Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1490 (7.4.1923)
- Date
- 1923-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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pnzBlnnnnnerltlOOO ßPien: Zum Abholenin der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder meiner Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 jTs cb e c h o-S1 o wa k e i: Mon. K17. Ungarn:.Mob, K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 36. Polen: Mon. Mk.IO.OOO.Deutschland: Mon. Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 MT,!Nachzahlungen 'W> tei ' Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1490 Wie«. Samstag, 7. Will 1923 Tsp»ocho «df owakw v lstb«ch.K1.- 1talien: Monatl. 10.lire Rum a n ien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien,' II., Tabbrstrassel—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19 aböUhrabds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: »Morgenzeitnng“ Wien’ Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 S. Jahrgang Wegen der Hinrichtung des Pröiaten BuMewkr in Moskau. Mionaldemokratiftze Hetze. — Verwüstung des Wische» Viertels. — PMdemnge«. SS Schwerverwmldete. — MMSr cklfgebote«. Warschau, 5. April. (Tel. der „Wr. Morßenztg.") Die nationaldemokratische Partei veranstaltete nach Bekanntgabe der Urteilsdollstreckung an dem Prälaten B n d k i eiviez durch die Bolschewiken große Protestpersamnrlungen, in denen unter anderem eine Resolution gefaßt wurde, das? vom polnischen Sejm sämtliche kommunistischen Abgeordneten auszuschließen seien. Nach der Versammlung begäben sich über 150.00V L e i l n e h m e r, die. aus Studenten und Parteiangehörigen der Nationaldemokraten!»estanden, zum Ministerratspräsidium, wo ie die Resolution übergaben. Bon hier zogen ne Teilnehmer unter den Rufen: „Ermordet die Juden!" ins Jndenviertel. Während ihres Marsches ins Judenviertel überfielen sie sämtliche Cafes und Gasthäuser und prügelten jüdische Gäste und Passanten. Sämtliche auf dem Wege ins Fudenviertel g e X e g e n e n jüdisch en Geschäftsläden wurden vollko mwen aus geplün dert nnd d ehastFrAt. Zm Juhenviertel Lbssrfieleü nationalVemokrMschenStudentendrevon Inden bewohnten Hauser, drangen in die Wohnungen ein und mißhandelten i»«f die stündlichstc Weise die jüdischen Bewohner. Mus den jüdischen Wohnungen wurden Möbelstücke hinäusgeschleudert. In einem großen Teile von Häusern, die von Juden bewohnt sind, wurden schwere Plünderungen veranstaltet. Eine große Anzahl von jüdische« Bewohnern und Passanten wurde schwer verwundet, ihre Zahl wird auf 60 bis 80 geschätzt. Biel größer soll hie Zahl -er leichter Verletzten fein. Der Pogrom hatte bereits einen großen Umfang erreicht, als Militär einschritt. Nach schwerer Mühe gelang es der Infanterie und den Ulanen, im Laufe -er Nacht die Ruhe herzustelle«. Man befürchtet, -aß der Pogrom morgen abermals fortgesetzt werden wird, umsomehr, als die nationaldemokratische Pr esse auf die schändlichste Art und in unverantwortlicher Weise die Massen zu Judenpogromen aüffordert und hetzt. Obzwar es evident ist, daß das Urteil an B u dk i e w i e z nur infolge -er Bemühungen des Vorsitzenden -es Gerichtstribunals, des polnischen Katholiken Dzierzhnski zustande gekommen ist, schiebt die nationaldemokratische Presse den I nd e n die Bollziehnng des Todesurteilen an Bndklewiez in die Schuhe. Die imtlonaldemokratische Presse. Warschau, «. April. (Tel. der „Wr. Mor° genztg.") In der gesamten uationaldemorratischen Presse hat eine neue wütende Kampagne des exzessiven Antisemitismus begonnen. Die „Gazeta Warszawska" bringt falsche Meldungen über angebliche Judenpogrome in Rußland, um die polnische Gesellschaft vor einem neuen jüdischen Jmmigräntenftrom ans Rußland zu warnen. „Dwa Grosze" widmet einen speziellen Artikel dem Interview S o k o l o W s über die Lage -er polnischen Juden (worüber wir vor mehreren Tagen berichtet haben. Die Red.) Unter anderem erklärt das genannte Blatt, es liege nicht im Interesse Polens, daß sich im Lande die Führer des kämpfenden Judentums Herumtreiben, um sich mit den inneren Verhältnissen Polens bekanntznmachen und dick schwachen Seiten kennen zu lernen, die ste dann zur Organisierung der jüdischen Presse gegen Polen benützen. könnten. Ferner fordert die Zeitung die Juden zur Auswanderung aus Polen auf. Äw Mittwoch. Warschau, 6. ApÄL (Del. der ,FVr. Nrorgenzettung") Die Hinrichtung des PrAaten Brckkiewicz hat Sine ungeheure Erregung sowohl irr der öffentlich^ Rreinung als auch in Regierrmgskve-ffvn Mr Folge, gehabt. Pie Aufregung tvuÄ« vo-n einitzw/Schcwen Mgendlicher Temonstrauton unter dom Bor- - wand, düs Urteil soi von Iudm vollftreckt wovden, Zu antisemitischen Ausschreitungen ausgenützt. Die De- Numstranten. erschienen <mr. MiHvoch mit Stöcken in der Konditorei AienriattsLa und im Cafe Polome. und trieben die jüdischen Gaste von dort Maus. Für, die nächsten 2a$e sind Massenkundgebungen sämMcher Vertz-iniMtgen Mrgesagt. An die GÄverbetreibmtden wurde, ein.'Austrff «Äassen, während der DenwäsivaÄon Lüden Fabriken Kr Mehen. . Der Studentenüberfatt auf das Judenviertel. Wtzrstzchr, '8. ' April.' ^der Äe HitffärWMv. WÄhprrMÄr. si Moskauer UrEe ftcM. ÄÄf dein DM'tvaM vier TrL errichtet, von bene« aM ANf ZÄtm! Ansprache« Pellen^ Nach der BersaüvMmg begaben siK ottva 160.000 Pvffonen vor das dMvmstcierte aber vorher Var dem Gebäude der' Sowjetgesarcktlschcch. Zn«! MAß artet« aber Versammlung m große aWemhWr' Kresse ans; wobei dreißig b8 MWg Personen schwer verletzt wanden-. Studenten und rechtsradikale Elemente rattsten sich Zusammen mid zögen nach dem J ude «viertes tvo schwere BevwLsttzögm ÄtzevWt. man auf der Straße crnt räf, wur s ch wer mi ß h an d e l t, so daß schon nach wenigen Stünden zahlreiche Schwerverwundete m ■ 'SravtzachW 'MgHchevt wurden. In. den Wvabstvyds« .eckWe»^. die„Mmi«ssta«ie» ZuZiU von lichffcheuer.» ElemeMen und die AusschveÄNNgen nrchms« einen äußerst ernsten Charakter Man 'drang in die H5user der KudLn ein und bedrohte die Mnwchmr,.Biele Wohnungen und Auskagen und^ GsschösiMdsi wMÄen. äusgeplündert, so daß Militär ein schreiten nmßte. Diesem gÄang es, im Laufe der Nacht die Ruhe eü.'igevmaßen wiedecherZustellen. Doch patromllieren auch heute starle Mili-- tävMeMTvgon durch die Stützen, um neue Jrff-animen» rottnngen Zu verihärideM. Man 'bvsürchdet für heute ' abends treue Zusammenrottu'ngen. Ein.offiziesteEDeÄcht. Warschau, 6. April. (Poln. Dü.-Ag.) Gestern abends ftrndm hier wegen der EvschiWsig des Präüeten B udkrewieg in^ Moskau große PwtestÄl7wgebur.gM statt, a-n denen sich, etwa 100.000 Personen betvMgten. Eine Abovdmuig der Demonstvaate»i> die durch die Hmchfftmtzon der Stadt zogen, ^erreichte, dem Ministerpräsidenten eine Resokttion, in der gogeu die Hinrichtung Bndki-ewiez' protestiert und Kugunsteu» ter in Moskan itt Haft Bchmdlichen M« Jnterventiou der Regierung gefordert wird. Dxr Wmsterpräsidsnt eErbe, daß die Re° gievung bei ihrer Haltung gegsnicher der Sowjet regierung.beharre und daß außerordentliche Maßregeln gegen die Konnnnnisten in Polen nicht angebracht ssieu, da dadurch nur d i e Ruhe im Lande gestört würde. Me Rvgierurg werde alles tun, um den in Rußland lebenden Polen die Sicherhett zu garantieren. Die Regierung müsse-ihr Vorgehen mit dem Vorgehen der übrigen Staaten, insbesonideve mit dom „Vorgehen des Heiligen Stuhles, in tAnkbang:bvrngen. Um DemoustvattMten vor den Gebäuden der Gesandtschaften SowjetvuUandS md der ukrainffchen BoWrepublik vorznbeugen, war der Zutritt zu bissen von der Polizei gespcrrt. Einige Pasfanten, die der Sympathie für die Sowjets verdächtig waren, wurden a n g e g ni f f e n. Die SchußdiDn, meist unverantwortliche halbwüchsige Burschen, siM^''v«t'der Polizei verhaftet wvrven. Ae BaterlSndler. —V/W i e n, 7. April. Es wird wieder von vertraulichen Beratungen' Mischen England und Frankreich gesprocherr, die die Ruhrfrage im Zusanunenhang mit dein Repavations- ] Problem betreffen sollen. Ein Ntindestprogranim soll be-. reits entworfen sein, das eine weitgehende Kontrolle' der deutschen Finanzen Vorsicht und fiir die von Deutsch- * land zu leistende WiederausbauzaMnug den Betrag von, 50 Milliarden Goldmark fixiert, wovon Frankreich fiir seine zerstörten Departements 26 Milliarden erhalten, soll. Frankreich soll nach einer Dlitteilung des „Matin" nicht abgeneigt sein, einem solchen Programnr zuzn-. stimmen, stellt j^)och die Forderung nach SchLssuno eines rheinischen Staates, der bis zur . endlichen Erfüllung aller deutschen Verpflichtungen unter internationaler Verwaltung bleiben soll. Dieses Projekt wäre sicherlichzur Grundlage von Verhandlungen geeignet.' Zwar würde die politische Forderung Frankreichs schivere- Widerstände in England erivecken, wo bezüglich de§ französischen Appetits ernste Sorgen bestehen, und auch; die Schweiz und Holland könnten einer solchen Regelung keine sympathischen Seiten abgewinnen. Aber vielleicht ist dieser Wunsch Frankreichs aufs Whandeln gestellt, zumal er von Seite der Ententestaaten als Maßregel des Mißtrauens mit einigem Verständnis aufgenonunen werden wird.- . \' Darin nämlich sind alle . nichtdeutschen Staaten, einig, daß Deutschland, nichts zur rnoraltschen und politischen WrüsLung beitragen will und daß es in seineni Verhalten^ dmtlich durWicken. läßt, es betrachte die gMrstvartige Lage nur - als Provisorium, dessen < DauÄ - PMD geHWn Mr^ hat' das Gssetz Han-! Delns rLberlässen. Me BarerlaMler, die währerid des ' Krieges herrschten und von per sicheren Etappe aus bis MM letzwu Blutstropfen des armen Frontsoldaten Wrp^n, hälten auch jetzt das Heft in Händen-und vor Dien ist' die Regierung klein und bescheiden In den! inneren Fragen natürlich; nach außen tut sie nach dem; Willen des Herrn Stinnes. In. seiner letzten Reichs-! tagsrede hat, wie noch erinnerlich, der Reichskanzler Enno den Satz von der'vorbehaltlosen Räumung des; RuhvgÄietes nicht gesprochen. Das Echo aus Frankreich lautete günstig uM die Linke der Kammer bereitete Herrn Poincare einen heißen Tag. Aber Herr Cuno fuhr dann nach München, und dort, in der Angst vor der drohenden Faust Hitlers und Judendorsss, redete er sich wieder in die- KriegsstimNiüM'. WW.'. ES mag fein, daß er im Innersten von der Unhaltbarleit - der Position Deutschlands bereits überzeugt ist-. die außerhalb Deutschlands von niemand mehr' bezweifelt; wiä). Mer er ist nicht, frei in. seinem Handeln und muß alles, was der Rechtsradikalismus foidert, akzeptieren, da dessen Häuptling Herr Stinnes. die öffentliche Meinung zu einem sehr wesentlichen Teil beherrscht und die so einflußreiche Schlverindustvie . an seine Person gebunden hat. Einer, aus seinem Kreis, der Großindustrielle Arnold Rechberg, .im Kriege Adjutant des' deutschen Kronprinzen, hat jüngst in einem Berliner Blatt eine sehr lesenswerte Schilderung der Mephistorotte gegeben, die Hugo Stinnes in den Tagen nach her ersten Marneschlacht zum Unheil Deutschlands gespielt .hat. Damals, als der Frieden auf Grund des: Status quo ante zu haben gewesen wäre, erhob Stinnes als der politische Führer der Schwerindustrie die Forderung nach Annexion Belgiens und der französischen Erzgebiete. Sein Vertrauensmann in der Obersten Heeres-! ' leitnng war - der Oberst' Bauer, heute der OiMnisatorj der Hakenkreuzler. Mt dessen Hilfe wurde der schwachej Bethmann-Hollweg bearbeitet; als dieser - widerstrebte,: rief Stinnes den General Hindenburg, . damals Ober-! befehlshaber Ost, an, dein er schrieb, der Reichskanzler, hcche sein Programm akzeptiert. Hindenburg'und Licken-,! dorff entschieden dann das Weitere. Dieselben üblen . Praktiken sind auch jetzt in der, Politik dieser Gruppe zu merken, die durch ihre radikalsten Ausläufer in Verbindung mit den französischen! Plänen steht und deren Geschäfte besorgt, nach innen aber die Ausrichtung der militärisch-imtlonallftischeu; Diktatur anstrebt, wobei die Organisierung eines aktivenj Widerstandes gegen- Frankreich als deren Aufga'be vor^ gogaukelt wird. In Wirklichkeit geht es um die Erdvosse^ lung der Republik und die Wückeraufrichtung der ent^ thronten Dynastien. Der Weg' zu diesem'Ziel schein^ heute trotz aller. Hetzen und Geheimbündelci. trotz Re-s