Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1497 (14.4.1923)
- Date
- 1923-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. ,Tabörstr. 1-3, ‘Odor in einer Verschleisstelle (Trafik) raonätL K 28.000 i NCt Postversand für Wien tu . jOeaterr. monatl. K 28.000 T« checho-Sl owakei: Mon. K17. Ungarn: Mon, K öOO.Jng o sl awi e n: Mon« Dinar .,36. Po len: Mon. Mk.lO.OOO«Deutschlahd: Mbn.'Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 gpp* NaebxahlaQ{ren "WW bei Preiierböhntgeo Vorbehalten tt. 1411 lener wmmmtmmmmsmuamtattKmammai ffiicn, Somstog, 14. «ütil 192? Tach«cho-Slowak*l i. , iichecki K l.— 11 a 1 i e n: Monatl. lO Lire Rananien, Bulgarien! * Monatl. 75 Lei bezw*Lewa, - S c hwe i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 f Redaktion u. Administration Wien,. DU Taborstrasse l—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab6 Uhr abds.19-483,16-301 m TeL-Adr.: .Morgehzeitung*’ Wien . , # Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr, 150.693 S. gahrgang Der Kampf der Demokratie. -y. Wien,14. Avril. In der „Gazette de Prague", dem Organ des ilschechischen Außenministeriums, entwickelt der Führer 'der französischen Linksdemokratie Herriol seine Leitsätze für me Herbeiführung einer ehrlichen Berständiigung zwischen Frankreich und Deutschland. Er ist der -Meinung, daß Frankreich die demokratischen Elemente Jiit Deutschland im Kampfe gegen die Stupidität des ''bayrischen Nationalismus und gegen die Brutalität jdes Antisemitismus unterstützen müsse. Die republikanische Idee stützt sich in Deutschland aus keinerlei .'Überlieferung. Der Sozialismus trug oft die imperia- 'listtsche Form, während sich der Imperialismus mit- 'UNter in ein. sozialisüsches Gewand gehüllt hat. Soll -aliso die französische Demokratte an der republikanischen ^Erziehung Mitarbeiten, so muß sich als erste Vorbedingung Deutschland mit mehr Entschiedenheit gegen den lnttlitaristtschen Kapitalismus und die Reaktion wenden. Mt. dieser Formel, die jede unnötige Schärfe vermeidet, iumschreibt Herr Herriot die Tatsache, daß die fvan- «zösische Demokratte in ihrem Widerstand gegen den offiziellen Imperialismus ohne die notwendige Unter- ' Wtzung durch die deittsche Politik geblieben ist und daß " her Nattonalismus zu beiden Seiten des Rhein in Ber- % b-indung steht wie das Wasser in kommunizierenden Rühren. Der Rechtsbolschrwismus, der in . Deutschland das System beherrscht, ist eine der Ursachen gewesen, aus denen Frankreich seine Ruhrinvasion ableitete, und das . Wüten der französischen < Generale in dem okku- - piepten Terrain bringt den Hitler und Ludendorff stets 'MH.. ..Material für ihre Methode des Wahnsinns. Daß auch das. demokratrsche BiÄgertwm- Frank-. >ichs diesen. Zusammenhangmit Sorge, upd Mh-'. trauen betrachtet, ist erklärlich. Ein Sieg des Ratio-. jnalislMls' in Deutschland würde auch in Frankreich die. jnnerpolittsche Entwicklung in neue Bahnen drängen, und' die royalisttsch-chauvimstrsche Strömung, öie sich bisher nur nach außen auslebt, mit neuen Impulsen, heleben. Einstweilen sind die Vovkänlpfer der Faust-auf- Pen-Tisch-Poli-tik damit beschäftigt, in aller Welt Händel zu suchen oder zu stiften. Der Hanswurst mit dem Gewehr ist auch in Frankreich in vielen tausenden Exemplaren vertreten. Ex hetzt gegen Deutschland, gegen England, schreibt dicke Bücher 'über den nächsten Krieg, schreit in der.Kammer nach Erhöhung der Heeresbostände und Vergrößerung der Flotte, will England 'in Asien matt1 setzen, begrüßt den Horthy, und findet dabei noch Zeit, sich mit dem anttsemitrschen Ritualrnovdgesiwel' deutscher, polnischer, russischer und ma- . ayarischer Zunge zu verbrüdern. Würden nun die Ludendorffs in Deutschland ihre Diktatur erkämpfen, dann ' liegt für ihre französischen Gesinnungsgenossen die Versuchung nahe, das Beispiel in O.rganisatton, Agitation und Ausmachung. genauest zu kopieren. Auch die Reaktton hat'offensiven Charakter und bescheidet sich nicht!gern mit den eigenen Landesgrenzen. Sie strebt ins Weile und will auch andere Völker , beglücken. Vielleicht ist es ein uneingestandenes Element der.französischen 'Politik, die Ärmee der Schreier und - Weltkriegsenthu-- siasten auswärts zu beschäftigen und sie auf diese'Weise daran zu hindern, die Mtorie von der Vendee wieder ausdrnehmen.' Die Soziologen unserer Zeit, verschwenden viel iGechirnarbeit an die Urrtersuchrng der Frage, ob die ^heutigen Zustände aus geistiger Unzulänglichkeit oder pus dein Mangel sittlichen Willens resultieren. Diese Frage aufzrrklären wird erst einer Generation vergönnt sein, die lange nach uns summen und hoffentlich in 'besserer Verfassung als wir über solche Dinge wird nachsinnen können. Wir sichen vor derTatsache 'des Zusammenwirkens dieser beiden Entartungen, das um so intensiver wird, je lverter die Verarmung des europäischen Haushalts an Kultur und Gut fortschreitet und je tiefer 'das Gift der Räche und des Hasses in die sbeiden zentraleuropaischm Nationen ckndriügt. Die Geldfrage, die. zwischen beiden steht, ist eine- Sache des. Vertrauens, urck auf beiden Seiten arbeiten die, denen -der Weltkrieg der Nebel noch zu wenig gebracht hat, die!Leute, die im Dienste des Gebdfackes der Schlachtfeld-' Hyänen stehen, an der Ausmerzung jches -Restes von ^Biwtrauen. Leute wie Caillaux oder Rathermü werden 'verbannt oder ermordet; Herriot ist in fast aussichtsloser Opposition. Aber. Daudet und Hitler schreien. Den einen bezahlt das Comite des foraes, den anderen der Nattonal'heilige Stinnes. Ae rumWche Regierung und die mti- Mittekknnge« eines Mven rumänischen Iiplomate». Der Ministerpräsident, hat m der 'Kammer mit aller Deutlichkeit den Standpunkt der Regierung in dieser Frage gekennzeichnet, indem er erklärt, daß. Wie!vir wiedeühM berichteten, - ist es m der letzten Zelt w. verschiedenen Dumä-nischen Städten zu wüsten antijüdischen Exzessen gekommen, bei denen Muderrten und ausländische, zumeist magyarische und siebenbürAisch'-dLuische Hakenkrenzler im Vordergrund standen. Die.Regierung -ist diesem Treiben energisch ent>ge>gengetreten. Eine dipIom atis-che.ru-man i- - sche Persönlichkeit, di»e> dieser Tage in Wien 'weilte, machte einem unserer Mitarbeiter darüber Mttleilungen, die angesichts der KalAng des amtlichen Österreich zur Mordpwpaganda von besonderer Bedeai'ttmg sind. . . Uns«r.Geivahrsürann gMßas Bestehen einer antisemitischen Strömung in Rmnänien zu. Sie« bestcht m.der gleichen Art, wie es im Mmänischen Volk zeitweilig antigriechische, cintideutsche, ja sogar antisranzösische Stimmungen gegeben hat. Zur Bekämpfung der, das Ansehen Rumäniens im Ausland schwer schädigendä antijüdischen Bewegung hat die Regierung alle notwendigen Maßnahmen ergriffen. Als die antisemitischen 'Ausschreitungen größeren Unrsang annahmen, verfügte die Regierung, um den Herd der Unruhen einzudämmen, die Schließung sämtlicher Univer- ■ fitfite«. Einige Zeit später, es war Ende Jänner, wurde der Unterricht wieder ausgenommen; . - . die Rettoren M«. Hochschule» pMUerten-MHückul-ar,. in dem Magt würde, daß «Pgends .'der..^„R^ tlimf-EZsWVW. würpe. Der aus-eine Änsrage deß^'MWen' wcl' S t «er n, daß die Regiarung ' 'MmnerAsvlaüfus" zulassen werde'Als die Studentelr neuerlich zu-demowstriHren bsgammen / -7es wmde sestgesiellt, daß hiebei . ausländische Provokateure ihre. Hand im Spiebe hatten -ging,die. Rsgierung aus dem. eimnal beschrittenen Weg tveiter und ordnete die, abermalige Sperrung der hauptstädtischen Universitäten <m. Das gegen die Regierung hetzende Or-gan^ der Studentenschaft „Eudantul Studentes^ wurde konfisziert und -für längere Zeit eingestellt; das Mische Organ, «das sich eine objektive Berichterstattung zurechtgelegt hatte, wurde in keiner Weise von der Zensur behelligt. sie „eine Richtung vollkommener Freiheit und brüderlicher Zusammenarbeit aller Bürger jeder Nation und Konfession verfolge". Die Regierung ließ sich auch später, als die Bewegung; einen kritischeren Umfang anzuriehmen 'drohte, nicht einschüchtern. Der Unterrichtsminister erklärte in der Kammer, daß die'Gleichheit aller Staatsbürger ohne, nationalen' oder konfessionellen Unterschied , als wesentliches Prinzip des.' Staatslebens beobachtet werden.müsse und daß der naue .grüße' Staat mehr als früher' darauf bedacht sein müffe,. im Anslande nicht im falschen Lichte zu erscheinen. In der gleichen Kammersitzung ergriff auch 'der Außen» m i n ister das Wort, um zu . betonen, - daß vollkommene. Gleichheit zwischen allen Bürgern jeder Nation und Konfession ' innerhalb des mmänischen Staates herrschen müsse. Jedem gegenteiligen Versuch werde die Regiernug eueivgisch entgegen-, truen. Auch die Opposition stimmte in dieser Frage der Haltung der Regierung 'bei und ihr bedeutendster Führer $tof, Jorga sprach offen den Studenten das Recht ab, sich als politische Di gamsation aufzuspielen und die Führerschaft einer Gruppe sich! anzueignen, die. entgegen. den. -staatsgesetzliH gewährleisteten' Rechten einer nationalen Minorität . diktiemn t wolle. Pvof^^ - die. Ursachemder aAtisemitischen Gswegung MtersuDe"tM>.chrs»s bei. zu der Schlußfolgerung kam, daß. F ein d e deS' «MäWHen. Staates sich in rlnderanwovtlichster Weife' gegen die rumänischen Juden gerichteten Bewegung''bedienen, nur um dadurch politische und territoriale Fragen auswersen. zu können. ) . Den Juden ist durch die neue Bevfasinng, dar alle jüdi- , scheu Abgeordneten und Senatoren 'beisttmmten, willkommene Gleichheit'in allen Rechten zuerkannt worden. Rumänien hat sich' seinen Verpflichtungen, die ihm in 'bezug auf nationale- Mnovitätsfragen durch die. Friedensverträge auserlegt wurden, nicht entzogen, um seinen früheren Gegnern den Weg zu weisen, den sie gehen sollten, mn zu einem allgemeinen EmvewehmeN' aller Völker und Rassen zu gelängen." Ir. zimmeman dekinMer GenerallomMiir. Gens, 13. April. (Schtveiz. Dep.-Ag.) Der Gemralkomnlissär des Völkerbundes für Oesterreich Dr. Z i.m-m e rmän^ dessen Funktion mit 1. April a-bgelausen ist, hat dem Völkerbund nntgeteilt, daß er dieses Amt des: n ii i v zu übemshrnen gedenke. Die kroatisch-serbischen Ausgleichrverhand- Belgrad, 13. April. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitwwg".) Morgen findet hier eine Beratung des erweiterten Exekutrvaiusschusies der Radikalen Partei statt. Die Konferenz Wird sich mit den Berhändlmtgen zwischm den Vertretern der. Radic- Gruppe und dem Mimsteripräftdentelk Pa- , sie. befassen. Am. 16. d. findet in.Agram eine Beratung des. ExMttvkomitees der Mdie-PwÄsi statt, die ebenMs' BeschMsfe ähnlicher Art fassen wird. Die BechaMungerr zwischen dem kvoattschen Mock und den Belgmder 'Regierumgskveiisen' stchen g ü n st i g. , .Nach BlättmMdidWen'erklärte' Rad'ic,. daß, ein UeberganMunWovi-mn gaschaffen werdenmüßte, um die notwendigen Reformen vorzuibovsiten. Der König. läßt sich über dm Gving der VerhaMmvgen täglich Bericht erstatten. Re englische« Mssimre« in Rnßland. . Lottbrm,'' 12. Wril.-Das Rsntersche Bureau erfährt von gut; unterrichteter ' ^eite, < daß bisher^. ke i n ' B e s.chl u ß darüber gefaßt irovden sei, pb Hodgfon und sein Stab aus Rußland zurückgezogen werden sotten «der nicht.-Die zuständigen 'Stellm feien, zu der Ansicht gekommen, daß die jüngsten Erergnisse die Zurückziehung der britischen -Misswn aus Rußland rechtfertigen würden.,Dst Haltung der R ät e r eg i e run g gegenüber Girgland sei in -letzter Zeit besonbers'unfrnmdlich gewesen unh -habe eim >besöndeöe Verschärfnna erfahren,, als Tschitlch-erir vor kurzem in Beantwortung der Vorstellungen der britt-! schen Regierung zugunsten des Prälaten Budtiewicz. eine Note überreicht habe, die in einer, derart, „unverschämten Sprache" abgefaßt gewesen sei, - daß der britische Handelsvertreter sich geweigert habe', sie seiner Regierung zu übermitteln. Die Haltung der Räteregierung' gegenüber der britischen Schiff<chrt werde als.-weiterer! Grund zur Beschwerde angesehen, da die Beschlagnahme britischer Schiffahrtszeuge außerhalb der Dreimeilenzom' für unberechttgt gehalten , werde. _ - Re «e«e Srlenüo«fere«r. Lausanne, 13. April. (Schweizer. Dep.-Ag.) Das Ge» neralsekretariat der Lausanner. KonfereW hat. die türkische Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß die einladenden l Mächte damit einverstanden feien, daß die Friedensver- Handlungen am 23. April in Lausanne ivieder auf» genommen wetten. Iauersitzung der englischen llnterhaoses. London, 13. April. (Reuter.) Die Sitzung des. Unter»; Hauses, die gestern um 3 Uhr nachmittags begonnen hatte, dauerte heute um 11 Uhr vormittags noch an. Das Haus Verhandelt in nichtformeller Bewtu-ng das Budget für H e er und Mari ne. Es kam zu ein ige n.erregten Szenen zwischen dem Vorsitzenden und Mtglie-dern der Arbeittrpartei. Einige Mgeoldnete wartzn vor Ermüdung ei nges chlafen.' London, 13. April. (Reuter.) Das Unterhaus -hat sich nach einer 21stirndigen ununterbrochenen ' Sitzung vertagt. Ungarn qnd die Heine 8»te«te. Budapest/. 13. MM. (Del. der „Wr. Margsnzeitnng".) Der ungarische AußenMinffier Darm V ary wich, wie in polWschen 'Kveis-m . heute verlautete, Mitte des nächster Monats Präg' besuchen, mt mst-deur tschecho-flowakifchen Außenminister zu koniferlDrew