Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1511 (28.4.1923)
- Date
- 1923-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EiBztmrmmiHrKlOQO Wien: Zum Abholen in dqr' Expedition,II,,Taborstr. 1-3, Wer in einer VerscWeiMtelle ■Trafik) monatl. K 28.000 Mit Poatversand für Wien a. pesterr. monatl. K 28.000 fTsche cho-Slowakei: Morn K17. Ungarn: Moa, JC 600. Jugoslawien: Mon* Pfnar 35. Polen: Mon. Mk.l2.000.Deutschland: Mon. Mark 8000. Prankr., ßelgien: Monatl. Frcs. 8 DA" Nachzahlungen bei Preiserhöhung«» Vorbehalten Witütit m. 1511 %ien, Sarostag, 28. «priimg TtdiHhoeSloiiiiWi tlCh«Ch. Kl.- It alisn: Monatl. lOUre. Rumänien, Bulgarien) Monatl. 75 Lei bezw; Lewa,: 6 o h weis und das übrig«; Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u. Administration; Wien, DL, Taborstr aase 1—S; Telephone: 44-0-38.43-3-19,1 ab 6 Uhr abda.19-483,16-30^ Tel- Adr.: .MorgenzeHung* Wien Oestenreichisches Postspar-; kasaen-Konto Nr. 150.693] 5. Mrgang Las svnsche Mandat. (Bon unserem Pariser Korrespondenten.) Die Ernermung des Generals Weygand an Stelle des von.seinem Posten scheidenden Generals Gonraub imn Oberkommissär der französischen Republik in Syrien, hat in der französischen Presse wieder einmal die syrische Frage zur Diskussion gestellt. Vor allem hat die Tatsache, haß in Syrien ein General von einem anderen abgelöst stird, eine scharfe Auseinandersetzung hervorgerufen, die sioch ba'bmrd) verschärft tvivd, daß der nene Oberkommissär pon Syrien ein evgebmer Schüler und Nachbeter des Feldmavschalls.Fach ist. Die demokratischen Elemente be-- K, vielleicht nicht mit Unrecht, daß die Ernennung rerals Weygänd eher ein kriegerisches als «in pazi-- Es Programm bedeute/ und man ist leicht -geneigt, den Schluß zu ziehen, daß in Syrien die Verhältnisse noch immer solcher Art sind,' daß sie eine starke Hand er-, heischen. In der Tat bemühen sich auch die dem Auswärtig .gen Amt nahestehenden Glätter, die berechtigten Befürchtungen in bezug auf Syrien dadurch zu zerstreuen, daß sie den Unzufriedenen eine Vorlesung über das Wesen eines Mandats hallen. Die Klagen, die aus Syrien komnren, lausen alle daraus hinaus, daß die Vertreter Frankreichs entgegen dem Pakt und dem Sinn des Mandats sich militärisch und administrativ noch imnier viel zu viel m die internen Angelegenheiten des Landes einmischen und dadurch den Entwicklungsgang zu einem selbständig demokratisch verwalteten Land verlangsamen anstatt diese Entwicklung zu fördern. Daraus wird offiziös geantwortet, das vom Völkerbund einer Großmacht übertragene Mandat sei eben etwas anderes als etwa das Protektorat der Vorkriegszeit oder, wie sich der ,SemPs" ansdrückt, etwa «ine große' diPhWaHcheVotschast.Froackvs-jch sowse <mde« Mandatsmachte haben vom VölkerlAnddie V-erpstichürrig. .übernommen, diese noch halb unmündigen Länder mit ihren politisch noch unreffen Volksschichten Politisch und vvrwaltungstechmsch so zu führen und zn erziehen, daß sie in abschbarer Zeit wirklich unabhängige, selbstvegierte Staatsgebilde werden können. Deshallb müsse Frankreich in Syrien Vicht nur im Oberkommissariate, sondern in jedem wichtigen Derwaltungszweig solche Führer «der, wie man es n Oesterreich nennen würde, Berater" erstellen. Die Mandatsmacht hat aber dem Völkerbund gegenüber auch die Verpflichtung, das ihr auvertraute Land militärisch so zu stützen, daß es von außen unbehelligt seinen Entwicklungsgang zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit nehmen könne. In Syrien aber feien die Verhältnisse sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen noch lange nicht so konsolidiert, daß man di« Verwaltung des Landes nur administrativen Kräften überlassen könnte. Der Oberkornmissär von Syrien müsse daher heute noch ein Mann sein, der sowohl militärisch als auch als Verwaltnngssach-mann sich bewährt habe und sozusagen der. oberste Berater und Beschützer fein könne. Dasselbe gilt auch für das Libanons ebiet. Auch hier stehen die Verhältnisse noch nicht günstiger als in Syrien. Hier sowohl wie in Syrien, könne Frankreich seine vom Völkerbund erhaltene Ausgabe nur dann restlos lösen, wenn es ~ ‘; nicht bloß als der Gesandte des Völkerbundes, sozusagen als Beobachter, figuriert und 'handelt, sondern ivenn es eben in der Lage ist, die seiner Obhut anvertmnten Gebiete auch wirklich administrativ und miMrisch zu führen, d^h., in jedes dieser Gebiete einzndvmgen..General Wehgand besitze nun alle hiezu erforderlichen Eigenschaften, denn er Halle sich bisher genau so als strammer, zielbewußter Militär wie auch als Berwaltnugsdechniker nnp Organisator mit eigenen Ideen nnd Initiative aus- Diese Beflissenheit und WeitschEfigkert, mit welcher; die offiziöse Presse die AusmeMimkeit des Publlkmns vom Kern der Frage abzulenken bestrebt ist, erweckt Unruhe im Publikum. Man wird die Enrpfindung nicht los, daß die Fvarhostii in Syrien bisher keine gute Politik gemacht haben und befürchtet, daß die starke Hand des Generals Weygand keine Verbesserung dieser Politik, sondern eher eine Verschärfung der Lage zur Folge haben werde. Auch die Nachrichten aus Syrien stellen fest, daß die Entsendung des Generals Wchgarw nach Beirut ein Regime befürchten laßt, das nichts weniger als pazifistisch gestimmt ist. Austritt Weygands ans der Botschafter:, konferenz. Paris, 37. April. (Tel. ,M. MvrgenzeitupgtfiKn der gestrigen Sitzung der Bytschasterkonferenz vevabsschiedete sich General Weygan d, der ihr bisher als Sachlverständiger augehört hatte. Präsident Cambon Hellte «General DeÜiker als feinen Nachfolger vov. 1 Sie deutsWömsche FreiheitrpaNei. Verhandlung vor dem Stantsgerichtrhof. Leipzig, 27. Äpril. (Tel, d. „Mr..Morgenzeitung".) In der weiteren Verhandlung des Staatsgevichtshofes über die Beschwerde, die die deutschvölkfiche Freiheitspartei gegen' ihr Verbot echoben hat, ,. erklärst. Reichstagsabgeordneter v. Graefe, von einem bei Wükle gefundenen. Organ i sa t i o n s P l a n sei weder Hm noch irgend' einem anderen Führer der Partei etwas gekannt. Niemals sei der Versuch zum Umsturz gemacht worden. Mit Hitler habe er nur einen bestimmten Aufgabssnkreis vereinbart, di« Programme beider Parteien gingen aber auseinander. Er und, Roßbach übernähmen die volle Verantwortung dafür, lvas die TurnerschaftengM-n hätten. Der Vertreter des preußischen' Innenministers erklärte, innerhalb des Parteikörpers seien militärische Verbände und geheime Organisationen geschaffen worden. In Norddeuts-chland wurden wenigstens .165 Hundertschaften ins Leben gerufen. Die mi litärische Macht 'habe 19.000 bis 20.000 Mann betragen. Ist DÜL e ritz hätten Gefechtsübungen stattgefunden. Es sek eine kartographische Darstellung der Provinz Hannover mit einer Einteilun g in Kampfzonen vorhanden. Die Beziehungen der Partei zu H i tler seien nachgewiestn. Da gegen den äußeren Feind ein Krieg nicht zu führen.sei und gegen kommunistische Putsche die Regierung stLhst sich schützen könne, so bleibe nur Ge. Möglichkeit, daß Mt.dieser militärischen Macht der Parlamentarismus Wie beseitigt werden sollen. Dafür spreche auch der militäHche Aufmarschplan gegen Mitteldeutschland, -' der eine Zerrpevnng Berlins ws Auge m ' . y:: : Der . Vertreter der sachstzchen. Regierungsüyrde aus, die FrsiheWpartoi stuMösten Verbände ckl ihrer chepWhslt.^rf^rmW--WK um-' terstLtzt. 'Der"-DeÄsl!« Thuringenst wies nach, daß eine -Reihe führender Mitglieder der deutschvöMischen Freiheitspartei gl ei ch zeitig in der Nationalsozialistischen Partei organisiert gewesen sei. Mchdenr daraus die OeffeMchikert ausgeMosien tvovden war, stellten die Beschwerdeführer Beweisanträge über die Stellung der Äampskorpr und über die Beziehungen des Reichswchrmimsteriums zu den Turnerschasten der FreihertSPaVtei. Auf Antrag der Verteidiger wurde sodann die Oesfentlichkoit bis aus werteres - wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen und sämtlichen Der» haMungsteilnehmern strengstes Stillschweigen auserliegt. Der Staatsgerichtshof beschloß, seine Entscheidung über' die Beschwerde der deutschvölKschen Freiheitsparteien wegen' dcr Verbote der Landesregierungen von Preußen, Sachsen und Thüringen bis zur Erledigung der Untersuchung gegen Roßbach und Genossen unter Ausrechtechaltung des Verbotes, auszusetze n. Die deutsche Schutzpolizer. Berlin, 27. April. (Del.-Komp.) Rach einer Pariset Meldung der ,^Vossischen Zeitung" wird am Quai d'Orsay' zur Frage der Alliiertennote, über die deutsche Schütz-! Politik erklärt, daß' die von Poincare in feiner am Sonntag gchaltenen Rede erwähnte Note, deren Wortlaut Mitt-j. woch den. 18. April von der Botschafterkonferenz genchmigt; Wochen war, am 20. April der Pariser deutschen Botschaftübergeben worden sei. Me neue Note, über deren.Inhalt noch kein Beschluß gefaßt, wurde, werde Mchfalls hauptsächlich -die Schutzpolizei behandeln. General Nollet hat in seinem Bericht an die Botscha-stevkonferenz unter anderem dargelegt, haß die Tätigkeit der Kontrollkom-.. Missionen.in' Deutschland zurzeit vollständig unter-. bunden sei. Großkampftag in München. München, 27. April. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeüun^.) Gestern kam es in der Hindenhurg- und in der Schulstr-ße zu einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten.und KommMisten, an dem etwa 400 Person en beteiligt:, warm. Es entwickelte sich ein K am p s, in dessen Verlaus / etwa zehn Schüsse abgegeben und vier Pers o.A e n ziemlich schwev derletzt wrrrdMv , - / Die MioMMIK Ruhrgchiet. Düsieldorf, 27. April. (De<l. d. „Wr. Mörgenzeituu Die. OKupationsbehörde. hat eine Kundmachung erlasset, in der die Auflösung einer ganzen Reihe von Verbänden, und Vereinien verkündet wird. Es ha-udelt sich in erster Linie um die nationalsozialistischen Verbände, die auch von der deutschen Regierung verboten werden, darunter der Verband Oberland, E s ch e r r ch, Organisation C, Roßbach. Außerdem werden sämtliche Regimentsvereine aufgelöst. Sie Gemeinde fLr rmstes Studium. — Dr. Plafchkes Wer die MtiftmMsche Demagogie. In der gestrigen Sitzung gab der Antrag des Stadtrates - Breitner zur Gründung von.ch 80 Stipendien für Schüler der Wiener OberruitteWnlen, der Wiener ' Lchrer» blldungscmstalten. der Wiener Staatsge^tverbeschu'len.und^deS Wiemr technologischen Gewerbemnseumsvon je 1.8 Millionen: Kronen jäWich, b) 20 Stipendien «für Hörer der Wiener Aniversität, der Wiener Dsthmk und 'der Wiener tierärztlichen - Hochschule von je dei Millionen Kronen jährlich, Anlaß m tutet interessanten Aussprache, bei der.bosonders Dc. Pla schke8 mit Genugtuung auf die kulturelle Bedentung des. Antrages hiMvies und daran den Wunsch knüpftedaß Ha kenkreuzl e-r keine Ingerenz ausüben dürfen. Die Aus-- führungen Dr. Plaschkes wurden lMtfig durch Beifall unterbrochen. Stadtrat Breituer erklärte, 'die Gründung Schulsti- .tzeudien durch die Gemeinde Men-soll einer Anzahl von Menschen ans . den minderibe-nr-ittelten. Schichten den Aufstieg zu. eme-r höheren Bildung ermöglichen. Der leitende Geisichtspunkt' bei der ForMUlliievung der BestemMin-gen sei, diese Stipendien mit den BMpfyrssen der.Gemeinde in eitlen losen Zusammen- Hang, zu bringest..nn-d' Kvar dadurch,, daß die Stipendien, für solche Anchaften verücherr werdest aus denen für die weitver- Kveigte Verwaltung^ der StM lKräfte gcholt werden. Hierauf ergriff Dr. Plafchkes m folgenden 'Msfichrungen das Wort: Em Antrag. der herzliche Freude bereitet-und den ioir Iüdischmrtvcmale aufs .innig st >e begrüßen, stbht Heutes zur. DMlssion. Eins Leistung unserer GcMindevevwal'vuug, dis ohne Uebevtreibung als Kuiltirrtat bezeichnet worden kann. Studenten.mit geistigen Arbeiten, Gruppen also, in deren Reihen sich das beklcvstenStverdeste Glend breitnMNj soll durch Stiiperrdisü ein .weni^ «gcholfen werden. Die Wisrü-r 'GeMindevortretuud erbringt daanit den BewoiS. -daß sie trotz des'bei-' spiellosen Zusammentbvüchs nM im ^Materiellen versinkt, sondern zeigt ibei der ersten Gelsgenheit ihren . Willen, dem Geiste zu geben, was des Geiltest ist. SÄbstrdbond werden wir fck r dielen Antrag Mmnen. (Beifall:) Worauf »vir jedoch bei dieser Gelegenheit mit allen Nach-, druck verweisen müssen, das ist die Herstellung jener Sicherheiten, die im offvntkichen' Interesse geeignet sind,, diese Stiivo.nM-», 'ttu,,-5?öt,bcnnift :«vrf)vcr Knnü «nd echter Mill.-uschaft anzuweuden, ihre Vergebung der politischen Eittfluhnähme jener Gruppen zu. entziehen, deren Tätigkeit durch die antisemitische Demagogie : 4mb den unerhörten Terror gekentMichnet ist. Ich meine die >ha!enLreu^lerischen Hochschullehrer und Hochschüler, die heute eme Hallmng an den Tag legen, welche, der Mehrheit unserer Bevölkevung geradezu .unverständlich. Ihnen sei ein „Haube weg!" zugerustn.. Studenten, die statt zu studieren, durch wüstes Schreien und brutales Benchinen «nugeheUren Terror.. verbreiten. sind sich mit nur nicht e-ürnral von einem Mertel der inländischen Studenten 'gewählten -mischen Hochschuilkammer; als Herren der Hochschu.len aufspielen,- Rektoren und Professoren welche sich, vor dm Fordomngen dieser jungen Leulke nicht nur beugen, sondern mit allen Bditte'lu bestrebt sind, sie duvLMsetzen, müssen ebenso feingchalten werden,, wie sine Regierung, die solche Gewalttat^ duldet auvb fordert. Eine Hochschule, welche angMich fftr Fveihert'des Lernens und Lchvens eirvtritt und den Numems clausus für in- und ausländische Inden einführt, hat fsdsn Anspruch'am Achtung und Beachtung Vertvirkt, muß M .'-einsr Krähwinkellrolle herabsiuken und vo der fetzten ausländischen Hochschule, ür den «Schatten gestellt 'werden. Zustimmung links.) . Es ist wahr, die «Stellung Wiens in 'der We«lt hat seii dem ZuscmvMenbvuch schr geändert. Was durch den Zusammenbruch verloren ging, uiuh anders wettgernacht werden. Eine so.große Stadt,, die Hrer Kultur und, SendÜM. bewustt bleibt, kann schön und angenehm.. ruhmreich mrd. einflußreich sein, wenn man sich «bestrebt, sie dazu zu machen.-Der Herttige Airtrag zeigt einen der Woge, den wir gehen müssen, wenn wir Wien urch feine Schulen wivMch Koben, insbesondere die Wiener Universität.. Mit IüdenHetze und.Numerus elauM, mit «Straßen- Demagogie upd mit Raufereien und' ScntfvreiemrmHwlhwerre demagoggie unb AatStreibrrng' füdifcher - «Dkrdervten mit' Räubereien erreicht man gerade, das. GegenM: Den Abstieg Mr Provmzhochschnle, zur KräywitMqUn'ivevfität das hälben die InsirMonerr. def Ausländer dsullich «bewiesen: 600 Ausländer, .darunter auch-vielq waschechte Arier, haben .bisher chre' AbgangssÄrlmrsss genonmden und nehmen freudig Abschied von einer .Vildu::assrät-:e. an der das'Hakenkrei>: herrscht. n'r'.eS detttschen