Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1540 (28.5.1923)
- Date
- 1923-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K 700 Wiens Zum Abholen in der Expecütion,ll4Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K M.00Y MitPostveraand fürWien u. : Oesterr. mpnajl. K 28.000 Ts ehep h<S-S 1 o wa ke!r Mon. K17..Un£arn:’Maa, K 600. Jugoslawien: Man. Dmar 40. Polen; Mon. Mk.lZ^OOP.Veutsehland: Mon.Mark15.0001 Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT Nache«thlunjren -MW b«r, PreweABhonyen Vorbehalten .MS lener Tsc«iiClw.8lopik«| tschech. Kl.- Rumänien, BuVg'arl^i Monatl. 90 Lei bfe^'lifceW^ S ch w V i z aas übrig* Ausland monatli^ Eipes. 3 Redaktionu. AdpMsrrjGoo Wieni IL, TqtzWchpWIHchH. Telephone: 44 jeL-Adr.: »Mpygwlhwg** OestmeichtKfoe» Konto Nr. 1 Men, Montag, 28* 9Raf 1928 VeMv, 28. ,M (DL. K, ,M. Movgen^erLmig".) Lie im: Schoße der ReichstetziMH ^efüMen Beratungen Wer die neue Rote, die als Antwort, ayf. den englischen PoWlag überreicht Iverden' soll, sind bereits, so tveit gediegen, daß Reichskanzler Enno darangegangen ist, sich mit den einzelnen ParteiMyern. darüber ins, Einvernehmen zu setzen,!! ob die von. derMichS^gierMg in Aussicht zenomnwnen neuen BoHchHgeHe 'BWgung und Unterstützung der Parteien finden. Die Reichsxegierung ist, tvie' Ihr Korrespondent erfahrt, diesmal' böstrÄt, weitestgehende Zugeständnisse pr machen. Zunächst ist eine Belastung des deutschen G ru n db es i.tz es. geplant,-mn derart den guten LMen - zur Beistellung realer Pfänder, zu geben. Nach den Intentionen der Regierung sofl durchdiese, in Gold stcherzustellerrde Hypo-theh.die, . , . . Räumung des Rrchrgebietes rchychk Werdens Indieschn Pirrcktt'hat Enno äber^aus Widerstand Lei den Deutfchnationalen gestoßen, . während.alle anderen'Parteien dafür warw.. Hier - scheint sich eine Kraftprobe der! heAsche« Parteien ooHuberecten.Zwischen D e u t s ch na t i o na l e u und So'züalbe.mokraten' gMn nämlich die Anisichlien LLer die zn gewährenden Psälcher -auseinander. Während Stinines-StreseMann.- gegen' die zunächst ihren -md der Junker Großgrundbesitz belastende Hypothek sind, und, füp', eine Erl ix cht erung d er Zwang s w ir.ts ch af t (!) eintveten, stellen sich die Sozialdem.okraten Viesern Ansinnen scha r f ent-;e g e n und., verlangen eine.;, ■; gut fundierte AvleMgaravtLe d^r Industrie, / " '"Die Sozialdemokratenhierbei die Ansicht, -aß es den ÄentschnaiwWen als' Vertreterdet 'Ochwtt-^' Industrie heute nur darum zn.tün.sst, die allgemeine Depression zur Aufhebung 'Mvisset sozialer Ermngenschaften,' i>arunter des Achtstundentages., auszunützen. Die Sozialzemokraten und ein großer Teil der Demokraten lassen )ie Meinung laut werden, Laß die Schwerindustrie sich schon jetzt um M ö g l i ch k e i t e n u m s i e h t, sich von rer Ersüllungsp olitik injoder Weife zn drücke« Deshalb sind die Verhandlungen Cunos mit den Parteiführern bisher ergebnislos verlaufen. Girre Aestdecung der gegenwärtigen Situation wird wohl erst, durch Sie Beratungen im Hauptäusschusse des R e i ch s Verbandes der deutschen Industrie erfolgen. Jedenfalls leidet die Fertigstellung der deutschen Antwortnote und dadurch die Herbeiführung einer Entspannung der Weltkrise durch die Parteizwistigkeiten im Innern, die es dem Kenner der Verhältnisse deutlich verstehen lassen, es den Dentschnatiomlen heute nur darum zu tun ist, zur Macht zu gelangen. Gestern nachmittags wurden.vom Reichskanzler in Gegenwart des AußeHM,inisters und d e S R e ich s w t r i fchaf t s m t n i st eietz Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie empfangen, ine der Reichsregierung mitteilten, daß hie Industrie bereit fei, eine Zusatzgarantie für eine Reparationsanleihe zu übernehmen.Beim Empfang.wurde besonders die Frage der praktischen Durchführung der. Garantieleistungen besprochen. . . . Die Konferenz mit den MinistelchMdente« der Länder, die nach Berlin eingeladen werden sollen, sobald die Besprechungen mit den -Führern der Reichstagsftaktionen beendet sind, dürste spätestens Mitte der Woche stattfmden. 8 Ueber den Inhalt des von der Regierung angeregten neuen Vorschlages wird bisher nur so viel bekannt, daß die deutsche Regierung diesmal eine Repa rat io nssumme in der Hohe von 40 Milkiarden Goldm a r k anbieten wolle. Die Vorschläge der Industrielle«. Berlin, 28. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgertzeitung") Ueber den Inhalt der vom Reichsverbande der deutschen Industrie ausgearbeiteten Vorschläge verlautet in paAa« mentarrschen Kreisen, daß die Industriellen sich zu einer Anleihe von 200 Millionen Goldmark unter der Bedingüng verMchten, daß die gesamte Zwangswirtschaft und die Aüßenhandelskontrv'lle aufgehoben Und die Verwaltung der ' Eisenbahnen nach Privatwrrtfchaftlichen Grundsätzen, durchgesichrt werde.- - ' Wie die ,-Welt am Montag" behauptet, sind in den letzten Tagen Vertreter , des JndüstriellenverbandeS nach London geschickt'wochesi-,'M sich über die'Auffassung . maßgÄender' Kreise- Wer die Sltuüsion W^.Mfarmisren. 'Erst nach ihrer MckkHx.Weche deuKKMWsAwerband einen endlgüÄM Beschluß..über fti»L.Haltirng sÜsseE ' - Der VelMche Reparntionsvooschlag* Paris, 27. ME Nach dem „Echo de Paris" hat die belgische Regierung dem.Quai d'O^ri. chren Reparatio.nsplan.'übermittelt, der.als.Garantie für die 'deutschen Reparationszahlungen ein AlkioHol-, Tabak- und Salzmonopol vorsteht. Ferner'sollmr die deutschm EisenLahlneinuahmen. ßvtr Reparationen verpfändet werden. Das belgische Projekt eErt weiter, Deutschland sei imsiande, 40 Milliarden Goldmark M bezahlen, und zwar unter ähnlichen.Bedingungen, wie sie im Mme Bonar Laws vorgesehen waren. Paris, 28. Mai. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Zusammenkunft des belgische n Ministerpräsidenten, der gestern operiert wurde, mit Poineäre wird nicht vor Mitte Juni stattfinden können., Auch der belgische Außenminister Theunis wird vor diesem Zeitpunkte schwerlich nach Paris kommen können, da er den Äammerdebatten über das Militargesetz wi^ beiwohnen müsiWj wmchm in Bochmu. — PlSudmmge«. — Tote und BerwNudete. Bochum, 27. Mai. (WM.) Auf Vevschiedenen Zechenanlagen haben heute WstMMMNgeu zur Streikparole stattgefunden. Nach chreur' Ergebnis sind mchv als 75 Prozent der Belegsschasten ävbeitswMg. Der von deü Hundertschaften ausgeübte Terror nimmt zu. Die Kommunisten haben im Laufe der Nacht von auswärts' Berstarrungen erhalten. Aus einigen Zechen stehen. Streikposten mit ausAchslauztem Seilteugewehr. Die Zechen Hcnrnover 1 und 2 stW stillgclog^ Aus den Lochrmger-Schächten wurden die ein-, fahrenden Bergarbeiter herausgeholt. Für hmte sind im ganzen Ruhrgebiet. große Vevsammklngen der Arbeiterschaft allgesagt, in denen zur Läge Stellung genommen werden soll. BochyH 27. Mai. (Wolfs.)' Gestern kam es hier wieder zu größeren Unruhen. Die Deuwnstranten . versuchten mchrfach Geiseln zu nehmen. Die/Feuerwehr befreite jedoch jedesmal die Gefangenen und vertrieb die Unruhe-- Wer, wobei es Tote, und Verwundete ga>b. Bei emer Razzia wurden 100 Gefangene, die mit Rvolvern und Karahinern bewaffnet waren, erngchvacht.. - Heute gegen 5 Uhr morgens wurden Posten der Feuerwehr von' Mer MeMMvücke aus hoschosfen, Einer der Posten wurde getötet, zwei schwer vevwUndet. Im StMinnern ist die. Fouevwchr Herr der Lage. Am <Ängang der Stadt stehen rate Wachen. Seit gestern früh sind in den Krankenhäusern vierTote und d reiß ig- Berw'ün dete, darunter eine größere Anzahl Schwerverwundeter, eingeliefert ' chyphen. Die bereits seit Monaten besteherche Sperre des städtischen Telephonamtes macht sich bei den gegenwärtigen Unruhen schr nachteilig fühlbar. Wanne, 27. DLai. (Wolff.) Gestern nachmittags versuchten kommunistische Hundertschaften, auehreve Schächte der Zeche Pluto stiltzulegen. Die Magazine., wuvden, g eplündert. Die Demonstranten, etwa. 2000 Personen, bewaffneten sich mit Spaten, Hacken, usw.' -Die Polizei, i mußte mit blanker Waffe eingreisen, wobei mehrere Schüsie ' gegen sie sielen. Auch bei-der Polizeiwache-in-der Hinden- Luvgstraße wurde die Lage b e d r o h l i ch. /- Die Stxäße.. wurde gesäubert, doch wichecholten sich bis gegen 10 Uhr abends immer wwder die Ruhestörungen durch die De-! monstranten. Französische Patrouillen räumten schließlich die' Straßen. Viele Demonstranten wurden, verwundet und in die ^ankentzäufer gebraK.- Münster, 27. Mai. Wolff.) In Dvrdmmd ist gchar« nachmittags ein von Hörde, kommendes, mit Polizsbmvn«- , schäften besetztes Auto von Aufrührern Wegfällen, schossen und Mit - Vs ' - - - : Handgranaten beworfen worden. Ein PolizeVLerwachtnreister wurde getötet/ ein anderer schwer verwundet,. Zwei zur Hilfe her-' beigeerlte Autos mit Pokizeimannschafü« - .wuchen ebenfalls in der geschilderten Weise angegriffw. Die an dem Uebarfall beteiligien'Kommunisten waren mit den. mode rnste.« W<rfsen, besonders mit.Handgranaten, ausgerüstet. - Wen, 27. Mai. (Wolff.) Der Bahnhof Essen-Süd aus der Strecke Essen—Kettwig ist von den Franzosen gestern fteigegcben wovdem Der Bahnhof K e L t w r g ist noch besetzt. . Die Franzosen haben d'ie ihnen gestern in der hiesigen Rer^svanMale in die Hände gefallene Geldsnmme, die dem Vernehmen nach 75 Milliarden Hark betrug, heute in mehreren Dastkwstwagen abtransportiert. Düsseldorf, 27. Mai. (Wolff.) Das Schreiben an General Deuvigne, in dem der stellvertretende Regie-! nlngspräsident DberregierUngsrat Lutterbeck rm Hinblick auf die in Gelsenkirchen, Bochum und UmgMng ent« standenen Unruhen" Um die grundsätzliche BÄvMgUng zur Verwendung von deutscher Schutzpolizei in dÜr gWhrdeteü . Orten des Jndustriebezirketz ersucht hatte, verweist.'auf. $&' Tatsache, daß seit dem AngeMick der zwangstweisen Entfernung^ der deutschen Schutzpolizei aus den StA»ten des Jndustrie^ehietes dort eine wachsende Zunahme der lichen'Unsicherheit Mtzustsllett fei.- Nichts^wäre verfehller, Heißt 'es. weiter, als. tüe Annahme, LAß eS sich bei dem i Gelsenkirchner Aufruhr um eine Episode. hon horübergchender. Dcmer handle. Jü den Nachbarorten zeigen sich lmrüherr, die eine Ausdehnung aüf wertere Telle des iJlchustriegebietes befürchten' lassen, Es wäre - em, gesiM- Uches Spiel, wenn Frankreichs glauben sollte, im gegÄenen .AugeMick. die norMlen Zustände, leicht Wiedel-Herstellen zu - könnbtt. ÄnMsichts - solcher ' Gefahren "ladt das f r a nzöfische OLevkommando m tt, der Duldung ana rchischer Zu stä n.de erne. schw e re S'e-r-.. antw ortpüg aus sich.; - Düssewors, M Halv (HiMs.) Die. streikenden. Arbesten^MEtttzMswerke nrch -des - Gas^ > haben die Vorschläge der Städtverwaltung abgel-chnt. Man befürchtet die .BetriebseiNstellung isi- Mlreichen -FMjtrien mangels moWischev Krast. . ‘; i .... Neue PLÜltöeimjrge«. Bochum, 28. Mgi. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Plünderungen in Bochum und Umgebung haben auch gestern ihre Fortsetzung gefunden. Die zweifelhafte Haltung der französischen Besetzungsbehörde hat das lichtscheue Gesindel, dazu, ermutigt, sich mit größter Frechheit auf die MttcktLnden zu Mrzen. Alle Geschäftsloden, soweit sie nicht bisherheimgesucht wurden, sind ' gestern das Opfer der plünderden Horden geworden. Die zum Schutze des Eigentums eingreifende Feuerwehr-und der aus'Bürgerlichen und Arbeitenden gebildete Selbstschutz wurde bei seinem Anrücken von den Kommunisten mit Handgranaten enMingen, wobei ^20 Personen getötet und 80 verletzt wurden. Auch in Do-Ämund wurden die SicherungsMÄbungen bvschossen. . ' ~ Genevakstreik In Gelsenklrche«. ' Gelsenkirchen, 26. Mai. (TL d. „Wr. Movgenztg.") In einer Bersammlung der Bergarbeiter wurde , die Pro- Aanra-tion des allgemeinen Generalstreiks beschlossen und seine sofortige Durchführung in Angriff genommen. Seit heute früh ruht jegliche Arbeit. Hnngerkrawalle in Lresden. ' Berlin, 27. Mai. Gestern ist es in Dresden den ganzen Tag über zu erheblichen Arbeitslosendemonstrationen gekommen. Im Innern der Stadt und auch in den Hcucht« strä'ßen der Vororte wurden verschiedene Lebensnnttelge- Wfte, Bäckereien und.Kaffeehäuser geplündert. Auch Hotels wurden wiederholt bedroht. Der. Verkehr in . der Stadt kann nur ist ganz kleinem Umfange aufrechterhalten bleiben, da die Geschäfte und Hotels aus Angst vor Plünderungen geschlossen halten. . > " ' Es kam zu wiederholten Zusammenstößen zwischen den , Arbeitslosen und der Polizei, wobei es auch einige Verletzt e gab und .z ahlreiche V er ha f tu n gen'vörge. nommen wurden. - .. - v. . - - Man führt diese le^en Ereignisse aus die gerade m d«. letzten Tagen entsetzlich zunehmende Teuerung m Deutschland zurück, und befürchtet, daß es auch anderenöttS M.Ausschre ttungen kommen könnte. . < '