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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-04 · Heft 1577 (4.7.1923) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1577 (4.7.1923)
Date
1923-07-04
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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tiefte *_Wkn, Mittwoch_ fet genmhlel«« Znstartde genicßöax ist und sonach die Zollerhöhnug von der Bevölkerung unbedingt in Form einer PveiSertzchrmg getragen werden niü&te. Die Eurfühnmg eines HatteezolleS mutz mit aller E^rtschiederheit äbgelehnt werden. MKmschc Brttter franko Wien kostet im Großhandel 49.000 K., das sind 3,L Goldkronen, also wn Ma 70 Prozent mehr, als vor dem Ar reg«. Die inländische Landwirtschaft ist s»»ach in der Lage, amh ohne Zoll ihre Butter - um zirka 70 PriHent über den BockäegLpveifen zu verk-auftn. Zn erwähnen ist bei diesem Anlaß, daß zufolge des in den letzten Jcchvm eürgvrissenen BrrttorMeichhandels die Bretter moisteuS nicht in den genossenschaftlichen Molkereien, sondern in Ngssnvegie der BcnrerNwirtschasten erzeugt wird und sonach sowohl iu qualitativer wie ht)gieivischer .Ansicht der isländischen Butter imchstcht. Organisatorische Aender-ungen könnten hier unserer Landwirtschaft wesentlich mehr nützen als Zollechöhungen. Nicht vergessen darf auch die nachteilige Wirkung eines ButterzolüS auf die Höhe des Milchpröises iverden. Schoo seit der in den letzten.Tagen erfolgten Milchpreisermätzigung gehen die Mlchtzufuhren zurück und es wird statt dessen iv-ieder mehr Butter erzeugt. Wird nun dev Butterpreis durch, «ne Zollechöhung künstlich in die Höhe getrieben, so wird die Butteverzaugung noch rentabler, das Angebot von Milch noch geringer und das Ergebnis ist eine Erhöhung der Milchpreise. Da sowohl Mchl wie Milch überaus entscheidende Bestandteile der für die Jndexberechnung verwendeten Bedarssartikell-iste darstellen, so würde ein Mchl- und Bwtterzoll sofort eine Erhöhung des Index zur Folge haben. Da sowohl der Staat für seine Bediensteten, wie auch die Privatwirtschaft die Bezüge nach dem Jndexsystem regelt, so würde eine derartig Zollechöhmr-g einen großen und rmabjchätzbaren Schaden für die Volkswirtschaft und die Konkurrenzfähi^eit unserer ^portmdustrie auf den Auslandsmärkten bedeuten. FiuauMrhandlungen zwischen Oesterreich und der Tschecho-SlowÄri. Die Verhandlungen Wrichen^ Oesterreich und der Tschecho-Slowakei wegen des Ausgleiches der weseWMgen ^Forderungen, sind bereits beendet worden, doch liegt noch lein amMcher Bericht hierüber vor. Das Streben Oesterreichs bei di-elser Koniferenz ging bekannÄjch «unter anderem auch dechkn. ein Koifcheustaatliches Elvariug. das sehr wrupiliksiert jväre. zu vermeiden m,b an dessen Stelle einen Au Weich «wisschen den FoÄdevungen und Schulden imrerha'lb jedes einzelnen Staates durchzuWIHren. In einem gmenfeitisgen Protokoll^ wird festgobogt, in welcher Weise die Frage des Ausgleiches der wechM'eitigen Forderungen weiter zu behandeln ist. Weiters sind im Protokoll die eiiMlren Posten angchühvt, die dem Ciloarrng unterworfen werden sollen. Das ProtoÄÄl fall der Borbereiimm m einer endgültigen Bereinlbarung dienen. Die Beratungen über den Erwertb der LoTaWahnaMen werden glleichftckls heute beendet. Derrttkvttctvrch SchlNnMewmjen-FiabM BRvr Brause- Wetter A.-G. Am 27. d. fand in den Räumen der Nationalen Bank- und Wechselstuben A.-G. die konstituierende Generalversammlung der Terrakotta-- und Schamottewaren-Fabrik Viktor Brausewetter A-G. statt. Diese Aktiengesellschaft, welche ihren Sitz in Wagram bei Leobersdorff hat, ist durch Umwandlung aus der seit 1848 bestehenden.„Ersten österreichischen Terrako^a-<Tonwaren-)FabriL Viktor Bvaufewetber" hervorgegangen und befaßt sich mit der fabriksmäßigen Erzeugung donhoch- und haWfenersesten Steinen, Schamottewaren, aller Gattungen von Tonwaren und keramischen Artikeln, insbesondere für bauliche und industrielle Zwecke. Durch die Umwandlung m eine Aktiengesellschaft wurde das Unternehmen auf «im breitere Basis gesteltt und technisch in moderner'Weise vervollkommnet. (Entgeltlich.) Der Fiuanzmarkt. Gestern -war die Stimmung in Finanzkretzen sehr fest. Geragt und hoher waren Bankenwerte, Peiroleuinpapiere sowie einzelm Industrieeffekten. Der Mmrer Geldmarkt für ausländische Valuten. Bon ausläMschon Verzinsungen liegen Berlin, Budapest «und _ Wienei! Morsenzekkrms*_ _ __ Weftdeviserr sehr fest, Berlin bei 34 Prozent. Buda^sr 35 Pro, zerrt per m«cdio, Ziirich 10 Prozent und Paris 11 Prozent pro anno. Die Steiger uns) ist Überall mrf die sinkende Tendenz dieser Devisen zurück^uführen. London wurde unt 8 Prozent abgeschlossen. Die übrigen Devisen sind Deutlich unverändert. AeudttMtg der Umrechnung kurse auölaitdischer Zahlungsmittel fiir Äte Wmmlmnscchsterker. Der Hauptverband der österreichischen Kausmanuschäst macht daraus vustnerffam, daß die Umvychnuugskurse^ ausländischer Zahllungsimtrol für die Worenumsätzsteuer mit GAtilgkeit vom 1. iIrylr 1928 augefangen neu festgesetzt wurden, wobei z. B. als Kurs der Mark IW Mark gleich 60 K. anMnonvmen wird, Eine Pftmdtmleihe der Skoda-Werke. Am 2. IM wurde in London eine 8prozentige OMgabionsanIleihe der Skoda- Werkem der Höhe von «einer Million Pifunld zur össentlichen Zeichnung a-uifgekegt. Die Anleihe, welche zum Emissionskurs von 92 Prozent begeben wird, ist in 29jährigen Raten oder auch wann immer früher nach Wahl der Gesellschaft al pari rückzahlbar. Zweck der Anleihe ist ei-nesteÄs die Konversion sanmicher Bank- und sonstiger DeMMichkerten der , Gesellschaft im 'In- und Auslände, teils eine sofortige Mobülisievung von spä-ter fälligen und -auf fremde Währungen kantenden Forderungen der Gesellschaft. Die Insolvenzen in der Tschecho-Slowakei und in Karpochorußland. Aus Kasch au wirb Ms gemeldet: Vom 1. Im.ii 1922 bis heute wrrchen 777 InsoiveiMn, welche in der Slowakei und in Karpaihornßlaud vorgekommen sind, registriert, von welchen auf außevkmsll-ichv ZwangsausgketichsangellegenIheGen 708, auf Konkursangelegeniheiten 4L uüd auf außergewöhnliche Ausgleichangellegercheiten 24 entlfalllen. Es ist bis Hum 1. Jänner d. I. eine steigende Tendenz, von dieser Zeit ab ein ollmWiches AWa-uen der InWvenzen zu verzeichnen. Nach Branchen verteilt, entsMen auf TevM-, Modeuud WirBwa-ven 427 Fälle, KdlonmLwaren. Gemischtur.d Zuckerwaren 79. Leder- und Schuhwaren A, EisenurÄ> elleikttotechniSjche MateriMvaren 41, FmÄwaren und ClhemiikcMen 32, Spirituosen 38. Papierwaren 11, Gewerlbetreübene 26, landwirtschcvftiliche eBtriebe 16. HoMarnachen 19, HandÄsyesellschasten 86, Fabriken 12. Auf das GebÄet der Slowakei entfallen 678 und, auf das Gebiet von Karpachorufchand 99 Infollvienstfälle. Die Gesamtpasiiiven der im abgeilaufenen Jahre voraekommenen 626 InsoüvvnHfälle betrugen 350.V00 tschech. K., wovon auf die SlowcM 290,000.000 tschech. K. und die restlichen 60,000.000 tschech. K. auf KarpakhmAUaud enttfaklen. Ungünstige ErntvauSsichten in SMvi-m. Nach Angaben des Volkskommissariates für Landwirtschaft ist der Saatenstand in Sibirien ein durchwegs ungünstiger. Nach dem Fünfstufensystom gemessen, erreicht der SacütenstarÄ) in keinem Gouvernement die Mrttefftrufe <8), in mehreren Gouvernements erniedrigte er sich aber unter die Stufe 2. Im Buriatengebiet und im JrkutÄer Gouvernement weist die Fr.ühiahrssaat den Stand von 0,6 auf. Die Hauptupsache des schlechten Saatentzandes ist die Dürre. MehmLrtte I» St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgen-eitung") Borstenviehmarkt. Der Austrieb belief sich auf 2490 Schweine, darunter 953 Fleisch- und 1897 Fettschwevre. Außerdem wmden noch 415 Schweine angemeldet, die erst am Donnerstag einlangen dürsten. Der Provenienz nach waren 216 inländische, 399 Ungarische, 1696 jugoslawische und 291 holländische. B« reger Nachfrage blieben Fettschweine gegenüber der Vorwoche im Preise bchauptet. Jnngschweine find stellenweise bis zu 1000 K. pro Kilogramm im Preise gestiegen. Es notierten: Fettschweine prima' 26.500 bis 26.600 K., extrem 27.000 K., mittelschwere und Bauernschweine 25.000 bis 27.000 K., alte 23.000 bis 25.000 K. nnd Jnngschweine 26.0W bis 30.000 K. pW Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wmden 265 Schlächter- und 455 Gebrauchspferde gebracht. Es notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 'bis 6,000.000 K., schwere 6,000.000 bis 14,000.000 St., Kutschpferde 5,000.000 HS 7,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 4000 bis 11.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Verkehr äußerst schwerfällig. Wiener WarenbSrse. (Elgeubericht der ,Miener Morgengeitvnlg".) Nach achttägiger UnterbrechMg wies die gestrige Börse guten Besuch ans, in der Kauflust konnte man jedoch keine Beffenmg '4. Mi 1923 Nr. «M ' " —.—..... ■" ..—*v konstatieren, da die Käufer ZmLckhaldwg beobacht«. Die Teudenzs war eher itm eine Stuauco fester. In Chemikalien ivnrd« auLgebüt«: Alaun in Stücken zu 3460 K. ttaufix, Chronurlarur zu 9100 K^. Clrwmkali M 21.000 K., Glyzerin 28 BL chenüjch rein M Ak.500 K., Ha»! W. W. zu 6700 St. c.b Wien, Kupfervitriol 98,99 xt 7600 K. ab Wien, Natrinmbisulfit 58/60 zu 5750 K.. Poitasche 80/66 kalziniert zu 8650 K., Salzsäure 19/21 technisch rein zu 1180 sc.,, Schellack T. N. orange zu 116.000 K., Schwefeluarrbrm 60/62 zu' 4600 K. transit, Soda Annnouiak 96/98 zu 3350 K., inländisches Terpentinöl zu 32.000 K., Montanwachs zn 3800 K., ApoShakerglätte zu 10.600 K. Abgeschlossen wurden: Aetzuatron 128/130 zu 5700 K. trcursit Wien, Essigsäure chemisch rein 80 Pwzent zu 18.500 K. ab niederösterreichischer Habrik ratb Soda kristallisiert zu 1315 K. ab Fabrik exNusive. O e! e « n d F e 11 e. Die Tendenz Meb iu den meiste» Gattrmgen unverändert, nur Rüböl, doppelt raffiniert, schwächte sich um 200 K. auf 17.200 K. und Schtoeinesttt vurv lard Faßpackung.um 60 Punkte auf 29 Dollar transit Wien ab. Sonst wurden ansgeboten: Rizirm-öl technisch I. Pressung zu 18.500 K., Sesamöl I. Pressung zu 21.500 K., Agmi-Speiseöl zu 18.000 K., Kokosspeisefett zu 18.600 K. Kolonialwaren hatten mäßiges Geschäft bei größtenteils preishaltender Tendenz, nur Kaffee Rio VU John- . fton ermäßigte sich unt 100 K. auf 32.700 K. R e i 8 Burma II neue Ernte um 150 K. auf 5250 K., Bruchreis um 150 K. auf 4450 K., Kondens-Magermilch gezuckert (12 Unzen-Dosen) um 100 K. auf 5000 K., gezuckert (14 Unzen-Dose) prima Marke auf 7800 K., ungezuckerte pro Dose (16 Unzen-Doserr) auf 7700 K. Zucker tendierte gleichfalls schwächer, Preise ließen um 10 LiS 15 Punkte nach. Es notierten: Kristall 4.90 tschech. K., Würfel 5 tschech. K. prompt sowie 3.30 tschech. K. respektive 3.55 tschech. K. pro Oktober—Dezember ab Grenze. Ab Lager Wien sind Preise um 100 K. billiger. Kristall notiert 13.300 K., Würfel 13.500 K. Exekutiv wurden verkMft 4 Waggons tschechischer Kristallzucker zu 4.75 tschech. K. ab Grenze. Zmn öffentlichen Verkauf gelangen am 5. d., 11 Uhr vor« nüttags, 1 Waggon, 15.000 Mlogramm, Holzpappe weiß. Prager Börse. Prag, & Juli. Div gestrige stürmische Stemevumv hatte GewlnnveMufe und im Zufamnlenhawge damit Kursorschwächunaen zur Folge. Auch das Geschäft gestaltete sich ruhiger, so daß die eusteu Kurse größtenteils unter den gestrigen Notierungen standen. Der Anlagemarkt war jedoch fest und Staats- Papiere standen wiederum in großer NachfraG. Auch bei den, übrigen Anlagewevten überwog eine feste Haltung, so weit es Wellen Mangel an Ware überhaupt ru einem Geschäft kam. Henniische Banken tendierten heute vulhiger, Wieiwer lagen mtt Ausnahme von Unianbank-Mien niedriger. Transportunternehnkungen bannten sich e>twas befestigen. Auf den: Industrie- Mtienmarbte waren Böhmische Zucker-, Textil- «und Kupferwerte sehr fest. Bon iÄwten besserten! sich Bulgaren und Aufsiger RaMnevion. Die Schl-ußtendentz war etwas abgeschwächt. Schlnßkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Unionbank 405.50, Böhm. ESkomptebank 405.—, Böhm. Jüdustrialbank 444.—, Zivnostenska Banka 404.60, Anglobcmk 154.50, Oesterr. Kredit 142.— Wiener Unioltbauk 156.—, Wiener Bankverein 98.—, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A. 550.—, Lit. B 214.—, FerdinandsÄordb ahn 6000.—, Prag-Duxer 193.—, Aussig-Teplitzer Effenbcchu 1266.—, Nestomitzer Zuckerindnstrie 1255.—, Vereinigte Elektrizität Wien 164.—, Brosche 895.—, Koliner Spiritus'855.—, Königshofer Zement 940.—, Breitfeld-Dauek 454.—, Ringhoffer 690.—, Simmeriuger 115.—, Nothkosteletzer Texttl 283.—, Alpine Montan 280.—, Poldchütte 445.—, Prager Eisen 1006.—, Oesterr. Berg u. Hütten 1780.—, Skoda 499.—, Jnwald 573.—. Baumwollmartt. De»v-B»rß, 2. Juli. Baumwollzufuhren in den atlant. und Golfhäfen 7000, im Innern 1000, Ausfuhr nach Großbritannien 13.000, nach dem Kontinent 22.000. Lokalmarkt middling: 27.85 (gestern 28.25). Tendenz: stetig. Termine: Juli 26.65, August 26.1,0 September 25.—, Oktober 24.16, November 23.85, Dezember 28.65, - Janmr 23.37, Februar —, März 23.34, April * —, r Mai 23-25. ■ , »ppriyght 1938 Nachdruck verboten. tUL&ffü. V erlag,Wien-Leipzig. (28. Fortsetzung) 8u Polens Wäldern. Roman von I. Opatojchu. - Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Siegfried Schmitz. Zweiter Teil. Kozk. Kapitel 1. Die Fahrt zum W Dwojrele stand am Fußende des Bettes und sah Mordechai zu, wie er schlief, frisch, die Linke unter dem Kopf, genau wie sein Vater; mit einem Male durchfuhr sie ein Aerger, daß er so ganz dem Vater nachgeriet, als wäre er gar nicht ihr Sohn. Das seidene Kvppchw war ihm im Schlaf vom Kopf gerutscht und lag auf dem Kissen. Dwojrele versuchte Movdechai das Käppchen aufzusetzen, aber aus Furcht, sie könnte ihn wecken, blieb sie mit dem Käppchen in der Hand siehen und dachte daran, daß Movdechai bgat Abrahams Haar hatte, das glatte schwarge Haar, daß in Strähnen in die Angen fiel. Ihr Haar war dünn nnd gekraust. Aber je länger Dwojrele ans Mordechai blickte, auf die Frische seiner mattglänzenden Wangen, auf das Lächebn - um seine Mundwinkel, drslo wärmer wurde es in ihr, ihr Muttevherz floß über und sie wußte selbst nicht, ob sie vor Freude weinte, daß sie unberufen einen solchen Sohn erzogen hatte oder ob sie wrinte, weil ihr Einziger sie jetzt verließ. Eine so weite Reise! Fast fünf Tage sich im Waggm schleppen! Und Gott bewahre, die Stunde möge nu kommen, auf dem Wege kann owas geschehen . . . Dwojrele wollte nicht daran denken; über Mordechais Kopf gebeugt murmelte sie etwas, um ihm Schutz zu geben vor bösem Mick. Brajne trat leise ein; sie trug einen frischgebackenen Elchen. Ern angenehmer, atembrklommender Duft erfüllte das Zimmer. „S)er Kuchen ist mir unberufen gelungen. Glückselig trug ihn Brajne ihrer Herrin zu und beklopfte mit den Fingern seine braune, gut ausgebackvne Rinde." Versteht Ihr Frau, wie leicht er ift?" „Wirklich leicht!" Dwojrele wog den Kttcheü auf den Fingerspitzen ,Mie steht es mit dem Misch, Brajne^ „Noch gestern habe ich es eingepökelt, es liegt schon im Wagen!" ' „Du bist wirklich eine Künstlerin!" „Das wisset ihr «st seit heutr?" fragte Brcyne mit sittsamen Lächeln. ^ör zu, Brajne," Dwovjele wies auf einBn großen Sederkoffer, der neben dem BÄ lag, „ich gebe ihm für zwölf Wochen Wäsche mit. Mein Gott, ein Bub in der Frerndr, wo wird er sie zum Waschen geben? Was sagst du, wird es genug sein?" '„Mehr als genug * . . Es ist schade ..." ,^6vajne, man darf nicht sündigen." Dwojrole legte die Hand ans Herz.,Mordechai fährt doch Mn Rabbi, aber glaube mir, das Herz tut Weh, ich fühle schon, daß mir etwas im Hause fehlt!" „Natürlich, das glaube ich; ich selbst gehe herum und weiß wicht, was ich tue, wie erst ihr, eine Mutter? Ader man darf es sich nicht zu Herzen nehmen, wir «werden noch, so Gott will, Freude an ihm erleben, ihr werdet sehen!" „Gott ged's.^ Dwojrele wischte sich die Augen, nahm Mordechais Weste und zeigte sie Brajne. „Siehst du, da habe ich fünf Dukaten eingenäht. Man kann nicht wissin, in der Fremde, das Geld wird ja ausgerechnet sein; und die Mutter um Grld bitten wird er auch nicht können, so mag er das haben! Wie meinst du? Ich will ihm gar nichts davon -sagen. Er wird es schon selbst finden, da «wird es ihm -doppelt liebt sein, er wird wissen, was eine MM« ist; die Weste trägt er ja jeden Dag, wie. meinst du?" ,Mls weiß ich?" Brajm zuckte mit den Achseln. ,M ist vielleicht poch besser, es ihm gleich zu sagen . . . Wer was Plaudere. ich da? Ich muß ja nachschauen, was die Bäckerei mmW" . ,/JH will schon seW Nachsehen", Miwortete Dwojrele . senkend. ,/Du, Brajne, verschnüre Len Koffer nnd öffne die Fensterläden; es ist Zett, daß Mordvchai aufsteht!" Brcyn« öffnete den Laden. Eine Lichtwelle strömte ins Zimmer» blendete Brajwes Augen und weckte Mordechai. > * Bon der Mutter nahm Mordechai beinahe nicht W-; schied. Sie stand die ganze Zeit auf der Veranda, rang die Hände und weinte. Sie hatte Mordechai so viel zu sagen; doch als er auf sie zuging, ihre Hand nahm, sie küßte und sagte: Meib' gesund, Mutter", da überkam es Dwojrele noch stärker, sie umarmte «den Sohn, vergaß, was sie ihm zu sagen hatte, und wollte ihn nicht loslassen. ,M muß doch einmal ein Ende haben!" Ae gerlich entzog Abraham den Sohn Dwojveles Umarmung. „Er geht ja nicht zu den Soldaten! Wenn du schon heute so. weinst, was wirst bi tun, -wenn er heiraten wird? Weiber , bleiben nun einmal Weiber!" ' Er nahm Mordechai unter den Arm, führte ihn seit- -wärts und reichte ihm die Ha-nd: ' ,Mückliche Reise, «Mordechai, laß' es -dir gut gehen ' uud wenn dir Geld fehlen sMe, nimm lvelches beim Schwager Reb Jossel. Er wird dir schon auÄhelfen; vor allem aber — schreib'; und schreibe Briefe!^ Vater und Sohn sahen einander eine - Weite an nnd ' hielten ihve Hände fest; jeder von ihnen fühlte, daß der ' audere noch etwas zu sagen habe. Zu gleicher Zeit senkten; sie die Augen, als verstitttde jeder desanderen Gedanken, und stmnm, unzufrieden, Vaß sie nicht über die Lippen ' gedvachh hatten, was sie wollten, liehen sie einander los. : Verwirrt nahm Mordechai von Brajne und einigen ' Fischern Abschied; er wollte möglichst schnell über alles hrniwvKkomimen und im Wa«gen sitzen. Marorns Hund, Fiktt, sprang zwischen seine Wße, als wäre er auch gekommen, um Abschied zu nehmen. Movdechai faßte ihn bei der Schnauze und streichelte ihn; dabei Mte er, daß es ihnr, leid tat, wegsahren zu müssen; sagte -der Vater oder die Mutter nur ein Wort, daß er nicht sichren solle, er würde gewiß bleiben. ~ . .

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