Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1523 (10.5.1923)
- Date
- 1923-05-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'ViYP* w «p«n; M0M«xmäa Wiener: Morgenzettung. 10. Mi 1923 Seite 5 RotstaudsproMmm der Gemeinde Me». Reuerll« 10« Milliarden. - Gewte W Mrdtvat Siegel dem GemeindevatZauSschuß für technische Angelegenheiten jenen Teil des zweiten iNotstcmdSPvogvammS Vovgelegt, der den eigentlichen Ge-- meindehauShaK betrifft. Gr umfaßt Arbeiten mit einem iKostencmfwand von genau 100 Milliarden Kronen. Mit 'den vor wenigen Tagen veröffentlichten Investitionen der statischen Unternehmungen von 72,7 Milliarden Kronen und dem ersten Notstandsprosiamm, daS 120 Mlliarden Kronen ausmachte, >wendet die" Gemeinde also seit Jahres- 'beginn 293 Milliarden Kronen auf, um die Arbeitslosigkeit zu lindern, die Wohnungsnot Zu bekämpfen und eine Reihe von Werken zu schassen, die der Gesundheit der Bevölkerung und der Wiederinstandsetzung der Stadt dienen. Nicht weniger als 33 Milliarden sind für Wohnhausbauten vorgesehen. Außerdem werden Notwohnungen instand gesetzt und auch die Siedler kommen nicht zu kurz. Im 10. Bezirk.ist die Errichtung eines modernen Hallenschwimmbades geplant, für -das 16 Milliarden Kronen ausgewendet werden sollen. Das Bad wird auch für die Zwecke des Schwimmsports hergerichtet sein. Ganz besondere Vorsorge widmet das Programm den Kindererholungsstatten. Zunächst werden sechs neue städtische Kinderspielplätze geschaffen, und zwar je einer im 2. Bezirk, Feuerbachstraße, 6. Bez., Heunrarkt, 16. Bez., Yppenplatz, und drei im 21. Bez., in Strebersdorf, Iedlesee und Donaufeld. Am Laaerbevg und GKzenberg werden überdies Vorsicht, ist, wie wir im Rathause erfahren, kein Platz für dieses PwM, wenigstens für absehbare Zetten hinaus. Wie mau uns mitteilt, müßte die Gemeinde wieder Hunderte Milliarden zur Verwirklichung des erwähnten Projektes investieren — .denn nicht nur das ganze BetriebSmaterial müßte zum größten Telle neu angeschaM, die verwahrlosten Gebäude renoviert, sondem eine neue Straßenbahntraffe von Nußdorf bis zur Ausgangsstativn der Kahl.uLevg'bahn angelegt werden, deren Kosten allein man auf 70 Miliardtzn schätzt —, für ein PrvjM, das gewiß eine Sehenswürdigkeit Wiens werden könnte, aber vor wichtigeren Aufgaben zurückftchen muß. Wenn auch die Gemeinde das Projekt nicht durchführen kann, es wird sich hoffentlich jemand finden, der den Kahlenberg ans seinem Domröschenschlaf wecken wird. Me «a« das Wohnungseleud bekämpft. Nach dein geltenden Wohnungsanfordemngsgesetz können mehrere Gemeinden zu einem einheitlichen „Wohngebiet" vereinigt werden. Diese Vereinigung hat den Zweck, daß Doppelwohungen, die innerhalb dieses Wohngebietes bestehen, dadurch anforderbar werden. Vor der Geltung des jetzigen Anforderuugsgesttzes hat für Wien ein solches Wohngebiet bestanden, das unter Einbeziehung der zunächst liegenden Gemeinden des Wiener Umkreises (Schwechat, Liesing, Purkersdorf, Langenzers-- dorf und die dazwischen liegenden) gebildet wurde. Nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes hat das Wiener Wohnungsamt sogleich eine neue Vorlage über die Schaffung eines Wiener Wohngebietes ausgearbeitot, die vom Gemeinderatsausschuß für Wohnungswesen genehmigt und als Antrag an das Bundesministevium für soziale Verwaltung geleitet wurde. Danach sollte das Wiener Wohngebiet eine Reihe von Gemeinden Niederöfterreichs umsäffen, und zwar im wesentlichen längs der Westbahn bis Neulengbach, längs der Südbahn bis Mauer, im Südosten Wiens bis Fifchamend, im Norden bis Stockerau und Deutsch-Wagram reichen. Es handelt sich, wie man sieht, um jene Gemeinden, in denen zahlreiche in Wien beschäfügte Menschen wohnen und in denen der Besitz einer Wohnung neben der Wiener Wohnung tatsächlich als Doppelwohnung empfunden wird. Während dieser Antrag noch in Verhandlung stand, richtete die buvgenländische Landesregierung an die Wiener Landesregierung das Ersuchen, in die Biwung eines größeren Wohngebietes einzuwilligen, das das ganze Burgenland sämtliche Gemeinden der politischen Bezirke Neunkirchen, Wiener-Neustadt, Baden, Mödling, Bruck an der Leitha und Hietzing Umgebung umfassen sollte. Die Gemeinde Men hat diesem Anerbieten bereitwilligst zugestimmt und der Gemeinderatsausschuß für Wohnungswesen hat in Abänderung feines ersten Beschlusses einen diesbezüglichen Antrag genehmigt. Nunmehr hat aber, noch bevor dieser zweite Antrag überreicht wurde, das Bundesministevium für soziale Verwaltung der Gemeinde Wien mitgeteilt, daß der Landes- Gesamtbettag 288 Milliarden. Plantfchbäder eingerichtet. Die Gesamtkosten dieser Herstellungen belaufen sich auf rund 1,1 Milliarden. Im Zusammenhang damit steht auch die Umwandlung der Vorortefriedhö'fe in Gartenanlagen, die bereits mit dem Hundsturmer Friedhof hegönnen wurde. Numuchr sollen der alte Währinger allgemeine, der Florrdsdorfer und der Domufelder Friedhof an die Reihe kommen.. Der Fürsorge für unsere Kinder dienen auch die Errichtung von zwei neuen Schulzahnkliniken und verschiedene Ermuemngsavbeiten an Schulen, wie zum Beispiel die Einleitung elektrischer Beleuchtung an Stelle des Gaslichtes in 13 Schulen in den verschiedenen Bezirken. Außerdem werden für 1200 Millionen Lehr- und Lernmittel angeschafft. Das Programm umfaßt ferner einen Betrag von 2,75 Mlliarden für die Erneuerung und Erweiterung von Marttanlagen und weitere 23 Milliarden für Straßen- Pflasterungen. Bon allergrößter Bedeutung sind die Maßnahmen zur Bekäntpfung der Slaubplage. Nahezu 11 Milliarden Kronen werden aufgewendet, um im Laufe des heurigen Sommers die Straßenbespritzung auf den Stand der Vorkriegszeit zu bringen. Zu den vorhandenen sechs Autosprengwagen werden zwanzig neue hinzugekauft, zum ersten Male seit Kriegsausbruch werden wieder die Äraßen mit Staubö l überzogen werden. Der Ausschuß stimmte . dem vorgelegten Programm einhellig zu. Urania. Heute, halb 3 Uhr (Großer Saal) r Uns« Alpenvolk und seine Lieder: (kleiner Saal)r DaS Sertental «üj seine Bertze. Halb 5 Uhr (Kleiner Saal) t Ing. Josef L v w yj Aus der Wunderwtlt der Elektrizität. 6 Uhr (Großer Saal) Hänfel und Gretel. Halb 6 Uhr (Klubsaal)r Gisela Krückl Die Erreichung gesunder Tonbildung VI. ♦ (Kurssaal) r Kustos Dr. Hans Ankwiez - K l e e h o v e n $ Egon Schiele. Hall 6 Uhr (Großer Aaal) r G'schicht'n aus'» Wienewald; (kleines Saal): Dr. Franz N e b i cr e k: Dritte Vorlesung. Forschung aus „Jan BaaenseNs Fahrt"; (Kmssaal) r Ing. Nich. S -o y k «I Aufsteigende Völker und ihre Stellung zum Alkohol; (Klub aal) j Spreckmeister Hans Kirchner: Monologe aus Goethes „Faust" 1. nnd 2. Teil. T e ch n t s ch e S Musen tn. Samstag den 12. d. um 3 Uhr nachmittags Führungsvortrag von Dr. O. Brykr Alchemie! — Sonntag den 13. d. nnr 10 Uhr vormittags im großen Hörsaal Lichtbildervortrag von Ing. Adolf Swobodar Rückgewinnung von Brennstoffen Ms Asche. Mae mrd Kunst. Aus den Matern. Cleo . gute Koni g". Im Deutschen Bolkstheater wird gegenwärtig Anton Ohorns Schauspiel aus dem Klosterleben „Die Brüder v o ü S t. B e r n h a r d" in neuer Jnszenicrlma vorbereitet. Di( Ausführung ist lür Donnerstag den 1?. d. angesetzt. Raimund-Theater: Heute, 7 Uhr, „Hebda Gabler". Dib. Titelrolle spielt Frau Ella Fichtner vom Schiller-Theater m Berlin. — Morgen eröffnet Emauuel Reicher sein Gastspiel als Leiser Frenkel in Tschirikows neueinstudiertanr Schauspiel ,Die Juden". Renaissance-Bühner Morgen Premiere des Lustspieles „Epsteins Witwe" mit Gisela Werbeziel. Iosefstädter-Th ea ter: Sonntag, Z Uhr nachmittags, ÄuiffWunig von „Die Näherin" mit Haust Niese. Im Apollotheater bringt heute die Exlbühne um halb 9 Uhr die Neuheit „Der Ehestreik" von I. Pohl zur Ausführung. Olhmpra-Arkus-Niesen-Arena (Prater bei der Rotunde Haupteingang Kleine Zufahrtsstraße. Direktion: Ludwig FM mann (BellachiN.i). Heute das grandiose Eröffnungsprogramf Ringkämpso, Wlldwestschau. Drei Vorstellungen: 3. 5 if halb 8 Uhr. Gedeckte Tribünen. Populäre Preise. Einzig? Kontinent! Das Ziel Zehntausender! (Entgeltlich.) Serlchissaal. K«e Wobnmtgsmtforderung vom Bezirks« sericht aufgehoben. Eine Mame WohnungZanjsoüdörwng befchästigte kürzlich die MiletLoMMilsssion! des Bezirksgerichtes Favoriten unter Vorsitz des BeziMrichters Dr. KuLula. Die Inhaberin der Wchntyig, 10. Bez., Hmfttzgasse 8, Alorsta Gr ahn er, hatte ihre Wchnuug zur Gänze cm den Kaufmann GalMnon Eh re niste in und seine Familie in Untermiete gegeben. Nach dem Gelsetze ist -in «m«m solchen Falle der Magistrat ber^ttgt, die Mffovdsrung ausgusprechen. Dagegen hat der Untermieter Ehrenstein Einwendungen echoben und a. angeführt, daß Fmu Gr-cckner jeden Abend in der WchnMg erscheine, um daseWst zu nächtigen. Das BeweiZvorlstchren der bezkrksgevichMchen BechaM-rmg hat ergeben, daß tvM dem Wortlaute, nicht aber dem Sinne nach eine gänzliche Untervermiet-ung Mtgchrnden hat. ,/Trotz Bumittcher gänzlicher Untervermietmtz hat sich die Vermietet näuMch ein M i t!b e n ü tz u n g s r e ch t der Wohnung in der Weilst Vorbehalten, daß Hr gestattet werde, ^in ebnem Z-hMner auf einem Sofa zu nächtigen". Das Gericht hat a-us diesem Grunde dem Einspruch Mgen die Anforderung Folge gegeben und die Verfügung des Magistrats als mbgesetzllich aufgehoben. ihauptmcmn von Niedevösterveich die Zustimmung zur Schaffung eines Wohngebietes in Verbindung mit niederöfterreichischen Gemeinden mit der Begründung ahgelehnt habe, daß die Bildung ebnes solchen Wohngebietes derzeit nicht im öffentlichen Interesse Niederöfterreichs läge. Der Gemeinde Ären bleibt daher nichts übrig, clls die ablehnende Haltung des Lgndeshanptmamres von Niederösterreich mit Befremden n>nd Bed<mern zur Kenntnis zu nehmen nnd auf die S chaffnng eines Wohngebietes zn verzichten, wodurch der von der Wohnungsnot hart betwfftmn Bevölkerung aller in Betracht kommenden Gemeinden eine Anzahl von Wohnungen, die erfaßt Mitm werden können, verloren geht, Nr Bersasfuugsserlchttbvf ttaParlammts« gebSude. Die AeSeOedlung d»ß BchMfungLgovichtshofeS in das Pcrvlamen-tSgMude ist in den Letzten Tagen vollzogen worden und seit gestern amtiert das Gericht fiat feinen neuen Räumen. Der Eingang ist ausschließlich vom Dr. Karl Lueger-Platz 6, d. i. das Mtteltor unterhalb der größt» Terrasse. Die Räume des VevsafsungsgerichtShofeS bilden für sich ein abgeschlosstnes Ganzes, und ein Ueberttiit in andere Räume deS Parlaments« gebäu-des ist durch Mspeemng, teNvebss sogar -durch Vermauerung der BerbindimgStÜren unmöglich gemacht worden.' * Auszeichnung. Der Verein „E h e s e t S ch e l E m e 8" (Wahre Hilfe) hat Herrn OskarKrakauer in Anerkennung seiner großen Verdienste, die er sich als Obmann wie auch als Delegierter für den israelitischen Friedhof erwarb, während des Gottesdienstes im Tempel Schiffgasse va8 Ehrendiplom der „Cheset Schel Eme8" iiberreicht. Herr Professor Nasche hielt eine feierliche Ansprache und gedachte Krakauers langjähriger Verdienste und seiner stillen Wohltätigkeit. * Zionistische Bszirltssekkion Leopoldskaör. Heute findet keine Zusammenkunft statt. . * Misrachi Wien. Me Inhaber von Schekelheften werden dringend aufgefordert, zur Verrechnung im Bureau, 2. Bezirk, Praterstraße 48 (täglich von 9 bis 6 Uhr, Sonntag von 11 bis 12 Uhr), zu erscheinen. * Wetterbericht. KühlereSWetterinSicht. Voraussage t Trübung, wahrscheinlich auch Gewitter, vermutlich bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Wien, zeitweise starke West- oder Nordwestwinde, nachher Wteres Wetter mit veränderlicher Bewölkmg. * Diese Preise sprechen sür sich l Halbstores (BonneS- Femmes) 29 K., Brises-Bises ö K., Künstlervorhänge 89 K., Spitzenvorhänge, 100 breit, pro Meter 7 K., Doppelbettdecken 95 K., alles aus Tüll, Etamin und Batist, Madrasvorhänae 95 K. Teppichhaus Weitzner, 6. Bez., Mariahilferstratze Nr. 105. Preise in Tausender. (Entgeltlich.) Vereine. Borttiige und Versammlungen. Vereinigung zionistischer Bankbeamter. Heute um 8 Uhr abends im Heim, 8. Bez., Bennovlatz 1, Lichtbildervortrag Dr. Wolfgang Weisls (eben aus Paläfttna zurückgekehrt) über Palästinas Politik und Wirtschaftslage. Gäste willkommen! — Reichsschutzbund der H andelSvertreterinOe st erreich. Samstag den 12. d. um halb 8 Uhr nachmittags im Cafe Gartenbau, 1. Bez., Parkring 10 (Sonterrain), außerordentliche Handelsvertreter-Hauptversammlung. Neuheiten in Herren- und Damenstoffen sowie inEponge L „ Marquisette, u. Afascnsfotfen aller Art zu den billüqsten Preisen HO in i*eiohha!fcigstör Auswahl .W * « 2L», P o p a Dlodenrarenliians Mai Stern &€= e H 1 a n m m m ® IV 14 Der Greis «k Brandstifter. Ein Keir.'es, weißhaariges Mnnchen mit schlürfercken Gang, wurde aus der. Untersuchungshaft den Geschworenen vorgeftihrt. Der Mann ist 71 Fahve all, Mrtschaftsbefitzer und heißt GMg Wirth. Die AMage, vertreten von Staatsanwalt Wunderer, legt ihm das Verbrechen der Brandlegung zur Last. Die Verhandlung wird vom Oberlandesgerichtsrat Kock ne r geleitet, der BüschtMigte twn Doktor Fleischm<snn vertMgt. Wirth hat am 91. Jänner wchts, pie die AMage sagt, das Anweseü seiner verheirateten Tochter Marie Prisching, angeKÜndet; die gesamten WirtfchaftSgMuide und auch die Häuser von drei Nachbarn fielen dem Brand zum Opfer. Zwischen Wirth und seiner Tochter und deren Gatten bestand erbitterte Feindschaft. Nach Ausbruch des Brandes suchten einige Burschen den Wirth und trafen ch» im Walde. Als sie ihm sein Zerbrechen vochielten, gestand Wirch die Brandstiftung einauch vor dem Ortsvorstcher wiederholte er sein SchulÜdbeLenNimS. Vor dem Untersuchungsrichter leugnete der Beschuldigte. Da Georg Wirch vor Fahren eine schwere Kopsterletzung erlitten hat und ei» Säufer ist, .wurde sein Geisteszustand untersucht. Die GerichtÄPshchiater bezeichneten ihn als einen durch Moholmißbrauch herabgewnmrenen Mann, mMe seines Alters abgestumpft, aber geistig gesund nnd für seine Handlungen verantwortlich. Die Verhandlung wurde am Abend zu Ende geführt. Die Geschworenen verneinten die Hauptfrage aus Bvcm^. tlegung mit sechs Stimmen und erkannten den Angeklagten nur der fahrlässigen Entzündung einstimmtzg schuldig. Auf Grund dieses Verdikts verurteilte der Gerichtshof! den Angeklagten zu einer Woche Arrest, welche Strafe M durch die llntcrfuchnngshaft verbüßt erklärt wurde. nc'üfr ^:v:ü,mng des Vorsitzenden wurde er soW enchaftet » . i miii-iiiTumTr-fi—IT'