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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-21 · Heft 1564 (21.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1564 (21.6.1923)
Date
1923-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r’ w »>~ v u * ElnzelnummerKlOOO Wien: Zürn Abholen in der Expedition,II.,Taborstr .1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon, K6O0. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. Pol e n: Mon. Mk.l5.000.Deutschland: Mon.Mark 15.000. F r an k r., Belgien: Monatl. Pros. 8 SST Naet» aalungen *W bei , PraierbotaunjfeD . Vorbehalten Tschecho -Slowakei i tschech. K 1 — Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 90 Lei bezw. Lewa, S c bw ei z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II.,Tabörstrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.'; .Morgenzeitung" « Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150:693 9Vt. 1864 Wim, Donnerstag. 21. 8«ni 1923 5. Jahrgang Polen gegen die MnoritSten. Der Rnmerns rlanfm im Deimansschnd beschloffen. -16 gegen 13 Stimme«. Warschau, 20. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenzeitrmg".) Die Bildungskommission des Sejm Hai gestern, wie bereits angekündigt, die Debatte über die Numerus elausus-Frage begonnen und heute zu' Ende geführt. Dem Ausschuß lag für die Debatte der folgende offizielle Antrag vor; Der Artikel 85 des Gesetzes vom 13. Juli 1920 über die Hochschulen ist durch folgenden Satz zu ergänzen: In den weltlichen Fakultäten der polnischen Hochschulen muß bei der Aufnahme von Studenten und freien Hörern in jeder Fakultät außer den allgemeinen Bedingungen, die in dem Gesetz vorgesehen sind, unter Öen' Kandidaten der betreffenden Fakultät ein entsprechendes Zahlenverhältnis bezüglich der nationalen, religiösen und sprachlichen Minderheiten in Polen beachtet werden. Der Antrag des Referenten richtet sich also gegen sämtliche Minderheiten Polens, gegen die I n den, Deutschen, Ukrainer und Russen. Der Unterrichtsmimsstr Dr. Glombinski wiederholte seine in den vorangegangenen,Diskussionen des Ausschusses gemachten Ausführungen. Er suchte nachzuweifen, daß der Antrag eigentlich den Schutz für die Minoritäten bedeute, da er deren Anspruch auf die ihnen gebührende Zahl von Plätzen an dm Hochschulen sichere. Die Debatte schloß mit der Abstimmung, welche 16 Stimmen für den Antrag und 13 gegen ihn ergab. Gegen den Antrag stimmten die Vertreter sämtlicher Minderheiten, die Sozialdemokraten, die radikale Bauernpartei' und die Dombski-Gruppe. Es ist noch ungewiß, wann der Antrag vor das Plenum des. Sejm gelangt und welches Schicksal er dort finden wird. Der Zuduftriellenverband Md seine ♦ Der Protest der bev>ußt--jüdischen.Mitglieder des Jndustviellenverbandes gegen das Ge>baren seines -Präsidenten U rban und Micher Gleichgesinnter, weiche nden von. sämtlichen Mitgliedern.des Verbandes aufgebrachten Dispositionsfonds zur Organisierung , tonta n t i.f e mit i s ch - p chg roMs-st -ischeu Knüppelgarden verwenden, und der"Widerhall, welchen jene Erörterungen in unserem Blatte gefnitden hüben, hat die Machthaber des Jndtlstriellonveribandes. augenscheinlich recht nervös gemacht, und die letzte : Nummer. des' ofsizillen Verbandsorgans „Die Industrie" beschäftigt sich an leitender'Stelle mit den Vorgängen auf der Vollversammlung des Hauplverbandes. Es wird dort konstatiert, baß'diese pvar „einen etwas bewegten Verlauf" genommen habe, die' Abstimmung-habe jedoch erwiesen, daß die ' überwältigende Mehrheit zur Verlbandsleitung volles Vertrauen.besitze. Es ist natürlich unwahr, daß die Minderheit die größte Pro-' paganda entfaltet habe, vielmehr muß man der Meinung Raum geben, daß die Beschickung und das Stimmenverhältnis jener Vollversaimnlung doch einigermaßen anders ausgefallen wäre, wenn die große Masse der Industriellen tont den Praktiken der Verbandsleitung genauere Kenntnis gehabt hätte. . Den Herren ist es sichtlich unangenehm,. ,)den leidigen und höchst unerquicklichen Gegenlftand der Debatte" aufzurollen. Deswegen wollen sie zur Frage „vom Standpunkt der industriellen Organisation an sich" Stellung nehmen. - Dies geschieht, indem festgestellt wird, was die Opposition angeblich übersehe, daß die Leitung eines so großen Verbandes nicht von jedem Schritt und Tritt jedem einzelnen Mitglied Rechenschaft äblegen kann. Um dies zu begründen, wird auf die komplizierte Organisation des Verbandes hingewiesen, die in erster Reihe auf dem Vertrauen beruhen müsse. ./Wohin käme ein wirtschaftlicher Verband," ruft der Artikelschreiber pathetisch aus, „der die parteipolitische Gesinnung eines jeden, noch dazu einer zahleimrähig verschwindenden Minderheit, befriedigen tvollte." Mii diesen Argumenten ist, wie man sieht, überzeugend dargetan, daß es die Aufgabe des Hauptverbandes der Industrie Oesterreichsist, die Organisierung bezahlter Knüppelgarden zu besorgen, die Putschisten zu finanzieren und den reaktionären Umsturz vorzubereiten. Herr Urban bestätigt der Opposition,, daß-sie vom besten Willen und ehrlicher Ueberzeugüng geleitet ist, während er sich erkühnte, in der VollbevsammlLung gegen sie den Vorwurf der „mala fides" zu erheben. Aber die Opposition vergesse vollständig den ^„obersten Grundsatz einer Interessenvertretung, die Solid ari tä t nach außen hin, die Notwendigjkeiit gemeinsamer Llbwchr gegen gemeinsame Feinde". Daß dies nur aus idemi Wäge-der-Mob-i.lia siernng pogromisti.scher Putschisten geschehen könne, daran läßt, wie man sicht, das offizielle Veibandsorgan keinen Zweifel zu, denn die Aenßerung einer gegensätzlichen Meinung undnoch dazu,' „wenn die ewigen Angriffe gegen die Verbandsleitung durch die Tageszeitungen geschleift ■mtd dort mitunter ausgeschlachtet werden" (>das Dmtsch der Herren ist nicht minder fragwürdig als ihre Pr.qWen), da«» droht der gesamten Industrie die größte Gefahr, zumal sich die Opposition-nicht auf Kritik beschränkt, sondern, wie matt betrübt feststem, auch zum größten Teile die Bezahlung der Mrtgliedsbeitrt^e verwvM«t. - s.-./ .Es düste nicht ait-gchen,- daß- Mrmch,',/ie-rls .-aus' UWe r zäuig n ng"/ teilst atMäüderen'Münden, die/Bei-, träge nicht-JMon'ijünd-elneNtMstich. pon-7.d'er 'Veybandstätjg-.' Mt. Nutzen ziehen. „Im JndustriehäNs?:darf sich jeder nur als Industrieller ' fühlen," erklärt Urban, und da. hört sich nach seiner Meinung jede Ueib'erzengung auf. „Einige Jn-i dustrielle haben asterdings einen Ausweg gefunden, um der Organisation das schuldige Scherflein zu .lotsten und ihre parteipolitische Ucberzengung dabei zu wahren." Wie sie das zuwege gebracht haben, das zu erfahren, lväre wirklich interessant,. ganz abgefthen davon, daß dieses Scherflein oft ganz' respektable Beträge iäüsmacht. ' i ‘ ’ Zum Schlüsse wird den Führern der Opposition, die es' gewiß ehrlich meitten, eindringlich ins Gewissen geredet- Sie' schaffen unerträgliche Zuslände und köett ungehe nre B er a ntwort tt ng auf sich, wenn sie ihre Propagandai weiter betreiben. Wir meinend es wäre Sache der Leitung des Jndustriellenverbandes, sich darüber schlüssig zu: werden, wer eine größere Verantwortung auf sich lädt:- ob.die: ehrliche, .jüdische Opposition, welche es nicht zulassen will, daß mit jüdischem Gelbe ein der inneren Ruhe gefährlicher, .. gew altt ätigew ' Antisemitismus gezüchtet und so der Bürgerkrieg vorbereitet werde oder Herr Urban' u'nd seine getreuen arischen und Pseudo jüdischen Helfershelfer, welche um die. Aufstellung' antisemitischer Faszist.enkaders bemüht sind. * Die Hakenkreuzpest in Deutschland. - Der konservative Politiker Adam Röder veröffentlicht im ,/Stuttgarter Tageblatt" einen Artikel, in welchem-er konstatiert, daß die Intelligenz in . den ehemals konservativen Kreisen, völlig abgedankt habe.. Professoren, Akademiker, Pfarrer, Adelige, Studenten, höhere Beamte,, haben sich jedes sachlichen Urteils und jeder Logik begeben, gehorchen nur den.trüben.Instinkten und berauschen sich an einem auf anständige' Menschen ekelhaft wirke n de n A n t i s e m i t i s m n s." Kennzeichnend ist nach Röder,, daß . „Geister von so moralischer Brüchigkeit, wie Graf Rede ntlow, .Wulle,- D-inteiy 'Kunze, Mäurenb r e ch e r" mtd der geistig - nicht ernst zu. nehmende Hitler heute .die führende .. Rolle in der konservativen Bewegung .'spielen. Gegen die Lehrtätigkeit jüdischer Professoren. ^T«WWrt,/1S. Jmti. (I. C. B) An der Technischen Hochsr^rle-.K a r lsr uh ewürde - kürHbich an Zwei: jüdische Dozenten ein Lehrauftrag erteilt. Die deutsche St'udentenschaft."Wssrsandte durch eine besondere Delegation ein P rot e st m.e m o r a n d u m an den Rektor gegen diese Ernennung.. In dem Memorandum berief sich di« Studentenschaft darauf, daß. Rektvr r und Senat - anläßlich'eines .früheren Falles die Zusicherung-gegeiben hätten,-MTin.'Zuknnft k'ein jüdischer .Doze-ni.t Heirängezogen werden - sollte. Der .Rektor weigerte sich aber, die Dologaition zu em,pfangew Die arabische Föderation. Von Dr. Hugo Bergmann (Jentfalem). Bor . einem Monat sandte „Seine häfhimitffche, Majestät" König Hussein von. MeKa, der Pater, der. Herrscher von Tmnsjordcm-ien und Mesopotamien, eine. Botschaft an die antizionistische. arabische. Ovganrsattion' Palästinas, .die bekannte mohammedanisch-chrisÄiche Vereinigung, und ■ verkündete. triumphierend von einem Bswd mit. Englattd', durch welchen Palästina als Teil des arabischen Imperiums, anerkannt worden sei. Die überraschende Meldung stellte, sich als fals ch heraus. Kön-ig Huss ein hatte misten, in den Borha-Mungen mit England — vielleicht um eineihm und den Verhandlungen feindliche Stimmung zu beseitigen -£ eine Indiskretion begangen. Bald folgte.von Reuter her die Berichtigung, es wäre nur. ausgesprochen worde'n,'daß P a l ä st i n a i n d i e arabische E r n.f l u ß 's ph'ä x e falle. Die „Times" meinten, es i gehe nur nm -eine ökonomische Verbindung Palästinas mit dem neuen ärabischett Dreibund Hedschas, Ostj-ovdarwen, Mssopot-mrest...-, Nun endlich hat die palästinensische Regierung. einen offiziellen Auszug aus dem Vertrage vewffeEcht.. Für. üus ist der zweite Artikel.des Vertrages .wichtig, welcher lautet: Seine britannische Mäljestät anerkennt uÄ,.unstrstützt die Unabhängigkeit der- Araber in Irak, Transjovdanien und den arabischen Staaten auf der arabischen Halbinsel mit Ausschluß von Aden. Was Palästina.anlangt, so . hat Seine bvitamtisch e Majestät sich bereits verpffichtet,. daß in. diesem - Lände nichts geschehen'wird, was die' bÜMMchen und religiösen Rechte der.arabischen. Gemeinfchaift bestnirächtigen Mrde. Im Falle' die Regieruygen einiger oder', aller dre-ser Territorien den Wunsch ausspre.chen sollten, für. Zwecke der Zölle ^er. asidevtz Zwecke eme Möziaston el-nzugehen-mit dein- HiWickPuf.eine fpattzi^'KMMratiöli^fö wiMSefue Mtannffche Majestät^ seine guten Drensst.'zur Forderung dieses Wunsches zur, Verfügung stellen. Seine hashimitische Westät. apertetmt. die, fWieW Lage Seinex. britannischen Majestät in'Jtak, TraMchchtien.und Palästina und -'verpflichtet sich, in Angelegeühstten, welche innerhalb des Einflusses 'Seiner hÄshimitffchen-Majestät -in bezug auf diese Länder liegen, sein Bestes zu tun,' um-mit Seiner britaunis'cheu Maijestätbei der Erfüllung dessen Vevpflrchtttngen mitznwirken." ' ' . " ' - Welches ist die Bedeutung dieses-Artikels, toas seiu Inhalt und feine Folgen? ' '- Der -Vertragschafft' ein g-roßa rab isches R e i ch. Er spricht noch einmal ans, daß das Ostjordantäud, das wir als'einen Unabtrennbaren Teil Palästinas' bedachten, ' ein selbständiger Staat innerhalb des größaräbischen Reiches ist und nicht zu Palästina' gehört, lieber Palästitm selbst, spricht sich der Vertrag '-sehr gcheimn-isvoll aus. Er wiederholt einfach ^den -betreffenden Text aus der B a lfour-Deklaration in bezug auf die Rechte 'der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas. Mer damit, daß Palästina ausdrücklich erwähnt umd nicht wie Aden ausgenomnien wird, damit, daß der Vertrag vorsieht, „daß alle oder ein Teil dieser Dervitorien" — also auch Palästina — sich zu einer.Konföderation zusammenschkießen können, wird dst politische Möglichkeit für den Anschluß Paläftütas au die Konföderation geöffnet, sobald einmal eine palästinensische Regierung ihn wollen sollte. Dies ist es, was England ,Mmschlauen Fuchs von- Hodschas" in bezug auf Palästina zugestcht. Und Hussein? Von seimr Seite erfolgt ein wichtiges und folgenschweres Zugeständnis: Er erkemtt die besondere Position/ d. h. also das Mandat an, welches England über Palästina erhalten-hat, und verspricht,.sein Bestes zu tun, um England Erfüllung seiner Verpflichtungen", also wohl der dem Völkerbund gegenüber übernommene» Verpflichtung auf Errichtung des jüdffchen Natioualhemts, durch Zusammenarbeit zu erreichen. Es ist die erste offizielle Amrkennuug der Bälfour-Deklarvtion und der auf ihr aufgebauten Mandatsverpflichtung durch eine arabische Macht. M't anderen Worten: Der Vertrag eröffnet die Hoffnung auf einen Anschluß Palästinas an das sch°^ffi.sche Reich, vielleicht nur in der Form einer Zollvereinignng, und erMt dafür die Anerkennung der Mandatsvolitik Englands durch, die neugleschaffene arabische Großmacht. Alan wird zugeben müssen, daß. dieser Vertrag einen Sieg der englffchm Mandatspolitik bedeutet. Um so nubegveiflicher. ist' die nervöse Aufregung, mit welcher ein großer Teil unserer Palästinensischen Presse den Vertrag aufgeiwnvmen hat.- Mit Recht warnt demgegenüber der Präsident des Waadleumi/Dr. Jakob Thun, vor unbesonnenem Pessimismus: „Trotz des Kanchfes. der arabischen Delegation gegen uns" — schreibt Dr.. Thott iin „Hapoel hazair" —, hat man den Eindruck, daß wir uns Pen Arabern während des -letzten Jahres genähert haben. * Der arobilcki-englische Bund bringt den Arabern die Er-

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