine Mitbeschuldigten zu je einem Monat mit Aufschub der Strafe.' : / Blutiz? zusammenstiiße zwischen FasMe« und Kommunisten. Rom, 7. Juli. . Wie die ^Blätter aus -F l or e n z melden, kam es dort anläßlich der. Verhaftung eines. Komnmnistert zu schweren Zusammenstößen, wobei -zwei Faszisten schwer verwundet wurden. Daraufhin nahmen die Faszisten. mehrere Hausdurchsuchungen vor, wobei em Bäcker durch Bauchschuß schwer. verwundet wurde. Auch aus B olvg na und anderen Orten iverden heftige Zusammenstöße gemeldet. Die' Agentur Volta beklagt das Ueberhandnehmen der kommuNlstkschen Ausschreitungen. So sei in. Ge uua ein junger Faszist vor' kurzem erschossen Wörden. Auch in Florenz sei ein Faszist schwer verwundet worden.' Der Grund für das neuerliche Aufleb*n.der kommunistischen Bewegung sei in den durch die Wahl-- reform verschä-rften Parteikämpfen zu suchen. Die Regierung habe aste Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. und' Verhaftungen' sowie D u r ch s u ch u n g e n n a ch Wus-. fen vorgemmmen. Sie werde, wenn die Ausschreitungen andauern .sostten, zu den s ch ä r f st e n G e g e nun ach-' . aveisen. scheinen sich durch die gestrigen Besprechungen nicht ge» . ändert zu haben. Es sei klar, daß die französische und die belgische Regierung die Dinge in der..Hoffnung auf den unmittelbar bevorstehenden Z u s a m m e n b r u ch des deutsch en Widerstandes Hinhalten wollten. . Demgegenüber sei zu b'emercken, daß in sehr naher Zukunft der Augenblick kommen.müsse, wo die britisch e Regierung gen ö t i g t sein i werde- : ihre eigenen Wege zu gehen, wenn sie mit Belgien und Frankreich nicht zu einem Abkommen gelängen könne. Frankreichs Antwort an England. Paris, 7. Jnli. (Tel. d. „Wr. M-ovgenzeitnng".) Die „Liberte" teilt-mit, daß die Frage der schriftlichen Antwort Poincares auf den englischen Fragebogen gelöst worden sei. Der französische Botschafter in London sei ermächtigt worden, Lord Curzon eine Abschriftseiner. Instruktionen zu überreichen. Die englische Regierung habe sich mit dieser Regelung zufrieden erklärt,, so daß jetzt auf den Inhalt der Unterhandlungsfrage n eingegangen werden könne. Belgien und Frankreich verlangen eine Stellungnahme der Reichsregiernng zu den Sabotageakten. . Paris^ 7. Juli. (Tel. d. ,Wr. Morgenzeitung.") Der „Liberte" zufolge bestätigt^MN E Qnai d'Orsay die Meldung, des „Exchange TeWrafth" aus B'r ü ssel, wonach'die belgische Regie/rüng eine R.ote.M die deutsche- Regierung^ gesandt Me, in-der" dE deutsche Be- -glerung äusgefordert wird, ' die Attentate gegen die Besatzungstruppen formell 'zu desavouieren, da s o n st d e r birlgif.che Bo tschafter in BerIin zurückberüsen werden würde.«; Diesem^ Schritt, eEärt die ,Ki- Vmerila «rgiert bei Poiarare die AbrWrug. Paris, 7. Juli. Wie „Chicago Tribüne" mitteilt, hat der amerikanische Botschafter Mhrron Herrick gestern im Mmistevium des Aeußern die Erklärung abgegeben, die amerikanische Regierung hoffe, daß die WaHingtoner Brrträge von Fmnfteich noch vor der Vertagung des Parlaments am 13. d. ratifiziert ,werden. : Ministerpräsident Poineare verwies darauf, daß die Kammer am Nachmittag eine besondere Sitzung abhalten werde, die sich mit der Frage des Abkommens über, die Seerüstungen beschäftigen - wird. Das Washingtoner Abkommen angenommen. 2 Abends hat dann die'.Kammer mit 406 gegen 106 Stimmen den ersten Washingtoner Vertrag über die Verminderung.der-Großkampfflotte angenommen. Der Marineminister Raibert hatte zuvor in einer längeren Rede der Kammer die Annahme des Vertrages empfohlen. Er erklärte, daß im Jcchre 1936, das heißt nach Mlauf des. Vertrages, die Flotte der' Vertragsmächte folgende' Stärken hüben werden: England 280000 Tonnen, hie Vereinigten . Staaten 273.000 ' Tonnen, Japan' 172.000 Tonnen. Frankreich und'.Italien je 175.000 Tonnen. FrairkreiH' werde sonlit im Jahre 1936 eine ebenso starke Flotte haben wie Italien und Japan, und seine Flotte, werde nur'um die Hälfte schwächer sein als die der Vereinigten Staaten, Frankreich, und Englands. Der'Vertrag habe folgende vier Prinzipien festgele'gt: Beschränkung der Großkampfflotte, Verbot, während Hehn Jahren neue Großkampffchiffe zu bauen, Freiheit für die Edbauung der leichten Kreuzer und Unterseeboote und Status quo mit Bezug auf die Festungswerke in den Jnselbesitzungen des StMn Ozeans. Der Vertrag lege Frankreich kein Opfer auf, dasseinen Interessen zuwiderlaufe. Die Kammer wird am nächsten Montag mit der Prüfung des Vertrages beginnen, der zwischen Frankreich, Amerika, Japan und Ena- Washington über die gegenseitigen Garantien ihrer Besitzungen im pazifischen Ozean abgeschlossen wurde. Großer zugrzusommenstoß in Berlin. Perlin, 7. Jnli. Honte nachmittags sind aus der Station GeneralPapelstraße in Schönäberg zwei Ringbahnzüge, mit solcher Gewaltznsandmengestoßen, daß die Lokonrot-iv'o und fünf Wagen-Ms den Schiemn geworfen und stark beschädigt» wurden. Von. den 'Pässagieten der Leiden Züge sind d r e i P'-e r so n «> schwer MdM-leicht verletzt worden. Die Teuerung in Deutschland. Berlin, 7. Juli. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten stellt sich für den 4. d. aus 16.180. Die Steigerung gegermber der Vorwoche -beträgt somit.37,3 Prozent, ' s r an z ö s i s ch e n..M ei n u n g s ver.s ch i e d e n h e^ite n berte", habe sich auch Fr an k re i ch angeschlossen.