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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-24 · Heft 1567 (24.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1567 (24.6.1923)
Date
1923-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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;;r'7 - :">.k" vW»r:;-: ■T-V: ElnzelniimmerKlOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oestorr, monatl. K 28.000 Ts ch e c h o- S1 owa k e i: Mon. K17. Ungarn: Mob, K 600. Jugoslawien: Mon, Dinar 40. Polen: Mon. Mk^S.OOO.Deutschland: Mon.Mark25.000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 WW' Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten Sr. MI neuer fschttchü-tfiowttwtf 4 fschech. Kl.- Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 90 Leibezw, Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei—3 Telephone: 44-0-38^43-3-19,. ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.:,Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postspar* i kassen-Konto Nr. 150.693 wmammmmmmmmmffliett, SonntOB. 24. Suwi 1923 S. ZahkgMB Km Ultimatum RadK' an Belgrad. Schwierigtette« i» der Skapschtbm. Rach Ratheuau. —y. Wien, 24. Juni. Rathenau war ein Jude und wirkte für den Frieden. Das sind zwei Verbrechen, auf welche die völkische Ferne die Todesstrafe gefetzt hat. Heute vor einem Jahre wurde das Urteil vollzogen. Die Nachricht von der Mordtat der Techow und Genossen wirkte anders in Deutschland, anders in der nichtdeutschen Welt. In Deutschland hielt der Reichstag eine Trauersitzung, die Demokraten sprachen ihr Bedauern aus und legten sich dann wieder aufs Ohr, die Sozialdemokraten taten das Gleiche. Die Nationalisten, die im ersten Augenblick sich in ihre Schlupflöcher verkrochen hatten, kamen bald wieder zum Vorschein. Es folgte der Ueberfall auf Harden; die Vorbereitung eines Attentats auf Wirth gedieh nicht weit, weil es verraten worden war. Die Rührigkeit der Mörder ließ sich.nicht abschrecken. Im Gegenteil: sie organisierten sich zu festen Verbanden und ließen das Gesetz zum Schutz der Republik hochleben. In Rathenau war der letzte Staatsmann größeren Zuschnittes beseitigt worden, ein Mann eigenen Urteils, von klarem politischen Blick und europäischer Gesinnung. Der Kriegervereinsgedanke, der im Revolutionssturm rostrot angesetzt hatte und sich seither mit hoher Bewilligung der königlich republikanischen Behörden nationaler Sozialismus nennt, konnte diesen kühlen Denker nicht vertragen. Das Walhalla-Sentiment, mit Franken aus der Poineareschen Kasse und mit Dollar aus der Tasche Henry Fords aufgefüttert, mußte auftragsgemäß die deutsche Republik, die deutsche Einheit, die deutsche Arbeit erledigen. Abkehlen heißt man das in der Sprache des neudeutschen Befreiungskrieges. Also wurde Rathe-' nau abgekehlt. Er stand denen im Wege, die voll großer - himmelstürmender Gedanken Deutschland einer neuen Zukunft entgegenzuführen, das Werden der Geschichte m neue kühne Bahnen zu weisen versprechen. Diese Gedanken und diese Bahnen kennt man heute, ein Jahr nach Rathenaus Tod, in ihrer vollen, von Wotans Sonne bestrahlten Kraft. Es ist die Verbindung des Herrn Stinnes mit Schneider-Creuzot, es sind die Devisenkäufe der deutschen Staatsstützen nach vollzogener Entwertung der Mark, es ist die französische Ruhrokkupatlon auf Geheiß Henry Fords, des Mitgliedes des französischen Äsenbahnsyndrkats, desselben Henry Ford, der als reichster Mann der Welt alle jüdischen Rekords schlägt und Geld genug hat, das ganze Judentum durch nationalistisches Banditentum meucheln zu lassen. Rathenau wurde weggeschossen. Das Kabinett Wirth hielt sich nur mehr kurze Zeit. Es kam die Regierung Cuno, eine Regierung, die dem Herzen der echten Deutschen von der geistigen Bedeutung Helfferichs näher steht, dielveil sie mit ihnen rassisch verbunden ist. Aber. nun zeigte sich die Wirkung, die der Mord außerhalb Deutschlands getan hatte. Wo dieser Staat noch auf Freunde hätte zählen können, traten sie entsetzt und zornig in den Hintergrund. „Seit der Ermordung Rathenaus liegt es wie ein Schatten über Deutschland", hat vor kurzem der gewesene Reichskanzler Wirth geschrieben und er hat recht damit. Während alle gut deutschen Männer den Mord als die Tat edelgesinnter Jünglinge feierten — die das Sündengeld in der Nacht vorher in Kabaretts und bei Nackttänzen angebracht batten —, während die studierende Jugend zur Rudelsburg wallfahrten ging, wo zwei der Mörder gestorben d' waren, wurden in Frankreich die' Kräfte frei, die Rathenau hatte in Schach halten können. Es kam der Einmarsch ins Rührland, der der Bevölkerung alle Schrecken der Revanche brachte, es kam der Niedergang der Währung, an dem auch Deutsche nntwirkten, um recht fest zu verdienen. Und wie sich dieses Schicksal Deutschlands entwickelt, das erkennt man aus dem Münchner Fuchs-Prozeß. Die nichts-als-deutsche Patrioten sind gekauft und bezahlt, Spitzeln für Tod und Teufel, für den Feind und die Polizei, für einander und gegeneinander, ganz so wie's bestellt und gezahlt wird. Die nationale Sache, die ihnen über alles geht, vollführen sie mit Gift und Dolch; nicht der blinde Hödur, wie das so oft gesagt wird, sondern Hagen, der den Siegfried von rückwärts ersticht, ist ihr Vorbild. Unter dieser Offensive der Gesinnung des Rinnsteines bricht Deutschland zusammen; weil Ludendorff den Krieg verloren hat und Wilhelm davongerannt ist, mußte Rathenau sterben, wird Deutschland wieder von Hungerkrämpfen geschiittelt, ist sein Ansehen verloren gegangen. Rathenau war die letzte politische Reserve. Das Triumvirat Ludendorff, Stinnes und Hitler repräsentiert heute den Staat. Er sieht auch ganz danach Ms. Belgrad, 23. Juni. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitnng".) Inr Ministerrat erstattete vorgestern der Innenminister em längeres Referat mit Rücksichtauf die große Volksversammlung, die Stephan Rad ic für morgen nach Agram einberufen hat. Wie aus-sicherer Quelle bestätigt wird, hat Radie von der Regierung neuerdings eine strikte Erklär u n g bezüglich der Durchführung des Agramer Protokolls und Verhandlungen auf GruM des föderalistischen Programms verlangt. In seiner Aufforderung erklärt Radic, wenn eine präzise Antwort nicht erfolgen sollte, so betrachte er alle Berührungspunkte mit der Regierung als aufgehoben und kündigt ihr die heftigste Fehde an. lieber das Reisultat der ministeriellen Beratung wird tiefstes Stillschweigen beobachtet. Die Radie-Versammlung verboten. Graz, 33. Juni. Wie die „Grazer Tagespost" meldet, hat die Agramer Statthallerei die Versammlung der Radic- Rüstungen statt Abrüstungen. Paris, 23. INni. Die sraWösische Regierung hat dem GeneraHekretaviat des Völkerbundes ihre' Ansicht Wer die von der dritten HauptverfanrMluug angenommene Resolution ibeit'reifsend gegenseitige Garantreverträge mitgeteilt. Die -franKsAsche, 'Rogi-emUg - bemerkt,' bevor man ' einen Vertrag entwerfe, sei es notwendig, eine wirHame O'rganHajkm des ge gen.feitigen Be-rsta ndes unter den Staaten des Völkerbundes zü schaffen, um zu einer Heraö- , setzung 'der Rüstungen ’ zu gelangen. Zwischen den Staaten, die entschlossen seien;' den gemeinsamen Gefahren zu begegnen, wäre ein sofortiger militärischer Beistand durch wirksame Abkommen sicherznstellen, die ganz besonders ans bestimmte Voraussetzungen von 'Konflikten Hinweisen. Für alle Staaten werdz/om allgeMeiüeir Vertrag, in dessen Rahmen die besonderen Mmachungen cingeschlossen werden müßten, in Frage kommen. Schwere franrSfische Verluste in Marotto. Eine NiedrrlaM Poincawrs im Senat. Paris, 23. Juni. Der Senat setzlte heute die Beratung des Haushaltes für 1933 fort. An zweiter Stelle stand das Budget des K r i e g s m i n >i st e r i> u m s zur Debatte. Die iKanmrer hatte mit diesem Budget unter anderem einen Kredit von 360 Millionen Franken für die Levantearmee Mgenvmanen. Dia FinauAKMnUion des Senats hatte diesen Partei mit. der Begründung verboten, daß das Tragen von kroatischen republikanischen -Farben verboten sei. Die Leitung der Radic-Partei verlangt die Zurückzichmig dieses Verbotes, da sie'sonst alle 'Beziehungen und Unterhandlungen mit Belgrad äbbrechen würde. Wenn das Verbot nicht aufgehoben werden sollte, beabsichtigt die Radie-^Partei, für Sonntäg" in Agram 12 vertrauliche Versammlungen einzubevufen. Slowenen und Moslims. Belgrad, 23. Juni. (Prager Presse '.) Die Bezichungen zwischen den Radikalen und dem Foderalisten'block sind voWommen abgebrochen. Die slowenische Bolksparter droht mit ihrem An st ritt aus der Skupschtma. Die bosnischen Muselmanen haben mit einer heftigeil Opposition in -der Skupschtma begonnen. Der slowenische Bauernbund, die Hauptovgamsation der slowenischen Volkspartei in Laibach, hat beschlossen, seine Abgeordneten aus >ber Skupschtma abzuberufen. Kredit auf 280 Millionen herabgesetzt. Der Krtegsmimster feinerfeiits verlangte 236 Millionen. Nach einer Kritik des Senators Berard an der Ver-- waltung Syriens wurde die Forderung der Regierung mit 177 gegen 116 Stimmen ab gelehnt und der von der Kom-- - Mission vorgeMagene Kredit von 230 Millionen angenom-, men. In der Debatte richtete Senator Berard an den KüiegsininHster die Anfrage,, ob es Zutreffe, daß, wie dieenglische Presse angebe, die in Marokko -im Gang «besind- . Pichen Operationenderartige Verluste zur Folge gehabt hatten^ daß sie einen wahren Krieg drrstellten. Kvieigsminister Maginot erklärte darauf, daß der Feldzug in Marokko energisch fortgesetzt werde und daß die Verluste empfindlich seien. Er werde die Ziffer im Hie,eresausschnß Mannttzoben. . - Der Ausbruch des Aetna. Lingnagloffa außer Gefahr. Rom, 23. Juni. Das Observatorium des Aetna meldet in der Nacht, vom 22. Juni: Der Hauptstrom der Lava schreitet auf der ganzen Front langsam fort und hat sich in zwei Arme geteilt. . Der.erste hat die Senkung des Monte Santo erreicht, der zweite wälzt sich im Tale von C e r o fort. Der Aschenregen dauert unaufhörlich an. Dem Lavastrom fallen alle auf dem Wege liegenden Pinienwäldchen, Nuß- und Weingärten zum Opfer. Immerhin hält man eine unmittelbare Gesvhr für LinguaglosjL als nicht gegeben. Sein Vertrag mit Lrausjorduuien. Aus Louhon melhef A-C. P.: Im Unterhaus stellte Kenworthh.an den ÄnierftMstsEvetär der Kolonien folgende Fragen: 4.ein Ab k 0 m m e u zwischettder b r i i t f ch e u^OögreÄW Und der Regi erumg von T V« Nis j n abHsKoMi fvorden? 2.. Beah-- siWgt die britische RegieMng,^den Inhalt dieses Abkommens denr Parlamynt worzülegen? 3. Wann gederÄ. die Iiegiermtg das ALkormnen. dem PaXlament M Ratifizierung M undwöreiten? Dev MterftcvaMeAvtär-/ .der- KchonÄru Orinsby Gore erwiderte: -.„Die Antwort auf die erste Frage iist »ein. Die zweite und dritte Frage wiÄdadurch hin-- Mg." Kenworthy: /rßoi die englische Regierung auch kernen Vertrag, keine Vereinbarung und keine Konvention mit dem Herrscher vmr Tmnsjordanien in Evwägnng gezogen?" * UMerstaatSsickvetär der Kolonien Ormsby G0re: „Es wurde lediglich die - Frage diskutiert, wie die britische Regierung.- ihre aus dem Mandatssysteur sich. ergebenden internationalen Verpflichtungen, am . besten erfMen könnte, und zwar auf die Weife, daß dieselben mit.der größten Freiheit der arabischen Verwaltung in Transjordanien sich vereinen sollen. Sobald diese Besprechungen beendet sein werden, werde ich trachten, eine diesbezügliche EEvnng hier. abzugeben." Kenworthy: „Wird denn kein Vertrag abgeschlossen' Iverden?" Unterstaatssekvetär.Ormsbh-Go re: „I ch glaub t -nicht." /■ _; 1 : ..’• In. Beantworüdng Mer anderen Anfrage ' erklärte Ormsby-G-ore, daß die arabischen Mtglie.der-''W - 'Mvisory Couneil an den High Comnüssioner ein Schreibett ^gerichtet höÄM, -in' -em'M ^pKLHm/ sis seien b erei an dem Councrl-' technüW^^Wstn' man eine offizielle Erklärung^ veröffentlichen würde, daß die Teilnahme an den Är'beiten der' Körperschaft nichl die Anerkennung' der K o n st-i t u t i 0 n in sich mtfchliöhe. Sir Herbert - -Samuel wird in kurzer Zest in ' Lon-do eittiveffeu und Mr. Ormsby Gore Ivürde es-daher vorziehen, jetzt keine weiteren Erklärungen abzugeben. Er bemerkte jedoch, daß die letzten veröffentlichten Be-stiminmungen deni Oberkonr- . misiär die Möglichkeit geben, auch dann die A dministration des Landes weiterzufüh r e n,- Wenn ein Teil der Bevölkerung die Mitarbeit verweigern sollte. Wie I. C. B. meldet, soll die Resignation der arabischen Mitglieder des Wvisorh Council nicht endgültig sein und die^V er Handlungen seien noch nicht abgebrochen worden. Die Regierung bereite eine Erkläru ng vor,' welche''die arabischen Mitglieder des Council befriedigen undihnen die Beteiligung an den Arbeiten dieser Körperschaft e r m ö g l i ch e u soll. Siv Herbert Samuel nach London abgereist. JernsakÄ, 20. Juni. (I. C. B.) Der englische Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel hat Palästia verlassen, um sich nach England zu begeben.

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