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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-06 · Heft 1489 (6.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1489 (6.4.1923)
Date
1923-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V-' mfw' T' <;. Ty#?#? ■ •••' - /.■*• '’)'>. ' - 1 V- ■ ‘ " ' ' ' . ' ’' " / HnzetopmerKlOOö Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 MitPostversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts che cho-Slowakei Mop. K17. Ungarn: Mon, K 600. Jugoslawi en: Mon. (Dinar 35. Pol e n:. Mon. jMk.10,000. D e u t a ch 1 a h d: {Mon. Mark6000. Frankr.. {Belgien: Monatl. Frcs. 8 ,WU- Nach sah tun g«D,.v_ jbei Preiserhöhungen Vorbehalten Tschecho-Slowakei i tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Lewa/ Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frca. 2 Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborstrassei—? Telephone: 44-0*38,43-3*19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung' Wien , Oesterreichisches Postspar* kassen- Konto Nr. 1 §0.695 Rr. 1489 Wien. Freit««. 8, April 1923 9. Zahrgan« Die FeldÄienWung. —y. Wie n, 6. April. Anr Ostermontag hat es an der Wiener St-adtgrenze eine Manöverübung nationalsozialistischer Skrrmbataillone gegeben, die sich zu einer kriegsmäßigen Kampfhandlung entwickelte. Sozialdeniokratischck Ordner wollten sich die Sache in der Nähe besehen. Sie wurden von einer nach allen Regeln der Kunst entwickelten Schtvarmlinie aufgchalten, mit Revolberfeuet zurückgeworfen und dann mit Gummiknüppeln, Holzkeulen und Stahlstöcken verfolgt. So wie es das Dienstreglement! im zweiten Teil vorschreibt. Da sich der Vorfall auf dem Gebiete der Bezirkshauptlnannschaft Hietzing ereignete, gab es im Augenblick keine kompetente Stelle, die als Manöveroberleitung hätte fungieren können. Erst an der Wiener Stadtgrenze konnte die Polizei die Sturmtruppler übernehmen und den Tatbestand feftstetten. Sie fand bei den .Helden Revolver, aber auch — Waffenpässe. So daß eigentlich alles in schönster Ordnung war. Nämlich vom Standpunkt der Polizei. Der gewöhnliche Bürger stndet, daß da doch nicht alles mit rechten Dingen zngchL. Denn wenn schon jemand einen Waffenpaß besitzt, so gibt ihm das noch nicht das Recht zum beliebigen Wnffengobrauch und noch weniger das Recht auf Exer- . zieren im geschlossenen Verband mit nachfolgender Knallerei. Für den 15. April soll die Waffenühung wiederholt werden, und zwar, wie ein mittlerweile bekannt gewordener „DLarschbefehl" anordnet, „zum Schutze einer Versammlung im Südbahnbezirk". Abmarsch 10 Uhr 15 Mn. vormittags, Rückmarsch abeüds. Es scheint also eine größere Unterhaltung geplant zu sein, zumal äuchy dieMeWMErteil.t->wird: >,AllesmfMiugen, Raderwarten, daß. die Polizei gleichfalls zur Stelle sein. , wird? Man darf mtch die vHoffmmg ausjprechen, daß . sie diesmal tveniger darauf 'bedacht sein wich, nach Waffen-. Pässen zu forschen.-Aber es wäre, wie wir meinen, praktlscl)er, der Sache doch endlich einmal auf den Grund zu gehen, und vom Standpunkt des Gesetzes, der ja immerhin auch in Oesterreich einige Berechtigung chaben sollte, uachzuforschen, lrer da die Marschbefehle erteilt, welchem Zweck , die Felddienstübung der nationalsozialistischen Jugend dient. Auch die Frage, LMchen Sinn solche Dinge in eineni Staat haben, der im Besitze eines Heeres ist, wird sich nicht gut umgehen lasten. Es handelt sich, wie man sieht, um eiue sehr ernsthaste Angelegenheit, zu deren Beurteilung die Grundlagen nicht erst gesucht werden mÄffen. Aber es sind ^mittlerweile vier Tage vergärten, und die Oefsentlichkeit hat noch nicht erfahren können, was denn eigentlich Negierung und Parlament der Republik über den Vorfall zu sagen haben. Diese beiden Körperschaften sind bisher über alle peinlichen Ereignisse dieser Art mit vornehmem Stillschweigen hrn-weggegangen. Nach der Ermordung des Arbeiters Birnecker durch monarchistische Geheimbündler veröffentlichte der Polizeipräsident mnen beruhigenden Aufruf. Die Negierung-schwieg, auch als der Führer der Mördevbande, der bekannte Ostara-Szabo, auf freien Fuß gesetzt worden war. Am 3. März gab es dann gelegentlich der jüdischen Versammlung im Rathaus Tumulte mit hundert Verhaftungen und 20 Verletzungen; die. Regierung und der Nationalvat bildeten sich keine Meinung. In einen: Studentenlokal hielt ein Freikorps Uebungen im Gebrauch des Mannlicher ab, die Zeitungen berichteten, die Polizei inquirierte und rapportierte. Regierung und Parlament lvaren in angestrengteste Schwerhörigkeit verfallen. Die Lösung dieses Mysteriums ist ziemlich einfach Sie wagen es nicht, von diesen Zersetzungssymptomen zu sprechen, da sie ihre Schuld offen eingestehen müßten. Es gibt bewaffnete Organisationen, die, je eher je lieber, losschlagen möch-! ten. Wer hat; es geduldet, daß. sie bewaffnet tvnrderi? Wie konnte es kommen, daß so und so viele Einzelpersonen mit Wasfenpästen und mit Waffen beteilt wurden daß sie offen, wie einstmals in den Indianerterritorien, herumknallen können? Es handelt sich doch nicht um harmlose Soldatenspielereien, sondern um eine sehr ernste politische Aktion, die sich auf einer systematisch dyrchgesührten Vergiftung der Jugend aufbaut, und in ihren . Zielen nicht allein der republikanischen Staatssorrn, sondern dem Recht des Volkes aus freie Entwick-- strng den Garaus machen will. Daß sich diese Bewegung so breit entfalten konnte und' daß sie heute jede Staats-! autorität höhnisch beiseite schieben 'kann, ist eine große Schrlld aller, die die Verrolmug der volittscheri Sitten und Emjetrußlaud. Abberufung des Sowjetgefandten aus Wien? rnUche BoMastsvalais. Der Streit «m das Wie wir erfahren, ist in den letzten Lagen in Wien eine scharf e Note der russischen Sowjetregierung eingetroffen, die zu dem schwebenden Streit um das russische Botschaftspalais in der Reisnerstratze Stellung nimmt. Bekanntlich weigert sich das österreichische Auhenminifterium mit Rücksicht darauf, daß das österreichische Botschaftspalais in Petersburg von der Moskauer Regierung Oesterreich vorenthalten wird, die Herausgabe des Wiener russischen Botschaftspalais an die Sowjetregierung durchzuführen. Die russische Regierung sandte an das. Wiener Austenamt eine Note, in welcher sie droht, falls das russische Botschaftspalais an die hiesige Sowjetvertretung nicht über-, geben wird, den Wiener Sowjetgesandten sofort ab zu berufen und auch alle bisher abgeschlossenen W arenaustausch» ü b e r e i n k o m m e n mit Oesterreich z« sistieren. Dies würde selbstverständlich eine Schä-l digung der industriellen Interessen Oester-? reichs bedeuten, da bekanntlich derzeit Ber-: Handlungen wegen groster Lieferungen österreichischer Industrieller nach Rußland schweben, Bor einer Asm» der Ruhrsrage. London, 5. April. lHepter.) Ramsah M a e d o n a l d sagte in einer Rede in Porth- WMKskrieich Wetzdeans ^ern RuhrgeÜkD keine Rep a rat io n eü erlangen. Er und seine Kollegen hätten mit Mitgliedern des französischen, des belgischen und des italienischen Parlaments in Paris und an anderen Orten zusammen gearbeitet, um herausznfinden, unter welchen Bedingungen eine Re gelüng erreicht werben könnte. Er vertraue darauf, dast man e i n e r L ös u n g d e s R u h r p r o b l e ms n äh e r sei als vor drei Wochen. Die Arbeitspartei sei bemüht, eine englisch-amerikanische Zusammenarbeit mit Europa zustande zu bringen, nicht für kapitalistische oder imperialistische, sondern für moralische Zwecke. Der Vertrag von Versailles werde unter allen Umständen revidiert werden müssen. Sin Reparationsplan Louchenrs. London, ). April. (Reuter.) Es verlautet, baß Lo uch c u v dem Premierminister B o u a r Law -die Emzelheiten eines Wiederherstellungsplanes rnitgeteill habe, der von den gemäßigten Elementen Frankreichs muterstützt werde und folgende Punkte umfaßt: j wammmtammmmmmmmmmmmmmmmmmmmaaummm gerne gesehen haben, solange sie sich in einem ekelhaften, antijüdischen Gebrüll, in der maßlosesten Pogromhetze auslchte. .Heute, wo ein Zögern zur Gefahr für den Staat wird, müßten Regierung unb Parlament doch etwas mehr tun, als olle Sorge der Polizei zu überlassen. Sie müßten zumindest so tun, als ob sie den Mut hätten, die bayrischen und magyarischen Verschwörer vor den Richter zu stellen. 1. Die Herabsetzung der GesamtsuMmö .der Wiedergutmachungen. träge. GchrimverhaMungen zwischen kvgland und, Frankreich. Berlin, 5. April. Die ,ß&. Z. am Mittag" meldet aubp London: In bestn-nterrichtetM politischen Kreisen ist man der! Ansicht, daß -ein geheimer, aber schr bedenMnMvoller/Ge-! dankelumstausch zwischen England und Frankreich! über das Ruhr- und daZ^Reparationsproblerll in Gang ge--! Lmnmen sei: Man nimmt cm, daß Außerrminister Lord! Cur-zon, der fttzt znr Knr in Frankreich weilt, mit leitenden! Persönlichkeiten Frankreichs die Aussprache eröffnet habe.! Große Ausinerksamk-eit wendet sich -dem Besilche Lauchenrs in London zu, der hier mit .Schatzkanzler B aldw in, dem? Präsidenten des Handelsamtes und Lloyd George zusammen-! konmlenMird. Nach Anssühmngen des ,-Daily Telegraph" lväre daR ’ Miudestprogra m m, m\ das sich England, Belgien und! Italien Deutschland gegonübiTeiikigen könnten, eine w e i l-! g e h e n d e - F i n a n Z k o n tt o l l e, eifrige Mitwirkung - der! Jninlstrie und Anleihen im Betrage von 30 Miliarden'« Gold m a r k, von denen 28 Milliarden auf die Priorität! des französischen Wvideransbaues und 24 aus di« Tilgung der! internationalen.Kri-egsschillden veuvendot werden sollen. > Am Reorga«Ation der MMs- Bon einem Eisenbahufachmann.. Schon vor dem Kriege war die Frage der Reorganisation der damaligen k. k. österreichischen Staatsbahnen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Staatsbahuen waren dazumal üsiosern aktiv, als sie nicht nur.—, ivas Ults jetzt als Fdealzustand erscheint — die Betriebskosten deckten; sie verziiisten auch das Anlagekapital, allerdings init nur rrurd drei Prozent, so daß der Staat ein Prozent aus anderen Einnahmen ergänzenmußte. Dieses Ergebnis lvar nicht unbefriedigend: es entsprach — wenn man von den evträgnisreicheven Flachlachdsbahnen> Preußens./ absicht — so ziemlich dem Erfolg'der meisten von anbrren Staaten betriebenen Balmen. Trotzdem wurde das Studium der Reorganisation von berufener und unberusenev Seite betrieben. Die Tatsache, daß der Staat zur Ver--> zinsung aus anderen Dteicereinnahmen zuschießen mußte,! brachte das Eisenbahuministerimn unter die sehr /lästig! empfundene Hörigkeit des Finanzministers; es ist nahe--! liegend, daß die staatliche Eisenbahnverwaltung^ berniibt war, der Vormundschaft zm entrümen. - Der .Krieg machte dieser: Bestrebungen ein rasches, Ende, und heute steherr wir vor einer gänzlich nmgeivan» delten Situation. Die österreichischen Bundesbahnen sind ein arg verstünlmelier Torso; nur die einzige! West-Ost- Linie ist intakt geblieben, lvährend die wichtigerr Bah neu nach dem Norden ebenso wie nach dem Süden (Triest) verloren gingen. Der Rest sind fast gänzlich Mbirgsbahneil,; deren Betrieb.und Erhaltung ungleich höhere.'.Kosten ver-i ursacht als Strecken im flachen Gelände. Außer diesen durch die unglückliche geographische Gestaltung.Oesterreichs bednrgien. Gründen und den jeglichen Verkehr erschweren-deü A-bschließmlgsmaßnahUlen der GreriZstaaten wären -lvck Hanpmrsachen des Defizits zu verzeichnen: , die Material f r a g e unb die Person a l Wirt s ch a s t. Die Materialfrage ist im lvesentlichcn die .Kohlenfragc. Zur Förderung der Züge, insondere der sch n erfahren de rv wird hochwertige Kohle verheizt, welche aus Läuderri.mitj hoher Balustr (hierzu hat vis vor.'kurze,n auch Deutschwndj gehört) bezoaen lverden ncnß. Da etwa achtzig Prozent der-

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