Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1570 (27.6.1923)
- Date
- 1923-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Heute wurden nicht weniger. als 22 Hausdurchsuchungen durchgeführt, der evenfoviele Verhaftungen gefolgt sind. Das zuständige militärische Kommando hat heute mitgeteilt, wieviel Ekrasit an die Brüder Kovaes Und ihren Komplizen aus ge folgt worden.ist. Diese Menge ist bedeutend größer als die bisher beschlagnahmten sechzig Kilogramm.. Mit Hilfe eines Namensverzeichnisses, welches der Polizei in die Hände gefallen ist, wurden nun die neuen Hausdurchsuchungen in überraschender Weise durchgeführt. Heute fand man kein Ekrasit, desto mehr kompromittierende Schriftstücke, genaue In str u kt i o n e n, vollständige Kriegspläne für einen gewaltsamen Um ft urz. Die Organisation der Verschwörer scheint außerordentlich fortgeschritten gewesen zu sein. Sie stand mit den Bezirksorganisationen der Erwachenden Magyaren in engster Verbindung. Es waren schon die Aufgaben der einzelnen Gruppen und Personen, welche die öffentlichen Gebäude und Aemter zu besetzen sowie ' Girrp »che Delegation i«tch Lorrdm, London, 25. Jhnn. (I. C. B.) Dev in Jaffa abgehaltene amibische- ÄDlMLß hat eine DckMtüM er-n-annt, welche in London die Prvpvgianda gegen dien V-ertxcrg Englands mit dem Hedlsch-crs Mfnehmen soll. Ern chckMches Mitgviüd des Kongvessies — Miichcke WenVi Bsirutii—.-eckläckie auif.dsm Kongreß, daß bk ©tctetut unter de« MDimniftschen R'egÜLvung das sechsfache de>v scänarMit-i'gen tückischen übertreffe,n. Schon diie D reis!p«a chiykeli t im Lande-koste cm Ueborsetznüigen et-M M.000 Wund jährlich. Wie verbautet, soll der Kongreß die Executive be>au>ftvciA haben, die Swuerfragen Zu prüfen 'und nAigeNfalls die Zn hl ung von Steuern überhaupt zu verweigern. Sie Rezelung der Rordgrenzrn. London, 25. Junii. (I. C. B.) Der Goubernduv von Haifa, Colonel Spuren, ist nach Metnllla abyeröHst, u-m die VEnbarungen mit den fmnzöisffchen Behörden bGWch der Ue!be>rga>be von MMllla und anderen 36 wvalbischen Ortschaften an die palästinensische Regierung a-bMchM-eßen. Im ZnsannnenhanHe mit dieser Angellegenheit stand die jün.gste Reuse Sii Herbert Samnels,. ans welcher e-r von arabischen.Räubern Werfallen wurde. Die Konferenz von Lausanne. Verzicht aus Reparationen. Lausanne, 25. Juni. In der Fina-nzkMmrrssion unter Vorsitz des Generals Pelle wurden die noch schltvelbenden s i nangteilen Fragen!— mit Ausnahme , der Coup ans rage — erledigt. In der R e parat io nsfrage wurde sine Einigung auf der Basis gegenseit rger Aufrechnnng dahin erzielt, daß die Türkei und die Mächte auf alle Forderungen für Verluste und Schäden unter dem Titel „Reparat i o n e u" v e r z i ch i e n, ausgenommen die Trar.saktionen, die die Anpassung der sricheren alten Konzessionen in der Türkei betreffen. Die Türkei verzichtet auf alle'Rechte auf die in den Verträgen von Versailles und Trianon an die Alliierten übertragenen Goldbestände sowie.auf die Rückerstattung der Summer.', die sie an die eniMche Industrie.für zwei,bestellte und auch fertig gestellte Kriegsschiffe begalhU. hatte, die von der enMchen Regierung bei Kriegsbeginn beschlagnahmt worden waren. Der Bertvaltungsvat.der Dette Ottomane wird von der Verpflichtung zur E'iül.öfnngdes seit'1618 'durch die tückische Regierung ausgegebenen. Papiergeldes befreit. /. Konstantinopel, 26. Juni. (Del.-Komp.) In den acht Wahlkreiseu, von denen die Rüfultate bekannt sind, stick Ü b e r a l l d i e Regier n n g s k a n d r d ü t e n vvllzähl i g gelpähllt worden. Die Ergebnisse vor.» 48 Wahlkreisen liegen noch nicht vor. In Smtzrna ist Mnstapba Kema-l gewählt lvorden. die Geldbestände der Banken zu beschlagnahmen hatten, festgelegt. In der Wohnung des Führers der Erwachenden, im 9. Gemeindebezirk, namens Mars fy, fand man heute nachmittags gelegentlich einer Hausdurchsuchung einig e K i l o g r a m m Ekrasit. Außer ihm wurden noch einige Mitglieder der Bezirksorganisation verhaftet. Es sind dieselben Leute, welche vor einigen Monaten das Revolverattentat gegen ein B n da pe st er O per ettentheater organisiert und durchgoführt hatten. Trotz dieser belastenden Funde scheint der Eifer der Polizei am heutigen Tage s i ch t l i ch n a ch g e l ä s s e n zu haben. Die engen Zusammenhänge zwischen den Brüdern Kovaes und den h ohen m i l i t ä r i s ch e n Krerscn in dcr nächsteNUmgebung des Neichsverwefers Horthy haben das schon öfters konstatierte Ergebnis gezeitigt, daß die Polizei ihre Arbeit einstellt, weil der eigentlich am schwersten kompromittierte Teil der Schuldigen | unter die Kompetenz ' der Militärbehörden gehört. Das Militär in Ungarn erfreut sich einer außerordentlich begünstigten Wellung und untersteht zudem der alten k. n. k. Militärftrafprozeßordnnng. W «rKÄisch « W«W in Graz, Ä.7 meildet/Würeichte der BeÄeter der griechischen Rsglerung heute der bulgarischen. Regierung einen Pvotest -wegen» der letzten Einfälle bulgarischer -BarÄm Grtechisch-Drazedouilem. Der griechische Vertreter erklärte, daß Griechenland firr -den Fall, daß die bulgarische Regierung binnen fünf Tagen keine Satisfaktion gebe, die dipIornatischen Beziehungen zu Bulgarien abbrechen werde. ein Hochverratsprozeb in LeWg. Berlin, 26. Juni. (Teil. d. „Wr. Morgen-zertung".) Vor. dem Reichsgericht in Leipzig beMrn 'heute ein großer Landesverratsprozeß gegen sieben Angeklagte, die -beschuWgt werden, während kän»gerer Zeit in verschiedenen rhe^Mvfchen und wesMischen Städten mit den.Franzosen und Belgiern in Verbindung gestanden und versucht zu haben,' von Angehörigen der Reichswehr durch Bestechnng Material zu erlangen. Aus Staatsntteresse wird die Verhandlung geheinr geführt. Rikolai Nikolaijewitsch WA nicht gezen Rußlnnd könchsen. Paris, 26.. Juni. (Tel. d. ,Mr. Movgeuzeitnng".) Der frühere , russische. QberbefchlHaber GroMvst Nikolai Niko laise-w its ch, dem von.den russischen Monarchisten die Führerschaft der nationalruMchen antibolfchewikifchen Bewegung.angetragen worden ist, -hat . in Paris sdwohl mit Vertretern der Monarchisten wie der Zentralgruppe der russischen Emigranten konferiert, -welch letztere die Frage der änzuwendenden Regierungsform ün nachibolschvwiEischen' Rußland zunächst offen lasten Will. Das Ergebnis wird mitgeteilt, daß der'Großfürst den Antrag abgelehnt hat, die Führung der antrbolschewikischen Bewegung zu übernchmen. Er' wäre' nur "m dem Falle dazu bereit, wenn der Rnf hierzu direkt ans Rußland an ihn erginge. ' - - Masarykerkrankt. -Paris, 26.. Juni. - (Havas.) „Petit Parisieck^ meldet aus Constant-ine, Präsident Mäsaryk habe aus der Rückkehr von Biskra in Tolga die Reise nach Tunis unterbrechen und dgs Bett aufsuchen müssen», Das sranrMche Bndzet. Packs, 26.' Juni.' (Tel. d.. ,Mr. Morgentzeitung".) Die- Regierung hat. irr der heutigen Kämmerfitznngseinen Znsatza-ntrag z-Mr Budget angewlnmen, wonach, 'das - Budget vom, Jahre 1923 u n v e r ä n d e r t auf das Ia h r 1924 ausgedehnt wecken soll. Wenn sich im Laufe des nächsten Budgetjahres Abänderungen als notwendig erweisen sollten, würde ein Züsatzbudg.et ausgearbeitet werden. -7i e n, 27. Juni. Die wichtigste Voraussetzung der DeinokrMe ist die Gliederung der Bevölkerung nach ihrer Einstellung zur Gesamtheit. Jeder Bürger steht in einer bestmimten Beziehung zu seiner- Umwelt und hat eine ganz genau abgegrenzte Vorstellung, nach welcher er diese Umwelt ändern oder seinen Interessen anyassen möchte. Der Inbegriff dieser Bestrebungen ist die Politika Das Einzelideal zählt in ihr» wenig. Aber je klarer der einzelne sein Interesse erkennt, um so klarer wird ihm die Notwendigkeit, sich mit Gleichgesinnten zur Vertretung der gemeinsamen Ansprüche zu verbinden, eine Partei zu bilden. Der einzelne ist gelungen, alle Forderungen, die nur ihm wichtig erscheineneinMschräiÄen und das Erreichbare zu suchen. Die Partei ist demnach.selbst ein Kompromiß. Sie kLnm auch mit anderen Parteien Zweckkompromisse eingehen, aber sie darf-dabei niemals das Recht ihrer Angehörigen antasten. Das ist jetzt in Oesterreich geschehen, wo die Klassenvertretungen im N-ationalrat zum Zweck der Mandatsauftelluug ein Wahlrecht beschließen, das den Wähler nicht als Staatsbürger, sondern nur als Stimmträger gelten läßt. Ist in -der Zeit, wenn der Nationalrat versammelt ist, die Politik nur das' Verhältnis des einzelnen zum Finanzmimster, so soll jetzt .für die Wahlen die Politik auf das Verhältnis des einzelnen zrr den Vorständen der drei Klaffen-Parteien, zu den Sozia'ldemokraLen, den Christlichsozialen, zu den Bauern reduziert werden. So ist es geplant. Es soll nicht mehr, auf die Weltanschauung ankommen, die sich der einzelne nach seinem freien Ermessen wählt. Das ist offenkundigste RückeMvrcklung Von der Demokratie, von. der Souveränität des Volkes, von dem alle Macht ausgehen soll, zur Oligarchie^ an 'deren 7Wde' die Ausrichtung der absoluten Autokratie steht. Diese ReaWn, ün der , alle großen.'Parteien, die linken wie die rechten^ mit. dem gleichen Feuereifer' tellnehrnen, ist wohl noch trauriger als die reine. Hakenkreuzelei und'sie wird nur dadurch möglich, daß das Bürgertrmr sich selibst aufgegeben hat. Das Bürgertum in Oesterreich hat das Vertrauen zu sich verloren. Es hat die Zuversicht eingebüßt, feine Ideen für parteibik>end zu halten. Die großen Kaufleute und die Finanziers sind bis auf sehr geringe Ausnahrnen im MaterialisNMs versunken. Sie vereinigen sich mit jenen, die auf dem gleichen Niveau stehen, in einem engstirnigen Nationalisntus, der die Verbindung nach außen nicht mehr finden will, der durch die Lage Oesterreichs zwischen den stärkeren Nationalstaaten, durch die willenlose Abhängigkeit der Republik von den Großmächten inhaltslos geworden ist. Dieser Geist der Verneinung hat keine faktische Macht; se>W wenn er die. gesamte österreichische Bevölkerung erfassen würde, könnte er die zwangsläufige Entwicklung nirgends bebringen würde. Darum, äber lebt sich dieser Rachegeist nach innen gegen das Judentum aus, er ersetzt dem deutschen Btivgertuur die verlorene Idee seines Lebens. Darum können in dem Parlament dieses Staates die Jerzabek und Ursin ungehemmt ihre Schmutzkübel ausleeren, da das deutsche Bürgertum ihr Treiben nicht als seine eigene Schmach und Schande empfindet und durch niemanden ihre Phantasien vom Judenmord auf das richtige Maß zurücksührt. Das Ju^ntum ist trotz seiner Bedeutung für die Kultur und für die Wirtschaft Oesterreichs in diesem Parlament mundtot. Die Frage ist, ob dies immer so sein muß und ob das Judentum dazu helfen will, daß das Ausland dieses Parlament auch in Zukunft als Spiegelbild der politischen Stimimrngen der DonaurepMik gälten läßt. Es bestand bisher die Fiktion, daß die ChriMckffozialen, die Sozialdeniokraten und die sonst noch vorhandenen Hakenkreuzler zur Vertretung ihrer Interessen auch.noch die Repräsentation des Bürgertum in allen seinen Teilen, also der gesamten Bevölkerung 'besorgen. Dieser Politische Betrug muß zerbrochen werden und vor allem muß die jüdische Wählerschaft-das ihre zur Feststellung der Wahrheit beitragen. Der jüdischen Arbeit verdankt der Staat die. Zlusrechtevhaltung der Wirtschaft, das Vertrauen des Auslandes und die Stabilisierung seiner 'Währung.- Die^Kidische Ärbeit verbindet den Staat mit 'seiner Umwelt.und sie will nicht dulden,'daß die Borniertheit der vöWschen Demagogie Oesterreich durch eine dicke Mauer von Haß und Beschränktheit von der geistigen Kultur Europas abschließt, sie will nicht als bloßes Preßobjekt für die Steuermaschine gelten, sie will nicht dulden, daß ihre Ehre von jedem Schubiack berabaec L2SEW