Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1553 (10.6.1923)
- Date
- 1923-06-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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S3KIC Q 2D5vwtt/ wÖlWWuy Bollswirt. Gestempelte Krone --- V.VV78V» Centimes. Auszahlung Me« — 0.0078 Sentimes. In Zürich notterte kt österreichische Krone . . 0.0078 (0.0078 am 8. Juni) He österr. gestempelte Krone 0.0078'/, ( 0.00781/4 cnn 8. Juni) >ie tschechische Krone . . . 16.58 ( 16.59 am 8. Juni) iie Mark. 0.0065 ( 0.0071 am 8. Juni) Holland.218.- (217.50 am 8. Juni) lkew-Dork. 556.50 (555.25 am 8. Juni) London. . . 25.67 ( 25.67 am 8. Juni) Part? . 85.70 ( 85.75 am 8. Juni) Rattand. 25.82 ( 25.95 am 8. Juni) Belgrad., . 6.30 ( 6.20 am 8. Juni) Bukarest.Y 2.85 ( 2.80 am 8. Juni) Sofia.. .; . 6.40( ( 5.95 am 8. Juni) Budapest ..- . 0.9V, ( 0.09*/, am 8. Juni) Warschau ........ v.0O9O( 0.0095 am 8. Juni) Ser Wiederaufbau Sefterreichs und die Fuden. Nunmehr, da die Völkerbundanleihe abgeschlossen ist und Pie Sanierung Oesterreichs wenigstens für die nächsten zwei Fahre gesichert ist, geziemt es sich auch, einen Rückblick zu halten rnd die Verdienste derjenigen zu würdigen, welche dieses Werk Monde gebracht. Wenn man die Blätter der Regierungsparteien liest, könnte man wirklich glauben, daß sie in erster Linie diejenigen waren, welche zu diesem Erfolge verholfen. Bei geaauer Betrachtung der Sachlage wird man aber vielleicht nicht ganz derselben Meinung sein. Es ist richtig: Die jetzige Regierung hat den Abschluß der Anleihe gebracht. Sie hat auch die wichtigsten Aktionen der letzten Zeit durchgeführt und hat die Sache um ein schönes Stück vorwärts gebracht. Man muß sich aber fragen, ob ihnen all dies gelungen wäre, wenn nicht vielleicht günstige Voraussetzungen voichanden gewesen wären, an denen wirklich die Regierungsparteien selbst nicht schuldtragend sind. Eine der wichtigsten Ursachen ist die Erkenntnis der Lebensfähigkeit Oesterreichs. Einem insolventen Gläubiger, von dem nicht von vornherein feststeht, daß er seine Schuld wird bezahlen können, hätten das amerikanische und englische Handelsvolk bestimmt keine Anleihe gewährt. Dazu sind sie allzu gewiegte Kaufleute. Mehr Kaufleute als Politiker. Ihre Emisiäre kamen nach Wien. Sie überzeugten sich, daß Oesterreich lebensfähig sei, und setzten in diesen Staat Vertrauen. Dawar eS, was sie zur Anleihe veranlaßte. Der Fehler der österreichischen Politiker vor zwei Jahren, sie gehören denselben Parteien an, denen die jetzigen Regierungsleiter angehören, bestand darin, daß sie sich damals selbst nicht über die Lebensfähigkeit Oesterreichs im klaren.waren, und daß sie ihre Maßnahmen so verworren gestaltet haben, daß sie sich selbst kein Bild mehr über Oesterreich machen konnten. Das hemmungslose Anwachsen der Inflation, das Balutenchaos, die verworrenen WirtschaftSmatznahmen, all diese Umstände wären nicht notwendig gewesen. All dies ist von denjenigen Parteien verursacht worden, deren Angehörige jetzt das Verdienst in erster Reihe für sich in Anspruch nehmen. Sie waren damals zu kurzsichtig, um sich wirklich ein allgemeines Bild über die Lage zu schaffen. Sie haben an der Lebensfähigkeit Oesterreichs gezweiselt. Erst allmählich hat sich die Mentalität Oesterreichs ganz umgewcmdelt und ist die Erkenntnis durchgednmgen, daß in Oesterreich ein lebensfähiger Kern stecke, daß es nicht so ohne weiteres zugrunde gehen könne. Dies ist die Ursache des großen Anleiheerfolges. Die letzten Aktionen in Genf, Paris und London sind nur die letzten Veranlassungen. Der Erfolg ist allerdings hübsch. Die materielle Grundlage ist schon früher gegeben gewesen. Die formelle Grundlage des Erfolges, die Anbahnung der Beziehungen, der Ausbau des Werkes, kurz und gut die Festlegung der ganzen Bahn, all das ist wohl auch ein hübsches Werk, doch dürfen nicht diejenigen Kreise, die sich gerade als die staatserhallenden, bodenständigen arischen Elemente gegenüber den Juden auffpielen, den Erfolg in dieser Hinsicht für sich allein in Anspruch nehmen. Hier muß es einmal gesagt werden. Juden warm es, welche nicht dm geringsten Beitrag zum Erfolg geleistet haben. Der erste, der der Völkerbundanleihe praktische Formen verlieh, der die Sympathien des englischen Kapitals für Oesterreich gewann, der ununterbrochen daraus hin arbeitete, daß England sein Interesse für Oesterreich bekunde, nnd das Werk fast bis zur Dachgleiche persönlich aufführte, war ein Jude, der verstorbme Generalrat der Anglobank Dr. Rosenberg. Er hat schon vor zwei Jahren, als der Chorus des Unterganges Oesterreichs allgemein ertönte, die Lebmsfähigkeit und da§ Programm seiner Lebensfähigkeit trotz aller Anfeindungen fest und klar skizziert, hat gerade in England dm Grundstein zu diesem Programm gelegt und gerade in England für die Lebmsfähigkeit Oesterreichs-Propaganda gemacht. Es ist kein Zufall, daß gerade der letzte Förderer der englischen Anleiheaktion, der wärmste Fürsprecher für Oesterreich, Mr. Normann, der Gouverneur der englischen Bank, auch gleichzeitig der Leiter der Anglo-öfterreichischen Bank ist. Gerade anläßlich der Umwandlung dieser Bank in ein englisches Institut kam Rosmberg unzählige Male mit Normantt zusammen, und gerade bei diesen Gelegmheiten hat Rosmberg unauffällig aber intensiv für die Zwecke der Sanierung seines Vaterlandes Oesterreich gearbeitet. Wenn ein österreichischer Finanzmann nur als bloßer Vertreter Oesterreichs hingekommm wäre, , er hätte nie diese Erfolge, erzielt. Man hätte chn nie so angehört wie Dr. Rosmberg, der jede Minute der ihm o m seinen Geschütten srergelcsieneu Zeit dafür verwmdete. Dst. Zähigkeit, mit der er dieses Ziel verfocht, die glänzende Idee, wi/er die Verbindung des mglifchen mit dem österreichischen Kapital vorbereitete, das war das Werk des Juden Dr. Rasenderg. Noch ein Jude hat sich sehr wesentliche Verdienste um die .Anleihe erworben. Es ist bekannt, daß die Messer? MowM z Emrg. des Finanzministeriums den ganzen Entwurf her Völkerbund- , anleihe verfaßte, daß dieser Entwurf den ' Beratnngsgegmstand des Genfer Aktionskomitees bildete und unverändert angenommen wurde. Der Leiter dieser Finanzsektion hat Tag und Nachtununterbrochen gefeilt nnd gearbeitet, mußte in unzähligen Unterredungen das Programm mundgerecht machen und hat in genialer Konzeption einen Entwurf sertiggestellt, der in den zwischenstaatlichen Kreditbeziehungen der ganzen Welt seinesgleichen sucht. Er hat all dies nur als simpler Berunter getan. Dieser Mann ist der Dr. Scharzwald, ein" Jude aus dem vielgelästerten Osten. Die Erwähnung dieser beiden Inden geschieht nicht deswegen, um damit eventuell besondere Forderungen zu verknüpfen. Es geschieht nur, nur zu zeigen, daß die Juden geradeso ihre Pflicht im Staate, so weit es sich um die Lebensexistenz des Staates handelt, erfüllen wie die anderen, daß Juden ebenfalls ein großes Verdienst an der Erhaltung der Lebensfähigkeit Oesterreichs haben, und daß es sich nicht für Parteien, die sichals Regierungsparteien ausgeben, schickt, eine jndenfeindliche Politik zu treiben, den Juden auf jede mögliche Weise Knüppel vor die Füße zu werfen und sie in die Rolle des Geduldeten hinabzustoßen. Gerade ein solcher Staat, der auf das Wohlwollen der ganzen Welt angewiesen ist, dessen Juden an seinem Wiederaufhau fleißig Mitarbeiten, darf sich am wenigsten den Luxus eines SWmerüS claustts, den Luxus der hämischen Beschimpfungen der Juden in den Regierungsblättern, leisten. Er darf auch nicht Aeüßerungen eines Angehörigen der Regierungspartei, wie sie gerade in der letzten Woche vom Abgeordneten Jerzabek gehört wurden, zulassen, die dem berüchtigten Pogrom verzweifelt ähnlich sehen. Die Juden haben an dem Wiederaufbau Oesterreichs vielleicht etwas mehr und etwas wirksamer mitgearbeitet als Herr Jerzabek und seine Genoffen. Sie Wirtschaft Rußlands. Den kürzlich von der Schwedischen Allgemeinen Exportvereinigung herausgegebenen Broschüren über die ökonomischen Zustände des heutigen Rußlands ist zu entnehmen, daß die Bureaukratie immer noch eine unerträgliche Belastung der russischen Wirtschaft bedeutet. Als Beispiel diene die Naphthaindustrie, die früher 12 Prozent Beamte und 88 Prozent Arbeiter beschäftigt hat. Jetzt heißen die entsprechenden Zahlen 39 und 61! Das Transportvermögen der Eisenbahnen wird heute aus ein Drittel der Vorkriegszeit geschätzt. Ein ruffischer Experte berechnet die Wiederinstandstellung des Eisenbahnnetzes aus 16,5 Milliarden Goldrubel! Der Schiffsverkehr nach Petersburg hat sich 1922 etwas gehoben. Die Zahl der belasteten Schiffe, die von Petersburg abgegangen sind, ist von 24 auf 190 gestiegen. Schlimm steht es um den Verkehr auf den russischen Wasserwegen. Statt 2802 Millionen Pud im Jahre 1913 sind anno 1922 nur noch 650 Millionen Pnd befördert worden. Das bedeutet Mangel an Heizmaterial und Getreide für weite Strecken des Landes. Die Leistungsfähigkeit der Jnlandsflotte ist in katastrophaler Weise gesunken. Statt 4800 Dampfer verkehren noch 2100 und 4600 Schleppkähne, die mit 174*5 Millionen Pud nur den zehnten Teil der Tragfähigkeit der früheren 22.500 Kähne besitzen. Seit dem Februar 1922 gibt es wieder Privatbanken, eine Kooperative Bank, die Russische Handels- und Jndustriebank und die Russische Kommerzbank. Die letztere gehört völlig zurp internationalen Banktypus und ist berechtigt, alle üblichen Bankgeschäfte zu erledigen. Sie ist die einzige Bank in Rußland, die auf ausländischem Kapttal ausgebaut ist. Das Akttenkapital beträgt 10 Millionen Goldrubel. Die Emission umfaßte 100.000 Aktien zu je 100 Rubel oder 61,47 Dollar. Ein Zehntel des Aktienkapitals muß laut Konzession gratts an die russische Reichsbank abgegeben werden. Die Bank hat das Recht, in allen ruffischen Städten Filialen zu eröffnen. Ende 1922 ist noch die Moskauer Städtische Bank dazugekommen. Neberdies wird durch ein Dekret vom November 1922 die Errichtung neuer Banken, sofern sie mit einem festgesetzten Normaltypus übereinstimmen, sehr vereinfacht. Eine neue Bank, die Mruffische Kooperative Bank, ist in Bildung begriffen. Alle Banken betätigen sich hauptsächlich auf dem Gebiete der Kommissionsgeschäfte. Die Einsätze von Sparmitteln sind gering, da auch das kleinste Kapital nicht lange nach Verwendung zu suchen braucht. Im freien Verkehr werden Monatszinsen von durchschnittlich 12 Prozent bezahlt. Die Banken begnügen sich mtt 2 Prozent. Die meisten Geschäfte geschehen auf kurze Sicht. Die Provisionen sind unverhältnismäßig groß. Die Banken haben gute Einkommen, an denen der Staat tüchtig partizipiert. Sechs Prozent der Zinsen und 20 Prozent der Geschästsgewinne müssen an ihn abgeführt werden. Natürlich belasten diese Steuern nicht die Pauken, sondern die Allgemeinheit. Kreditinstittrt für öffentliche UitieüuYmmßcn „Stafa". Die Ovganisati-onsteilunig, «welche sich jetzt bei der „!©.tafa" dem belka-Mten genossenschaftlichen Institut Mr öffentliche Angestellte, vollzieht^ zeigt, wie es in mordender Form möglich ist, 'UnternehnnMgen, welche aus der Not deS Krieges und der NachlkisgNvirtschast zu gemeinnützigem Wöhle einer bestimmten Gruppe entstanden, nunmehr den geänderten Verhältnissen in einer Weise anzupassen, daß einerseits die Interessen der in dieser Gonosfervschaft vertust-emn Gruppe vertreten, daß aber auch andererseits den Erfordernissen einer kaufmännischen Führung in jeder Hinsicht Rechnung getragen werden. Bekanntlich hat seinerzeit die ,/Stafa" ihre genossenschaftliche Kveditorgcrnifattvn gemeinschaftlich mit einem Warenhause verbunden,' um foht AsenOchen Angestellten die noüvestdigen Bedarssarttöell -ppeiSwertiKur Verfügung zu stellen- Zur Zeit der Kriegs- und tob die meisten Waren der Zwangsmm i i i »i i 10. IM 1928 bewirtschaftung unterlagen, warendiese Formen am vovHb hastesten, um auf rasche Weife den einzelnen Ge-noffenfchÄ^ nur X?« «irW-trum RT’nftrff'-T Air in der Aera des Freihandels und der fveien Konkurrenz würde eine nur auf eine einzige Gruppe in ihrem Msatze beschräMtz Bertanssorganisation nicht voll ihren Zweck erreichen Wunen» andererseits wi'vpde sie auch in der Tätigkeit ihrer Kredit- Organisation für die Gruppenangehörigen gehmimt sein. Um sich mm freier entfalten und den ursprünglichen Zweck dennoch erfüllen zu können, hat sich die ,-Stafa" geteilt. Das Warenhaus wurde in eine eigene Mtie Gesellschaft umgewandÄt. Damit diese Mti-enigcsellschaft aber als Besitz 'der Bundesangestcllten erhalten bleibe, ist satzlMgsgemäs; bestmunt, daß' die Mehrheit der Mtien sich im Besitze der Bundesaugesteilten befinden. Nnnmchr blesht als eine ibefoicheve Organisation nur das Kreditin st i t u t der ,-Stafa", welches in der Forin einer, Genossenschaft, wie es die ursprüngliche „Stafa" war, seinem Zwecke wird besser dienstbar gemacht Werden können. Selbstverst ländlich kann eine solche Kreditgenossenschaft ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie hinreichend mit Kapital ansgestattet ist. Wohl haben die Genossenschafter der „Stafa" seinerzeit je 600 K. als Genossenschaftsanteil 'beig-strcvgen. Diese Beiträge sind aber, bei dem heutigen niederen Wert der «Krone viel zu gering, als daß mit ihnen ein umfangreiches Kreditprogramm, wie es in den Ausgaben einer solchen Kreditorganisation für die öffentlichen Angestellten liegen sollte, erflillen könnte. Auch hier ist nun ein Ausweg geplant. Die Genossenschaftsanteile sollen a>uf das Zchnfache erhöht werden, das heißt, jeder Genossenschaftsanteil soll 6000 K. betragen. Da man aber den öffentlichen Angestellten bei der heutigen allgemein ungünstigen Wirtschaftslage nicht zumuten kann, diese, wenn auch niedrigen, dennoch aber für die einzelnen in vielen Fällen schwor «mfWbmngenden Beträge zusammenzubvingen, ist folgender Ausweg geplant: Es soll die 'Umwandlung des Kaufhauses in eine Aktiengesellschaft so durchgeführt werden, daß sich ein Gewinn ergibt. Aus diesem Gewinn sollen auf jeden Genossenschaftsanteil 2000 K. geleistet -wenden, so daß jeder Genossenschafter der KvMtgenosstnschast schon 2500 K. in der Genossenschaft 'besitzt. Die übrigen 2600 K. soll jeder Genossenschafter beisteuern. Jeder Genossenschaftsanteil beträgt dann 6000 K. Dadurch wird aiber auch daS Gesamtkapital der Kreditgenossenschaft, welches bisher 400 Millionen beträgt, auf vier Milliarden erhöht werden. Ms disse Art wird die genossenschaftliche Kreditorgcmisation ,-Stafa" z» einem der bestfundierten Kreditunternehme» Oesterreichs werden nnd in der Lage sein, albe im Rahmen einer modernen Kreditgenossenschaft erforderlichen Aufgabe« voll und ganz zu erfüllen, DtKch die großzügige KapitalSkongentratiou wird mmmchr diese 'Kreditgenossenschaft imstande sein, allen im Laufe der Jahve vorkommenden Wirtschasiseveignisse fest fundiert und gewappnet entgeMNAntreten. Es wird dadurch von vornherein der Mägslichkeit vovseüougt,von irgend einem -gvoßkapitalistischen Bankunternehmen—wie es in der-letzten Zeit leider in Oesterreich und in Ungarn der Fall war — ausgewogen zu werden.. Wie Leitung der Genossenschaft hat wohl mit dieser Mion am Mcklichsten dieses sonst so schwierige Problem der Sicherung der Geuossenschaster Mr die Zukunft gekost. Me wir erfahren, wird di« Leitung der Genofsenschaft ihre Organisation auch auf die Provinz ausdehuen, da sie sich dortselbst eines großen Anhanges und Vertrauens evf-veut. -In der gestrigen BsrwÄt-ungswtsfitzung, welche unter Vorsitz des Präsidenten Regierungsrates Frieß stattfan> wurden die diesbeySglicheu Beschküffe gefaßt Fortdauernder Marksturz. Trotz der widersprechenden Nachrichten über die Aufnahme der Reparationsnote bei den einzelnen Ententestaaten, welche aber dennoch gewiffe günstige Auspizien Mr die Bchandlung der Reparattonsfragen bieten, ist doch auf den ausländischen Plätzen das Vertrauen zur MaÄ noch nicht wiedergekehrt. Sie erfährt weitere Ermäßigungen. So ist gestern in Zürich die Devrse Berlin von 0,0071 auf 0,0065 gesunken, was auf keinen Fall als günstiges ^mptom gewertet werden kann. Auch auf anderm ausländischen Devisenplätzen weist die Mark Kursschwankungen im selben Verhältnis auf. Es scheinen bei der Beurteilung der Mark die ablehnenden französischen Berichte über bte Reparationsnot« maßgebend zu sein. Im selben Verhältnisse wie die Senkmrg der Mark in Zürich sind auch in Berlin die fremden Valuim stärker im Kurse hinaufgeganaen. Die Erholung vom letzten Montag scheint nur eine Episode gewesen zu sein und ist durch die gestrigen Kurssteigerungen der Valuten bereits übeicholt. So notterte in Berlin der Dollar gestern 83.989 gegen 78.303 am Vortage, das PMnd 384.286 gegen 861.596, der französtsche Franken 5386.50 gegen 6027, nur die polnffche Mark blieb unverändert. Wenn das Balutenchaos in demselben Tempo weiter fortschrettet, ist ernstlich zu befürchten, daß, wenn die Repara-« tionsverhändlungen einen günstigen Verlauf nehmen sollten, dies bei der zusammengebrochenen Währung nicht viel mehr bedeuten wird und daß eine Samerung dieser Währung sich nur sehr schwer durchMhren lasten wird. Die Ereignisse in Deuttchland zeigen von großer Ratlosigkeit. Mtttlerweile ist zwischen dem Reichsbrnrpräsidenten Havenstein und anderen Nationalökonomen eine große Diskussion entstanden, welche Inflation günstig sei und welche schaden könne; ein theorettscher Streit, der die Mark nicht um einen Millimeter hebt. Von ernsten Maßnahmen ist vorläufig weit und breit' noch nichts zu bemerken. Me Kveegsklcmsel der VAkerbirndanleihe. Dem öftere reichilschen PuMEmr ist es heute nichts Neues mehr, daß dis deyzesi. zur Zeichnung aufliegenlde öfterreichif'che Staatsanleihs eine besonders günsttge Vermögensanbage bibdet. Die Anleihe-, titres lauten auf Dollar, sind mit nahezu 8 Prozent des Zeichnungspr-eches verzmMich, der Schuldeüdienft ist in erster Dinie durch die DabaBmonÄpole und Zolleinuahmen, in zweiter Linie durch das sonstige österveichiische Staatsivormögen, in dritter Linie durch die Garantie rnchrevev sinan^räfttiger Auslandslstaaten sichergeftellt. Die europäische Bevölkerung ist aber im Laufe der Kr^iegs- und Nachkriegsereigniffe Mißtrauisch geworden. Gar mancher wird sich sagen: Was. nützt die Dollar- Währung, was nützen die viellifach-eu Garantienwenn es vielleicht doch wieder zu einem Kriege kommt unddie Staaten .die im Eigeu>kM feiMicher Staatsänigchöriger, / stehenden Titres nicht honorieren. Ein solcher Fall ist jedoch ausge« schloffen. Die fälligen SchüldverischrellibungM -und CoUpoMl