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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-18 · Heft 1531 (18.5.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1531 (18.5.1923)
Date
1923-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer K1QOO Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.»Taborstr.l-3, oder in einer Verschlcisatelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ehe eh o-.S1 o wa k e i: Mon. K17. Ungarn: Mon, K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 3B. Polen: Mon. Mk.l2.000.Deutschland: Mon. Mark 8000. F rank r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 DU" Nachzahlungen "W> bei Prewerhohungen Vorbehalten Wiener Nr. 1531 Wien. Freitag. 18. Mai 1823 T«checho*Slowak«l tSChech. K 1,- It allen: Monatl. '10-Li» Rumänien, Bulgarin Monatl. 75 Lei bezw, Levrg Schweiz und das übrig Ausland monatlich Frcs.) Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—Vi Telephone: 44-0-38,43-3-U ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel-Adr.: .Morgenzeitung* Wien Oesterreichisches Postspan kassen- Konto Nr. 150.69) 5. Jahrgang Die Faffrmgskast Palästinas. Von Davis Trietsch?) II. In dem wmtittelbar an Palästina anstoßenden Gebiet der bisherigen Libanonprovinz lebten Sei Kriegszeiten — wie einer der größten Pessimisten in bezug auf Palästina, nämlich Dr. Ru pp in, in einer vorzüglichen kleinen Studie zeigt — auf nur 400 Quadratkilometer anbaufähigen Bodens über 400.000 Menschen, genauer (nach Ruppin) 1019 auf den Quadratkilometer gerechnet. Dies ergäbe allein für Palästina diesseits des Jordans, selbst wenn wir nur 12.000 Quadratkilometer als anbaufähig rechnen und noch dazu ohne zrößere Städte und ohne Im dustrie und dergleichen, eine mögliche Bevölkerungsziffer von mehr als 12 Millionen! Im südlichen Nachbargebiet Palästinas — in Aegypten — leben heute mehr als 16 Millionen Menschen auf 33.000 Quadratkilometer Kulturland, von denen nur zwei Drittel angebaut sind. Wer wenn wir vom Großgrund-, besitz abfehen und nur die anderthalb Millionen bäuerlichen und kleinbäuerlichen Betriebe rechnen, so finden wir für diese eine Gesamtfläche von anderthalb Millionen FMan oder durchschnittlich einen Feddan (0,4 Hektar) pro Familie, bezichungsweife 1500 auf den Quadratkilometer, ebenfalls ohne Städte und chm Industrie und sicherlich — ebenso wie im Falle des Libanon — noch weit von den besten Methoden der Landwirtschaft entfernt. Aber schon diese 1500 pro Quadratkilometer würden für das Kulturland im westjordanischen Palästina 1.8 Millionen Menschen entsprechen oder ziemlich genau der gesamten Judenziffer von heute und der doppelten gegenwärtigen nichtjüdischen Einwohnerschaft des Landes noch dazu'. , Nun brauche« wir selbstverständlich die städtischen Md Industriellen Beruft gerade imi Falle der Juden und m einem Lande mit so bevorzugter Lage keinesfalls zu vernachlässigen, so daß eine noch viel dichtere Bevölkerung herauskommerr könnte. Auf der anderen Seite aber haben wir keineswegs mit einer konchletten UebersiedlMg der ganzen Wischen Welt nach Palästina zu rechnen. Wenn 'wir eine recht hohe Ziffer in Betracht ziehen wollen, die schon von den meisten als phantastisch betrachtet werden wird, so können wir, und sei es auch nur als Beispiel und für Zwecke des Arguments, mit 500.000 Pro Jahr rechnen oder, dem ungefähr Anderthalbfachen der jährlichen Zunahme der Wischen Weltziffer. Auch bei einer solchen Einwanderung wäre nach dem toben Gesagten an eine Erschöpfung der Aufnahmsfähigkeit des Landes für absehbare Zeit nicht zu denken, geschweige denn bei den sehr viel geringeren Einwanderungsziffern, die etwa der jüdischen Gesamtwanderung von vor dem Kriege und von heute entsprechen. Diese Gesamtwanderung von Land zu Land hat, wie erwähnt, in der Vorkriegszeit ihre höchste Zahl bei etwa 200.000 gefunden, und gegenwärtig sorgen die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, und vor allem die Wanderungsbeschränkungen der Hauptländer daftir, daß trotz der gegenüber der Vorkriegszeit unendlich gesteigerten Not die Auswanderungsziffern nicht einmal an die Höchstzahl von vor dem Kriege heranreichen. Wir haben oben an den tatsächlichen Bevölkerungs- Äffern der beiden nächsten Nachbarländer Palästinas gezeigt, daß auch Palästina stöbst eine Millionenbevölkerung — und sogar auf rein oder vorwiegend landwirtschaftlicher Grundlage — ernähren könnte. Aber weit darüber hinaus gehen noch die Möglichkeiten, die wir aus den richtigsten, den besonderen Verhältnissen und Möglichkeiten der Juden und Palästina angepaßten Kolonisalionsmethoden erzielen können. Wir haben schon oben angedeutet, daß die Landwirtschaft — und besonders die primitive — gerade als jüdische Haupigrundlage nicht in Betracht kommen kann. (Das gesteht sogar Ruppin neuerdings ein.) Eine andere Landwirtschaft als die mit den besten technischen und wissenschaftlichen Grundlagen und mit der höchst möglichen Produktion kann überhaupt kernen Jdealfall darstellen. Aber auch die bisherige städtische Wohnweise. der Juden und ihre bisherigen Formen industrieller Betätigung bilden keinen Jdealfall. Unsere neue Kolonisätion in Palästina sollte vielmehr in Formen vor sich gehen, ', die möglichst alle Vorteile städtischen und ländlichen. Lebens miteinander verbinden und alle Nachteile dieser beiden Existenzformen vermeiden. Für eine solche ideale Farm der Siedlung sind gerade m unserem Falle alle Vorbedingungen gegeben. Auch an Vorbildern fehlt es nicht. Gerade in den Industrieländern haben wir neuerdings zahlreiche Beispiele in dieser Rich- *) Siche,Micuer MoweuueitM«," vom 17. 3Ra% ' Die Lrientirise. ein griechisch-serbischer Krieg gegen dle Türkei? Paris, 17. Mai. (Havas.) Das „Journal", meldet aus London, nach Berichten aus Konstantinopel seien die britischen Offiziere dort infolge der Wahrscheinlichkeit eines griechisch-serbischen Angriffes gegen die Türkei aufgefordert worden, sich jeder offiziellen Kundgebung zu enthalten. Diese Meldung sei jedoch in keiner Weise offiziell bestätigt. Pariser Blättermeldungen veröffentlichen eine offiziell e Mitteilung des Generalstabes der kemalistischen Truppen, wonach feindliche U n t e rseeboote im Abschnitt von Smyrna den Versuch gemacht hätten, sich der Küste von Dikili zu nähern, jedoch gezwungen worden seien, sich in der Richtung auf Mytilene zurückzuziehen. Polnisch-türkische Sonderverhandlunge». Lausanne, 17. Mai. (Wolfs.) Von türkischer und polnischer Seite wird offiziell mitgeteilt, daß die Vertreter der beiden Länder am Freitag Sonderverhandlungen zur Wiederherstellung diplomatischer, konsularischer und kommerzieller Beziehungen eröffnen werden. Die Verhandlungen werden neben den Konstrenzvechandlungen geführt werden. Der türkisch-griechische Repakat!o«sftreU. Lausanne, 17. Mai. (Schweiz. Dep.-Ag.) Aus den Iw strUlttonen, die Ismet Pascha aus Angora erhieH geht hervor, daß die Regierung von Angora in der Fragt der türkisch-griechischen Reparationen aus ihrem bekannten Standpunkte beharrt. Jsmet Pascha mtf Benrzelos verhandelten nachmittags über diese Frage< doch konnte keine Verständigung erzielt werden. Beidi Parteien erklärten, die Frage nochmals der Konferenz um ttrbreiten zu wollen. Da jedoch keine Partei geneigt zu seiq scheint, sich der Entscheidung der.Konferenz zu unterwerft^ bedeutet dieses Vorgehen keinen Fortschritt. Di, Türken wollen ein Schiedsgericht nur in dem Sinne zu« lassen, , daß dieses die Reparationssumme sestzusetzen hah die Griechenland an die. Türkei zu zahlen hat. Die Griechenwollen Lausanne verlassen^ Athen, 16. Mai. (Havas.) Wie die Blätter melden, habe die griechische Delegation in Lausanne Weisungen erhalten, sich von der Konferenz zurückzuziehen, falls sich diese für die Zahlung einer Entschädigung durch Griechenland entscheiden sollte. Bethlenr Reife — ein Fiasko. Budapest, 17. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Wie aus Rom gemeldet wird, befaßte sich heute der italienische Mrnisterrat mit dem Ansuchen Ungarns, die Genevalpfandrechte der Reparätionskommission aufzuheben. Die ftalienffche Regierung hat ihren Vertreter in dex RMrattlmÄommissiorr aygechiestn, in dieser F rage - die matcrietten IntWe^sfe%tfrSffcster Rei he zu berücksichtigen. In politischen Kreisen ist man sich nunmehr dessen bewußt, daß die Reist des Ministerpräsidenten politisch wie wirtschaftlich ein F i a s k o erlitten hat. Entgegen der bisherigen! optimistischen Auffassung der Budapester Presst erklären die heutigen Abendblätter ziemlich unverblümt, die günstige Erledigung des ungarischen Ansuchens hänge ausschließlich von der -Zustimmung der flehten Entente ab und solange die Gegensätze zwischen Ungarn und den Nachbarstaaten nicht ausMlichen sind, könne tung. Die Gartenstadt (nicht die zum Zwecke des leichteren Verkaufes von Bauplätzen nur so bezeichnete, sondern die einer werktätigen Bevölkerung), basiert auf der Verlegung industrieller Md sonstiger städtischer Beschäftigungen in die freie Natur, und auf einer weiträumigen Bebauung, mit Nutzgärten zu. jedem Haufe, mit ausreichenden Grünflächen für allgemeine Zwecke, und möglichst mit einem intensiv bearbeiteten landwirtschaftlichen Gürtel. Haben wir iw Falle des Libanon und Aegyptens eine tatsächliche Bevölkerungsdichte gesunden, die einem.Bodenmaß von 1600, . bezw. 660 Quadratmeter pro Kopf, entspräche, so werden wir für die Gartenstadt — sogar bei voller Verpflegung aus einem landwirtschaftlichen Gürtel — nicht-mehr zu rechnen brauchen als die Hälfte der obigen kleineren Ziffer, und wenn wir beispielsweist für Westzordanien mit dem Getreide des Hauran oder, anderer, für dichteste Besiedlung weniger in Betracht kommender eigener oder benachbarter Gebiete rechnen, so kommen wir auf ein gartenstädtisches Bodenerfordevnis . von nur 100. Quadratmeter pro Kopf. Dies wäre eine Bevölkerungsdichte von 10.000 auf den Quadratkilometer, und mit einer solcher: würde auch vorr unserem kleinert Lande - nur ein geringer Bruchteil nötig sein, um die ganze Judenschaft dort heute unter unendlich viel besseren EMnzbediitgungen aufzunehmen, als denen der jüdischen Massen in ihren heutigen Wohnländrrn und auch den meisten ihrer bisherigen Auswanderrrngsziele. Dabei sind diese 100 Quadratmeter pro Kopf das. Doppelte von der Flächeugröße der zwei-Millionen Ar-: bettergärten innerhalb der englischen Allotment-Bewegung — Gärten nämlich von 250. Quadratnleter pro Familie — aus denen der gesamte Gemüsebedarf der Familie in freier Zeit nebenberuflicher Arbeit gewonnen wird, mit den außerordentlichsten Vorteilen gesundheitlicher und Wirt-, schaftlicher Natur. . ' Diese SiMungsforrn entspricht einer Bevölkerungsdichte von Weit über 10.000 (Zehntausend!) pro Quadrat-, kilometer/ schon einschließlich der Häuser, Straßen, öffentlichen Plätze und Gärten usw. Sie würde — ans Palästina übertragen .— bereits ans einen bis zwei Zehntel der Fläche des westjvrda nischen Palästina die An- KMtng Mr .16 bis 20 Millionen Jude» ermöglichen- Dies Won einer Unterstützung Ungarns seitens der Großmächte und des Völkerbundes k e ine Rede sein. Nach seiner Rückkehr aus Rom, die Sonntag erfolgen dürfte, wird Graf Bethlen. mit dGZpolitischen.Parteien Fühlung nehmen müssen, nur ihre' Zustimmung zu einer Reise rrach .Prag, Bukarest und Belgrad zu erlangen. In den . nationalistischen Kreisen Macht sich aber hartnäckiger W id e r st a n d gegen die gesamte Auslandsaktion,. namentlich .aber g-gen die Annäherüg der Nachfolgestaaten, bemerk bar. Vor allem, ist die Gömbös-Gruppe in der Regierungspartei gegen die sogenannte^Annäherung an Prag" und bezeichnet die Reise des ungarischen Ministerpräsidenten als nationale Demütigung. Gelingt es Bethlen nicht, noch vor dem Wiederzusammentritt der Nationalversammlung die Zustimmung der Parteien zu seiner Prager Reise zu erlangen, so sind wohl heftige politische Kämpfe, eventuell der Sturz der Regierung und die Uebernahme der Macht durch die Intransigenten, das heißt durch ein Kabinett Gömbös-Wolfs zu erwarten. beweist die tatsächliche Bevölkerungsdichte innerhalb der Allotment-Bewegung, die — wie oben erwähnt — nicht etwa die Umrechnung eines einzelnen besonders günstigen Ausnahmesalles bedeutet. Dabei ist kein Zweifel, daß im Klirna Palästinas dieselbe gartenbauliche Produktion auf einer kleinen Fläche (oder auf gleichen Flächen eine erheblich größere Produktion) erzielt werden fomt. Freilich: Mit der Kapazität des Landes allein (und auch, nicht in Verbindung mit den Fähigkeiten unseres Volkselementes) ist es noch nicht getan. Es gehört auch die Kapazität des Geldes mit dazu. Denn wenn die Ausnützung der Fassungskraft des Landes mit übermäßigen Kosten verbunden wäre, so könnte die Sache nicht gelingen. Wir haben nur dann Aussicht, die jüdische Wänderungsfrage im Ausbau Palästinas zu lösen, wenn die Kostenziffer in einem vernünftigen Verhältnis zu anderweitigen Lösungen und 'zur finanziellen Leistungsfähigkeit der jüdischen Welt steht. Wenn unsere beamteten Kolonisatoren, die von den Möglichkeiten des Landes und der Eigenart der Juden in kolonisatorischer Hinsicht so unzureichende Begriffe hatten, auch noch hinsichtlich der erforderlichen Mittel umnögliche Vorschläge machen, so müssen wir uns eben auch in dieser Hinsicht von, solchen Grundlagen freimachen. Kostenziffern von 1000 und 2000 Pfund Sterling pro Familie bei aus nationalen Mitteln unterstützter Kolonisation, wie sie uns tatsächlich von den bei uns maßgeblichen Leuten als notwendig hingestellt, wurden, würden nur die Unmöglichkeit der ganzen Sache beweisen. Bei einer Voltshilfe größten Stils, 'wie wir sie nötig haben, müssen auch die Kostenziffern der Kolonisation auf einer Stufe gehalten . werden, die einen großen Maßstab in der Einwanderung und der Schaffung von. Heimstätten ermöglicht. Tatsächlich sind denn auch Kolonisationsformen gezeigt tvorden, die mit einem Fünftel der offiziellen Ziffern, aüskommen und dabei ungleich bessere und aussichtsreichere Methoden.' für unseren Fall därstellen. ' . Aber die Zioltistische Organisation als solche und auch das breiteste Mische'Publikum .haben diese besseren Erkenntnisse noch nicht akzeptiert und kaum die Wichtigkeit der. - KMnlfrage auch im-i; stvMeM.

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