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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-02 · Heft 1545 (2.6.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1545 (2.6.1923)
Date
1923-06-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1645 Wim, Samstag Wiener Morgenzeitnng. 2. Juni 1923 Seite ffi caich atnlb Ungarn .fite die -Zeit, die bis qur IiÄrafliseWna der dltrch die Konvention vom 3. AuMt 1920, bezw. 81. Jänner 1W1 vorgoschenen Abkonnnen «wischen Frankreich -und Ocster- >roich emeÄs-erts und Frankreich und Ungarn andererseits verflossen ist, fchullidig gelbl-ioben worden sind. Der Nachlaß an dem Vlnjlpvuch des Staatsschatzes darf keinesfalls größer sein als jener, der in jedem einzelnen Fall von französischen Titres-iühabcrn an der ihnen Mlftohenden Kapi-talsfordernnf? gewährt worden -ist. Die bei der Neaeluna der obiqen Frage eiiMränntenden Fristeil dürft u. die in den obgenannten Konventionen für die Regelung der Fra-lrkenfchnldeir vorgesehenen (für österveichische SclMdner fünf Jahre) nicht überschreiftn. Die dem Staatsschatz ^ukormnenden Gööi'chreu sind jedenfalls in Barem M entrichten." I>lt seinen: den Gefttzcnt«wuvf befürwortenden Bericht benrerkt -der Deputierte K-andry. daß die mit fitr-istischen Persvrren in Ocsiorreich «und Ungarn a>bgesch.losse.nen Uebmeinkomnten den srm^öfischeil Akt-ieitbcisipern bedeutende Opfer anferlegen. Der gegeziwärt-ige Entwurf gestehe nun den austvärtigen Schulldern bill-rge-rweise Fristen zu, wodurch es ithnetr ermöglicht werde, ihre Werpflichtnu.gen -einzulhalten, und konmne somit den allzn oft lzeimgesuchten -französischen «Sparern zugute. Er sei aber eulch für der: Staatsschatz vorteilhaft, denn wenn dieser die iga-nze Schuld eintrciben wollte, würde er in einzelnen Fällen Gefahr taufen, den Schuldner zn Gr-n-nde zu richten und alles -zu verlieren. Wiener Börse. Weim sich das Geschäft an der gestrigen Börse in engen Grenzen hielt, so war dies der bevorstehenden Prolongation und der Kveitägitgen Berkehrsunterbrechung zu-zuschreiben. Die Grum-dstimmmrg des Marktes jedoch war fest. Im Vordergrund des Interesses standen Ban-kenwerte, welche durchwegs Erhöhungen autfIuweisen hatten. So stiegen Oesterreichische KrÄrtaktien um 8000 K., Unionbazck um 26.000 K., Ban-kvovein um 8500 K. Die Käufe in österreichischen Hofhcrr wurdest weiter fortgesetzt. Dagegen litten ungarische Werte unter Buldaipester LDg-ciben. Cs verloren Riutamurany 12.000 K., SaLgo-Kohlen 91.000 K. Auch Staatsbahnatktien gäben ur.-ter GewmnrealisattoMn im Kurse nach. Im Schranken waren Bankenwerte gefragt und höher, wogegen Färbe re iaktien 70.000 K>, Schotdnica 55.000 K., Austria-Emmail 20.000 K., Hutter und Schrantz ur.d Bvünner Maschine« je 10.000 K. billiger erhältlich waren. Die Aktien der ZirMoalKverte waren für Prager Rechnung lMzast begehrt und erzialten dne neuerliche Kursävance von 350.000 K., Graz- KWacher verließen den Markt mit einer Steigerung von S6o000 K. Der Gofamtvevkchr nahm bis zum Schluß keinen größeren Umfang an. Be zu gL rechte: Oesterr. Industrie und Handel 610, Bäteiüä'Msche Bau 21.000, Vereinigte Drogen 6500, Kroatischer Zucker 880.000, Semperit 75.000. Auf dem Awlagewarkt gingen sowohl die österreichischen Rmten als auch die tschecho-slowakischen EisenbahnvWgationon Wer. - Von den Exoten notierten: Oest. Anzeiger'-Ges. 63.000, 'Jrwg A3.000 Ms 360.000, EvM 12.500 bis 14.000, Schubert und Ko. 18.000 bis 19.000, Universale 30.000 bis 31.500, Steir. Bramckchle 19.000 bis 51.000, Wiener Warenbörse. (EWBevicht der „Mener Movgenzeitung".) An der gestrigen Warenbörse entwickelte sich allerdings ein lebhafter Verkehr, jedoch wurden Abschlüsse von Belang nicht bekannt. Allenthalben konnte man Zurückhaltung in der Kauflust beachten, nichtsdestoweniger erfuhren Preise keine merkliche Ab- Uwächung um Wachse tendierten um 600 bis 1000 K. schwächer. Ausgeboten wurden: Dachlack zu 2900 K., Aetz- ^atron 128/130 zu 6060 K., Chlorkalzium geschmolzen 70/75 (calc. carb. leb) zu 4350 K., Glyzerin 30» pharm, zu 2850 51., Gummi Cord, pro 100 Kilogramm zu 143 Schilling, französisches Harz W. W. zu 6800 K., inländisches Harz G. zu 5209 K., Knochenleim Rannersdorfer I» zu 15.500 K., Paraffin 50/52 in Tafeln transtt zu 6900 K., 62/64 Opak zu 6700 K., Pottasche 80/85 kalziniert zu 9800 K., Schellack T. N. or. zu 116.000 K. transit Wien und E. L. zu 85.009 K. transit,' Schwefelnatrium 60/62 zu 5500 K. transit Wien, Ammoniaksoda 96/98 zu 3200 K., Stearin in Tafeln zu 21.000 K., Bienenwachs gelb zu 38.500 K., Karnaubawachs zu 37.000 K., Japanwachs zu 26.000 K., Montan- Ivachs zu 4200 K., Soda kristallisiert zu 1250 K. ab niederösterreichischer Fabrik exklusibe Emballage, Weinsteinsäure zu 49.000 K., Salpetersäure zu 4450 K. O e l e u n d F e t t e. Die Tendenz blieb behauptet, nur Schweinefett pure lard Faßpackung ermäßigte den Preisstand um 30 Punkte auf 30.60 Dollar transit Wien nnd Kistenpacknng um 400 5t. auf 22.400 K. Sonst waren noch erhältlich techn. Kokosöl zu 17.900 K., Kokosölfettsäure 98°/» zu 16.400 K., Rindertalg 43/44° Ia zu 15.500 K., Sesamöl I. Pressung zu 21.600 K., Agmispeiseöl zu 18.600 K., 5tokosspeisefett in V» Kilogramm- Packung zu 19.000 K. Nähr-, Lebensmittel und Kolonialware n hatten einiges Geschäft in Kaffee, Tee, Gewürzen Reis, Kondensmilch und Pflaumen zu unveränderten Preisen. Kakao-Bohnen (Trinidad) wurden zu 24.000 5t. ansgeboten, ferner Kompotte 5000 ganze Kilogramm-Dosen, verschiedenartig sortiert zu 10.000 K. pro Dose. Zucker tendierte etwas schwächer, - Kristall ist um 10 Punkte billiger und Würfel um 15 Punkte schächer. Ersterer notiert 6.45 tschech. K., letzterer 5,65 tschech. K., 'prompt transit Wien, ferner notieren 5,60 tschech. K., resp. 5,80 tschech. K. pro Juli in Ganzwaggon ab Grenze unverzollt und unversteuert, Kristall ab Lager Wien ist um 109 K. höher und notiert 14.509 K.. Würfel dagegen schwächte sich um 200 K. ab und notiert 14.600 K. Leder. Die Preise blieben unverändert. Von Häuten schwächten sich Kalbfelle um 10.000 K. auf 145.000 bis '160.000 K. pro Stück ab, Rindshäute um 200 K. auf ,17.000 K., Kitzfelle befestigten sich um 500 K. auf 13.000 bis 14.000 K. je nach Gewicht und Größe. Die übrigen Gattungen blieben unverändert. Es notieren: Roßhäute 190.000 K. pro Stück, Schaffelle 32.000 K. pro Stück, Schafblößen 25.000 K., Ziegenfelle 40.000 K., Hasenfelle 15.000 K. . Zum öffentlichen Verkaufe gelangen am 5. d., 10 Uhr, Rebschoren, mn halb 11 Uhr 68 feine Herrenauzüge und um halb 1 Uhr 5 Ballen Korke. BaumwollmaM. Äew-Novk, 31. Mai. Baumwollzufuhren in den atlant. und Golfhafen 10.000, im Innern 2000, Ausfuhr nach Großbritannien —, nach den: Kontinent 5000. Lokalmarkt middling: 28.60 (vorgestern 28.99). Tendenz: kaum stetig. Termine r Juni 27.45, Juli 27.12, August 26.82, September 25.15, Oktober 24.63, November 24.38, Dezember 24.14, Jänner 23.80, Februar 23.77, März 23.73, April-.-.' Berliner Börse. S ch l u ß k u r s e: Türkische Lose 170.000.—, Oesterr. Staatsöchn 920.000, Nordd. Lloyd 140.000.-, Ver. Elbeschiffchrt 101.000, Berl. Handelsgesellschaft 265.000.-, Kommerz. Privatbank 36.000.—, Dannstädt. Bank 42.500.—, Deutsche Bank 62.000, Diskonto-Kommandit 48.500.-, Dresd. Bank 38.000.—. Nationalbank für Deutschland —.—, Oesterr. Kredit 72.000,—, Oesterr. Länderbank 70.000.—, Neichsbank 40.000.—, Wiener Bankverein 48.000.—, Wiener Unionbank 45.000, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 84.090.—, Bochumer Gußstahl 590.000;—, Daimler Mot. 35.000.—, Deutsch-Luxemb. 500.000.—, Deutsche Waffen u. Munition —.—, Dynamit Nobel 77.000, Felten u. Guilleaume 180.000.—, Gelsenkirchener Berg. 630.000.—, Th. Goldschmidt 168.000.—, Harpener Berg 785.000.—, Hirsch Kupfer 340.000.—, Höchster Farben 76.000.—, Hohenlohe-Werke 177.000.—, Laurahütte 220.000.—,. Mannesinnnnröhren 600.000.—, Phönix- Bergbau 421.000.—, Schuckert u. Co. 360.000.—, Siemens n. Halske 490.000-, Telephon Berliner 45.000.-. Prager Börse. Prag, 1. Jnr/i. Der Verlauf der heutigen Börse war unter dom Einfluß von Decknngs- sowie spskulativen Käufen rn Jndnstriepapieren ziemlich lebhaft. In Transportuntornehinvngen befestigten sich Nordbahu-, Buischtichraderunld Dux- Bodenbacher-Mtien. Heimische Banken lagen fast unverändert. Wiener durchwegs fester. Türkenlose gaben im Kurse nach. Auf dem Anlagemarkt machte die Steigerrvnig der Staatspapiere weitere Fortschritte, ebenso waren auch die übrigen Landes- und Stad tan leihen unverändert fest. Von Exoten stiegen Solo myb Schönpriefener Papiere. Das Geschäft ivar ruhig, die Schlußtendenz fest. S ch l u ß k n r s c t Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franke« 265.—, Böhm. Unionbank 368, Böhm. Eskomptebank 357.—, Böhm. Jndustrialbank 424.60, Zivnostenska Banka 346.60, Anglobank —, Oesterr. Kredit 86.—, Wiener Unionbank 81.—, Wiener Bankverein 61.50, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A 475.-, Lit. B 188-, Ferdinands-Nordbahn 6400.-, Prag-Duxer —, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1330.— Nestomitzer Znckerindustrie 1076.—, Vereinigte Elektrizität Wien 114.—, Brosche 865.—, Koliner Spiritus —.—, Königshofer Zement 940.—, Breitfeld-Danek —.—, Ninghoffer 628.—, Simmermger 99.—, Rothkosteletzer Textil 281.—, Alpine Montan 295.59, Poldihütte 450.—, Prager Eisen 998.—, Oesterr. Berg u. Hütten 1700.—, Skoda 478.—, Jnwald 560.—. BuÄatzester Börse. Budapest, 1. Juni. Die heutige Börse erWueke be!r leb» haiftem Verkehr mit höheren Kursen. Später kanr >aber infolge «des konunenben Versorgungstages viel Ware auf den Markt, wodurch die Tendenz eine flaue wurde und die anfangs erzielten Gowinne wiÄier verloren gingen. Nur BanLpaplere konnten sich bis zum Schluß halten. Kohlennnd Montan- Papiere lagen still, Arbitrageüverle vernachWffigt. Ans dem gemischten Markt herrschte Geschästslosigkeit vor. Der Cifenmarkt verkeihrte zwar etwas lebhafter, doch gingen auch hier die meisten Papiere zurück. Die Stimmung des HolMnarktes war schwach. Die Schlußtendenz war flau. Schlußkurser Ung. Kredit 47.750.—, Oesterr. Kredit 15.400.—, Vritisch-Ung. Bank 7400.—, Salgo Kohlen 112.000.—, Rimamuranyer, 27.700.—, Südbahn 17.250.—, Staatsbahn 95.000.—, Gran-Szaszvarer 73.000.—, ' Oberungarische Kohlen 114.000.—, Drasche-Ziegel 45.000.—, Ungarische Allg. Kohlen 374.000.-, Urikany Kohlen 212.000, Adria 92.000.-, Clotilde chem. Fabrik 19.600—, Ung. Effenbähnverkehr 4660—, Anglobank —, Verein. Holz 3000.—, Koburg 15.000;—, Spodium 42.000.—. _ Die Jevisenütrse. Berlin, 1. Juni. (Devisenkurse.) — Amsterdam 29.127.- (27.032.25), Belgien 4154.60 (3915.18), ChristiMia 12.369.- (11.371.50), Kopenhagen 13.765.50 (12.768.-), Stockholm 19.800- (18.354.-), Italienische 3491.- (3291.-), London 343.638.- (319.200.-), New-York 74.563.- (69.326.26). Paris 4862.50 (4663.56), Schweiz 13.566.- (12.478.76), Spanien 11.396.—(10.423.87), Wien 106.73 (97.95), Prag 2254.- (2079.78), Budapest 13.71 (12.71), Sofia 827.50 (738.16), Belgrad 877.50 Berlin» 1. Juni. (Notenkurse.) — Noten Dollar 74.164- (69.426.-), Pfund 841.893.- (323.190.-), Italienische 3566.- (3266.80), Polnische 129.75 (177.50), Tschechoslowakische 2244.— (2077.75), Oesterr. gestempelte 103.70' (96.50). Prag» 1. Juni. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Vankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 4.33 (5.40), Zürich 601.75 (599.75), Paris 219.75 (224.25), London 164.87 (154.87), New-Aork 33.80 (33.80), Belgrad 38.25 (37.-), Bukarest -.- (-.-), Wien*) 4.60 (4.61), Warschau 6.45 (5.60), Agram —(—.—), Budapest*) 62.75 (63.50), Jugoslawische 38.37 (36.75), Oesterreichische gestempelte Krone 4.65 (4.61), Polnische 5.55 (5.50), Ungarische 50.60 (48.-). *) Für 10.000. Copyright 1023 Nachdruck verboten. byR.LttwitVorlag,Wlwrfielprig. (1. Fortsetzung.) 3« Polens Wäldern. RvMM von I. Opaloschu. AuiorisieviLM6eÄrMgungaus>de.m Füdisäwn von Siegfried S-chmitz. Die festen, braungebrannten Fischer, die mehr als einmal dem Tod ins Auge geblickt hatten, hausten zwischen Wasser und Wald, große Kinder, die die Sprache der Kinder sprachen nnd mit jeder Welle, mit jedem Geräusch des Messers reden tonnten. Die Fischer bestiegen ihre Kähne, warfen den gerösteten -Weizen ins Wasser und horchten. Und ivenn die Weichsel Blasen zu werfen begann wie siedendes Wasser, da waren sie sicher, der Fang würde gut fein. Zufrieden richteten sie die Netze zurecht und spitzten scharf die Ohren. Das Rauschen ivurde stärker — Scharen kleiner Fischchen jagten vorbei, fest aneinandergepreßt, wie die Schuppen eines Silber- Panzers; sie verschwanden und kameir wieder. Hungrige Hechte, dicke Karpfen und Schleien mit offenen Mäulern jagten ihnen nach. Langsam ließen die Fischer die Netze ins Master und immer wieder zogen sie cuis den Stiefelschäften die bauchigen Branntweinflaschen, wärmten sich und träumten. Sie träumten von Irrlichtern, die des Nachts auf dem Wasser leuchten nnd fot und dort aus dem Walde blitzen wie Wolfsangen. Sie lvaren überzeugt, 'das seien Schätze — Maudas Schätze. Einem Irrlicht folgen darf man nicht — es verlockt und führt irre. Wem: die Weichsel unruhig wurde und Falten warf, die im Mondlicht anssahen wie grüne Eisblöcke, da beteten die Fischer 'wie Kinder zu chr und baten sie wie eine Mutter, sie möge Mtlerd halien und aufhören, böse zu sein. Ilnd wenn das Wasser nicht ruhiger ward, da warfen sie Wanda einen Wolfszahn nach dem andren zu und verankerten alle zusammen die Kähne am Ufer. Dort zogen sie die Tonpfeifen '^hervor, spuckten ins Wasser und hörten zmn hundertsten Male von den alten Fischern, daß der Fa>ng von Jahr zu Jahr schwächer werde, daß Wanda gar listig sei, daß die Weichsel zerschnitten wurde und die Zeiten von ehemals nicht mehr da seien, da die Mcher frei wie Vögel über das Wasser flogen. Dort im Wasser taucht Wanda in die Nacht empor. Sie erhebt sich, hüllt die Weichsel ein und klagt vor ihren Kindern, daß man ihr Wasser verunrelmgt. Daß fremde Menschen wie Heuschreckenschwärme gekommen seien und daß sie es eng habe — die jungen Fischer löschten die Laternen, spuckten in die Fäuste, faßten die Ruder fester und glitten über das Wasser wie über den Rücken Zeines biegsamen, großen Tieres. So stahlen sie sich heimlich in die Staatsgewäster, wo der Fang bester!var. So lebten die Fischer seit uralten Zeiten, fern von menschlicher Siedelung. Sie wuchsen wie die Eichen, mit slachshaarigen Köpfen, stahlblauen Augen, und wenn sie achtzig waren, hatten sie noch alle Zähne — grüngelbe Zähne, die aussahen wie moosbeiwachsen. Selten gingen sie in die Kirche, noch seltener beichteten sie. Einen Tag vor Ostern machten sie eine Sammlung untereinander. Jeder gab mit vollen Händen, und ihre Gaben brachten sie dem Pfarrer, daß er das Gebäck mit Weihwasser besprenge. Am Ostermontag gingen alle mit Kind und Kegel in großern Staat in den Wald, luden den ,/Pan Schreiber" zu Gast und führten mit großem Pomp eine Strohpuppe mit riesigen Augen aus gefärbten Eiern, zur Weichsel. Mordechais Sippe war fest übevz'eugt, daß die Weichsel ein Opfer verlange, und so stellten sie Jahr um Jahr das Bier zu diesem Qpferfesi bei und mit Gesang brachten die Kozker Chastidim zusanunen mit den Fischern Wanda ihr Opfer dar, indem sie die'Strohpuppe in der Weichsel versenkten. Kasiiiel 2. Mordechai und sein Vater. -Mordechais Vater Abmham wa-r zunr zweiten Male verheiratet. Er war ein Fünfziger, mittelgroß, breitschultrig, mit einem langen, angegrauten Bart, der bis zum Mrtl reichte; er gehrte zu den Juden, die ihr Geld nie m ■ einem Beutel trugen, fonderrr es in die Hosentaschen stecken, damit es klimpere und damit sie leichter und unt voller Hand eine Gabe reichen Wunen. Reb Äbrahanr lvar ein reicher Mann; die Leute sagten, er kömrte viel reicher sein, loenn er nicht fo „närrisch" tväre. Die adeligen Gutsherren, die in Abra-" Hains 'Nachbarschaft wohnten, flehten ihn direkt an, - er nröge ihnen das Getreide und die Wolleabnehmen, -doch Abraham kaufte nichts als hie und da ein Stück Wald. Und als er erfuhr, daß Schamai Schaft, ein Chastid aus der Stadt, ein Geizhals, der bei Wraham wochenlang aß und schlief und durch ihn in den Gutshöfen bekannt geworden war, daß dieser Schaft bei den Gutsherren auf ein Jahr voraus vom Feld weg kaufe, da Prügelte er ihn tüchtig durch, schrie, das sei Gotteslästerung und verbot Schamai das Haus. Schamai nahm die Prügel hin, als wäre nichts geschehen. Obwohl er schon damals reicher war als Abraham und schwere Tausender, besaß, kwch er dennoch vor ihm auf allen Vieren und sah zu ihm mit so ergebenen Angen empor wie ein verprügelter Hund. Abraham fuhr einige Male im Jahre nach Kozk. Wenn es sich traf, daß er unterwegs den Sabbat halten mußte, so führte er selbst den Sabbattisch und lud alle Ehastadim,mt, die es in der Stadt gab. Bei Tisch vermieden es die Kozker Ehastidmr in Abrahams Gegenwart, über die Thora zu sprechen. Denn sie «wußten, daß Abraham, obwohl er sich reuig von seinen schlechten Wegen abgewandt hatte, noch immer eine leichte Zunge habe, Späste liebe und sogar den eigenen Rabbi verspotten könne. Einmal hatte er während der Mahlzeit einen etwas einfältigen Chastid leise, aber daß es alle hören konnten, gefragt, warum RaM Mendele so viel Tarrten und Schloagevinnen bei sich habe, genau fo wie — es sei wohl unterschieden — der- Pfarrer im Dorfe. Diesen Vergleich wiederholte er emigenürle und lachte dazu, daß es dröhnte wie ans einem hohlen Faß. Die Chastidim, welche einen anderen Wsür sofort erschlagen hätten, lächelten verlegen über Abrahams Spöttereien. Sie schämten sich voreinander, genau so, als hätte ein Bauer einen dmmnen Witz vor Wischen Gelehrten gemacht. Gelahrte aber achten nicht darauf, denn sie wissen, daß es ein Bauer ist. So nahmen die Chastidim Abrahams Witteveien auf. Sie tvußten, er habe eine böse Zunge, aber von Natur aus sei er ein guter Wiensch mit einem Wischen HerM und gebe leicht Geld her. So taten sie, als hatten sie nichts gehört. Mit der ersten Frau hatte Abraham keine Müder gehabt. Wenn er gut aufgelegt war. und bei einem Glase Bw-nntwoin mit chastidischen guten Freunden saß, so erzählte er selbst, er habe seine „Erste" mehr als einmal betrogen und nrehr als ein Ehepaar in den kleinen Städten der Umgebung ha^ sich, seinetwegen beinahe jWden WM MWtßchWK joM), naaiiMi

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