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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-19 · Heft 1532 (19.5.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1532 (19.5.1923)
Date
1923-05-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ßtwJOl/ sPwB9u«Q Wiener MorgenzeitunK IS. Mai 1923 Nr. 183» Vettev Na Derer« für jüdische Kaust in Warschau. In Warfchcm wurde'eine Mische G^ellschast zur Förderung der Kunst begründet. Der Verein zählt bereits zahlreiche Mitglieder, an der Spitze des Vereins stcht ein Ausschuß, dem bekannte jüdische Kittstler und SchvWeller angehören. Aus den Theatern. DollSoperr Heute „Lohengrin*. Im Deutschen Volkstheater wird Tolstois »DerlebendeLeichnam" mit Jakob F e l d h a w wer als Fedja Freitag den 25. d. iu den Spielplan eingestellt. In den Kammerspielen gelmgt heute im Rahmen der Nachtvorstellung der dreiakttge Schwank „D i e zweite H o ch z e i t 8 n a ch t" von Maurice Henneqrün, Paul Eilhand :md Pierre Veber zur Erstaufführung. Beginn präzise 10 Uhr. Im Raimund-Theater gelangt heute abends pünklich um 7 Uhr Henrik Ibsens Schauspiel „JohnGabriel B o r k m a u" in der Inszenierung von Karlheinz Martin mit Emcmuel Reicher in der Titelrolle zur ersten Aufführung. Die WiederholMgen dieser Aufführung erfolgen in der nächsten Woche Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag. Morgen Sonntag sowie Mttwoch Md Samstag werden TschirikowS .Jude n" mit EmMuel Reicher gegeben. WienerKomödienhaüs. Dienstag den 22. d. Uraufführung des DramaS „Prozeß gegen Gott" von Josef Heller statt. Regie Karl Felda. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Marie Guttmann vom Raimund-Theater irlS Gast und Therese Bellau, ferner der Herren Heruiann Benke, Karl Felda und Fritz Hofbauer. Jnr Apollo theater bringt die Exl-Bühne heute, das Bergstück „F ö h n" von Julius Pohl zur Aufführung. Morgen und Montag gelmgt die Komödie „D e r E h e st r e i!" nachmittags 3 Uhr und abends halb 8 Uhr zur Wiederholung. Wachens vielplan der Staatsoperr Sonntag: „D i.e M e i st e r s i n g e r v o n N ü r n b e t Montag: „Tose a". Dienstag: „DieBoheme". MÜtlvoch: „DieHugenotte n". Donnerstag: „D e r Rosenkavalier". Freitag: ^,D er Bajazzo". Josefs- Legend e". Pottphars Weib — Tamara Karsawina. Wochen spielplan im Redoutensaale. Sonntag: Ballett-Soiree mit Tamara Karsawina. Montag: „DerBarbier von Sevilla". 'Dienstag: Ballett-Soiree mit Tamara Karsawina. Mittwoch: „Don P a s q n a l e", Norina Frau Maria Jvogün. Donnerstag: Ballett-Soiree mit Tamara Karsawina. Wochenspielplan des Burgtheaters: Sonntag, 2 Uhr nachmittags: „Geschäft ist Ges ch*ä f t", 7 Uhr abends: „Einen Jux will er sich machen". sNontag, 2 Uhr nachmittags: „Die versunkene Glocke", 7 Uhr abends: „Antonius und Cleopatra". Dienstag: „Einen Jux will er sich mache n". Mittwoch: „Der Kaufmann vonVenep i g". DoMerStag: „Der Verschwender". Freitag: .Einen Jux will er sich machen". Wochenspielpla« des Akademietheat e r s: Sonntag, 3 Uhr nachm.: „DerHerrVerteidig e r", halb 8 Uhr abends: „D e r Kreis", Montag, 3 Uhr Nachmittags: „Klein Dorrit". halb 8 Uhr ckbends: „Der Kreis". Dienstag: »Der. gute König". Donnerstag: »Der Kreis". Gerichtssaal. Sozialdemokratische Funktionäre als Kläger. Bor dem Bczirlksgerkcht Funfhcms ^iberlcmdesgerichtsvat £>r. Nehoda) fand gestern die Verhandlung über eine vom Bürgermeister Reumann, Abgeoiäm-eten Sever mü> Friedrich Adler gegen den Tischler Franz Bluma statt.. Im Februar hatte sich der Angeklagte in einem Gaschaus -geäußert: ,Oer Jakob ist ein Lausbub, ein Verbrecher, der -Bürgermeister ist nicht wert, daß man ihn ausch .. st." lieber Abgeordneten Sever sagte er. -daß er „der größte Betrüger und Verbrecher sei, de« sich seine Söhne, die H aike ntreu zier, scho» ausborgen werden", und für Friedrich Adler fand er den Ausdruck Meuchelmörder", den man ,M»S Stein nicht hätte henmslaffen sollen". Wie es bei einem so schneidigen Gekämpser der Sozialdemokraten kaum anders zu erwarten war, erklärte -er sich n i ch t s ch u l d i g und stellte die Anzeige als Racheakt hin. Ueberdies sei er betrunken getveseu. Nach Durchführung des Beweisversahrens erklärte sich Bluma bereit, sich zu entschuldigen. Der Richter sprach den Angeklagten der Ehrenbeleidigung schuldig und verurteilte ihn zu einer' Geldstrafe von 300.000 K., eventuell ftchs Tagen Arrest. Ein zweiter Prozeß, ebenfalls politischer Natur, wurde vor dem Bezirksgericht Grein durchgeführt. Kläger war Abgeordneter Dr. Julius Deutsch, Angeklagter ein Bevgrat Ing. Jrchann Reindl. Der Herr ReiM war nämlich mit denr Buche Dr. Deutsch: „Aus Oesterreichs Revolution" nicht einverstanden und hatte in einem Gasthause in Anwesenheit -des Klägers, ohne ihn zu kennen, geäußert: „das Buch sei eine Schufterei wnä) der Verfasser ein Schuft". Bei der Verhandlung gab ReiM das Tatsächliche zu. Er erklärte, daß er in dem Worte Schuft nach -feinen Sprachstudien noch den hebräischen AusdMck ,-Schufiden" erblicke. In diesem Zusammerchange sei er bei seinem Gespräche mit seinen Freunden auch -darauf zu sprechen gekommen, tofc sich Volks- und landfremde Elemente militärische Macht angeeignet hatten und er habe dies an dm Fällen Gela Kun und Eisner erörtert. Aehnliche Verhältnisse feien auch in Oesterreich gewesen, wo Dr. Deutsch die militärische Macht an sich gerissen habe. Er habe dann dm Inhalt des Büches des Dr. Deutsch mit seinen Freunden erörtert und habe den gewesenm Staatssekretär einen Schuft und sein Verhalten als eine Schusterei bezeichnet. Als der Verteidiger Dr^ Gürtler von der jüdischen Abstammung des Dr. 'Deutsch sprach, verwahrte sich Dr. Schneeweiß, der Vertreter Dr. Deutsch', gegen -diese Erörterung und erklärte, daß Dr. Gürtler aus dem Buch nur willkürliche Sätze hevausgerissen-habe. Dr. Gürtler beantragte nun die Verlesung des Buches und die Vernehmung -des Staatssekretärs Dr. Deutsch. Da Dr. Schneeweiß erklärte, daß der Kläger zur höchsten Verhandlung in Grein erf-cbEn werde, vertagte der Richter die Berhandluna. - kmiihrung. Re Lebeusmittelmärkte. Gestern herrschte bereits au? den Märkten mit Rücksicht auf die bevorstehenden Feiertage sowohl im Großhandel als auch im Kleinhandel sehr lebhafter Bewehr. Die Tendenz aus dem FleischmaMe ist nicht einheitlich, oinzcilne Sorten haben sich verteuert, andere dagegen sind im Preise etwas zuvückgogangm. So verteuert«: sich um Großhandel Kälber, Kitze, Ziegen und Bauchfilz um 1000 K. pro Kilogramm, Kalbfleisch um 2000 K., Schafe um 9000 K. pro Kilogramm. Dil. ttyer notierten Gestiernndfleisch, Lämmer, Rauchfleisch uni 1000 K., englischer Braten um 1<500 K., Rindfleisch in den minderen Sorten um 2000 K., Nesschlschwoine in minderen Sorten bis um 3500 K. pro Kilogramm. Die, AnMmste in der Großmarkthalle warm gut ausgefallen. Im ganzen sind zwölf Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen eingetrosten, vier aus Ungarn, zwei aus deu: Burgenlamde und je dre: aus Jugostawien und aus Steiermark. Aus den Grünwarvnmärkten blieben die Preise für die meiste:: Gemüsesorlen i-m großen und ganzen unverändert auf der Höhe der Vortage, nur Kartoffeln heuriger Fechsung haben sich im Kleinhandel üm 400 brs 500 K. pro Kilogramm verteuert. Da die Preise für Frühkartoffeln :m Großhandel Mrückgegvngen sind, ist anzunchmen, daß die eingetvetene Verteuerung eine bald vorübergehende Erscheinung sein wird. Jtolienische Kirschen kostetm auf den Märkten 18.000 bis 20.000 K. pro Kilogramm. Begreifficherp-eise finden sie zu dießvm Preise nur sehr wenig Abnehmer. Bolkswitt. Gestempelte Krone --- S.V078V. kenümes. Auszahlung Wien ----- 0.00787. Seutimer. In Zürich notierte die österreichische Krone . . 0.0078'/ 4(0.0078‘/# am 17. Mai) die österr. gestempelte Krone 0.0078'/ o 1 CO am 17. Mai) die tschechische Krone . . . 16.54 ( 16.54 am 17. Mai) die Mark.. 0.0120 ( 0.0122 am 17. Mai) Holland.. 217.15 (217.25 am 17. Mai) New-Dork. 555.— (555.— am 17. Mai) London.. . 25.66 ( 25.67 am 17. Mai) »»,«»»»»» 37.02 ( 36.95 am 17. Mai) Mailand ...... 26.97 ( 27.02 am 17. Mai) Belgrad......... 5.75 C 5.77 ■/. am 17. Mai) Bukarest am 17. Mai) Sosta» »..,»»»»» 4.45 ( 4.45 am 17. Mai) Budapest 0.10»/ .( 0.iO»/s am 17. Mai) Warschau. 0.0116 ( 0.0116 . am 17. Mai) Re Devisenpreise. Die Reichsmark ist gestern in Z ü r k ch wieder um eine Kleinigkeit von 0.0122 auf 0.0120 zurückgegangen. Dagegen besierte sich der französische Franken von 36,95 auf 37,03. Die Übrigen Zahlungsmittel erfuhren nur geringe Veränderungen. In Berlin verursachte der neuerliche Rückgang der Reichsmark auf den fremden Plätzen ein weiteres Anziehen der Devisen Md Valuten. So stieg der D o l l a r von 46.383,75 auf 48.777,75, daS Pfund von 215.210,60 traf 225,185,60, der^f ranz 5 fische Franken von 3124,15 auf 3268,80, der schweizerische Franken von 8445,80 auf 8819,86, die tschechische Krone von 1391,60 auf 1445,35 und die gestempelte österreichische Krone von 65,70 auf 68,05. Im gestrigen Wiener Clearing waren nur unwesentliche Verschiebungen der ftemden Zahlungsmittel zu verzeichnen, wie nachstehende offizielle Notierungen zeigen,: Olearinglnrse der Österreichischen NatiooaUaiik vom 16. Mai 1923. Devisen (Schecks und Auszahlungen) Amsterdam f. 1 holl. Gulden Agram 1 jug. Kronen . , , Belgrad I Dinar ..... Berlin 1 deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs . Budapest 1 ungarische Kronen Bukarest 1 Le) ... Christiania 1 norweg. Kronen Kopenhagen 1 dänische Kronor London 1 Pfund Sterling . . Madrid 1 Pesetas Mailand 1 Lire New York l Dollar» » » , . Paris 1 Francs.. Prag 1 tschecho-slow. Kronen Sofia I Lewa . Stockholm 1 schwedischeKronor Warschau 1 polnische Mark . Zürich 1 schweizerische Francs Zinsfuß Geld Kurs vom Ware Geld 14. Mai Ware 4 27810.- 27'00.- 27800.- 27900.- 6 739.— 741.- 734.- 736.- 6 739.— 741.— 734.- 736.- 8 1.41 1.51 1.55 1.65 4*/, 4034.- 4046.- 4044.— 4056.- 6 13.20 13,30 12.70 12.80 6 351.- 353.- 329.- 331.- 5 11585,- 11615.- 11585,- 11615.- 5 13258.- 13315.- 13285.— 13315.- 3 327900.- 328500.-327900.- 328500.- 5'/, 10685.- 10715.- 10685- «715.- 6 3436.- 3444.- 3416.- 3424.- 4 70985,- 71135.- 71005.- 71155.- 5 4739.- 4751.- 4704.— 4716.— 5 2119.- 2125.- 2117.- 2123.— , . 7*A 574,50 575.50 570.50 571.50 , 47, 18780.— 18820.- 18755.- 18795.- , 6 1.43 1.53 1.45 1.55 . 3 12795,- 12825.- 12795.- 12825.- Noten amerikan, Noten v. 5 Dollar aufw, m n kleinere * Belgische Noten 100 Francs . * Bulgarische Noten zu 1000 Leva . » » » , 100 , » M W kleinere» » , Dänische Noten 100 Kroner . , Deutsche Noten zu 1000 Mark. , » » 100 ■ « „ » kleinere. . . . Engl. Noten von 5 Ltvrest. aufw. , , kleinere. Französische Noten 100 Francs « Holländische Noten 100 Gulden . Italienische Noten v. 100 Lire aufw. p M kleinere » Jogosl, Noten ungest, zu 1000 Dinar , , » kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . Polnische Noten v. 500 Mark aufw. kleinere » Rumänische flöten zu 1000 ü. 500 Lei n » kleinere . . . RUSS. Noten (Roman.) zu 500 Rüde! » » f00 » mm » kleinere. , Schwedische Noten 100 Kronor » Schweizerische Noten 100 Francs, Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow. Not. v.1000 aulw. 0 kleinere Ungar. Nöten (neue Eni.) zu lOOOKr*. » „zu 10.000 Kr. ... i * kleinere , , , » » 70660.- 70950.— 76680.- 70980.- 70560,- 70860.- 70580.— 70880.- 3975.— 4C05.— 3983.— 4015.- 553.— 5)7.— 549.- 553.- 533!- 537!- 52k- 53ß1- 13140. - 13200.- 13140.- 13200. - 1.31 1.61 1.76 326200.- 327200.- 3262001- 327200.- 326000,- 327000.- 326.00.- 327000.— 4680.— 4710.- 4645.— 4675.- 27650.- 27850.- 27650,- 27850.- 3402.50 3417.50 3382.50 3397.50 3382.50 3397.50 3362.50 3377.50 730.- 734.- 724.- 728.- 720!- 724!- - 714.'- 7181— 11450.- 11510.— 11450.— 11610.— 1.23 1.53 1.23 1.53 1,18 1.43 1.18 1.48 355.- 357.- 331.- 333.- 335.- 337.- 311.- 313.- -i- -!- —!— —!- 18585!- 18685*.- 18560!- 1864o!- 12700.— 12760.- 12700.- 12760.- 10560.- 10620.- 10560,— 10620.- 2102.- 2112.— 2100.- 2110.— 2C97.— 2107.- 2095.- 2105.- 11.05 11.25 11.05 11.25 Ü!- UÄ 11«— ttÄ 1 Die Unterbringung der österreichische» AnteUesl der BMerbundmleche. Gestern fand im Finanzministerium um 12 Uhrf mittags eine Sitzung statt, an welcher die Vertreter sämt-> licher Wiener Großbanken, der Gouverneur der Postspar-l kasse, der Präsident und der Direktor der öftetteidjtf(ijei»| NationalLank, der Chef des Bankhauses Rothschild und berj Leiter der Kreditsektion des Finanzministeriums, dem da-: Referat fiir diese Anleihe obliegt, Sektionsches Schwarz.! wald, teib^ahmen, um die wesentlichen Beschlüsse darüber! zu fassen, welcher Teil der aus Grund des Genfer Pro. gramms zugunsten Oesterreichs ausgeschriebenen großen: Völkerbundanleihe von Oesterreich selbst übernommen^ werden soll. Die Vorarbeiten sind schon so weit gediehen, daß die näheren Bedingungen bereits formuliert werden^ konnten. Die Anleihe wird langfristig sein, mit sechseinhalb Prozent jährlich verzinst und zu einem Kurse von 97.5 begeben werden. Die Anleihe wird vorläusig nur in Wien kotiert werden. Nach ungefähr zwei Jahren dürfte die auch zur Kotierung an der Londoner Börse zugelassen wer. den. Die Quote, welche von Oesterreich übernommen werden soll, und welche zwischen 10 und 15 Millionen Dollar schwankte, wird, wie nunmehr feststeht, zwölf Millionen Dollar betragen. Von diesen zwölf Millionen werden zuerst die am 1. Juni fälligen Schatzscheine beglichen werden. Bekanntlich hat im Herbste des Vor. jahres die österreichische Regierung eine innere Dollar^ schatzanleihe ausgenommen, von welcher fünfeinhalb Mil. lionen bei den Banken und fünf Millionen Dollar beim Privatpublikum untergebracht wurden. Damals wurde de« Besitzern öer Dollarschatzscheine das Recht zugesprochen, entweder die Auszahlung von Kronen oder Dollar verlangen zu dürfen oder endlich das Recht das Recht zu haben, die Dollarschatzscheine in die nunmehrige Völkerbundanleihe zu konvertieren. Die Banken machen von ihrem Konvev» tierungsrechte vollkommen Gebrauch. Sie werden die fünfeinhalb Millionen in Völkerbundanleihe umwandeln. Es wird damit gerechnet, daß auch der größte Teil der beim Publikum untergebrachten Dollarschatzscheine umgewandelt werden wird. Trotzdem aber wird dem Pu. blikum das Recht der vollkommenen Einlösung gewahrt bleiben. Die Garantie für diese vorerwähnten fünf Mil. lionen Dollar übernehmen ebenfalls die Banken. Sollte vom Publikum ein Teil nicht konvertiert werden, so wird derselbe von den Banken übernommen, wobei den Dollarfchatzscheininhabern die Schuldsumme ausbezahlt werde« wird. Die Großbanken werden also außer den in ihre« Tresiors befindlichen Dollarschatzscheinen, bezw. den dafür entsprechenden konvertierten Völkerbundanleihetitres noch weiterhin ziemlich beträchtliche Bestände der Völkerbundanleihe übernehmen, beziehungsweise unter ihrer Garantie beim österreichischen Publikum unterzubringen versuchen. Infolge der jetzt herrschenden ziemllch ungewissem wirtschaftlichen Lage der Mittel- und Kleinbanken, verursacht durch den Kapitalsmangel, dürste wahrscheinlich von der Verteilung einer Quote an diese, wie ursprünglich vorgesehen, nunmehr Abstand genommen werden. Die Großbanken selbst werden mit der Postsparkassa den Haupt-l teil übernehmen. Meviel auf jede der Großbanken entfallen wird, ist nicht von vornherein festgesetzt, sondern ist dem Beliebe« öer Großbanken und ihrem Prestige anheimgesreur. vcur die Konventierung erfolgt seblstverständlich nach vem Schlüssel der seinerzeitigen Dollarschatzscheinübernahme. Der weitere Teil, das heißt die siebeneinhalb Millionen Dollar nach Abzug desjenigen Teiles, welcher vom Publikum konvertiert wird, dürste von den Banken nach steiem Ermessen voll übernommen werden. Namentlich die dem englischen Kapital nahestehenden Banken dürften eine größere Quote übernehmen, schon deshalb, weil der Gouverneur der Englischen Bank ein warmer Förderer der Kreditaktion für Oesterreich ist und auf jede Wesse das Gelingen dieser Aktton anstrebt. Die Propaganda und alle anderen Vorarbeiten dür^» ten schon in einigen Tagen beginnen, da diese Angelegenheit bis 1. Juni vollkommen erledigt sein muß. Bekanntlich sind an diesem Tage die Dollarschatzscheine fällig und kann es Oesterreich auf keinen Fall darauf ankommen lassen, daß bei der Einlösung der Dollarschatzscheine eine Verzögerung eintritt. Die Ausschreibung der anderen Teile der Völkerbundanleihe im Auslande dürfte erst einige Zeit später erfolgen, da vorläufig die finanziellen Verhandlungen nur in Paris abgeschlossen sind. Wohl stehen sie auch in London vor dem Abschlüsse, doch ist es trotzdem unwahrscheinlich, daß noch vor Juni dort mit der Ausschreibung begonnen werden dürfte. Die österreichische Anleihe wird knapp nach ihrer Zeichnung auch auf der Wiener Börse gehandelt werden. Allem Anscheine nach wird wieder, wie es bei der Verteilung öer Döllarschatzscheine der Fall war, der Postsparkasse noch nach der abgeschlossenen Zeichnung eine gewisse Quote zugewiesen werden, damit die Nachzügler auch noch befriedigt werden können. Bekanntlich hat die Begebung der Dollarschatzscheine erst nach Abschluß dev Zeichnung einen so bedeutenden Erfolg gebracht, weil siH immer neue Nachzügler gemeldet hatten. Die heutige; Bankenversammlung hat wohl in den entscheidende« Punkten vollkommene Aufklärung gebracht, doch werde« noch die Spezialfragen in einzelnen zu diesem Zwecke ge., bildeten Komitees erledigt werden. Ein von der Banken» Vereinigung gebildetes Komitee tagt ununterbrochen, dam« die^Arbeiten rechtzeitig fertig werden

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