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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-15 · Heft 1528 (15.5.1923) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1528 (15.5.1923)
Date
1923-05-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Ottos Men, Dienstag WienevMorgenzertungi. 16. Mai 1923 Nr. 1523 Bezugs rechte: Kroatische LaudechYPothLken 2000, Ktewag Sit. A Stammaktien 40, Sit. B. Stammaktien 1000, Daltzo 520.000, Grazer Waggon 61.000, Ebreichsdorfer 41.000. Auf dom Anlagemavkt war das Goschäst gering. Ungarische Renten lagen schwächer. Bon den Exot e n notierten: Eos 3200 bis 360». -Erdöl $000'6i§ 36.000, Mraznica 75.000 bis 81.000, Schubert nnd Cp. 12.500 bis 13.500, Tepoge 110.000 bis 125.000, Siei usche Braunkohle 49.000 bis 55.000. von den Wmlenmärtten. Leder nnd Haute. Auf dem hiesigem Platze ovftchren die um Netzten Freitag «otiavtvn AÄeiise fmc Borä-ndorung. In Böhmen leidet das vodactzefchäft unter der Unmöglichkeit, Pveiffe zu erstellen, di« mU den Rvhhäutepreüsen eüniigevmaßen i>m Cön'kluniz stchon. Das Geschäft wird iin den uMten Ledsvsvr'drn zu PtEn getätiigt, dre neunter wesentilich un'te>v den hmtidgon SoMtikostM Viegm. ES ist di-es eime Lage, diie aus di« Dauer niuhaWar ist, up es halben sich demzulfolKe eine zi-omBich» Anzahl von LedersabrÄ-antien vevantatzt geschrn, ihre Einaribeftungein ganz ei!«» zufiMon oder wenügstens stark eHnizuschränken. Der Bodarf «n lsoHit«n»l«der erstreckt sich be,sonders auf starke Hälh'e unld Avevn sowie auf leichte Abfälle für BranIHoWwecke, doch sind die ertzMen Preise 'zu' niedrig und dächten irn Lause der nächsten Joib eine Erhöhung erfahren. Das Geischälft iin Sohlrücksn.m« Eroupous ist Äs nritte-laNäßiig zu beyei'chnnn. In Rremenoroudolns ist das Geschäft nach wie vor mätzig. Nach schwarzem BlaMeder hevvschh gute Nachfrage zu festen Prviipen,; doch stehen auch.hierin die orziolibarrn Preise nicht im EiMaNg mit den Rohhautepreisen. Die starte Stoigsrung der Kalbfell« hat auf die Obeulebsrpreijse erhöhend gewirkt, doch lioiston die SchuhfabrMaUten dieser MstvävtshewM^ Widerstand, so daß das Geischaft schwierig geworden P. InUiNga<r»r ist dor Verkehr auf dem Äedevmarkt gleich. falls schwach. Die Kaufteute veoforg-n sich bloß mit dem flau« fotiben Bedarf, größere.EiMuf« werldörr milcht durchgeiführt. Der GMm<»Wl lastet drückend, da man das Inkasso nur mit SchwiisrWeiLen besorgen kann. Rindshäute nM'sren 1659 bis 1760 KaMfeille 2M) bis 2600.K. pro Kil-ogramm im Grün- - -J*i Y.l« gSMikYv. Textikien. Am Bvemer BwtMvwollimaM machte sich etwas lebhaftere Nachfrage geltend,..besonders -in prompter Ware, was sowohl im Platz« als auch im Impovtgeischäft zu Umsätzen Dhvte. Die TomrinMärkte lagen meist ziemlich schwah bei woichendm Preisen. Me Tendenz für Wolle bleibt sehr fest. Das Geschäft für IabrÄÄoäsche verlief unverändert. Cap Snsww'hü-e und Austral scouvred waren eher ruhiger; für KammLinae erhielt Hh jedoch bei weiter anziehenden Preisen Äse bisherige starke Nachfrage. Am Bradforder Wvllmarkte issvwie Tuch und Garn) war das Geschäft beschränk. Tendenz fft twtzdenr eher etwas feste«.; Auf der Londoner Auktion bestand das amKöbotene QumÄum ans besten Sorten '"und umjfatzte 14j94S Ballen. Die Preifs konnten ihren letzten Stand behaupten. Für a-Udere Sorten war die Nachfrage weniger lebhaft, Ärfoilge zu hoher ^J^uUgon der Verkäufer kam es nicht zu nennenswerten Wiener Schuhbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeiturq") An der gestrigen Schuhbörse war der Verkehr etwas schwächer als sonst und damit bmmr&m war auch das Angebot weniger umfangreich. Interesse könnt« man beobachten Mr Leänonschuhe sowie für Haferl-Schuh« in allen AuWhmngen, wie z. B. NatuÄeder, braune wnb Dull-Box. Ab oqtern ist eine Erhöhung, .des Index um 6 Prozent zu verzeichnen, und wenn auch die Preise näh unverändert vlrebeu, so dürften selbe im Lause der nächsten Woche eine Erhöhung erfahren. , Es notiervn: Herrenstrefel Makay Boxoaff 160.000 K., Rindsbox 164.000 K., Natuvledör und schwarzes Kuhlieder 149.000 St, Bvaunilrdvr 190.000 K., Goodyear Welt Boxoalf OOOMO St., Braunileder 275.000 K. Damenstiesel Makay Boxcai/if 150.000 K..' Rindsbox schwarz, Naturl-eder und schwarzes Ktch'leder 1S0.000 K., Bvaun'Ioder >190,000 K., Gvodyvar, WM Boxoalf 195.000 K>. Braunleder 360.000 K. DamenhalbMche' Makay Boxealls 125.000 K,, BraunVeder 160.000 K., Govdyem Welt Boxoailf 176.000 K., Braunlledelr 200.000 >K. Knabentschuhe Makay BoxcM, Rindsbox, NatuÄeder und schwarzes Kuhlcher 139.006 K., Brannleder 147.000 K. Kinderschuhe Makay Böxeaiff 76.000 K>, Br-auuledör 106.000 K. Mäldchenischuhe Makay Boxcals 85.000 K., Bramnl-edov 120.000 K. Sportsti'eseil Hervenigoiseiver 165.000 K. Mehmörkte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Movgenzeitung".) R-lndermarkt. Der ' Anftrielb be'lies sich aus 899 Stück iMndisches, 1194 Stück ungarisches, 196 Stück tschechoftvwatkWes, 269 Stück jngoflawisches> um> 63 Stück rumünifches, Mammen 2681 Stück Schtachtpieh, worunter sich -3176 Stück Mast- und 446 Stück.Bemlvbch befanden. Der Gatdung nach warm 1409 Ochsen, 402 Stiere, 760 Kühe und 50 BüM. Geigenütbsr der Vorwoche sind Primasoeten^um 600. K.. alle auderen Qualitäten wie auch Wurstvveh bis zu 1600 K. pro Kilogramm gestiegen. Es notierten: -Ochsen je nach QuaMät 13500 RS 19.000 K., extrem 21.000 K.,' Stiere ntid Kühe 16.600 bis 18.000 St, BeiMieh 8500 bis 16.000 K. und Büffel 18.600 bis 16.000 K. pro Kilogramm LebelNögswicht. Borstenvrehmarkt. Der Auftrieb dürfte sich auf zirka 2300 Schweina belaufen. Berliner Börse. Berlin, 14. Mai Die scharfe Steigerung der Devisenpreise, die den Dollarkurs in den Vormittagsstunden bis auf. 48.000 brachte, machte bei- Eröffnung der Börse einer mehr schwankenden und schließlich nachgiebigen Haltung Platz, so oaß der Dollar bis ayf 46.000 zurückging. Die Reichsbank hatte nicht nötig, große Summen zu -geben, da die Nachfrage nicht mehr den Umfang als zeitweise in den Vormittagsstunden hatte. Nach Feststellung der amtlichen Devisenkurse gingen die Notierungen werter zurück. Für die Effekten war die Stimmung in Rückwirkung der seit Freitag eingetretenen Devisenhausse^zwar ungewöhnlich fest, doch hielten sich die Kurssteigerungen etwas unter den hohen Erwartungen. Die Spekulation legte sich vielmehr wegen der am Geldmarkt schärfer hervorgetretenen Verknappung eine gewisse Zurückhaltung auf. Immerhin traten ganz erhebliche' Kurssteigerungen ein. Die Mchrzahl der bevorzugten Papiere stieg um 10 bis 40.000 Prozent, sonst hielten sich die Aufbesserungen zwischen 3000 und 10.000 Prozent. Wesentlich war die Besserung naturgemäß auch für Valutapapiere, von denen Auslandsrenten teilweise bis 10.000 Prozent gewannen. Das Geschäft nahm einen zeitweilig großen umfanä an, später war die Haltung allgemein etwas unsicher und die hohen Kurse wurden vereinzelnt zu Glattstellungen benützt.. Für die zu Einheitskursen gehandelten Jndustriepapiere lagen überwiegend Kaufaufträge seitens des Publikums vor. Schlußkurse: Türkische Lose 279.975.—, Oesterr. Staatsbahn 676.000, Nordd. Lloyd 44.400.-, Der. Elbefchiffahrt 47.500, Berl. Handelsgesellschaft 106.000.—, Kommerz. Prwatbank 19.000.—, Darmstädt. Bank 30.000.—, Deutsche Bank 38.000.—, DiSkonto-Kommandit 26:500.—, Dresd. Bank 24.000.—. Nationalbank für Deutschland , Oesterr. Kredit 35.000.—,. Oesterr. Länderbank 33.000.—, Reichsbank 14.000.—, Wiener Bankverein 22.000.—, Wiener Unionbank 18.000.—, Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 44.000.-, Bochumer Gußstahl 287.000.-, Daimler Mot. 18.200.—, Deutsch-Luxemb. 235.000.—, Deutsche Waffen u. Munition —, Dynamit Nobel 38*000, Felten u. Guilleaume 86.000.—, Gelsenkirchener Berg. 306.000.—, Th. Goldschmidt 76.000.—, Harpener Berg 330.000.—, Hirsch Kupfer 140.000.—, Höchster Farben 45.000.—, Hohenlohe-Werke 93.500.—, Laurcchütte 99.000.—, Mannesmannröhren 144.000.—, Phönix Bergbau 183.000.—, Schuckert u. Co. 166.000.—, Siemens u. Halske 190.000.-, Telephon Berliner 23.lX)0.-. Prager Börse. Prag, 14. Mai. Die Eröffnung der heutigen Börse war unter dem Einfluß ungünstiger Wiener Nachrichten. sehr schwach. Neben zahlreichen Verkäufen der Kontermine wirkten ausgedehnte Realisationen vor den kommenden Feiertagen ungünstig auf die Kursbildung ein. Der Gesamtmarkt verhielt sich wegen der steigenden Tendenz der tschechischen Krone und wegen des steten Rückganges der Reichsmark reserviert Auf dem Industrieaktienmarkte war die Haltung ungleichmäßig.' Heimische Banket: lagen säst unverändert, Wiener durchweg^ schwächer. Transportunternehmungen gaben gleichfalls tnv O Kurse nach. Auf dent Anlagemarkte war der Verkehr nach einer! anfänglichen Abschwächung ruhig. Exoten lagen ebenfalls niedriger Die Schlußlendenz war schwach. Schluß kurser Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken . 222.—, Böhm. Unionbank 392.—, Böhm. Eskomptebank 962.—, Böhm. Jndustrialbank 484.—, ZivnostenSka Bmka 960.60, Anglobank —, Oesterr. Kredit 78.—, Wiener UnionLanki 77.—, Wiener Bankverein 68.—, Buschtiehrader Eisenbäh«! Ät. A 530.—, Lit. B 198.—, FerdinandS-Nordbähn ——, Prag-Duxer 195.—, Ausssg-Teplitzer Eisenbahn 1280.—, Nestomitzer Zuckerindustrie 1060.—, Vereinigte Elektrizität Wien ' 96.—, Brosche 836.—, Koliner SpiriütS —.—, Künigshofer Zement 946.—, Breitfeld-Danek 357.—, Mnghoffer 696.—, Simmeringer 99.—, Nothkosteletzer Textil 250.—, Alpine Montan 292.—, Poldihütte 404.—, Prager Eisen 908.—, Oesterr. Berg u. Hütten 1645.—, Skoda 444.50, Jnwald 520.—. Budavefter Börse. Budapest, 14. Mai. Die heutige Börse eröffnete in flauem Stinlmung, zumal die Banken große Posten auf dey Markt warfen. Auch der heutige Kassatag brachte viel Ware, obwohl! das Kostgeld dreieinhalb Prozent betrug. Die allgemeine Flauheit wurde noch durch die stabile Haltung der Krone und durch matte Wiener Tendenzberichte unterstützt. Die. Kontermine wickelte auf allen Gebieten größere Verkäufe ab, so daß die schwache Haltung der Börse einen nach größeren Umfang annahm. Die Kursverluste betrugen Jfaft auf allen Gebieten 10 bis 50 Prozent und darüber Nur Ganz Danubius-Aktien bermochten sich nach zeitweiliger Abschwächung bedmtend zu bessern. Die Schlußtendenz war flau und der Verkehr ruhig. Schlußkurse: Ung. Kredit 36.000, Oesterr. Kredit 14.300, Britisch-Ung. Bank^050.-, Salgo Kohlen 98.000.-, Rimamuranyer 26.600.—, Südbahn 16.000.—, Staatsbahn 87.000.—, Gran-Szaszvarer 60.000.—, Oberungarische Kohlen 98.000?—, Drasche-Ziegel —.—, Ungarische Allg. Koylörr 330.000.-, Urikcmh Kohlen 180.000, Adria 82.06V. Clotilde chem. Fabrik 17.000, Ung. - Anglobank —, Verein. Holz Spodium 31.000.—. ' Eisenbahnverkehr 94.000-, 1900.—, Koburg 13.250.—. Ae Bevlsenkurse. Berlin, 14. Mai. (Devisenkurse.) — Ämsterda« 17.956.- (16.708.12), Belgien 2618.43 (2451.35), Christianta 7650.82 (7022.40), Kopenhagen 8608.42 (7956.06), Stockholm 12.069.75 (11261.77), Italienische 2254.35 (2080.78), London 212.467.60 (196.008.75), New-Aork 45.885.- (42.992.25), Paris 3037.38 (2823.92), Schweiz 8079.75 (7690.72), Spanien 6683.25 (6533.62), Wien 63.24 (69.89), Prag 1921.68 (1281.78Y, Budapest 8.10 (7.88), Sofia 352.11 (947.13), Belgrad 465.M (444.88). Berlin» 14. Mai. (Notenkurse.) — Noten Doll« 44.638.10 (42.992.25), Pftmd 208.726.85 (197.605.-), Jtall«. nische 2204.45 (2076.75), Polnische 91.75 (86.60), Tschechoflotöakische 1319.65 (1273.80), Oesterr. gestempelte 61.05 (58.72'/,). Prag» 14. Mai. (Devisenkurse. — Mtgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 6.95 (8.46), Zürich 599.75 (602.76), Paris 219.25 (220.75), London 156.75 (156.12), New-York 34.10 (34.10), Belgrad 35.62'/, (35.25), Bukarest -.— (-.-), Wien* 4.69 (4.63), Warschau*) 6.62'/, (6.85), Agram Budapest*) 63.- (63.-), Jugoslawische 36.75 (36.25), Oesterreichische gestempelte Krone 4.59' (4.63), Polnis^e E^70), Ungarische 65.- (63.-). Bu-apesl» 14. Mai. (Kurse der Deviseuzentrale.) Amsterdam 2047 bis 2107, Bukarest 25.60 bis 27.50, Kopenhagen 982 bis 1012, Christtania 870 bis 800, London 24.176 bis 24.775, Berlin 0.11'/, bis 0.18'/„ Italien 255.- bis 286.-, Parts 345.- bis 355.-, Prag 165.50 bis 161.60, Stockholm 1891 bis 1441, Zürich 945 bis 976, Wien 0.0725 bis 0.0765,' Sofia 42.- bi8 44.-, Belgrad 66.- bis 57.-, New-Aork 5285. bis 6385. Warschau 0.1180 bis 0.1300, Brüssel 298 bis 908. ' Agram, 14. Mai. (Devisen.) Wien 0.1960 biß Berlin 0.216 bis Budapest 1.80 bis — (81. JvrGetzung.) DMd Motz. Roman von Disrael (Lord Beaconssiebd). Aus dem Englischen übersetzt von G. tt n n a. 18. Nach dem Falle Hamaidans waren Bostenai und Mvjam als Gefangene nach Bagdad gebracht worden. Durch Honarns Bewrittbung unterlag ihre- Gefangenschaft nicht der gewöhnlichen Härte, aber sie waren doch auf ihre Gemächer in der FesLnng beschrankt. Bis jetzt waren alle Versuche Mirjams, ihren Bruder zu sehen, vergebens gewesen. Honain war der einzige Mensch, an den fie sich um Beistand wenden konnte, und er hatte als Antwort auf ihr inständiges Bitten immer nur bedauert, daß es nicht in seiner Macht -läge, ihr zu helfen. Vergebens hatte sie durch das Anbreten einiger ihr noch gehörender Juwelen sich die Mitwirkung ihrer Machen zu verschaffen gesucht, welche die Anmut und Mlde ihres Benehmens ihr bereits geneigt gemacht hatten. Sie hatte sich nicht einmal mtt ihm in Verbindung setzen können. Jetzt aber, nach dem erfolglosen Besuche Honains tot Kerker, begab sich der ehemalige Wesir zu der Schwester des Gefangenen, und indem er sie mit zarter Geschicklichkeit in Kenntnis, der nahe bevorstehenden Kataftwphe setzte, kündigte er ihr an, daß es ihm eMich'gelungen fei, die gewünschte G> läuLnis für sie zu erhalten, ihren- Bruder zu besuchen. Sie schauderte vor der Nähe eines Ereignisses, für das fie sich schon seit so langer Zeit dorzubevetten gesucht hatte. In etwas milderer Form flüsterte ihr Honain die Mittel zu,' womtt er dasselbe noch immer abzuwenden sich schmeichelte. Mirjam hörte ihn schweigend an, und er vermochte trotz all seiner Menschenkenntnis nicht, ihr auch nur die leiseste Andeutung ihrer eigenen Meinung darüber zu entlocken. So schieden sie denn. Honain hoffnungsvoll, wie Menschen gleich ihm immer sind. .Da Mirjam sowohl für Mroy als für sich selbst daS Ergreifende eines unvorbereiteten Zusammentreffens fürchtete, so bediente sie sich Honains Einfluß, um Kaleb an ihren Bruder abzusenden, damtt dieser ihn auf ihre» Besuch vorbereiie und ihn -wegen der Zett, sie zu sehen, befrage. Kaleb fand seinen chemaligen Herm erschöpft auf dem Boden seines Gefängnisses liegen. Anfangs wollte er nicht sprechen, noch das Haupt erheben; ja, er schien lange Zeit selbst den treuen Diener seines Oheims nicht zu erkennen. Endlich aber wurde er milder, und als er vollends verstand, wer der Bote se^ und welche Botschaft er bringe, -war er anfangs gar nicht geneigt, seine Schwester zu sehen. Endlich verschob er rmr für jetzt die Zusaürmenkunft, da er zu schr erschöpft -war, und.bestimmte die erste Stunde des nächsten Morgens zu diesem traurigen Besuche. Der ehrwürdige Bostenai.halte seit dem Falle seines Neffen fast gar nicht mehr gesprochen. Es war nur zu deutlich, daß seine Geisteskräfte, >wemt sie ihn auch nicht ganz verlassen hatten, -doch sehr geschwächt waren. Er stand nie von seimm Lager aus, er bekümmerte sich um nichts mehr was vorging. So zeigte er auch -nicht die geringste Neugier, kaum noch ein Gefühl. Wenn er auch manchmal eine Bemerkung murmelte, so gab sie fast immer nur inneren Unwillen kund, und es schien ihm unangenehm, wenn sich ihm irgend jemand nahte/ Mirsirm, ausgenommen, aus deren Hand er allem die kargen Lebensmittel annehmen wollte, die er sonst gar nicht berühren mochte. Seine ihm treu ergebene Nichte geiwarm es aber M all ihrem zehrenden Kummer' dennochüber sich, dem Beschützer ihrer Jugend stets eine ruhige Mene, ein aufmerksames Auge, eine milde Stimme und eine geschästige .Hand zu zeigen. Ihre Religio» und Tugend, die Festigkeit ihres Glaubens und die Begeisterung ihrer Unschuld hielten dieses reine, unglückliche Wesen in allem ihren unverdienten und grenzenlosen Elend aufrecht. Mtternacht war längst vorüber, als Abners junge Witwe auf ihrem Lager sanft schlummerte. Die reizende Beruna und die schöne Bathseba beobachteten bei geöffneten Fensterläden die Stunden der Nacht. „Soll ich,sie aufwecken?" sagte Bathseba. ,Mir ist's, als ob die Sterne blässer würden. Sie bat, daß man sie lange vor Tagesanbruch wecken sollte." ,^IHr Schlaf ist so sanft! Laß uns sie nicht wecken", entgegnete die MB? V.i? /*'.'? rttrf:n• s'e :"w zum , Kummer." ^Möchten doch ihre Träume wenigstens glücklich sein! Sie schlaft so ruhig wie eine Blume! Der Schleier ist ihrem Haupte entfallen. Ich will ihn sehr leise wieder Heraufziehen. So recht, liebe Bathseba?" „Ganz recht, teure Beruna, in den Schal emgehüllt sieht sie wie eine Perle in-ihrer Schale aus. .Doch still, sie lbewegt sich." . „Bathseba!" 5 „Ich bin hier, teure Herrin." . ,/Bricht der Morgen an?" „Noch nicht, liebe Herrin. Noch ist es 3iacht. Doch ist Mtternacht schon lange vorüber. Ist mir's döch, als spüre ich des Morgens erstehenden Hauch. Aber es fft inoch Nacht und der Neumond scheint wie eine Sichel arft Himmelsfelde inmitten der Sternenernte." „Beruna, liebes Mädchen, gib -mir deinen'Arm. Ich will aufftchen." Die Mädchen traten hinzu und halfen ihrer Gebieterin sanft sich , zu erheben und ans Fenster zu treten. „Seit unseren UnglücksMen," sagte-Mirjam, ,/habe ich noch nie so ruhig geschlafen wie eben. Meine Träume waren sanft und bemhigend. Ich sah ihn, aber er lächelte. Habe ich lange geschlafen, ihr lieben Mädchen? Ihr seid, schr wachsam." -, ' „Teure Herrin, soll ich deinen Schal bringen?, Die Luft fft frisch." ,Mer mild. Ich danke dir, nein. Mine Stirn fft nicht so kühl, -daß sie einer Bedeckung bMrfe. Eine schöne. Nacht!" Mirjam schaute wert hinaus über die mdndbeschienene Hauptstadt. Die hohe Lage der Festung gewährte einen ausgedehnten . Blick auf die gewaltigen Massen von Geduden, jedes an sich eine Stadt, die nur durch die hohen, und mächtigen Kuppeln, die hohen, schlanken und Weißen Minaretts der Moscheen oder die schwarzen, hochanstve« benden Umrissen einsamer Zypressen unterbrochen wurden und durch ^welche der im Mondlichtglänzend dahinrauschend, Tigris seinen stolzen Strom.evgoß. Alles schwieg. Mn Boot schwamm auf dem schnellen Flusse, keine einzigi Stimi-.'-? müerbrach die Stille der schlummernden Millionen l (Fortsetzung folgt.) i «wi »oiiiumi mj.

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