Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1518 (5.5.1923)
- Date
- 1923-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WWWM ft'vy v-c^f MWM. El Dzelnnimii er K IO 00 Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11.,Taborstr.1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon, K 600. Jugoslawien: Mon. Dipar 36. Polen: Mon. Mk.l2.000.Deutschländ: Mon. Mark 8000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 5T Nachzahl an Preiserhöhungen?«« TS Vorbehalten IBH Tschecho-Slowakei ( ftschech. K 1.— | Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien] Monatl. 75 Lei bezw. Lewa,! Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcis. 3] Redaktion u. Administration] Wien, II., Taborstrasse 1—3] Telephone: 44-0-38,43-3-19,j ab 6 Uhr abds, 19-483,16-3011 Tel,-Adr.: »Morgenzcitung^ Wien; Österreichisches Postspar»} kassen- Konto Nr. 150.693 Nr. 1518 Wien. Somstofl, 5. Mai 1S2S 8. FchrgMg ., ...■■ i ■■■in—.« ■ Wittschasts»°MU. —y. Wien, 5. Mai. Im Zusammenhang mit dem Sarnerungsprodas vorerst nur den Wiederaufbau der Staatshvirtschast vorsieht, hat man sich in den leitenden Politischeu Kreisen Oesterreichs auch schon darüber Gedanken gemacht, wie die Privatwirtschaft in Oesterreich wieder!zu beleben wäre. Verschiedentlich war in der letzten Zeit ^behauptet worden, daß es sozusagen eine Voraussetzung ides Sanierungsprogrammes sei, daß man die 150.000 Arbeitslosen zusarmnen mit den abzubauenden Bundes- MgesteWen, deren Zahl ebenso hoch sein dürfte, und den Kamillen zur Auswanderung nach Brasilien oder zur Lebenshaltung chinesischer Kulis zwingen wolle. Die >Hatenkreuzler versäumten nicht, zu diesen Behauptungen -ihr Sprüchlein zu sagen und das falsche, aber sehr beiliebte Lokaleouplet von den Juden zu singen, die im Lande bleiben, während die Bodenständigen abwandern müssen. Wie man nun hört, beschäftigt sich die österreichische Regierung sehr ernst mit der Aufstellung eines Planes zur Wiederaufrichtung der österreichischen Wirtschaft. Der Kanzler hat als eisten Teil seines Sanierungsprogrammes die Durchbrechung der Isolierungen bezeichnet, die die Nationalstaaten gegen Oesterreich errichtet haben. Ein wichtiger Schritt, zur Erreichung dieses Zieles ist bereits durch den Mschluß des Handelsvertrages mit Italien geschehen, der schon in der nächsten Zeit dem Parlament vorgelegt werden wird. Leider ist es seicher nicht gelungen, auf . dieser Bahn weiterzu-' kommen. Der Handelsvertrag nnt Frankreich ist noch nicht iiber die ersten Stadien der Vorverhandlungen .hinaus gediehen, die Besprechungen mit der Tschechoslowakei konnten noch nicht entrjert we.vde^. Das gleiche gilb für die ungwische'Relation. Nunstvirdsther schon iw der nächsten Zeit die Frage der Zölle große Aktualität erlangen, da der Bericht des Generalkommissärs an den Völkerbund schon den neuen österreichischen Zolltarif erwähnt, der vier Mllionen Goldkronen einbringen soll. Man muß deshalb daran erinnern, daß eigentlich Oesterreich sich auch selbst durch eine Reihe von Einfuhrverboten für gewisse Industrreartikel vom Ausland äbgesperrt hat urid daß auch auf wirtschaftlichen: Gebiet die gleiche Tendenz wie in der kulturellen Entwickln:^ zutage tritt, um die Republik eine feste chinesische Mauer zu ziehen. Die Regierung und das Parlament werden darum nach der Erledigung des Budgets, die für Ende Mai zu erwarten steht, an die wichtige Ausgabe schreiten müssen, die handelspoliüschen Voraussetzungen für die Meberlegung dieser Hindernisse zu schaffen. Der neue Zolltarif muß tatsächlich so erstellt wenden, daß die inländische Privatwirtschaft belebt wird. Dies wird natiirlich nicht ohne harten Kampf gegen einzelne Interessengruppen möglich werden, in denen Schutzzollgelüste bestehen, und auch die von vielen Seiten geforderten neuen Einfuhrverbote, wie dies zum Beispiel die Zementindustrie verlangt, werden überwunden werden müssen. Je näher man dem freien Handel, der vertragsmäßigen Feststellung von Zöllen unter Beseitigung aller Mn- -stchrverbote. konrmt, desto eher wird man die Wirtschaft In rascheren Gang bringen können. Oesterreich ist mehr als ein anderer Äaat auf das do ut des angewiesen und kann sich den Luxus der Autarkie um so weniger leisten, als diese auch für andere, wirtschaftlich u-Wleich stärker fundierte Staaten nur ein Wunsch bleibt. Wenn die Entwicklung weiter in der Richtung läuft, daß Wien der Umschlagsplatz für das östliche Europa bleibt, darf sie Oesterreich nicht selbst durch die Errichtung einer handels- PoMschen Isolierung unterbinden. Mt den konkurrierenden Industrien kn den Sukzessionsstaaten konnte die österreichische Industrie den Wettbewerb ausnehmen, aber es besteht die große Sorge, daß Deutschland info^e des fortschreitenden Währungsverfalles zu einer scharfen Konkurrenz der österreichischen Industrie und Produktion werden könnte. Das Parlament hat. noch, vor senwm natürlichen Ende sehr bedeutungsvolle Entscheidungen für die wrrtschastl:ck)e Entwicklung Oesterreichs zu treffen. Es wich sturer Ausgabe rmr dann gerecht werden können, wenn es seine Beschlüsse aus sachliche Erwägungen stützt' mW stch insbesondere vor einer antisemitischen Politik hütet, dre ein.Verbrechen an der Existenzfrage des Staates Pommes Die französische Regierung werde, erklärt Poincare mit -Deutschland nicht verhandeln, so lange der passive Widerstand Deutschlands sortdauer-e. Eine Räumung des Ruhrgebietes durch Frankreich werde nur nach Maßgabe der Reparationszahlungen Deutschlands erfolgen. Auf einen anderen Zahlungsplan als den vom 6. Mai 1921 (Ausgabe von zwei Bonformen im Werte von 50 Milliarden' Goldmark) als Verhandluugsgrundlage lasse sich Frankreich nicht ein. Poieare betont, daß das belgische Kabinett seine Auffassung teile. Aus London wird aber gemeldet (und Mitteilungen des Pariser „Journal" bestätigen dies), daß die Brüsseler, Regierung nicht geneigt sei, ein negative Antwort an Deutschland zu geben, und -daß nach längeren Unterhandlungen zwischen Paris und Brüssel der Entschluß gefaßt wurde, getrennte Antwortnoten nach Berlin abgehen zu lassen; die -belgische Antwort dürfte auf die deutschen Vorschläge näher einge-hen als Poincare es tat. Hier liegt die Möglichkeit, doch zu Verhandlungen zu kölnmen. Es scheint auch, daß man in England die Bemühun- - gen, Frankreich und Deutschland au den Verhandlungstisch zu, bringen fortsetzt, obwohl die deutsche Note in England nicht befriedigt hat. Die englische Arbeiterpartei ist der Ansicht, daß die Note Deutschlands eine Grundlage für Verhandlungen biete und fordert die britische Regierung auf, eine Konferenz der Parteien zu verlangen. Der britische Botschafter hat, wie ,-Figaro" mitte ilt, Poincare erklärt, die deutschen Angebote gestatteten die Eröffnung von Verhandlungen, in deren. Verlauf sie verbessert werden könnten. > Irdensälls -wird'dr^nkreich.,fMe^MlworftWtLMrideilr.,] Absendung nach Berlin zunächst England Und Italien zur Kenntnis bringen. Noch ist die Hoffnung auf die Möglichkeit von. Verhandlungen nicht ganz geschwunden. Paris, 4. Mai. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der von Barthon ausgearbeitete Reparationsplan basiert in großen Zügen auf dem Zahlungsplan vom 6. Mai 1921 und soll, da dieser seinerzeit von Deutschland mrterzeichnek wurde, auch jetzt beiden Teilen gleicherweise als Auswegj aus dem Dilemma dienen. Danach würden von Dentschlaird zu nach st "50 Mil-j liarden verlangt werde::, wovon 11 Milliarden für England! bestimmt wären. Deutschland wurde ein dreijähriges] Moratorium für die Barzahlung erhalten, das die> Sachverständigen sofort -zu bestimmen hätten. Die suspen-] vierten Jahresraten könnten durch eine interna tio^ nale Anleihe aufgebracht werden. Mit Bezug auf die Serie C der Reparationsobli-gationen würden 42 Milliar-' den der verbleibenden 82 Wlllliarden annulliert, Diese] 42 Milliarden entsprechen dem cnglischen Gut-] haben ans den: Konti::cnt bis zur Grenze der sran-: zösischen Guthaben an'seine Alliierten, die somit beide an» nulliert würden. v Es verblieben also Deutschland 40 Milliarden Zahlung. Wenn Amerika, ohne auf sein englisches Guthaben zu] verzichten, seine kontinentalen Guthaben an-. uU'llieren würde, wären noch 22 Milliarden zu be-j zahlen, deren Gegenlvartswert auf 9 Milliarden berechne^ werden könne, so daß Deutschland im ganzen 49 Milliarden] zu bezahlen hätte. Diese Summe sei aber nicht in bar zu zahlen, sondern in Anteilen an den Jndustriem des Rheinlandes und der Ruhr sowie der Eisen-] bahnen dieser beiden Gebiete. Wenn Deutschland diesen! Plan ännahme, würde die Besetzung der Ruhr „un-j s i ch t b a r" gemacht werden und Frankreich würde,] einem Plan des VerschallFoch entsprechend, feine Trup-! p en in drei Mappen aus der Ruhr zurück ziehen. Die! Räunmng.. wüM ^Hurch sHMereBezahlung beschleunigb r r'H ch TrH' bention zwischen-Dentfchland und den Al^ l i i e>r t e n abgeschlossen iverden, die besonders eine K a r< tellierung der lothringischen Eisenindu-] strie und der Kohlen industrie der Ruhr zum- Zwecke Wie. Dadurch sollte die Gefahr einer deutschen oder, französischen Hegemonie in der Kohlen- oder Eisenindustrie' ausges'haliet werden. ♦ i Lausanne, 4. Mai. Das politische Komitee hat heute die Diskusiion über die Kapitulationen wieder ausgenommen, und zwar insbesondere über die Frage der rechtlichen Stellung der Ausländer in der Türkei. An diesen: Problem scheiterte bekanntlich die erste Konferenz. Die Türken vertraten heute den Standpunkt, daß die Ange- 'logenhei: durch die Annahme der am 15. Februar von den türkischen Delegierte:: vorgeschlagenen Formel : erledigt sei. Die Alliierten antworten daraufdie Türken hätten den Vorschlag Montag na erst angenommen, nachdem die Konferenz durch die Abreise Lord C u r z o n s aufgehoben worden war. Nach einer längeren Diskussion, die zu keinem Einverständnis führte, lvurde die Frage einer späteren Verhandlung Vorbehalten. Beide Parteien verharrten aus ihrem Standpunkt. Die Differenzen zwischen den Türken und den Alliierten drehen sich um einen Punkt. Die Alliierten verlangen, daß die Hausdurchsuchungen und Bechastungen fremder Staatsangehöriger erst nach vorheriger Zu- M>MBBnBSB>nBRI>SH>inS8R9RSKBS>>SnDH>H>nMBBBnES>SnBRBnSn Amerikanische Financiers für dar PalMm-Werk. Aeutzerungen von Weizmann, Marshall und Oskar Straus. Bor Antritt seiner Tournee durch dm amerikanischen Mrttelwestm erklärte Dr. Weizmann Vertretern der Wischen Presse, daß in Amerika die Bildung eines großen finanziellen Instituts zur Förderung des Aufbaues und der Entwicklung Palästinas beabsichtigt sei. Die geplante Gründung dieses Instituts bildete das Hauptthema eines von Miß Friedmann, der Schwester des verstorbenen Millionärs Andrew Friedrnann, zu Ehren Dr. Weizuianus gegebenen Diners, an dem neben anderen einflußreichen jüdischen Persönlichkeiten auch LoniS Marshall und der chemaliqe amerikanische Ge- .: > l ' ' V OTf * ' » st i m m u u g eines Rechtsberaters erfolgen dürfm, außeti in Flagrantisällen, wogegen sich die Türken wrdersetze^ Der amerikanische Beobachter Grew< grift ein und meinte, daß man in Amerika wünsche, es soll!, in L a u i a n u e eine Fornrel gefurvden werden, die alle] Teile befriedige. Wie nran sieht, ist die Konferenz an einem Heikles Punkt angelangt. Man spricht bereits unverblümt vom einen: zweiten Abbruch der Konferenz. In engl i-l s ch e n Kreisen ist man über die Unrmchgiobigkeit der Tür-i ken in der Frage der Kapitulationen sehr erregt, besonders; darüber, daß sie sich weigern, -den alliierten Entwurf von! Sachverständigen prüfen zu lassen. Da der Wortlaut desalliierten Vorschlages an sämtliche Delegierte verteiltwurde, werden die Sachverständigen trotz der Weigerung der Türken die alliierten. Vorschläge studieren. Man! hofft, in privaten Unterhandlungen zu einer Einigung ge-' langen zu können. sandte in Konstantinopel Oskar Straus keilnah:nett,. Eine weitere Besprechung werde, wie Weizmann erklärte, am 3. Mä: bei Marshall stattfinden unter Beteiligung' vön Dr. Georg Halpern, den Weizmann aus England zu! dieser Besprechung -berufen hat. „Ich sehe eine Revolution] i-m amerikarrischen Zionismus" — erklärte Weizmann den- Zeitungsvertretern —, „eine neue Epoche der zioni-i stischen Bewegung dieses.Landes voraus, falls dieser, unser Plan Mnggng gefunden haben wird in jene hohem Kreise, denen der Zionismus bisher fremd Ivar; auch die breiten jüdischen Massen werden dadurch dem zionistischen] Ideal ergebener werden." Der Gedanke, daß die Errichtung! unseres nationalen Heims von: Keren Hajessod abhängt- und daß die Zukcrnst unseres Volkes nur in seinen eigenen- Händen liegt, dringt stets tiefer in alle Klassen und Richtungen der amerikanischen, Juden ein. Die Kampagne im