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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-30 · Heft 1573 (30.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1573 (30.6.1923)
Date
1923-06-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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gllMMMSLIWl Wiens Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisatello (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u» Oesterr. monatl. K. 28.000 Ts c b e c h o-S I owa k ei: Mon. K17.'Jügoalawien: Mon.Dinar40. Po len: Mon. Mk.25>.Ö0Ö.D eutgehland: Mon.Mark25.000. F rankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 Ischech. K 1.- Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien Mon. 90Lei Bulgarien Mon. 75 Lewa Schweiz und das übrig» Ansland monatlich Frcs.? Redaktion u. Administration Wien, Eh, Taborstrasse 1—4 Telephone: 44-0-38,43-3-19 ab6Uhrabds.l9-483,16:30! Tel-Adr.: ,Morgenzeitqng4 Wien Oesterreiehisches Postspar, kassen-Konto Nr. 150.69; Nachzahlungen ,bei Preiterhohungcn 4 Vorbehalten Mm, Samrtas, Sü. guui 192S Die Gedenttase der Katüftrophe. -^y. Wien, 30. Ami. Das belgische Kabinett, das vor zwei Wochen Zurücktreten mußte, ist 'wieder unverändert im Amt. Die Politik Belgiens setzt also genaw cm demselben Punkt wieder fort,' wo sie durch die Demission Theums unterbrochen wurde und damit eröffnet sich auch die Möglichfeit, die Nuhrkrffe über den toten. Punkt hmwvMbrm-; c;en, an dem sie gegenwärtig steht. War dieser Stillstand schon an sich eine Verschlimmerung, die auf die gesamte weltpolitische Lage'drücken mußte, so ist noch außerdem die materielle Entwertung der deuffchen Währung zum Ausgangspunkt eines poMschen und sozialen Fieberzustandes geworden, der das Schlimmste. befürchten läßt. Die passive Resistenz der deutschen Regierung , hat ihr böses Widevspiel in der gleichen Haltung Frankreichs gefunden, das unveränderlich und rnonotvn immer wieder seinen Reparattonsschoin vorweist, der inMischen schon ein Reguvsitionsschevn geworden ist. Immer wieder' Märt die französische Regierung, ihr Sinn stehe nicht nach Landerwerb uck) sie verkäme Äoß die Zahlungen. Aber was Aber ihre Daten bekannt wird, steht in grel- >lem Widerspruch zu den Wortes. Die Verbindungen mit den Hakenkreuzlern in Süddeutischland und mit den rheinischen Separatisten sind heute nicht mehr abzuleugnen. Es ist das Ziel dieser mit Spionage und. Korruption -treffsicher arbeiteiiden PolM,' DeM-schland zu atomisieren, seine politischen Kräfte p zersplittern und das deutsche Volk durch seine Aussieferung an die nattoualisfrsche KMail^ aus' dem Pvcheß der' NeügeMtung Europas cmszHMden. Bis an die rüMche Grenze soll die MachtsPhÄe französischen Gemvalsttchs reichen:. Die polttrsche Gncheitbes d^schen'WWs,dasM ' der derttschen Demokratie, widerstreitet Wn Grundgedanken der fvanMscheni^MperW heute an der Macht sind, und darmn rmtevftntzen sie gerne alles, was in Deutschland der Demokratie uud der Republik Fehde und Feme geschworen hat. So bestrebt sich Pomeave, das Werk, das Glemenceau mit nach seiner Ansicht uoch unvollkommenen Mitteln begmmen hat, weiterzusühren. Es fährt sich jetzt der Frieden von Versailles. Dort wirken die Grundmauern zu dem französischen Weltbau aufgeführt, zu dem System, welches das alte Europa in Waffen neu erstehen läßt. Die vier Jahre dieses Friedens zählen tausendfach wehr als die Kriegsjahre. Die Reden der Staatsmänner hören sich heute in der gleichen Weise an wie im Fahre 1919 nach der Untevfertigung des Diktates, als von der Bestrafung der Schuldigen gesprochen wrrrde. Die wirklich Schuldigen wurden nicht gefaßt und es wurde auch nicht versucht, sie zu fassen,-da sie freiwillige Handlanger des Systems der Foch und Petain wmÄen. Die Zerstörer Frankreichs und Belgiens, die Ludendorffs, konnten ihr Werk sortsetzen. Sie zerstören heatte Deutschland.- Biele Fäden führen von Paris über München nach Berlin zu jenem Deutschland, das den Haß gesät und sich heute in Paraden uttib DenkmalsenthülluNgen dex Tage des großen Mordens freut. Nicht diese, die^igentlich SchuMgen an dom Dittatsrieden, tourden zur Verantwortung gezogen. Bestraft werden die deutschen Arbeiter, die Kinder, die Träger des Friedensgedankens, jene, die gutmachen wollen, was die Sklaven der Gewalt verschuldeten. Der französische Iinperialismus will keine Gutmachung und keine Heilung. Rache und Herrschaft ist "seine Parole, die gleiche, die Ende Juni 1914 in Oesterreich laut wurde. .Wohin diese Politik führt, das erfährt Europa an seinem eige- - nen Leib. Vor genau neun Jahren begann der Weltkrieg, vor vier Fahren setzte ihn der Bmfailler Frieden fort und herrte ist die Wrüstungsidee ein Feiertagsscherz des Macchravellismus geworden. Traurige Gedenksteine auf dem Weg zmn Frieden! So trüb aber die Gegenwart ist, so zeigt sich doch ein bischen Licht am Horizont. Das mächtige Auffteigen der Fviedeyspärtei in England, welche für die Ausgestaltung des VAkuchündgedankens ihre Stimme erhebt urck dieses noch höchst unvollkommene Instrument zu /.einem wncksamen Organ der Versöhnung machen will, gibt Hoffnung, daß die Vernunft doch zu ihrem Rechte kommen wird^ Vielleicht wird sie sogar in Frankreich sich Geltung schaffen, wo die Opposition gegen die Politik Pvmcares anwächst. ' Hie letzten deutsche» Borschlägestndteiner Antwort wett. — Frankreich» Absichten. Paris, 29: Juni.' Gävas.) Im.Senat, der heute' die Ruhrkredite e i n stimmig angenommen hat, hielt Minisierpräfident Po i n c a r e eine Rede, in der er ausfichrte: Die Ausgab'en fürdie Besetzung.des RuhrgMetes werden. von dreiderAlli ierte n inr < Interesse aller Miierten gemacht. Ich will noch einmal dem Ausland, den weltlichen und geistlichen Mächten zeigen, wie'sehr die Maßnahmen gerechtfertigt sind, die wir ev^üffen haben und die.vÄ, Wenn nötig, gegenüber dem widersetzlichen Schuldner noch ergreifen werden. Wenn wir politische und militärische Ziele hätten, hätten wir das M a i n't ä t besetzt, um Dmtschland in zwei Teile zu schneiden. Wir wollten nur einen wirksamen wirtschast.lich.en' Druck ausüben urck deshaöb Hecken wir das Ruhvgebiet, die Schatzkammer des widerspenstigen Schuldners, nach einem Worte Bonar L a w s die Halsschlagader Deutschlands, besetzt. Deutschland ersann den Widerstand, den-es 'einen passiven nennt, der aber in WWichkeit ein aktiver ist. -Die hinterlistige und strWche . Jdee dieses Widerstandes ist von der Berliner Regierung urck den Großindustrie!l'en ausgogangen. Das-Ausland, und nanrentlich der AeiligGStuhl, bei dem auch Jrvtümer vorkmnmen können, hat sich davon nicht immer Rechenschaft gegeben. ^DaK'siegreiche Frankreich hat nicht die Absicht, aus seineü Sieg zu verzichten. Es Mrd seinen ^WllM^denl:chH4xWA^^'.MtMenstellech .7; v ’ T^ieten zu tun. Wrr haben mit einer Art von Blockade geantwortet, die sich bei der Ausfuhr auswirkt und nur Kohle und Metalle^trifft, ohne in ivgerw einer Weise die Lebensmittelversorgung des Gebietes - zu berühren. Lebensmittel tvechen frei eingeführt und die Truppen verproviantteren sich nicht aus den Hilfsmitteür des Landes. Der Gedanke, uns der Kohle und des Koks zu beraulben, hat Deutschland'zum Widerstand getrieben, denn die Deutschen' kannten besser als irgend jemand den Stand der Fabriken in unserem Nott>en. Nun ist es uns g e l u n g e n, die durch.die Mockade angchäuften Bestände.in unser Land zu bringen. Um die Fortsetzung des Mdepstandes zu fichew, verschärft De.ustschla nd durch Bertevlung von GeK an die Beamten und Industriearbeiter die Lage vor T-ag zu Tag, es bewegt sich m dem schrecklichsten circuluj vitiosus und tut nichts, um cüls ihm heyauszukonunen -Es vergeht, kern Tag, wo nicht einer ^der d e u t s ch e \ Jindu striezt len versucht,? mit' französischen JMu striellen oder Politikern, in Verbindung zu treten. Ich bin ständig darüber/auf'dem' Lausenden. Bald hoff! 'Deutschland aus eine Intervention, unserer Alliiertem bald erwartet es' sein- Heil von unserer , ■ Entmutigung und Ermüdung. Deutschland täuscht sich, schwer. Wir Hecken unsere wesentlichen Wünsche, bekanntgegeben und 'wir werden sie nicht ändern. . Wir.wollen, daß. d e 1 - Vertrag ersült.t werde. Belgien und Frankreich haben beschlossen, Vorschläge nicht vor der Ausgäbe des Widerstandes, zu prüfen, und wix werden ' Deutschland nur nach Maßgabe der Zahlungen räumen, wie es Deutschland nach dem Jahre 1870 getan hatt Das einzige Mittel, das wir haben, wn Deutschland zum Zahlen zu bringen, ist, datz Deutschland das Verlangen habe, das -Ruhrg^biet wiedev zu gewinnen. Wir hegen keinen Ge.danke.n an-An.ne-x-i0n und weisen' energisch jede Anklage des ^Imperialismus - zurück. Wir wollen Las"R mit Beschlag belegen, wir halten dort n u r'Wa ch t, bis Deutschland 'seineletzten Vor- , J4-*'etzrrP'.M nHmm ,?MAWoM^lrosWÄrn'.DtzUtsHwvd' / nM-lWD) üw so zWlümer für es. Wir werden ein so wertvolles iMndMe^dasÄRnhrgÄiLt' nicht eher herausgeben, als bis es! eingelöst ist. Wenn wir vor. diesem Termin üher den Rhein zuLüchingen, wurde dies den Eindruck Hervorrufen, daß Deutschland uns eine . Revanche der Demütigung zugefügt hätte. Und was würde dann in DeutMarck geschehen, was stir Torheiten würden dann seitens der > N a t i ö n a l i st e n und der M i l i t ä r p a r t e i begangen. werden? Die französischen Truppen verteidigen nicht nur die Unterzeichneten Verträge^ sondern auch die deutsche Republik selbst gegen , nationalistische Verirrungen. Sie Iverden ihr Werk der Gerechtigkeit und des Friedens zu Ercke führen und sich dadurch noch eimnal Verdienste um das Baterlarck erwerben. .... . . ßnglaud md PalWm. Äe AerMngen der englischen Regierung mit Sir Herbett Samnel. London, 28. Funi. (I. C. B.) Uvber den Besuch des bvitffchen Oberkorwmssärs Sir Herbert Samuel in London wird aus offiziellen Kreisen mitgeteilt, die Regierung hat mit Sir Herbert S a m u e l die Lage. in Palästina ausführlich besprochen. Die bisher von der Regierung befolgte Palästina-Politik wird in der bisheägen Lmie fortgeführt werden, es wird keine A e n-- derung eintreten. Es wird ferner betont, daß Sir Herbert'Samuel nach Beendigung seines IlÄanbs nach Jerusalem § u r ü ck k e h r e n wiÄ. Das Palästina-Mandat von dem Hedschas-Bertrag unberührt. Der llinterstaatssekretär des Auswärtigen Mac N e i 11 gab im Unterihaus ans eine Anfrage, tvie weit , sich der mit dem König Hussein vo.n. Hedfchas entworfene Bertrag mit den Mandatsverpflichiungen der englischen Regierung vereinbart, solgercke Ant- Wort: „Die endgültige-Form des Vertrages mit Hedschas läßt sich derzeit unmöglich voraus-' sagend Das eine jedoch steht fest: Der' Vertrag mit Hedschas bedeutet i n kein e r W eise e i n e- M'o d'isikationder von England mtt Bezug>anf die Mandate übexnommenen Verpflichtnn'gen." Das Echo der englischen Presie. Die Londoner Presse beschäftigt sichern letzter Zeit wieder sehr eifrig mit der Palästina-Frage. Während die antizionistische Presse, wie „Mo r ning Po st", ..Daily Mail" für einen Verricht auf die bisherige Palästina-Polittk Englands eintreten, schreibt „Daily Graphic": Die Schwievrgketten in Palästina wurden durch den Ztveffel bezüglich der wirklichen Absichten der Regierung hervorgerufen, die in bezug ans den Zionismus inrmer eine n n e n t s ch r ede ne Haltung eingenommen habe. Die Vorteile des Zionismus seien noch nicht genügend-in Betracht gezogen worden. Die „S u n d a y Time s" schreiben: „In einer Rede über die brttffche Politik in Wlastum kürckigte Mr. O r m s-' b Y-G 0 r e im Uyterhause an, . daß bei der Abstimmung über das Kolvwalämt die Regierung dje Gelegenheit benützen wird, .die offizielle Politik in'Palästina daMlegen. und'ihre 'Stellung gegenüber der arabischen Propaganda außer Zweifel M setzen. Ob mit;Recht oder Unrecht: es besteht ein wohlüberleg- :tes Komplott gegen die B.als0ur-De;llaration. Ohne in Details ernzugehen, kann ich sagen, daß der Streit Zwischen Irrden mW Arabern heftig ist . und wenig Raum für Kompromisie offen läßt. Es gibt nur . drei Mi^liWiten 'für die Regierung: Sie kann 'entweder den arabischen Wünschen, die scheinbar mit jeddm neuen Nachgeben gegemiHr. den T.ü r ke'n zugendmmen' Haben, weichen, oder dem gedankenlosen Geschrei, unter Außerachtlassung der 'Liebensintere s-'s e n des .Imperiums, das Land zu räumen, ..folgen oder aber vorläufig ohne Mitwirkung der Araber , die Politik fortsetzen. Das letztere scheint drrrch toe gegenwärtigen Umstände geboten zu sein. Allenfalls wird eine klare ^eüstellmta eine. beillamL Wirkuna ausüllen."

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