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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-19 · Heft 1532 (19.5.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1532 (19.5.1923)
Date
1923-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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QnzslmumflerKlOQO Wien: Zum Abholen in der Expedition« II.«Taborstr.l-3* »dor in einer Verschleiaatello '(Trafik) monatl. K 28.000!Mit Postversand für Wien .monatl. K Ta eheeh o*S1owa kei: Mon. l£i[7. Ungarn: Mon, £600. Jugoslawien: Mon, Akaan 35. Polens Mon. Mk.l2.000.Deutschland: jflon. Mark 8000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 rNaohzahtuns«n 'MW Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1512 » ■ ... J Wien. Samts« IS. Mai 1SSS Die Frage des'ausländischen Beraters der österreichischen Nationalbank ist gelöst.' Der 'bekannte Schweizer' Bankfachmänn Generaldirektor der Schweizchrschen NakiönäMnk Schn y d e r hat die Funktion eines' Beraters bei der Oesterrerchrschen NationaMnh.'übernomm^n. Damit sind die verschiedenen KomHination'en und Gerüchte, die an diese Berufung geknüpft wurden, erledigt und die' Oesterveichische Nationalbank gewinnt einen Fachmann, dessen Kenntnisse in der Schweiz hoch eingeschätzt werden. Generaldirektor Schuhder wrvd jetzt Gelegenheit geboten, seine' großen Fähigkeitenauf finanziellem Gebiet und seine Verbindungen mit den großen Fi- (tagbral lehnt eine Fmnkeich und London, 18. Mai. (Tel.'k „Wr. Morgenzeitung".) Die Meldung von bevörstchenden neuen deutschen Vorschlägen zur Reparationsfrage werden in Paris mit Mißtrauen ausgenommen. Frankreich scheint auch an eine Aendevung seiner Vorbedingungen für die Verhandlungen (Einstellung , des passiven Widerstandes, Räumung des Ruhvgebietes nur nach Maßgabe der erfolgten deutschen Zahlungen) nicht zu denken: In .Paris: wird: befürchtet, die' Mtschett^MHlägsMirrMHHMM^N^s^DeHn^a-nd^ ^htzftitzdigew und-so.Mn' Giftch oäfe lötkrC' dag ^nAand ' vermittle. Die 'engköschen politischen Kreiseswöllen in keiner Weift den Eindruck erwecken, als würden sie aüf Frankreich Von Bezirksrat Dr. Otto Abeles. Der soziäldenwkratrsche Stadtrat Richter, lder Chef des Heimatsrechtsausschusses der Gemeinde Wien, ist bekanntlich den jüdischer: Heimatsrechtswevbern nicht hold. Er weist sie fast durchwegs ab. Das harte Urteil genügt ihn: nicht. In jüngster Zeit hat er sie auch noch seinen Unwillen fühlen lassen und ihnen ein wenig schmeichelhaftes Sprüchlein nachgesendet. Als so die Akten vor ihnr lagen, mit Namerr wie Eisig Wassevberg oder Sprinze Gvün, erstand die Silhouette der Beiwerber vor seinem erzürnten Auge. Er hat sie nie gesehen, niemals ihre Lebenshaltung, ihren Erwerb, ihr beneidenswertes Dasein durch persönlichen Augenschein zu prüftn Gelegenheit gehabt. Er liest die Befürwortung, die häufig von anäftmitischen Bezirksräten, von Ehristlichsozialen, Dentschradikalerr und — judenfeindlichen genossen" niedergeschric'ben wurde, von Mandataren des Bezirkes, welche mit Eisig Wasserberg oder Sprinze Grün in Ausübung ihrer Pflicht sprechen, ihre Angaben prüfen nrußten und gewissenhaft genug waren, das Gesuch günstig eiuzubegleiten. Da' war er erst recht aufgebracht, dieser berufsmäßige Sachwalter der Unterdrückten, Ausgebeuteten und hat nachträglich den Bittstellern, die er fortjagte, allen insgesamt in seiner. Empörung folgendes Zeugnis ausgestellt: .; . „Wer sind die Wsewiesenen? Kauflente, die nichts , zu verkaufen haben; Vertreter, die nichts vertreten als ihre Schuhabsätze, .Agenten, bei denen unerforschlich bleibt, womit 'öder für wen sie agentieren, Firmenteilhaber unerftrschlichcr Firmen, Reisende,' die über die' Grenze Wiens noch nicht hinausgekommen sind, Privatiers, d'ie von Unterstützungen oder anderen noch unergründlicherem Gelds leben nfw." Als ich diese, burschikosen'Zeilen las, tauchten in meiner Erinnerung Menschen "auf, die ich mir nicht, wie Herr Richter mit antisemitischen Augen ausmalte, ohne sie 'je gesehen und gesprochen.zu haben, sondern die ich als Bezirksrat ausgesucht .hatte, ihre Würdigkeit zu prüftn. Ich will -,eimge. -'dieser. Wischen - Petenten schildern, die der sozialdemokratische Stadtmt Richter , zunächst geschädigt und jetzt verleumdet hat und ihn fragen, ob er sie in Vft oben angeführten Kategorien einzureihen.fit tot Lage ist. Gin Kriegsin.valider. Ladscheinschreiber der Bundes-- bahn'direktion Nord-Ost, der nach dem Zusammenbruch trotz des verkürzten, Fußes im Kanzleidiensr wieder unterkam. Bor- und Zuname und „Rasse" bewirkten, daß sein Verb'ch, rü optieren. vewMich war. Der letzte' R-ettuM- Tmhacho -Slowakei tschech. ' Italien: Monatl. 10 Lire Ru m an i v n, Bulgarien > Monatl, 75 Leibezw, Lewa, Sch w ei z. und das übrige . ' Ausland monatlich Fr«. 3 Redaktion u. Administration . Wien« II., Taborstraase 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr äbds; 19-483,16*301 Tel-Adr.: «Morgenzeitang*' Wien Oösterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69? 8. 8ahrgmg nanzkreifen des Westens für die österreichische Nationalbank auszunützen. Wie gewisse Nachrichten in der Wiener Presse mrzuschätzen sind,-geht aus der Tatsache hervor, daß ein gestriges Abendblatt die Meldung brachte, die Verhandlungen 'mit Schnhder' hätten sich zerschlagen und ein heutiges Morgenblatt sogar, zu melden wußte, Schnyder habe de- , frnitiv abgelchnt, den Beraterposten zu übernchmen. : Der Generaldirektor S chuh der wird nach seiner Ernennung seine gegenwärtige Stellung als Vizepräsidmt des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank niederlegen. einen Druck ausüben. Der. diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" schreibt, bei der britischen Regieruni bestehe keine Geneigtheit für diplomatische Erörterungen mit Berlin über, die Frage des nächsten deutschen Angebotes, die den Schein von Präliminarverhandlungen erwecken könnten, und dom deutschen Botschafter Sthamer wurde im Auswärtigen Amt ziemlich , deutlich erklärt, die englische Regierung habe die Absicht, sich vorläufig einer! Interv enckion in-der RePaWüMra^e zu e.-ufi. h albten. Die englische Politik'bleibe durch die Antwort'. bestnnwt, die Lord C n rz o n auf das letzte deutsche Ange- . bot erteilt habe. anker.ist die Aufnahme in den Heimatsverband. Werst ihn, der Herr Richter ab, liegt der Kriegskrüppel mit dem! förderlichen Vor- und Zunamen auf dem Pflaster. Die, Bahnverwaltung kann ihn nicht bchalten. Herr Richte? wird darüber informiert — aber er weist dm Invaliden ab, dem nach den herrlichen Freuden des Weltkrieges der einträgliche Posten eines Schveiberlems zuteil ward. Der jüdische Prolet mit dem nachgeschleppten Fuß und der gekrümmten Wirbelsäule ist ihm Hekuba. Ein Hochschüler, der mit feiner alten Mutter all Afterpartei in einem jämmerlichen Kabimtt wohnt. Der; Hauptmieter macht den beiden die Hölle heiß. Ein Ersen-, bett, ein Stvohsack, ein Büchergestell, ein winziger Eisen-, oftn, ein einziger Sessel. Der junge Mensch erhält sich! mit Stundengeben und sorgt wundervoll für die Mutter,? die von anderen sernweilenden Kindern einige Unter-! stntzung erhält. Herrn Richter wird es kaum gelingen,; diesen tapferen jungen Menschen, dem kein Augenblick der- Erholung gegönnt ist, der „Stunden" schindet, fiebernd! studiert, um fertig zu werden, sehr mangelhaft ernährt ist,; niemand zur Last fällt, aber vorbildlich um seine alte! Mutter sorgt, in eine der bezeichneten BÄverbergattungen! einzuteilen. Es wäre denn, daß. er sich über seine tatsäch-i lich arg vertretenen Schuhabsätze lustig macht. Man ent-! scheide, ob solch fröhlicher Zeitvertreib einem Arbeiter-! , sichrer angemessen ist. ' Eine nicht minder einladende Behausung. Ein asthma-. ' tischer alter Mann sitzt am Bettgestell und verrichtet sein! Gebet. Seine Frau ist 'bettlägerig und hustet erbärmlich.- Den Sohn, der sich'.um die freiwillige Aufncchme in den! Heimatsverband. bewirbt, trefft ich' beim Kehren des Fuß-!; bodens an. Der Mutter hat er soeben einen Tee 'bereitet.' Cr selbst ist reinlich gekleidet und hat, bessere Tage gesehen.,! Seines Zeichens ist dieser von Herrn'Richter trotz lvarmerz Befürwortung Abgewiesene Apotheker. Wenn mich meine! Erinnerung nicht täuscht, diplomierter Magister der Phar-! mazie, der hier seinen Beruf nur dann wird aus über: können, wenn ihnr, die Aufnahme in den Heimatsverband : zugesichert wird. Er empfangt mich mit den Worten^ „Staunen Sie über meine Beschäftigung? Ich schäme mich nicht. Ich tu's fiir. meine' Eltern, die'für mich in Kind-, heits- und Jünglingsjahren die größten Opfer gebracht haben." Den Leuten im Hause und irr der Nachbarschaft ist der Heroismus, die echt jüdische Fürsorge dieses Mannes für seine kranken alten Eltern nicht entgangen. Meilft Umfrage hat ein ausgezeichnetes Ergebnis. Wenn er daH Haus versorgt hat, geht er auf die Tour. Er agentierh seine Fachkenntnisse ansnützend, nrit pharmazeutischen Ars Erkeln und brinat üch und die Seinen fort. Seine Berechtig

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