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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-24 · Heft 1536 (24.5.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1536 (24.5.1923)
Date
1923-05-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Cttte I , Wah. DonnMag' 4. Die RMEonÄlMmWon eentsende-t gleichzeitig «inee besondere Kommijssto«. nach BIldaPest, di« di« wirtschaiMche« vM finan-iellen DechAtnifse m Ungarn VMeved) soll. Sie Bedinguügen der 8ut«ite für Ungarn. Die in Rom erscheinende „La Giustizia" faßt anläßlich der Anwesenheit Bethlens in Rom auf Grund authentischer Informationen den Standpunkt der Entente gegenüber Ungarn folgendermaßen zusammen: Die Entente hat für die Aufhebung der Pfandrechte und die Einleitung von Anleiheverhandlungen die folgenden Vorbedingungen gestellt: 1. Sämtliche irregulären Militärformationen und Verbände der Er-! wachen denUngarn sind - aufzulösen. 2. Sämtliche Bestimmungen des Trianoner Friedensvertrages, vor allem die auf die Armee und das Kriegsmaterial bezüglichen, sind strengstens durchzuführen.. 3. Jede mo nar ch istisch e Ag itati ön ist zu unterdrücken. 4. Es ist eine Koalitionsregierung unter Teilnahme der Abgeordneten der wirklich demokratischen Parteien zu bilden. 6. Der Tschecho- Slowakei und Jugosl-^wien ist für die jüngsten Grenzverletzungen volle Genugtuung zu leisten. Diese Bedingung hat Bechlen in Paris erfahren und so drückend gefunden, daß er die Verhandlungen unterbrach, nach Rom eilte, um von Italien moralische und materielle Unterstützung zu erbitten. Wohl war der äußerliche Empfang .Bethlens in Rom feierlicher als in Paris und London, im Wesen aber mußte der ungarische Regierungschef auch in Italien erfahren, daß dieses Land gegenwärtig nicht in der .Lage ist, Ungarn zu Hilfe m kommen. Seit diesem Fi'a § k o bemüht sich Bechlen, bei der kleinen Entente den Nachweis zu erbringen, daß ihre Informationen über die Zustände rn Ungarn nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, sondern von der ausländischen Emigrantenpresse und der jüdischen Presse inspiriert und entstellt seien. Diese Bemühungen fanden jedoch bei der kleinen Entente keinen fruchtbaren Boden, da diese aus eigener Anschauung und aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre ein treues Bild von den inneren Vorgängen in Ungarn gewonnen hat, welches sie eben genötigt hat, die angeführten Vorbedingungen für den Eintritt in ernste Verhandlungen zu stellen. ras Parlament vertagt. Budapest, 23. Mar. (Tel. der ,Mr. .Movgenzeitung".) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung unterbreitete der Präsident dm Ankrag auf Abhaltung der nächsten Sitzung am 29. d. Der Stellvertreter des Ministerpräsidenten Demister Daruvary erklärte, daß die gleichen Ursachen, die die Vertagung der Nationalversammlung bis zum heutigen Tag« wünschenswert erscheinen ließen^ noch immer bestünden. Deshalb, möge sich die Nationawersayrmlrmg noch -weiter vertagen, bis der Ministerpräsident in der Lage sein werde, im Hause zu erscheinen. Der Bertagungsantrag wurde angenommen. Auch die Sozialdemokraten stimmten für dem Antrag. Die Witze der Nvdapefter WMersabrikaatea. Aus Budapest wird uns berichtet: Die vereinigte Opposition setzt mit dem größten Ester ihre Mion gegen den von der antstemitstchen Majorität des Budapester Gvmeinderates bei. der ZusarmnensteLlMg der Liste der Wahl-, berechtigten begangenen Wahlrechtsraub fort. Me Mion Leftcht vor allem in der möglichst restlosen Feststellung derjenigen Wähler, die von den gegenwärtigen Budapester Machthabern mit allen möglichen Finessen aus der Wählerlstte hinausballotiert wurden. Es ergeben sich da die groteshesten Stückchen magyarisch-antisemitischer Wahlmechanik. Daß z. B. m einem Üeinm Wahlsprengel, der zu 90 Prozent von jüdischen Wählern bewohnt ist, von 1266 Wählern 1055 Ms den nichtigsten Vorwänden gestrichen wurden, hat nicht weiter überrascht, denn diese unerwünschten Wähler sind Juden oder Arbeiter, oder beides zugleich. Wie die- Kömmissionen in den einzelnen Sprengeln bei ihrer Bearbeitung der alten Wählerliste gehaust haben, zeigen einige Feststellungen, j>i« die vereinigte Opposition bei ihrer Revisionsarbeit zur allgemeinen Erheiterung wachen mußte. Da ist z. B. eine Frau Dr. Margarete Leopold, praktische Aerztin, Jüdin, die Ms der Wählerliste gestrichen wurde, weil sie den erforderlichen Bildungsgrad nicht besitze. - Erneu ähnlich begründeten Eliminierungsbescheid erhielten der Arzt Dr. .Julius Weiß, der Rechtsanwalt Dr. Alexander G o i t e i n, die Pensionierte Lehrerin Frau Dr. Leopold Steine r und mehrere andere. Ebenso -wurde festgestellt, daß in der Liste der A b g e o r d n e t e Dr. Wilhelm V a z s ö n h i, ehemaliger Justizminister und Führer der Demokratischen Partei, weiters der Ge-' Meinderat Johann Horvath, der gleichfalls der .Opposition angehört, aber auch der sozialdemokratische Abgeordnete Julius Per gl, ja sogar der gewesene Minister Gustav Graetz, der in der letzten Zeit den chrsttlichnatronalen Kurs ablehnte, der in Ungarn bekannte Schriftsteller Alexander Hajo fehlen. -Den Vog-tt abgeschossen hat wohl jener Analphabet in der Wahtlistenfabrikantenkommission, der auch den Stolz der ungarischen Schauspielkunst, „Die ungarische Lerche" Luise Bla ha, aus der Wählerliste strich. Gepau so wurde £in« überauh/große Zahl jüdischer Kaufleut« und Gewerbetreibender aus der Liste gestrichen. Bei diesen wurde mit der Begründung operiert, daß sie auf einem der von Ungarn losgetrennten Gebiete geboren wurden und daher ungeachtet ihrer Züständigkeit nach Budapest keine ungarischen Staatsbürger seien. Die vereinigte Opposition tst entschlossen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln diesen Miurwidvigen WWerpogrom rückgängig zu machen. Wiener Morgenzettuns- 24. Mai 1928 im Voraussichtliche Einigung. Die Einstellung der lieber st undenarbeit am Dienstag um 5 Uhr. nachmittags ist in allen Instituten reibungslos - erfolgt. Die gestrige Urabstimmung über den Vollstreik im Wiener Bankverein und-in der Zentralbank der deutschen Sparkassen ergab: Im Bankverein unter den Gehilfen, -Jugendlichen und Bedienerinnen von 697 abgegebenen Stimmen 683 für den Streik. In der Zentralbank der deutschen Sparkassen waren alle 109 abgegebenen Stimmen für den Streik. Nachdem gestern nachmittags - eine Plenarsitzung des Bankenverbandes stattgesunden hatte, trat abends nach einer Vollversammlung aller Angestellten des Wiener Bankvereines, und der Zentralbank der deutschen Sparkassen, die einmütig den Äreik forderte, eine Konferenz zwischen Bankenverband und Bankbeamten zusammen, die bis in die späten Nachtstunden dauerte. In derselben wurde'schließlich eine solche Annäherung der bei-. den Teile herbeigesührt, daß davon gesprochen werden 8wjj daß das Komp romiß unmittelbar vor dem Ah schluß sieht. Die ziffernmäßige Festlegung der Verein barungen wird am heutigen Tage erfolgen. Der Bankenverbcmd hat sich entschlossen, daS von ihn zuletzt gemachte Anbot neuerlich einer wesentliches BerÜ6sserungM unterziehen: Wie wir erfahren, dürfte das Kompromiß in de Gagensrage auf der Basis von etwa , 22 Prozent Zustandekommen. Was die Frage der Verlängerung der Arbeitszeit an belangt, so ist auch in diesem Punkte eine Einigung zu cty hoffen. Obwohl der Rerchsvevein auf dem Standpunkt stehs daß die normale Arbeitszeit unter keinen Umständen Verl längert werden darf, so dürfte er den Banken dennoch so! weit entgegenkommen, daß die erste halbe Stunde da Uebnzeit nicht als solche gerechnet wird. Segen die AutomMraserei. knergWe Maßnahmen der Polizeibehörde. Die ungewöhnliche'Häufung von Automobilunfällen in der letzten Zeit hat die Verkehrspolizei veranlaßt, dieset Erscheinung erhöhtes Augenmerk zuzuwenden und eine Kundmachung zu erlassen, die eine scharfe und eindringliche Mahnung an die Autolenker ist. Der Leiter des Wiener Verkehrsamtes, Hofrat Dr. Wagner, hat sich einem unserer Mitarbeiter gegenüber in interessanter Weise über das Wiener Verkehrsproblem geäußet. Wenn man die Mehrzahl der Automobilunfälle, die sich in der letzten Zeit in den Wiener Straßen ereignet haben, betrachtet, so muß man gerechterweise sagen, daß meistens die L e n k e r der Wagen sie durch I rScksichtSlos-S Fahr« verursacht haben. Me Fußgänger haben sich nun doch schon eine gewisse Disziplin angewöhnt und überqueren die Straßen mit ziemlicher Vorsicht. Eine große Rolle hat bei den jüngsten Unfällen auch der Alkohol gespielt, und es ist daher auch an die Schankwirte eine strenge Mahnung ergangen, an alkoholisierte Personen, keine Getränke zu verabfolgen. Eine gewisse Anzahl von Unfällen läßt sich her dem stetig , wachsenden Verkehr einer Großstadt natürlich nicht vermeiden, und Wien ist in dieser Hinsicht gewiß nicht schlechter dran als andere.Städte. Die Wiener Unfallstatistik ist sogar günstiger als die anderer Großstädte- In Wien gab es in.diesem Jahrer Im Jänner 47 Straßenunfälle, darunter 25 Autounfälle, im Februar 37 mit 16, im März 58 mit 18 und im April 48 Mt 20 Auwunfällen. Viel Schuld' tragen auch die dem Automobilverkehr nicht günstigen Straßenverhältnisse in Wien. In den winkeligen, engen Straßen, die dem Fahrer wenig Uebersicht bieten, oft keinen Platz zum r^chtzeittgen Ausweichen lassen, sind Unglücksfälle kaum zu vermeiden. Dazu kommt das schlechte Pflaster und die mangelhafte Beleuchtung der Straßen und das außerordentlich dichte NetzderStraßenbahn. Die Tramway fährt durch so enge Gassen, daß für den Wagenverkehr kaum mehr Raum übrig bleibt. Alle diese Umstände wirken zusammen, um die Sicherheit des Verkehrs wesentlich zu beeinträchtigen, wodurch aber keineswegs die Schuld der unvorsichtigen Wagenlenker vermindert wird. Die Verkehrspolizei bemüht-sich natürlich, dem Unfug des rücksichtslosen Fahrens nach Kräften entgegenzutreten. Die M a x i m a l g e s ch w i n d i g k e i t für Kraftwagen ist in Wien mit 15 Kilometer festgesetzt. .Weis. Ne Vomhevattevtake. Warschau, 23. Mai. (Tel. der „Wiener M-orgenzeitung".) Der sozialdemokratische SchnMnb ha-t in Angelegenheit der letzten Bombe natten täte in Krakau eine Interpellation an das'Schmpräsidium gerichtet. In der Interpellation wird -u. a. bet rauf hingawi-esen, daß das nationaldemokratische Krakauer Blatt ,ß los Nar o d u" am 15. April die Polnische Oeffmulichkeit zu einem akti'ven Kampfe gegen das Judentum ausaefordert itit-b sein RodaktionÄokal wie auch das \v R ozno j-Organisation als MÄdestelle für ine £rai-.r.-.n-.-.->u p.'.r akiiven Vertertigung des Polentnms d-Mhne! hat. Als Ursache her antisemitischen Hetze in Kraka.i und auch das reak.ionäre D'.'moranbnm der me di ]\n'« \ ch c n F a-k u l : a i der Ktekauer Universität in der Frage des .Numerus : l a n s u s angeführt. Aus K r a k a n nleldet man uns: Die Untersuchung in der Angelegeltheit des Bombenattentates auf die Redaktion des ■ „Nöwy Dzvennik" hat bis nun noch keine Erfolge ge^itig. Die Polizei behandelt nach Bohauptun-g der hiesig-n 'Presse .die ganze Angelcgenheit viel zu laus Die Nachforschungen r-a-ch den Veranstaltern des Bombenattentates werden von arider«» anm privater Sette mwig bettiebev- Diese Geschwindigkeit kann, aber kaum eingehalten werde» denn sie ist tatsächlich zu gering. In Deutschland ist mar erst in jüngster Zeit zu einem Tempo von 80 bis 35 Kilo Meter übergangen, und auch in anderen Städten wird viel rascher gefahren, als bei uns. Trotzdem werden hij Chauffeure, die sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeii nicht halten, zur Anzeige gebracht und wegen Schnellt fahrensbest-rast. Lenker, die einen Unfall verschuld^ haben, werden sofort dem Amte überstellt und dem Gericht zur Anzeige gebracht. Viel wirksamer aber als alle Polizei, und Gerichtsstrafen ist die Entziehung des Führerscheines. Das ist die schärfste Maßregel, die die Polizei gegen rückt sichtslose Fahrer anwendet, und sie bietet auch die Sichen heit, daß der betreffende Chauffeur keinen Schaden mehr amichten kann. Und dieses Mittel wird angesichts der sich häufenden Ünfalle mit der größten Strenge ge« handhabt werden. Um Autowildlinge leicht aus« forschen zu. könnet^ wird gegenwärtig eine Revision samt, licher MotorfahrMge in Wien durchgeführt. Die Kenü« Zeichen werden, genau überprüft und die Besitzer der Wagep registriert. Früher gab es in dm Registern sehr viel« Fehler, die es oft unmöglich machten, den Besitzer eines Wagens auszuforschen. Auch diese Kontrolle ist ein Mittel um den Unfug des Schnellfahrens zu bekämpfen. Große Genauigkeit wird auch Lei der Prüfung , der Chauffeure beobachtet und in erster Lime auf das Moment der Nüchternheit Wert gelegt. Vor der Prüfung wird der Mann vom Arv» untersucht, ob nicht Neigung zur Trurcksucht oder Trinke«, sympteme vorhanden sind. Auch das Vorleben des Prüflings -wird durchforscht, und führt das Verkehrsamt über jeden Wiener Chauffeur ein Merkblatt, in das alle eventuellen Bestraftmgen eingetragen werden und auf Gmnd welches man jederzeit die Verläßlichkeit des Mannes nachpriifen kann. Die letzten Unfälle sind meistens durch die Schuld d er Fahrer herbeigeführt worden und das Verkehrsaint ist fest entschlossen, gegen rücksichtslose Fahrer mit de» schärfsterr Mitteln vorzugehen, um die Sicherheit des Straßenverkehrs ausrechtzuerhalten. Ter tägliche AutouNfall. Gestern nachmittags wurde auf der Bellarialreuzung die Beamtin Herma S c a r e y von dem. Auw B 6 102 niedergc-stoßen und verletzt. Rundschau. Ike «uterparlamentarksche Handelskonfere«». GckMffttng von HaatptverkcheSkviÄgen. Prag, 23. Mai. (Del., der ,Mvsn-er Moygenzchtung".) A -der heutigen Plenarsitzung. der interpavla'rrvenüavffcheni Ha«. dciA-o-nserenz erstattete der^ tschechische Delegiert« Wg. Dokto» 'Stodola und der Präsident der svantzöstschen Deldgabvon Leredu den Bericht über die Vereinfachung deS Handelsverkehrs. Nach dem Vorschläge der Kommission soslen als Ha-uptve.rkahrSwege gelten: 1. Osten-ide—Prag—<Konstanti-n-opel—Bagdad. 2. Cola i s—Mailand—Triest--Konftanti.noPel---P.atz. dad. 3. Die direkte Lin-le des OvieNtsIpPelß. Die Konferenz Hai' die AussühruWen.ÄareduS angenommen und beschloß weiter, •&« . NetzievuntzM Kn ersuchen, so schnrsl a't'Z rnÄMch eine-r schn'ische Ko-nfe««^ e-.ttztVyrrn<p:n, die «rle A->ip^^«r!stellu-vg dergroßentranL«. wntt?«ntalen Wegs Kooveut'.onen rMmd»! kmsm iolt

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