Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1502 (19.4.1923)
- Date
- 1923-04-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnzelnnmmerKiOOö Wien: Zum Abholen in der (Expedition,II.,Taborstr.l-S, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. pesterr. monatl. K 28.000 [Tg chech o-Slowakei: (Mon. K17.Ungarn: Mo», jK 600. Jugoslawien: Mon, Dinar 36. Polen: Mon. iMk.IO.OOO.D e n t s chl a n d: Mon. Mark 6000. Frankr„ (Belgien: Monatl. Frcs. 8 BJBT N«ch*«hlongen bei PrefaerfcShungen Vorbehalten Nt. 1502 Wiener rsehecnv5io«ai(«l r tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lir< Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw. Lewa, S c h w e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 7 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 TeL- Adr.: .Morgenzeitung*' Wien Oösterreichisches Postspar / kassen- Konto Nr. 150.693 Wim. Donnerstag, 19. April 1923 8. FaHrgang Sie jüdische Buttsfteun. -y. W i e n, 16. Avril. Niemals wird England sein Wort brechen! Diese LMärung Lord Robert Cecils, des Vorkämpfers per ^riedensidee in England, ist an die Mische Nation gerichtet, die er auffordert, mehr auf die Worte ihrer Führer und Freunde zu achten, als sich schmerzlichen «Grübeleien über die Attacken der rauhen Reiter des An- (tizionismus hinzugeben. Die Führung einer politischen ssSewegung muß sicherlich sorgsam auch die Aeußerungen ster Antipathie' und welche Politische Idee stößt nicht jaus Gegner! — beachten, sie zu entkräften suchen und iihrer Wirkung entgegentreten. Für die Anhänger der Idee aber ist es oberste Pflicht, sich durch mchts beirren jgu lassen. Die Befolgung dieses Gebotes stärkt die Führung, gibt ihr Selbswewußtsein und verleiht ihren Akten (volle politische Kraft. Eine ihres Zieles sichere Bewegung muß Gegnerschaft und Kritik vertragen können, posartige Feindschaft aber links liegen laffen. Niemals wird England sein Wort brechen, das es ßtt der Balfour-Dekliaration vom 2. November 1917 gegeben hat und dessen Erfüllung es durch die Bestätigung des Völlerbundrates gegen alle Intrigen und Quertreibereien eingeleitet hat. England hat nach dem Wortlaut des Dtandatsvertrages die Beranwortung dafür stuf sich genommen, „daß das Land unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen gestellt wird, welche die Errichtung der jüdischen natiogx Heimstätte sichern". In gleicher Weise hat sich, and damit einverstanden erklärt, daß die Zionisti- Organisation als öffentliche Körperschaft an der ichung des Zieles mit Rat und Tat mittvirkt. Es M riar, daß der Völkerbund in dem Mandatsvertrag (nur die Aufgabe der englischen Regierrmg umschreiben, (konnte. Die Pflichten, die der Zionistischen Organisation Erwachsen, hat das jüdische Volk zu bestimmen, dessen WLeu und Kraft vor eine Aufgabe gestellt wird, die groß und schwer, aber nicht undurchfuhrbar ist. Die englische Regierung kann nur politische Unterstützung «gewähren, aber die Einrichtung Palästinas, der Ausm der jüdischen Heimstätte, kann nur durch das jüdre Volk geschehen, das auf sich selbst angewiesen ist. jemals darf ein Voll die Erfüllung feiner nationalen >eale auf , fremde Unterstützung stellen und niemals >rf es vergessen, daß es auch rm Völlerleben oberstes GÄot ist: erwerben, um zu besitzen. Der Mandatsvertrag schafft dem jüdischen Volke die Möglichkeit, die von den Völkern feierlich und für immerwährende Zeilen anerkannte histor'sche Verbindung mit Palästina zur Tatsache zu machen und ein nationale- Zentrum in Palästina zu errichten, von dem aus ne re Energien für die jüdische Gesamtheit strömen werden. Die politischen Voraussetzungen und gegeben; Sache des jüdischen Volkes ist es, das Seine zu tun, Menschen und Mittel zu stellen. Die Zionistische Organisation, die den Aufbau , Palästinas nicht als eine Parteisache, sondern als eine (Angelegenheit deS ganzen jüdllchen Vol*:? betrachtet,!hat im Jahre 1990 in c»:n Keren Hawssov.'in dem ^Auf'baufonds für Palästina, du fmanzlell: Grand! ige ifür das große Werk der jüdischen Autonomie gelegt. Sie!hat damit nichts Neu^s getan, sondern nur das Beispiel 1 alter nationalen Organisationen befolgt, die für die Äeisamtheit ihres vürken. Der AuibamudZ ist der ^Schatz, den wir auszvbrmgen hab.n, um all das leisten izu können, was fönst der organisierte Staat zu vollibringen hat, d.'r zur Deckung 'ftmer Ausgaben die Bevölkerung besteuett und unter den materiellen Zwang (der Gesetze stellt. Das jüdische Volk hat noch kein Gesetz;!es hat nur den moralischen Appell an das Pflichtgefühl und an die Volkstreue des einzelnen. Es kann den Auf-!bau seiner Heimat nicht auf Philanthropie, aus Spenjden mildtätiger Menschen stützen, sondern nur auf den großen Gedanken der nationalen Erlösung, auf die sittliche Kraft, der Negenerationsidee, die dem gesamten jüdischen Volke Land, Freiheit und Zukunft bringt. Im Zeichen der Idee, deren erster Ausdruck der Aufbaufonds ist, kann sich das ganze jüdische Volk zusammenschließen, dem die Weltgeschichte in einer großen Stunde sein Sekbftbeftimnmngsrecht wiedergegeben hat. „England wird niemals sein Wort brechen," sagt Lord Cecil. Dieses Wort hat es uns gegeben und es hat Pom jüdischen Volk durch die Zionistische Organisation die Erklärung erhalten, daß auch das Mische Volk sein Wort halten werde. Der Gedanke des Keren Hajessod Hat sich nicht auf die Zionistische Organisation be- Ae Debatte über das Expose des deutschen Außenministers. Berlin, 18. April.-In per Aussprache über die Rede des Ministers des Aeußern erklärte Abg. Dr. Breitscheid (Sozialdemokrat), die Rede des Ministers des Aeußern sei mancherlei Deutungen aiisgefttzt und mache deshalb eine weitere Klarstellung notwendig. Die Mehcheit der deinekratischen Fraktion sehe beispielsweise darin ein formelles Angebot. Wir stimmen, sagt Redner, mit dem Minister durchaus überein in der Forderung der Fortsetzung des Passiven Widerstandes. Wir legen dabei die Betonung auf das Wort Passiv und freuen uns, daß jetzt alle Parteien des Hauses von der Idee eines aktiven Kampfes abgekommen sind. Wir begrüßen die schroffe Absage, die der Minister gegen den Militarismus gerichtet hat. Die Räumung des Ruhrgebietes soll ni cht die Borbe di ngung für Verhandlnngen sein. Als ich in London etwas Achnliches sagte, wurde ich des Vaterlandsverrates beschuldigt. Der Außenminister hat im Gegensatz zu den angeblichen Hamburger Ausführungen des Wirtschafts nrimsters Dr. Becker ausdrücklich erklärt, daß die ErfüllünKpolitik weitergehen soll. Wir unterscheiden uns von der Regierung darin, daß wir ein positives Angebot an die Alliierten verlangen. Die Ruhpbergleute haben selbst dieselbe Forderung gestellt wie wir. Wir -haben heute ebensowenig wie früher das herostratrsche Gelüste, eine Front zu zerstören, ustd wer uns das nachsagt, lügt heute so w'e er v?r drei Jchren gelogen hat. (Lebhafter Beifall bei -den -Sozialist^.) Wir haben nicht LH, We Rchierung.A^MMHMWrWten die Böt» auI^HtzstnG^n fite pmm, rWF fce cvegte rststg mit oder ahne Lnummristische UnterstütztOg noch sticht für gegeben. Im Gegensatz zu den Demokraten sehen wir in der Rede des Ministers des Aeußern kem formelles Angebot. Sollte es doch so gemeint sein, dann wäre feine Formulierung in einer «Wellen Note zu wünschen. Wir lehnen jede Verdächtigung unseres Deutschtums ab, aber wir wollen die internationale Verständigung und vor allem die deutschfranzösische Verständigung über die Bildung des von Dr. Strestmann gewünschten deutsch-französischen Montantrusts hinaus. Mit den Ruhrbergleuten sind wir der Meinung, daß ein positives deutsches Angebot der jetzigen Regierung nicht als ein Zeichen der Schwäche, sonder» der inneren Stärke ausgelegt werden müßte. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Lauscher (Zentrum) führt au§: Wenn Abg. Dr. Breitscheid ein präzises deutsches Angebot etwa in Hohe des englischen Vorschlages wünscht, so wäre ich an sich damit einverstanden, aber es wäre sehr gefährlich, wenn ein solches Angebot zur Grundlage neuer Ultimaten und Sanktionen gemacht würde. Unsere Regierung hat die Pflicht, im -Rahmen des Erfüllbaren ihre Vorschläge zu machen, wobei ich dahingestellt sein lasse, ob wir im jetziges Augenblick -bestimmte Zahlen nennen wollen. Wir wollen jedenfalls eine Verständigung. Wir wollen über die Volks-: gemeinschaft hinaus zur Völkergemeinschaft kommen, zu einem Völkerbund, der diesen NaMen nicht nur trägt, sondern auch wirklich verdient. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Dr. Helsferich (deutschnational), der hierauf das Wort ergreift, führt aus: Wir leiden unter dem Fluch der WaffenlosigLeit umritten einer wafftnstarverÄen Welt. Unsere Waffenlosigkeit hat sich als die stärkste Provokation der Franzosen erwiesen. Alan glaubte dort, daß mit Gewalt von Deutschland alles zu erreichen sei. Die jetzt im Ruhrgebiet gemachte Entdeckung, daß ein 'waffenloses deutsches Volk nicht wehrlos ist, hat Frankreich und die Wett überrascht. Welchen Eindruck urnß es in der Welt machen, wenn ein Volk, das, wie das deutsche, schwerste Gewalt und niedrigste Schmach erduldet und mit kräftigem Widerstand bisher abgewehrt tztt, jetzt nach dem Willen der Sozialdemokraten den Einbrechern ein Angebot machen sollte. Man würde ja glauben, der-deutsche Widerstandswille und die Widerstandskraft Deutschlands.. feien schwach geworden Die sozialdemokratische Forderung, nach einem bestimmten Angebot hat bei keiner Partei, Zustimmung gestruden. So wahr Leben und Freiheit des deutschen 60 Millionen- Volkes stärker sind als Gell» und VLacht, so wahr muß in diesem Kampf der Sieg , ihm gehören. (Lebhafter Beifall rechts.) . Abg. Ledebour (unabAmgiger Sozialist) führt aus: Wir stehen vor 'der Frage, ob wir den zweiten Krieg verlieren sollen oder nicht. Das Säbelrasseln ist immer verbrecherisch. In Frankreich mehren sich die Stimmen, die das Ruhrabenteuer verurteilen. Nachdem noch Moldenhaster (Deutsche Volks- Partei) und Fröhlich (Kommunist) gesprochen hatten, , wurde der Etat des Auswärtigen Amtes gegen die Stimnren ' der äußersten Linken bewilligt. schränkt. Er ist schon heute vom ganzen jüdischen Volk bestätigt und er muß nur ausgesuhrt werden. Ihn zu erMen, ist mehr als eine materielle VerMchtung. Es ist eine Forderung des sMichen Bewußtseins, daß unser Werk, das wir vor einer Welt von Feistden zu vollbringen haben, von jedem Juden durch die Leistung des Maaffer, der Men Bolkssteuer', mitgebaut wird. Die Juden des Banats. Von Franz Lader KcchPus. Moser.sehr beachtensweVts AMatz deS bÄcmnten in Temesvar lebenden doutsch-chrisklichen^ PM-izisten erscheint im ,M Kelot". Kappus ist Mts dveniger als ein I-rrdenisreund; selbst m diesem das Judentum verteidilgenden Artikel finden sich Mischen den Zeilen Anklagen aus der Rüstkammer «des -internationalen Antisem>i.tisnms. Wir übernehmen den Artikel hauptsächlich deshalb, weil er eine Lektion au die DcutschnÄionalen enthält, die -ihnendenken geben soll. Bis zu einem gewissen Maße stcht das Judentum auch hier im Mittelpunkt des Interesses. Die Welle des Judenhasses, die über den ganzen Kontinent hrnwegfegt, ist a-uch in die Städte und Dörfer des Banats gelangt. Was jedoch hier geschicht, ist mehr der Reflex und der blasse Wider- . schein dessen, was sich draußen austobt, als eine von innen heraus explodiererrde Kundgebung. ^^Wenn die Mnschen hören, daß man in Bicka-vest, Jassy und Klausen-buvg.von Zeit zu Zeit gegen die Juden lvsstürmt, fo finden sich einzelne, die glckuben, daß man auch hisr nicht untätig bleiben dürft. Dresm schwachen Versuchen fthtt natürlich das Zeitgemäße, die innere Berechtigung und die nach außen hin sich knndgebende robuste Kraft. Es wäre znm Beispiel den Hörern der Temesvarer technischen Hochschule niemals w den Sinn gekommen, ihre Stimme g^gen die Juden zu.erheben, wenn sie sich nicht hierzu ans Purer Solidarität gegen ihre Kommllitonen verpilicktet aefühlt Mten. Des- HM ist ihre Bewegung auch bloß eine Geste gewesen. Sie hatte gar keine praktische Bedeutung, nicht einmal in der Richtung, daß. sie die Stimmung der Stadt auch nur für einen AugeMick in Erregung verfttzt hätte. So erging es auch den sporadisch auftretenden unvevantwortlichen Elementen, die praktischen Arttiftmitismus predigen wollten. Ihre Bsnühungen scheiterten an der Wachstnnkeit der Behörden und an der Unzulänglichkeit ihrer eigenen Kräfte. Niemand hat es weiter tragisch genommen, wenn heute iw; morgen dort kleine Zettelchen mit der Aufschrift: ,^udev hinaus!" auftauchten. Nicht ein einziges Gemüt ist dadurch aus seinem Gleichgewicht geraten. Der Antisemitismus inri Banat kann in jeder Beziehung als ein platonischer bezeichnet werden. Eine rm bescheidenen Rahmen vegetierende Beloegung, die schwache Resonanz draußen tobeUder Stürme. Trotz alledem 'haben die Banaler Juden ihre eigener? Sorgen. Dieft Sorgen haben ihren Grund nicht in den, drohenden Demonstrationen oder in Erscheinungen, welche ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen würden. Für Demonstrationen fehlen unternehmungslustige Menschen und' wirtschaftlich fam man gegen die Banater Juden mchtss unternehnren. Entweder besitzen sie gar nichts, oder sie ha-- «ben das, 'was sie besinn, nach verschiedenen Seiten dev sichert. Was sie mederdrückt, sind die gegen ihre kulturellen Institutionen etwa erfließenden Bewrdnungen und Regierungsmaßnahmen. Allen voran steht das Schuchroblem, dessentwegen.im diesen Tagen viele Eltern sich in Sorge, befinden, ohne daß die ihre Raste kennzeichnende Findige keit einen Ausweg sinden könnte. Die in der Schnlfrage erlastenen Verfügungen versetzen die jüdischen Kinder in die schwerste Zwangslage. Das. Judentum betrachtet diese Maßnahmen als einer gegen seine völkische und kulturelle Existenz gerichteten Angriff. Ein Widechall dieses Seelenzustandes ist die originelle und in jeder Beziehung rührende Kundgebung, die anläMcki der lüngsttzr: Osierfeiertaae m Szene gesetzt wtlrde.