Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1495 (12.4.1923)
- Date
- 1923-04-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Im Brrdgekmsschuß des österreichischen Nationalrates -find gestern die Umtriebe des österreichischen Faszismus Zur Sprache gebracht worden. Der VizekanzKrDr. Frank konnte nicht umhin, sich doch eMich einmal eingehender über diese Skandale zu äußern. Er ist nicht, aus der Rolle des großdeutschen Parteiangehörigen gefallen' und hat die Radaumacher mit seiner, ministeriellen Autorität gedeckt. Er hat sich eine sehr bequeme Art der Betrachtung dieser -Hetze zurecht gelegt. Es sind harmlose Ausflüge von Ord- {nerovganisatioym, die der sportlichen Ausbildung der Jugend dienen- und derlei turnerische Uebu-ngen im Ge- {lLnde seien nichts Staatsgefährliches. Merdmgs kann auch der Minister nicht ga^z verstehen, wozu bei solchen Jugend- {spielen scharf geschossen werde. Es sei auch nicht in Ordmwg, haß gegnerische Versammlungen gestört werden. Die Polizei sei stark genug, vm ohne Unterstützung der einen -oder d^r anderen Seite gegen Ausschreitungen aichutreten. IN dieses ministerielle Schema aber passen die Dinge, die fett Jahr und Tag in Wien und in der Provinz geschehen, so ganz und gar nicht hrnem. Die Organisationen, die hier ihr Unwesen treibenhaben mit Sport und körperlicher Uebung nichts, aber auch gar nichts Zu tun, und jeder Sportverein würde empört den Vergleich zwischen seiner .chrlichen Tätigkeit und dem, was die nationalsozialistischen Sturmtruppler bezwecken, zurückweisen. Herr Dr. Frank hat {sich dennauch gar nicht bemüht, die .Vorstellungen zu entkräften, die im' Ausschuß erhoben worden sind. Er ist in {bezug auf..dje HaLenkreuzler genau so schwerhörig wie die' ganze Regierung, ’ die den politischen Hintergrund dieser . {Erscheinungen nicht zugestshen will, foudech immer nur M uHttötigen Ueb'erschreÄmg-ender PereinschKersi M OefftWrchkeit - trösten feH, des Sozialpolitikers' Nicolai fläch von.MMWNtK' Helden ausemandergesprengt worden; vorher gab-es 'Stinkbombenwürfe in einer ,,Reigen"-Aüfführung. - Der -Universitatsbetrieb ist durch junge Leute gestört - worden,- die mit SMen und Knüppeln jüdffche Hörer urnÄ Hörerinnen von den Toren wegtrieben. Ist das -sPo'Mche Tätigkeit? , In der: Oeffentlichkeit wird.ganz offen von den Selbstschutzformationen gesprochen, es sind Fonds für sw angelegt worden, Zeitungen veröffentlichen Aufrufe, zum Eintritt. Wes- :halb rückt da die, Regierung nicht mit ihrem selbstsicheren Appell an die Polizei aus? Es stand nirgends zu lesen, daß ein Minister den Bund der Industriellen ermahnt hatte, die. Sammlungen. mrd Mternehmerbeiträ^e - für diese Zwecke einzustellen, da ja die Machtmittel des Staates genügend stark sind. - . Vielleicht war es im Anfang npr ein Spiel, daß die Regievungsmänner die RechtsschwinMmg des sozialen Pendels in'Europa überschätzten und sich bestrebt zeigten, vor dem Parterre, der politischen und wirtschaMchen Scharf- Wacher und Kriegshetzer auch Oesterreichs. Fahne zU entrollen.. Aber mit der Zeit ist aus der Geste, mit der man -sich den Hochmögenden in Paris, und Rom für gut empfohlen halten wollte,, schwerer Ernst geworden. Das Spiel ist den Wiener Mandarruien entglitten' und. es ist eine Qrganffation entstanden, die, zur . Gewaltanwendung gerufen und ausgerüstet, ihre ZtveHestimmung. erfüllen will. Den. jungen Leuten hat man vielleicht nicht mit Zustimmung, wohl aber mit Wissen der Verantwortlichen Regierung eingedrillt, daß sich die vielgestaltigen Probleme des europäischen Lebens und seiner österreichisch-republikanischen Projektion nur mit Revolver und Gummistock lösen lasten. Es . ist ihnen eingebleut worden, daß die Juden eine politische und wirtschaftliche Gefahr für die Entwicklung dieses Staates und der Welt überhaupt sind-und weder die Regierung als Gesamtheit m-och ein Minister noch irgend ein - Politiker von Ruf und Autorität ist diesem Gefasel entgegengetreten.. Die Regierung besteht aus Angehörigen antisemitischer Parteien und fühlt sich schon darum nicht veranlaßt, ihre auf „Rasse- und Sprache" gegründete moralische Labilität selbst zu erschüttern. Die Sozialdemokraten schlottern vor Angst» wenn sie auch nur von ferne an Judenschütz mrstreifen konnten und ihr Zentralovgan bekonrmt hysterische Anfälle, wenn das Wort vom Judenpunkt fällt, und .uumhat diepossierlichePawleausgegeben, „sich nicht provozieren zu 'lasten". . Und so sind die. Sturmtruppler kühn.geworden und versuchen es, da; man ihnen die.- Juden ausgeliefert, ihre ursprüngliche Bestlmnmng.zu erfüllen. .und den Auftrag auszuführen, um dessentwillen siehechaffnet und organisiert iNmrden. Es mag schon'fern," daß diese MentstandeNe Macht ihren Protektoren über den Kopf gewachsen ist. Aber die , Kiwen können nicht so, wie sie wollen. ' Mrmische Debatte im Bei' der Beratung des Budgetkapitels Inneres", die gestern nn österreichischen Budgetausschuß begann, kam. es , zu einer ausgedehnten- Auseinandersetzung^ zwischen, der anttsemitiWn-AeWrit.'-unh. der- Opposition über die F e l d d i e n st ü b ü Ug e n^ d e r H ake n k reu zler. Die Debatte nahm stellenweise Derart, erregte F o r m e n an, daß der Vorsitzende' mit der U n 1 e r b r echung der Sitzung drohen'mußte. Die Mehrheits- Parteien suchten die Hitler-Agitation als eine ganz harmlose Sache darzustellen. Nur der Je rzabek gestand, daß die Rechtsveaktionären n ich tab rü st e n und Gewehr bei Fuß -stehen bleiben werden.: Aus den Worten des- Vizekanzlers Fra nk (über die wir. an leitender Delle sprechen) ging deutlich hervor, daß sich die Terrorverbände seiner besonderen Fürsorge erfreuen. Um der Debatte eine andere Wendung zu geben, brachte . Jerzabek die Ostjudenfrage zur Sprache, wobei er gegen zwei jüdische Blinde Krieg, führte, die. für Habsburg. die Augen verloren haben. .Da die,Wahlen vor der Türe stehen, gingen auch die Sozialdemölvaten auf das von dem Leichenschänder Jerzäbek angeschlagene Thema gern ein -rmd ließen die Abg. Dan ne borg und Sever mit verteilten Rollenfür und gegen die Ostjuden sprechen, wobei rnerkwüchigerweise Se v^e r auf der ProMte Mnd, während D a n u e b e rg - die ^Mehrheit aufforderte, von der Regierung überihre Absichten in der Ostjudenftage Auf- UÜMNg AU^VechmgW..'- - - -- wie aStafle 4«, Kex 'bie..tzÄÄioHtzvmWtz hH^PiGer »ich' Iront» ' kämpfer zur Sprache brachte.' Er Mtt« wM Für. Sonntag 'den 8. April war , von dm FronttaMern «Sn« FeMeHLVung vorgesehen» beAüMch . deren tzie /Polizei-- Hivektiou^dw.-.''ÄäPcheamg gab/ sie' wevde nicht.dulden, daß. sich ähMche Vorgänge'wie. die vom Osiermonlag widdecholon, Md sie werde die MhaMung der gepbcmten. Feld- Anst-übung 'am L' d.' v'e r hin Ü e r m' Die PMgei - ist aber von. den Ewigniissen deSavauiM worden. Trotz der Vers ich?- vung der PMzüi, es werde am 8. d. keine FeWdvem^ der FrowÄampfer -stattlsinden, - würde eme 'solche tatsä chlich abg eh al ten. Die Pobizei '-hat .'genml gewußt, ivo die. Uebung beginnt, und -sie hättedie MüglichLsü Kcha>bt, sic zu verhindftn.' ------- - ' Äm 8.{ d.' unk HM 8 Uhr morgens haben sich.an dem Svü -de«-FvmiMchijientbezeichldeten^ Punkte, Eck: NeustMosse. und' NettKlMgasse, die FronAänchifer' einysfunden, nm' mit tet Straßenbahn noch ihrem 'UÄbnngspkltze M fahren. Anstatt' das' zu verhindern,- hat . - '' -- - . PöUzeirat «ichka/', sich mit', den -vechmwM^ '.^rH8BMrn'...'fo^^ unterhalben und sich von ihnen mit' Händedruck verÄbschiedet.' Die FwnMimPser -find' müt 8» Straß-eWahn nach Sievering' gofahvon, habend dM'oberWb der fMchechütte -den Mnd maMevenNvsseil,-' zwoi Sch.wa.rmli nie n- 'gebildet, und dieselibe7 FMlnMMung >abgeM^ in auMger 'Weise die NaMnals-chiMsteu' am' Ostermontag veranstaltet habsn. Diese UebWvg begann um 10 Uhr 80 Mn. und endete u»m 12 Uhr 20 M-mnten. ' - Der PolizeidirMor hchte gewiß den besten Willen, die Uebung A VerhiMrn,' Mr - dve nnbntzeordneden Oryaive . scheinen' seinen WeiisiMgen nich^' das nötige Gewicht beiznlegsn. Eine fckche Desavonieninig der Polizoid'ireLtion ist cm und für sich schon eine Me^Ä'MrdtMt. Da dH: Polizei nicht imstande 'stt,. Hren .WePmgen l tung zu veifchäffm,.'gMttet -sich "dbe-:Gttmt«»n uni so bvdevrlicher, als ' ' ' - ' ■ " c‘ ' für dm kommenden Sormtag neue Evingnisse..vottmSgostqt todbeit. Die v Nation alsoziäli-ften haben durch den Kwmnvndanten ihrer, Stviemabdeilung, Lechner, eine Warnung erscheinen lassen, ihre geplante' Ilebrnvg-nicht 'zu' verhindern. Man braucht den Kaichi Mandantenomer'. nchionÄsoziMHchM.- SiUvmabterliW Mißnicht zu überschätzen,, cwer - ei« Hanswurst mit Gttvchr > - i . - u ist'doch gesährlich. Gegen solche. Vottttmimnissv muß inan pro.--, testieren, tvorl es. sich um AngrM gegen eine besttimnw Klasse der Bevö'lkMttlg band-olt. Män-M'.zwar, die rlchuü ■■■■ *•■ ■ ■ . ■ ' 1. : - 1 '■-. gegen die Jude«, cwer diese pfleM sich auf dem ExÄbeche''nicht änszichg-lten,.^ WirNichkett kchren sich wcht. geym. Äe Juden, sondern gegen via-ÄW'eiter, es' ist der FarzIsmus, der damit' in^Och'teMich^ beAnnti'-/ ' Aus den- Marschbeifchlen - gOt - hervor, - daß es: - sich .-um Felddienstübu-nM' hattdeR, es. hanldeÄ - sich um EinbevulfungLU, um den Beginn einer neue-n/Mt-ion. -' - ' - Wenn die- PolM''Mch4li>msta«de.' ist,'-.fo>sche:DkNWr.zu'vev-j hüten, bleibt nichts anderes übrig» als. daß w?i r sie-verhütm.j Wir iverden nicht warten, bis der Schauplatz dieser 'llebüngen! in die proletarischen Bezirke verlegt wird., und werden, uns; nicht ohne jede Gegenwehr, von diesen. Leuten, mißhandln' oderniedermachen lassen. Wir haben, der Pol-W das PLaterml -ge-s geben und halben verlangt, daß sie Ordnung machen' möge.; Am vergangenen Sonntag ivar von unseren Äuten niemand^ auf der Straße,..wir haben die MiionaWralisten Mit der Pr.j lizei allein gelassen. Die Polizei' war nicht imstande, die! Dinge zu vechiMrn. Wenn.die Polizei, nicht Ordiwngj macht, werden, wir OÄrmng machen ' , und werden zeigen, daß die.Ordner imstasde sind, Ovdn-untz zu machen. Wir tverden es verhindern, -daß in Dentschösterreich die PerhAtnisse Italiens öder Bayerns oingesi'chrt werden. - - - ... ■ . . - - - . Redner k-onmrt. sodann.an^lf .eine. . Ae-Ußerungdeß,. Ab-j wilungskEinandanten beim 2«^ übepbrächte,' daß' die Ördnerwchyen- . dieÄ.ktion bötj Hakenkreuzler zu stöM^chMsichtigen. Denn dann würde! er sich veranlaßt, sehen, Ge^üdarnvevie, so weit es in seinenj Kräften stcht, auMb-ieten, mÄ seine Leute Ivürden nicht soi sanft vorgchen, wie die Wiener Pöilizeft Er imirde kurzerhand! auch, einige ta-ussnld Ordner nÄ wenigen hundert Gendarinen! niedermachen. Ine übrig>en wäre er frch, wenn die Haken-i kreüzler ihre 'Gegner eigentlich recht ordentlich verprügeln! würden. Bis heute ist keine Berichtigung epschvemm;; die Untersuchung soll im Garvge sein und Redner ersucht den BizeSanOer, Auf-' klävung zn geben, was . für eine. Bewandims es. mit dieser) Unterredung, habe, u-wd das Evgebrris der Untersuchung ün{ - Ausschüsse Mitteilen. , - Wie der nächste Sonntag ansgehen wind, ist >d.oll-< ständig ungeklärt. HoffenMch sind alle VoMhrungsu getroffen,! die es derhindern, -daß die Wcrrmtng der Nationalsozialisten Wirklichkeit wird; ein . echMiches Awtz, der VeraMvortu-nx' würde sonst die Regierung - tvchferr^ \ ' In -der letzten Zeit haben einige VechaminM-ngm dev' Wiener Sicher heit swach leute -sürttgelfu-nden, dü etwas stürmisch vettausen sind. -Nach diesen wurde eine Reihen von Untersuchungen gegen SichecheÄswachleute geführt^ die eine Verletzung des Koalitiumsvechtes daristellen. -Es wärv^ Mt, trenn der -V'iMnzler die Versichemng gäbe, daß daS KM-itionsrecht der PMzeimonnschafl nicht anvgetastet wird. Vizekanzler Dr. Frank orklärte, daß nach einer -ihm, zügekokimnewn MReilUng die Uebnng der Nat-ional-i sozialisten am nächste.« Sonntag abgosagtj worden sei. Auch die für den-letzten Sonntag cmgosagte Uebung> der Frontkämpfer hat tatsächlich nichtstattgesimden. Er werde die - -vom Abg. D e u t s ch' gemachten Mitteilungen noch - genau überprü-ftn^ -lassen. Es -; könne Ovgnervrganisativnen nicht ver-> wehrt -werden, Ausflüge ' -geme-irrsam zu üntemchmeni und auch an turnerisch-en Neb-ungen im Ge-s l'ände sei nichts Staatsgefährliches. Allevdimgs nmß man fidjj . fragen, -Wozu e>s nobivendig istj daß dabei scharf geschossen wird.. Es handelt sich nicht bloß um die Zusammenstöße/ die stattge-{ fllndenhaben oder ivoch drohen; tatsächlich handelt es sich dar-! um, daß in der letzten.Zeft-VevsaMnluE'itten. -m Wien-ein-! Missen sind, die unserer Stadt nicht-zur. Ehre gevsichen. Es ist! s gesriß nicht 'm LHnung', daß nian fortüMrend daraus aus--: Mt/ die Bersammlüngen von geMerischen Parteien zu stören,; -und Ve^'anrmlungsteilnchmern auszulauevu. Ich habe bei allen! Md trn welche! Wettanfchauttn^ es sich gehändelt M',. st-ejS', Vorsorge getroffen,! daß dWch die. staatlichen Ovgarve' M. Neoftanmlüngsschntz ge-i währleistet worden''ist. Aber, die 'Erstillüwg' dieser Aufgabe, die!; Ruhe und Ordnung aufvochtzuechalten, wird der Regierung -mchj ^-dm" kMf^Uichörben' wM-'.'öÄ'oiDtert', wenn andere El«w«ntei '. d'ü»ien Schutz eigenmächtig'übcrnel'-meu suchen. Im Gvgen-i