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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-30 · Heft 1513 (30.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1513 (30.4.1923)
Date
1923-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer L78S V i o n: Zum Abholen in der Expedition, II., T aborgtr.1-3,, der in einer Verschleißstelle Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien o. ‘.Desterr. monatl. fC 28.000 fs che ch o-S l owak ei: ifon. K17. Ungarn: Mon, £600. Jugoslawien: Mon. bipar 35. Polen: . Mon. llk.12.000. D e u ts ch 1 a n d: Won. Mark 8000. Frankr., pelgien« Monatl. Frcs. 8 MT Nachzahlungen “WO lei Preiserhöhungen Vorbehalten Tscheche-Slowake! i ischech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ausland 'monatlich Frcs. S Redaktion u. Administration Wien, II.,Tabprstrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, aböUhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.:,Morgenzeitung'' Wien : . Oesterreichisches Postsparkassen-Konto hlr. 150.691 Nr. 1518 Wien, »ontns. 30. M 1923 5. Jahrgang Sie Münchner Regierung als HakeulreuMale. Berlin, 29. April. Zu dem bahi joi aller öffeEchen HmMe am 1.' v'ärts": tn Regiernngsverc schreibt der „Vor- - Dieses Verbot zeigte -daß die MimGrer Regierung ganz fffensichtlich mrr noch eine Filiale der nationaliozialistrschen Bande ist, dieses augenblicklich noch ^ir opportun HAt, die Regiemng nicht zu stürzen, sondew jcur ihr in jedem Fall voWffchreiben, was sie zu , tun und tu taffen hat. Der Hinweis der bayrischen Regierung aus ftc angebliche Bewaffnung der Kommunisten ist eine gro-- Mo Verhöhnung, wenn man bedenkt, daß dieselbe Regierung die milttürffchen MddieMeistunM der Hitler- Mte duldet, die allein über Massen verfügen. Bezeichnend für die amtliche Unterstützung der Hrtter- Heu Umsttrrzpläüe sind auch die offiziösen Meldungen über ingebliche sozialdemokratische Lockspitzel, die den Attentats-- fom aus Auer veranlaßt haben sollen. Es scheint in der feest, als ob Hitler recht hat, daß die St« nde der EnK Scheidung gekommen ist. Iedenstckts wird die bayrische Regierung den größten Lell der BeraMvortung für die Dinge zu tragen haben, die sich aus der Unterstützung der Hitlerschen Umlsturzpläne durch ihre SchemrygieMny entwickeln müssen. Re heutige Bersammlung inHernals. Heute abends findet in Hernals, eine Hakenkreuzlerhersanunlung statt. Schon feit einigen Taigen werden die Angehörigen der' Nationalsozialffttschen Partei durch große Plakate zu dieser Kundgebung eingeladen und. es hat den Anschein, als ob diese Bersammlung, eine K rast probe zwischen Sozialdemokraten und Hakenkrchizlern werden sollte. Es ist vorauszusehen, daß die Sozialdemokraten sich das provokante Auftreten der Hakenkreüzlep nicht ruhig mitansehen und ihrerseits Vorkehrungen treffen werden, um den Eindruck der BevsauMung Mch TünliDeit abzuschwächen. /, Ans diesem Grunde hat die Polizeibehörde alle erdeMichen Maßnahmen getroffen, um Ru he störnng^n größeren Umfanges im Keime zu ersticken. Zahlreiche Wacheaufgebote werden heute abends nach Hernals dirigiert worden und auch in den umliegenden Bezirken ist Vorsorge getroffen, daß es nicht zu größeren Husschreitnngen kommt. ' i Wie dem auch immer sei, die heutige Veranstaltung der Hakenkveuzler ist wieder, wie es schon so off der Fall gewesen ist, eine Quelle der Beunruhigung, für, die Wiener Bevölkerung, ganz abgesehen davon, daß das heutige Wacheausgebot wieder eine runde Anzahl von Millionen verschlingen wird. Sie deutschen BorfchlSge. ßeLmrg") Die KabineMemtmigeu Wer die deütf ch en Vorschläge sind abgeschloffen und auch die Formulierung steht bereits fest. Dienstag finden die Besprechungen mit den Parteiführern statt, doch erstartet man, daß von dieser Seite keine neuerliche Redaktion der Vorschläge erfolgen werde. Mittwoch werden die deutschen Vorschläge der Oeffentlichkeit «bergeben werden. Berlin, 29. April. Die geplante deutsche Note soll gleichzeitig in London, Paris. Rom und Brüssel Wergeben und in Washington zur Kenntnis gebracht werben. , Berlin, 29. April. (Del. d. ,M. Morgenztg.".) I« soziawemokratischeil Kreisen wird die Befürchtung laut, daß Hie Bestrebungen d e n t s ch n a t i o n a l e r und rechtsradikaler Kreise nach einer Verhinderung der deutschen Vorschläge auf die Reichsregiernng .Einfluß gewinnen könnten. Der „Vorwärts" erklärt heute in einem vielbeachteten Artikel, die Reichsrrgierung könne keinen größeren Fehler begehen, -als die Vorschläge so zu gestalten» daß sie als ein sb l o ß e s S ch e i n a n g e b o t hingestellt werden. Jede Partei werde den bevorstehenden Vorschläge» gegenüber hu einer gewissen Zurückhaltung gezwungen sein. Wenn -aber jemand unter dem Einfluß von Ratgebern, die ibisher überhaupt gegen jedes Angebot gewesen find, auf chen Gedanken käme, jetzt könne ungestraft gesündigt -werden, so müßte sich das eines Tages schwer rächen. -Auf der anderen Sette liege es im Interesse der Sache,!das AlWbot so zu gestalten, daß es anch von den (breiten Arbeitermaffen des deutschen Volkes mit Ueberzeugurm vertrete» werden könne. Witt die Regierung diese» Erfolg erzielen, so m«ß sie den-Sbereiftigrn Ratschlägen ihr Ohr verschließen. Der deutsche Widerstand muß gebrochen werden. London, 30. Apml. (Tel. d. ,Mr. MorgsnzeitunH".) „Daily Mail" berichtet Mer eine Untervednng ihres Pariser Korrespondenten mitakm hochstehenden Politischen P er so n l i ch k e i i,,; hinter? dev. mit ziemlicher ' Sicherheit Poineare s«vbst - vermutet tverden darf. Die gmannte Persönlichbeit erklärte, daß Frankreich festent- «Massen sttz. feine bst s h e r i g e Rn hr p o l i t i $ förtzn-: setzen das' Ruhvgobiek nur im. BerhAtnis der gAei-: steten deutschen Zahlungen zu rämnen. Älange dies nicht: erreicht werden kann, werde Frankreich über' deutsche Bor-' Möge nicht diskutieren. Gleichzeitig mit neuen Vorschlägen müßte sich Deutschland verpflichten, fänMche seit Iimner orMenen'Verordnungen, WMKttMW Wir dürfen, meinte der Staatsmann, so lange nicht nachgeben, bis die deutsche Wiherstandskraßt ZiffamrmrchiMeü zweier-HBste.''D?stir ,MenwäM Ms' dem Ruhvgebiet so viel. Kohle und Erze ausführen wie in normalen Zeiten, sei beNüesen, daß wir gewinnen werden. Deutschland aber nmß wissen, daß es Wollig geschlagen ist und muß gezwungen werden, dies auch anzuerkeMen. . _____; Kriegrgesahr im Srieut. PEs, 29. April. (Havas.) Wie die Blätter melden, wird General Weyaand Freitag nach Beirut abreisen und sofort die syrisch - cilicische Grmze besichtigen. Die Zahl der französischen Truppen in Syrien beträgt gegenwärtig 26.000 Mann; die Blätter glauben jedoch zu wiffen, daß die Regierung in der Lage wäre, zwei Divisionen Kolonialtruppen als Verstärkung zu entsenden, in dem unwahrscheinlichen Fall, daß die Haltung der Türkei dies erforderte. Die fte«den Asnzesstoue« nt der Mr!ei. Kvttstarrünopel, 30. April. Die Regierung, von Ang o r a hat die Vertreter der französischen und englischen Gesellschaften, die in der Türkei Konzessionen besitzen, eingelaöen, nach Angora zu kommen, da die Verhandlungen mit der türkffchen Regievung über die Vorkriegskonventionen dort geführt werden sollen. Der französische und der englische Oberkmmniffär haben gegen die Wahl Angoras als Verhandlungsort Protest erhoben. Die türktsche Regierung bestand jäoch darauf, da Angora und nicht Konsta'ntinopel Sitz >der türkffchen Regtennug fei. ' «grd «er«- SUmt m ÄMM» Mw-Noel, 30. April. C&t.b. ,M. Morgecheitimg".) Lord Robert C e e i l hat sich Samstag wieder mch England eingeschifft. Bor seiner Abreffe gab er' feiner .Uöberzeügung Ausdruck, daß Amerika angesichts' der' weltpolitischen Lage wohl in BäÜ»e aus s e i n e r A s ö I i e r ü n g h e r a u streten werde. Die amerikanische Presse meint, daß die .Pvopagandavsife Lord Ceeils der V ö l k e r b u n d i d e e in .AmerVa zcchlwichs Aechängsr gswonmn^ habe. P-litWe Msrde i« «*»k*. Bareeloua, 30. April. (Tel. d. „Wr. Morgcnzeitung".) D« politffche Atmosphäre fft übexladen. Attentaten 'von links/ folgen' solche von rechter Seite. Auf. offener Straße wurde» gestern z w e i n e«e A t t e n L a t e verübt. Der frühere Präsident des sogenannte«Flöten Syndikats" sowie ein Bankbeamter, der ebenfalls der syndikalistischen .Gewe^kschastsrichtung angehört. werden durch Re- P.-o'lve.'rsKnsje gsWe^ - " Marschall kkoch in Polen. Paris, 30. April. (Tel. d. „Wr. Morgenze'ltung".> Marschall F o ch ist gestern nach Warschau abgeveist. Er wird erst am 19. Mai 1923 wieder nach Paris zurückkehren. Her wirtschaftliche WiederansdM Sefterreichs. Die Obmänner der vrllkAvirlschafMchen AbtMmgen de§ SLiedevöisterreichischen Gewerbsvevoines beschlossen, denn- Na-- tionalrat m. Programm für «den wirtschaftlichen Medevaiuisbcm, .Wer'wirtschaftliche Reformen vorznlegen, weil die auf Grund der Genfer Protokolle miL des Wiedevaufbmdgvsetzes.m Durchführung -begriffene finanzielle Sanierung Oefterveichs nicht gelingen könne, wenn nicht anch eine Reche wirffchafMher Refoomen zustande kommen. Bei Beratung -dieses Wirtfchaftchrogvcmvmies wurde vor allem darauf veüwiefen, daß die derzeit ^beftchenlden zahilveichen BefchräNbungen zwischen den Nachfolgestaaten zu besechiigen wären, um eine erfolgreiche Wirtfchaist M ermWichen. Zur 'Erreichung dieses Zieles wurde mit den wirtschaistlichen Kreifen dieser Staaten Fühlung genommen und es fand dieser Tage eine Befprechung van Vertreiem aller in Wien 'amtierenden ausländischen HandelMmimem statt. Es kam der Wunsch zum Ausdruck, daß im Geiwerdeverein ständige ZusammeMiuste der Vertreter , der AuÄMdÄMdelMmmrerv shattfiuden. Aus aller Welt. Berlin, 30. April. In den letzten 24 Sttvndett wurden, ein untrügliches Zeichen für die schwere Notlage, in det sich die ärmeren Schichten befinden, in Berlin nicht weniger als.11 Selbstmorde verübt, 4 der Selbstmörwer' Ware» Frauen. ' freitet. Am die Beraustältungen im Keims, zü ersticken, .hat die Polizei die hauptsächlichen Kommunistenführer in den Industri^entren v e r h a f t e t. Mainz, 30. April. Die Rheinlandkommission hat. alle Kundgebungen zum 1. Mai für das besetzte Gebiet in Hesse.« und Hessen-Nassau verboten. London, 29. April. Bei einem Fußballwettspiel in Wembley, bei dem 280.000 Zuschauer anwesend waren, drangen Leute, die keine Eintrittskarten mehr bekommen konnten, gewaltsam in den Zuschauerraum ein. Sie rissen die Umzäunung nieder; es kam zu Prügeleien und furchtbaren Szenen, wobei etwa 1000 Personen verletzt wurden, davon 500 schwer. Unter den Opfern befinden sich zahlreiche Frauen und Kinder. 60 Personen wurden ins Krankenhaus geführt. Klagen für t, 29. April. Anläßlich einer Bersrnmn luing, in welcher Bundeskanzler Dr. Seipel sprach, kam es zu kommunffttschen Demonstrattonen, wobei es zu-Zusammenstößen mit der Gendarmerie und der Polizei kam. Zehn Kommunisten wurden durch Säbelhiebe verletzt. Zer Tagesbericht. vistwordprozeb ge« branlomt en Wiens L«k» In der sensationellen Affäre der Milena Btt kos br an ko Vits, die m den weitesten Kreisen der Bev'ölkerüng: wegen der Persönlichkeit der Angeklagten- sowie wegen der Hintergründe des Falles ungewöhnliches Intereffe. wachrust, erfahren wir, daß die Anklageschrift durch den Staatsanwalt Hoftat Dr. S a ch e r beim Uutev suchungsrichter bereits eingereicht worden ist. - Gegen die Anklageschrift hat, wir wir hörest, der Verteidiger der Vrrkobrankovrts, Rechtsanwalt Dr. Hermann Kr aß na, Einspruch erhoben. Der Vertreter der Beschuldigten stützt den Einsprnchin der Hauptsache darauf, daß Milena Vukovranko-. Vits geisteskrank fft mW vor Eiuholnng eines Fakultäts- .gutachtens die Angelegenheit für die VerKmdlung vor eine«! Laiengericht nicht s p r u ch r e i f ist. Die autzerordenttiche TchwierigSeit des Falles und die Wichtigkeit desselben M die Oeffentlichkeit, für die . Angehörigen der Beschuldigte« soq wie für diese selbst, zumal die Anklage nach den strengpest -Gesetzesparagraphen erhoben worden ist, hätten die Einholung des Univerfitätsgutachtens unerläßlich gemacht. Wie wir fseruer aus Richterkreffeu höre«, ist die Untersuchung dnrch den noch jüngen Richter Dr. F ist ch e r mit uugeNÄHnlichem Schärfst»», mtt außerordecklicher Umsicht und mit Hebung der letzten psychologischen Möglichkeiten geführt worden. Das B e r h ö r P r o t o k o l l di r A rktag-

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