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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-11 · Heft 1554 (11.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1554 (11.6.1923)
Date
1923-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Elnzelnonuner K 700 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstello (Trafik) monatl. K 28<000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl., K 28.000 Ts che c h o-S 1 owa k ei: Mon. K17. Ungarn: Mob, K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. Polen: Mon. Mk.l5.000.Deutschland: Mon.Mark 15.000. F r ankr., Belgien:. Monatl. Frcs. 8 er. Nachsahlu Preiserhohunjon ngon Vorbehalten' Nr. 1554 / ' i Wik«, Mutag, 11; 0««i 1928 Tscheche» -Slowakei tschech. K l*- I t al i e n : Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien \ Monatl. 90 Lei bezw. Lewa Schweiz und das übrige ' Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43»3*I9l aböÜhr abds.19-483,16-301 TeL-Adr.: .Morgenzekung-*' Wien Oesterreichisches Postspar* kassen- Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang Set MW in Bulgarien. Ausnahmszustand in Sofia. > Stambuliiski verhaftet. - Die innere Lage sehr ernst. Ueber den bulgarischen Putsch lieget bisher nur ziemlich fpärl-iche NachrichtM vor. Die Meinungen, die gestern über die Lage in Sofia und im Lande igetroffen sind, lassen erkennen, daß sich die S i tu atro n verschärft hat und daß Bulgarien vor schweren inneren Verwicklungen steht. Die Partei Starnbulirrskis will die Macht nicht ohne weiteres fahren lassen und den Kamipf gegen die revolutionären Machthaber in Sofia aufnehmen. Auch nach außen hin zeigt daS Ereignis in Sofia seine Wirkung, 'da eine gestrige Meldung von militärischen Vorbereitungen Serbiens berichtet. Wie StambuMski gestürzt wurde. -" Belgrad, 10. Juni. Nach Privatbevichten wurde der Umsturz in Sofia durch aktive und Reserveoffiziere, die in der Revolutionsnacht Uniform anlegten, ausgeführt. An der Spitze der Verschivövung stand der General Lasa-- r o w, dem sich auch mazedonische Organisationen zur Verfügung gestellt hatten. Nachdem die Versuche zu einer offenen Auflehnung der. Mazedonier gescheitert waren, hatte sich das mazedonische Komitee mit der Liga der Reserveoffiziere in Verbindung gesetzt, um sich durch einen nächtlichen Ueberfall auf Sofia der Regierung §geWalt zu bemächtigen. Das Kabinett Stambuliiski, das von der Vorbereitung einer großen Verschwörung Kenntnis hatte, traf in letzter Zeit Sicherheitsvorkehrungeu.' -'Stambuliiski selbst Werlte aus Gründen persönlicher Sicherheit.zuimnst äußer-, haG'Sofias. 7 ' >'.- - ' V ■ "Ausnahmezustand in Sofia. In Sofia wurde der Ausnah ms zustan d proklamiert. Die Stadt ist von Truppen und mazedonisc^n Banden besetzt. In der Stadt herrscht Ruhe, doch befürchtet man in der Bevölkerung, daß es zu blutigen Racheakten der Komitatfchi gegen die Anhänger Stambuliiski kommen, werde. Nach bisher . unbestätigten .Meldungen erließ Stambuliiski an die -Mitglieder der Bauernpartei einen Aufruf, den Kampf gegen die revolutionären Machthaber in Sofia aufzunehmen. Auflösung des Sobranje. Sofia, 9. Juni. (Bulg. Tel.-Ag.) Durch einen königlichen Mas wird die Auflösung des Sob-ranje verfügt. Stambuliiski verhaftet? Nach Privatmelidungen soll Stambuliiski in seinem Heimatsorte Slawowischte verhaftet worden sein. Vereidigung derMinister durch den König. Sofia, 10.' Juni..' (Bulg. Tel.-Äg:) - Der König 'hat nachmittags die Mitglieder des neuen Kabinetts empfangen und vereidigt. Die Lifte des neuen Kabinetts wurde, Wie folgt geändert: Vorsitzender des Ministerrates, und öffentlicher Unterricht: Professor Alexander Zankolw; Krieg: Oberst Wulkow; Auswärtige Angelegenheiten: .Christo K alo w o. Alle anderen Minister behalten ihre- Portefeuilles. Die Kommunisten für die neue Regierung. Das große Ansehen, dessen sich die 'Mitglieder des. neuen Kabinetts in der öffentlichen Meinung erfreuen, verstärkt Vas Vertrauen des Landes zur neuen Regierung. Die Führer -der Kommunisten haben heute morgens dem Minister des Innern erklärt, daß ihre Partei eine loyale Haltung bewahren werde. : Moralische Unterstützung Zankows durch die diplomatischen Vertreter^ : In Sofia hat gestern abends eine große Kundgebung stattgefunden, in deren Verlauf eine ungeheure Menschenmenge vor den Gesandtschaften der Großmächte' ihre Sympathien zum Ausdruck brachte. Einige örtliche Versuche,. im Innern des Landes die Ordnung zu stördn, sind sofort unterdrückt worden. Die Bevölkerung leistet überall den Behörden freiwillig Beistand. Die neuernännten Vertvaltungsbeamten haben ihre Dienstposten äNgetreten. - Der Ministerpräsident hat den d i-v-'l o ma tischen Vertrete r n 'Besuch?.. abgestattet. .-Df.ese gaben achter . 'B-e-s-.v'i'edrg-uÄ'g da ruM r Aus d t n ch'daß sich'der Regierungswe ch s e l ruhig vollzogen habe uttd stellten der neuen Negierung ihre m o r a i i f ch e Unterst ü tz u ng in Aussicht. - Maßnahmen Jugoslawiens. Belgrad, 10. Juni. (Tschecho-flow-akisch-eS Preßbuveau.) Sofort nach dem Eintreffen der amtlichen Meldung über den erfolgten Umsturz in Bulgarien trat der Ministerrat zusammen, um zu der dadurch .geschaffenen' Lage Stellung zu nehmen. In maßgebenden Kreisen. ist man der Ansicht, daß durch die Revolution in Sofia die durch den Ver trag von N eui llh ge s ch offene Läge bedroht sei und dag daher das Königreich S. H. S. als der am meisten interessiert Staat die weitere Entwicklung der Ereignisse in Bulgarien mit größter Aufmerksamkeit verfolgen müsse. Da durch den Umsturz auch die Durchführung des Nische Übereinkommens hinfällig geworden sei, wcr'.'e die Belgrader' Regierung die Maßnahmen zum S chutze. b cr serbischen ©re npen gegen Einfälle bulg arischer Banden v er stärken. Der Ministerrat habe den Kriegsminister beauftragt, dem Armeekommcmdo in Skoplje regelmäßige Berichte über die weitere Entwicklung der Ereignisse in Bulgarien zukommen zu la'stu. “ aegen Frankreich. Re Regelung der Reparationsfrage wichtiger als die eagiisch-fraaMche Fkeundscheft. d London, 10. Juni. (Wolff.) Nach einer Information des diplomatischen Berichterstatters des - „Observer" findet die erste wirklich bedeutsame Sitzung des englischen Kabinetts Montag vormittags statt. B a l dw i n habe erklärt, daß bei der. augenblicklichen Methode Frankreichs ein Ueberemkommen vollkommen unmöglich sei und daß die für Europa entscheidende Frage weit wichtiger sei als di e fr a nzösis ch - englische Freundschaft. Der französische Standpunkt sei für die britische Regierung v o llkvmmen unannehmbar. Werde darauf bestanden, so. bleibe k e i n e a n d e r e W a h l, - a l s ein vollständiger Bruch zwischeu Frankreich und England. Man halte es in London für ausgeschlossen, daß 12 Millionen Rühreinwohner auf Poincares Geheiß kapitulieren. Frankreich veharrt ans seinem Willen. London, 11. Juni. (Tel. d. .„Wr. Morgenzeitung".)' Es bestätigt sich, daß die französische Regierung in ihrem Memorandum an die englische Regierung erklärt hat, daß sie der Wiederaufnahme von Verhandlungen Lber die Reparationsfrage nur auf Grundlage des Planes zustimmKN könnte, den Frankreich auf der Atzten Pärifsr Konferenz den Mrrerten unt^wostet Me. Die deutschen Gewerkschaften für einen Waffenstillstand. Berlin, 11. Juni. (Tel. b; „Wr. Morgenzeitung".) Die in erster Linie am passiven Widerstand im Ruhrgebiet interessierten' G e w e r T s ch a f t e n beabsichtigen, der Reichsregierung zu erklären, daß sie mit einem Waffenstillstand einverstanden seien, wenn auf. diese Weise die deutsche Regierung als gleich b e r e ch t i g t e r F a k- - to r an den Ve rha n dl un.gstis ch der Äl l ii e rt'e n gelangen könne. Unter ’ einem solchen Waffenstillstand sei auf der einen Seite die E i n st c I l u mg der passiven Resistenz, auf der anderen Seite das Auffhören der Ausweisungen und der Beschlagnahmungen zu verstehen.; '.,v. -- ' 'Wie die ,Melt am Montag" berichtet, wird in , den Kreisen'verschiedener politischer Parteien die Möglichkeit diskutiert, ob nicht auf Grund dieses Vorschlages und anderer politischer Erwägungen die Basis für eine» solchen Waffenstillstand gefunden werden könnte. Niel beachtet wird die Aeußerung eines rheinländischen Abgeordneten der Rechten, wonach die 'Entscheidung über' -diese Frage der Bevölkerung des Rhein-lan-des überlassen WchM -rmWe, Morgan über die Lßerreichische Anleihe. . New-Aork, 11. Juni. (Tel. d. ,Mr. Morgecheit-uutz".) Pierpont Morgan gab über die österreichffche Anleihe, die heute in New-AorL zur allgemeinen Zeichnung.aufgelegt wird, folgerte EEärung ab: „Die Wichtigkeit dieser Anleihe liegt in der Tatsache, daß die Haltung der amerikanischen Sparer einen Beweis dafür gibt, daß sie sich für diejenigen eur.opäischen Nationen interessieren, die bereit.sind, sich selbst zu helfen, um ihren Kredit wieder hevzustellen. Voriges Jahr habe ich'auf der Bankierkonfereng: in Paris die Erklärung abgegeben, daß,'wen» die Garantien, die von einem Lände geboten werden, wiMich gut und auch die Sparer anderer Staaten bereit sind, sich ebenfalls zu beteiligen, die amerikanischen- Banken einen bedeutenden Betrag - ansbri-ngen könnten, um die: f i n a nziellie Lage Europas ' wieder herzustellen. Diese Bedingungen wurden im vergangenen Jahre, was Oesterreich änbelangt, nicht erMt. Jetzt aber finden sie ihre restlose Verwirklichung und dies kommt der österreichischen Anleihe zugute. Der Betrag derselben ist zipar nicht bedeutend, aber ich habe dasi Vertmuen, daß die amerikanischen Sparer Oesterreich nunmehr helfen werden, sichswieder aufzurichten." tzardivg für ei« amerikanMes Angreife«. - Washington, 11. Juni. (Tel. d. „Wr. MorgenzeitunM^ Präsident H a r dt n g -hielt gestern in einer Versammlung der "„Bereinigung junger Männer" eine Rede, in. der er seiner b e sti m M t e n - H o fff n u n.g -Ausdruck gab, daß die V e r e i n i g t e n S t a a t e n der Welt b e i st e h e n werden, um d^n allgemeinen Frieden wieder auf zu richten. ' Amerika: könne nicht glücklich sein, wenn die übrige Welt leidet. Amerika fei am besten^ in der Lage, die Rückkehr zu normalen Verhältnissen in die Wege zu leiten. •' . 8n«o fiber die deutsche Rote. Münster, 10.-Juni. Vor. dem R-eichsverband der deutschen Presse hielt Reichskanzler C u n o eine Rede über das deutsche Angebot, in der er^ zunächst den ernsten Zahl» ngs willen Deutichlands heworhob und dann aüf^ die angeregte internationale Sachv er st ä nd-i a e'n k o n f e r e n z zur Festsetzung der Reparationsfchuld zu sprechen kam. Wer die^ Sprache der WirMchkeik und den realpolitifchen Geschästsstnn verstehe, sagte Cuno, werde'- den jetzt erfolgten neuen Schritt als Beweis deA, ernsten Willens Deutschlands bewerten. Nach unserer -Ueberzc-ttgu-ng wird -die' deutsch e.Le i stu n g's f a h igke it im Ausland weit überfchätzt.-Deutschland be-' müht sich aufrichtig, feine volle Tatkraft der. Reparation zUzüivenden. In den neuen Garantien ist bis an d i e G r e n z e n d e s M ö g l i ch e n gegangen Worden. Die eindeutige Anerkennung der Reparations-Verpflichtung v im Memorandum werde bestätigt durch die Leistungen, die Deutschland bisher bewirkt hat. - . . .Wir wollen Frieden und sind unserem westlichen Nachbar gegenüber zu jeder wie immer gearteten Friedenssichern n g auf dem Boden der Gegenseitigkeit bereit. Aber das erkläre ich' öffentlich und feierlich: Es gibt keinen Preis, für den uns die deutschen Laude am Rhein und-an der Ruhr, an der Mosel und am Saar feil wären, keinen Preis, m\ den wir die.Rechte des -Reiches, Preußens und der anderen Staaten mindern ließen.' - Unter Hinweis auf die verworrene Wirtschaftslage Deutschlands, die iveitechür schwere Not Verbveike, wärnte der Kanzler vor der Gesahr, die aus dem ' ' " '* .oßer . Das nmenhängen begründeten Notlageweiter arbeitende r S.ch^i ch t e n - durch; eine kluge mid sozial v e rstän h i g e.B e m e s s u n g d e s A r b e i t s e n t g e lles; Rechnung getragen werde, sowie als Warnung für jene, d.ie sich,, sei es aus ehrlich.- empfundener Pein, sei es aus; AAßbrauch ihrer Notlage, zu Unmhen und Störungen der! öffentlichen Ordnung Hinreißen ließen. . Blutiger zwischeufM in Dortmund. Dortmund, 10. Juni. (Havas.) Während eines Streites haben drei deutsche Zivilisten zwei französische Unteroffiziere durch Revolverschüsse aetöiet. rgens.eltrgen Rlcytmeyrverireyen gr ch. i ch t e n des deutschen Volles entstehen könnte i smauam mmasM 7863

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