Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1530 (17.5.1923)
- Date
- 1923-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980611--14778-3001545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
flozBlnnrnnierKlOOO W! e h: Zum Äbholen in der Expedition,II.,Taborstr. 1-3, (»der in einer Verschleiastelle (Trafik) monatli K 28,000 Mit Postversand furWienn. Oesterr. monatl. K 28.000 JTs.ch e c h.o-S Iowa k e i.: Mon. K17. Ungarn: Mob, K 600. Jugosl awie n :.Mon, Dinar 36. P o 1 e n: Mon. Mk.l2J300.DeutscHIand: Mon. Mark 8000, P r ank r.. Belgien: Monatl. Pres. 8 P Nachzahlungen *VB Preiferhöhunjren Vorbehalten Nk. 1930 Wien, Süniierstag. 17. a»al 1023 Tscn*cho -Slowakei ( tschech. K 1.— Italien: Monat], 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl, 75. Leibezw. Lewa, S chwei z/und das übrige Ausland monatlich Pres. 3 Redaktion ü. Administratior Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.» Adr.:,Morgenzeitung" Wien O österreichisches Postspar« kassen-Konto Nr. 150.693 Bim Davis Trietsch. I. - . - Iir einem von der Zionistischen Korr-espondenz veröffentlichten Artikel nimmt Davis Trietsch in intevefsant>er Weise zur föixw- Stellung, in . tvelche-m Maße Palästina vom GosrchtKPn7i'kte der Mischen Massenemigration in Betracht komme. Lvietsch eMärt. daß England und AmerRa, bk sich für das Zustandekommen einer indischen nationalen Heimstätte -in Palästina am meisten eingesetzt haben, ■ hauptsächlich unter dem Eindrücke der Schwierigkeiten ^handelt haben, mit denen nach dem Kriege die indische Wanderung zu 'kämpfen hcLen würde, und bekämpft die von gewisser zionistischer Seite getragene Auffassung,, daß die Mische Wanderungssrage durch den Zionismus nicht völlig z« lölsen sei. Trietsch schreibt u. a.: Die wichtigstem Tatsachen und Besonderheiten unseres . Kalles sind diese: Die Weltziffer der Juden beträgt heute über 17 Millionen. ' Ihre Vermehrungstendenz entsprach in der letzten Ge- Reration einer Verdopplung. Die jüdische Auswanderung M Osteuropa betrug in den („idyllischen") Vorkriegszeiten In ansnahmsweisen Höchstfällen 200.000 pro Jahr. In -er Berussschichtung der Juden ist die Landwirtschaft mit jwtt 4 bis 5 Prozent vertreten. Der Erfolg der bisherigen jüdischen-Wanderbewegungen beruht aus industrieller rnd sonstiger st ä d t i s ch e r K o l o n i s a t i o n. Damit unterscheidet sich die jüdische Kolonisation diametral von fast rllen anderen Kolonisationen. . ' Auch Palästina hat seine.Besonderheiten gegenüber allen anderen denkbaren Eiuwanderungsländern. Es ist sseelisch. wie räumlich) das nächste' von allen, die m Frage kommen. Es ist ein sehr kleines Land.' Es hat eine vorwiegend agrarische Bevölkerung und - Produktion Es ist ei» klimatisches OorFimsSebiet ersten Ranges mnd für Gavwnq bau und M-ere,SfstzLaMWm'heivy?Msnd geKügneL Die.« gegenwärtige ' LanÄvirffchaft macht von bissest Borzügtzst wenig Gebrauch und arbeitet äußerst primitiv,und extensiv. Das Land ist stark Vernachläsiigt, bietet aber gerade damit den modernsten Erschließungsmethoden ein dankbares Feld. Kommerziell und industriell hat PalMna ebenfalls eine ausgezeichnete zentrale Lage. Als einzige Landbrücke zwischen Asien und Afrika mü> im SchnittPuM der Europaverkehrs mit dem fernen Osten steht ihm ein großer Anteil am Welthandel bevor. Ein Wisches Palästina würde also der hohen industriellen und kommerziellen Befähigung der Juden große Möglichkeiten -bieten. Mit diesen Vorzügen von Klima und Lage ist ein Wisches Palästina der dichtesie n Besiedlung fähig. Anstatt nun aber von diesen Grundlagen und Besonderheiten auszugehen, hat man bisher die jüdische Einwanderung und Kölonisation nach Palästina, wenn überhaupt nach sachlichen Gesichtspunkten, so nach den naivsten der' herkömmlichen Art betrachtet. Man . meinte, daß Wische Kolonisation in Palästina ungefähr so vor sich gehen müßte wie irgendwelche Kolonisation in irgendwelchen Ländern. Da diese sich meist auf primitiver Landwirtschaft 'aufgebaut haben, sollte dies auch in unserem Falle wenig-- stens der gegebene Anfang sein. Auf diese Weise kam der Widersinn zustande, daß den Inden zugemutet wurde, die landwirtschaftlichen Ueberschüsse, die Palästina schon hatte, zu vermehren, obwohl unter allen denkbaren Berufen gerade die Juden-sich für die Landwirtschaft — und besonders für die primitive — am allerwenigsten eignen. Es wurde eine Propaganda. getrieben, die alle nicht-- landwirtschaftlichen Berufe mehr oder weniger direkt -verpönte, und sogenannte ideale Gesichtspunkte standen der einfachen und praktischen Ueberlegung im Wege, daß eine jüdische Kolonisation in Palästina nur dann ihre besten Erfolge erzielen könne, Ivenn sie von den Fähigkeiten der Juden und den Erfordernissen des Landes airsging. Primitive landwirtschaftliche Betättgnng eines hierfür nicht geeigneten Elements in einem Gebiet, das bereits-agrarische Ueberschüsse hatte, war wohl ziemlich das Unpraktischeste, auf dgs man verfallen konnte. Diese Methoden sind es auch, mittels deren Palästina wirklich als ungeeignet erscheinen Lunte, die jüdische Emigratiorrsftage. zu lösen. Wenn wir über von diesen grundlegenden Jrrtmnern Ms befreien, und Volk und Land nach ihren tatsächlichen Vechältnissen und Möglichkeiten beurteilen, kommen wir KN/gänzlich anderen — ja sogar entgegengesetzten Ergebnissen! Gerade die Entwicklung des, bisher so stark verwahrlosten Landes, die in Erwartung einer großen Einwanderung eine Vorbedingung darstellt, ist gleichzeitig bereits ein lohnendes Arbeitsfeld für sehr' große Massen von Einwanderern, wie -stark auch bei diesen Erschließnngsarberten die . technischen und maschinellen Methoden-die rohe Mensch« gute L«ck «Men Lallen. SorlawemokMche Forderung nach realen tzarantie«. - Rosenberg gibt «och leine kr« Mrnngen ab. Berlin, 16. Mar. (Wolff.) Der Reichstag behandelte heute in dritter Lesung die Etats des Auswärtigen Amtes, des Reichskanzlers Und des Reichspräsidenten. Reichskanzler Dr. C u n o und Reichs-Minister des Auswärtigen Doktor v. R o s e n b e r g waren anwesend. Abg. Müller-Franken (Sozialdemokrat) erklärte in Besprechung des Notenwechsels, dieser habe keine Befriedigung geschaffen. Deutschland habe die harten Kriegsgerichtsurteile von Werden und Mainz erlebt, die ein Hohn auf jede Gerechtigkeit seien. (Beifall.) Die belgischfranzösische Note, sagte Redner, verlangt von der deutschen Regierung die Einstellung des passiven Widerstandes. Wir haben schön früher erklärt, daß der passive Widerstand von der Arbeiterschaft nach den Regeln der Gewerkschaftstaktik geführt wird, und so wird er weiter geführt werden. Selbst die französische Regierung sollte endlich einsehen, daß der passive Widerstand nicht von der deutschen Regierung kommandiert, sondern aus dem eigenen Willen der Bevölkerung geboven ist. (Lebhafte Zustimmung.) Wäre es anders, dann wäre dieser Widerstand unter dem Terror längst znsammengeibrvchen. (Lebhafte Zustimmung«) Es zeigt sich aus der englischen Antwort, daß die Ziffern nicht fo weit auseinandergehen, daß der Weg des Entgegenkommens gesperrt Ware. Es muß der ernste Bechandlungswille vorhanden fein. Das deutsche Augebotmuß. den W i e d e r a u f.b a u der verwüsteten französischen Gebiete er m ö g l ich en. Eine Löstmgläßt sich nar finden, wenn/ wir s ubstan z r r e r t e Garantien bieten.. In das ° Gebiet dieser Garantien würden dse/jetzt leider noch nicht vorhandenen ErjenbahnüberfchüsseMörer^ Vielleicht auch . die. Einnahmen aus dem Branntwemmouopol, vor allem aber konkrete ÄaÄmMr von Landwirtschaft, Industrie^ Banken > MKH^e^/ZÄMferf-MtALE'MWst'schost jeUbvrkH rertende gefetzgeberische Schätz gewacht/ werden. Redner schloß: M iMfsim Mr Politischen Entspanmmg Lottragen, ttckr in ddr Frageder polrtis chen Sicherungen konkrete ^Vorschläge machen. Frankreich wird dann zeigen müssen, ob es wirklich nur ökonomische und nicht annexronistische Ziele verfolgt. Abg. 2 e i ch t (Bayrische Volkspartei) erklärte namens des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokratischen Partei und der Bayrischen Volkspartei, daß - dieses Parteien, weil sie den gegenwärtigen Zeitpunkt als verfrüht anseheu, zu den auf das deutsche Angebot eingegangewu Antworten im Reichstag Stellung zu nehmen, sich an der parlamentarischen Aussprache hierüber nicht beteiligen werben. Nachdem Abg. Hergt (Deutschnationale Parte!) gesprochen hatte, nahm Minister des Aeußern Dr.- v. R o s e nberg das Wort und erklärte: Zu meinem lebhaften Bedauern muß ich es mir versagen, den Herren Vorrednern,- die sich auf das Gebiet der außenpolitischen Debatte begebe» haben, im gegenwärtigen -Augenblick aus dieses Gebiet zn folgen. Wie denr Haufe bekannt, sind nach der franMrschen und der belgischen Note nunmehr auch die'englische, und die. italienische Note eingetroffen und gestern abends haben wir die Note der japanischen Regierung erhalten.. Die Reichsregiermrg ist mit dem Ernste und de^/Sorgfalt, die der Wichtlgkeit des Gegenstandes entsprechen, in die P rüfung dieser Antworten eingetreten. Diese Prm. fung ist noch nicht a b ges ch I offen. Bevordies der Fall ist, würde es ben Interessen. des Landes widersprechen, von dieser Stelle aus Erklärungen zur Gesamtlage , unserer auswärtigen Politik oder zu den sie beherrschenden großen Fragen abzugeben. Ich bitte Sie,' überzeugt zu sein, daß die Regierung sich , der ans.ihr.lastendenVerantwortung bewußt'hsttz nur von dem Bestreben erfülltest, ÄS Interesse' / von BPlk .und ^Vaterland, das Äuteresse Her Gesamtheit, zn/ -f ' ■{- , Der Etat des ReiöApräsidLirtek, des.'Rerchsk<Wlers , rytd -des.Außenamtes, schließlich der Gksamtctat wurden m. dnüer.Lesung angenommen. ' : 9er evgIW«nMche Konflikt km llaterhans. Loudon, 16. Mai. (DeL d. ,M. Morgenzeitung".) Im Untevhause kam es. zu. einer längeren Aussprache über den. englrsch-rüffischen Konflikt, in der LloydGeorge,Äsq u rth und K e n w o.r t hy das Wort ergriffen. Im Namen der Regierung erklärte Unterstaatssekretär Mae N e r l l, die Regierung b e st e h c auf den ForderMgen, die sie in ihrer Note an Rußland erhoben habe. Aus den ErklärMgen Mac Neilss geht hervor, daß Lord Curzon' gewillt ist, Krass in, der um eine Unterredung anfuchte, zu empfangen und die Frist für Rußland zu erstrecken. Skno nene deuMe Rote. Berlin, 10. Mai. O/el, der ,Memr MovgeiMrttmg".) Dp Regrevung §at sich entschlossen, noch vi-nmal Fühler nach Englandauszuiswecken, um die Meinung Englands zu HSreir, bevor sie mit' einer neuen - Note hewortvote. Daß. «ne neue -Note ausgeaübertet werde, sei so gut wie sicher. remisfioa der Londoner deutschen Botschafters? London, 16. Mai.. (T-Ä.-Komp.) „Exchange .Telegraph"^ msldet, daß der deutsche Botschafter -in London Dr. S t h a.-m.e r demnächst dr.LrWmvi>Lvön werde. Es wird ihm zmn -Vorwurf gemacht, daß er das. deutsche Außenanrt ungenngend über die Wünsche Lord Curzons unterrichtiet habe. Die jahrhundertelange -Vernachlässigung des Landes i-'ttet -Ausgaben /im. Wegebau, in der Beseitigung von Sümpfen,- in der BefestigtMg von Äünen, in der Bewaldung von Berghängen, in der Anlage vmr Stauwerken ufw. ufw., für die keine denkbare Einwanderung . zu g r o ß o d er a u ch n u r h i n r e i ch c n d. g r o ß g e n u g sein kann.. '' ' Dabei sind diese -Arbelten in Verbindung nttt -der Ein-' lvanderüng (die .schon-siir die Durchführurtg. dieser Aufgaben erforderlich ist) von hoher und schnell eintretender Rentabilität. , Durch einen rasch und ökonomisch dnrchgeführten Aufbau. Palästtnas wird eine Rettung der Juden in einem dem zionistischen Programm entsprechenden - Ausmaß ermöglicht. . . - Ein solches allein kann uns auch die finanzielle Grundlage beschaffen, die wir nie erlvarten können, wenn wir in einem Zeitpunkt beispielloser Notlage/im Osten die palästinensische Sache nur zu einer kleinen Teillösung und einer vorwiegend idealen Angelegenheit reduzieren möchterr. . ' Bär' gllern aber sind diejenigen. gänzlich.im Unrecht, die auf Grund ihres eigenen Mangels an Kenntnis und mr konstruktiver Phantasie die Fassungskraft des Landes unterschätzen. . ’ In Wirklichkeit ist Pestästina imstande, jede j) e nkbare jüdische Austva/sider/ung aus. Osteuropa - und änderest Gebieten a ufzu n eh m en. Bon den Arbeitsgelegenheiten, die allein schon ^..Aufbau/Palästinas selbst bedeutet/ haben wir^bereits einiges' e'Äähntt' Diesen Aufbau.selbst/, habenwir michk-einmal als eine vorüberl üehWde' EGeimtng aufzüMen/'Lästdesestlwicklüntz' kennt kein Ende — und die jüdische Wandemng wird auch so bald nicht ihr Ende finden. In dem. Maße aber, in dem die Wischen Ziffern in den meisten bisherigen Wohnländern und/ Einwanderungsgebieten - weiter steigen, und in dem Maße, in dem Palasttna sich entwickelt, wird auch ejne immer größere Einwanderung und Volksdichte ermöglicht. Denn wir haben - mit zwei großen Grundlagen der Einwanderung zu rechnen. Während nufere Peffnnrsten behaupten, daß die mangelnde Entwicklung des Landes eine größere Einwanderung ausschließt (worin liegt, daß sie bereits entwickelte Länder als günstiger betrachten), haben wir — wie oben gezeigt —- mit großen Möglichkeiten der Einwanderung eben auf Grund der mangelnden Landesentwicklung zu rechnen, solange dieser Faktor stark sein wird — und mit einer weiteren Grundlage von Eiutvanderung und Kolonisation, wenn die Verwahrlosung beseitigt und die Entwicklung gegeben sein-wird, die von unseren Pessimisten von heute als Vorzug anderer Eiuwanderimgsländer betrachtet wird. . Die mögliche Produktivität des Bodens — die besteh Methoden voräusgesotzt 7— kennt keine Grenzen, und ebensowenig die mögliche-Bevölkerungsdichte eines Landes . . . ,/tvenn die Leute danach sind". Denn die Volkswirtschaft hängt in einem unendlich viel höheren Maß von den Mensch en ab als von den Landesverhältnissen, und wo -wir es mit einem in den hierfür entscheidenden Hinsichten so bevorzugtest /Volke und so bevorzugten Lande zu tun haben, brauchen wir'wirklich,nicht von einer „natürlichen" Höchstgrenze mit einem pbsöluten Maximum einer Bevölkerungsdichte zu sprechen. . . . ' '" - ' (Em LwLtter ArtM folgt.) . - /