Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1546 (3.6.1923)
- Date
- 1923-06-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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v Ät. WM Wien, Sonntag ' j ■ i— ' .1 . - _ » 1—»— Bühne und Kunst. Bolksober. Lk-T-auWÄHruw «g von Hans Du Hans Singspiel „Mozart". Es ist in den letzten JcHren Mode geworden, berühmte Komponisten thoatevmWg einzurichten. Es tverden entweder ihre gangbarsten Melodien bühnenmäßig verarbeitet — wie in dem im Operntheater gespielten Ballett „EhoPinS Tänze", oder in der nach Dschaikows-ky-MeloVien zusammengestellten „Siegerin" —, oder aber der Tondichter selbst wird der Held eines ans seinen Melodien zugeschnittenen Theaterstückes, wie etwa Schubert im „Drermäderlhaus" oder Offenbach in der gleichnamigen Operette. Aehnlich war auch das anmutige Singspiel ,Mozart auf der Reise nach Prag" gearbeitet, das gelegenÜich der Eröffnung der Wiener Messe in der kurzlebigen ,Mrrmwvoper" zur MffiWung gelangte. Auch Duhans Singspiel bringt Szenen aus Mozarts Leben, das AkLus Wilhelm und Paul Frank mit f$j« weit gehwder poetischer Freiheit und geringem dichterrfchem Geschick in zwei Akten und einem Nachspiel zu formen versuchen. In Versen, die mchr schlecht als recht smV, wird das Erwachen von Mozarts Liebe zu seiner Stanzi, der Triumph der Don Juan-Uraufführung und der frühe Tod, mitten in der Arbeit an seinem Requiem, vorgeführt. Hans Du-han, der vielseitig begabte Opernsänger der auch als Komponist, und Dirigent ganze Arbeit leisten möchte, hat sich nicht mit der Zusammenstellung Mozartscher Melodien begnügt, sondern war bemüht, sich in den Geist und in die Zeit Mozarts einzufühlen, und hat auf dieser Grundlage eine eigene, keineswegs imponierende, aber gleichwohl sympathische Musik geschaffen, die bei glücklicher Wahrung des Äugspielcharakters melodiöse Nummern bringt: Mit Geschick sind Mozartsche Motive aus dem Weilchen" und namentlich aus dem Requiem in die Musik einverwoben. Die feierliche Einleitung zum tragischen Nachspiel, das ehrgeizig über das Singspiel himmsstrebt, bestätigt neuerlich Duhans starke musikalische Empfindung, auch das mit sicherer Bühnerchand geformte Duett zwischen Mozart und Aloysia Weber, das nach einer alten Vorlage gearbeitete Lied, die nette Nachahmung des Salzburger Glockenspiels, und manches artige Sätzchen, werden in ihrer Einfachheit und Anspruchslosigkeit fcem edlen Sauger neue Freunde werben. — Vergleiche mit modernen Opernkompouisten sind natürlich müßig; Duhan selbst weiß ja am besten, daß ihm die enünente Technik der Jetztzeit in Satz und Instrumentation nicht eigen ist, doch er strebt nicht mchr als ein einfaches Singspiel an, und dieses Ziel ist erreicht, mag auch der Mozartton nicht durchwegs festgchalien sein. Der Löwenanteil an dem ungemein herzlichen Erfolge gebührt dem Komponisten, der seinen Mozart selbst veäörperte. Seine weiche Stimme klang in der kleineren Bolksoper noch üppiger, als.im Operntheater, und mit erschütternder Innigkeit spielte er die Sterbeszene. Sehr schön und teilnahmsvoll sangen Frau Wagschal und Frau,B öch in das Geschwisterpaar Weber, Herr Kurt h nffnrte mit allem Pathos den eitlen Komödianten Lange, Frau GrieLl und die Herren Lager, Fälbl, Pnntschart, Dr. Lorenzi und Dr. Krögler befriedigten in kleineren Rollen. Dem Komponisten sei sein Erfolg herzlich gegönnt. Es erübrigt nur die Frage, ob die Aufführung eine künstlerische Notwendigkeit war. Die Volksoper schwankt ziellos und führerlos umher, und doch gibt es zwischen Holbrookes „Kinder der Don" und Duhans „Mozart", zwischen dem Ueber-Mnsikdrama und. dem PrinMven Singspielchen noch die goldene Mittelstraße der Spieloper, die man in letzter Stunde beschreiten sollte. Erwin Falber. „Erde" l« der Exl-Mhne. (Apollo-Theater.) Die Aufführung von Schönherrs „Erde" durch die Vxb-Leute, oft gesehen und besprochen, ist innner wieder anziehend. Hier liegt geradezu ein Schulsall vor, wie eine Ausführung weit echter sein kann als das aufgeführte Stück. Eduard Köck und Anna E x l bringen das zustande. Kocks alter Grutz spricht schon Lärchenholzspane, und jede seiner Bewegungen ist zäher Lebenswille. Man vergißt über dieser Gestaltung das ausgeklügelte Gerede, das der Autor dieser Figur in den Mund gelegt hat. Anna Exl als Mena ist in jeder Gebärde die verkörperte Sehnsucht nach Verwurzelung. Ferdinand Exl, Ludwig Auer und Mimt Gstöttner runden die Aufführung trefflich ab. In einer Episode lacht Josef Hauser ein so rhythmisch schönes Lachen, daß es ein Begnügen ist, es anzuhören.' Es klingt viel reiner als die Don Juan-Ouvertüre, mit welcher das Hausorchester überflüssigerweise den Abend einleitet. Das zahlreiche Publikum spendete der ausgezeichneten Anfftihrung reichen Beifall. ' S. Der „Ring"--Zhklns im Opernthvatsr. Di« geM-ossenen Aufführungen von ,Mer Ring des Nibelungen" im Opernth-eateir finden in der Zeit vom 1b. bis 34. b. statt. Für diesen Sonderzyklus wird bei gleichzeitigem Bezug für alle' vier Vorstellungen von Logen, Parkett- und Parterresitzen, eine zehnprozenitige Ermäßigung vom Kassenpreis zugestanden. Der Verkauf für diesen Sonderzyklus (auch Galeriefitze), jedoch nur für alle vier Abende Kusamwen, 'findet an der Kasse der Bundescheater, 1. Bez., Brännerstraße 14,1. Stock, an Wochentagen von 10 bis 2 Tlhr, wie folgt statt: Von morgen Montag, bis Mittwoch den 6. d. nur Kr Jahres- und Stammsitz- Leu Zt-k M Mittwoch beot Wiener Morgenzeitung. 3. Juni 1923 Seite Honbort Roth Wien, VH., Mariahllfersivasse 88 a (Zlftahoff) Telephon 35-1-81 , 24t 16. d. allgemeiner Vorverkauf. Beginn des V'^kaufes der restlichen -Karten für Einzelabende zu geüvühnlichen Abendpreisen wie Mich zwei Tage vor der betreffenden Vorstellung. Operetten festspiele im Belhederepark. Direktor Benno Lie veranstaltet im heurigen Sommer auf der Festspiellbuhne im Belvederepark Op-eret tenfestspiekte unter Mitwirkung der besten Wiener Qperettenlkräfte. Dm Reigen bie« ser Opcrcttenfcstspicle eröffnet „Die Geffha" in prachtvoller dekorativer Ausstattung. Die erste „Geifha"-AuMhrung findet am Donnerstag den 14. d. statt. Die Kartenausgabe beginnt morgen in der Konzertdirektion Benno Lie, 3. Bez., Hauptstraße 1, 1. Stock, Tel. 9577, in der Schloßvevwaltung des BelverdereS und bei Kehlendorfer. Pepl Steidler, einer der letzten Vertreter echten Alt- Wiener VoMshmnors, ist in Not und Elend gestorben. Seine harmlos frischen Klapphornverse und gemütvollen Coupletvorträge fanden im Wien der Bars und Nackttänze längst keinen Zulauf mehr. Die sich des Steidler der Vorkriegszeit erinnern, werden dem trefflichen, urwüchsigen Gesangsfondfer ein dankbares Andenken bewahren. Steidler, der ein Alter von 78 Jahren erreichte, verbrachte die letzte Zeit seines Lebens im GuMPendorfer Klosterspital. statt ,-Mozart" Figaros Hochzeit" zur Ausführung. Beginn 7 Uhr. Wochenspielplan -der Volksopcr. Heute, halb 3 Uhr: „10 01 Nacht"; halb 8 Uhr: „Mozart". Morgen, halb 8 Uhr: „Ein Maskenball". Dienstag den 5. d., halb 8 Uhr: „M o z ar i". Mittwoch den 0. d., HM 8 Uhr: „Cavalleria rusticana" — ,/Der Bajazzo". Donnerstag den 7. d., 7 Uhr: ,Figaros Hochzeit". Freitag den 8. d., halb 8 Uhr: M ozart". Samstag den 9. d., 7 Uhr: „Die Fledermaus". Im Deutschen Volkstheater beginnt morgen um HM 7 Uhr mit Goethes „Faust" der volkstümliche Zyklus. Die' Besetzung der Hauptrollen ist die folgende: Mephisto — Herr Direktor Bernau, Faust — Herr Klitsch, Gretchen — Frau Danegger. Wiener Komödienhaus. Heute um halb 8 Uhr abends findet die Erstaufführung der Tragödie „S u m p f" von Hermann Heinz Ortner statt. Die weiblichen. Hauptrollen spielen Alice Hetsey und Nelly Hochwald vom Deutschen VoMscheater. Morgen gelangt dieses Stück zur Wiederholung. Dienstag dm 6. d. gehen ,D i c M a s ch i n e n st ü r m e r" von Ernst Toller zum erstem Male in Szene. Inszenierung Karl Heinz Martin. In dm K am m e r s P i e l e n eröffnet Dienstag den 5. d. Erika Gläßner in dem Lustspiel „Lissy, die Kokotte" ihr Gastspiel. Im Rahmen der Nachtvorstellung findet am Mittwoch den 6. d. die Premiere von „Fischers musikalischen Komödien" statt. Das Premierenprogramm ist folgendes: „Johann, der muntere Seifensieder", ein Liederspiel nach dem Hagedornschen Gedicht; ,/Das alte Lied", die Geschichte eines Notenffmdes von Wolfgang A. Mozart; „Ein Roman in der Waschküche", Mustek von Karl Ditters von Dittersdorf. Die musikalische Leitung hat Dr. Erich Fischer. Johann Stra nß-Th eater. Dimstaig: 160. Aufführung der Operette ,/K a t f a, die Tanz e r i n". Wiener B ü r g e r t h e a t e r. Dienstag: 50. Aufführung der Schwankoperette „Der ledige Schwiegersohn". Das Gastspiel Rosy Werginz wurde verlängert. Gustav Mahlers Achte Symphonie wird zur einmaligen volkstümlichen Aufführung im großen Schönbrunner Schloßhof am Sonntag den 17. d. von der ,Miener Tribüne", Konzert-, Theater- und Verlags-Ges. m. b. H., vorbereitet. Kapellmeister Klemens Krauß von der Staatsoper wurde eingeladen, das Wer! zu dirigieren. Außer dem besonders verstärkten Wiener Symphonie-Orchester, hervorragenden Solisten und dem Gesamtchor der Staatsoper sollen alle führenden Wiener Chorvereine an der Aufführung teilnehmen. Das Erträgnis derselben wird dem Sammeltag der Wiener Rettungsgesellschast zugcwendet. Antisemitische Exzesse in einem Bukarester Theater. GelegeMich der Aufführung eines Stückes des liberalen rmnänischen Historikers Pros. Jorga im Nationaltheater zu Bukarest veranstalteten antisemitische GtUldenten große ÄärmMnen. Zuerst richtete sich die Demonstration gegen Prof. Jorga selbst, wegen seiner bekannten Haltung in der N u m e r n s claus u s- Fr age, sodann demonstrierten die Studenten auch gegen einen mrtwffkenden jüdischen Schauspieler. Aus den Zhentem. Bnrgtheater. Morgen, 7 Uhr: ,Judith" von Hebbel. Dienstag,- 7 Uhr: „E i n.e n I u x w i l l e >r s i ch mache n". - Akadem i e the a t c r. Dienstag, HM 8 Uhr: ,/Der Kreis", Komödie von W. S. Maugham. Volksoper. Heute, nachmittags HM 3 Uhr: ,^.001 Nacht"; abends halb 8 Uhr: Mozart". — Zufolge Mänderung des Spiolplanes gelangt am Donnerstag den 7. d. DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung Täglich Pretiosen; jeden Dl Silber und Chinasilber, jeden Ml Brillantenu. Perlenschmuck im Franz-Saal. TäpIlohGebrauchsgegsnständeini Rössleru. Kolowrat-Saal, ferner von 1/13 bis 1/.7 .Uhr im Ludwigstorff-Saal und speziell Joden Mi, V-3 Uhr, Photo-Apparate, Fer ngt&8er,~ Optik, Schreibmaschinen; Fr 8. VI. 1/*3 Uhr Jagdwaffen, Sportausrüstung, Fahrräder, Pelze; fr 15. VI. iU3 Uhr Musik-Instrumente, Musikalien im Lndwi gsto rff-Saal. Jeden Do im Franz-josef-Saal: Schone Möbel, Persortepptohe, Kunstgewerbe; jeden Di im Dechau-Saal, jeden Fr im Hoch- Saal: üemälde, Kunstgewerbe, Teppiche, Antiquitäten; jeden Di und Fr im Glashof Möbel, Kassen, Luster, Bilder, Hausgeräte, Eiskasten. Täglich auchFeiertage, mit Ausnahme Sonntag, 7 Uhr abends: Antiquitäten, Gemälde, Miniaturen, Perserteppiche, kunst* gewerbKcheLuxusgegenständeim Vergnügungspark, ehern. Venedig in Wien, im Prater. Mittwoch den 6. bis Freitag den 8. Juni 341. KUNSTAUKTION Holländische und italienische Gemälde des 17. Jahrhunderts, Gemälde Alt-Wiener Meister Aquarelle, Miniaturen, gotische Holzskulpturen, italienische Renaissancebronzen und Plaketten, Graphik (darunter zahlreiche Dürer -Originalholzschmtte und Austriaca). Eine Sammlung von Silberschmiedearbeiten der Barock- und Empirezeit, Kunstmobiliar des 18. u. 19. Jahrhunderts. Glaser, Keramik, Textilien, Teppiche. SCHAUSTELLUNG: HEUTE Sonntag bis Dienstag den 5. Juni 1928, von 10 bis 1/,6 Uhr an Wochentagen, von 1Ö bis 1 Uhr am Sonntag Mi 13. VI. Chlna-Japan-Auktlon: Möbel, Teppiche, Malereien, Lackarbeiten, Bronzen, Antiquitäten, Elfenbeinschnitzereien,Ostasiatica im Karl-Saal. Do 7. VI. bis Sa 9. UJ. Silober, Do 14. bis Sa 16. VI. Bibliothek, Dr. Witting im Eminger-Saal. Jeden Di und Fr Briefmarken, VI., Mariahilferstrasse 73. Mi 6. bis Fr 8. VI., 9 Uhr vorm.: Grosse Mengen unbezoge ner Zollgüter am Zoltoberaml Magazin I, III., Hintere Zoll amtsstrasse. Ausführliche Verzeichnisse im Dorotheum, Korn missionszimmer I. Jeden Mi Technische Auktion Maschinen, Werkzeuge, Motore, Armaturen, Autobestandteile, VIII., Feldgasse 6—8. TäglichScliausteUungen ab xUhr Beginn der Versteigerungen afc jUhr Nälteres i. d. „Mitteilungen"». „Nachrichlenblättem" d, Dorotheums Literatur. Eli Elkana: „Sonette", Verlag Martin Salzmann, Dessau. Glatte konventionelle Verse ohne dichterische Eigenart, mit reichen Aicklängen an jüdische Vorstellungen und Begriffe, die freilich nicht imstande sind,^ zu ersetzen, was hier an wirklich Dichterischem fehlt. Das Büchlein liegt in zweiter Auflage vor, hat also anscheinend sein Publikum gefunden. —en—. «erichtssaal. Ueberfall mit der Hundspertsche. Vor dem Strafbezirksgericht 1 (LGR. Dr. Jelliuek) wurde gestern eine unerquickliche Ehegeschichte «msgerollt. Dr. Emil Hofmannsth-al war angeklagt, weil er im Hotel Bristol am 12. April den Pudapester Fabrrksdirektor Rudolf Gyarf»s mit einer Hundspeitsche mißhaudekt hatte und gegen den Kläger gefährliche Drohungen ausgestvßen haben soll. Gyarfas hatte-dem Dr, Hofmannschal, der kurz vorher geheiratet hatte, einen beleidigenden Briest gchchneben. Dr. Hofmannschal, der überzeugter Duellgegner'ist, haberdrefesSchreiben für eine Herausforderung zum ZwerkaMpf gchalten, worüber er so.i erregt war, daß er Gyarfas in seinem Znnmer im Hotel auffuchte und mit der Hundspeitsche schlug. Zu dem Budapester Rechtsanwalt, Dr. Bela M o r, der nach:der-Szene herbeieilte, habe Hofmannschal geäußert, wenn er nochmals Anlaß haben werde, zu Gyarfas zu kommen, dann werde er ohne Peitsche kommen. Diese Aeußevuügchat -Gyarfas als g-efäch-rliche Drohung aufgefaßt und Dr. Hoftnanwschal verhaften lassen. Bei Dr. Hofmannschal wurde ein Revolver und ein Totschläger gesunden, .die er, wie er beüder- Polizeiangab, zu seiner persönlichen Sicherheit bei sich trug. Die Anklage lautet auf leichte Körperverletzung und Uebertretung 'des Waffenpatents. Als Verteidiger des Dr. Hyfmaunschal interveniert Dr. Ludwig, Herzbe^g-Fr-ä-wde-l, als Vertreter des Privatklägers Dr. Leopold Kcrtz. Dr. Hofmannschal war persönlich erschienen. Der Privatbeteiligte ist abgereist. Dr. Hosmannsthal gibt die Mßhandlung zu. Auf Beftagen des Richters gibt Dr. Hofmarmschal über das Motiv an, seine Frau, eine geborene Gräfin Seherr-Thoß stand vollkonrmen unter dem Einfluß des Dr. Mor. Meine Frau war die glücklichste Braut, bis dann der unheimliche Einfluß sich geltend machte. Gyarfc^, der Schwager Mors, suchte sie wieder an Mor zu fesseln. Mor hatte ihr nahegelegt, noch am Hochzeitstage zurückzutreten. Mor verkehrte immer bei mir, ich habe unbegrenztes Vertrauen zu ihm gehabt. Zwei Tage vor der Hochzeit besuchten mich Mor und Gyarfas in meiner Loge. Am 9. April erklärte die Braut, daß wir die Hochzeit verschieben müssen, weil Mor erneu Selbstmordversuch begangen habe. Am 10. war die Trauung. Meine Frau sieht Dr. Mor auf der Straße. Das Gepäck meiner Frau war nicht da. Ich stelle die Frau zur Rede, sie sagte: „Ich gehe noch heute zu Dr. Mor." Ich erklärte, meine Frau könne noch jetzt gchen. Ich habe Gyarfas auffordern lassen, mir Aufklärungen zu geben. Er kam nicht, schickte eiyen beleidigenden Brief, der mich aufs äußerste reizte, worauf ich ihn züchtigte. Ms Befragen des Verteidigers erklärte Dr. Hofmannsthal, daß er den Eindruck hatte, daß feine Frau nach der Trauung entführt werden sollte. Der Vertreter des Herrn Gyarfas hob hervor, daß die von Dr. Hofmannsthal gegebene Darstellung den Tatsachen ' nicht entspreche und daß sein Klient den größten Wert darauf lege, in öffentlicher Verhcmdlung als Z e u g e vernommen zu werden. Dr. Herzberg-Fränkel führte aus, daß nach den ganzen Umständen des Herrn Gyarfas das Verbrechen der verfuchten EntfüchrMng vorckiege und erklärte, daß er in dieser Richtung binnen acht Tagen ausführliche B e w e i s a nträge schriftlich stellen werde. Der Richter beschloß, die Verhandlung zur Einvernahme des Herrn Gyarfas als Zeugen zu