Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1559 (16.6.1923)
- Date
- 1923-06-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Samstag tefetre* Morgenzeitung. 16. Juni 1923 Seite 7 (Wgonbericht der „Wiener Morgenzeijung".) Der gestrige Verkehr an der Warenbörse gestaltete sich im«. Klein schwerfällig, um so mehr als auch das Ausgebot sich in engsten Grenzen hielt. Die Tendenz blieb mühsam behauptet. Abgeschlossen würde Weinsteinsäure pulverisiert 'zu 49.600 K. <& Wien. A « 8 g eb o ten wurden Korkmehl zu 0.20 Schweizer Franken, Holzmehl zu 700 K. pro Kilogramm, Quecksilber zu 110.O6O K. pro Kiloaramm, Rotanthrazen zu O.20 Schweizer Franken, alleab Kärtner Station, Aetznatron 128/30 zu 6760 K. verzollt, Ameisensäure 86°/, zu 14.800 K. transit Wien, Bittersalz deutsche Syndikatware zu 600 K. transit Wien, Bleiglätte B. B. N. zu 10.200 K. Wien, Bleiweiß chemisch rein zu 12.800 K., Glaubersalz kristallisiert zu 960 K. Wien verzollt, Kupfervitriol 96/99 zu 8000 K., Bleiberger Minium ^u 11.2OO K., Paraffin 60/62 zn 69OO K. verzollt, Salzsäure 19/26 technisch ' rein zu 1760 K., Schwefelnatrium 60/62 zu 4600 K. transit Wien, Schwefelsäure 66° Be zu 2200 K , inländisches Terpentinöl zu 34.000 K. Wien, Montanwachs zu 4OOO K. transit,. Weinsteinsäure spießig kristallisiert zu 48.000 K. Wien. Oele und Fette. Einige Artikel, erfuhren Abschwächungen, Md zwar technisches Kokosöl um 100 K. auf 17.800 K., Elain sap. 97/98 um 300 K. auf 18.300 K., Rindertalg 43/44° prima um 600 K. auf 16.000 K. Sonst waren noch offeriert Sesamöl' I. Pressung zu 21.600 K., Agmispeiseöl zu 18.200 K., Schweinefett pure lard Faßpackung zu 30.60 Dollar transit Wie«, Kistenpackung zu 22.400 K. und Kokosspeisefett zu 18.660 K» Nähr-, Lebensmittel «nd Kolonialwaren wurden in den Gattungen Kaffee, Tee,. Kakao-Produkte, Gewürze, Reis Md Kondensmilch zu unveränderten Preisen ausgeboten. Bosnische Pflaumen 96/100 in Kisten befestigten sich um 100 K. auf 6200 K., Port. Sardinen 200 Gramm- Dose« schwächten sich um 100 K. auf 6100 K. ab. Zucker schwächte sich weiter ab, Preise ließen um 5 bis 20 Punkte nach. Es notieren: Kristall 6.16 tschech. K., Würfel' 6.35 tschech. K. prompt transit Wien, serner «6.26 tschech. K., resp. 6.50 tschech. K. pro Juli sowie 3.80 tschech. K., resp. 3.50 tschech. K. pro Oktober—Dezember in Ganzwaggon ab Grenze unverzollt unversteuert. Ab Lager Wien sind Preise unr 300 bis *00 K. billiger, Kristall notiert 13.900 K., Würfel 14.100 K. Zum öffentlichen Verkauf gelangten laut Art. 343 des H.-G.-B. 4 Waggons in Wien lagernder tschechischer Würfelzucker, und zwar 3 Waggon zu 6 tschech. K. und 1 Waggon zu 5.06 tschech^ K. pro Kilogramm transit frachtfrei Grenzstation. Rohhäute blieben fest behauptet. Es notieren: Wiener Kalbfelle nach EingangSgewicht 30.000 bis 32.000 K. pro Kilogramm, Rindshäute 17.000 K. pro Kilogramm, Roßhäute 195.000 Kronen pro Stück, Schaffelle 32.000 K. pro Stück, Schafblößen 25.000 K., Kitzfelle 14.000 bis 16.000 K., Ziegenfelle 40.000 bis *2.000 K. je nach Gewicht und Größe. , * Zum öffentlichen Verkauf gelangen am 18. b., 10 Uhr, feine Herrenanzüge; am 19. d., 11 Uhr, ein Auto. Baumwollmartt. Äew-Aorsi» 14. Juni.'Bauniwollzufuhren in den atlant. -nd Golfhäftn 3000, im Innern 1000, Ausfuhr nach Großbritannien —, nach dem Kontinent 6000. Lokalmarkt middlin*: 28.40 (gestern 29.20). Tendenz: Rüig. Termine: Juni ' —Juli 27.18, August 26.80, September 25.05, Oktober 24.25, November 24.20, Dezember 24.—, Jänner 23.72, Februar —, März 23.62, April Berliner Wrke. Berk», 16. Juni. Nach den außerordentlichen Kurssteigerungen der letzten Tage rst heute am Devisenmärkte und in Verbindung damit am Effektenmärkte anfangs ein leichter Rückschlag eingetreten. Den Anstoß hierzu gaben vor allem die am Devisenmarkt vorgekommenen Schwankungen, die eine starke Unsicherheit hervorriefen. Am Effektenmarkt kam diese Unsicherheit in der Kursbildung nicht so deutlich zum Ausdruck. Anfangs überwogen zwar Rückgänge, welche in der: besonders stark gestiegenen Papieren bis 60.000 Prozent und für Rheillische Braunkohlen über 100.000 Prozent erreichten, denen jedoch auch erneute Kursausschläge in, ungefähr demselben Ausmaße gtzgenüberstandenl Für die Mehrzahl der Industrie« und Schiffahrts-Werte hielten sich die Abschläge tim Rahmen von 20.000 bis 30.000 Prozent. Da die Werte aber glatte Unterkunft fanben und sich die Konzern^ und Auslandskäufe in einzelnen Papieren fortsetzten und am Devisenmärkte' wieder eine Befestigung eintrat, würde auch die Tendenz im Verlauf wesentlich fester. Die Kurse.konnten dabei den größten Teil der anfänglichen Einbußen wieder einholen und teilweise über die vorgestrigen Schlußkurse hinaussteigen. Dies gilt besonders für Mannesmann, Gelsenkirch'ener, Stöhr und einige andere Jndustriewerte. sowie auch von der Mehrzahl der Valutapapiere, von denen besonders Mexikaner bevorzugt wurden. Heimische Rentenwerte erzielten ebenfalls beträchtuche Kurssteigerungen. Für die zu Einheitskursen gehandelten Industrie« p aprere war die Kursbildung keine einheitliche. Es überwog aber wiederum die feste Stimmung. Allgemein hatte aber ^däs Geschäft nicht mehr den stürmischen Charakter wie vorgestern. Schlußkurse: Türkische Lose 910.000.-, Oesterr. Staatsbahn 1,450.000, Rordd. Lloyd 215.000.-, Ver. , Elleschiffchrt 128.000, Berl. Handelsgesellschaft 410.000, Kommerz. Privatbank 62.500.-, Darmstädt. Bank 68.000.-, Deutsche Bank 120.000, Diskönto-Kommandit 116.000.—, DreSd. Bank 83.000.—. Nationalbank für Deutschland —, Oesterr. Kredit 16.100.—, Oesterr. LäUderbank —, Reichsbank 45.000 Wiener Bankverein 11.300.-, Wiener Unionbank 118.000, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 175.000.—, Bochuruer Gußstahl 1,000.000.—, Daimler Mot. 70.000.—, Deutsch-Luxemb. 950.000.—, Deutsche Waffen u. Munition —.—, Dynamit Nobel 115.200, Felten «. Guilleaume 291.000.—, Gelsenkircheuer Berg. 1,150.000.—, Th. Goldschmidt 245.000.—, Harpener Berg 1,350.000.—, Hirsch Kupfer 650.000.—, Höchster Farben 142.000.—, Hohenlohe-Werke 390.000.—, Laurahütte 308.000.—, Mannesmannröhren 776.000.—, Phönix Bergbau 730.000.—, Schuckert u. Co. 630.000.—, Siemens u. HalSke.740.000.—, Telephon Berliner 71:500.—. Prag, 15. Juni. Die gestern angefangenen Realisationen setzten sich ebenfalls an der heutigen Börse fort und hatten ans die Feststellung der ersten Kurse, die besonders bei Arbitragepapieren bemerkenswert schwach waren, einen ungünstigen Einfluß.. Nur vereinzelt kam es im weiteren Verlaufe', zu geringen Erholungen. Besonders abgeschwächt ' wären Eisen-, Zucker-, Brauerei- und chemische Werte. In der Kulisse waren Skoda-Aktien ziemlich fest. Bahnen lagen teilweise abgeschwächt. Heimrsche Banken waren fast unverändert; Wiener waren zum Schluß bis auf Depositenbank und Anglobank höher. Aufdem Anlagemarkt waren wieder langfristige Staatspapiere fest, die übrigen unverändert. In Exoten befestigten sich Bulgarische Zucker-Aktien auf Valuta- und Wochendecknngen. Schönpriesener und Solo-Aktien lagen schwächer. Die Schlußtendenz war abgeschwächt. Schlußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken 263.—, Böhm. Unionbank 371, Böhm. Eskomptebank 373.—, Böhm. Jndustrialbank. 440.—, Zivnostenska Banka .358.50, Anglobank 154.—, Oesterr. Kredit 123.—, Wiener Unionbank 133.50, Wiener Bankverein L9.50-! /Buschstehrader Eisenbahn Lit. A 475.-, Lit. B 193.-, "Fexdinands-Nordbahn 6000.-, Prag-Duxer 193.—, Stusstg-Teplitzer Eisenbahn 1250.—, Nestomitzer Zuckerindustrie 1130.—, Vereinigte Elektrizität Wien 122.—, Brosche 895.—, Koliuer Spiritus —, Königshofer Zement 915.—, Vremeld-Danek '394.—, Ringhoffer .652.—, Simnreringer 101.—/ Rothkosteletzer' Textil 273—, Alpine Montan 264.—, Poldihütte 421.—/ Prager Eisen 960.—, Oesterr. Berg u. Hütten 1695.—, Skoda 465.—, Jnwald 522.—. Budapest, 15. Juni. Die heutige Börse eröffnete unter Einwirkung der tieferer: Züricher Kronennotiernrrg wieder recht fest. Als aber genügend Material auf. den Markt kanc, ließ die freundliche Stimmurrg nach und es kam bald zu Kursabbröckelungen, welche, von kleiner: Schwarrkungen abgesehen, bis zum Schlüsse anhielten. Eine Ausnahme bildeten nur einige favorisierte,Werte. Die im Verlaufe ans Wien kommenden Meldungen und der Urnstand, daß der montägige Versorgungstag schon heute Geldschwierigkeüen hervorrief, verursachten weitere Kursrückgänge.. In Arbitragewerten war der Verkehr analog mit der: übrigen Märkten. Die Schlußtendenz Wal freundlicher und der Verkehr lebhaft. S ch l u ß k ü r s e: Ung. Kredit 75.000.—, Oesterr. Kredit .39.000.-, Britisch-Ung. Bank 10.760.-, Salgo Kohlen 143.600.-, Rimamuranyer 39.000.-, Sttdbalm 32.600.—, Staatsbahn 142.000.-, Gran-SzäSzvarer 90.000.—, Oberungarische Kohlen 149.000.-, Drasche-Ziegel 59.000.-, Ungarische Allg. Kohlen 639.000.-, Urikany Kohlen 270.000, Adria 136.000.-, Clotilbe chem. Fabrik 28.000—, Ung. Eisenbahnverkehr 53.000—, Anglobank —, Verein. Holz 6500.—, Koburg 19000.—, Spodtum 60.000. Sie DeviseMrse. Berlin, 16. Juni. (Devisenkurse.) — Amsterdam 48.044.60 (42.792.60)- Belgier: 6835.- (6886.-), Chrtstiania 17.655.60 (17.955.-), Kopenhagen 19.351.50(19.451.-), Stockholm 28.528.60 (28.428.60), Italienische 4837.50 (4987.50), London 493.762.- (503.737.-), New-Uork 107.430.50 (107.730.-), Park 6733.- (6783.-),Schweiz 19.052->19.201.50), Spanien 15.660.- (16.710.60), Wien 160.22 (160.87), Prag3172.- (3172.-), Budapest 11.72 (13.46), Sofia 1321.50 (1271.50), Belgrad 1172.- (1172.-). Berlin» 16. Juni. (Notenkurse.) — Noten Dollar 107.031.- (105.736.-), Pfund 494.760.- (496.760.-), Italienische 4812.50'(4788.-), Polnische 112.- (117.50), Tschechoslowakische 3152.- (3162.-), Oesterr. gestempelte 147.30 (147.10). Prag» 16. Juni. (Devisenkurse. — Mttgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 3.- (2.45), Zürich 598.76 (602.25), Paris 215.25 (216.25), London 153.62 (163.62), New-Uork 33.80 (33.80), Belgrad 37.12 (37.62), Bukarest (-.-)/ Wien*) 4.577» (4.60), Warschau 3.75 (3.20), Agram (-.-), Budapest*) 40.- ... (38.50), Jugoslawische 37.— (37.50), Österreichische gestempelte) Krone 4.60 (4.60), Polnische 3.75 (3.25), Ungarische 36.60' (36.50). *) Für 10.000. Du-apefk» 15. Juni. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 2655 bis 2725, Bukarest 34.60 bis 37.—, Kopenhagen 1218 bis 1258, Christian!« 1124 bis 1159, London 31.250' bis 31.950, Berlin 0.0655 bis 0.0700, Italien 314.-bis 326.-, Paris 432.- bis 444.-, Prag 202.50 bis 210.50, Stockholm 1795 bis 1855. Zürich 1215 bis 1250, Wien 0.0960 bis' 0/020, 'Sofia 84.50 bis 87-, Belgrad 75.- bis 78.-, New-Uork 6775 dis 6950, Warschau 0.0920 bis 0.0980, Brüssel 367.- Lis 379.-/, Agrar», 15. Juni. (Devisen.) Wien 0.1300 bis - —, Berlin 0.087 bis —, Budapest 1.15 bis —.—, Bukarest —bis —, Italien 430.— bis —. London 428.— bis —, New-Uork 9250.— bis —, Paris 590.— bis —, Prag 278.50 bis —, Sofia —bis —Schweiz 1670.— bis —, Brüssel —bis —, Warschau —bis —, Amsterdam —bis —, Stockholm —. Amsterdam» 15. Jpni. (Devisenkurse.) London 11.76 bis 11.767*, Berlin 0.00237s bis. 0.0024'/,, Paris - 16.15 bis 16.20, Schweiz 45.75 bis 45.85, Wien 0.0035-/, bis 0.00367,, Kopenhagen 45.75 bis 45.95, Stockholm 67.60 bis 67.80, Christiania 42.30 bis 42.50, New-Aork 255.- bis 255.37, Brüssel 13.827» bis 13.877», Madrid 37/75 bis 37.95, Italien 11.80 bis 11.90, Budapest 0.04 bis Brief, HelsingforS 7.- bis 7.10, Prag 7.61 bis 7.63. Belgrad» 16. Juni. (Devisenkurse.) London 423.50 bis —, Paris 583.— bis —, New-Uork 9100.— bis —, Genf 1647.— bis , Saloniki —bis —, Mailand 420.- bis -Z-, Prag 270.50 bis Berlin 0.085 bis —, Wien 0.1290 bis —, Bukarest 46.50 bis , Sofia 106.- bis Budapest 1.20 bis Brüssel bis —Amsterdam 3550.— bisWarschau —bis —. Warschau» 15. Juni. (Devisen.) Berlin 0.80, London 443.000, New-Uork 92.550.—, Prag 2850—, Wien 1.157«* New-Bork, 14. Juni: (Devisen.) London 461.25, Paris 636.125, Berlin 0.9-/„, Mailand 463.75, Zürich 1794.60, Kopenhagen 1797, Stockholm 2652.—,Christtania 1657, Amsterdam 3920.—, Prag 299.—, Wien 0.14125, Budapest 1.250, Bukarest 61.—, Warschau 0.1425, Madrid 1484.—, Helsingkors 276.50, Brüssel 545.—, Kanada 211/32 unter pari, Brasilien 9635, Argentinien 3590 Belgrad 110.-. ( Copriyght 1923 Nachdruck verboten. byR.Löwitterlag, Wien-Leipzig. (13. Fortsetzung.) 3n Polens Mlderu. Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Uebertragung aus den: Jüldtschen von Siegfried Schmitz. „Denn wisse, je mehr du dich des Hochmuts entkleidest und dich der Herrschaft des Zaddiks 'ergibst — das bedeutet, dein Zaddik deinen Willen, deine Seele ergibst —, wird dein Wille, deine Seele halbpart dem Willen des Zaddiks . und seiner Seele, die voll von Liebe sind; Liebe, mußt du wissen, ist ldas Herz der Welt, die Liebe hat Stufen, die niedrigste ist die Liebe von Amnon und Tamar. Eine Stufe in sich Unterdrücker:, ' wäre es auch die niedrigste, -darf man auch nicht — man muß alle Stufen durchschreiten, und wenn du in dir alle Stufen vereinigst, wirft du nie ein Diener des bösen Triebs werden. Dann wird, du verstehst, die Kammer Samaels in dir immer kleiner, das Blut vertrocknet, das Böse verschwindet und >du selbst steigst immer iveiter, unaufhörlich von der niedrigeren Stufe bis zur höheren, bis du in dir den ewigen ''Willen fühlst und die eigene Seele und imstande bist, zu begreifen, was ein Zaddik ist; da WM du ein Feuer in allen deinen Gliedern und willst es. löschen mit einem Worte des Zaddik, mit einem Blick von ihm." Reb Itsche verstummte, schritt durch das Zimmer, steckte feinen Schnurrbart in den Mund und runzelte die Stirne, als diskutiere er mit sich selbst. „Hör' zu," — Reb Itsche blieb in der entferntesten Ecke des Zimmers ftehen — „vor zwölf Jahren, bald nach der . Hochzeit, konnte ich mich nicht von schlechten Gedanken befreien. Ich faß bis über den Kopf in der ersten Stufe. Damals fuhr ich nach Pfchhscha. Reb Mendele war schon darnals bekannt und beri'chnrt. So beschloß ich denn, nach Kogk zu gchem Ich kam nach Kozik und schrieb einen Wunschzettel, in dem ich Kraft für dm Dienst des Herrn erbat. O>Man rief mich zum Rabbi. Ich trete ein; der Rabbi fwgt: „Wvhin bist du bisher gefahren?" Ich antworte: „Nach Pfchhscha." „Was willst dtl dann von Mir?" — schreit der Rabbi. Ich schweige. Er schreit noch lauter: „Rindvieh, wenn der Rabbi von Pfchhscha dir nicht geholfen hat, werde | ich dir gewiß nicht helfen. Fahr' zurück, ergib dich seinem Willen; für dich gibt es noch eine Rettung, du durchgehst jetzt die erste Stufe. Der Mensch muß sich sündig fühlen, solange der Mantel um seine Seele liegt; wenn btt den eigenen Willen fühlen und begreifen wirst, wer der Rabbi von Pfchhscha ist, dann komm' zu mir." Mordechai saß noch lange Beim Fenster und schien zuzuhören, obwohl Reb Itsche schon lange schwieg. Er sah, wie der Himmel über den: Walde immer größere Flarmnen schlug und rot wie Purpur wurde. Da fiel ihm ein, das seien die Kleider der Rache, die Mesch rach -anziehenürd, wenn'er das „Vogelnest" verläßt. Glücklich saß Mordechai da und blickte in 'den flammenden Himmel; i er vergaß, wo er war und sah, wie Meschiach, ein hoher roter Jude, mit einem feuerroten Bart, in einen Purpurtallis mit schwarzen Streifen eingehüll't, im Para>diese auf' und niederfchritt. Mit einem Male schüttelte er sich, als wäre er von einem Berg herabgefallen und fühlte, daß ihm etwas nicht stimmte. Warum soll Meschiach rotblond sein? Er hatte sich Meschiach, immer mit einem schwarzen Bart vorgeistellt . . . Allmählich verbreitete sich ein trauriger Ausdruck auf Mordechais mattem Gesicht. Ans den großen, grauen Augen blickte Leid und alles in ihrn wollte schreien. Er stand hastig auf und wollte etwas dem guten Reb Itsche sagen — im Zimmer war uiemand mehr. Länger als eine Minute scharrte Mordechai auf den leeren Platz, wo Reb Itsche gestanden war, als wäre der. Platz noch immer erfühlt von der Kabbalah; dann setzte' sich Mordechai wieder nieder, stützte den Kopf in die Hände und Web allein beim offenen Fenster sitzen; er hörte die Kühe sähnfüchtig in'den Ställen brüllen. Die Nacht kam. Die Fichten öffneten sich und troffen vorr gelbem Harz. Der Lmdenduft rnachte müde. Tief'im Walde hauchten Millionen von Pflanzen chren letzten Atem in die Nacht — Mordechai wurde es eng, es hielt ihn nicht mehr in: Zimnrer. Die Bäume tönten, Zweig verflocht sich in Zweig/ Stahlfarben lvinkte die Weichsel — vor Mordechai erschien die blasse Rachel nnt ihren Augen,-schwarz wie. die I Nacht, mit ihren leiser:, leichter: Schritten r:nd rief, zog ihn wie ein Magnet. Er wollte Jakob heißen, ein Hirte sein, auf dem Felde sitzen und auf der Flöte spielen, die blaße, Rachel rufen . Kapitel 6. Eine Nacht im Walde. Spät bei Nacht, als alle schon schliefen, stieg Mord/char leise dr:rchs Fenster und lief barfuß über das feuchte^ Gras. Beim leisestert Geräusch schien es, ihm, der Vater und Reb Itsche eilten ihm nach. Zitternd warf, er sich in das betaute Gras und. fühlte, wie die Blumen sich im Tau wuschen; Kälte durchzog ihn, daß sein ganzer Körper steif wurde. Als er das Ferrster berührte, erschien sofort das blaffe Gesicht nnt dem dichten Wald der Haare, mit den großen schwarzen Augen. Eine leichte offene Bluse mit kurzen Aermeln, ein dünnes-kurzes Unterröckchen. Rachel umwand seinen Hals und er schritt mit ihr in den Wald/ Glücklich gingen Mordechai ::nd Rachel Hand in Hand und fühlten gar nicht, daß Fichten nadeln und dürre Zweige ihre Füße zerstachen; sie drückten ihre Hände fester, blieber: bei jedem Baun: stehen, küßten einander und stammelten: „Meirre Rachel." „Mein Bub'-." Der Wald wiegte sich leise. Durch die Wipfel zov, wie durch Harfen>saiten, ein leiser Wind;- da erbebt? drr Wald und tönte weit und dunkel. . , Der Mond stand übern: Walde und spielte nnt de,: kleinen Bäunrchen und den Blättern. — Zwischen den hohen Bäumen sammelten sich die Schatten wie schleicher:- des Wild, wie Schaven bleicher Vögel. Das Paar setzte sich unter eine erblühte Linde und imrrde sofort mit kleinen weißen Blüten überschüttet; glücklich faßten^ sie einander .be: den Händen und aus den jungen . Herzen, ans den halbgeöffneten Mündern drang ein stummes Singen, stumme Freude in die Nacht. Mordechais Lippen betäubten wie dusteude Lindenblüten Rachels Sinne; sie füllte, daß sie ihren letzten' Atemzug in die Nacht hauchte und zu nichts ward; leicht wie ein Windhauch umwand sie Mordechai und. flüsterte zärüich: Hortfetznng folgt.)