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Wiener Morgenzeitung · 1923-07-01 · Heft 1574 (1.7.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1574 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HnÄminerKlOOO WientZümAbholea in der E*pediWn,H.,Taborstr.l-3, oder, meiner Verechleisstelle (Trafik) mönatL K 28.000 | MitPostversand für Wien u. Oeäteny monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Jugoslawien: Mon,Dinar40. Polen: Mon. Mk.25.000.D eutschland: Mon.Mark25000. F r a n kr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 SBT Naehasahlnngeir *»■ bei Preiaerhohunjren yorbehaltei» jener Nr. 1574 Me». Sonntag. 1. Sulf 1929 /ich<cho>8lo«ak«tj ■ Ischich. K Italien: Monatl.lOOrcg R u ml n! e n Mon; 90 Lei Bulgarien Mon. 75 Lewa« S c hw.e! L und dasübriga Ausland idonäuich Fjrcfl. 3 Redaktion u. Administration' Wien« II.« Taborstrasse 1 ~S Telephone: 44-0-38,43r3-19, ab6ÜKräbds.l9483^6-i301 TeL*Afo.t,Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen «Konto Nr. 150.693 Der Katholikentag. --y. Wien, 1. IM. Nunmehr hat auch die chivsstlichsoziale Partei!Ocherreichs ml der Wahlkampagne begonnen. Siehat die Delegierten ihrer vielfältig nach konfessionellen, sozialen und wirtschaftlichen GesichWunkten gestaffelten Vereine zu einem Katholikentag nach Men berufen und in einer Unmenge von Referaten die Wünsche des katholischen Volkes veEnden lassen. Und da in dieser Organffation alles dom politischen Ziel der Macht zustrM, so sind auch diese Wünsche durchaus politischer Matur, getragen von dem durch.jede Rede durchleuchtenden Bewußtsein, daß hinter ihnen die krastvolle, Willensstärke Institution der römischen Kirche steht, deren Hervschastsbckvußtsein sich nicht <m Zeit und Raum bmdet und. die ihre Mittel immer so wählt, wie sie dem Zweck entsprechen und. wie sie, eine gründliche Kenntnis der Massenpsychologie an die Hand gibt. Unter dem Blickwinkel dieses HerrschcvstswAlens muß man die demonstrativen Tagungen dieser Institution betrachten, deren Angehörige jederzeit von der UeberMugung durchdrungen sind, einer weltumspannenden politischen Idee M dienen, deren Anspruch cyff die Macht schon durch die Wahl des Mamens für die Konfession angedeutet wird.; \ Es ist' fedeWit die Taktik tiefer OMmsation gewesen, sich als verfolgt und unterdrückt hinzustellen. Auch der österreichische Kach-oMntvg tut dies. Liest man die Reden, die da gchaNen werden, so gkmbt man fast/ daß die neronffchen Zeiten herauDeschworen werden. Irr meisterhaster Dialektik verstehen, es die Referenten, ihre Zuhörevschar mit dem Empfinden des Märtyrertums zu erfüllen, gegen das der AntichM, cmfgetreten ist. Die rÄrvffche-^WmPeriumsi^ in . der Döfettsich in zuckender ÄÄal die Mhrer der Gl^Mgen säUMN denn auch nicht, den Feind zu nennen. „Iaphet wird von Sem und Eham-WeHtüMt" klagt >8er Bischof : Wcktz, Herr Kmrschcck - Meü Mcher Moral und, weil er schon dabei ist, auch die Zuckerechsemnoval des Juden Herne. Von der Iudenpresse wnL uwmterbrochen gesprochen und die Verdrängung des bodenständigen kathvlffchen Volkes durch fremdartige, srembglänbioe Elemente von den Hochschulen muß auch auf diesem Kongreß der Liebe, die nimmer aufhöret, die Gemüter in Schwung bringen. .Alles, was der katholischen Idee als Bekenntnis Inhalt und Wesen gibt, ist dein Judentum entnommen. Der Begründer der Religion, ihre ersten Verkünder und Gläubige kamen aus dem Judentum. Ihre Ethik , stammt dort', wo sie universal ist und sich an das reine Menschentum wendet, Wort für Wort und Satz für Satz aus der jüdischen Literatur. Aber da der römische Katholizismus in logischer Fortentwicklung des Machtgedankens4 dazu vorgeschritten ist, die Kanonen uiüd den Krieg zu segnen, wird sein Haß Ivider das Judentum! verständlich, das weder Prvselyten wirbt noch die Gewalt anbeten , will. Der Katholikentag ist eine politische Revue, die vor dom Bundeskanzler sich entrollte. 'Er machte'in seiner Begrüßungsrede eine sehr kläre Anspielung auf die von ihm schon einmal angerusene Bodenständigkeit und reklamierte für sein Auditorium' das Erstgeburtsrecht Darüber läßt sich streiten, und es nicht ganz , so sicher, ob die Kolonisten, die hinter den römischen Legionen her kamen, Katholiken, nicht einmal ob sie Christen waren. Aber es ist ziemlich anachronistisch, wenn der Chef einer Re-gierung so spricht, in der sich zwei Mitglieder befinden, deren Eltern noch „fremdartig und' 'sremdgläubig" waren, einer Regierung, die ihr Sanierungswer'k auf die Sachkenntnis, den Takt und die Welterfahrenheit jüdi . scher Mitarbeiter stützt und die noch immer, wenn der Staat und das Volk in Not gerieten, den . Weg. zur jüdischen Nächstenliebe geftmden hat. Trotzdem findet sich in der. Liste der zum Katholikentag erschienenen Verbände auch die- Fro.ntkqmpferverei'nigung und wie die es irsii. der - christlichen. Nächstenliebe hält, ist iedem-bekannt, der die materielle Frffion mit dem Hakenkreuz gesehen hat. Ihre Anwesenheit gibt eben, dieser Tagung, wenn dies noch notwendig wäre, den aftyellen Stempel und zeigt, daß es sich um eine eminent politische Veranstaltung handelt. Ihr- Zweck ist es, die Parole für den kommenden WahlkanM festzustellen, r Sie lautet: Darr Iud! Dieses.Wort, .wich, jetztmit herlfgem. Eifer'' popularisiert, weil'eben hine andere Parole, .etwa die WiÄerum ihren Bestand, Kirche, gerne zu Hilfe Di-pnen.. kommt ihr die militante Sie hat Erfahrung in solchen Las amtliche Schuldregifter. - Aach eine Bndapefter Synagoge sollte I» die Last gesprengt merdea. Die Bvüder KoVaeS Versuchten ferner, unter patriotischem B-orwan.de. : tschecho-slowakische Banknoten zu fälschen. Budapest, 30. Juni: .(Tel., der ,Mr. Wovgenze'itung".) Die Polizei veröffentlicht heute folgende amtliche Mit-teÄuny, über die Ergebnisse ihrer Untersuchung gegen die Brüder Kovaes und Genossen: „Die Verhafteten gründeten unter dem Titel ,/Unsere Ungarische nationale VergangörvlM" eine Gesellschaft und veranstal-te-tm zugunsten angMicher kultureller und patriotischer Zwecke im ganzen Lande SamnL-ungvn, die mehr als Neun M,Mionen Kronen. sinirugsn. Der Vorstand des Vereines verwendete diese Snmlme ansschlieMch Ar! " > eigene persönlich^ Zwecke.! I Die Brüder Kovaos und'ihre Genüssenbefaßten sich mit. abenteuerlichen Plänen. Sie beschlossen, mit Hisse ihrer rrrede nt ist ischen Verbindungen einen Einbruch in Großwärdein zu verüben, dort-die!. vumämschen Staatskassen zu plündern und dann nach Ungarn.zurückzukehr-en. Diesen Plan Mußten s,ie alber während der Durchführung wegen plötzlich ausigetanchber.Hchsvieri^keiiM fallen lassen. Die Beffchwörer beischllossensodann, einzelne, Hnen miWMgeM itgli ed er der Regierung von .ihren Plätzen durch'G ew alt zu entfernen, in erster-Reihe den Ministeripräsidenten Bv-thleu. Sie erwogen auch die y 1 Zerstörung der jüdsschpy Synagoge ^: >inder TabaNgasse durch-Ekirasit.fp ren-gung. Ein Jnge- HüpWhm-ntz,-wurdev o rlän si ga usgLsch'ob'e-n,. weildüxch^di^.!W>Wmn, auchein-.bedieüt^ü>de,r . TL'i-l, Mi" e irst v vt chvOksmMi^LrlHaG Ußen Äe Be^öWovsr einen nP«üSaMitem"' ' In der Wohnung' eines -gewissen S'tz-ala y wurden, die - Klischees hevgestellt-, die FallWätesielen -aber so schlecht aus, daß sie nicht in den Verkehr gebracht werden -konnten. UM einzelne' mWelbige Poli-Mer kurzerlhand aus dem. Wege zu räumen, kMsten'die.Brüder Kovaez sin' g>- schlvssenes.A'ut-omobil und aNßerhMder AtM - ein Hans. V. v Im Automobil wollten sie die Politiker vevschl-epipen, im fernen Haus sie ermorde n. Durch die aktiven Offiziere verschafften sie sich -eine große Menge Ekvaifit. Interessant.ift in di-ffer-amtlichen M-eldung, daß s.ve nur die.Miß-eLsolg-e, niHt-aber die .gelinngenen- Anschläge dieser Gesellschaft verzeichnet.. > ' . Dev Honvedminister muß zuvircktreten. ' Budapest, 30. Juni.'' (Del, der „Wr. ' MorigenzeitNng".) Der -Reichsverweser hat den Honvedminister, FeLdMa-rschall« lentnant Berlitzk-a, aus dessen Ansuchen von seiner Stelle enthoben und General Gr-aifen Karl Cz a k y zu seinem Nachfolger erüänint. . ' -' >. - . -:H4e..M''.P'o.>l'i-t-iischen/K.'rMs«»: veMutet,''steht'die -Don des HvNMmiM^s:ymi;bet IX it t e r s n ch -nn g g-eg e.n' dM'.'B,-rÄkd e r K op..ä e z' in Zn^ ffaMneühang,' weA 'ditse--sdie- 'BMb'indnng ^z-Gis'chLN -Ofsi-ziere« nud^ ,'MgMchiste^' zutage - ■* ■. ■' J , r /.»ch. 8i» 3»9 M BefahüagÄrapPea 5u die Lust geflogen. — Sü dir bv Äte. Essen,'30. Juni. <Tell der'„Wr. Morgenzeltnnig".) Heute nachts ist! die große Rheinbrücke D u i sb ur g—H o'chfeld in die Lust geifloWN, gerade in dem Augenblick, als ein Zng der Besatzungsarmee die Brücke Kassierte. Es sollen 60 bis 60 Tote unter den Trümmern der gesprenqten Brücke liegen. ■ Der V-erfand dev beschlagnahm!-ten Kohle aus dem RNhrgebietwurde von / der B-esatzüug fast a u s- \ schließlich über diese gesprengte Brücke geleitet. Paris, 30. Juni. Rach einer späteren Duisburger Meldung der Agentur Havas soll das Eisenbahnunglück, bei Duisburg durch die Explosion eines Gasbehälters^verursacht worden sein. Brüssel, 30.. Juni. Nach ' den ersten Ergebnissen der Untersuchung, über das Attentat auf den Duisburger Urlaübs- - zug muß die Bvmbe im. MW) m-edergelegt worden sein. Ein meterlanges Stück der Schienen wurde weggevissen. Der Ver-. kehr würde mittags wieder her ge st eilt. - Düsseldorf, 30. Juni. Nach den letzten Nachrichten sollen bei dem Attentat in Duisburg 10 Pe r s o n e n g e t ö t et und 40, idarunt-er 10 Deutsche, verl-etzt worden sein. Zur Strafe wurden 20 Duisburger Persönlichkeiten in Haft genommen. Die Kaf.feehäuser,,Kinos, Theat'er und' öffentlichen Lokale wurden gesperrt. Der Tramway-, Automobil- und Motorradverkehr wurden u n t e r s a g t, In der Zeit von 10 Uhr abends bis 8 Uhr früh darf niemand die Straßen betreten. Jemifsion des -Warschau, 80. Juni. Finänzminister Grabski hat heute dem'Mmsterpräsidenten seine Demission ein ge-, reicht, die er in einem diesbezüglichen Schreiben mit dem Mangel an Verständnis und Unterstützung seines Sanierungsplandurch das gegenwärtige Kab i. ne t t motwiert.^ ' ein neuer HvWerratsprozeß in Lechzig. Berlin, 30. Juni. Vor dem zweiten Strafsenat'des Reichsgerichtes in Leipzig findetäm Bi In l i' der S P r onage P r o z e ß gegen den Ingenieur - H a ck e nb r u ch aus Speher statt, der beschuldigt wird, im Dienste Frankreichs eine umfangreiche Spionagetätigkeit im besetzten und besonders im unbesetzten Gebiet entfaltet zu ' haben. > ' > . . Hackenbruch hatte sich schon während seiner Tätigkeit , vor einem Jahre bei - der Kohlenverteilungsstelle in Speyer. wegen seiner Franzosensteundlichkeit verdächtig gemacht und -trat dann in den Dienst-der von dem französischen Oberspitzel!Martin geleiteten --französischen Spitzel-^ .und- \ S p i o na g e z e wt r alle' in S p e y e r, in' deren Auftrag er!Reise.-n uns unbesetzte G-ebie-t Deuffchlands unter-- nahm. - ,- : .v ' » kv,' 6»tto geht auf Urlaub. ' . o^ . -'liu, 30. Juni. (Tel. der „Wiener Morgenzeitußg".) ,Neichsrmtzler Cüno hat einen,mehrtägigen Erholuugsurla.ub angetreten, den.er auf seiner Besitzung bei Hamburg - verbringen wird. Die Roßbach-Morhe. Berlin, 30. Juni. (Tel.-Komp.) Die Nachforschungen in . der Angelegenheit des Par ch i m e r M o r d e s haben, wie die Blätter berichten, zu weiteren Verhaftungen in Berlrn geführt. Auch bei ztvei ehemaligen Offizieren wurden Haus durchsüchu.ngen vorgenomnren. Einer der beiden wurde verhaftet, nach seiner Bern-chmung aber wieder fteigelassen. zweijähriges Budget in Frankreich. i Paris, 29. Juni. Die Kammer hat in einer Nachtsitznng mit 457 gegen 93 Stilmnen das Budget Ar 1923 votiert. Sie nahm ferner mit 410 gegen 161 Stimmen einen von der Regiemng. beantragten Zusatzartikel an, dev bestimmt, daß dieses Budget auch für. 1924 zu gelten habe, ftaß jedoch der Kammer das Recht gewährt bleibe,. die Ermächttgung zur Einhebung'von Steuern ' zu. erteilen und eventuell notweMge. Aenderungen des . BovanWages ün Laufe des Gebarungsjähres. 1924 ein- ' züAhren. Die SöMisten und die Sozialistischradikalen stimmten ge g e.n dem Zu'satzartikel. /. . Die tzcherenllnbr. Berlin, 30. . Juni. (Del. d, ,Mr. Aborgenzoit-ung".) \ In - einer völtffchen VevAmmAng des. deutschen /Neichs- -tagsabgeordneten v. Gräefe?Goldesbec schilderte, nach der „Deutschen Zeitung", ,.ein Redner aus dem Ruhrgebiet die -Gveueltaten der Franzosen, und Belgier und forderte hie ■ Bildung von Scheren! l.u bs" auch - im unbesetzten Gebiet, deren Aufgabe, essein müßte, Mädchen, die uüt Ausländern und Juden verkehrten, die Haare ab- -nick-neiden.

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