Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1563 (20.6.1923)
- Date
- 1923-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ElttzelnwnmefKlTOC Wiens Zum Abholen in der Expedition, IIT aborstr. 1 -3, »der in einer Verschleisstelle JTrafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 28.000 rschecbo-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon: IC600. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. Polen: Mon. Mk.lS.OOO.D eutschland: Mon. Mark 15.000. F r a n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 0Bf~ »N Bezahlungen '#fag »ei Preiserhöhungen Vorbehalten Nk. 1563 Wien. Mittwoch. 20. 8u»i 1923 tvcfleche-SiowakM« tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lore Rumänien, Bulgarien Monatl. 90 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich* Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: »Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Schnorrer uud Verschwörer. —y. Wien, 20. Juni. Der englische Ministerpräsident Baldwin hat am Montag in der Aula der Oxforder Universität eine Rede gehalten,-in der er sagte, man sehe die Zivilisation in Brüche gehen und die ganze Wett erhoffe jetzt ihren Wiederaufbau von England und den Vereinigten Staaten. Diese Rede, die den angeilsächsischen Mächten eine so große moralische Mission zuweist, hält aber nur eine Tatsache, eine Erscheinungsform der großen Weltkrise fest, ohne auf die Ursachen näher einzugehen. Es ist aber kaum ein Zweifel daran, daß der britische Premier bei seiner Klage an den Reparationsstreit gedacht hat, der den Kontinent immer näher an den Zusammenbruch hevanführt und dadurch, daß er aus einem Strett um Geld zu einer Frage der stärkeren oder geringeren Autorität, das heißt also zu einer Frage der Gewalt umgestaltet wurde, alle Friedenssehnsucht fast hoffnungslos macht. Der namhafte englische Bottswirtschaftler Norman Angell hat in einem im Jahre 1912 erschienenen Buch vor der falschen Rechnung des großen Krieges gewarnt, der sich schon damals am Gewitterhimmel der europäischen Gleichgewichtspolitik abzeichnete, und heute ist jedes feiner Worte mit erschütternder Treffsicherheit als wahr erwiesen. Der Krieg hat den Wohlstand, die Kultur, die Zivilisation und das moralische Niveau auf den Stand des Mittelalters zurückgeworfen und eine Besserung scheint, wo immer sie versucht wird, von vornherein als. aussichtslos; sie wird nicht von allen, die das Unglück erzeugten, gemeinsam in Angrisf genommen und der Egoismus, der überall triumphiert, ist, auch wenn er in der paziststffchen Maske auftritt, die gleiche menschenftesseiÄe Bestie, wie der Kriegsmaloch seWst.^ Die Kräfte, die den Krieg erzeugt haben, find heute ungeschwächt und wohlgenährt wieder m vollster Entfaltung. Der Nationalismus hat die besten VorsW» die sich nach der Niederlage der Zentvalmächte regten, überwunden. Trug er im Krieg immerhin einige Rechtfertigung in sich, so hatte er nach dem Siege jede innerliche Berechtigung verloren. Aber er hat nur das Kleid gewechselt. Damals hieß er Verteidigung gegen einen Ueberfall. Heute nennt er sich Garantie gegen einen Ueberfall und am lautesten redet er in Frankreich, der stärksten Militärmacht der Welt, die Deutschlands Waffenrevanche zu -fürchten vorgibt, um die Rüstung behalten zu können. Aber wenn es eines Beweffes für die Inhaltslosigkeit dieses Borwandes bedurft hätte, so liegt er in den sich mehrenden Enthüllungen über das Treiben der Rechtsreaktivnären in Deutschland, der angeblichen Rachetruppe. Aus dem in München seinem Ende entgegengehenden Hochverratsprozeß wird wi^er wie aus den Verhandlungen gegen die Rathenaü- Mörder, gegen die vielen-Mordhetzer, nachgewiesen, daß diese in Dmtschland sehr stark verbreitete Geheimsekte gar nicht Frankreich angreifen, sondern nur die deutsche Republik erdrosseln will. Aber sie will nicht allein dieses Ziel erreichen, sie wütet gegen alle, die nicht ganz und voll ihrer Meinung sind. Der deutsche Reichskanzler Bülow hat einmal im Reichstag die nach Deutschland geflüchteten russischen Revolutionäre mit dem vollen Hohn, des auf die höhere Moral stolzen Preußen als Schnorrer und Verschwörer verspottet und das Gelächter aller echten Deutschen stimmte ihm zu. Nun bringt es die Entwicklung an den. Tag, wie es mit dieser höheren Moral all derer beschaffen ist, die für ' Gott, König und Vaterland die ganze Welt provozierten. Die Schnorrer und Verschwörer von damals waren doch ethisch hochstehende Menschen, die für ihre heiligste Ueberzeugung Schuld und Sühne auf sich nahmen. Man vergleiche mit ihnen das Wgliche Gelichter, das da in den deutschen Gerichtssälen vorgeftihrt und in'den Akten der Polizei, der Kriminalpolizei, nicht der politischen, beschrieben wird. Sie lassen sich die ftanzösischen Franken, den Sold fiir den Verrat, zustecken, sie moiLen und teilen untereinander Giftpulver ans, sie bespitzeln einander und zeigen dm Konkurrenten der deutschen, ja, wie . nn Falle Schlageter, der ftanzösischen Polizei an. Spione und Denunzianten, haben Organisationen zur Erlösung der deutschen Menschheit gebildet! Dieses Gesindel wagt es, die jüdische Moral anzutasten, uNd läßt sich in Wim, vielleicht auch in Deutschland, aus den Taschen entarteter jüdischer Lumpen bezahlen! Daß diese Mörderverbände sich so üppig enffalten konnten, danken sie der Dartüfferie der offiziellen französischen Polittk, die sie als guten Vorwand für die Garantieforderung braucht und honoriert. Gibt es einen Franzosen, der im Ernst meint, Ludendorff und Hitler wollten den Marsch auf Baris waaen? Nein, man Weib Deutschlands wirtschaftliche Katastrophe. Die Mark Mt weiter. — Maßnahme« der Negierung. - Gefahr politischer krschMemngen. Lohnregelnnge«. Der Verfall der Mark. Berlin,. 19. Juni. . (Tel. der Wr. Die Katastrophe ist dilllsländ.g. Während der Reichskanzler heut-e vormittags eure tangere Konferenz mit den ersten Bankenvertretern hatte, um mit ihnen über den Verfall der Mark und/einschneidende Maßnahmen zur Beeinflussung der Devisenentwrcklumg zu beraten, auf deren bloßes Bekanntwerden die Mittagsbörse bereits mit einem Rückschlag der Devisenpreise antwortete, hat in Zürich die Marknotierung weitere Tiefen ausgesucht. Die Schlußnotierung wurde mit 0,0035 festgesetzt. Wie die morgige Börse auf diesen Kurs reagieren wird, läßt sich schwer Voraussagen. Es scheint nämlich, daß der weiEren Baisse- Spekulation nicht nur. durch die Regierungsmaßnahmen, sondern auch, einer Version des „Vorwärts" zufolge, durch eine neue Stützungsaktion der Reichsbank jeder Weitere Boden entzogen werden soll. Die Gefahren der im Gefolge der Alarkkatastr:phe marschierenden politischen Erschütterungen beschäftigen nunmehr alle Regierungsstellen. Die Erregung breiter Schichten der > Bevölkerung wächst Stunde mir Stunde und droht jeden - Moment zur Entladung . zu kommen. Die Gewerkschaftsführer sind bemüht, in den Reihender Arbeiterschaft Mt dem Hinweise Ruhr'zu erhellten, Ääß sie - - - > wertbeständige Löhne jAr die Arbeiter zu erreichen trachten. Das* Schlagivor,t. von- ,HyWhn^ Wrde - verwochch^MMi-^ « ..diH>M.de«rgegenwärtigen ^t^e der*' P^piermM ' die Eoldlöhnen eiHH^üMoglich sei... Nach fortgesetzten BerhanÄurkgen der Spitzenorgänisationen der ReichZarbeiter mit dem Reichssmanzministerium wurde heute eine Einigung «Hielt, wonach der Stundenlohnfür den gelernten Arbeiter ohne Ortszulage, die bis zu 58 Prozent gehen kann, 1560 Mark beträgt. Die Verhandlungen über die B^üge der Rerchsbeamten und Angestellten haben heute aben^. zu einer Verständigung geführt. Der Teuerungszuschlag wird auf 6000 von Hundert ab 16. Juni.erhöht. Damit schüut die Stterkgefahr der Arbeiterschaft für den Moment gebannt; denn dieselben Lohnsätze werden auch von der Privatwirtschaft als Mindestlohnfätze anerkannt werden. ' Stellungnahme der Zentrumspantel. . Der Reichsparteivorstand der Zerttrumspartei hat in einer' Besprechung über die außenpolitische Lage betont, daß mit aller Energie versucht werden müsse, das Steuereinkommen des Staates bed>eutend zu vermehren, .um die innerdeuffchen Voraussetzungen für' die Sanierung des Staatshaushaltes unter allen Umständen zu verwirklichen. Eine Ruhedebatte im Schweizer Nationalrat. Bern, 19. Juni. Im Nationalrat wurde bei Behandlung des Geschäftsberichtes des politischen Departements am Wirken des Völkerbundes zum TM Krttik geübt. Grimm (Soz.) sprach hierbei über die Ruhrsrage und führte unter anderen aus, daß die Schweiz unzweifelhaft das Recht und auch die Pflicht habe, diese Sache beim Völlerbund anhängig zu machen. Bundesrat Motta führte als Ehef des politischen Departements aus, daß die Schweiz bei der Lösung der internattonalen Aufgaben Mitwirken müsse, niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide. Die Ruhrfrage fit für die Tchwch ein Unglück, aber man muß,-um gerecht zu fein, diese Aktion nicht allein, sondern im Zusammenhang mit den Vorgängen der Kriegs- und ■ der Nachkriegszeit betrachten. Der Völlerbund kann unter den jetzigen Umständen nur durch sein möralis ches Gewicht wirken. Ein Eingreifen in dm Ruhrkonslikt wäre sehr heikel, um so mehr als Deutschland dem Völkerbund nicht angehört. Sodann kam der Fall W o r o w s k i zur Beratung, wobei festgestellt wurde, daß der Bundesrat mit vollem Recht der Sowjetregierung gegenüber die Verantwortung abgelchnt habe. . . Ämdesrat Motta ergriff das Wort zu' der Angelegenheit und rechtfertig das Vorgehen des Schweizerischen Bundesrates. Nach Evwähmtng der verschiedenen russischen Noten und' der Beantwortung der ersten derselben durch den Bundesrat, habe die Würde «des Landes eine Fortsetzung dieses Dialoges verboten. In Genua und im H a a g sei die Schwerz ^bemüht gewesen, Rußland den Weg zur Rückkehr in die europäische Staatengemeinschaft zu ebn e n. Man habe bis -jetzt von Seite Rußlands keine befriedigende Zusicherung erhalten. 'Die Politik der Schweiz decke sich in dieser Hinsicht mit der der anderen europäischen Lärwer. Ein Vertrauensvotum. Nach werteren Ausführungen einzelner Redner wird mit 93 gegen 6 (sozialdemokratische und kommunistische) Stimmen die Haltung des Bundesrates in der Angelegenheit gebilligt. Truppenbewegungen an der syrischen Grenze. - London, 1A Juni. (Havas.) Aus Konstantinopel. wird gemeldet: - Nachdem General 'Weygand davonunterrichtet - worden war,. daß - in der . Nähe der syrischen Grenze, eine -Truppen k o n z entratio n vor sich ‘ gehe, hat der interimistische französische Oberkommissär C ure ly bei Wuan B e y dagegen energisch P r o t e st erhoben. Er verlangt die Einstellung der Truppenbewegung und die Zurückziehung der bereits zusammengezogenen Formationen. Der RimberiibersM aus Sir Herbert Samuel. Aus^ Beirut wird gemeDot: Die palästinensischeRegierung ersuchte die syrische Verwaltung,.eine Untersuchung in Sachen . des. UMersalles, auf die GAkotte Sir Herbert. Samuels, einzuleit^u. Ein Detachement libanesischer Gendarmerie würde daraüishiü an die Grenze gesandt und' konnte nach'la'n-. gen.Nachforschungen' v i e r R ä u b e r gef a n g e n nehmen. Es handÄt'fichmn eine Brigäutenbande, deren Chef, in einem letztens, ansgeführten Ueberfall im Libanongebiet das Leben verloren hätte./ ' . . .' Das deutsch-russische MrtfchastsMommen. Berlin, 19. Juni. Der Reichstag hat heute den Gesetzentwurf . über «neu Wirtschaftsvertrag zwischen/dem in Frankreich zu gut und zu genäu, daß sie nur den Marsch nad), Berlin planen, und daß sie niemals anders handeln würden, als man es ihnen in i>en ftanzösischen Lockspitzelbureaus vorschreibt. Wo ein Stehler ist, ist immer auch ein Hehler, und die moralische Höhe der , französischen Politiker, die so stolz tun und so hoch von der Kültur und der Mission der ftanMscben Zivili¬ Deuffchen Reich und den Sowjetrepubliken der Ukraine, Weißrußlands, Georgiens, Asevbeidschans, .Armeniens und der Republik des fernen.Ostens in allen drei Lesungen angenommen. . . . . 'Der Nordpolflug Umnndsens anfgegeben. C h r i ft i a n i a, 18. Juni. (Havus.) Amundsen Hut sein Projekt, den Nordpol mittels Flugzeug zu erreichen, aufgegeben, du die Flugversuche unbefriedigend uusfieleu» (Der Flug sollte heute um 2V. Juni stattfinden.) Christiunia, 18. Juni. (Wolfs.) Der Verteidigungsminister Hut folgendes Telegramm erhalten: „Erhielt soeben von meinem Bruder nachstehende Depesche: Unternahm Probeslug 11. Mai. Resultat sehr unbefriedigend. Bedauere genötigt zu sein, Flug anfzngeben. Amundsen." An den Kapitän der „Fram" ist darauf folgende Eildepesche abgesendet worden: „Amundsen hat Flug anfgegeben. Zurückkehret schnellstens mit Expedition." sation reden, ist genau gleich jener der Hakenkreuzler, die den Franzmann nicht leiden können, aber sein Geld gern einstecken. An diesem Wesen,, das besttcht und bestochen wird, geht Europa in Brüche. Das Uebel liegt in Europa und es kann nur von außen, von Englgud und'.Amerika, ausgebrannt werden.