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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-01 · Heft 1514 (1.5.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1514 (1.5.1923)
Date
1923-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Merl, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 1. Mai 1928 Nr. 1514 Seite 6 Bühne und Kunst. Spemabendr. Der große Ruf, der dem Genevalnrufrkhirektor G. Po« kaeco vom Opernhaus in Chicago vorcmsgeht, veranlaßt« uns, eine von ihm geleitete Vorstellung der „Walküre" in der Volksoper zu besuchen. Wagners MuMramen sind zwar ynicht die Werke, an denen man die Qualitäten eines italienischen Dirigenten verläßlich werten kann, doch zeigte Polaeco auch hier starke künstlerische Jmprckse: Seine freie Tluffasfung von Wagnerscher Deklamation, sein gelegentliches Draufgängertum und sein subtiler Farbensinn veränderten völlig den Klang des Volksopernorchesters, sein Taktstock ist nicht nur ein erprobter Zanberstab, sondern auch ein eiserner Besen, der Gleichgültigkeit und Schlamperei zum Orchester hinausfegt. Ein solcher eiserner Besen täte auch aus der Bühne not, wo nicht alles am besten bestellt war: Fräulein Rantzau als BvünhWe war mehr tonsichere, beflissene Sängerin als eigenwillige Heldenjnrgfrau, Herr Hermann Weil vom Operntheater ex-' temporierte als Wotan allzu frei, die Damen Gelter und Schimon, die Herren Ludwig und Kaplan bemühten »ich, es dem anspruchsvollen Dirigenten recht zu machen. Tags daraus war Iphigenie in Aulis" im Opern- / h e a t e r angesetzt, doch wurde die Aufführung — angeblich wegen Indisposition des Fräuleins Rajdl — zum zweitenmal innerhalb einer Woche hrrausgeschob-en. Daß sich derartige Nenderungen de- Spielplanes in zwölfter Stunde im Operntheater häufen, ist eine Folge der ganz ungenügenden Vorsorge für DoppeWesetzungen. Das Operntheater unterhält eben ein gewaltiges Ensemble von Sängern, die sich in der alten und neuen Welt auf Gastspielreisen befinden und nur gelegentlich Zeit haben, auch im heimischen Opernhaus ein „Gastspiel" zu absolvieren. Auch hier, säte der berüchtigte eiserne Besen not! — Infolge der Absage spielte man vor einem halb leeren Parkett den „Fidelio" mit Frau Weidt in der Titelrolle. Die Leonore ist eine gesanglich und darstellerisch gleich bedeutende Leistur.g der hochdramatischen Sängerin, neben ihr erfreute Herr Mayr, der als Kerkermeister Rocco einen fühkenden Menschen von Fleisch und Mut auf die Szene stellte. Kapellmeister Klemens Krauß erhielt nach der mit Schwung ßefpieltcn dritten Leonoren-Ouvertüre seinen Separatapplaus. _ flb. Sie Burgtheaterkrise. Die' „Affäre" Paulsen lvar bereits bei.qelegt, da die Differenzen mit den Mitgliedern wegen dar Entlassungen, Spielhonorare u. dgl. aus der Welt geschasst worden waren oder durch Verhandlungen mit dem Bühnenverein sich aus dem Wege zur Beilegung befinden. Nun ist aber — und das macht diese Burgtheaterkrise noch widerlicher als es die sogenannten Burgtheaterkrisen für gewöhnlich sind — die ,-Affäre" auf das politische Gebiet hinübergespielt worden. Eine ,-Säule" des Burgtheaters macht m den Kreisen der politischen Partei, der sie cmgehört, gegen den Direktor „Stimmung". Und .durch diese Stimmungsmache ist die Entfernung Paulsens zu einer polnischen Frage" geworden. Nun würde aber die Lösung detz, Vertrages mit Paulsen schweres Geld kosten; und das ist der Haken bei dieser politischen Affäre. Aber die Perspektive, einen politischen „Erfolg" zu erringen, kann es dazu bringen, daß man in den „maßgebenden Kreisen" sich zu einer hohen GÄdausgabe entschloßt. Mir ham's ja! Das Burgcheater ist — weiß Gott — künstlerisch schon ein recht mittelmäßiges Theater; wenn es aber in die alpenländische hohe Politik 'hineingezogen wird, dann wird es wohl bald erledigt sein. Bevorstehendes Wiederengagement Valerie Martens' ans Vnrgtheater. Wie wir erfahren, sind Verhandlungen im Zuge, um Valerie Martens ans Burgtheater zu engagieren. Dies ist deshalb besonders interessant, da Fräulein Martens, die bekanntlich dem Burgtheater bereits angehörte, mit der Direktion, beziehungsweise der Staatstheaterverwaltung, im Prozeß steht. Sie war nämlich entlassen worden, da sie zu einer Vorstellung im Schönbrunner Schloßtheater nicht erschienen war und die Vorstellung deshalb abgesagt werden mußte. Fräulein Marrens klagte die Staatstheaterverwaltung auf Einhaltung des Engagementsvertrages. Das Zivillandesgericht hat auch üie Entlassung für ungerechtfertigt erkannt und die staatstheaterverwaltung zur Einhaltung des Engamentsverträges verurteilt, da es von der Ansicht ausging, daß Wohl eine schwere, aber nur einmalige Pflichtverletzung vorliegt, die nicht sofortige Entlassung bedinge. Gegen dieses Urteil hat die Staatstheaterverwaltung Berufung eingelegt. Die Berufungsverhandlung fand gestern vor dem Oberlandesgerichte statt. Das Urteil des. Berufungssenates wird in schriftlichem Wege bekanntgegeben werden. Da nun voraussichtlich das Reangegement der Künstlerin erfolgen dürfte, wird das Urteil nur rein juristischen Wert haben. Ans de» Memoiren der Sadalliere S. Secchetti. (Der Meister des russischen Balletts.) Unter dom Tidel „The Master of the Rusfiam Ballet" (Der Meister des russischen Balletts) hat Miß Olga Rarster vor kurzem in London die Memoiren des Cavallieve E. Cecchetti herau-gegeben. Cecchetti -war am Ende des vorigen Jahrhunderts sine berühmte Persönlichkeit. Vor etwa 50 Jahren .erschien er zum ersten Male in seiner italienischen Heimat aus der Bühne. Aber nicht als Tänzer, sondern als Lehrmeister dcs Tanzes hat sich Cecchetti feinen Weltruhm erworben. Die großen Tänzer und Tänzerinnen Pawlowa, Lopokowa, Leonide Massine, Nizinski und noch andere sind aus seiner Schule hervorgegcrngen. Zuletzt war er der Meister des kaiserlich russischen Balletts, welches Ami er vor vier Jabren verließ, und seitdem widmete Mitteilungen tut« de« Publikum. Hermann Bergwerk und Frau Wien, II., Im Werd 7/14 zeigen hocherfreut allen Verwandten, Freunden und Bekannten die Geburt eines gesunden Mädchens an _Wien, 29. April 1923_ Kultusu. Justiztalare u. Barette liefert In schönster Ausführung die bekannteste Speiialtlrma 886 DimniE ßmnCTEIM Zivil- und UntfornHChn«Her KUUULr UULUMuil Wien.ll.Taborstr. 54 Tel.45-6-29 Gegründet 1866 - Oroße Auswahl feinster Stoffe für Maßbestetlungen Möbelfabrik J. Spira Feine °>° M. ill., ilklMlüWM 1—3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse 70. Kunstauktion von Albert Ken de Wien, I., Kärntnerstrasse 4 Telephon 6567 ALEXANDER KOPPEL Der Erlös ist laut testamentarischer Bestimmung dem Rothschlld-Spital in Wien zugedacht Nebst wertvollen Beiträgen aus Wiener Privatbesitz Gemälde erstklassiger alter und neuerer Meister. Aquarelle. Handzeichnungen, Miniaturen, Antiquitäten Alt-Wiener- Porzellan, Glas etc.), Silber, Bronzen, Japonika, 1 Uhren- Sammiung, Teppiche, Textilien, Farbenstiche, Autographen, 1 altes Streichquartett etc. Oeffentlche Aue Stellung Im Auktionssaale, Wien, I., K9rntnerst<?asse 4, nur heute Dienstag den 1. Mal, von 10 bis 6 Uhr * Versteigerung ebendaselbst: Morgen Mittwoch den 2.Mal und Übermorgen Donnerstag den 3. Mal 1923, ab 3 Uhr nachmittag ter seine ganze Kunst der Vervollkommnung der Künstlerin Madam« Pawlowa. Di« Memoiren dieses Künstlers nun hat Miß Rarster gesammelt und sie ist eS, di« die Bürgschaft für die historische Wahrheit alles dessen übernimmt, was sie dem Ritter der Tanzkunst in ihrem Buche nacherzählt. Ihr müssen wir auch die Verantwortung für die Wahrheit dessen überlassen, was wir aus ihrem Buche hier wiedergeben. Madame Salle, die große französische Tänzerin, war die erste, die e§ wagte, vor einem Londoner Publikum in enganliegendem Trikot auf dem Podium zu erscheinen. Man fürchtete einen Skandal. Der Direktor zitterte am ganzen Körper, als torc Vorhang auseinander flog und Madame Salle im Trikot erschien. Zunächst ein allgemeines Oh! der Ueberrafchung in den Reihen des Publikums. Aber eS geschah weiter kein Unglück. Die prüden Engländer nahmen das Trikot einfach zur Kenntnis. Im Gegenteil, diese mutige Frau gefiel ihnen so gut, daß die Ovationen für sie kein Ende nehmen wollten. Als Madame Salle, so wird in dem Buche erzählt, ihw Abschiedsvorstellung gab, sprangen die Menschen, außer sich vor Begeisterung, von ihrem Sitze aus und bewarfen die Bühne mit Geldstücken, Banknoten und geldgefüllten Börsen. Die Frauen rissen ihre Juwelen vom Hals und warfen sic der Tänzerin zu Füßen hin. Madame Salle heimste damals ein Vermögen ein. Ebenso verbürgt wird die andere Geschichte, deren Heldin Fanny Elßler ist, dargestellt. Diese jüngere Rivalin der Taglioni flchr einst über den Ozean. Sie fand keinen Schlaf in ihrer Kabine. Es scheint, daß sie zu viel an jemand gedacht hat. Plötzlich bemerkte sie, daß ein Mann, vorsichtig, jedes Geräusch vermeidend, sich an sie heranschlercht. Anfangs dachte sie, daß «in ,Mtentat" auf sie geplant sei. MS jedoch der Mann näher kam, erkannt« sie, daß <s sich mn ,^twaS anderes" handelt. ,f£z wollte trachte Juwelen haben" -«erzählte die entzückende Fanny —, „ich verbarg sie daher rasch unter meine Kissen und wartete, bis er ganz hciva-ngskomn' g\ ist. Ms er nun bis anS Bett gekrochen war, versetzte ich ilt^mit meiner ganzen Kraft «inen Fußtritt in die Brust. Der Kerl war sofort tot . . ." Ebenso interessant ist die in dem Btiche erzählte Begegnung der Madame Pawlowa mit der deutschen Kaiserin. ES war vor dem Kriege. Nach der Vorstellung wurde die Tänzerin der Kaiserin vorgestellt. Pawlowa verbeugte sich t}«f und berührte die dargereichte behandschuhte Rechte. Ms Pawlowa ihr Haupt erhob — so wird nun erzählt —, bemerkte die Umgebung der Kaiserin mit Entsetzen, daß aus dem Handschuh ein herzförmiger roter Fleck zurückbliob. Es sah wie ein blutendes Her; aus. Die Abergläubischen in der Gesellschaft fuhren zusammen, cs ging ein Flüstern durch den Saal: „Dieses blutige Herz bedeutet nichts GubeS." Wie oft mußten — philofophk-vt Miß Rarster — die Zeugen jener Szene an sie einige Monate später, als der Krieg ausbrach, oder einige Jahr? nachher, als man der Kaiserin die Krone vom Haupt nahm, gedacht haben! Lustig ist di« folgend« Geschichte dom Hose des Zaren Nikolaus des Ersten. Einer der begünstigten Lieblinge des Zaren war ein Offizier, der neben seinen großen Tugenden, auch den großen Fehler hatte, ein leidenschaftlicher Kartenspieler zu sein. Einmal verlor er sein ganzes Vermögen und diese Katastrophe schlug ihn so nieder, daß er schwer erkrankte. Ms Zar Nikolaus davon erfuhr, begab er sich in seine Bibliothek, nahm ein Buch und legte zwischen die ein-lnen Blätter eine hübsche Anzahl Katharinchen (Hundertrubelsche-inr). „Trage dieses Buch," befahl er seinem.Adjutanten, „dem kranken Offizier hin. Ich lasse ihn grüßen, er möge es zu seiner Zerstreuung lesen." — Der Spieler ge-nas sofort nach Durchsicht des Buches und meldete sich tags darauf schon zum Dienstantritt am Hofe. Der Lar bemerkte 4M*~*‘* an sich härmt. ..Nun. wie gefiel dir das Buch, das ich dir geschickt habe?" fragte er lächelnd. „Eß war vorzüglich, Majestät," lautete die Antwort. .Ich erwart^ schon kaum, daß die zweite Auflage erscheine." Zar NikolauSs antwortete nicht, sondern ging noch am selben Tage wieder inj seine Bibliothek, nahm abermals ein Buch hervor und stillte es gleichfalls mit Katharmchen an. Auf die erste Seiibe de- Buches jedoch schrieb er mit großen Buchstaben: Zweite und letzte Auflage. Eröffnung 6. Mai der Olympia-Zirkus-Riefenarena bei. der Rotunde (Haupteingang AusstellunMttaße. Haltestelle Cafe Rotunde). Direktion Ludwig Folftnann-Bellachini. Zirkus M. Beketow sMerlin), lf.O Pferde, 300 internationale Artisten,' dregierte andalissische Stiere. Als Weltwunder die Eisenkönigin Käthe Sandwina mit 40 Assistenten. In der Ar-eng vor gedeckten Tribünen für 15.000 Personen die vier besten und. größten Wildweittruppen . der Welt. 200 Mitwirkende. 60 Pferde. Cow-Bovs. Sioux-JMamr. Neger. Araber, Ring-s kämpfe. 20 Weltmeister, tMchiicher Meisterringer Fristensky. Kartenverkauf beginnt in den nächsten Tagen. (Entsetzlich.) .—. Nur den Theater». Burgtheater: Morgen. 7 Uhr. „A n t o n i n s u u d Cleopatra". Donnerstag, 7 Uhr, „Cyrano von Bergerac". A k a d e m i e t h e a t e r: Morgen, halb 8 Uhr, „D e e K r a m p u s". Donnerstag, halb 8 Uhr, „D e r g u t e K v n i g" Volksoper: Morgen, Uhr, Wagners .-Siegfried" mit Herrn Schürmann in der Titelrolle. Int Deutschen V o l k s 1 h e a + c r findet morgen mn 7 Uhr die Festaufführunc, des Lustspieles „Wienerinne n" zur Feier des Doppelsubiläums Viktor Kutsche ras statt. Die Gratulationen, zu der Abordnungen der Wiener literarischen und künMrisck)en Vereinigungen sowie der anderen Bühnen erscheilten, finden nach d.nr ersten Akt statt. 'Die Mitgliedrr des Deutschen Volks:hca!erS haben zur Ehrung des Jubilars einen Viktor Kutschera-Wohlsahrtsfonds geschaffen, aus dessen Kapital erkrankte oder bedürftige Mitglieder mit größeren Beträgen unterstützt werden sollen. Das Erträgnis der zur Ausgabe gelangenden Festschrift wird auch diesem Fonds zugeführt. Im R a im u nd-Th ea ter beendet Max Pallen borg Mittwoch teu 9. d. sein Gastspiel. Freitag den 11. d. eröffnet Emamiel Reicher in dem Schauspiel „D i e Jude n" von Tfchirikow ein kurzes Gastspipl. Die Inszenierung leitet Karlheinz Martin. In der Neuen Wiener Bühne spielt Ferdinand Bonn nrorgen und Donnerstag den Chylock im „Kaufmann von Venedig". Die Porzia wird von Elfe Heims dargestellt. Freitag den 4. d. beginnt Mbert Bass ermann sein Gastspiel in der Komödie „Der große Bariton", Seine Partnerin ist Else Bafsermann. Nolandbühne: Mittwoch gelaugt der Schwant ,/D a s A b st e i g e q u a r t i e r" . von Achaume zur >Erstaufführung. _ GerichtssM. Flucht eines Verurteilten während seiner AWHrnng. Ein cnHschen-erregender Vorfall ereignete sich vorgestern vm Geriichtsgebände Favoriten. Landesgerichlsrat Doktor Schandorfer leitete eine StrafvechandftlN'g gegen den Branntweinlschenker Karl K i e n b e r g e r. Ein Zeuge, namens Kießling, sagte belastend aus; da wendete sich der Ange- Aagte, der bis dahm ruhig der Verhandlunig gefolgt war, an Kießling und schriie ihnt zu, daß er falsch und parteiisch auslsage. Auf den Vorhalt des Richters, sich zu mäßigen und den Zeugen nicht zu beleidigen, sa>gte der Angeklagte, daß er schr leicht erregbar sei; er sei KrieAsinvalide und habe wegen der Aufregung vor der Vevl^andlung über das gewöhnliche Maß getrunken. Er wandtle sich hiebei nochnvalS zu dein Zeugen und sagte: „Jeder der so aussagt, ist ein Schuft". Nunmehr verhängte der Richter über ihn eine 24ständige Arrestals Disziplinarstrafe und beauftragte den Saaldiener, ihn sofort a>bzjnfiiihren. Kiewberger tat als folge er dem Diener. Bei der VerhandluniMär ergriff er aber die F lucht und rast« die Treppe hinunter. Es gelang jedoch, ihn noch im Gebäude antzuhaltcn. Er setzte sich mit aller Kraft zur Wehr, schlug wie rasend um sich und zert-rämmerte eine große Glasscheibe. Es gelang iihnr, sich loszureißen und zu entkom-men. Seine Verfolgung wurde eingeleitet. eine Klage gegen die RnUsche Sowjetrepnblik. Be'mt Landesgericht in Zivilsachen war kürzlich die erst« Tagsatzung in einem Zivilprozeß anberarrmt, den die hiesige Speditionsfirma R. Perl gegen die russische Sowjetrepublik zu Händen ihrer bevollmächtigten Vertreter in der Belvederegasse ans Zahlung eines Betrags von 78.000 Lei angestrengt hatte. Wie in der durch Dr. Robert Steiner vertretenen Klage ausgesührt wird, hatte die klägeris'che Firma mit ber Beklagten eine Vereinbarung getroffen, derzufolge die Firina für die Sowjetrepublik den Transport von Pflügen auf dem Donauwege nach Rußland durchzusühren hatte. Die klägerische Firma verpflichtete sich, ihren Schlepper samt den auf ihm transportierten Pflügen der Beklagten in Galatz franko zu ÜberM'ben und sollte nach Anga!de der Klage vom elften Tage nach der Ankunft des Schleppers in Galatz berechtigt sein, die nach dem' Tarife der Tvnau-Dampfschiffahrtsgesellschaft geltenden Gebühren von Standnnd Wartogeldern bis zur Rückstellung des Schleppers in Anrechnung zu bringen. Nach Inhalt der Klage verweigerte zunächst die ©t klagte die Rückgabe des Schleppers. Tie Finna verlangte für die Zeit vom 9. Juni bis 26. Juli 1022, die ihr nach Vereinbarung gebüihreniden Wartegelder und strengte, da die Beklagte die Wartegolder nicht bezahlte, beim Landcsgericht die erwähnte Zivilklage an. Bei der ersten Tagsatzung wurde dom Vertreter der Beklagten eine vierwöchentliche Frist wx Klage« beantwovtuna emgeräunrt 5B^9SiB

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