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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-30 · Heft 1542 (30.5.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1542 (30.5.1923)
Date
1923-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ElazelniunnierKlOOO W i e h: Znm Abholen in der Expedition, II.,T aborstr. 1 -3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon, K600. Jugoslawien: Mon. Dinar 40. Polen: Mon. Mk.lS.000.D eu t s eh 1 a n d: Mon.Mark 15.000. Fr a nk r„ Belgien: Monatl. Frcs. 8 PMT Nachaahlungen bei Preiserhöhungen vorbehalten Nr. 1542 ♦ Wien. Mittwoch. 10. Mai 1923 Tscheche »Slowakei fisch ech. K 1«— Italien: Monatl. 10 lir< R u minie n, Bulgariel Monatl. 90 Lei bezw, Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administrator Wien, II., .Taborstrasse 1 —5 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16*301 TeL-Adr«: .Morgenzeitung' Wien Oesterreichisches Postspar« leassen-Konto Nr. 150.691 8. Jahrgang 3m Schatten des Hakenkreuzes. -y. Wien, 30. Mai. Der nation-alsozialistischen Partei Oesterreichs sind von der Regierung Räumlichkeiten zugewiesen worden. Bekanntlich sind nach der Antisemit,ensibel, aus der in Oesterreich alles von rechts bis links den politischen Elementarunterricht erhält, alle freien Räume von den Juden besetzt, die dem armen arischen Volk die Wohnungen wegnehmen. Diese Ueberzeugung ist so weit verbreitet, daß jede Debatte über die Wohnungsnot in Wien automatisch zur Judendebatte wird, in der sich der schärfste Antisemitismus austobt. Da aber Lügen kurze Beine haben, zeigt sich von Zeit zu Zeit die Wahrheit, und ein solcher Fall ist nunmchr eingetreten. Man erfährt offiziell, erstens, daß es freie Räume gibt, was bisher nur gerüchtweise herumerzählt wurde, zweitens, daß Regierungsstellen Wer diese Lokale verfügen, drittens, daß sie nicht an unterstandslose Ehepaare vergaben werden, sondern an eine Partei, und viertens, nicht im regulären Amtsgang, sondern im Auftrag eines Herrn Ministers, an eine Partei, deren Führer zun: größten Teil nicht Oesterreicher sind, also nicht den mildernden Umstand der Bodenständigkeit für sich geltend machen können. Es ist auch gar keine Partei im politischen Sinne des Wortes, sondern eine gegenrevolutionäre Truppe, die die Wirtschaftsordnung, die Staatsform und die internattonale Stellung der österreichischen Republik umwerfen will, und die ihr Ziel nicht durch geistige Argumentation, sondern auf dem Wege des Bürgerkrieges anstrebt. Es treffen demnach einige Momente zusammen, die der Gefälligkeit des verflossenen Handelsministers Kraft ein sonderbares Gepräge geben und wieder den Beweis erbringen, wie sehr das öffentliche Leoben dieses Staates von der Lüge.durchsetztest. . -v:^ Vv.'i Hat die hohe ' Behörde bei dieser Gelegenheit von den Nationalsozialisten Kenntnis genoinmen, so mußte; sie sich dieser Tage nochmals zu dem gleichen Akt entschließen. Sie hat in öffentlicher Erklärung vor der Annahme von Tausendkronenscheinen gewarnt, die mit dem Hakenkreuz geziert sind. Dieser Schmuck ist das offizielle Zeichen der Nationalsozialisten, mithin jener Partei, der der Staat Kanzleiräume zur Verfügung stellt. Der Mt über die Nationalsozialisten gewinnt also an Umfang und sein Inhalt ist für die Oeffentlichkeit nicht sehr erfreulich, aber sehr interessant. Es finden.sich darin Protokolle über Schießereien, über Schießinstrukttvnen, über Schlägereien, Ueberfälle auf Mische Passanten, Felddienstübungen und' so weiter, über die Wohnungszuweisung und den Geldnotenschmuck. Es fehlt darin nur eines: eine Darstellung der Meinung, die sich die Regierung von dieser Gesellschaft gebildet hat. Denn zu irgendeinem Urteil muß doch das Kabinett angesichts der ununterbrochenen Provokationen der Hakenkreuzler gekommen sein und es ist unmöglich, daß sie den staats- und ordnungsgefährlichen Charakter dieser Umtriebe weiter mit dem.Mantel der republikanischen Freiheit zudeckt. Eine Regierung ist schließlich auch dazu berufen, über die Reinttchkeittder politischen Sitten zu wachen, und die Reputation Oesterreichs, vor dem Ausland und vor der eigenen Bevölkerung, an deren Staatsempfinden eben jetzt wieder in der Anleihepropaganida appelliert wird, verträgt sich nicht mit der Duldung oder gar Unterstützung einer Agitation, die solche schmutzige Blasen wirst wie den Skandal im .Hauptverband der Industrie, wo ein Mörderfonds aufgedeckt wurde. Es macht nichts aus, daß die Antisemitenftontler auf ihrer letzten Versammlung die Unterstützung aus jüdischen Geldern bestritten haben. Sie haben sich wohlweislich gehütet, die Subventtonen aus der Kasse der Industriellen zu dementieren, in die ja auch jüdische Zuschüsse fließen. Freilich ist dies, eine Angelegenheit, die weniger die Hakenkrerrzler bettimmert als die Regiemng und die OeffentlichEeil, vor allem die jüdische, die in irgendeiner Form mit den jüdischen Hintermännern der Ritualmörder abzurechnen haben wird. Für das Judentum ist die Existenz solcher Elemente eine Sache der nationalen Ehre. Sie wird nur in dem Sinne politisch, als wir dieses Gelichter immer dort antreffen, wo es sich um den Widerstand gegen jüdische Forderungen handelt. Sie sind im Herzen und im Gefühl anti-jüdisch und entdecken ihr Judentum immer erst dann, wenn es gegen die Interessen des Judentums geht. Sie wollen keine Juden sein, sondern höchstens * Schützenden, die an Krethi und Plethi Prämien zahlen, damit die Hetze.nicht sie, sondern die anderen treffe. Die Agitation für .den Numerus clausus, für die Pp- Andauernde Mutzberatungen. fchaWche» Grundzüge. Festsetzung der ' " 7 und Wirt — Aue MarMmdebatte. Berlin, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Im Reichstagsgebäude finden fortgesetzt! Verhandlungen über die. Redigierung der neuen deutschen Note an die Alliierten statt. Der Erfolg -es heutigen Tages besteht in der Erzielung einer Uevereinstimmung zwischen der Arbeitsgemeinschaft bürgerlicher Parteien und der Reichsregierung bezüglich der neuen Vorschläge. Das Garantieangebot der Industrie soll demgemäß noch eine neue Formulierung erhalten. Vormittags hatte die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft eine Sitzung abgehalten, in der die einzelnen Frakttonen zunächst ihre Haltung zu der neuen Note resümierten. In der daraufhin stattgefundenen Debatte gelang es, eine einheitliche Auffassung aller bürgerlichen Parteien zu erzielen und infolgedessen konnte die Arbeitsgemeischast auf Grundlage der gefaßten Entschließung mit der Reichsregierung in neue Beratungen eintveten. In dieser mehrstündigen Konferenz konnte der Reichskanzler in großen Zügen die polittschen und finanziellen Grundzüge der abzusendenden Note feststellen. Diese sollen nun zunächst texttert und auch den anderen politischen Parteien zur Begutachtung und Stellungnahme vorgelegt werden. Jedenfalls ist die Situation nun einmal so weit.gediehen, daß schon k o nkreteU nterlagen für die neue Note vorhanden sind. Nachmittags trat der agrarische Neichslandbünd zu einer Konferenz zusammen, umhie. Möglichkeitett einer . Beteiligung -et deutsche« Dindwirtschast an der Garantteübernahme für die Reparationen zu erörtern. Im allgemeinen hat sich: der Reichsbund auf denselben Standpunkt wie der Reichsverband' der deutschen Industrie gestellt und ist bereit, sich an der Garantierung zn beteiligen, wenn kein Eingrifs in die Vermögenssübstanz von der Regierung unternommen wird. Der vom Reichstag eingesetzte Ausschuß zur Untersuchung der letzten Markkalaslrophe ist haute zu einer öffentlichen Sitzung im Reichstag zusammengetreten. Den Vorsitze stihäe der Abgeordnete Lange-Hegermann. Zu Beginn der Sitzung referierte Staatssekretär Schröder vom Reichs fmanzmmistermm zuerstüber die Maßnahmen, die zur Stabilisierung der Mark getroffen wurden und denen es zu veGanken ist, daß beinahe drei Monate lang der Dollar aus einem Niveau von 20.090 bis 22.000 gehalten werden konnte. Die ganze Maßnahme sei nicht im Zeichen der Währungspolitik gestanden, sondern es hatte sich um eine Kriegs maßnah me gehandelt. Bei dem immer mehr hervortvetenden Sinken der Müffchen Handels- und Zahlungsbilanz und bei dem starken Bedarf der deutschen.'Wirtschaft an Deviftn sei es jedoch der Reichsbank immer schwieriger geworden, einzugreifen, insbesondere als der geringe Erfolg der Dollarschatzanleihe nicht die erhofften Mittel brachte, die zu einer Weiterführung der Aktion nötig' gewesen wären. : V Sodann referierte Reichsbankpräsident Hatten st ein über die Stützungsaktion. Er stellte den Satz in den Vordergrund, man sei sich von vorneherein darüber klar gewesen, daß an eine dauernde Stabilisierung der Mark nicht gedacht werden könne. Es sei nicht denkbar, die Mark zu stabilisieren, so lauge die Voraussetzungen für das Valutaelend nicht beseitigt seien. Der geringe Ertrag der Dollaranleihe hätte das Vertrauen in den Wert der Stützungsaktton erschüttert.und das Mißtrauen des In- und Auslandes Hervorgemsen. Der Ausschuß vertagte sich dann aus unbestimmte Zeit. Die Stinnes-Patriöten. ■ - Be-M«, M.Mai. (Tel. der „Wr .Morgenzechmg".) Dtt endlich ihr Angebot für die Terlnahnve .an. den ReparattonsleWugen fevttggestellt und der Regiemng überreicht. Gie chollen' Vis zur'Höhe vpn 500 Millionen GokldrmuÄ für 30 Jahre sich verpflichten und sind bereit, von dieser. Summe zunächst 40 Prozentzu übernehmen. Sie verlangen als Gegenleistung für ihren Patriottsmns innere Wirtschastsreformen, unter anderem Anshchung der Krieg snnd Zwar-gswirtschaft, einschließlich miöglrchsten Abbaues der Au ßenhandelskout rolle, Umgestaltung der Steuergesetzgebung, insbesondere Hebung der Steuermoral, Erhöhung der Tariffreiheit, Schaffung eines Avbertszeitgüsetzes bei grundsätzlicher Ausvechtechaltung des Achtstundentages, . Entlastung der Wirtschaft von unproduktiven Löhnen. Dieses Angelbot hat in den demokratischen und sozraldsmokrattschen Kreisen den schärfsten Widerspruch erregt. Der „Vorwärts" warnt die Regierung, ans solche Vorschläge en> z-ugchen, Pokmare Wrt nach Stöffel. Paris, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenzerwng".) Der ^Temps" teilt mtt, daß Po in ca re der Einladung der ^belgischen Regierung folgend, am 6. Juni nach Brüssel abreisen werde, wo die französisch-belgische Reparationskonferenz stattsinden wird. Ae englisch-mUche« Sechandlmgea. London, 26. Mai. (Wolfs.) Der diplomatische Mitarbeiter der „Daily News" berichtet, Krass in habe gestern im Foreign Office eine, lange Unterredung mit Curzon gehabt, deren Gegenstand hauptsächlich die Frage der. Propaganda bildete. Krassin werde nunmehr nach Moskau eine Reihe von Forderungen übermitteln, die Vurizon weiterhin stelle. Lemobilisierung in der Mrkei. . London, 29. Mai. (Havas.) ,/Daily Expreß" meldet aus Konstanttnopel: Da die Orientkrrse als Leigelegt betrautet wird, ivetden 10 JahvesAasien entlasten werden. Eine stanzMche Konzesfio« i« den Dardanellen. Konstanttnopel, 28. Mai. (Havas.) Aus britischer Quelle verlautet, die türkische Regierung habe einer ftanzosischen EisenVühngesellschaft als G e g e n l e i st u n g für das Chester-Ub ko mmen gewisse.Eisenbahnkonzestionen . sowie Konzessioen für Kafenbauten in den Dardanellen angeboten. ' . grome, strr die Abweisung der jüdischen Optanten wird aus diesen Kreisen genährt und, wie sich nun zeigt, auch bezahlt. Dieses jüdische Antifemitentum, die Boll- Mung der Assimilatton, ist dem Judentum em «och Ae Lausamer Berhaadlungen. Festseßnng der türkisch-griechischen Grenze. Lausanne, 29. Mai. (Schweiz. Dep.-Ag.) Das -Sachverständigenkonntee der Konferenz- -einigte sich heute über die neue griechisch-türkische Grenze westlich von K a r a g a t s ch. Die neue Grenze' geht vom Dorfe Boznakoj bis Denitza-Teche zum Flusse Arda und der Dbaritza nnd ist elf Kllometer lang. Das an die Türkei abgetretene Gebiet hat einen Flächeninhalt von 25 Quadratkilometer. Die -Türken haben der neuen Grenze zugestxmmt, ebensg die Griechen, während der serbische Vertreter seine Vorbehalte noch einmal wiederholte. Gleichzerttg wurde ein Uebereinkommen über den bulgarischen TvanisttveMhr durchs griechisches mcd türkisches Gebiet ausgearbeitet mrd angenommen. Türkisch-amerikanische Konferenzen. Lausanne, 29. Mai. (Schrveizerische Dep.-Ag.) Dit türkische Delegatton teilt mit, daß offiziöse Verhandlungen zwischen Jsmet Pascha und Grew, sowie zwischen ben Sachverständigen der. türkischen und der amerikanischen Delegation eingeleitet werden, zwecks Abschlnstes eines neuen Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Die Verhandlungen zwischen der Türkei und Polen über den Abschluß eines Handelsabkomnrens und anderer Verträge nehmen einen günstigen Fortgang. weit bitterer Feind als das offene Hakenkreuztum oder der ntaskierte Judenhaß der Sozialdemokratte. Und darum kann es keine Schonung und kein Kompromiß in de«: Kaamps gegen diesen widerlichen Perrat gehe«. D5B

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