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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-05 · Heft 1548 (5.6.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1548 (5.6.1923)
Date
1923-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Wien: Zorn Abholen in der Expedition, II., Tab orstrjA-3, oder meiner Verschleisatelle jTrafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Desterr. monatl. K 28.000 Ts che c h o-S I owa k e!: jrton. K17. Ungarn: Mon, iC 600. Jugoslawien: Mon. t)fnar 40. Pol e n: Mon. I4k.15.000. D e n t s eh I a n d: Won.Mark 15.000. F r a n k r„ Belgien: Monatl. Frcs. 8 Nachzahlungen Preiserhöhung«!» vorbehalfeü Nt. 1S48 teuer Me«, Siensti 9:3«ni 1928 Tschecho ■SiewsMkf Ischech. K Halt a 1 i e n: Monatl. 10 Lire Rumänien, Balgarien Monatl. 90 Leibezw, Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II,, Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel-Adr.:,Morgenzeitung'1 Wien Oesterreichisches Postspar* kassen- Konto Nr. 150.693 S. Jahrgang Die AurmMerrmg der PMstinensifchen Wahlen. Mm unserem Londoncr Korrespondenten.) London, 30. Mai. Eine soeben veröffentlichter 'Kabinettsbeschbuß hat »re Wahlen zur legislativen Versammlung in PMsüna rnnulliert. Diese Maßnahme verteidigt das Außenamt nit dem Boykott der Wahlen zur gesetzgebenden Berprmnlung durch die Araber, die dadurch die Wahl der jwöls Mtglieder des künftigen Rates unmöglich genacht haben. Diese Annullierung schließt jedoch die Einsetzung eines legislativen Rates nicht aus. Sie hat lediglich eine aufschiebende Wirkung. Nach, Maßgabe der Verhältnisse hat der Ob erkomissär lm Einverständnis.mit dem Staatssekretär für die Kolonien das Recht, den Zeitpunkt der n e u e n W a h I e n |um gesetzgebenden Rat zu bestimmen. Die erste Wahl -at dann im Lause der nächsten sechs Monate rach der Veröffentlichung, der entsprechenden Bestimmmg durch den High Counnissioner zu erfolgen. In der Zwischenzeit wird ein Ad v isoryCounti I (Stgatsrat) wieder eingesetzt,. den der. Oberkonrmissär bei den Fragen, die sich auf-die Ordnung, den Frieden und die Regierung im Lande beziehen, Konsultieren wird. Dieser Council oder jeder andere Rat, den der Öberkommissär im Einverständnis mit dem Staatssekretär für die Kolonien einsetzen wird, soll bis xum Zusammentritt der künftigen Legislative bestehen. Keine Bestimmung wird vom Öberkommissär publiziert, werden, ohne daß er den Advffory Council zu Rate ziehen soll: Auf-keinen Fall. darf., eine Verordnung : erlassen werden^ die Äe Freiheit des' Gdbtzns ^oder bie^' Ausübung des religiösen ' Kultus, verhindern kann, msgenommen in Fällen, die die öffentliche Ordnung', oder MoralbedrÄen oder, geeignet sind,' auf irgend welche Weise die Bevölkerung des Landes aus Grund ihrer Rassen-, Religions- oder Sprächvnzugöhörigkeit xu entzweien. Auch kann keine Verordnung erlassen werden, die irgendwie den Bestimmungen des Großbritannien durch die alliierten und assoziierten Mächte verliehenen Mandates zuwiderläuft.. Der neue Advisory Council umfaßt 12 Mtglieder. Sieben gehören den führenden mohammedanischen Familien des Landes an. Die folgenden Namen wurden schon bekanntgegeben: 1. Ragheb Bey Nashasyibi, Bürgermeister von Jerusalem, früheres Mitglied des türkische» Parlaments; 2. Ares Pascha Dejani, früherer Präsident der Exekutive des arabischen Kongresses; 3. I s m a i l B e h-H u s s e i tu, Mitglied des früheren Advisory Council; 4. Abdul Fattah es Saadi, Bürgermeister von Acco mnd früheres Mitglied des türkischen Parlarnents; 5. Ä m i n Bey Abdul Hadi von Haifa, früheres Mtglied des türkischen Parlaments; 6. Suleiman Bey To kan von Nablus, früheres Mitglich des Advisory Council; 7. Mahmud Abu Khadra, Bürgermeister von Gaza. Die Beduiney-Scheichs von Beerseba sind durch den Scheich F e r e i h Middern vertreten, während Suleiman Bey Nassif und Anton F a l l a b C h r i st e n sind. Die Namen der zwei jüdischen Mtglieder des Councils sind bis zur Stunde noch nicht bekannt. Die „Times", die, wie gestern im Untevhause bemerkt wurde, nach dem Wechsel ihrer Besitzer wieder als hallboffizielles Blatt des Außenministeriums angesehen wird, veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe an leitender Stelle einen redaktionellen Aufsatz über diese Ereignisse. Sie erklärt zunächst, daß man das Geschehene voraussehen konnte.' Die britische Regierung wollte dem Lande die Selbstregievung verleihen, sie hat alle möglichen Erleichterungen geschaffen, sie nahm unter anderem das alte türkische, Wahlsystem an, alles umsonst. Die Araber selbst verhinderten die Besserung der Lage, dies alles, weil sie Gegner der jüdischen Aspirationen sind. Die Prinzipien der jüdischen-Heimstätte wurden des öfteren wiederholt und die nötigen Maßregeln, die die Erfahrung diktierte, wurden unternommen, aber die arabischen Politiker verblieben in der Opposition. Das ist zu bedauern, aber die britische Re gie.rung kann nicht von der Richtung a b g e h e n, die sie eingeschlagen hat. Inzwischen nmß aber das Land verwaltet wecken. Es war der einzig mögliche Ausweg für die britische Regierung. Die Vergangenheit bot keim Beispiele oder Prinzipien, die man als Wegweiser in diesem Lande antiken Glaubens und moderner Kontroversen anweüden könnte. Die Juden, v die ihre alten.AWrationen und Das neue deutsche Anbot. Berk», 4. Juni. Die Reichsregienmg hat sich nunmehr entschlossen, in dem deutschen ErgärMngsangebot weder eme.Gesamtsumme, noch die Annuitäten 'estzulegen,. sondern die Einzelheiten darüber rer Entscheidung einer internationalen Sachverständigenkommission zu. überlassen. Als Hauptgarantie führt das Angebot eine Garantie der gesamten deutschen Wirtschaft über die Gesamtsumme von 500 Millionen GoWmark für die Dauer von 10 Jahren an. Die Vorstände der verschiedenen Reichstagsfvaktionen sind bereits im Lause des heutigen Vormittags, zu Sitzungen zusämmengetveten. Zur Zeit findet zur Ueberbrücknng der Differenzen zwischen dem Standpunkt des Reichsverbändes ' der deutschen Industrie, und . dem der Gewerkschaften' eine Beratung zwischen dem voftsparteilichen Reichstagsa'bgeordneten v. Raumer und dem Soziawemokvaten Hilfferding statt, und man hofft auf eine Lösung der noch schwebenden Schwierigkeiten. Nach dem Sozialdemokratischen Parlamentsdienst ist die Sozialdemokratie nur dann bereit, die poetische Verantwortung für die neue Note mitzutragen, wenn sie den ernsthaften Versuch davstellt, durch einen konkreten und sMtanzierten. Vorschlag die Reparationsfrage ihrer Lösung -näher zu bringen und eine schnelle Befreiung des Ruhrgebietes von der fremden Besatzung zu ermöglichen. Die Sozialdemokratie hält weiters an der Belastung der Sachwertbesitzer, fest, die allein in der Zeit des/ Valutasturzes" einen' ungeheuren Sondergewinn erzielt haben. 'Dadurch sei./.ihre stmerliche .LefftungsfähMiL i auf sehr 'MM ejner-anr deren.°Schlchte>des,'WW7^' ^""i : ’ .'Mch dem Urteil der politischen Kreffe sei kaum damit' zu rechnen, daß 'die neue " deutsche 'Note vor 'Ende der Woche an die alliierten Mächte abgehen werde. Die Verständigungswünsche der lothringischen Industriellen. Paris, 4. Juni. Die ,Zournee Industrielle" veröffentlicht den Wortlaut der Rede, die der lothringische! Großindustrielle Hubert deWendel am 2. Juni beim - Empfang Millerands in der Handelskammer von Metz ge-! halten hat. Nach besonderer Betonung der Verluste, die! die Ruhraktion der lothringischen Industrie eingetragen! habe und deren Höhe-nach Wendel nicht geringer ist, als! die Summe der Gesamtkosten der militärischen Rnhrbe-! setzung, stellte Redner die folgenden Wünsche der loth-! ringischen Industrie für eine Verständigung! mit Deutschland auf: Herstellung direktes! Beziehungen zwischen der oft französischen! und der westfälischen Industrie zum Austausch! von Kohle und Erz, Sicherung der Versorgung Qstfrank-! reichs mit deutscher Kohle und deutschem Koks über die j im Versailler Vertrage vorgesehene Frist hinaus, Verlan-i gerung der im Vertrag vorgesehenen Frist für die zoll-! fteie Einfuhr der elsaß-lothringischen Erzeugnisse nach Deutschland, Uebevnahme gewisser Arbeiten in Lothringen, insbesondere der Moselkanalisation, durch Deutschland. Präsident Millerand versicherte in seiner Antwort, die lothringische Industrie dürfe zuversichtlich auf! den Beistand der Regierung.rechnen, und betonte weiters,! daß die Ruhraktion nicht auf Wunsch .der französischen! Industrie beschlossen worden sei. Der Präsident meinte! ferner, die lothringische Industrie hatte im Falle des Der-! zichtes der Regierung auf ein energisches Vorgehen gegen Deutschland zweifellos später viel schwerere Verluste, erlitten als jetzt, in der Form der Ruhraktion. Zum Schlüsse erklärte er es als notwendig/ daß die' Regierung bei Festsetzung ihrer .Wirtschaftspolitik die'Interessen der Industrie berücksichtige, und bei den Industriellen Rat einhölen werde. ' ' ' StreUgefahr in Berlin. Berlin, 4. Juni. (Tel.-Komp.) Heute früh' kam es. in einem Telle Berlins zu umfangreichen Störungen in der Elektrizitätsversorgung, die in den betreffenden Bezirken auch, die Straßenbahn stillegte. In den Elektrizitätswerken Rummelsburg und Oberspree hatten die Arbeiter die' sofortige Auszahlung ' eines Vorschusses von 50.000 Mark verlangt, und nach Ablehnung dieser Forderung sofort die Arbeit niedergelegt. Wie verlautet, wollen sich auch die anderen städtischen Werke dem Vorgehen dieser Arbeiter änschließett. Da sich der' Magistrat bereit erklärte, den Arbeitern der. städtischen Merke morgen einen Vorschuß von 50.000 Mark zu zahlen, wurde die Arbeit wieder ausgenommen. Auch in einigen Gaswerken haben die Arbeiter gestreikt. Landarbeiterftreik in Schlesien. Breslau, 4. Juni. (Wolff.) Wie die Abendblätter melden, ist in Schlesien . Plötzlich ein Landarbeiterstreik ausgebrochen, der außer dem Breslauer Kreis bereits. 13 Kreise. ergriffen hat und sich immer mehr ausdehnt. Die Hoffnungen in die schwere .Sprache des 20. Jahrhunderts übersetzten, erhielten von der briüschen Macht Zusagen, die einen Wiederaufbau ihres. Landes -er-' landen. Dies geschah um so leichter, als das englische^ Volk, ein Volk der Bibel, diesem Versprechen zustimmte. Aber die Wirklichkeit zerschlug viele der Träumet Es würden viele Fehler gemacht, ober das Land entwickelt s i ch, wenn auch langsam. „Die. Regierung des Landes," fährt die „Times" fort, ist eine britische Angelegenheit und kann im Augenblick nur durch britis che Hände geleitet werdend Nach der Lage der Dinge kann die Gerechtigkeit für Juden wie auch Araber nur durch diese widerfahren. Nur-sie kann das Gleichgewicht erhalten. Für den Augenblick muß sie! voll urck ganz die Verantwortlichkeit tragen für - das Experiment, das sie und das britische Volk eingegangen ist.' Die letzten Ereignisse zwangen sie zu einer Haltung, die sie gewöhnlich in den britischen Kronkolonien einnimmt. Die Inden sind sicher des guten Willens der britischen Regierung vom Augenblick an, in dem sie ihnen die Möglichkeit gab, so weit es Praktisch zulässig ist, das Ideal einer. nationalen Heimstätte ju verwirklichen. Aber auch die Araber wissen, wie England mit ihren Bemühungen nach Unabhängigkeit ° sympathisiert. Die fcfcftni Ereignisse in Arabien R;n/ •.. X'ct mr Genüge. Arbeitgeber haben es abgelehnt, mit der schlesischen' Gaiv leitung des Deutschen Landavbeiterverbandes zu verhandeln und sich an die Spitzenorganisaüon in Berlin gewandt, wo im Beisein eines 'Vertreters des Reichsarbeitsministeriums heute Verhandlungen stattsinden sollen. KrawaAe in Leipzig. Leipzig, 4 Juni. (Wolff.) Heute nachmittags veranstalteten Erwerbslose in verschiedenen Tellen der Stadt Kundgebungen, wobei in zwei Cafes die Einrichtungsgegenstände zertrümmert wurden. Bei einem Zusammenstoß wurde eine Person verletzt. Die Geschäfte im Viertel der-Pelzwarenhändler schlossen die Läden. Die Polizei ist alarmbereit. Der proletarische Selbstschutz bewacht die größeren Lokale d'er äußeren Bezirke. Der steigende Index. Berlin, '4. Juni. (Wolff.) Die Reichsindexzrffer für die Lebenshaltungskosten beträgt nn Wschnitt Mai 36.16, gegenüber 29.54 im April. Sie zeigt sonach ein Anziehen um 21,2 Prozent. Unter 'dem Druck der weiteren Markverischlechtevung ist diese Zahl wesentlich überholt. Palästina liegt aber außer der Sphäre dieser arabischen Länder. Mcht nur das Mandat, sondern die besondere Natur der briüschen Jntereffen in diesem Lande machen es unmöglich, daß England sich von der Macht zurückzieht, die Britannien anvertraut wurde. .England ist verantwortlich für ein' schweres und gefährliches Experiment,- das es nur- 'allein auszuführen imstande ist. Andererseits ist! Paläsüna von wichtiger strategischer Be-', deutung für das britische Reich und den Frieden' der Welt..." ' - Diese Aenßerungen der „Times" werden hier sehr beachtet, da man dahinter die offizielle Ansicht des Kolonialamtes sieht. * Der palästinensische Staatsrat (Advisory Council). Jerusalem, 1. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg." ) Die Regierung hat den Jüdischen Naüonalrat (Waaa L e u m i) aufgefordert, z w e'i jüdische Vertreter fiir den neu eingesetzten Staatsrat zu noirünieren. Die Besümmung über den Muen Lldvisory Council hat in jüdischen Kreisell^allgemeine Unzufriedenheit erregt. Man weist darauf hin, daß sich der neue Staatsrat aus zehn Arabern (acht Moslims und zwei Christen) und zwei Juden zusammensetzen

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