Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1580 (7.7.1923)
- Date
- 1923-07-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980661--15338-3002155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wiener MoLgleyzeitung Wien, Sämstag M..16S0 Gang zum Grave Herzls. Jüdische Sportler und Turnor! Der diesjährig Gang zum Gr-a>be HerKs findet morgen am Mö 10- Uhr statt uno soll gerade Heuer eine eindrucksvolle Manifestation werden. Erscheinen Pflicht! Sportler, und Turner treffen sich um viertel lo UIHr auf der linken Seite deSKarl VudüvigMatzes. Vochevige Treffpuntte der Vereine, resp. Sektionen, werden von diesen, selbst festgesetzt. Hakoahnvr! Smutiliche Sektionenerscheinen morgen .Sonntag geschlossen um viertel 10 Uhr auf der linken Seite des-Karl Ludwig-Platzes. Sämtliche Herren der Klubleitung treffen, sich um halb 9.Uhr beider Haltestelle Börfeptatz, Mer-Wagen. Fußball. Der letzte MeiAerschaftstag. Mit Rücksicht darauf, daß das Meisterschaftsjahr mit der Cupentschoidung, die morgen- Sonntag Wacker und Cpon-- Ilab auf der Hoheit Warte herbeiMren werden, ab schließen muß.'' gelängen die letzten Meisterschaftsspiele des Jahres 1922 -1923 bereits heute zur Austragung. Dem größten Jntemsse dürfte der Kampf mn den dritten Platz begegnen. Für . Kn kommen Admiva und Vienna, die einarcher auf dem Platz des ersteren Vereines, entgegentreieu, in Betracht. Die beiden Mannschaften haben es auf 25 Punkte gebracht, doch weisen die Florwsdorfer um einen Sieg mehr auf. wie ihr. Widersacher. Nach den letzten Leistungen zu schließen» ist ein Sieg der Admira. die sich ihver. Höchstform wieder genähert hat, zu erwarten. Die Döblinger dürften überdies kaum ihre komplette Mannschaft auf die Beine bringen, was uns m der Ansicht bestärkt, daß die Admira den dritten Platz endgültig erobern wird. Im Vorjahre siegte die Vienna mit 3 :8 Toren, wir rechnen damit, daß die Flovidsdorfer diesmal den Spieß umdrehen werden. Schon ein unentschiedenes Ergebnis würde der Admiva den dritten Platz sichern. Schiedsrichter ReichWK». "Der frisch gebackdne Meister. Der Sportklub Rapid hat heute die aufstrebenden Sinuneringer zu Gaste. Jntevessanterweise konnten die HütteDorfer gerade gegen diesen Verein nie' viel^aufstecken. So mußten/sie sich im vergangenen Herbst'mit einem unentschiedenen Ergebnis von 1:1 Toren zufrieden geben. Rapid verdiente wohl mehr Vertrauen, doch würde es keinesfalls liberraschen, wenn die Simmermger zumindest einen Punkt nach Hause bringen. Schiedsrichter Schmieger. Einen ehrenvollen Abschied aus der ersten Klasse werhen die Flovidsdorfer im Spiel aegen Hertha auf dem Simineringer Platze anstreben. Ihre Ehanttn.scheinen dabei nicht ungünstig zu - stehen, da die 'Favoriten« in der letzten Zeit keinebesondeven Leistungen geboten haben- Im Vorjahre siegte, die Hertha mit. 3:1 Toren, wir-rechnen diesmal mit einem Punktgewinn der FloridSdorfer. Schiedsrichter , Kienzl. Drei wertvolle Siege hat der Sportklub Rudolfshügel in letzter Zeit errungen, doch haben ihm auch diese Erfolge die Erstklassigkeit -nicht mehr retten können. Heute spielt er nun auf dem- Prater - Sport- Platz gegen W. A. C. Die Pratermannschaft hat in den letzten Wochen eine deutliche. Jormverbesserung bekundet, so daß sie den Favoritnern einen ebenbürtigen Gegner abgeben dürfte. Im Vorjahre siegte Rüdolfshügel 2:1; für heute rechnen wir mit einem unentschiedenen Ausgang des Kampfes. Schiedsrichter Lorenz. Die unteren Klassen. ' 2. Klasse- Süd: Wiener' Bewegungsspieler—Sportfreunde (Lehrer-Platz)» Kresei. 2. K l a s s e N o r d: Donail—Nußdorf (Donau-Platz), Fischers Sturm 1907-7-Donäustadt (Sturm 1907-Platz), Gernharot. 4. Klasse Nord:. I. A. E.—Wien-West (Hakoch- Platz), Rindler; Dornbach—Reichsbund (4 Uhr, International- Platz), Michl; Alsergrund—Sieveringer Fortuna (Union 21- Platz), Otter: Viktoria—Unitä: (Neubauer-Platz), Grünert. 4. Klasse Süd oft: Athen—Feuerwehr (Jediersdorfer- Platz), Bruckner; Veritas—Aspangbahn (halb 5 Uhr, Bewegung 20-Platz), Burghardt. . 4. Klasse. .West: Sechshaus—Cechie (Feuerwehr- Platz). Wüster; Mauer—Hacking (Mauer-Platz), Krestl. 6. Klasse West: Menorah—Matzleinsdorf (4 Uhr, Lyon-Platz), Pekarek; Moriah—Hietzing (halb 3 Uhr, Stnrni 1914-Plah),Tücher; City—Ostbahn (Westbahn-Platz), Heinl. Jüdische Sport Verbands g r.upp e: Baumgartner Hakoah—Haschilton (6 Uhr, Bewegung 20-Platz), Posauner.' - - - - Das Entscheidungsspiel in der 4/Masse Nord.' I. A. C.—Wien - West. . ' Dir Jüdische AHletiksportkluH absolviert heute' um Mb 6 Uhr nachmittags auf dein Hakoah-Platz sein schwerstes Spiel seit seinem Bestände. Nach heroischeim Kampfe, der. unter den ^denkbar, ungünstigsten Vevhäffnissen ausgefochten. werden mußte, -ist es. dein I. Ä. C. -gelungen, sich in der Spitzengruppe zu halten. Derzeit nimmt er den zweiten Platz hinter Wien-West ein, Die beiden Wer-eme trennt über nur ein Pimkt. Das heutige EntscheidungsspiU zwischen den Heiden 'Klubs wird erst den Ans-, stiegskandidaten ergeben. Wien-West hat die 'leichtere -Aufgabe, da er schon durch ein Unentschiedenes' Ergebnis -den 'Me-Wrtitel erringt, während der I. A. C. znnl Aufstieg unbedingt .einen Sieg benötigt. Dar jüdische. Verein besitzt aber die Fähigkeiten. die zE. Erfolge nötig sind. Körperlich sind ihnenbie Gegner -wohl überlegen, -doch besitzen sie die besseren -Techniker. Zur Bestreitung von Entscheidungsspielen gehören' «vor allem ruhige Nerven. „Nichts darf, dje Atannschaft. -die vom Siegeswillen 'beseelt ist, aus 'der Fassung bringen. Gelängt auch der Gegner in'die Führung, daun mnß ziellbewußt und aufopfernd weiter gekämpft werden.; Kleinmütigkeit entsteht nur dann, tpenn die Spieler in ihrer Nervosität die Fahler der Partner kritisieren. Fußball ist ein Manuschaftssport, indem ein «Spieler sofort für den Partner m die Bresche springen muß. Der Erfolg -ist« tut* dann zu erzwingen, we;m..jeder Spieler mehr leistet, al^ es seine PflWNst. Mr'.I.iÄ. C. möge sich dessen bewußt sein, daß-er heute als Exponent -des jüdischen Volkes eine große Verantwortung trägt.'«Sein Erfolg -ist gleichzeitig, ein. Erfolg des gesamten jüdischen Sportes. Auf-opfcmng und -KalMütigkert 'werden ihn zum Siege führW. «Schiedsrichter. Rindler. . .. - ’* 1 ■ - Wieder lassen wir an die jüdische Sportgomeinide den -Ruf 'ergehen,- dem- Enffcheidungska-mpf eistez ihvev cVvei-ne beizuwo'hnen. Die kleineren. jüdischen Mchs leiden an dem Desinteresse -ihrer Gesinnungsgenossen. Der I. A. C. hat seine bishermen Siege ohne die-moralische Unterstützung durch zahlreiche, ihm gut '.gefilmte Zuschauer errungen. Hoffentlich werden ihn: heute -die jüdischen Sportler dnr-ch einen Massenbesuch den so notwendigen moralischen Rückhalt.geben., Vorher spielen die Gäste des „Cafe' Atlashof" gegen die des „Cafe Fürstenhof" und um 3 Uhr treten die «Jungmannschaften von Hakoah und. Hasmouea zmn Meisterfcha-ftskcrmpf an. __ Das Länderspiel Finnland—Oesterreich fhtfeet endgültig, . am 15. August statt, , , . 7 Juli Y23 ... ' ' 'Seite 11 W a k o a h ■ s po r r piat Lp,K riea uj Heute Samstag, 6 Uhr: t Entscheidunflupiel in dar 4. Klasse Itöörd I. A. C.;-r* WIEN-WEST Vorher Caf6 Atlashof gegen Gaf6 Fürstenhof und Hakoah- Jungmannscbaft gegen Hasmonea-Jungmannichaft | Sitzplätze zwischen 3000 u. 10.000 Krönen Ein Protest Bewegung 20 gegen Verifizievung ihres Meisterschaftsspieles contra Rennwog wurde vom Oe. F. B. abgewiesenD Ei» Ansuchen um Spielbewilliguna für den disqualifizierten Wessely für das. Spiel Rapid—»sturnr (Graz) wurde abgelehnt. Der. Protest Donaustadts gegen Verifizierung des Meiste-rschaftsspieles' Ostmark—Douaustadt wurde vom Oe. F.,B. angewiesen. Schiedrichterpriifungen. 11. d.. 6 Uhr nachmittags, Hotel Post. .Prüfungskommissäre, die Herren: -Komar, Trinkä. Seemann, Grünbaum. Prüflmgskandidaten: Rapid: Grüntvald. Jcch, Werner, Simmevinger Sportvereinigung: Macho, Franz. Hertha: Femböck. -Englerth. Hakoah: Zwicker, Präger. Floridsdorser A. C.: Plhak. Gleichzeitig' können an diesem Taste ehemalige internaiivnale Spieler die Prüfung oblegen. Städtewettkampf Prag—Uzhorod 1:0 (0:0). Auf . der Rückreise aus. Rumänien trug die tschecho->slowakische R-epräsen-, titivmannschaft, die aus Prager tschechischen Fußballlspicllern besteht und durch neu ringetroffene Spieler aus Prag derstärkt wmLe, gegen ein Städteteam in llngbar ein Match aus und blie'b 1:0 (0:0) siegreich. Prag' trat in folgender Auf-, stell'ung an: Kaliba; Franko Hofer, Holas; Seifert, Paulin 1, Cerveny: Knzl, Stapl, Maca. Bleck, Cisar. Das einzige Tor, erzielte Maca. 5000 Zuschauer. Gretsch, Grotzmann und Kleiner 2 sind dem .Mischen S.' C. Hakadnr' beigetretem Dlakkabäa (Rüzomberok) besiegte den S. C. Krivan aus Äipt.-St. Nikulas 3:0 (2:0). ' Lirubaium und Rappaport (früher Borochow) haben sich beim Ji S. C. angemeldet. Ptaeek von Slovan, der seinerzeit 'pm 1. C. S. K. Bratislava über trat, kehrt nun zu Slovanwieder zurück. Hechcüoer 'spielt morgen um 4 Uhr auf dem Platz des Badener A. C. gegen dessen 1BMannscha-ft. Die Mitglieder. und Freunde von Hechawer gelangen am basten mit der Wien —Badener Elektrischen nach Baden. Die Zuge Verkehren halbstündig. Berliner Cnv. Im Entscheidungsspiel um den Berliner Pokal-standen sich gestern Norden-Nordlwcist und B. B. C. Brandenburg gegenÄber. Norden-Nordwest siegte mit 2:0. Aspern-Reserve—Hakadur komb. 2:1. Hakadur war teHnisch überlegen und nrußte eine unverdiente Niederlage m Kauf nehmen. Aufstellung: John 1; Luft, Bock; Schattner 1, Gr'eisch, Großmanu; Kleiner,'Hansl, John 2, Löw. Lewin.' Die vesten Leute waren «Schattner, Großmann, Kleiner Utzd der Tormann John 1. Hllkadur-Reserve—Jugendbuud 2 2:1. loittifttt. HechaWer (Touriste«sek8«m, Gruppe Zionistische Sektion 6. und 8» Bezirk). Ter Treffpunkt ist mcht, wie irrtümlich angegeben, um halb 1 Whr, sondern um halb 8 Uhr in M-aner (Endftatiom des 60er-Wa-gens). Leichtathletik. Leichtathletisches Meettng i« Prag. Die wichtigsten Re» sultate sind: 106 Meter: Linka (Slavia, 11,7); 200 Meter: 6»p7risM 1823 ' Nachdruck verboten. dfü.l.8wit.vsrisx,zvksn.i.tzil>rle. (31. Fortsetzung.) Zn Polens WSldern. Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Sie gfried Schmitz. . ' . Marein bog ein. Der Weg ging feitchürts, wurde immer breiter und farckiger, und je mchr er sich von den Häuferü errtfernte, desto weniger Felder «waren zu sehen. Nur Grasbüischel,, wie sie auf Sümpfen wachsen, tauchten auf. Sie «wurden immer Achter, vermischten sich baild mit Schilfrohr. Und so' weif das Mvtze Echte, zogen sich feuchte Wiesen dahin, fast schwarz von dev Nasse, und Wnkten in der Sonne wie Glasschsiden. Mt einem Male wurde es ganz fM; alles schien tot zu sein, der leiseste Klang in der suchten Lust zu erstellen. Trauer lag'auf den breiten, in Daptpf gehüllten . Feldern, Trauer Mckte hinter dem einzigen verkrümmtchr Baum hervor, der dastand, als wäre er gelähmt im Sumpf steSömgeblieben. - Hinter einem SWsrohrWndel erhob sich eine Mldente'ff'Men AngjeE Äisb sie spähend' in der Lust Hängen, dann schlug sie mit den Migeln imd steuerte niedrig üM 'Vie Mefe. - . - ..BeMuf, W beiden Seiten des Weges, standen einige -stroKgcheckte', HWm,Mngrauer Hund. fuhp auf den Wagen, los, stieß ein Paarmal ein kurzes Gebell aus und verstummte: Blasse Kinder mit wirrem Haar und roten Augen, die inmitten der sandigen Straße um eine Mßgeburt «mit einW'MGisgvotzeü Wasserkopf saßen, sprangest ' auf, ließen den KtÄppel sitzen, und stoben wie erschreckte Hasen -nach .allen Setten auseinander. . Marein hielt den Wagen an und schrie <utf den Krüppel los: . //Was sitzt du da wie eine Henne auft den Eiern? Laß -den Wagest Vorberfahven!" ,-Siehst du nicht, Mensch, daß ich verflucht bin?" anwortete. die MßgeLuvt mit dumpfer Stimme, die aus der Tiefe der Erde zu kommen schien. „Ich sitze hier im heißen Sand und Wärme« mir die Füße, da wird mir /besser . . > Der große,- faltige Schädel -stak bis zur Hälfte im Sand, er schien aus der Erde hervorzuwachsen, an ihr festgebunden, zu sein mnd die Fe-uchtigkeit 'der stehenden Verjauchien Wasser einzusaugen, die sich ringsherum befanden; alles an diesem Geschöpf schien zu schreien: Sieh' her, ich bin der -fl^ischg-ewovdene Fluch dieser Sümpfe. - Reb Jtsche Deg vom Wagen, legte .die Hand aus den Kbps des Krüppels und fragte Hn: ' - ,Wie lange bist du schon krans?" Die Kinderwelche da-vo-ygelastfen waren, traten nach und nach wieder näher, faßten Mut.und.antworteten für den Krüppel: / " '. , " , ,M ist so geboren worden'." ..J . ’ ,Kie alte 'KrHeM,. '.die auf. ^Len^ Mmpfen wohnt, hat. «ihn behext!" ' i '. ,M-e ist ei-ne'Zaubevin!" ,, ^Deine Schwester'f«hveit wie eine Krähe!" . .Die.MßgMrt.'öffnete.den Mund und lächelte aus ihrem Mondgesicht; es schien ihr Freude zu bereiten, daß sich alle für sie.interessierten; Plötzlich faßte der Krüppel einen kleinen Jungtzn beim Fuß, streckte die Zunge hepcms und laichte dröhnend'aus. Reb Jtsche rief Movdechai herbei; -beide hol :n den Krüppel auf, führten ihn. beiseite, bis der Wagen durchgefahren war, und setzten ihn dann wieder ün den Saud. Reb Jtsche schenkte ihnt einen -.KupDrdr-eier, -streichelte ihn über W Kopf, wünschte ihm, daß -Gott' sich seiner Mlavme, und fetzte sich mit Mordechai m den Wagen. \ Marein trieb die Pferde an. Er drehtesich zu seinen Passagieren um . und deutete auf eine Hütte, welche am einem Nemen.Hilgel inmittest' der SümW stand nnd 'von weitem wie: eine verfallene Laubhütte aussah. : „Dort wohnt , sie!"' ' .„Wer?" fragte Reb Jtsche.; , ',ß>k Kvajeska-,. die Hexe! .Sitz.Mt. mit dem Leusel, Pame! Der Pan glaubt es nicht? Die "ganze Welt we iß es! Me Bauern haben sie mit dem Teufel' 'gehen gesehen; sie haben ihn sofort erkannt, er tvar-'dück'wie ein 'Besenstiel n-ud hat mit dem Schweif gewedelt.wie ein Affe." „Gcht sie in die Kirche?" fmM DioÄechai. . „Panie, sie kommt doch nicht. Änmoc^ms 'Dürf, wo «die - Kirche ftvht. Bei Tag geht sie ja selten äus, dafür aber bei Nacht; was dort vorgeht, Panie, es ist eine Schande, es zu erzählen! Sie hat die ganze Gegend verhext, es gibt kein einziges Haus, in dem nicht ein Kind mit einem Versehen geboren wird." „Warum jagen sie die Bauern nicht von hier fort?" fragte Mordechai. ,Iah - - Marein dreht sich um, spie aus und trieb die Pferds an) Hasen, die an dev Straße auf Grasbüscheln faßen und horchten, legten die aufgestellten Löffel um und jagten furchtsam über die Felder. ' Mordechai schaute auf die dampfenden Felder, auf das Häuschen, das düster mitten in den Sümpfen stand, und die Stille zu zerreißen schiest; traurig senkte er -den Kopf, dann fühlte-er den Schlaf in feine Augen kommen. Vor tags kamen'sie in Praga an und machten in einem Einkehchause Rast. Der Einfahrthof war vollgestopft.mit Fuhrwerken, Wagen und Kutschen. Auf den Fichren lägen Bauern, die Gesichter nach oben und schnarchten. An der Mauer lagen bei dm Verschlügen -die Pferde auf Stroh; ihre - Bäuche bewegtensich wie Blasebälge. Einige knab- ' Betten an den Holzverschlägen, schlugen mit den Hinterbeinen aus und wieherten. Fnrmtten des Einfahrthofes hing an einer langen rostigen Kette eine Laterne, in der ein dickes Wachslicht tropfte und die Gebäude nurwenig beleuchtete. In einem Winkel des.Hofes stand ein alter . moosbewachsener Brunnen, dessen Wasser bis zum Rande schlug. Die schwarze Oeffnung des Brunnens sah aus dem halbdunklen Winkel, von der Ferne wie ein ausgeschlagenes Auge hervor.. * Marein spannte. die Pferde aus, tränkte, sie, schüttete ihnen Hafer vor und ging zusammen , mft seinen Passagieren zum Wirt Der Herberge. Der Wirt wohnte in einem großen quadratischen Zimmer. Darin standen zwei Betten ftnkrecht gegeneinander, in denen die Wirtsleute schliefen; in einem lag.-ejn älter IM mit gwuem Bart, im zweiten eine alte Frack in einer weißen «Schlafhcmbe, die tLber'die Au^en gezogen war. Ueber ihrem Kopf lag eine schwarze . Katze. Aus dem Bett drang ein sonderbares Pfauchen; es i jvar schwer zu entscheiden, von wem es kam — von der Jüdin oder vom der Katze. > . i (Fortsetzun-a iolat.) '