Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1528 (15.5.1923)
- Date
- 1923-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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EtBzslnummerKlOOtt Wien: Zum Abholen in der Expedition,II.,Taborstr. 1-3, ,oder in einer Ver schleiast eile .(Trafik) monatl. K 28.000;Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 35. Polen: Mon. * Mk .12.000. D e u t s c hl a n d: Mon. Mark 8000. Ffankr., Belgien: Monatl. Frcs.,8 teuer , Wr Nachzahlungen bei Prel»erhohunjren Vorbehalten 91t 1528 Wien. Dienstag, 15. Mai 1928 T«chiMio>8iew«kfii Ifchach. K li- Ijba 1 ien: Monatl. 10 Lire 8uy»an ien, Bulgarien MonatK 75 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43,-3-19, ab 6 Ühr abds. 19-483,16-301 Telir Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Fahrgang Sie Rüge. -y. W'i e n, 18. Mai. Die englische und die italienische Regierung haben nunmehr die deutsche Reparationsnote vom 2. Mai beantwortet. In den zwei Wochen, die, seit der Veröffentlichung des deutschen Vorschlages vergangen sind, haben sich verschiedene Ereignisse eingestellt, die auf die allgemeine Lage Europas ungünstig einwirken und den Krisenkreis, des Reparationsstreites noch erweiterten. In die Arbeiten der sogenannten Friedenskonferenz in Lausanne trugen die Revolverschüsse des Weißgardisten Conradi eine grelle Dissonanz; der englisch-russische Gegensatz hat sich bis zu einem Ultimatum gesteigert,, das allerdings lange genug bemessen ist, um für Verhandlungen Raum zu lassen; daneben ist noch ein neuer Konflikt zwischen der Türkei und der englischen Negierung aufgetaucht, der sich auf die Verhaftung eines englischen Staatsbürgers in Angora bezieht. Zur gleichen Zeit jedoch hat sich zwischen Frankreich und der Türkei eine ziemliche- Entspannung vollzogen. Während also England seine politischen Kräfte wieder an der Peripherie Europas engagiert sieht, ist die französische Regierung in der Lage, sich ganz ihrer Auseinandersetzung mit Deutschland zu widmen. Ihre Freunde in der Entente konnten demgemäß, um es nicht zum offenen Bruche kommen zu lassen, zu keiner Intervention schrei-' ten, mußten vielmehr Frankreichs Standpunkt akzeptieren. Trotzdem aber wirkt Form und Inhalt ihres an die deutsche Regierung gerichteten Schreibens überraschend. Die beiden Noten sind eine Rüge, die der deutschen Regierung öffentlich erteilt wird, wobei das Hauptgewicht darauf gelegt wird, daß Deutschland die Ratschläge, die ihm ans London und Rom zugekommen waren, nicht beachtet hat.. Diese Ratschläge sind von der deutschen Rechtspresse in ihrer gewohnten Manier mit Ueberhebung behandelt worden. In den Kreisen, die durch diese Presse sprechen, hatte man. wieder einmal die Entente gesprengt geglaubt, und man hatte in der Zuspitzung des türkischen und russischen Falles , eine Besserung der politischen Situation Deutschlands erblickt. Die Sache liegt nun aber so, daß. gerade durch diese ForMel die einzelnen Glieder der Entente viel inniger aneinandergeschlossen werden, und das Resultat ist, daß die Führung in der europäischen Frage weiter in den Händen Frankreichs verbleibt. Zu diesem Ergebnis hat die deutsche Note mehr beigetragen, als sie je befürchten konnte, und sie hat erreicht, daß die in. Brüssel zwischen Frankreich und Belgien vereinbarte Art des Ausbaues der Pfandnahme nunmehr zu einer Grundformel der Entente geworden ist. Ergibt sich also, daß die politische Grundlage der deutschen Note vom 2. Mai schief war, so zeigt sich jetzt auch, daß die Darstellung der äußeren Momente dieses Entwicklungsganges von'der Stinnes- Presse bewußt falsch geschehen ist, zu dem Zwecke, die öffentliche Meinung Deutschlands irrezuführen und sie in dem passiven Widerstand zu bestärken, der zur Basis der deutschen Politik seit dem Rücktritt Wirths geworden ist. Es war die Meldung verbreitet worden, Frankreich habe sich mit seinen; Beschluß der Zurückweisung beeilt, um die interventionsbereiten Ententegenossen vor eine vollzogene Tatsache zu stellen; es war sogar von Differenzen zwischen Frankreich und Belgien'gesprochen Worden und man hatte allerlei lyrisch gefärbte Berichte über die Stimmung in England verbreitet, die von Bitterkeit gegen Frankreich erfüllt' sei. Die Antwortnoten Englands und Italiens beweisen den Widersinn dieser Fälschung, denn sie sind in den entscheidenden Punkten weitaus schärfer gehalten als der Beschluß des Pariser und Brüsseler Ministerrates,' und sie üben öffentlich Kritik an den Vorschlägen des Kabinetts Cuno in solcher Weise, daß die Meldungen von einer Kabinettskrise in Berlin sehr plausibel werden. Die Ermordung Rathenaus war, wie sich nun zeigt, ein mit vollster Absicht geführter Schlag gegen die Erfüllungspolitik und gegen einen vernünftigen "Ausgleich mit Frankreich. Die Buben, die in Rathenau einen Vertreter der jüdischen Weltherrschaftsidee treffen wollten, haben durch ihre Tat mehr Unglück angestellt,' als selbst ihre Auftraggeber zu erwarten hofften. Siehaben mit dem jüdischen Minister auch ein System er-. schlagen, auf dessen Ausbau alle Friedensfreunde außer-' halb Deutschlands alle Hoffnung gesetzt hatten. Seit der Mordtat ist in den Ententeländern und überall dort, wo es auf ein richtiges Urteil übex Mitteleuropa ankommt, die Erkenntnis allgemein geworden, daß der Chauvinismus in Deutschland tatsächlich im Vollbesitz'; der Macht ist und KM MiMKiguns mit den ♦ DK Mitteilungen des PrSftdente« Man Der Präsident des HauMerbandes der österreichischen Industriellen hat einer Anzahl jüdischer Mitglieder gegenüber zugestanden, daß die Frontkämpfer Vereinigung aus den Dispositionsgeldern des. Verbandes subventioniert wird. Man muß sich bei der sonst beliebten Unterscheidung zwischen den Frontkämpfern als einer nichtpolitischen Organisation und den Hakenkreutzlern als einer politischen Partei nicht lange auifhalten. Es besteht zwischen beiden nicht bloß eine vollkommene Kongruenz der Auffasiung der Judenstage, sondern auch eine persönliche Identität, und zudem zieht auch das Volk' selbst in seinem politisch sicheren Instinkt zwischen beiden Seine unterscheidende Linie. Sie wollen das Judentum politisch und wirtschaftlich zu Boden drücken. Ob dieses Hochziel auf dem Wege der illegalen oder der legalen Gewaltanwendung anzustveben ist, darüber mögen heute noch ihre Gelehrten untereinander streiten. Die Tatsache ihres exzessiven Antisemitismus steht fest. Ebenso fest steht heute aber auch die Richtigkeit der Mitteilungen, die wir in unserer Aufklärungskampagne seit Monaten machen. Wir sind bisher in dieser Prüfung der mehr als merkwürdigen Sachlage allein gestanden und werden sehr aufmerksam die Art verfolgen, in der sich die Wiener Presse zu den Geständnissen des Herrn Urban stellen wird. Man weiß jetzt, woher die riesigen Summen für die Schandplätate, die Versammlungen, die Wäffenrüstungen und die lärniende Propaganda der neuartigen Volksretter kommen, und man weiß noch mehr als dies: Die Herren, die die Beiträge der Industriellen einziehen und verwalten, haben ein sehr feines Verständnis^ für die — sagen wir.— Korrektheit ihres Standpunktes. Sielegen die Mammuthsummen nicht direkt in die stets offenen Hände ihrer Protektionskinder, in Wien, sondern sie leitön das Geld mitsamt einem Wiener Lokatzuschlagin die Provinz und lassen es von dort in die Metropole fließen. ' Und dieses Geld kommt zu einem sehr bedeutsames - Teil aus den Berbandsleistüngen jüdischer Industrieller. An dieser Konstatierung ist jetzt nicht mehr zu mäkelm' Es ist. Klarheit geschaffen worden und es wird , nunmehr, an die jüdischen Mitglieder des Haupwevbandes von der ., Mischen Oeffentlichkeit, von ihren eigenen Kindern, die 1 das Hakenkreuztüm' . ' , ' von der Universität wegtreibt, dort ihren jüdischen Angestellten die sehr ernst» -Frqge gestellt, wie sie sich zu den Offenbarungen des Herrn Urban Verhalten. Aus ihren GeWern bezahlt Wan die Affichen, auf denen das Judentum. als Voll, ÄS Religion beschimpft. wird, die Versammlungen, in denen die.fanatische Demagogie Mord und Brack» gegen die Juden predigt. Werden sie dieser Verwendung ihrer Beiträge zu» stimmen? IW Die Mrtschastsfragen sollen aurseschaltet werden. Lausanne, 14. Mai. (Tel., der „Wr. Morgenzeitung".) Die Orientkonferenz ist infolge der Forderung der fünzösischen Delegation nach größerer Beschleunigung' der wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, besonders der Zinszahlung für die türkische Anleihe, in ein kritische s„ Stvidium getreten. General Pelle hat Jsmet Pascha zugesagt, sich bei der französischen Regierung für die Genehmigung der Zinszahlung in französischen Franken einzusetzen, aber hiiMgesügt, daß seine Jnstvukttonen ihm die -Zustimmung zu diesem Vorschläge einstweilen nicht erlaubten. Er hoffe aber, binnen Arrzester Frist aüs Paris eine zustlmmende Antwort zu erhalten. JsMet Pascha soll seinerseits den'Vorschlag wiederholt haben, die Wirtschafts fragen aus dem Vertrage ganz auszuschailten und der späteren Regelung vorzubehalten, was die Delegierten der'Alliierten abermals ablehnten. Infolge dieser Krise spricht man bereits von der Möglichkeit'einer abermaligen Vertagung der Konferenz bis nach Erledigung der Besprechungen, die in Angora zwischen der türkischen Regierung und den Vertretern der Wirtschaftsinteressenten staitfinden sollen. Die Sanitätsfürsorge in Konstantinopel. Lausanne, 14. Mai. (Del.-Komp.) Das Fmanzkomitee tagte Montag vormittags unter dem Vorsitz des Generals Pellet und prüfte Machst die Frage der Sanitatstontrolle in den Meerengen. Die Sachverständigen wurden beauftragt, in >der Frage des ehemaligen Obersten SanitÄsrabes von Konstantmopel eine befriedigende Lösung zu finden. Wie man hört, sollen Deutschlland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien von diesem ^ate ausgeschlossen werden. Das Komitee nahm dann von ' dem Berichte des internationalen Roten Kreuzes über den Austausch der griechisch-türkischen ' Gefangenen Kenntnis, der unter der Aufsicht einer vom Obersten Wildholz-geleiteten Kommission durchgeführt wird. Das Komitee beschloß einstimmig, dem Komitee des internationalen Roten Kreuzes für das Vollbrächte Len Dank auszusprechen. Eine polnische Delegation in Lausanne. Lanmwe, 14. Mai. (Tel. der „Wr. Movgenzertnng".) Unter Führung des Direktors des politischen Departements im polnischen Außenministerium Moronis e k i ist hier eine Abordnung der polnischen Regierung eingetroffen. Die .Delegation hat den Auftrag, sich mit den Türken zwecks genauerer Orientierung Wer deren Ansichten in Verbindung zu setzen. Die russische Delegation ausgelöst. Lausanne, 14. Mai. (Tel. der „Wr. Morgertzeitnng".) Durch die Ermordung Worowski- und die schwere Vevivundung seiner"-Beiräte ist die russische Delegation aufgelöst. Worowskis Leiche wird heute nach.Moskau. überführt. Afvens wird in ein Berliner Sanatorium gi» : bracht, während DibMowski, dessen Zustand sehr ernst ist, in Lausanne verbleiben muß. Die russische Handelsdelegation in Rom, deren Ehef der ermordete W o r o w s k r war, teilt mit, es bestehe eine Organisation^ weiß- , gardistischer Offiziere zmn Zwecke der Er- - mordung der Sowjetvertreter m Ausland. Ein Komplott zur Ermordung Jsmet Paschas. Berlin, 14. Mai. (Tel.-Komp.) Wie das „Acht Uhr-Blatt'' aus London erfahrt', ^behauptet der Korrespondent der „Daily Mail", in Konferenzkreifen werde davon gesprochen, daß es gelungen sei, ein Komplott zur Ermordung I smet.PaschaS aufzudecken. Durch die Warnung der französischen Regierung , hat die Schweizer Polizei einen Armenier, der Jsmet -Pascha ermorden wollte, an der Einreise verhindert.;; Gegnern auf das schärfste bekämpft. Die Parteien in Deutschland, die die Gefahr dieses Zustandes schon seit langem erkannt haben, zeigen sich außerstande, die deutsche Politik aus eigener Kraft so zu andern,'daß sie den Lebensbedürfnissen des deutschen Volkes entspricht. Der hierzu notwendige Antrieb muß aus' dem Ausland kvnimen, und die ersten Anzeichen, daß sich das Geschick rll dieser Richtung vollzieht, liegen in der Note, die die Unterschriften ,Lord Eürzons ' und Mussolinis trägt. Deutschlands rnjeder Beziehung auf den.Weg Oesterreichs gekommen und es ist von der Kontrolle seiner Finanzgebarung und Gesetzgebung nicht mehr weit ent- . fernt. Ein Unterschied gegen Oesterreich liegt nur darin, daß die Donaurepublik dem' Völkerbund angehövt, mithin von diesem unter Aufsicht gestellt wurde, während Deutschland, das den Beitritt zum Völkerbund stets mit Hohnlachen abgelehnt hat, der Entente selbst ohne Mittler gegenübersteht. Die, Schuld daran trägt aus- - schließlich die Bereitwilligkeit der deutschen Regieruntz» sich von.Stinnes und Ludendorffstistn zu lassen.