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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-11 · Heft 1524 (11.5.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1524 (11.5.1923)
Date
1923-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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InzelDmnmerKlOOO ic n: Zum Abholen inrder Spedition, II., T aborstr. 1-3, ■er in einer Verschleisstelle Trafik) monatl. K 28,000 lit Postversand für Wien u. lesterr. monatl. K 28.000 schecho-Slowakei: jon. K17. Ungarn: Mon, (600. Jugoslawien: Mon, finar 35. Polen: Mon. (k.l2.000.Deutschland: ton. Mark 8000. Frankr., [elgien: Monatl. Frcs. 8 r Nachzahlungen *W Preiierhohucgen Vorbehalten Nr. 1524 7 Wien. Freitag. 11. Mai 1923 Tscheche-Slowakei, ISChech. Kit- Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Lewa, Schweiz upd das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—S Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien. Oösterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 5. Jahrgang -y. SB teil, 11, Mai. Die französische Kammer hat am Dienstag die pste Sitzung ihrer Frühjahrssession abgehalten. Sie »rach der Regierung Poincare mit 498 gegen 76^ Stimmen das Vertrauen aus, ohne über die äußeren Fraen zu debattieren; diese Aussprache wurde nach einer rzen Regierungserklärung auf den 22. Mai vertagt.- ie Haltung der Volksvertretung soll also besagen, daß > ^e Akttonen der Regierung, die zur Zeit im Gange sid, in keiner Weise gutheißen oder ablehnen wolle, um licht die vorhandenen Schwierigkeiten zu vermehren, xs ist unverkennbar, daß sich die französische Regierung frier außerordentlich komplizierten Situation gegenlbersieht, in die sie durch die Nachgiebigkeit gegenüber em Chauvinismus geraten ist. Aus dem Ruhrkonflikt |t eine sehr bösartige Verschärfung des Verhältnisses u England herausgewachsen, die früher oder später ptttmett mußte, weil an ihrem Beginn eine Verletzung es Friedensvertrages durch Frankreich.geschehen war. Kn solches Uebel erzeugt immer neue Dissonanzen. Frankreich ist ohne Zustimmung feiner Mitgaran- M des Vertrages an die Okkupation des Ruhrgebietes ^schritten. Die englische Regierung konnte nur die Tatäche akzeptteren, hielt sich aber zur Intervention bejeit, die nur Aussicht auf Erfolg bot, wenn die aktiven md passiven Interessenten an der Frage im Stadium ier Entwicklung des neuen Konfliktes gegen einander Ü>e Weiterung unterlassen. Die Einstellung der Kohlen» ieferungen durch Deutschland, so ungeschickt sie war, st doch noch als erste Antwort-auf die wrder alles Recht gefolgte Okkupation zu rechtfertigen. Die Erklärung des jassiven Widerstandes und die Instruktionen gn die beaMen - müßten jedoch die Re Schwierigkeiten in Lanfanne. ttigel MrWchtztt. Dieser Maßregel folgten denn auch die Gewaltakte des lBlitärs, das die Dinge unter keinem anderen Gesichts^ mnkt als der brutalen Beschränktheit der Kaserne bedachten konnte. Es folgte die Absperrung des Rührendes durch einen Kordon, die Handhabung der Bervaltung durch die Generale, so wie sie es verstehen, mit Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Erschießungen. Die deutsche Regierung sandte Minister in das Land, die »er Bevölkerung Mut zusprachen. Darauf antwortete Frankreich, indem.es mitten im Frieden aus dem besetzten Boden seine Militärauditore arbeiten ließ, beide Staaten führten außerdem noch einen heftigen Zeitungskrieg wider einander. Erfanden die französischen Reporter eine faustdicke Lüge, so blieb ihnen die Stinnesöresse nichts schuldig. Endlich trat die englische Regierung aus ihrer Reserve heraus und lud durch Lord Lurzons Oberhausrede Deutschland ein, einen Vorschlag \n erstatten, der als Basis der Verhandlungen dienen konnte. Deutschland kam spät, aber doch, mit seiner Note oom 2. 'Mai. Frankreich erklärte die Vorschläge am; i. Mai für unannehmbar, wies aber wieder auf den - Zusammenhang des Reparationsproblems mit der Frage seiner eigenen Schulden an England hin. Zugleich ließ.es durch die Raschheit der Antwort erkennen, - daß es die Ruhrfrage wie vor der Okkupation, so auch . setzt, als seine eigene Angelegenheit betrachte, wiederholte also die mit der Okkupation begangene Verletzung , des Friedensvertrages. Dies ergab wieder eine Bruskierung Englands und der Schatzkanzler Baldwin, der Vertreter des erkrankten Premiers Bonar Law, sprach am 8. Mai im Unterhaus, das Bedauern der englischen Regierung über die „unnötige Überstürzung" aus, dre ihr die Gelegenheit nehme, „durch eine gemeinsame Kundgebung die Solidarität der Entente zu bezeugen".' Das Unterhaus unterließ jede Debatte. .Inzwischen, hat ' . Frankreich durch seinen skandalösen Prozeß gegen Krupp .und seine Essener Direktören, einen - Schritt' getan,' der aus die deutsche Oeffentlichkeit wie. ein absichtliches. Feuersignal' wirken muß. In diesem Prozeß wurden gegen zehn Angeklagte 145 Jahre Kerker und 860 Mil lionen Mark wegen eines Alarmzeichens; verhängt, während der Leutnant, „der, die dreizehn Ärbeiter'süsilie ren ließ, von seinen Vorgesetzten belobt wurde. Die 1 Schande dieses Vorgehens zeigt, Wie eisenM derMili-i tarrsmüs die französische Politik umklammert hält, aus : der jede Zivilc-oürage geschwunden ist, so sehr, daß sie in allen Lebensfrägen Frankreichs' zum Unglück aller ' Welt den Männernvom längen Messer die Führung - überläßt. Die'deutschem Generale -Wilhelms haben den - belgischen Vertrag zerrissen, die französischen Sieger tun: 4 das Gleiche mit dem SScxticag; ben Frieden wieder Herstellen sollte. Die Untreue hat-zum Weltkrieg geführt, der Wortbruch schändet dem Frieden und ist poli- Mchss Mjftem geworden Lausanne, 9. Mai, (Schweiz. Dep.-Ag.). Das Finanzkomitee nahm in seiner unterdem Vorsitz des Generals Pelle abgehaltenen Vormittagssitzung.von dem Berichte der Finanzsachverständigen betreffend die an sie-, verlöre-, senen Artikel. Kenntnis. Art. 45 und Art. 56 betreffend die Verteilung der ottomanischen Schuld wurden angenommen. Die Miierten und die Türken sind darin einig, daß Griechenland ebenfalls seinen Teil an der Essenbahnschuld tragen solle, während Venizelos nur die Schulden anerkennen will, die der auf griechischem Territorium gelegenen Bahnstrecke entsprechen.. Sern Vorschlag, diese Frage einem -Schiedsgericht zu überweisen, wurde ab gelehnt. Eine längere Debatte entspann sich sodann über Artikel '66. Der zweite Abschnitt dieses Artikels,/der besagt: „Dem Berwaltungsrat der öffentlichen ottomanischen Schuld werdenkeineD elegtertender deutsch en, österreichischen und ungarischen Inhaber angchöven/^, wurde angenommen. Eine Festlegung des Zahlungsmodus — ob die Coupons der ottomanischen Schuld in Gold oder in Papier zu zahlen sind — wurde abgelehnt. Dagegen verlangen die Alliierten von den Türken die Bestätigung der von ihnen emgegangenen Verpflichtungen, Den Zahlungsmodus erachten sie als eine-Epischen dem türkischen Staat Upd feinen Gläubigern auf direktem Wege zu verhandelnde Angelegenheit. Die Türken verweisen , demgegenüberauf 'die Dekrete, die dix Zahlung der Coupons in WK! Webe- WWW, M8W-oMch tdamck'WwG. die We Anerkennung des 'ZahlWstzwms in die Unmöglichkeit versetzt werden, später mit ihren Gläubigern zu verhandeln. Sie wollen deshalb dem Art. 56 nur unter dem Vorbehalte zustimmen, daß ihnen das Recht erngeraumt wird, später mit ihren Gläubigern zu verhandeln. Die Miierten erklärten hierauf, daß sie ihren Standpunkt nicht ändern ' könnten. Da beide Teile auf ihrem Standpunkte verharrten, mußte die Beratung vertagt werden. , , Frankreich und die AM. Konstantinopel, 10. Mai. (Havas.) Die französische Regierung hat ihren intevrmrsttfchen OberkommWr beauftragt, Adnan Bei und den anderen Oberkommistären davon Mitteilung zu machen, daß die französische Regierung von der Erklärung- Adnan Beis Kenntnis gerymmen habe, worin dargelegt wird, daß an der syrischen Grenze eine Truppenkonzentration nicht stattfinde. Der französische Oberkommissär wird betonen, daß Frankreich das Abkommen mit Angora keineswegs verletzt, vielmehr alle Bestimmungen erfüllt habe. Frankreich habe auch den Artikel' beobachtet, der dem Sandschak AIexandrette ein S o n d e r r e g i m e - mit einein autonomen Budget bewilligt. In der französischen Mitteilung wird schließlich', aus die entgegenkvmmende Haltung der fmnzösischen Vertreter in Lausanne gegenüber der Türkei und aus die Vorteile Hingewiesendie der Türkei daraus erwachsen könnten. Faha« im nahe« Srieat. Der Wiener japanische Gesandte Kumataro Ho n d a ist, wie wir etWryh-'UÜt-.Ämr. -Rang -nies. Botschafters zum Al M tp® Mutt:WML- •' Durch diese- Ernennung dokumeMert Japan, daß es an den Politischen Vorgängen in O st eur o P a, beziehungsweise in Kleinasien nicht nrchr wie bisher desinteressiert ist, sondern an der, Regelung der türkischen Frage direkten Anteil nehmen will. Re Antwort ßnglands. London, 10. Mai. (Wolfs.) Nach' einer Mitteilung des Reuterschen Bureaus ist der Wortlaut der Antwort der englischen Regierung auf die deutsche Note noch nicht sestgestellt. Gegenwärtig seien jedoch die Sachverständigen damit beschäftigt. Im Augenblick sei es noch nicht bekannt, ob die Note vor ihrer Ueberreichung an Deutschland der französischen Regierung mitgeteilt ^werden wird. (Nach einer Havas-Meldung wird dies geschehen.) Wahrscheinlich «werde die Note Freitag dem deutschen Botschafter Sthamer überreicht werden. Sine deutsche Note Wer dar UM! im Kruvv> Prozeß. Berlin, 10. Mai. (Wolff.) Die deuischen Missionen sind beauftragt worden, den nicht an der Ruhrbesetzung beteiligten fremden Regierungen eine Note zu überreichen, in der es heißt; Auf den deuffchen Vorschlag, eine internationale Untersuchungskomm i f s i o n zur Prüfung des . beiderseitigen Beweismaterials bezüglich des ZwisMrsalles vom Osievsamstag (bei welchem 13 Arbeiter erschössen wurden. D. Red.) einzufetzen, habe - Fvmkveich nicht geantw o r tet. Statt dessen habe es die 'Frage durch ein aus Angehörigen der . beteiligten - -Truppen bestehendes .Kriegsgericht tnU scheiden lasten, das zügle ich Partei und Richter Ivar. -Anstatt das an den deutschen Arbeitern begangene Verbrechen zu sühnen, sei in srevelhäster Verdrehung der Tatsachen eine neue' Untat begännen worden. Proteststrettinkffeu. Esten, 9. - Mai.. (Wolff.) - Die OrtSaMchüste der gewerffMMchen Spi^rwrganisativnen erlastSn anläßlich des [ Werdener Urteils einen Aasruß^Wrin siedie Obmänner und die Betriebsräte alle v. Essener Betrieb.e ersuchen,'dahin zü wirken, daß inHren:Betrieben am Freitüg.ebenso wie bei der Firym Kruppvon 11 -Uhr vor» mittW--'^.''4 Wr-.'inachyüsiyK^die. 'ArbM völlig ruhe. Sie fordern die GeschäftSitzhcrb'er und die Gaftwirt.e.auf, ihre Betriebe während,dieser Zeit geschlossen zu halten. J eder B erkehOaMfMn Stra ß en solle ruhem Durch diese DemonWtM. soll der Abscheu gegen Wi WBsUMBSdB flnffil werden. Auch in Zukunft werde niemand unter Bajonetten arbeiten. Der Betriebsrat der Firma Krupp in Esten hat einstimmig einen Protest beschlossen, worin' er gegen das Urteil des französischen Mllitarismus schärfften Widerspruch erhebt und erklärt, daß sich die Arbeitnehmer des Werkes auch durch dieses Urteil in ihrem Kampfe um das Recht der freien Arbeit nicht niedervrngen lasten wer--, den. Dev Betriebsrat wendet sich an die schaffende Bevölkerung in der ganzen Welt und fordert sie auf, gemeinsam den Kampf gegen Mlitarismus und Imperialismus, gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu führen. 2ie ftmizöstschen Kriegsgerichte. Mainz, 10. Mai. (Wolff.) Das französische Kriegsgericht hat gestern 16 Eisenbahnarbeiter, Beamte und Gewerkschaftsangeftellte zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu zehn Jahren und zu größeren Geldstrafen verurteilt. Die Anklage hatte auf S p i o n a g e und Strerkvergehen gelautet. Die VerhaMung hatte unter Ausschluß' der Oefsentlichkeit stattgefunden. ~ , Ser BesetzmgsMamt. Paris, 10.. Mar. (Wolff.) Der , vom Deputierten Eymond namens der Finanzkommissivn der Kammer erstattete Bericht über den Kredtt für die Besetzung -es Rührgebietes macht folgende Angaben über die Zusammensetzung der französischen Ziviltommistionen im Ruhr gebiet: Im -Anfang umfaßte die Ingenieurkommistion 13 Zivilingenieure, 30 Bergwerks- und 27 Marineingenieure. Inzwischen sind 18 französische ZivilingenieuLe und 16 deutsche Hllfsangestellte hmzugekommen. Zur Frnanzkommistion gehören acht Beamte. Im Bervechnungswesey sind 17 Beamte beschäftigt, im Postdienst 118 Beamte, W denen fünf deutsche hinzugekommen sind. Im Zolldiensl arbeiten 597 französische Beamte und 27 deutsche Hilfs- Personen. Die französisch-belgische Eisenbahnregie umfaßt nach dem. Bericht 10.040 französische, 1174 belgische und. 1500 deutsche Beamte. Die französischen Ersenbahner .be. kommen außer ihrem Gehalt eine tägliche EntschLdigun-. & m M M rn W FvMm öchMt itz. •—I—fr»-"«

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