Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1496 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EtozelmiiiinerK 1000 'Wien: Zum Abhölen in der WqxÄitiov; II.^Taborstr. 1-3, oder in einer Verse', lleisstelle j (TjraHk) monatl. K 28.000 (Mit PostversandfSrWien u, [Oesterr.inonatf. K 28.000 iTs ch ec h o-S 1 owa k e i: [Mon. K17. Ungarn: Mon, | K 600. Jugoslawien: Mon. l^inar 35. Polen: Mon. il^iDc.lO.OOO.D eutschland: jMon. Mark 6000. Frankr., [Belgien: Monatl. Frcs. 8 jhW* Nnchrahlongen "W9 |be! Preiserhöhungen Vorbehalten Rr. 1496 SBiett, FrMgr IS. WM 19LS —y, W i e u, 13. April. Die englische Regierung hat .am Dienstag im [Unterhaus eine parlamentarische Niederlage erlitten, [indem sie in der Frage der Versorgung der Invaliden iniedergestimmt wurde. Die Opposition, bestehend aus den Arbeitern und den Liberalen, sah sich Plötzlich in der Mehrheit. Am Mittwoch versuchte die Regierung, die nur an eine Entgleisung glaubt, den Antrag/ bei dem'sie unterlegen war. neuerlich zur Sprache zu Dringen. Darüber kan: es zwischen Mitgliedern der Reigierung und den Arbeiterparteilern zu sehr erregten [Äuseinandersdtzungen, die schließlich zür Unterbrechung [der Sitzung führten, nachdem die Arbeiterabgeordneten '.das Lied „Die rote Fahne" ansttmmten. In der Pause -kam es zu einem Wortwechsel zwischen einem schot-! tischen Arboiterparteiler und dem Unterstaatssekretär des Kolonialamtes, Sir Ormsbh-Gore. Der Abgeordnete führte mit einem AtterMstdel einen Schlag gegen [den Unterstaatssekretär. . Gestern gelang es der Regierung, den Schaden [haMvegs zu reparieren, indem das Haus die Neuaufnahme der Debatte ntiit einer Mehrheit von 87 Stimmen beschloß. Doch hat die Autorität.der Regierung «offenkundig gelitten, und ihre Schwierigkeiten' werden rwch durch ore Krankheit Bonar Laws vennehrt. Die [Gerüchte über eine Umbildung des Kabinetts mehren [sich und finden eine starke Bestätigung durch die gereizte Sprache des Organs der „Unversöhnlichen", der [„Morning Post", gegen eine NeübelMmg der Koalition, während andererseits. die Liberalen. durch einen [Wahlsieg in Anglesey, den sie der Einigung .. zwischen den Llo^ George-Mhängern: und > hen: Freunden -G^tPosWn! Bei <Ä dieseir Sch^nWlen ist der Einskuß der «nOarchr äu ßeren Lae^ unVerkeUkÄUr. Die -Könserva-' itiven, die nun seit einem halben J^hr am.Ruder sind,, Konnten die Leitsätze ihres Pwgvammes nur rein negativ verwirklichen. Sie halten an der Freundschaft mit [Frankreich, fest, unterstützen jedoch die Politik Poincares [gegenüber Deutschland nur passiv, indem sie jedes Hervortreten zugunsten Deutschlands vermeiden. Dieses [Verhalten findet aber in den Kveilsen des Bürgertums und der Arbeiterschaft sehr geringe Unterstützung, und [nur die von altersher bewährte politische Disziplin des Polkes in allen äußeren Fragen. verhindert eine entschiedenere Stellungnahme der Unzufriedenen. Die Politik der Regierung ist unpopulär im höchsten Maß iund ihr Versagen im Ruhrkonflikt ■ wird als ein sehr schweres Symptom der Schwäche behandelt, dessen Aüf- Itreten von der englischen Oeffentlächkeit um so unan- [genehmer empfunün wird, als man in England stets!an eine klare und energische PolM gewöhnt war. Der [UnterschiA zwischen dem Inhalt Är Vorwürfe, die [gegen Lloyd George gerichtet. wurden und zu seinem [Sturz firhrten, und dem heutigen undurchsichtigen und [schwankenden Kurs springt in die Augen. Aus .keinem [Punkt konnte die Linie Lloyd Georges vollstMMg verfassen werden, nirgends ist eine den Sturz der Koalition rechtfertigende erfolgreiche Asndevung ihrer Polittk.eingetreten. ' Die Führung in der EnteUte ist vollstäMg an Frankreich übergegangen, das denn auch die Vorteile [seiner Lage rücksichtslos wahrnrmmt. Dadurch, daß sich die Konservativen der Okkupation des Ruhrgebietes nicht widersetzten, haben sie Frankreich mittelbar Hilft [geleistet, das den. Kontinent in eine fast irreparable Krise verwickelt hat. England schaltet sich selbst aus und läßt nicht erkennen, wann es die sMstgewählte Reserve verlassen will. Die Regierung' erklärt jedesmal, -sie werde im gegebenen Zeitpunkt intervenieren. Inzwischen aber veweißen sich die beiden Gegner, das [chauvinistische Frankreich und das nattonalistische Deutschlatch, immer hefttger ineinander, Frankreich [lanciert bereits den'Plan eines rheinischen Pufferstaates und versucht, sich gleichzeittg durch Höflichkeiten [gegen Sowjetvußlaud auch von dieser Seite , diplo- [Watrsche Unterstützung zu sichern. Auch Italien Witt» [von Paris aus durch eine außerordentlich geschickte und schmeichelnde Preßprvpaganda bearbeitet, und die Mus- [jölim-Politik, diefür^ swrke Efftkte viel Smn hat,' ist bereits in ihrem Nein zum Ruhraßenteuer schwankend [geworden/ Sie mag noch nicht ganz ausder Seite Frarckveichs stehen, Mr England stimmt sie heute gewiß nicht mehr. ' ' '' In den Orientfvcvgen, in denen sich die - Löbens-' iuteresiM des brittlschw Intperiums konLöntrieren, ist Die Forderungen der Radle-Partei. - Agram, 12. April. (Tel. der.,Mr. Wrovgenztg.") Wie -ihr Korrespondent erfahrt, stehen die Verhandlungen, die zwischen den Vertretern des k r o a 1 i s ch e n Blocks Md dem Mmislerprsidenten Pasic. in Belgrad eingeleitet wurden, günstig. Hier, wurde heute eine offiziöse Mtterlung veröffentlicht, wonach die Belgrader Verhandlungen von Vertretern des kroatischen Volkes mit dem Vertreter des serbischen Volkes fm und ohne Zivang geführt wurden. Die Verhandlungen hatten -beiderseits informativen Charakter nnd «werden fortgesetzt. ' >. . Der Delegierte der Radic-Parter Dr. Macek, der mit Pasic eine Aussprache 'hatte,., erklärt über seine Konferenzen mit dem serbischen Premier, Laß die Abgesandten der Radie-Partei Pasic folgende Richtlinien der Politik des^ kroatischen Blocks mitteilten: „Wir anerkeivnen den jugoslawischen Staat als internationales Gebilde und wollen ebenso wie die Slowenen und Serben gemeinsam in Ameiche« der kntspannnng in der Ruhrsrase. Berlin,. 12. April. (Tel. der >,Wr. Morgenztg.") Der Berliner Korrespondent des Journal" will auchenüsch erfahren haben, daß der deutsche Finanzminister H e r m e s 'einen n eu en'\ R e p ara ti o ns Pl a n ä-usgearbeitet habe, der weit Präzisere Vorschläge sWohl über die Barzahlungen wie auch über chie Nachlieferungen und LM Mederaufbgu enthält als der. . Reparatiousplan des Staatssekretärs Bergmann. Der - Hevüre ssche Plan soll eine FestseMtg. der -Entschadigu-M -an-F ra nk rer ch in. -der Höhe.vyn?6 Mti SC t <Lr rI ärtthMen;^ Mch söllen'genau -geftMt'.>kftrden[. 'DeÄMlarib ^rWW^-tchch'. pen MitteMvn-. gen' des' „J-ournal" Räumung hA MÜhrgebiet-es. erst nach Zahlung der ersten Annuität.-. Es scheint.heute tatsächttch eine ÄMähevMgsmöKchkeit zwischen Deutschland 'Und Frankreich vorhanden, zu sein. Frankreich hat durch die Ru-hrbesetzung nicht das erreicht, was es bezweckte, Und in Deutschland Mehren sich die Stimmen, sowohl von den Vertretern der Arbeiter wie auch von 'den Industriellen, welche hie Lösung des Ruhrkonfliktes verlangen; wie ihr Korrespondent erfährt, haben Vertreter der Industrie Leim Wrrtschaftsminister Be ck e r dringende BorstellMgen aus Anknüpfung von VevhaMiMgen zur Lösung des Ruhrkonslikbeserhoben. Diese Tatsachen 'haben beretts Nervosität -bei. den Deu-tschnationalen hervorgeruifey, welche in ihren Organen die Regierung beschwören „fest" zn bleiben. Mimsterpräsident Cu wo, der zwischen Fesügkeit und Nachgiebigkeit in der Ruhrfrage eigentlich ziemlich ratlos hin und her schwmttt, dürfte wohl in absehbarer -Zeit, besonders -wenn der Vevhandlungswille Deutschlands prägnant zutage tritt, zurücktreten müssen. Man spricht, bereis heute von fernem bevorstehenden Mcktvitt. ' Dft Anzeichen, daß auch aus französischer Seite der Wille zur.Lösungdes. RHrkonsiiktes sich stLE, gibt nach der Reise Loucheur nun die Reise des.Finanznnnisters im Kabinett Milleramd, Klotz, der heute in Lo ndo n eingetrossen ist. Die englischen Blatter halten den Aufenthalt Klotz'' für eine Fortsetzung der von Lancheur einge-. betteten Ätttm. . . . Klotz soll, einem unbestätigten Gerüchte zufolge, mit off tzielle« englischen PersZirlichkeiten Be-. sprechungen /gehabt haben. . Üeber französisch-englische Veytandigurrgsversuche berichtet ein ^egvamm drr ,Possischen Zeitung"; demnach halte der französische Botschafter rn L o n d o n gestew eine längere UnteMvrmg inr Foreign Office gehabt lind werde in.den nächsten Tagen von Bonar Law. empfangen werden. / Deutscher Protelt gegen die kutlaksuuge» von KsenbMer«. Berlin, 12. April. (Wolff.) - Die deutsche RegieMng [hat den Regierurrgen in Paris, London und [ Brüssel euv:. P rotestnot.e gegen das -Vorgehen-der R heinlands-. -die Politik-Lloyd Georges vollends beibehalten worden. In der nächsten Zeit soll die zlvette FriÄrenskonserenz i von Lausanne stattfirwen. Die englische Delegatton ist'.' bereits reisefertig und auch die tünische Mbordnung ist unterwegs.. Sie steht wieder unter der Fühmng Jsmet Paschas, der sich in letzter - Zeit ebenso wie Mnsta-ft Ke- "mal Pascha zu einer. vevsöMichären . Anffassimg der'! Tscriecho-Slowaicartfi, . «schach. K 1.- 11 a l i e n: Monat]. 10 I4.re! R u mä ni e n,; Bulgarifpi[ Monatl: 75 Leibezw.L^vtif,] Schweiz und das&hnffe Ausland monatlich Frc*<3j Redaktion n, Administration i Wien, ILyTahorstrassei-^S! Telephone: 44*0-38^43-3-19, j ab 6 Uhr abds.19-483,16-301! TeL- Adr,: »Morgenreituog" I Wien! . kassen-Konto Nr. 150^9? 5. gahrgm- Günstiger Stand der Verhandlungen. einem geeinigten Staate bleiben. Wir vevlttngerk, aber, daß dieser Staat eine Konföderatio-n der[ d r e r V ö 1k e r auf breitester Basis werde, dementsprechend! wollenwir, daß sowohl die Kroaten als auch die Slowenen'- und Serben ein eigenes Parlament haben, in welchem die Angelegenheit dieser Nattonett entschiichtzn werden. Wir sind nicht dagegen, daß ein zentrales! Parlament errichtet werde, dem die auß en-j politrschen Fragen zur Erledigung übevwreftn werden. Obwohl wir Republckaner sind, sträuben wir uns! nicht, den jetzigen König aMwrkermm, der das Reichi gegenüber dem Ausland repräfenttert und den Oberhefehl über die Armee hat. Wenn wir zü einer Einigung mit, Pasie gelangen, so sind wir bereit, in die Regierung Änzü-! treten, in einem anderen Falle.-werden wir zusammen! mit den Denwiraten unter Führung Davidov ie'> einen oppositionellen Block bilden. kommission gegenüber dem Eisenbahnpevsonal des! ' besetzten Gebietes übergeben. Die deutsche Regierung lehnei es danach ab, die deutschen Eisenbahnen und das Personal für Militärtransporte herzugehen, die den von der fran-i " zösischen und der -belgischen Regierung unter.Verletzung, des Versailler . Berttages eingeletteten Maßnahmen dienen! sollen. Die Note -ivendet sich, gegen die En t l a ss un g e n!! des deutschen Eiseubahnpersonals,' bei denen cchne RücksM - vorgegangen werde. Allein am 7. April seien iw T vier[ ' 120 Eisenbahner mit ühren' Familieni ' von bswafinetew Spahis gelvaltsam vertrieben - worden. Dadurch seievs 500 Männer, Frcüren und Kinder,' dartmier WöchneviMle^ , und Säuglinge,- obdachlos geworden, ein MffchM sei 'ver-[ iyeigert-worden.'■ Der Awischmfall im Unterhaus beigelest. London, 12. April. (Funkspruch.) Amtlich wird gt>[ meldet:. Der Antrag betreffend - Verwendung ehemalige^ Soldaten in Zivildiensten, bei dem die Regierung amj Dienstag eine Niederlage erlitten hatte, -wurde heute dem Unterhause neuerlich vorgelegt. Schatzkcmzler Bald w i n stellte fest, daß die Regierung! zu der Erkenntnis gelangt sei, daß die Abstimmung gege»[ den Antrag von dem Besttoben geleitet gewesen sei, malige Soldaten, die Stellen -in 'Zivildiensten erhalftn! haben, zu entschädigen. Er teilte mit, daß der Ausschuß! sich augenblicklich wtt dieser An-gelegenhett bsschäftigenj werde. Die Führer der Opposition Macdonald und[ Asquith sprachen ihre Befriedigung über .drei- Erklärung des Schatzkanzlers aus. Damit lvar de^ Zwrscheiffall erledigt. Ser Shrster-Bertrag. Paris, 12. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg/^) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Konstantirwpel soll die Nationalversammlung von Angora die Petroleumkon* Zession in M.i)ssul<um die sich die Amerikaner Admiral Chester und Oberst Goethal bewarben, bewMgt habe». Die Konzession erstrecke sich auf 99 Jahre. Die Bewilligung sei von dem Premierminister R a u f B e i erteilt worden. Gegen die Konzessionserteilung haben die englische, die ftanzösische und die italienische Regierung Protest erhoben. De Stiem. Berlin, 12.,April. (Del.-Komp.) Zur Gefangennahme d Baleras berichtet der„^Lokalauzeiger" Ms London: De Bo« lera, die Gräfin Markiewicz und der Führer der AusstäMschen Dan Breen waren,, verfolgt vor.« den R-egierungstruppen, in die Berge geflohen. General Lynch opferte sein Leben, um De Balera zu retten. Als Soldaten des Freistaates plötzlich in das Gebäude emdrangen, in dem sich die Häupter, der republÄanischen Beüregung periammelt hatten, Waus sich. Lynch der.« Soldaten entgegen, um De Dalera die ALöglichke-it zur Flucht zu verschaffen. Er schielt ball» eine schwere Wunde. Seine Anhänger: versuchten ihn fort- [zuzicheu, doch waren die Verfolger bereits zu ncche hercmgekommen.' territorialen Stveitfvagen bekeihrt hat. Trotzdem ist dtt -Stellung Etigl-ands im Hinblick aus die Zweideuttgkeiten.. Frankreichs' und Jtattms und auf die Wirkung aller dieser Fragen aus seine Mohammedanischen Bürger i Jttdiens sehr heikel und die Die harlds werden auch! hier das Lloyd GEgesche Rezept der zäben Geduld bn-! we nden trMe.lL