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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-14 · Heft 1497 (14.4.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1497 (14.4.1923)
Date
1923-04-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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©SJtmta fn China. ' LoMm, M. AprA. (Tel. d. Mr. WorgeuJeMmg'^.) j'An iett gMeren Schätm Chinas finden seit einiger Zeit «Mrsiertdemmrstratrorlen dev B-evWrrung statt, die einen scharf betonten nationalen Charakter tragen. So haben am vergangenen Sonntag allein in Peking 50.000, in Shanghai '30.000 Personen an einer Stvaßenkundgebung teilgenvmmm.'Die Demonstvcmten, «unter denen sich sehr viele Intellektuelle und Studenten befinden, foÄenr die Rückgabe Port Arthurs mrd die Abändemng der japanischen Bestimmung über die Rechte der in Japan einwanoernden Chinesen. Sollte Japan diesem Verlangen nicht nachgaben, Iso soll ein allgemeiner Boykott japanischer Waren in ganz ICHina eingeführt werden. Die fremden Möchte sehen dieser Mntwicklnng der Dinge etwas beunruhigt zu, da gerade jetzt-die Frage der Internationalifiernng der chinesischen Finanzen« knapp vor der Entscheidung steht. In Shanghai hat die fvanzö fische Polizei einen Kongreß der nationalen Studentenfödevation aufgelöst, -was die lSrtuation nur noch mehr verschärft hat. «Inzwischen geht der Kampf dev Nordprovinzen gegen iSüdchina undevuündert weiter. Derzeit ist Südchina durch «den Tod eines seiner hervorragendsten Whrer in eine nr^ß-' « liche Lage geraten. . - Die Verhandlungen Chinas mit Sowjetrußland wer-;>den in- -Bälde wieder ausgenommen werden. Der' So-Wjet- «Vertreter Joffe kchrt in einigen Tagen nach Peking zurück und man glaubt, nach Bereinigung der Shantung-Reparati.onssrage zur Ausnahme geregelter Wirtschaftsbeziehungen schreiten zu können. Aus Mer Welt. Prag, 13. April. Der gewesene Abgeordnete Doktor Baerau hat sich heute früh im Gefängnis mit Beronal zu vergiften versucht. Er wurde in bewußtlosem. Zustande ins Spuarl gebracht. . Kiagensurt, 13. April. Infolge UnIvorisichtiMt beim Hantieren mit Dynamit erfolgte im Mallnitz-Werk eine Explosion, durch die ein Arbeiter getötet und zwei ver-!letzt wurden. . ü Budapest, 13. April. Infolge des Streiks in dem städtischen Betrieben ist die Demission des BizebüvgermÄsters Bugach zu gewärtigen. Auch der Bürgermeister Srpöcz trägt sich, wie veÄautet, Mit Demissionsgedanken. Paris, 13. April. Dem Journal Industrielle" zu- Sp, hat der englische Botschafter in Paris Pornoare mitiget, daß die englische Negierung in der nächsten Zeit geKtoungeu sei» werde, die Kcckstl-ieseruuigeu nach Frankreich e>inzju°- , ’ Budapest, 13. April. Der Brotpreis ist gestern -mn i SO Pvozerrt gesnegeu.! Mexiko, 13. April. Durch einen Sturm kam in der!Nalbe von Belioe ein Schiff zum Sinken. Der Bischof von iBmee und Id andere Perfone« sind erstunken. 50 Paflagiere 'konnten gerettet werdm. Tagesbericht. Kr« Fleischteaemngsdebatte im Wiener Gemeinderat. Im Wiener Gememderate kam «es gestsvu Zu einer großen Md stellenweise sehr lebhaft geführten Debatte über die Wiener Weifchteuernng, welche durch «me An-fvags der Sozialdemokraten au den BürgAlMeister hevbeigsführtt tottftc. Die Opposition. machte Aeir MajovAat >derr Vorwurf, daß sie in der Approvisioimmg Wiens viele Versäumnisse begangen habe, was natürlich die Sozialde-mokraten wieder zu'scharfen Gegeiraugrifserk «veranlaß!«. In der Anfrage an den Mirgevmeister wird verklangt, daß er mtverzügMmit Eder Bundesregierung Ber- «handlungen über «solgende Angelegenheiten einleiten solle i 1. Es ist svitms der Gemeinde Wien daraus hmznwirken, >daß. die WEvumfatzstewor und div Ausgleichsaibgabe von «ein- Mhalb Prozent für den Viehimport nicht eirigchoben dvird, da diese Steuern den ausländischen Verkäufer abschvstken und das Fleisch, verlm-ern. Ebenso müßte eine starke Ermäßigung der Frachttarife für L-ebendvich - und Fleisch vorgenommen werden. Auch der hohe Zoll aus ausländische Wurst, der mw. zu leicht Gevegenheit gibt, die inländischen Wurstwaren im Preise höher anznsetzen, wäre ausguhebeu. Es ist seitens der Gemeinde Wien an die Megierung heran» zntreten, daß sie zur Unterstützung/ der Bemühungen des Bürgermeisters sofort mit Rrnnämen wegen der Aufhebung des Ausfuhrverbotes sür LebenÄvich verhandelt. Sollten diese ^VerhaMungen «nicht den «gewünschten Erfolg bringen, wäre die Angelegenheit im Natimrallrat zu behandeln. 6. Es ist seitens der Gemeinde Wien die Regierung auszrdifovdern, daß sie durch Verhandlungen mit den laMvivtschastlichen Organisationen düve Vsvmehvung des heimischen Austriebes herbeig^führt. Da die Kontrolle «der Ausstchrbewilligungen für Zuchtvieh heute «höchst mangelhaft ist, wäre die Regierung auftusorderrr, daß dazu auch Vertreter der «Konsumenten ' iherangezogen werden. Die Ausfuhr soll überhaupt nur dann .gestattet werden, wenn als Ersatz sür -das ausgefürhrw Zuchtvieh «entsprocheudes Schlachtvieh «eingefühtt wird. 4. Es ist seitens der Gemeinde Wien die Regierung' zu .ersuchen, «sie möge unverzüglich einö Enquete der sleifchverj'arbeitenden Gewerbe und Äer Konsumenten «iübevusen, «in der iewe schävfeve Kontrolle «der Fbeischpreise beraten und Maß- ^irahmen gfmdsrt «werden sollen, die eine «Erlei«chter>mg des Vieh- . «Verkehrs «imMhaW des Berkehrsgebietes der Stadt Wi«en hvv-- stvWsührengreignet sind. Es kommt «noch Ummer vor, dastBich- bis drei Tage' dauern, was obendrein mit großen Kosten verbunden ist/ weshalb dieser llebelstcrnd vom Bundesministerinm' für Berkchrswesen schleunigst abgestellt 'werden muß. In Eder Antwort «erklärt der Bürgermeister, daß die Beschickung des Wiener ZentvalvichmaMes aus Rumänien bald 60 Prozent des Gesamtauftriebes erreichte'ja sogar an M"i «Markttagen überstieg. Der Bürgemrsister verwies sodann aus die von der «Gemvmd'e gegen die Fleischteuevung evgrisfenen Maßnahmen, insbesondere die Verhandlungen mit der «rumänischen Regiierung, sowie aus die Tätigkeit der Marktämier zur Kontrolle'des Fleischwuchers. Leider sei der Erfolg der gegen Fleischhauer bei den Strafgerichten «erstatteten Anzügen «kein günstiger. Die «in den Punkten 1 bis 4 «der A-nftage «gemachten Anregungen seien nach seiner Ansicht zweifellos geeignÄ, eine BerbillÄgung des Fleisches , in Wien herbeizusühven. Die Durchführung dieser Maßnahmen fällt aber nicht in.den Wirkungskreis der Gemeinde. Hevvorh^ben möchte «er zmn Schluffe noch, daß die Anfrage, «insbosondere mit Recht ein starke Ermäßigung der Frachttarife für Lebendvieh und Fleisch - verlangt, da diese gegenüber den Friedenssätzen um rund «das 12.500fache erhAht wurden, während die Summe aller -städtischen Markt- und Schlachthausgebühren sich gegenüber der Vorkriegszeit nur auf das 6600fache stellt. ' .' ‘ Irr .der Debatte wies Sbadtvat «Kokvda «daraus hm, daß die städiischen Gebühren an den Fleischpreisen, mit MO «Kronen gemessen, gar wicht in die Wagschale «fallen. K u n s ch a k -meint, daß der Bürgermeist-er «mit Umgehung der Regierung sich an die . rumänifche Regierung gewendet hat, um die. Bicheiufuhr zu erzielen. Nim «habe «ccher die rumän'ische Wgiemntz .eMärt, daß sie in dieser «Frage mit dem Bürgermeister allem nicht yoechandeln könne. El der sch: Sie hckben also eine Freude darüber, daß kein rumänisches Bich herei«nko«nkmt! K unschak: Ich will feststellen, daß wenn der Herr Bürgermeister sich gleich an «die Regierung gewandt hätte, damit der Bevölkerung ein besserer Dienst erwiesen worden wäre. ' ■' B ermann: Warum hat Seipel das nicht selbst getan? Rausnitz: Es ist ein Skandal, daß Sie dcrzu erst ausgesorderj werden mußten. ' Kunschak: Ich bedausve es auch, «daß der Herr Bürgermeister erst durch eine Interpssllation daraus aufmerksam geniacht werden muß. Darüber sind sich die ABC-Schntzen der Volkswirtschaft längst klar, daß die Fleischvevforgung Wiens durch die. heimische. Laudwirtschast allein nicht erfolgen kann. « Bauer: Ihre Bauern «führen Dich ans. K u n s ch a k: Es gibt in« «dbesen Dingen keinen.«nde-vm Weg, als den Weg «der Vechandlungen, und über das Ergebnis «der Verhandlungen kann natürlich eine österreichische Stelle, o-b das nun der Bürgermeister oder der Bundeskanzler ist, nicht verantwortlich gemacht werden. Die Sorge für die Approvisionievung der StM ist eire der o«be«vsten Ausgaben der Gemeindeverwattnng, und Sie haben diese Aufgäbe bisher beharrlich vernachlässigt. Cldersch bedauert es, daß Gerueinderat Kunschak mit einer gewissen BefriedignM konstatierte, daß der vom Bürgermeister gewählte Weg eigentlich nichts genützt habe. Kuttschat: Sie sind - doch nicht vom Stamme Sem, daß Sie hier mit Drehs kommen. E'l'dersch: Sie kommen mit jesuitischen Drehs, die eber.'so ver«werslich sind, wie die siidischen. Die Behaiup-tung, daß die Regierung gegen «die Fleischteue-vung alles tue, was in ihreir Kräften, liegt, ist falsch, denn sie hat 'beispielsweise die Warenumsatzstener erngeführt,' die zwei Prozent beim Lebendvieh im Inland und 2F Prozent bei d^er E infuhr von Le>benddieh ansmacht. Skaret: Ich hätte es nicht für möglich geha-ltev, «daß «in diesem Saale ein Gemeindercttsmitglied aussteht, wie dies GomeiUderat Kunlschak getan hat, um twm Mrgermeister einen Vorwurf daraus zu machen, daß er sich wegen der Versorgung Wiens mit billigen: Fleisch an die rumänische Regierung geiwendet hat. Erinnern Sie sich an die Zeit, als Sie noch von ,^Ju«dä«oma,gharen" gesprochen Haber«. Cs ist eine unwürdige Art. und Weise, die Bevölkerung zu vertreten. Nachdem noch mehrere Redner von borden Seiten gespwchen hatten, führte^ Bürgermeister Remmmn folgendes aus: Die Bemühungen der Gemeinde 'wegen Beschickung «des MnMes datieren auf das Jahr 1922 zurück, wo «der Markt besser beschickt war als früher. Ms die Beschickung des Marktes mit österreichischem Vieh nachließ, unternahmen wir entsprechende Schritte, nmeiue reichlichere Zufuhr aus dem Auslande zu bewirken. Bonder «rumänischen Vli'ehsperre sind wir nicht, durch die österreichische Regievun-g beitach*: richtigt worden, sondern wir hatten die Kenntnis dieser; Tatsache nur einer privaten Miitteilung zu danken.: MH' habe keinen Moment gesäumt, an die rumänische Regie-: rung heranzutreteu, damit rumänisches Vieh nach Wien gr-. liefert werde. Die rumänische Regierung ist mit' der Aus«weisung katholischer Kongregatio-. n e'n vovgegangen, und da8 hat eine gewisse: Mißstimmung zwischen unserer und der rac-« manischen Regierung hervorgerusen. Aber wir: müssen erwarten, daß die österreichische Regierung unser An-« suchen unterstützen wird. Es wurde auch selbst vom rumäni-« schen Ackerb-auministeriUm unterstützt, aber in dem M i-' n i st e r r ä t e sind die Stimnren derjenigen darchgedrungeu.i die gegen den Viehexport sür den Wiener^ Markt gestimmt haben. Ich bin überzeugt,,daß weitere: Verhandlungen daZusühren, werden, daß der Beschluß des ru-> manischen Mnisterrates eine Korrektur erfahren wird. Das» Marktkomnrissoriat ist vmr mir beauftragt, alles auszuwen-. den und ungerechtfertigte Preistreibereien in Müsch hint-: amzichatten. Ich ha«lte das für meine Pflicht und werde diese' Pflicht jederzeit erfüllen. (Beifall bei der Mehrheit). Die Sitzung wird sodann geschlossen. / '- . 22.6 Milliarden Ausgaben. In der gestrigen GemeÄrderatssitzung gab es wieder den. . schon nicht mehr Mienen Milliardenrcmsch. Nicht tzoeniger alÄ BF Milliarden K roucn haben unsere Stadtväter.gestern bewMgt. .So ivurden unter anderem für die Herstellung einer! Einrichtung zrrr Umkehrung des Gasstro-mes in der Reiniger- ' anlage des «Gaswerkes «Leopoldau *500 Millione n Kro nen' und für die Kesfetanlage im Gaswerke. Simmering, «ein Nach« tmtzslvedit von zweieinviertel Milliarden.Kronen «gm-chmigt.: Der Erstren Wiener Suppen- «und Te-ernftalt wurde eine Subvention von 10,000.000 «Kronen und dem - «Wissenschaftlichen« Klub «eine sollche von 1,600.000 Kronen gewährt. Die Mchrkosten für die maschinelle Einrichtung der weilen KontunvazeanlaFS im Betrage von 81^H.92«6 K. wurden ebenso debatt-elos bewilligt, wie die ba«ulichen Instandsichnngen «im GesnnÄheitsamte mit «dem. Betrage von 12,000.000 Kronen. Für Sttaßenher--' stÄung und Newpslastevnng der Josef «Fviedlgasfe i«m 19. Bezirke wurden 200,000.000 Kwnen, für die Amwandlung des Matz-i lemsdoivfer Friedhofes in eine «Ga-rteivanlage 828 Millionen, Kränen 16^ Milliarden Kronen sür Wohnbau- und Siedlungszwecke 330 Millionen für Zubauten «im ZMngsdorser Brauntohlenüverke bewilligt. - Empfaag der italienWen Fußballer i« Wieu Gestern abends nach 8 Uhr ist im «Südbahnhof di« itaÄemsche AmisvxchlnMrmschiaift für dias morgen stattfisidende Länderspiel Oeistevvvich—-Jtalierr eingetroffen. Vor dem Bahnhof enwa^rtete eine riesige Menschermren«ge die Gäste. Tausende von FußballfieuMn standen auf dem« weiten Platz vor der ArOuinftferte des Bahnhofes irnd' auch auf dvnr Perron selbst hätten sich zahllverche Sport» freunde emgofimdien, nur den «italkenWen Gasten den-, ersten MMo«mmtengvuß zu bieten. Das Enrpfangsko-mitee^ an dessen Spitze Otationalvat Bolkert stand, hatte sich so ungünstig placiert, dlatß es beim Einsa«hven. «des Zuges nicht «an ^ie Gäste ihew«nEom>men konnte. Ms der Zug musuhr,' brachen die Wiener Fußballfvsmtde, unter denen zahlreich^ iEe-nlvsche Studenten zu sahen , waren, in siürnnsche' H'ochruse a«us. Das Empfangskomitee konnte erst auf der Stmße' zu den Italienern gelangen. Der. Kapftan des östervLichifchen FußballLumdes hielt in MßenÄem Italiervilsch ein« BegMHu«ngAa,nslpmche, worauf die'..Gäste den Wienern einen Blumenstrauß Übersichten. Bor dorn Bahnhof lvarteten fünfzehn Autos, die di« irtailienkschen Sportslou.te ins Gvcvndhotel brachten. Bi«Z.' in die Avgenti-niierstvaße bildeten Neugierige Spalier und ebenso wu-rden die Jtalimsr vor dem Grandhotel lebhaft! begviißt. Die italienische Roifegesellschcvft zählt insgesamt« 36 Personen rmd die Aus>Ml>hlma>nnschci.st wird morgen m der in unferorn.Sportteil ersichtlichen Aivfftellung cmtreten. Zmn Wettspiel werden sich Präsident Seitz «und Bundeskanzler Dr. «Seipel aus der Hohen Warte dinfinben. Wiener Mrrgenzeitnns. 14. Gril 1023 ^ctte‘3 j WIEN, II., PRATERSTRASSE 48 ERÖFFNUNG HEUTE. 7 UHR ABENDS A «trcmsporte vom Wiener Westbahrchvf bis nach St. Marx z-wei zu unerreicht in Leine nwaren, Waschwaren; Stoffe. ..... n . , Wäsche, Strickwaren Ölllljjßfl PfGISßll ® Waren II., TaborstraBe 4f Telephon 47-1-78 En gros En detal at&.

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