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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-17 · Heft 1500 (17.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1500 (17.4.1923)
Date
1923-04-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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hzdmnmrKlOoa IWientZnm Abholen in de* Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle {(Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. lOesterr. monatl K 28.000 [TschecKo-S 1 owakei's Mon. K17i Ungarn: Mon, fC 60Q.Ju g o b 1 awi e n: Mom Pinar 38. Pol e n r Mon. Mk.10.0Q0.Deu tschland: Mon. Mark 6000, Frank r., ^Belgien: MonatC Frcs. 8 MM' N « c h * a h 1 ti R £ en ^WW Sei PreiMrhötranjpa Vorbehalte» lener « UM Me». Dienstag. 17. April 1923 tvificcnotSiowa m tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire; Ri u m 3 n i s n, Bulgarien! Monatl. 75 Lei bezw, Lewa,* Schweiz und das übrig«, Ausland monatlich Frcs. 3| Redaktion a. Administration Wien, II.,Tahorstras»el—?\ Telephone: 44-0-38,43-3-19, abÖUhr abds. 19-483,16-301 TeL- Adr.: ,Morgenzeitnng4' Wien Oeaterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 S. Zllhrsang PMch MSttw. k». W i e N,17. April. Die südslawische Frage ist in ein neues Stadium «treten. Das Kabiyett Pasitsch hat die Demission geleben. Während es sich früher um die nationale Emimng aller Süvflawen in einem gemeinsamen Staatspesen handelte, dreht sich jetzt der Kampf um die Verjüng Jugoslawiens, beziehungsweise um die Hegemonie des serbischen Bolksstammes. Diese ist nach der Meinung der herrschenden radikalen Partei und ihres Führers P a s i t s ch nur durch den Belgrader Zentralismus verbürgt; eben darum wird dieser aufs heftigste pon den Kroaten, Slowenen und mohammedanischen Türken bekämpft, die sich zu einem föderalistischen Block vereinigt haben. Die Führung dieses Blocks liegt in j>en Händen des kroatischen Abgeordneten R a d i c, der nach den letzten Wahlen nicht nur als kroatischer Bauernführer bezeichnet werden kann, sondern heute bereits rbesonders in der Frage derVerfassungsrepision — als Vertreter nahezu ganz Kroatiens und Slawoniens ebenso gellen muß wie der Mgeordnete Dr. Kor o s ch e c als Dolmetsch der Anschauungen des slowenischen Volkes. Derzeit schweben Verhandlungen zwischen der jugoflawischen Regierung und den Vertrauensmännern der Radic-Partei. Auch dann — Denn beide Teile sich aus einer mittleren Linie einigen pwllten — wehren die Verhandlungen sich Hinausrichen, weil beide Teile durch das während der Wahl- Campagne entwickelte Programm festgelegt sind. Die nengewählten Wgeordneten der kroatischen Radic-Partei hielten am 25. März in , Agram eine fl o n s e r e n z ab, deren politische Bedeutung für Jugoslawien darin gipfelte, daß die Stellung der Partei zur. jngöflawrschen StaatMeeprMertwuiche. In der Ms dieser Konferenz angenommenen MMütton^ wird Märt, daß dve kwatische Nattottalverrretung die gegenwärtigen GrenM des jugoflawischen Staates unter den jetzt in Europa bestehenden Verhältnissen als den geeignetsten' Rahmen sowohl vom Standpunkte Kroattens als auch von dem Europas und ber Welt betrachtet. Gleichzeitig betont aber diese Resolution, daß der kroatische Sabor in Agram schon seiner» zeit die. vollkommene st a a t l i ch e U n a b h ä n g i gkeit Kroatiens proklamiert habe und die völlige staatliche Souveränität auch tatsächlich auszuüben begann,. als Kroatten sich in eine föderative Republik mit dem Sitze des Nattonalrates. in Agram unter Einbeziehung von Bosnien, der Herzegowina und Sloweniens, des Banates Balschka und der Barcmya vereinigte. Das Königreich Serbien erkannte dies durch den in Genf am 9. November. 1918 von der serbischen Regierung und den Vertretern aller serbischen parlamentarischen Parteien sowie von Dr. K o r o s ch e c und Dr. Trumbie seitens des Nationalrates Unterzeichneten Vertrag an. Besonders scharf kömmt die föderalistische Note in Punkt 7 der von der Konferenz der Radic-Partei angenommenen Resolution < zum Ausdruck, in dem die kroatische Nattonalvertretung sich als ein Parlarnen i im Sinne des modernen europäischen Rechtes betrachtet und sich auch, für. berechtigt hält, jede moralische Hilfe zur Erlangung ihres Zieles anznrufen. Dieses Programm wurde neuerlich bekräftigt in den jüngsten Konferenzen Zwischen den Delegierten Dr. Matschek und dem serbischen Premier Pasitsch. Dr. Matschek anerkannte auch bei.dieser Gelegenheit den. jugoslawischen Staat als ein international geeinigtes Staatswesen, fordert aber, seine Umgestaltung zu einer Ko nföderation der Serben, Kroaten und Slowenen. Diese Konferenz hat zu keinem politischen Ergebnis geführt und wurde abgebrochen. Die nächste Folge war die gestern: erfolgte Demission des Kaümetts Pasitsch. Wie sich Radic zu diesem Ereignis stellt, ist noch abzuwarten. Es/ sind, jetzt nur zwei Möglichkeiten' ins Auge zu fassen: Entweder die.Radic-Partei bleibt auch weiter dem jugoslawischen Sabor fern, dann bleibt aber auch die Frage der Verfassungsrevision,,diese' Le-, bensfrage des - jugoslawischen Staates, ungelöst und das kroatisch-slowenische Problem droht zu einer schweren chronischen Krankheit des jugoslawischen Staatskörpers auszuarten oder aber rdie föderglisttsche Opposition — einschließlich der Radie-Pärtei — betritt zu!dem Zweck das Belgrad er Pa,rlame n t, um im! Bunde mit der serbisch-demokratischen D a v i d o v r c- Gruppe den Zentralismus auf Parlamen- {i 1 cktxt Wese Mm Falle zu brim-en. ialls Polemik gegen Poimare. Berlitt, 16. April. (Del. d. ,Mr. Morgenzeitung".) In der 'heutigen Reichstagssitzung. erklärte Außenminister Dr. Rosenberg, der Ausgangdes Ruhrwnsiikts sei von, weltgeschichtlicher Bedeutung. Wenn es Frankreich gelänge, die waffenlose Bevölkerung aus die Knie zu zwingen, so wäre der Militarismus nicht tot und mrr noch die Zahl der Bajonette würde, allein entscheidend sein, nicht aber das Recht der Völker. Der Vertrag von Versailles verfolgt nach den Worten seiner Einleitung das Ziel, an Stelle des Kriegszustandes einen festen, gerechten, dauerhaften Frieden treten zu lassen. . Diesem Zweck sollte auch die allgemeine Abrüstung dienen. Aber nachdem das nach 'dem Weltkrieg zu der am stärksten gerüsteten Macht emporgestiegene Frankreich mitten im Frieden in Gebiete des jetzt völlig entwaffneten Deutschwnd eingedrungen war, könnte man von einer solchen Wirkung bestimmt nicht sprechen. ,/Unsere Abwchrmaßnahmen könnten und können nur rein defensiv sein. Sie bestehen darin, durch Sel-bstbcheröschung, Besonnenheit und Standhaftigkeit zur Freiheit zu gelangen, aber zu einer Freiheit, die stark belastet ist mtt Leistungen, die bis an die äußerste Grenze der Erfüllbarkett gehen. Solche Probleme sind eben mit Gewalt nicht zu lösen. Kein Etat Arm den Glauben an die ErfüllbaÄett ersetzen." Der Außermmrier erörterte die sogenannten Bergmanns chen Vorschläge, die dcchttr gegangen seien, zurckchst ettrmal zwanzig Milliarden Goldmack ftstzirsetzen, die nach weiteren vier bis acht JMen mn je 500 MflsiorM MMchÄ W. eHWtWen, Denn. däsMternatwnale als, Millmrdchi MMnaÄ. Mer" rMet Herr B e r g m a n n noch 'tzer intzw-schenverstdober« deutsche Botschafter.in Paris Dr.. May dtzKeWghm' zur Vorlage chres Planes. Es erfolgte vielmchr' ohne eine Kenntnisnahme dieses Plaues der Ei n m a r sch in s R uh r g ebiet, wodurch Deutschlands Fähigkeit zur Zahlung von Reparationen nicht vergrößert, sondern^ verringert worden ist. Trotzdem sei Deutschland bel^it, an der Erfüllung der RepawttouSpflichten zu arbeiten, zu opfern und zu zahlen, was immer in seiner Macht steht. „Aber," fragte der Mimster, „sollen von der. StÄle, die die letzte Vevantwortlichkett tr^t und unter allen Umständen das Mt, -was sie verspriH, Zahlen genannt werden, bevor wir wissen, wann und iu welcher Form die deutsche^^ Arbeitsmöglichkeit wiederhergestM wirddurch Räumung der widerrechtlich -besetzten GMete, Abbau der Rheiylandsbesetzung und Frankreich wachzurufen. Die deutsche Regierung habe ihren Willen zum Frieden deutlich bewiesen. Der Vorschlag der Reichsregierung vom Silvester war nicht starr und unabänderlich, sondern MMsizierungen zugänglich. Auch zu weitgehenden ' schiedsgerichtlichett Verträgen und anderen den Frieden sichernden VereinbäriulgLl'. itai und ist die Rcichsregierung bereit, wenn sie aus dem Boden ber Gegenseitigkeit beruhen und wenn die Reichshoheit dadurch nicht verletzt -wird. Gerade deshalb ist eine Lösung, die das 'NuhrgMet und die anderen, widerrechtlich besetzter Gebiete im Stiche läßt, die sich mit der Entr'-chtung drei Rheinlande abfindet, die die Rückkehr der B?rh,lsteten und ausgewiesenen Volksgenossen zur Freiheit und zur Heimat und ihre SchadlosMttmg nicht sichert, für die Regierung unannehmbar. Ebenso unannshmbar ist der in Brüsiel bkschlofsene und in Paris: und Dünkirchen.erneut, verkündete Gedanke der etappenweisen. Rämnung, der die Bevölkerung des Ruhrgebietes einer anMlich nur zeitwelligen, aber in der Praxis dauernden LiMrsNaverei aus^ liefern würde. (Lebhafter Beifall.) - Auf die Rede des. ftanzösischen Mnisterprasidenten in Dünkirchen eingchend, sagte der Außenminister: „Del Verständigung, die wir erhofften, hat Herr Poincare einen schlechten Dienst erwiesen, denn , wieder ist seine Rede eine Predigt der Gelvcllt. Die Geschichte wird über ihn und seil Evangelium hittwegschreiten -und ivir Men den Mut, zu sagen, . - --! ein Verhängnis . .? Min.. päer erhofft von der'ivirtschastlichen Kooperation der beidenl Völker eilten neuen Aufschwung Europas. Solange ab-er^ Frankreich die Kraft zu. diesem Entschluß nicht findet, gibt! es-für nur eines: weiter -die Zähne aufeinander zu beißen,^ zusammenzustehen und im V-ertmllen auf unser Recht, geftütztl auf die sittliche Kraft unseres Volkes, auf seinen Willen! zum Leben und seine Liebe zum Land im Widerspruch aus-j zuharren. Die Reichsregieruug wird sich nicht idazu hergoben, zur Beseitigung gegenwärtiger Schwierigkeiten die Zukunft zu opfern. Die Erkenntnis aber, daß es sich im Rheinland und an der Ruhr um unsere Ankunft handelt, um das Glück unserer Kinder und Kindeskinder, diese Erkenntnis ist es, die ims, der heute lebenden Generation, die Pflicht auferlegt und die Kraft gibt, die Probe zu bestehLvU (Lebhafter BeiM.) ' t.'' : . Verzicht auf Sankttonen nnd Pfönderpolitik? Wenn aber konkrete Zahlen noch nicht geummt ivevden Wrmen, so. hat doch die Reichsregieruug auch, andere W^e gesucht. Der Minister -wiederholt feinen bereits in der Rede vor dem auswärtigen Ausschuß gemachten Vorschlag, der sich, an die Anregung.des. amerikanischen Staatssekretärs H u g h e s - cmschließt. Das Reparationsproblem war so kompliziert, daß nnnr ihm mit der mechanischen Aufstellung von Zahlen, überhaupt nicht beikommen kann. Dann -ivendet sich -der Mnister gegen die Errichtungeines selbständigen icheimschen Bundesstaates und . gegen die Uebertraglmg der Verwaltung an internatiolrale Organisationen, die über den Versailler Vertrag hrnausgehen und für. Deutschland überhaupt nicht diskuüerbar seien. Zu solcher Entwicklung 'kann keine deutsche Regierung ihre Hand bieten. Das Ruhrgebiet Wld die Rheinlande sind und,bleiben deutsch.. Wenndie französische Regierung den Wunsch hat, künftighin Gefahren vorzubeugen, so müßte sie "darauf verzichten, im deutschen Volke imnrer von neuem Erbitterung gegen Die BerhaMungen mit Radic gescheiten Demisiion des Kabinetts Pasic. Belgrad, ll. April. . (Tel. der „Wr. Morgenzeitung^. In der gestern.in Ilgram abgehaltenen.' VersanmÄung -deL kroatischen Bauernpartei gab Wg. Radic bekannt, daß dr« Verhandlungen mit der am- Ruder befindlicher) - radikalem Partei abrgebrochen seien.. Er erklärte, daß er auf sein« imnachgiebigen Standpunkt verharre. Dmch diese Erklärung! sind alle Punkte,'über die, wie es'schien, die Herstellung eine« Einvernehnreus bevorstand, wieder in. Frage gestellt worder.i. Nachts fand eine Sitzung des Ministerrates statt, in der diej Demission beschlossen wurde. Die S k u P s ch t i n a trat lymit zu einer Sitzung zo sammen und wählte den Radikalen Peles zum provisorischen Präsidenten, der hierauf nritteitte, daß das Kabinetts Pas-ic demissioniert habe. Die Sitzungen der Sk-up-! i schttr.a werden deshalb bis zur Bildung des neuen 5babinettsi vertagt. mmmammmmammmmmmEmmammaaKmmmmmmammmäm; nicht vorher schon der nicht sehr wahrscheinliche Fall! einer Einigung 'Zwischen der Fraktion Davidovic mit > Pasitsch. eintritt. Scheitern diese Kombinattonen, so würde nur die neuerliche A u f l ö s u n g d e s j u g o- .! s l a w r s ch e n P a r l a me n t s und der Appell an die - Wähler übrigbleiben, der wohl kaum an der Stärke der Parteien-im jugoflawischen Parlament viel ändernwürde. Bezeichnend ist es, daß man in I tat i e n'mit der j ernsten Möglichkeit der Aenderung der jugoslawischen Verfassung rechnet und eine söderalisttsche.Ver- ' fassungsrevision als eine Gefährdung der italienischen Interessen -betrachtet. Diese Ansicht kommt besonders - prägnant in dem Blatte „G i o rn a Iß d'5c tali a" auitt SIuöbiiufF» Drols .Rcitfcfirift tuu gründet ihre Meinungdamit, daß, wenn Italien Krotttien im Osten und Slowenien im Westen als umnititelbare Nachbarn erhielte, sich die Differenzen zwischen Italienern und Slowenen in Triest und Istrien, zwischen Italienern und Kroaten in Dalmatien und Fiume durch diese autonomen Staaten steigern würden. Die italienische Stellungnahme gegen den Födera- , lismus zeigt deutlich, daß die Frage der sugoslawijchen Verfassungsrevisipn eine weit über den Rahmen Jugo-j. slawiens - hinausreichende . Bedeutung, hat, um so mehv als-auch bereits im-Monat März in Bulgarien! eine ganze Reihe von Versammlungen — besucht von! Angehörigen sämtlicher Balkanstaaten — eine balkäs nische F ö d' e r a t i v r e p u b l i k als einzigen Att.ö aus den Wirren forderte.

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