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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-20 · Heft 1503 (20.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1503 (20.4.1923)
Date
1923-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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(MmnnmrKlOOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Yaboratr.1-3, pder in einer Verachleisstelle fTrafik) monati. K 28.000 4tit Poutvensand Kr Wien u. Oesterr. nnonatl. K 28.000!P* eh e c b o-S 1 owa fc e i: Mon. K17, Ungarn: Mon, K 600. Jugoslawien: Mon. {Dinar 35. Polen: Mon. |Mk.lO.OOO,Deutschland: fron. Mark 6000. Fr an kr., {Belgien; Monati. Fr ca. 8 rNachsahlunffoa "Vf Preiserhöhungen Vorbehalten Wiener tschech. K 1.- Italien: Monati. 10 Ure Rumänien, Bulgarien Monati. 75 Lei bezw, Lewa, S cbwe i z nnd das übrige Ansland monatlich Frcs. S Redaktion «.Administration Wien, IL, Taboratrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 TcL-Adr.: .Morgenzdtung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.697 Rr. 1503 Me«, Freitag, 20. «prll 1923 5. Fahrgang Amel an! bidlWer tri». Von Paul Painleve. Soeben Ht rmder dem TM ,Js r acl n«r 1-a itttt bibliq ue" e'm Buch aus der Feder des Pariser Anwaltes Fernand Lorcas erschienen, irr dom er seine Reift noch Palöstrna schildert nnd ftu lehr günstigen Urteilen für das -romsüsche Werk aelmmt. Der berühmte GcLchrte -und frühere französische Ministerpräsident Painleve hat dazu eine Vorrede geschrieben, die wir nachstehend Uebevfttzmrg wiedsMÄen. Ans das Werk selbst kommen wir noch zurück. Das Schicksal der Juden rst ein SkarüxU in der Geschichte. Wie drr Hellenismus, so ist auch das Judentum eine der tiefen Quellen unserer westlichen Zivilisation: es hat ihr ferne Bibel gegeben, Men Gott, seinen unersättlichen Durst noch Gerechtigkeit und dir Lyrck feiner alten Progten, diesen gegen die Gottheit ausgestoßenen Schrei. Ü ein solches Volk durch achtzehn Jahrhunderte massart, mißhandelt und in der Welt versprengt worden ist wie eine gemeine Herde; daß man aus ihn: nach Jaurrs heN großen Beraubten der Welt" gemacht hat, verdammt kt einem Exil ohne Ende und daß man ihm dann dieses Exil als Verbrechen angerechnet hat, um neue Versolgrmgen zu vechtfevtigrn, ist eine Ungerechtigkeit, 'b-ie schon seit dielen Jahren alle gerechten Herzen empört. Diese Entrüstung hat erst in der jüngsten Epoche \ einem konkreten Plan geführt: diesen Vertriebenen eure Heimat wredsyzugekben, ein Asyl, ein, Vaterland. Damit war der Zionismus geboven. Seine erste Absicht war, die jüdische Nation in einem neuen Lande wiederaufzujrichten. ,Mesem Volk ohne Land, gebt ein Land ohne Polk", das war die erste Forderung -der Verkünder des Zionismus.. Engstüti» bot MHanda an. Doch nW umsonst hat die Vorstellung dieser tausenden Entwurzelten. durch Jahrhunderte hindurch, wahrend des ewigen Manderns, der Vertreibungen urch MißhaMungen, . sestgehalten an der Wiege ihrer Rasse, an den Gegenden, die erstrahlen im jGlanz der Legende, der Tradition und des Glaubens, wo jGott zu ihren Vätern das erste Mal gesprochen Hai und die für sie ihre unvergleichliche Majestät wahrten. Jerusalem, Palästina, Judäa, das sind die Pole, nach denen unauslöschliche Sehnsucht die jüdische Seele hrnzog. Aber war es nicht ein bloßes Hirngespinst, nach Jahrhunderten das Vergangene wiederhevzustellen, aus einem {undankbaren Boden sich gegen den Widerstand und Fanatismus einer anderen Rasse, die Besitzerin des Bodens ist, jund auch gegen die Bestrebungen der tvetteiferriden Religionen aufzulehnen? In der Stunde, wo der große, vernichtende Krieg eine neue Welt in seinem Feuer schuf, wurde dieser Wahn zu gestalten versucht. Was wird daraus werden? Soll man den Propheten glauben, die eine wunderbare Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina ankündigten, oder den Pessimisten, die einen beklagenswerten Mißerfolg voraussahen? Es ist wichtig, das Erfüllbare aus ein richtiges Maß zurückzusühren. Wenn ^raumer hoffen, daß die Millionen Juden, die auf der iWetlt zerstreut sind, eines Tages sich als ein echnischer Block .um Jerusalem sammeln werden, so ist das eine nicht zu ^verwirklichende Utopie. Die Fragen, die man sich vernunftgemäß stellen darf, sind diese: Wird Palästina eine glorreiche Heimstätte des Judentums, seiner'Sprache, seiner 'Kunst, seines Geistes und seiner Genialität werden können? -Kann der Boden Palästinas der Träger einer jüdischen Gemeinschaft werden, die, obzwar volkreich, doch immer nur eine kleine Minderheit aller Juden der Wett umfassen wird, die aber trotzdem jenen Söhnen Israels, die verfolgt oder >des Exils müde sind, ein Asyl und eine Heimstätte bieten wird? Die. erste Frage scheint enscheidend. Die überraschend schnellen Fortschritte drs Hebräischen in Palästina, die bereits b^onnenen Anstrengungen, in einer ungünstigen Zeit in Jerusalem eine Bibliothek und eine jüdische Universität zu gründen,, scheinen eine sichere Bürgschaft für den künftigen Erfolg zu sein. Aber die zweite Frage ist viel zweifelhafter: Der arabische Widerstand und die ökonomische Möglichkeit der Entwicklung einrr mächtigen jüdischen Niederlassung in der früheren Heimat sind Dinge, über die stachelige Kontroversen geführt werden und noch Lange geführt werden dürften. t Dieses Buch liefert e'inen ernsten und aufrichtigen Beftvag zur Diskussion dieser Probleme. Mr. Fernand Co-Ks ist ein unparteiischer, kluger Beobachter mit scharfem Mick, der ohne Leidenschaft und ohne Parteinahme, nicht aber ohne Humor, Las Lvas er gesehen und gehört hat, wiedergibt und, weit davon entfernt, ein apodiktisches Urteil abzngeben, dun Loser die SteUnnanahme überläßt. Ae Anleihe für Sesterreich. Kienböck Wer seine Genfer Reise. Im österreichischen Budgetausschuß referierte gestern Bundes-fnranzmiyister Dr. Kienböck über die Resultate seiner Reise zu den Verhandlungen des Völkerbundes und des Kontrollkomitees über die Arckoihe für Oesterreich. Er führte aus: Die Verhandlungen waren sehr ausgedehnt und haben sich um eine große Anzahl von Einzelheiten gedreht. Von den Punkten, die uns am meisten interessieren. sind nur einige jetzt schon vollständig geklart. Ein Punkt, der für uns außerordentlich wichtig ist, nämlich dev Zinsfuß beziehungsweise der Begebungskurs, ist jedoch noch u i ch t festgestellt. Er wird sich erst im letzten Moment ergeben, da er von den Verhältnissen der Märkte, auf denen die Begebung erfolgen soll, abhängig ist. Die Laufzeit der Anleihe steht fest, sie wird nicht länger als zwanzig Jahre fein. Mr hätten alle gewiß eine längere Laufzeit gewünscht, weil dadurch die Amortisation der Anleihe sich auf eine größere Zahl von Jahren erstreckt und diese uns dadurch weniger belastet hätte. Es war das aber nicht möglich, im toesentlichen deshalb, weil die notwendig«- Zurückstellung d e r Pfandrechte, die ja emr Voraussetzung der ganzen Anleihe ist, für eine längere Frist nicht erwartet werden konnte.' Die Anleihe selbst ist von der speziellen Kommission, die wir eingesetzt haben, in den verschiedenen KapitalszentveN bereits, eingehend verhandelt worden An der Spitze dftsth KömmisiiM.sicht bekc^Mich<d^-^ öst: rreich is che Gesandte in London F ran ck bWnW^HMeWwLnsiM in I t all i.e n, in der S ch w e i z, in F r ä n k r. e ich, B e l-' gren, Holland und England sehr ausführlich mit den dortigen Kapitälsgmppen aüS2'"^nd'.rgesetzt, haben überall eine sehr günstige Aufnahme f '.tnV.n und haben sich auch durch Rücksprache an allen diesen Platzen vergewissert, wie die Begebung erfolgen kann. Im ivssentlichen wird dieselbe Konstruktion gewählt 'werden, wie «bei der kurzfristigen Anleihe, die wir im Februar abgeschlossen haben. Es ist eine louiplizierte Konstruktion, aber die Komplikation lieg:, wi-' sich schon damals (^zeigt hat, in. der Natur der Sähe, sie kann nicht vermieden werden und ist kein Hindernis für den ErsolL. Es werden also wieder in den einzelnen Ländern separate Tranchen der Anleihe begeben werden, und zwar in'jedem Lande grundsätzlich in der Währung des Landes. Für Österreich. wurde eine Ausnahme insofern zugestanden, als wir eine hier aufzunehmende Tranche i n e i n e r u n s passenden Wä hrun g begeben können, ein Zugeständnis, das uns schon hinsichtlich der Konvertierung der D ollars chatzscheine sehr erwünscht ist. Was die Höhe der Anleihe Wrifft, so wird der Völkerbundrat hierüber noch Beschluß fassen müssen. Aber man kann wohl schon heute sagen, daß keine Einwendung dagegen besteht, daß wir dazu autorisiert werden, die ganze Anleihe jetzt zu begeben. Eine solche Antorisation schließt noch nicht m sich, daß wir auch imstande sein werden, die ganze Anleihe jetzt schon auftunehmen. Diese Frage wird nicht von den Regierungen, sondern von den Banken zu beantworten sein. Nichtsdestoweniger läßt sich aus Grund der gepflogenen Verhandlungen sagen. Laß insbesondere dann, wenn Amerika sich an der Mion beteiligt, gute Aussicht besteht, Len größten Teil, der Anleihe jetzt zu begeben. Ob eine solche Parttzipation Amerikas erfolgen. wich, kann heute noch nicht abschließend gesagt werden, wohl aber ist ein zunehmendes ernstes Jnteresie Amerikas zu kou-- ftatievLn. Seitens des Auslandes und insbesondere desjenigen Teiles des Auslandes, woher wir die größten Kapitalsrnvestitionen erwarten, wird auf die Verabschiedung des Gesetzes über den Berater der NaLionalbank großes Geiwicht gelegt. Bei der Begebung der Anleihe spielt auch die Frage der Kollateralbons eine Rolle. Die Garantie der Staaten für die österreichische Anleihe wuchs nicht nur fovnrell in gesetzlichen Verfügungen ausgesprochen, es sollen vielmehr die Besitzer der Bons auch durch 'besondere Obligationen gesichert sem, um eventuell die Garantie der fremden Staaten glatt ausnützen zu können. Zu diesem Zwecke dienen die Kollateralbons, 'Pie schon bei de r B e- -g^burvgkde r -Amol ei-he-äusgefertiAt und. bet der Schweizer Rationalbomk erlegt werden sollen. Eine ähnliche Rolle hat die Schweizer Natioualbarck dankenswerterweise Lei der kurzfristigen Anleihe übernommen, uämlich die Rolle einer Vevtvahverin dieser Obligationen. Außerdem werden noch Treuhänder aufgestellt, deren Aufgabe die Geltendmachung der Rechte der Gläubiger eventuell auch gegen diejenigen Staaten sein soll«, welche Gatantiebons ausgestellt haben. Die Stellen, die dssi Aufgaben übernehmen werden, werden eventuell vom Finanzkomitee des Völkerbundes, bestimmt werden. Eine wesentliche Rolle spielte auch die Frage, inwieweit der Zinsen- und Amortrsationsdieust für die Anleihe vorweg zu sichern ist. Bei der kurzfristigen Anleihe wurde der Betrag der einMrigen Zinsen vorweg abgezogen, so daß eine anderweitige Vorsorge nicht notwendig war. Es kommt vor. daß verlangt wird, einen Betrag zuvückzuhalten, der den Zinsen für ein ganzes Jahr entspricht. Es ist uns gelungen, durchzusetzen, diesen Betrag auf den Umfang eines Coupons, also für den Zinsendienst eines halben Jahres herabgusetzen. Seine Borliebe für das kühne Unternehmen beeinträchtigt weder die Treffsicherheit seiner.Kritik noch die Schärfe seiner Ironie, ebensowenig als die ergreifende Schönheit der untergehenden Sonne es vechindert, die klaren Linien der Landschaft zu zeichnen. Es sei mir zum Schluß eine Bemerkung erlaubt: aus mehreren Stellen seines Buches scheint 'hervorzugehen, daß die fwnzösische öffentliche Meinung den Zionisten gegenüber feindselig fei oder wwigstens, daß diese davon über- Mt sind. Ich glaube, daß das <mf einem Mißvrrständnisse beruht. Frankreich hat kein einziges Vorurteil gegen den Zionismus; seit 1916 bezeugt ihm unsere Regierung — an der ich > teilnehme — ihre Synrpathie. Aber infolge seiner ruhmvollen Traditionen besitzt Frankreich in Palästina einen jahrhundertelangen Einfluß; die intensive Entwicklung des Hebräischen und die gleichzeitige der englischen Spmche läßt befiirchten, daß die französisch- Sprache vollkommen vernachlässigt werde. Mögen unsere jüdischen Freunde unsere Beunruhigung verstchen, die nur darin besteht, im neuen Jerusalem verMen zu werden, an einem Ort, wo solange unser Genius leuchtete. Bei aller leidenschaftlichen Pflege ihrer Sprache unter dem -englischen Mandat, bei aller DankbaÄkeit für die großmütige Behandlung, die ihnen das freie England immer angedeihen ließ, mögen sie sich auch einer anderen Nation erinnern. bbc ihnen gleichfalls groümüti'g unfc a-MrenMich gesinnt war rmd die durch ihre „Erklärung -der Menschenrechte" sie in Errropa zu gleichberechtigteii Bürgern gemacht hat. AMhcholM und Terror. Die Lage Ungarns. Bon einer mit den ungarischen politischen Verhältnissen außerordentlich vertrauten Persönlichkeit erhalten wir die folgende Darstellung der gegenwärtigen. inner- und außenpolitschen Lage Ungarns: Ncan ist sowchl in Ungarn selbst als auch im Auslande darüber einig, daß Ungarn ohne bedeutende ausländisch e A n l e ih e wirtschaftlich nicht vvvwürts kommen kann. Worüber sowohl, m Ungarn selbst als auch im Auslande die.Meinungen auseinander gehen, ist die Frage, ob bei nüchterner Beurteilung der. tatsächlichen Bechätlnisse Ungarn bereits inuerpolitisch so konsolidiert anzusehen sei, daß es auch kreditfähig erscheinen kann. Der Kreditfähigkeit Ungarns sind bis aus den heutigen Tag besou-ders drei Momente hinderlich gewesen: Erstens der Mangel einer Regierung sautoritat gegenüber allen Schichten der Bevölkerung, zweitens die süllschweigende Duldirng und erwiesene -Förderung der irredeutistische n Provaaanda in v?n Nacksol^c-itaa'.en und

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