Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1526 (13.5.1923)
- Date
- 1923-05-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nj. 1526 Wien, Sonntag Söttb verhüllen werden kann-, sich 'an Aufgaben zu beteiligen, die im ausschließlichen Interesse einer Gruppe!oder eines Landeliegen, ist es notwendig, für den zu gründenden Weltverband, den Grundsatz des Mimmaliprogramms anzunehmen, und diesen Grundsatz sowohl 'programmatisch wie praktisch streng durchzuführen.!(These 2.)" — „Der 'Weltverband umfaßt alle judisch-! akademischen Gruppen und beschränkt dementsprechend seine Tätigkeit auf diejenigen Gebiete, welche Gegenstand des Interesses aller Richtungen innerhalb der .jüdischen Studentenschaft bilden. (Punkt 2 der provisorischen Statuten.)" Der provisorischenEx.ekutrve, welcher je ein Vertreter der d e uts ch eit, polnische n, ru- :mänischen und tschecho-slowakischen Landesorganisationen, außerdem ein Vertreter der'Exekutive in London und vier Vertreter des österreichischen Gesamtverbandes „Judea" angehören, wurden folgende Aufgaben übertragen: Die Vorbereitung und Einberufung des Weltkongresses der jüdischen Stud/rtenschaft, Vorarbeiten für die Gründung gemeinsamer wirtschaftlicher Institutionen und für die Herausgabe eines periodischen, informativen Zentralorganes, Sammlung der Berichte und statistischen Abhandlungen über die Lage der jüdischen Studenten in allen Ländern, Einflußnahme auf eine geregelte Wanderung der jüdischen Studentenschaft zu den mittel- und westeuropäischen Universitätsstädten, Herstellung des Kontaktes mit anderen Gesamtorganisationen der Studentenschaft und Vertretung der Interessen der ^bereits angeschlossenen Landesverbände vor denselben sowie Einleitung von vFb w e h r m a ß n a h m e n g e g e n d i e N u m e r u s tlausus-Bewegung. Die Exekutive und das Generalsekretariat haben ihren Sitz in Wien. Die Vorkonferenz hat u. a. folgende Resolution beschlossen: „1. Die in Wien vom 28. April bis 1. Mai 1923 tagende Vorkonferenz zur Gründung des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft erhebt vor der 'ganzen Kulturwelt feierlichen Protest gegen dir! Bestrebungen reaktionär-antisemitischer Faktoren, die jüdische Studentenschaft unter dieschändlichenAusnahmebestimmungendesNumerusclauis u S zu stellen. Die Vorkonferenz ruft die jüdische Studentenschaft der ganzen Welt auf, sich um den Wellverband zu scharen ruck» ihm die Autorität und Kraft zum Kampfe gegen die kulturfeindlichen, den Grundsatz der Lehr- und Lernfreiheit, bedrohenden Elemente zu.leihen. Die Vorkonferenz appelliert an die Kulturmenschheit, die jüdische Studentenschaft in ihrem Kampftz jfürZivilrsationundFortfchrittzu unter- Wtzen." Die Vorkonferenz fordert das gesamte Judentum auf, seine Pflicht, zu erfüllen, der durch den Krieg und seine Folgen in materielle- und geistige Not' geratenen jüdischen Studentenschaft in jeder Weise beizustehen, ihr den nöügen moralischen und materiellen Rückhalt zu verleihen und sie in ihrem Streben nach Bildung und Wissenschaft, zu unterstützen." Protestversammlung der Handelsvertreter gegen dke Warennmsatzstener. Der ZentralvevLand der Handelsagenten und KoM- Missionäre Oesterreichs hielt gestern nachmittags im Sitzungssaale des Alten Rathauses eine von den Vertretern sämtlicher österreichischen Handelsagentenkorporaü-onen beschickte Massenhaft besuchte Protestversammlung gegen die Uebevwälzung der Warenumsatzsteuer auf die 'Handelsagenten ab. In der dem Finanzministerium vorzulegenden Entschließung heißt es: Die Vertreter sämtlicher österreichischen Handelsagentenvereinigungen wenden sich gegen die Warenumsatzsteuerdie vom Handelsvertreterstaude die Verpflichtung, von der Provision Waveimmsatzsteuer zu ^bezahlen, verlangt. Die Ueberwälzung dieser Umsatzsteuer ist beim Handelsvertreterstande uunröglich, denn das feste Vertragsverhältnis macht , eine solche Rücküberiwälzuug unmöglich. Auch die Verhältnisse, die sich für den Handelsvertreterberuf aus der wirtschaftlichen. Lage ergeben haben, machen es unmöglich, diese Steuer aus dem Provisions- verdienst zu tragen, denn die Provisionsemnahmen des Handelsvertreters halben mit der allgemeinen Teuerung nicht Schritt gehalten, sie find infolge des Produktionsrückganges in den ineisten Geschäftszweigen bedeutend zuvsickgegangen und hiedurch wurde auch die Lebenshaltung des Kandelsvertreters schwer betroffen. r Der KolleMvvertmg der Angestellten der Wiener MetMndnstrie. Vom Oberoinigungsamt als Satzung bestätigt. . Wir bevichtstm vor eini,gev Zeit, daß der zwischen dem. <mnd der Jndustriieangestellten Oestovveikchs und dein Wionier ' jJndustriellenverlbande. am 24. Novemlber 1902 fürdie AugestMen dev Metallindustrie abgeschllossane KollMivverdrag, am 6. März l. I. für alle fabvMinWgrn und Me Gewsribebetriebe, welche miindestens drei Angestellte befchäifbkgm, und welche Eilsen oder Metall oder aus diesen Mateviallien gefertigte Gegenständ», vorwiegend ver ach eiten und in Men oder hen . Orten des 1 Gebietes der BeziÄshauptmannschaft Hietzing-Umgebung oder in den. Orten des GorihtIbszivles Klvste.Dn>eulbMg, ferner den Orten' Angern, DÄUtsch-Wagram, Aischam^vid. M-archeW, Schwechat, Stockerau Mr in ver llmaelbiiina dicher OÄe ihrm Ätz odew Bstvich hgh^ Mener Moxgenzertung. N Jg- .... Der WWe Frauenkongreß. MMumeeting zionistischer Frauen. Di«. Mischen Frauen Wiens gaben dem W'Mongreß der Mischen Frauen, der. gestern seine Beratungen schloß, einen würdigest Epilog. Mehr als 2000. Frauen waren gestern abends im Saale des Hotels Continental versammelt und hörten mit gespannter Aufmerksamkeit die Vorträge an, welche die besten zionistischen Radnevinnen des Weltkongveffes für den weiteren Kreis der Wiener zionistischen Frauenorganisation ausgespart hatten. ' Frau Erna Patak begrüßte als Vorsitzende die erschienenen Kongo.tzdelegierien. Minutenlanger Applaus empfing Mrs. Kohui, die Präsidentin des Weltkongresses, und Frau Mo s h e n s o n, ditz Delegierte Palästinas. Frau Patak führt aus: Neben den grausamen Schilderungen jüdischen Leides brachte der Frauen- * kongveß auch etwas sthr Erfreuliches. Die Kundgebung für den Aufbau Palästinas war eine Tat, die den Mischen Frauen zur Ehre gereicht. - Die Einmütigkeit dieser Kundgebung beweise, daß die Zauberkraft unserer Heimat nicht aufhörte, auf Mische Herzen zu wirken. Fm Namen des Weltverbandes zionistischer Frauen schilderte Mrs. Siefs in englischer Sprache die Bedeutung, welche die Frauen in der praktischen Palästina-Arbeit erlangf haben. In Jaffa und Tel-Awiw erwarten die Palästina-Wanderer die segensreichen Institutionen des Weltverbandes, und Frau M e i s e l -S ch o ch a t gründet in unserem Aufträge eure Mädchensarm nach der anderen. Fräulein Scheuer fügte als Sekretärin des Weftverbandes noch hinzu, sie glaube nicht, daß die verschiedenen Parteirichtungen, welche das jüdische Volk stn Gegensätze zü spalten scheinen, auch in bezug auf das nationale Empfinden eine Spaltung bedingen würden. Das Gefühl, das bei den jüdischen Frauen so mächtig ist, läßt das'Sehnen nach dem Lande-der Väter niemals ganz emschlnmmern. Mrs. Kohut begrüßt die zionistischen Frauen Wiens auf das herzlichsü. SP wurde, wie sie auführte, von Theodor Herzl selbst, den sie vor 25 Jahren anläßlich einer Wiener Reise kennen lernte, für den. Zionismus gewonnen. Frau Möshenson erweckte stürmischen Beifall durch ihre Erklärung, sie kemlH Leinen Unterschied zwischen Juden und Zionisten. Jeder, der fest und stolz zum Judentum hält, muß Zionist werden. Sie sej seit vier Jahren in keiner zionistischen Versammlung gewesen: in Palästina gäbe cs etwas derartiges natürlich nicht. Und bald wird auch das Judentum im Gallith erkennen, das; Jude und Zionist eins und dasselbe sind. Frau Margulies richtete an die Mischen Mütter den Appell, nicht die Zukunft fhrer Kinder zu zerstören. Die jüdische Jugend wird den Elteiiq entftenrdet, sie will die Leiden des Galuth nicht mehr und di>» Mütter müssen diesmal ihren Kindern ins neue Leben folgen Frau Abgeordnete Melzer fordert, die jüdische Frau möge nicht nur alle ihre geistigen un\ physischen Kräfte dem nationalen Aufbau widmen, sondern auch die materiellen. Die Juden bezahlten nur allzu oft mit schwerem Gold für die Duldung in der Fremde, sie^ müssen für die Eri kämpfung ihrer Heimat alles Gnt hergeben können. S'iq schlägt vor, die jüdischen Frauen der Welt mögen ihren Schmuck in ihren Wohnländern deponieren und so die Basis für einjüdische Volksanleihe schaffen. Nach eim* hebräischen Be grüßungsansprache der Frau Ovadia, in der sie den Entschluß der Frauen würdigte, sich einheitlich i* den Dienst der nationalen Idee zu stellen, stimmte die Ver, sanrnrllrng aller: Beschlüssen des Weltkongresses unter lebhaftem Beifall zu. Sodann erklärte Frau Patak das Vteeting für geschlossen. Sefterreichische Sommerfrischen. Die Umgebung Wiens. Die Frage der Sommerfrischen ist. nmmrchr aktuell geworden; wir haben uns vor einiger Zeit an die Gemeindevörtretungen verschiedener Orte, die als SommerausenthalL in BÄmcht kommen, mit der Anfrage gewendet, wie sich die Preffe für Wohnüngen und Lebensmitteln gestalten und wie sich Behörden und Bevölkerung zum Aufenthalt Mischer Sommerfrischler stellen!. Aus den einzelnen Bundesländern sind uns Antworten zugekommen, die ein ziemlich umfangreiches Material bieten und es ermöglichen, sich ein allgemeines Bild von den Berhältniffen in den österreichischen 1 Sommerfrischen zu machen. Für sehr viele Geschäftsleute kommt mw ein SommeraiuferHlalt in der unmittelbaren Nähe von Wien in Betracht. Diese Orte sind meist jetzt schon überfüllt oder die Wohnungsnot ist dort so groß, daß für Somnrerparteien kein Platz ist. Dies ist besonders in den Orten an der West bahn der Fall. So schreibt das Bürgermeisteramt von Purkersdorf lakonisch, daß dort keme Sommerwohnüngen zur Verfügung stehen. In Preßbaum find die Sommerwohnungen „größtenteils vermietet, so daß' eine nähere Erledigung der Anfrage gegenstandslos ist". Die nähere Erledigung der Anfrage wäre nämlich die Antwort darauf, wie sich da§ Gemeindeamt PveßbarM und die Einwohner des . Ortes zu den . Mischen Sonmrerfvffchlern verhalten. Es scheint also, daß das Gemeindeamt der Beantwortung dieser heiklen Frage . . ' vorsichtig aus dem Mge geht. Nun, keine Antwort ist auch eine Antwort. Was die ÄebensmÄtel anbelangt, so sind diese in Preßbaum teurer als in Men. In Neulengbach sind die Verhältnisse ähnlich. Sommerwohnungen ke>im zn haben, Lebensmittelpveise höher' als in Wien. Die anderen Orte an der Westbahn weisen 'die gleiche Situation auf. Das zweite große Sommerfrischengebiet in der Nähe. Wiens sind die Orte an der S ü d b a h n : Mauer, Rodaun, Perchtoldsdovf, Kaltenleutgeben, Mödling, Hintevhrühl bis Böslau. Aus Mödling erhalten wir die Zuschrift, daß mit Rücksicht auf die dort herrschende Wohnungsnot bei der Bevölkerung „kein Verlangen nach Sommerfrischlern bestehest Lebensmitteln sind in Mödling wesentlich teurer als in Men. Der nächste Ort ist Hinterbrühl. Der Gemeindevovstaud antwortet auf unsere Anfrage, ,Mß die heurigen Preise für Sommer* wohmmgen beiläufig den fünf tausend fachen Bevom Cmiguugsamte zur Satzung erklärt wurde. Die SatzungserklärUnig hat die Wirkung, daß die Bestiünmungn: des gMannitzU Derdvages, insoweit sie für die Mgestellten günstiger als jene von cÄva vorhandsnen JndiivüIduMerträgen sind, Geltung haben und für die Uintsrnchmunigsir vechMev-. biMich sind.? : Seitens des Verbandes der Metallwarenproduzeniten wurde gegen die SatzuugsoMärung 'beim Oboreiinigungsamltz Einspruch erhaben. Dieser Einfpruch wurde.am 8. d. feiötens dieses Amtes vepivorsen, Die Satzung ist dadurch vechts- Wstitz seworden!. ..' trag der Sommerzinse vom Jahre 1914 erreichen ustä 1 bis 22 Millionen Kronen P r o Z i m m e r und Sommer^ säison für eine möblierte Sommerwohnung verlangt werden, wobei Küchen und kleine Nebenräume uuberück-i sichtrgt bleiben. Die Preise der wichtigsten Lebensmittel nach dem Stande vom 30. Zlpril 1923 sind folgere: 1 Ei 1300 K., 1 Kilogranrm.Bniter 72.000 K., 1 Liter Milch 5000 K., 1 Kilogramm Nullermehl 7000 K., 1 Kilograumr Rindfleisch 18.000-bis 34.000 K., 1 Kilogramm 'Kalbfleisch 24.000 bis 40.000 K. , Hinsichtlich der Frage, wie sich die BevölkeMNg Und die Genreindevorstehung zum Aufenthalt von jüdischen Sommerfrischlern stellt, gemigt wohl die Bemerkung, daß Hinterbrühl an Somwerftsichler a l l e r K o nfesfionen seit -fahren gewohnt ist." Man sieht aus diesem Schreiben, daß Hinterbrühl gerade kein Paradies der Billigkeit ist, denn nach dem Gesagten würde eine Wohnung von drei Zmrmern 6 Millionen kosten,' wozu wahrscheinlich noch die Mietzinsabgabe hinzuzurechnen wäre. Kaltenleutgeben berechnet die Mietz-inse und die Lebensmittelpreise dem „jeweiligen Stande der Valuta" (welcher Valuta?) angemessen. Was die Stellungnahme zu Mischen Sommerparteien anbelangt, so'sind nur wenige Hausherren hier, die nur ausdrücklich Arier nehmet. Die Gemeindevertvetung von Kaltenleutgeben ist wenigstens auftichtig genug, diese Tatsache zuzugeben, während die meisten anderen Orte dies nicht tun, sondern sich nur die Beantwortung der Frage drücken. Jüdische Sommergäste werden daher gut daran tun, die Arier in Kaltenleutgeben unter sich zu lassen, zumal die Preisberechrmng „nach der Valuta" aus ausgiebige Würze r e i -schließen läßt. Vöslau: Schon aus den WohMngsPveisen sieh^ man, daß dieser Ort ein Kurort ist und daß die Bewohner diese Tatsache recht hoch emschätzen. Privat möblierte Wohnungen (1 bis 2 Zimmer und Küche) kosten von 5 bis 12 Millionen und darüber pro Saison. Die Pensionspreise betragen jetzt 20.000 K. pro Bett und Dag, 5000 K. für Beleuchtung, Pension bo' Mahlzeiten 60.000 K. pro Kopf und Dag; alles übrige wird separat berechnet. Wer aber eigene Küche führen will, hat sich mit der Tatsache abzufinden, daß Lebensmitte in Vöslau um 5 bis 10 Prozent teurer sind als <m Men.; (Forschung folgt.) Sie Hehplakate der Haknkreuzler. Die Wiener Plakatierungsanstalten haben Mumch», den Hakenkrenzlem die weitere A f f i ch i e r u n g auf-! reizender Plakate verweigert. Die Nationa-. listen wollen nun an die arischen Besitzer der Aukündiguugsftächen 'herantreten,' um von rhndn die Erlaub-! nis zum Anbringen der Plakate zu erhalten. Für den Fall! der Weigerung wird den Inhabern der Plakatierungs-! flächen von dom hiesigen uatronalsozialrstischen Wochenblatt' gedroht, sitz würden an den Pranger gestellt! werdellc "