Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-06-19 · Heft 1562 (19.6.1923) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1562 (19.6.1923)
Date
1923-06-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980643--15138-3001937
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mr 1862 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 19. Juni 1923 Seite 7 Kälber jeder Art und Schweine dürfen nicht aiisgeführt werden. Es ist ferner die Ansf-ichr von Käse mit der Beschränkung frei, daß bis MN 1. August die Vorräte vom Vorjahre gegen eine Gebühr toJ*t 460.000 Lei für den Waggon auögefülhvt werden dürfen. Die -Ausfuhr von Giern wird für die Zeit von Juni ÄS November gegen eine Ausfuhrgebühr von 2j50 Lei das Stück freigegeben. Der Getreidchandel im Jnlande wurde ebenfalls frvigegeben. Der Preis für -den Waggon beträgt 45.000 Lei. Frei ist «der Handel mit Weizen, Roggen und deren Derivaten, ausgenommen schwarzes Mehl, für das noch Bestimmungen folgen. Die Ausfuhr dieser Getreidearten wird im nächsten Jahve freigegeben werden, wenn die Anbaufläche die Fläche von Zwei Millionen Hektar überschreiten sollte, die für >den Jnlandsgebvcnlch erforderlich ist. Die Kanfmannschast für die Aufhebung des Preistreibereigrsetzcs und Herabminderung der sozialpolitischen Lasten. Der Berbandstag des Hauptverlbandes der Kcmftnannschaft nahm folgende Resolutionen an: Der Hauptverband der österreichischen Kaufmannschaft begrüßt die ans dem Kreise des Nat-ionalvcvtes hervorgegangene Initiative zur Mschaffung der Preistreibereigesetzgo'bnng. Er erblickt in dem im Nationalrat gestellten Antrag auf Aufhe'bung -des Preistreibevei-- gefetzes einen erfreulichen Versuch, endlich unbeirrt von -Rücksichten auf die Politik der Straße den Grundsätzen einer ehrlichen und ernsten Wirtschaftspolitik zum Durchbruch zu verhelfen. Er erwartet von den bürgerlichen Parteien, daß sie durch die tatkräftige Unterstützung dieses Antrages die Kaufmannschaft .von heute vollkommen sinn- und zwecklos gewordenen. dUamierenden Beschränkungen befreien und von der Regierung, daß sie durch baldigste legislaiive DnrchMiMng dieses Antrages Nicht nur die Interessen der erwerbenden. Stande wirksam wahrnehme. .Gegen die übermäßige fogialpolitische Belastung: Der Berbandstag des Hauptverbandes der österreichischen Kaufmannschaft lenkt aber ruch nochmals nachdrüMchst die Aufmerksamkeit der Regiewng and Gesetzgebung auf die völlig unerträgliche sozialpolitische Belastung des Handels in Oesterreich. Bor allem die Mbferti- Mngsverp'KchAmg nach dem Angestelltengesehe, die überlangem Knndigun-gsfriston und die gewaltige Erhöhung der beitrüge für die soziale Versicherung, wie sie die Gesetzgebung der letzten Monate gebracht hat, 'treffen mit ihrer vollen Wucht «n Handel und erhöhen die Regien des einzelnen Betriebes in -unerträglicher Weise. Sie bedrohen die Konkurrenzsahigkeit der österveichschen Kcmfleute auf dem Ansl-an-dsmcrrkte. auf den der 'österreichische Handel durch die Aenderung der staatlichen KevhäÜniffe angewiesen ist. sie gefährden «den Kredit des Ein- Bnen und führen zu den mannigfaltigsten Schwierigkeiten im inneren Betriebe der einzelnen Geschäfte. Ungeachtet all dieser Schwierigkeiten und ohne Rücksicht darauf, daß die Kaufmannschaft im Vereine mit allen übrigen EvwerbSgvuppen schon seit geraumer Zeit einen Abbau der sozialpolitischen Belastung «ringend verlangt, soll durch neue Vorlagen die Einbeziehung Hex bisher nicht pensionsversicheningspflichtigen. Angestelltem wr allem des DetailÄhandels, in die Pensionsversichevung, die chon vor dem Kriege als unerträglich für -den Handel beseitigt vordvn war, durchgeführt und die Ständigfeit der in der Zeit »er Not eingevichteben Arbeitslosenunterftützung eingerichtet verden; auch weitere Echöhungen -der Beitrage zur sozialen Versicherung sind Gegenstand der parlamentarischen Erörte- »nng. Der Berbandstag erhebt auf das Nachdrücklichste Protest legen die weitere Steigerung der sozia-lpolit-ifchen Belastung; sir den Detailhandel ist die Einbeziehung der Ladenangestellten n die Pensionsverfichevung, von -der gerade diese Gruppe von Loxrlygdt 1SW Nachdruck verboten. ly.R.LGwit. Verlag, Wkn-Lelpzig (15. Fortsetzung.) 3n Polen» Wäldern. Roman von I. Opatoschu. klutomsievte Uebertragung aus dem Jüdischen von Siegfried Schmitz. Er blickte auf den Wald, der sich von Osten nach Westen bis über Ploek hinaus hinzög. Er sah zwischen den bäumen grünliche Lichter aufleuchten, hörte, den Schlag großer Flügel und spürte, wie der große furchtbare Wald wwachte. Pfeifend fuhr der Mud einher, als wäre ein Dämon aus feiner Höhle losgebrochen und der Wald ichüttelte sich. Die weiten Felder, der Wach, der mit Wollenfetzen bedeckte Himmel — all das sah riesengroß aus, veitete sich in die Nacht hinein und atmete mit tausend Düften; da Wlte sich Mordechai schwach uud hilflos wie ün Kind. Er hörte Schritte, hielt sich fester am Baum an md sah, wie von allen Seiten riesige Menschen auf ihn mschritten; und dort, wo die Fichten standen, wanden Mäd-- hen in langen, weißen Hemden ihre silberfarbenen Zöpfe ind riefen ihn. Mordechai wußte, daß es Bäume waren, daß sie nie;u ihm kommen würden und daß es lächerlich sei, Furcht gl haben; dennoch warfen sich in seinem Hirn Fetzen der -Beschichte von einem Dorfschlächter hin und her, der an rinem frostigen Freitagabend nach Hause eilte, um noch wr Sabbat daheim zu sein. Er ging entlang der Weichsel und trug auf der Schulter einen Sack mit Lungen und Lebevll. Aus dem Walde kam ein Wolf und kreuzte des Schlächters Weg; da nahm der Schlächter sein Messer in dei<Mnnd und schwang sich aus den Wolf; erschrocken rannte der Wolf entlang der Weichsel Wer den Schnee bis in die Stadt hinein. Mordechai sah einen Wolf Wer den Schnee rennen, auf dem saß ein Schlächter, lang und mager wie der Todesengel, ein blinkendes Messer im Munde; und der Schnee wirbelte bis zu den Wolken, wirbelte, wirbelte... Mordechai lachte laut aus, als er merkte, -daß er auf einen Baum geklettert war; ein Kobold äffte tief int Walde kein Lachen nach. Gegenüber auf einem Baum saß eine Eule mit schwarzem, dummem Schnabel und ein Paar Mgey wie.kalte Lichter. I „Wiener Morgenzeitung"; Angestellten keinen Vorteil zu erwarten hat, eine nicht zu ertragende Last. Der Berbandstag beauftragt das Präsidium, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zunächst bei der Regierung und der Gesetzgebung für den Abbau der sozialpolitischen Belastung einzutwien und erwartet von allen kaufmännischen Körperschaften und auch von den einzelnen Kaufleuten die energische und solidarische Unterstützung der Aktion des Verbandes. Die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes. Unter den Regierungsvorlagen, die den Nationalrat Mrzelit beschäftigen, hat der Entwurf eines Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vielleicht die längste urd wechselreichste Geschichte. Die Forderung der Industrie, des Gewerbes und des Handels, daß auch in Österreich. zum Schutz des reellen Geschäftsverkehrs vor unlauteren Machenschaften strengste Vorschriften erlassen werden, wie sie in anderen Ländern beftchen, geht auf Dezennien zurück. In' zahlreichen Eingaben halben sich dalher in letzter Zeit neuerlich Jniter-esfentenverbändy an die Regierung gewendet und sie aufgefordert. für das baldige Gesetzwerden des mm schon so lange in VerhanidArr.g stehenden Entwurfes eiuzutreten. Das Bedürfnis nach einem wirksamen Schutz gegen den unlauteren Wettbewerb ist also sicherlich gegeben. Bekanntlich schließt sich der Entwurf an das Vorbild des, deutschen Gesetzes zur Beikänchlfung des unilauteren Wettbewerbes an; er enthält wie dieses eine generelle Bestimmung zivilrechtlicher Natur, wonach jeder,'der im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbes Handlunger? vornimmt. die gegen die guten Sitten verstoßen, auf Unterlassung und Schadenersatz geklagt werden kann, und Einzelbest:mmnngen, die sich regen typische, besonders häufig vorkommende Fülle von unlauterem Wettbewerb — zrM. Beispiel Wahrheitswidrige Anpreisung, Herabsetzung von Unterr'chmrmgen. Mißbrauch von Kennzeichen anderer Unternehmungen — wenden, die bei bestimmten Tatbeständen auch unter Strafe gestellt werden. Einzahlung der Warenumsatzsteuer: Auskunstserteilung. Bis längstens 20. d. sind die erste (aulf die Monate April und Mai entfallende) AbischlaaSzabluna auf die allgometire und die zweite (auf den Mona: Mai 1923 entfallende) Wschlagszahtlung auf die erihöhte Warenumisatzsteuer zu entrichten. Konkurs einer großen Stickereifirmä. Die auch l in Höchst.ansässige Stickereifirmä Krow e r u. T y nb ergist in Konkurs geraten. Die Verbindlichkeiten der Firma beliefensich auf eine halbe Million .Dollar (2,5 Millionen Franken), wovon etwa 1,5 Millionen Franken Verpflichtungen gegenüber Schweizer Banken sind. Da einer« 40-prozentigen Auslgleich 'die Gläubiger Mchn-ten, so wurde über die Firma der Koulkurs evöflfnet. - - - - Wie«er Börse. Die glatte Erledigung der Prolüngation bei flüssigem Geldftande 'wie auch das anhaltende Interesse des Auslandes, besonders in Bankwerten, bewirkten, daß' die Tendenz des gestrigen Marktes eine ausgesprochen feste war, wobei die Tatsache besondere Erwähnung verdient, daß die beklagenswerte Erscheinung des Markznsannnenbruches auf das Geschäft gar ' keine Einwirkung ausübte. Favorit waren in erster Reihe die W a n k p a p i e r e, sowohl in der Kulisse als auch im Schram- Der Vogel blickte auf Mordechai. Mordechai hob die Hand und -wollte den Vogel erschrecken, der aber rührte sich nicht, sondern blickte unverwandt, auf Mordechai, daß es - dem kalt über den Rücken lief. Vor Schreck sprang Mordechai vom Baume und begann durch den Wall) zn laufen. - Er erinnerte^ sich, daß ihn der Vater aus dem Haufe gejagt, daß man ihm Rachel genommen hatte; mit beiden Händen faßte er sich an den Haaren und heulte wie ein hungriges Tier. Das Ra-nfchen im Walde -wurde stärker. Moredchai lief zum Bauernwald. Er fühlte einen salzigen Geschmack im Munde, sein Zahnfleisch blutete. Bei jedem Geräusch eines Blattes, eines Vogels schien es-ihm, als jage ihm ein Wolf nach. Ans dem Buche „Rastel" wußte er: Wenn man die Namen der Engel aufsagt, welche über Wölfe Gewalt haben, dann tmt die wilden Tiere nichts Böses. Er lief und flüsterte: „Mathniel, Äbthi-el, Samsiell Mathniel, Abthiel, Samsiell" Bei der Weichsel sah er Pflöcke in die Erde geranMt, die ein Rad bildeten. Um die Pflöcke war los-e ein Strick mit eistrnen HaKen gewunden. An den Haken hingen kleine Fische. Das war eine Falle fi'rr Wildenten. Fünf Enten.hingen schon daran, ivarfen sich hin und her, schlugen mit den Flügestr und den roten Beinen, und je stärker ste zappelten, desto tiefer drangen die Haken in ihre Köpfe. Mordechai faßte eine Ente und wollte den Haken heranstzieihen; aber er brach der Ente den Schnabel ab. Zornig^ fluchte er ans den Heger und wandte sich'zur Waldhütte. Müde iixiif er sich in das frischgefchnittene, Heu; er hörte noch im Walde mit kläglichem Kinderweiuen den Kauz schreien und schlief sofort ein. Kapitel 7. Dwojrele. In einer weißseidenen, fpitzenbesetzteir Schlafhaube, halb entkleidet, saß Dwojrele auf dem Bett und weinte l-eise. Ihr gegenüber brannte auf einer schmalen, bauchigen Kommode eine St-eariukerze in einem silbernen Leuchter und gab nur wenig Licht in dem großen Schlafzinuner.' Vom vielen Weinen war Dlvöjreles Gesicht durchsichtig und ihre Augen waren weich. /Warum -hatte sie Gott so gestraft? Mordechai hat doch unbemsen Vorbilder, oft die' feit. In der Kulisse hatten die österreichischen Kveditaktien dir Führung. Sie wurden speziell für Wiener Rechnung in großen Posten aus -dem Markte genommen -und stiegen um 69.000 K Wiener Bankverein profitierten 63.000 K, Allerdings konnte die Schlußnotiz von 350.000 K. für dieses Papier nicht aust recherhalten werdm und war es an der Nachbörs-e bis 228.000 K. Knückgegangen. Depositenbank gewannen 10.000 Unionbank 49.000 K. und Anglo-Anstricrn Bank 34.900 K. Auch in den Jndustriewerten der Kulisse entwickelte sich., ausgehend von den Alpinen, im Äanfe des Bcrkchves ein sehr reges Geschäft. Der Abschluß des Alpine-Konsortiums fand an der Börs,e eine günstige Beurteilung und bewirkte ein Steigen dieses Papieres um 67.000 K. Dies übte seine günstige Rückwirkung auch auf andere Indnstri-epapieve, wi-e Felten, welche um 43.000 K. stiegem Äus Ungarn lagen neuerlich Verkanfsawfträge vor, welche bewirkten, daß trotz der festen St-immung Rima 6000 nnd Salgo 14.000 K. einbüßten. Im Schranken ivar die.St-imntnng ebenfalls fest. Besonders. kam dies bei einzelnen Schrankenwerten zunr Ausdruck, so bei den Bodenkredit, welche um 1-36.000 K. hinauf-' gefetzt wurden.'Die Niederöfterreichifche Eskompteges-ellschaft gewannen 20.000 K., Verkehrsbank 34j500 K. Petrolenniwerte büßten zum größten Teil infolge des Sinkens der polnischen Mark im Kurse ein. Es verloren Fanto 100.000 K., Gal'.zia 1,000.000 -K. Hingegen stiegen Apollo ntmt 24.000 K., Karpathen um 120.000 K. Die Ursache der Steigerung des letzteren Paipieres liegt in französtschen Käufen. Von den Montanwevtrn stiegen Brüxer um 80.000 K., Veitscher um 300.000 K., Wolffsegg-Thrauntaler um 12.000 K. Hingegen büßten Gran Saszvarer 30.000 K., Mittepberger 10.000 K. und Trifailer 60.000 K. ein. Bezugsrechte: Bosnische Bank A.--G. 4W0, Alpine Montan 147.000 bis 180.000, Trifailer-Kohle 235.000, Böhmischer Zucker 50.000, Berk-chrseisenbahn 110:000. Auf dem Anlagesinarkt waren nenerlich -April-Rente gefragt. Hingegen senkte sich die Goldrente um 40.000 K. In tschecho-islowakischen Werten war ein ger-inges Geschäft. Mrhmörkte i« 8t. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) R i n d e r m a r k t. Der Auftrieb belief sich auf 1023 Stück» inländisches, 474 Stück ungarisches, 82 Stück tschecho - slowakisches, 694 Stück jugoslawisches und 1099 Stück rumänisches, zusammen 3372 Stück Schlachtvieh, worunter sich 2609 Stück Mast« und 763 Stück Beinlvieh befanden. Der Gattung nach waren 1994 Ochsen, 528 Stiere, 725 Kühe und-125 Büffel. Außerdem wurden noch 50 Stück angemeldet. Außer Markt wurden 72 Stück bezogen. Es notiertes: Ochsen prima 6500 bis 18.000 K., extrem bis 21.000 K., sekunda 15.000 bis 16.400 K., tertja 12.500 bis 14.400 K., Stiere 12.600 bis 17.000 K., Kühe 12.000 bis 16.000 ®.„ Beinlvieh 7.000 bis 11.500 K.- und Büffel 10.000 bis 11.500 K. per Kilogramm"Lebendgewicht. Unter dem Drucke einer Mehrzufuhr von 1360 Stück, an der, sämtliche Provenienzen partizipierten, resultierte fiir alle Qualitäten ein Preisrückgang gegenüber der Vorwoche. Primasorten haben sich um 1500 bis 2000 K., mindere wie auch Stiere und. Beinlvieh um 2500 K. und stellenweise bis zu 3000 K. pro Kilogramm verbilligt. Amerikanische Rinder. Der deutschösterreichische Wirtschaftsverband bringt Mittwoch den 20. d. auf dem Kontumazmarkte 85 amerikanische Rinder zum Verkaufe. V o r st e n v i e h m a r k t. Nach den bisher vorliegenden Ausladungen und Anmeldungen dürste sich der Auftrieb auf zirka 3000 Stück Schweine belaufen. Bon den WarenmiiMe«. Chemikalie«. Die seit längerer Zeit arÄcra-emfoe Kcmfnnlust bcherr-scht noch immer den Markt und ka-nn die.' allwöchewWch zjweimal er sich halten kann, - deren edle Abkunft wie die Sonne leuchtet. In Dwojreles eisenbeschlagener Tr-uhe, wo ihre Perlen liegen, liegt auch ein altes Buch, ein Erbe von der Mutter her; dort ist ihr Stammbaum aufgezählt. Dwojrele versteht kein Wort von dem Buch,' aber sie weiß von d'er Mutter: Wenn es ihr schlecht geht und wenn sie, Gott behüte, ein U-nglück trifft, dann möge sie daß Buch anfschlagen, die Ahnen aus den Gräbern wecken und so lange weinen, bis die Zadikim es hören, vor den Himmelsthron eilen und für sie eintreten; so wird ihr Hilfe kommen. Es kommtihr schwer, sehr schwer an, sich nrit ihren Ahnen ansznfprechenl Immer wenn sie das Buch öffnet, sieht sie bloß Bärte und-hohe Mützen vor sich und vor Angst beginnt sie zu stam-mel-n; sie weiß nicht, wie man -mit Mannslenten sprechen soll. Wären dort ihre Großmütter verzeichnet, da ginge es viel leichter, da ließe sich viel besser erzählen; einem Manne kann man nicht alles sagen. Wie Dwojrele mit Mordechai niedevkommen sollte, hatte sie sich das Buch unter den Kopf gelegt und gebeten, sie möge einen Sohn gebä-ren. Am meisten bat sie Reb Götzel. Sie ivar sicher, daß er bei Gott näher stand als alle anderen. Nicht umsonst hat er als Märtyrer für -die Heiligung des Gottesnamen sein Leben gelassen! Als Chmielnitzki mit seinen Kosaken im Jahre 5408 Kozk zerstörte, wo Reb Götzel Rabbi -war, da umstellte er das Bethaus, in welches sich die Juden, die vorn großen Morden noch Wrig geblieben ivaren, geflüchtet hatten, und forderte, daß alle sich taufen mögen; täten sie es nicht, so werde er die Schul' in Brand stecken ■— da stieg Reb Götzel zur heiligen La'de empor, öffnete sie und tötete sich selbst vor der ganzen Gemeinde. Durch Reb Götzel fühlte - sich Dwojrele in Gnaden beim Herrn der Welt. Mit dem Rabbi von Waly, Reb Feiwisch, hielt sie me Rats; sie hatte Furcht vor ihm. Er wollte sich mit keinem Ehafsid verschwägern und als fein Jüngster zu einem chassidischen Rabbi fuhr, da faß er auf dem Totenscheniel nach ihm. Vor Reb Feiwischs Hinscheiden mußten ihm seine Söhne schwören, sie wüvden unverföhnliche Gegner der Chassidim bleiben und sie verfolgen, wie er es getast, (FviÄ^tzung folgt>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.