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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-10 · Heft 1523 (10.5.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1523 (10.5.1923)
Date
1923-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[nzeimunmerKttloo Vien: Zum Abholen in der Expedition,lI.,Taborstr.l-3, Mer in einer Verschleisatelle (Trafik) monatl. K 28.000 Äit Poatversand für Wien u. jlesterr. monatl. K 28.000 ü! ’schecho-Slowakei: .ton. K17. Ungarn: Mon, j! 600, Jugoslawien: Mon, j)inar 35. Polen: Mon. jj[k.l2.000.Deutschland: Hon. Mark 8000. Frankr., lelgien: Monatl. Frcs. 8 ffT Nachzahlungen "WB jd^P^^wh^gM^«rt>ehalten . Nk. 1523 Wiener - /■ ♦ Me«. Donnerstag. 10. Mai 1923 Tsch«cho»Slowafi«i i tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel-Adr.: .Morgenzeitung" Wien Oösterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 9; Jahrgang Air Rassenreinen. —y. SB i c it, 10. Wlai Es gibt sich oft Gelegenheit, die hohen Beamten in der Gerichtsstelle zu sehen, wenn sie im Namen des Kies die überwertige Moral der bodenständigen vor Verletzungen zu wahren haben. Main hört -ann ihre öligen, selbstbewußten Reden wider die fremde Invasion, die mit ihren so ganz anders gearteten Usan-;en die sittliche Autorität zerstören. Darnopoler Moral! Jüdische Drehs! Daknudkmffe! Ans diesen Kreisen schreibt sich im Ursprung die hochmütige Diffamierung her, die von den arischen Genevalpachtern aller Redlich- M urid Rechtlichkeit über das Judentum verhängt joorden ist, und aus diesen Kreisen strömt der Regen -es Hasses, der sich dann in den frechen Maueranschlägen der Hcrkenlreuzler verdichtet. Nun hat man Me hchen Beamten wieder vor Gericht gesehen. Zwei Vage lang zogen die Herren vor dem Richter vorbei und gaben ihm und dem Volk und der gesamten Oeffentliößeti ein Bill) von der Macht, vor der der Staat und die Abbeit der Bevölkerung Ms Gnade und Ungnade ergeben liegt. Es hat sich um die Spitzen dieser Macht gehandelt, nicht um ein paar Schieber aus dem Osten öder Westen. Was hätten wir sonst zu hören bekommen von der Pflicht des Gerichtes, schonungslos, in die Abgründe zu leuchten, in denen an der Zerstörung des Wohlstandes und der Wirtschaft gearbeitet wird. Die Akten wären an den Staatsanwalt gegangen, die Zellen des Landesgerichtes hätten die Verbrecher liebevoll ausgenommen und die arisch-völkische Presse hätte aus Artikel soundso viel der Protokolle der. Geheimnisse der Weisen, von Zion den ruchlosen Plan der Mischen Nomadenmoräl nachgewiesen. In dem Prozeß Oppenheim kontra Hornik blieb es bei dem'Abschluß durch Ehrenerklärungen. Den Hintergrund der schmutzigen Affäre,, die aus den Aufzeichnungen eines Allerweltsagenten (eines jüdischen, was nichtz verschwiegen sei) / entstand, bildet der Zusammenbruch der Monarchie. Die Werte, die unter dem Trümmerhaufen verborgen lagen, lockten die Haifische der Konjunktur, aber auch die kommerziellen Jnstirckte vieler Staatsorgane au. Es wurde Bestechung gegeben und genommen. Einer, dessen Namen man in dem NotiMchlein des Agenten zu erkennen glaubte, klagte, um vor Gericht seine Reinheit "zu beweisen.^ Aber die Verhandlung ergab, daß sich „wichtige Staatsinteressen" schützend vor die Korruption stellten. Klarheit über die Fälle, die man nur beinr Namen nannte, ohne Ms den Sachverhalt einzugehen, wurde nicht geschaffen, aber im großen Ganzen wyrde Klarheit geschaffen. Man weiß jetzt, daß vertuscht wurde, und man darf Ms diesem Wissen schließen, daß auch noch weiter vertuscht werden wird. Eine Hand wäscht die andere, und wenn das Geld lockt, dann entsteht ein großes 'Rennen. Dem mMtärischen und politischen Zusammenbruch der Monarchie war schon im Augenblicke des Kriegsbeginnes ihre moralische Katastrophe vorangegangen. Die Staatskassen^ standen sperrangelweit offen und, da Gelegenheit Drebe macht, wurde unter der Weihe des Seelenaufschwunges nach den Noten der Kanonenmusik geftchlen. Um den Instinkt des Volkes abzulenken, konstruierte sich die patriotische Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine besondere jüdische Mentalität. Das Ariertmn blieb Mtenweiß. An der Front und in der Etappe fuhren Beutezüge, schöben Feldhe»en und Feldwebel Zucker und Mehl, und das Beamtentum im Hinterlcmlde half ihnen dabei. Nach der Niederlage ging das Geschäft noch wett > intensiver weiter. Der Staat betrieb es selbst. Er löste seine Lebensmittelkarten nicht ein, ließ seine Währung verfallen. Der Staat — das sind seine Beamten. Und diese Gesellschaft zeichnet den Maßstab für bürgerliche Anständigkeit, rÄet über die Tarnopoler Moral; sie' lebt sehr gut von der Not und sucht Bestechung urid Bestecher. Sie klagt über die Begehrlichkeit der Arbeiter, hat eine Wucherpolizei errichtet, mit der 'sie jüdischen Kaffechausgälsten Melväluten.wegnimmt, sie unterhält ein Steuerfpitzeltum, schickt Propokateure in die Geschäftsläden. Versteht sich aber, bis auf-wenige Ausnahmen, sehr gut mit den ganz großen Betrügern, die sie ehrfürchtig bewundert, und versteht es. sehr gut, im gegebenen Moment zu schweigen. Im Gerichtssaale hat man vorgestern in einein Atem ein Dutzend „Fälle" erwähnt. Jieugierig waren weder Richter noch Zeugen. ' Der sachliche Inhalt bleibt Geheimnis, Kläger und Geklagter bestätigen einander die Ehre. Es wird weiter saniert, und an den Universitäten reden die Rektoren von der Moral und Kultur der Juden, von der Levanlimiurnn-a des Staates. Der Weltkongreß WischerFrauen. Sie Palöstina-Kmigratlon. — Die erste hebräische Rede. In der gestrigen Sitzung des Weltkongresses Mischer! Frauen wurde durch mehrere Redner, insbesondere durch Frau Erna Patak, die Aufmerksamkeit auf die Arbeit in Palästina gelenkt. Dieses TheM ist bisher ziemlich stiefmütterlich behandelt worden. Von wohltuender Wirkung waren das Palästina-Referat der Frau Mofhenson, die es nicht versäumte, zu versichern, daß die Kolönisationsarbeit von stets > wachsenden Erfolgen begleitet ist. Viele konnten ihre Rührung nicht unterdrücken, als Frau M a z a l O v. a d i a, die temperamentvolle Gattin des Rabbiners der Wiener fpäniolischen Gemeinde, ihre halbstündige Rede in einem melodischen Hebräisch hielt. Wohl verstanden wenige ihre Ausführungen, aber der Reiz der hebräischen SpraA verfehlte trotzdem nicht seine Wirkung. . / Bei Beginn der gestrigen Bormittagssitzung sprach Herr Dr. Kahn (Deuffchland) über das Emigratis ns Problem. Dir Machender Auswanderung der Juden, so führte er aus, seien bekanntlich die schlechten Lebensverhältnisft, die Bedrückung, Verfolgung und die Pogrome. Die Auswauderungsbewegung ist besonders seit 1881 ungeheuer rn.'ensiv geworden^. Während des Krieges hörte die AuswanderungsLewegung ' völlig auf, fetzte aber nach dem Krieg mit doppelter Stärcke wieder ein. In den Jahren 4881 bis M2 find 3,3y0.ÜMNKkr,?lMS doch Tsien ausgewandert. Hiervon 'entfallen 2M0.V20 auf die-Ber-.- einigten Staaten. Durch die Enrschränkft'ng -er Einwanderung nach Amerika enfftand" in Osteuropa eine ftrrchrbare Lage. Im Jahre 1882 durften bloß-53.424 Juden aus dem Osten nach Amerika kon, men. Dies bedeutet eine fast gänzliche-Sperrung Amerikas für die Ostjuden. Es muß die zwingende Notwendigkeit der Erschließung Palästinas von ftdsm anerkannt werden. Es ist die einzige Möglichkeit des Lebens und die einzige Hoffnung hunderttausender jüdischer Brüder. Mrs. Razovsky (N. S. Ä.) sprach sodMÜ über das' Verhalten der amerikanischen Behörden und Regierungen gegenüber den Mischen Einwanderern. Mrs. Razovsky arbeitet im Aufträge des Council of Jewish Women in Ellis Mand, wo sie die Fürsorge für die jüdischen Einwanderer leitet. Das Hauptbestreben der amerikamsch-jüdi-. schen Fvauenorgamsation besteht natürlich darin, die M i lderung des Einwanderungsgesetzeszu erwirken. Nach Mexiko, wo keine jüdischen Gemeinden sind und auch kein jüdischer-Arbeitsnachweis, sollten keine E m i g r a n t-en geh e % besonders Mädchen und Frauen werden vor Mexiko gewarnt. In Argentinien arbeitet 'die „Jca" mit gutem Erfolg. In Kanada können nur Farmer und Schwerarbeiter existieren. - - Herr Rotier (Konstantinopel) verliest das Referatdes Direktors der „Jea" Oungre aus Paris. Siebzig Prozent der jüdischen Auswanderer will nach den Vereinigten Staaten gehen, aber heute kann nur ein kleiner Bruchteil herein. Diese Unglücklichen müssen beherbergt,: ernährt, vielfach sogar mit Kleidern und Reisegeld versorgt werden. Die internationalen Organisationen sollen, stets in den einzelnen Ländern Mitarbeiter suchen und mit Lokalkömitees ihre Verfügungen treffen. / v ' In der nachfolgenden Diskussion ergriff zuerst Frau . Erna Patak (Oesterreich) das Wort. Die Auswanderung der Osffuden hät überall einen töten Punkt erreicht, well' wir überall von der Gesetzgebung'-der einzelnen Länder abhängig waren. Das einzige Land, in der eine Massenauswanderung möglich ist, ist unsere Heimat Erez Israel. In; den zwei letzten Jahren sind dreißigtausend Menschen ein- . gewandert, in we-itereu dreißig Jahren werden wir eine Million in Palästina haben. Unsere Pioniere setzen sich Mit ihrer ganzen Kraft ein, um den'Wiederaufbau zu bewirken.' Nach,den kurM Erklärungen Fräulein Brrkenhe rms aus Polen, Frau Deüts-ch (Ungarn) und Frau MeIzer-Pomeranz (Polen) sprach Frau Dreyfuß-Strauß XBaftl). Als einzige Vertreterin-- der Schweiz legt sie sämtliche jüdisch-soziale Institutionen in' Form eines Tätigkeitsberichtes dem Kongreß vor.' Mme. Zadok-Kahn (Paris) erwähnte, welch großes Mitleid in Frankreich für die Pogromopfer im Osten herrscht. .... Mrs. H arri s berichtet über die Tätigkeit des Coünnl of Wo.neu in fccu Vereinigten Staaten- In der Nachmittagssitzung kam das Referat des Herrn Held (U. S. A.) über EmigrationMrsorge der Hias. Mr. Cohen aus England spricht als Vertreter des Völkerbundes, insbesondere der Abteilung für Fragen des Mädchenhandels. Das Referat über Palästina-Emigration von . Fra- Mo s h e n s o n (Jerusalem) liest an Stelle der erkrankten Reftvenün Frau Eschelbach er vor. . Frau Rabbiner Mazal Ovadia (Wien) spricht im Namen der Wiener Sephardengemeinde in 'hebräischer Sprache und entfacht dadurch große Begeisterung. Sie meint, schon Theodor Herzl habe die Wichtigkeit der sephardischen Juden für den Wiederaufbau Palästinas erkannt- Das Referat Frau Frischman (Riga) .über rhrt Erfahrungen mit den Emigranten aus Rußland wurde mehrfach durch Beifallskundgebungen unterbrochen. - In Rußland war die Zarenherrschast die Schaustellung des. ärgsten Bavbarismus. Aber auch in den demokraüschen Republiken, die seither hier entstanden. sind, hörtey die antisemitischen Exzesse nicht auf. Es liegt der jüdischen Be» völkerung nichts mehr daran, wohin sie geht, nur heraus aus der Welt des Unheils wollen sie. In der heutigen bolschewikischen Periode Rußlands haben wir eine kleine Zahl von degenerierten und dönaUonalffierten Juden, die zür Röten Fahne schwören und die Mllionen, welche an Leib und Seele verbluten, durch den schrecklichen Terrors - Herr Schluger (Wävschau) sprach über die Schwje- .r^kellen M. der Evakuierung ganzer Städte uiüd Gegen- -den. Die Emrgraffonffei^ine Lebensfrage-und-ihre Durch, sühmng' bestimmt das^Micksgl-KMEausender Juden.. Zu Ehren der Delegierten wurde gestern nachmittags von der israelitischen Kultus gemeinde im K-ursälon ein Fide elook-Tee veranstaltet.. . Eine Abendsitzüng. . Die mannigfachen BerhaMungsMenstände des Kom ^gresfes ließen die zur Verfügung stehende Zeit als Ku'.ÜW, erscheinen. .So mußte gestern nach der Nächmittagssitzungi noch eine Abendsitzung eingeschaltet werdön, lvelche- bis. spät nachts -dMerte. Die Berichte der Delegierten der! einzelmn Länder sind fortgesetzt worden. . Frau H e p p n e r - (Freistaat Danzig) hielt ihren Bericht und hob hervor -die Tätigkeit des jüdischen Frauen-!. Vereines in diesem wichtigen Durchwanderungszentrum.. -• J Fräulein van' Geldern (Holland) ' vertritt den' jüdischen Frauenbund in Holland, an den von ungefähr siebzig sozialen Vereinen 25 amgeglreder^ sind. Neben dem Schutz der Transmigranten bestehen.Perei n e für .. praktische Palästina-Arbeit. Als Hauptziel betrachten die holländischen JudimW die Stärkung des Solidaritätsgefühls und die nationale Arbeit. Eine vorbildliche Institution besitzt der. Frauenbund in-dem Apeldvonsch en Bosch, eine Mustersit*. st alt für Geisteskranke, mit 625 jüdischen Paüenten. . Mrs. Siefs (London) repräsentiert die Wo mens International. Zionist Society, welcher Frauenvereine in N e w Z e e l a n d, K a n a d a, S ü -dafrika, Tunis und Persien angehören. - Frau - Erna P a t a k- (Wien) schildert die Tätigkeit der Vereinigung zionistischer Frauen in O e st e r r e i ch. Frau Deutsch (Budapest) spricht über die zahlreichen Jnsütutionen.der ungarischen Juden, die in den letztenJahren wegen Geld m a n g e l s eingegangen oder reduziert werden müßten. Der Pefter Israelitische Fraüenverein und andere Veveklre üben eine großzügige Wohltätigkeit, jedoch bedürfen sie der ausländischen Hilft. . Frau Dr. Margulies (Florenz) betont die Aus nahnrestellung Italiens, des Landes ohne Antisemitismus. Die jüdischen Fraueninstitutionen sind dieselben wie m anderen Ländern. Von besonderem Wert für das jüdische Volk dürfte eine K o e d u k a t i ö n s s ch u l e mit hebräischem Sprachunterricht sein. Auch die Beobachtung dev religiösen Tradstioy wird von den -italienischen Jüdinnen als ein Hauptziel ihrer Arbeit betrachtet. Frau Benedettr (Rom) betont, daß die großer! Charitaseinrichtungen in Italien auch staatlich unterst ntzt werden.'Dies ist d^r- Fall in Rom, Venedig und TrivoliL

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