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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-25 · Heft 1568 (25.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1568 (25.6.1923)
Date
1923-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die französischen Rheinlandpläne. Eine sensationelle englische EnthMung. London, 24. Juni. (Wolfs.) „Observer"- veröffentlicht heute sensationelle Enthüyuqgen über die französischen Plane für die Lostrennung des Rheinland es vom Mich. In einem vom 16. April d. I. datierten Geheimberichte des französischen Oberkommissars im Rheinland an seine Regierung befaßt sich der Oberkommissar mit den Anstrengungen des französischen OberkoMmissariats und des Führers der rheinischen Separatsten, um ihr gemeinsames Ziel, die Lostrennung der Rheinsande, zu erreichen. Der als persönlich und streng vertrMich bezeichnet« Geheimbericht erwähnt, daß der Verfasser des Berichtes im Mai 1921 mit der Aufgabe betraut^wtüde, mit Dr. Dorten in Fühlung zu treten. Dr. Dorten habe versucht, Beziehungen zwischen Frankreich und den Industrien des Rheinlands herzustellen. Der Bericht erklärt, obgleich die Versuche 'äußerst energisch vom Oberkommissariat unterstützt wurden, bliehen sie fruchtlos. Englische Kommentare. Der „Obferver" schreibt rn einem längeren Artikel über seine GnMlluing, daß die englische Regierung von Poimnve dezidierte Aufklärungen - Wer die französischen Abstchterr verlangen werde.müM,, da die Anklagen gegen Frankreich so langefortbostchen werden, als die Pariser Regierung wettechm Agenten,in Deutschland ünterhälten werde, um Aas Deutsche' Reich zu zersprengen. Die verlegene Dementierung, die. bisher erfolgt sei, habe dieKbPiMH nichts geändert^ nutz" wix^können cs nicht ruhig weiwv ansehen, daß' " ‘ - mit unseren Steuergeldern Separatisten wie Dorten Md Smeets, Reaktionäre wie HiM pnd Heim ausgehalten werdey. Der Londoner KovvchPoMn-t der ,^Humanrte" schreibt, daß die Enthüllungen des „OVsarver^' rn den englischen di'pilomatrschen Kreisen große Sensation hervorgerufen 'haben und nmn glaubt nun immer mchr, daß Poineare weniger eiup Reparation! sals Separationspolitik betreibe. Es unterläge kernem Zweifel, Lvß diese Meinung maßgebender englischer Politiker in den bevorstehenden Besprechungen zwischen Bald w i n und Pöi st ca r e zur Sprache kominen werden. Ein laues Dementi. Der Quai d'Orsay läßt gegenüber der Meldung des ,L)bsevver" erklären, daß das Blatt .bei seiner' Veröffentlichung seinem guten Glauben zum Opfer gefallen sei unbezüglich der Meldung hinsichtlich der'französischen Rhemlandpolitik getäuscht wurde. Die Lage in England. London, 25. Juni. (Tel. d. ,Hr.- Movgenzeitung".) Die vom „Daily Telegraph" gebrachte Mitteilung, daß der tschecho-stowakische Mimsterpräsrdent Dr. B ene sch derzeit zwischen Berlin und Paris vermittle, um eine direkte Aussprache zwischen beiden Staaten herbeizufiihren, wird von allen politischen Kressen lebhaft besprochen. Dem Dementi der Pariser tschecho-slvwakischm Gesandtischast wird iusoferne keine besondere Bedeutung beigemessen, als.es bekannt ist, daß die S o nd r e ru n g sversuche Dr. Benesch' in Paris direIt durch seine französischen Freunde mit Umgehung der Gesandtschaft erfolgt ist. Man glaubt hier allgemein, daß Frankreich henke mit Rücksicht aus die allgemeine politische Lage einer direkten Aussprache mit Deutschland nicht mehr wie bisher ausw eichen würde. 1 Den Besprechungen Lord Crew e s mit Porncare wird hier große Bedeutung beigemeffen, da diese politischen AuHprachen sich mit den LöfuWsmöglichkeiien der Ruhrkrise befassen. . - Cuno über die Fortsetzung des Passiven Widerstandes, Berlin, 26. Juni. (Tel. d. „Wr. Movgentzeitung".) Reichskanzler C>uno Mt äylaW'ch det gestrigen Eröffstung. der LmidwirtschüMchm er unter anderem erklärte, der passive Wwerstiand könne von der deutschen Regierung nicht zum Stillstand gebracht werden, da das deutsche Volk einen deMtigen Befehl des Reichskabiiretts als schwerste U-wdanM^keit gegenüber den Männern empfinden würde, die Loben und Freiheit für die Existenz des Landes aus das Spiel gesetzt haben. Es. gebe jetzt keine andere Möglichkeit, als so lange rm Widerstande zu verharren, bis Pomcare, der noch nicht zum Verhandeln bereit sei, gegenüber dem geschloffenen Willen des deutschen Volkes zum Nachgeben gezwungen sein wird. Zum Schlüsse erklärte der Reichskanzler, es könne jetzt keine Politik der Ideale eingeschlagen werden, die deutsche Politik muffe sich jetzt auf die gegebenen Tatsachen emstellen. Frankreichs Ausrüstung«!. Paris,. 24.. Juni. (Wolfs.) Im Laufe der gestrigen Budgetberatung im Senat führte Senator General Hirschaue r bei der Verhandlung des Haushaltes des Unterstaatssekretariats für Luftschiffährt unter anderem aus, Deutschland mache in der Luftfahrt große Anstrengungen. Frankreich müsse seinen territorialen Besitz und seine Gewässer, durch Flutzzeuge schützen. Das sei die Vorbedingung seiner Sicherheit. Senator de Lubersae richtete an den Unterstaatssekretär Laurent Eynäc eine Anfrage über den Krieg d e r. Z u k u n f t. Der Unterstaatssekretär erwiderte, auf ftanzösischer Seite verfolge man mit großer Aufmerksamkeit die Versuche auf dem Gebiete des Flugwesens. General Hirschauer habe auf die Notwendigkeit hingewiesen, einen regelrechten Luftlinienverkehr, Ähnlich dem Schiffsverkehr, zu organisieren. Die Regierung habe diesen Weg zielbewußt betreten. Die italienische Tranche der Mlkerbundanleihe. Rom, 24. Juni. (Stefam.) Zwischen der österreichisch eu Anleihekommission und der Generaldirektion der Bauen d'Italia wurde gestern das Abkommen betreffend die .Auflegung einer Anleihe im Betrage von 200 Millionen Lire als Anteil Ztaliens an der internationalen österreichischen Anleihe unterzeichnet. Der Aasbrach der Aetna. Die Tätigkeit im Abflauen. Rom, 24. Juni. Nach den neuesten Meldungen bmmrt der Hauptwvastvom unter dem Hügel 'Monte Scmto imme r mehr zum Stillstand. kaglands SchMen a« AmerAa. London, 25. Juni. Gel. der ,Mr. Morgenzeitung".) Eine aus Waljhmgton hier oingvtroffeM Meldung bchagt, daß die amerikanische Rögiernng geneigt sei, einen enA-ischön Vorschlag, die Westindischen Inseln an belle der Rückzahlung der enMchon Kriegsschulden an die Vevsimgten Staaten albizuii'dm, emsthaft, in MvÄgimg zu ziehen. Die anrerikar/lsche Regiierung habe die Absicht, auf den. Westindischen Inseln einen starken FliottensÄtzPunkt zu schaffest. In Paris wird diese Nachricht außerordentlich lebhaft erörtert, und man glaubt, falls die Berständigung Kvffchm EnOand und AanerMa zujstaude^ konrmt, .die engltische Politik sich stark an Amerika armähew werde. . / Me Rathenaa-Gedenkfeier in Berlin. Berlin, 24. Jum. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Der republikanische RoichsbuM veranstaltete heute Sonntag mittags eine Gedenkfeier für Rathenau zmn Jahrestage seiner Ermordung. Die Feier fand im Plenarsitzrmgssaale des Reichstages statt, der zu diesem Zwecke eine schlichte Dekoration in Schwarz-Rot-Gold erhalten hatte. Die Reichsvegiewng, die durch den Außenminister Dr. v. Rosenberg und Avbeitsemmfter Br au ns'vertreten war, hafte ebenso wie eine Anzahl von republikamschen Verbänden einen mächtigen Kranz übersendet. Unter den Anwesenden sich man auch Gerhart Haupt m a n n neben zahlreichen Vertretern der Kunst und Wissenschaft.. Der Vorsitzende des Deutschen republikanischen Reichsbundes Konrad Haenisch bezeichnete einleitend die Ermordung RacheMNs als eines der schwärzesten Blätter in der an dunklen Ereignissen nicht gerade arnren Geschichte der jungen deutschen Republik.. Ratheuaus Ermordung habe vielleicht dazu geführt, daß Deutschlands Geschicke sich so gestalteten, wie wir es im letzten Jahre Wudernd erlchien, Manches iväve luchl am^er s g.-ekommen, wenn dieser Mann am Leben gchlieben wäre, /dessen überragendem Führertunr sich auch Staatsmänner des Auslandes beugten. Mach dem Vorträge eine Adagio cantabile von Beethoven durch die Philharmouiker nahm Profeffor Dr. Hugo Preuß das Wort zu einer Gedenkrede für den Ermordeten. . Schuberts Andante beschloß die Feier. Eine Mordnung der republikanischen Verbände begab sich dann nach Oberschönoioalde/ wo anr Grabe Rathenaus Kränze wie-- devgelegL wurden. RaubWerfall im Sharlottenümger Gaswerk. . . Berlin, 24. Juui. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitmvg^) Gestern abends lourde inr Gaswerk 2 in EhrvwfteMWg ein verävegener Ranbüberfall verübt. In einem klöiüen Gebäude desselben wurden Nachzahlmrgen ans die.Lohne zur Auszahlung gebracht. Als bereits ein großer Teil der Löhne ausbezahlt war, drangen gegen halb -11 Uhr nachts fünf maskierte Räuber in das Lokal ein, hielten den Anwesenden Revolver vor und ko-mmaMerten: Hände hoch! Dann räumten sie die eins Schublade, in der sich ungefähr 10 Mllionen Mark befanden, aus und verschwanden. Kn Erdbeben. Mailand, 24. Juni. Das ‘ Observatorium von Faerrza hat ant Samstag 8 Uhr 10 Min. vormittags ein sehr heftiges' Erdbeben in einer EnifevUung von. 9000 Kilomeievp verzeichnet. Aus Mer Wett. Cb>amberv, 24. Juni. Der itEmische MiriHkr M Lüftschfffahrt Mercenti ist auf einem Fluge von Paris nach London abgestürzt und. wurde verletzt. - Berlin, 24. Juni. Die Franzosen haben die Königs- Werke in Hörde besetzt und mehrere leitende Beamte verhaftet. Berlim. 24. Jüni. In Wiihelmschaf-n ßnfc.die Arbeiter ^der Marinwerst in den A u § st a nd getreten. , Münster, 24. Juni. Gegen die Redaktion des sozialistischen ' Organes „Der Volkswirt" wurde ein Dhnamitattentat verübt, das die Druckerei zerstörte. Die Täter konnten E fliehen. ' __; 'ch Gemeinderatswahlen in Linz. MandMberLuste der SoMiften Md Chsistlichs^Wm. --- Vier Mandate fiir die HcMErmtzler. Linz, 24. Juni. Heute fanden hier die Wahlen in die Linzer Gemeindevertretung statt, die ursprünglich im Mai hätten stattfiuden sollen. Die Wahlbeteiligung war sehr rege. Rund 87 Prozent, der Wahlberechtigten haben ihr Wahlrecht ausgeübt. Nach vorläufiger Zählung wurden 57.338 gültige Stimmen abgegeben, von denen dre^ Sozialdemokraten 28.038, die Christlichsozialen 15.154, die Großdeutschen 9158, dw Nationalsozialisten 4133 und die Kömmu- . nisten 854 Stimmen erhielten. Demnach verteilen sich die 60 Mandate des Gemeinderates auf die einzelnen Parteien wie folgt: Sozialdemokraten 30 (bisher 33), Christlichsoziale 16 (bisher 17), Großdeutsche 10 (bisher 10), Nationalsozialisten 4 (bisher 0). Die Kommunisten erhalten kein Mandat. . Bei den Wahlen haben also die Sozialdemokraten die. absolute Mehrheit, über die sie bisher im Linzer Gemeinderät verfügten, eingebüßt. Nunmehr besitzt keim der Parteien die Mehrheit, da sich die Mandate der Sozialdemokraten und die aller Bürgerlichen genau die Wage halten. . ■ Der BMerVim-ligenkongkch. Im Zeremoniensaale der Hofburg wurde gestern der Kongr-eß der Bölkerbunbliger.i feierlich eröffnet. 24 Nationen sind auf dieser Tagung vertreten, am stärksten England, Frankreich und Ungarn, Zum erstenmal sind auch Delegierte aus Nordamerika gekommen. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Präsidenten Adelswerd (Schweden) sprach der Präsident der österreichischen Völkerbundliga Dr. D u mb a und hob besonders die pazifistilsche Gesinnung des österreichischen Volkes hervor. Dr. Gründer g er sprach dann hauptsächlich über die Verdienste, die sich her VliMerbund um den Wiederaufbau Oestervetchs erworben hatte. Hierauf wurden die Kongreßmitglieder vom Bundespräsidenteu Hainisch empfangen, der ans die Begrüßungsansprache erwiderte, daß das österreichische Volk allen Grund habe, der Lätigket der Völkerbundligen vollen Erfolg zu wünschen, ha sich der Wiederaufbau Oast-errclchs mir rm Frieden vollziehen könne.

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