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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-05 · Heft 1488 (5.4.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1488 (5.4.1923)
Date
1923-04-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Lschecho-Slowakei. Ne FrstffMrsseffian des Parlaments. Prag, 4.-März. (Tel.-Komp.) Das tschecho-slolvakischc MyeordnetenhaiuS tritt <mr 10. d. wieder zusaimn-en. Jrr der Zeit vom 11. bis 16. d. worden die Msschüsse regelmäßig arbeiten rmd am 17. d. wird die Frnhjahrssession des Plemvms begmnen. Es sind 30 Vorlagen, Vortviege-nd sozrasen und fisnanzpolitischeuCharakters, von der RöArevnng eingebvacht worden. Außerdem konnnerc noch die Enttviirfe scher den Emlegerschutz und den W ä h r u n g sschntz und einige Steuerfragen zur BorhandKmg. Mit Rücksicht davauf, daß die Frühjahvsession Mitte Mai ges chloffen werden soll, wird es notwendig sein, einen bederltenden Teil des Frühjahrsprogramnrs ans den Herbst zu Vorschioben. Unter den Fragen, die in dieser Session n L ch t nrehr zur Bevhaindlu-ng kommen sollen, befindet sich auch die Frage der E i n l ö s u n g der Kriegsanleihe. Ungar«. Ne Weder des Pogromplane«. Budapest, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") An-- faßlich des am Sonntag geplanten Pogroms in der Elisabeth-Stadt lviilirden drei N n i v e r s i t ä t s h ö r e r als Rädelsführer verhaftet. Das Verhör dauert seit drei Tagen und scheint wichtige Enthüllungen zutage gefördert zu haben. Vertrauliche Erhebungen ergaben, dag politische h e r s ö nli ch k e i t e n — es handelt sich nm Mitglieder der Nationalversammlung — die eigentlichen wifiigen U r h e b e r des Pogromplanes waren. zweierlei Maß. Budapest, 4. April. (Tel. der „Wiener Aiorgenztg.") 4>k katholischen Organisationen Budapests hielten Oster» uiontvg eilte ProtestvL'rfAMmlnng gegen die angebliche Verfolgung der Katholiken in den von Ungarn losgetvennren Gebieten ab. Unter anderen nahm auch Graf Albert Apponyi das Wort. Er sagte unter anderem, daß die Ungarn die Wiedergutmachung der Unbill fordern muffen, die die Minderheiten und der äöachobizismus in diesen Gebieten seiner Meinung nach zu erdulden haben, da ja auch von Ungarn die Einhaltung des Vertrages von Trianon bis Mts den letzten Punkt gefordert werde. „Wir müssen" — schloß Apponyi seine Ausst'ihrmlgen — „in dieser Angelegenheiten in erhvhirem Aiahe als bisher die Unterstützung der ausländischen.Kacholiken anrufen. Von den rein politischen Faktoren können wir in absehbarer Zeit kaum Hilfe evtvarten, wir müssen jedoch die Mittel der gesellschaftlichen Agitation in Anspruch nehmen." Gras Albert Apponyi hat wiederholt seinen Unwillen darüber ausgedrückt, daß die Juden, nachdem sie alle politischen .Mittel erschöpft, hatten, gegen ihre Unterdrückmrg ihre ausländischen Beziehungen in Anspruch zu nehmen vevsilchten. Den Inden warf Apponyi und nach ihnt alle übrigen christlichnationalen Politiker wegen dieser ihrer Rettungsversuche nnpalriv tischen Rationalismus vor, und auch der außerhalb Ungants wirkenden nnabhängigon jüdischen. Presse wurde der Vovwuvf der unangebrachten Solidarität rmd der Ein,mischu..g in die inneren Angelegenheiten Ungarns gemacht. Aber Gras Apponyigeht jetzt denselben Weg im Interesse der Katholiken, die gar nicht verfolgt ton&u und nicht bedrückt sind. Jeder nngairische Jude möchte gerne so viel Grund zur Klage über Verfolgung Haber, wie die Katholiken in den „besetzten" Gebieten. Pole«. Re Fordenmge« der Weißruffes. Warschau, 4. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnng".) In einem Intervieiv erklärte der Vorsitzende des weißrussischen Klubs:Ab-g. Taräszkiewicz. daß die gegenwärtige Regierung nicht im mindesten die Hoffnung der tz'Seißrnssen erfüllt habe. Der.weißrnssische Klub werde nach wie vor für die Einführung einer territoriale n Autonomie in weißrussischen Gebieten kämpfen. Ebenso werde der Klub für die Einführung der weißrussischen Sprache als -Unterrichtssprache iu den Schulen Antreten. Me Intervention in der Mchtlingsfrage. Aus London wird uns berichtet: Der Verband der polnischen Juden in England entsandte zum polnischen. Gesalchten Skirmunt ei,re Delegation unter Führung des Präsidenten -des Verbandes, des bekannten jüdischen Malers P i l i ch o -w S k i, in Angelegenheit -der Ausnwisnng der russisch-jüdischen Flüchtlinge ans Polen zu intervenieren. Der Gesandte Skirimmb erklärte, .daß er sich als Vertreter sämtlicher polnischer Bürger in England betrachte und versicherte die Delogierten, 'daß sie stets auf ihn in allen Angelegenheiten, welche die polnischen Juden betreffen, rechnen können. Er begreife die Wichtigkeit der Flüchtlingsfrage, sei jedoch mitden Einzelheiten des Answeisungsbesehles nicht vertraut. Er werde -das Arrsuchen der Föderation sofort an die Warschauer Regierung weiterleiten. In der Tat hat Skirnmnt das Ansuchen der Föderation der polnischen Juden bezüglich einer humaneren Behandlung der Flüchtlinge in Polen an die Warschanm Negiern-ng 'tveitergekertet; bisher ist jedoch, keine Antwort der Regierung einge troffen. Lord 8«U Wer den Völkerbund. London, 4. April. (Wolfs.) „Times" meldet aus N e w- Aork, Lord Robert Cecil habe Montag im Verein für auswärtige Politik seine e r st e N e d e ü b e r d e n Völkerbund gehalten. Cecil erklärte, die Hauptsache sei, daß die internationale -Furcht und das internattonale Mißtrauen beseitigt würden, die eine (Gefahr für den Frieden bilden. Eine Abrüstung könne lediglich dann nrit Erfolg durchgeführt werden, wenn sie allgemein sei und wenn alle Nation -e n bereit seien, ihre Nachbarn gegen eventuelle Angriffe zu schützen. Ohne diese Zusicherungen würden zum Beispiel Frankreich und Deutschland stets Mißtrauen gegeneinander hegen. . Eine wesentliche Bedingung zur Wahrung des Friedens zwischen traditionell gegeneinander argwöhnischen Völkern würde eine entmilitarisierte Zone unter internationaler Autorität sein. Die Abrüstung könne gleichfalls am besten unter.Aufsicht einer internationalen Autorität, wie sie der Völkerbund sei, erfolgen. Ser Völkerbund gegen de« Mädchenhandel. Genf, 4. April. (Tel. j>. „Wr. Morgenzeitnug".) Die V ölke rb und ko m Mission zur Bekämpfung d e s M ad che n- und Klnderhandels hielt dieser Tageeine Konferenz ab, in welcher der ganze Komplex der Frage der Bekämpfung des Mädchen- und Kinderhandels zur Erörterung gelangte. Es wurde der Plan für die Erhebung des Materials betreffend die Verbreitung des. Mädchen- und Kinderhan.dels ansgearbeitet und die Maßregeln zur Bekämpfung dieser Seuche ftstgelegt. Jan Zusammenhang damit wurde auch der heutige Stand des A u s w a n d e r u n g s s ch u tz e s in den verschiedenen Staaten besprochen und die Richtlinien für eine Verbesserung dieses Schutzes und eine Z n f a m m e n a r b e i t der einzelnen Schutzstellen festgesetzt. Das gesamte Material -er Konferenz und ihrer Beschlüsse wird in der ,nächsten Sitzung des Bölkerbundvates bereits Gegenstand der Beratung bilden. Me AbrSstmgsfnige in der Union der Bölkerdnadlkgen. Aus Basel wird uus berichtet: Die ans der Mitte der Völkerbundu-nion gebildete internationale Kommission hielt in. -der Osterwoche hier eine Sitzung ab. Der Kommission gehören Vertreter von zehn Staaten, und zwar vor: China, Dänemark, Dentschlaub, England, Frankreich, Italien, Japan, Oesterreich, Ungarn und der Schiveiz, an. Die Vertreter Deutschlands, O rsterr ei ch s, Dänemarks und Italiens waren am Ersch einen verhinder.t. Bei der Konstituiem-ng der Konnniffion wurde der Schlveizer DelegierteDr. Haeberliu §mn Präsidenten geivahlt. Der Antrag des ungarischen Delegierten Albert Bergeviczy, der Völkerbund möge ehestens die.proportion-elle Herabsetzung der Heeresmacht unter Anwendung der gleichen Prinzipien für alle Länder durchsetzen, üvurde nach längerer Debatte angenommen und üvird der int Juni in Wien tagenden KoufererH der Bölkerbundligen als Beschlutzantvag der mtevlvationalen Kommission vorgelegt werden. Mit diesem Antrag spricht die Union der Bölkerbundligen den Wunsch aus, daß hinsichtlich der Abrüstung die Siegerstaaten sowohl wie die besiegten Mächte grundsätzlich der gleichen Behandlung unterworfen werden. Ser neue Seneralsekretrkr des SbertommWrs von Syrien. Paris, 4. Uprkl. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeituug".) Der bisherige französische Generalkonsul in Alexanöricn R es f y wurde zum Generalsekretär des französischen Oberkoninüssärs von Syrien ernannt und hat sich bereits nach Beimt begeben. Reffy gilt als genauer Kenner der syrischen u-nid palästinensischen BerMtmsse und wird als geeignete Kraft angesehen, der swnzöstschen Politik m Syrien mit Erfolg zu dienen. Aus aller Welt. Der sti'chere-tÄMche Grotzwestr und Botschafter in Wien, Hilmi Pascha, ist hier gestorben. Er war einer der führenden .Männer der Juttgtürren. Wie der Berliner ^Borövärts^ mitt-eilt, ist der bskannte rusiische Sozialdemokrat Martow in eiaem Sanatorium im Schwarzwald an einem Kehlbipsl-eiden gestorben. -London, 4. AprU. 46.060 Kohlenarbeiter von Südwales habe.lt 'beschlvsim, von hurte Donnerstag a.n in dt'n Aus-stanld zu treten. Kottstantiüopvk, 4. AprA. Adnan Bei teilte den aHKunlei, Oi>erkoinmissavrn den Beschluß der. türkischen Regierung mit, in Konstantinvpel das Alkoholverbot cinsttfiihren. Die OberkoirnMMre haben gegen diesen Beschluß Ein. r 36 Stocklschlägen bestraft werden.; London. 4. ApvL. Aus Kairo wird gemeldet: Lord Carnavon, der Entdecker de§ Pharaonengrabes, liegt im St erben. Sein Z-usiaUd -wird von den Aerzten als hMnwchSlos bezeichnet. - / . London, 4. LlPM. Der anrerikamsche Zerstöve-r ist mit dem britischen Lichten Kreuzer „Ceres" am Eirgang des Bosporus zusamarengestoßen. Beide Schiffe würden beschädigt. MenscheniLbeit sind nicht zu beklagen. ' Sas AblÄM Sr. Sprecher«. Das Leichenbegängnis unseres tödlich Vevunglülkten stnmmgsgenossen Dr. Max Sprecher findet Fv^itai den 6. d. um 11 Uhr vurmittagS statt. Dem Aion'Wchen.La« 'deskonntee und -der Fcvmilie unseres verblichenen Freundes ans allen Schichtnr der Bevölkerung «ine große Zahl von Bei» wrdskundge-bungen zug-ek-onnnen, die dartu-n, üvelcher Beliebt« 'heit- und Meats-chätzu-ng sich der Verstorbene überall orfve-ute. zionistische« Llsnderkomktee für Sefterreich. Herlte, 7 Uhr abends, süc-det die Sitzung des L-an-deS kmnitees statt. Wiener zionistisches Lokalkomitee. Die heuti-ge Sitzung entfällt, dtächste Sitzung wird schrh l-ich -bekanntgegeben. Sine «undgebnng der öffentlichen Angestellten. Der Bund der öffentlichen Angestellten und die .str^ Lehvergewerkschast Oesterreichs veronstälteten genl«insa,lr gestern in der Volkshall-e des u-euen Hiathanses eine Wrassenpcrj-atNtNM lnng nü-t der Tagesordnung: Die Auswirkung Mx. Saniermrg auf die öffentlichen AnMellten. Tie Referate e-rstgtt-eten -dar Odmaint des Bunloes I-anicki unib' Lehrer Ne-nmann. Einstmimig wurde eine Entschließung augenommen, metcha folgende Hau-ptsorderilngeu enthält? Gerechte Bevtoilung der Lasten des WiMEsbaues .iu> alle Bevölkeruligsschichte-n. en'tspr-echend ihrer wirtschaftliche» Leistunasfähi-gkeit. Besr-riung -aller kbenÄvichügen Wa-m-n von der Um» satzst-eirer. Ab-standnayllre -von ollen Maßriahuren zur Beseitigung de. Jndexsystemes; sosonige Eiusiihrmrg der gesetzlichen Kinder Versicherung. * Einschränkung d^s Persoualaböau-es ans das durch frN tatsächlichen Bedürfnisse der öfsentl-ichen Borwalt-ung bedingu Ausmaß; weitestgehende Rücksichtnahme auf die wirtschaftlichen Bechä-lmiffe des einzelnen Angestellten beim Pvvjona'abba: unter- Ausschluß jeder einseitigen Begünstigung. Stanislaus Minger. Bor eirngen Tagen veröffentlichten wir einen Ar-ila» über die Emlarvung d:s Stamslaus T iblinger, der i» Amerika unter dem Schutze der Ananynlitä-t ein« Rabbinerstelle erlangen koimt-e, nachdem er iu Europa di« Taufe geuomman und sich der . antistmitiflhen RMalmordhetze all „Zeuge". verkauft /hatte. -Bon LsfveuiE-er Seite «rhaüen wir die folgenden Daten überden dnüllsn Gsfelltzn, welche besser, trül^s' ChäMwrbild u>m etliche n-eü« Dat«n „berreichsrn". Es .wird ltns geschriebell: „Tillinger kam im -AL«r oon ungefähr 1L' Jahren oo-.-^ Zaölotow rrach Kostesti-e in die Bukowina und heiratete dt- Tochter Änes dortigen ziemlich wohlhabenden Geschä-ftsmanues Einige Jahne wohnt« er bei sü-ndm Schwiegervater „in Kosll -und verbrachte diese Zeit mit Talnru-dstudi-u-m. Der Etzhe en-tftanrmtcll im Lause von 6 Jahren 4 Kinder. Es. kam hierarl-f Mischen 'den Eheleuten zu Zwistigkeiten und eines schönen Tages ließ Till-ürger seine Frau mit den Kindern sitzen rmd verschwand ans dem Orte. Raach sinige-r Zeit e-rfuhr rnan, das; -er als „M-elauled" in einem kleinen Ort« in der Ltähe von Storozyrietz beschästigr war. Jetzt tour-de die ritu.'ll« Scheidiln.g du-r-chgestihrt. Tillingerheiratete -bald daraus 3u-in jn-ieitemiwct eine TöiUm aus einem Dorfe in -der Nähe oorr Zablotow, die «r aber auch nach einiger Zeit verließ. Er mat dann eine Zestlan-g verschwunden^ bis -er wieder in 'Cz-ernowitz auftanchle.^ Er i'brächt« sich hier dadurch /fort, daß er den Schülern des griechisch' örientalischen Priest evseminars im H-'bräischen Rachbilsinm-t-ev' richt erteilte, »vährend sie ihrn im Studium der Gymnasial gegenstände halfen. Nach zwei oder drei Jahren aosowierte er das Gymnasim« in Czerkrowitz. Für feine Bukowina-er Bekannten -blieb er nui» wieder für längere Zeit verschwunden. . iBein älticster Sohn, der inzwischen herarrgervachsen wn und in einem Grertzorte der Bukowina wohnt«, erfuhr eiiuual. daß sein Da-Wr Geistlicher geworden war lind sich rrgeMvo ü Galizien mrshatte. Nach jahrelairgem Nachforschen reiste er nach Galizien und fand st inen Vater in ohtem Kl o st e r in der Nähe von Krakau als katholischen Geistlichen, der iv oineur Semina r.-Un-tvok-icht eneilt«. Tillingerwollt« aber von seinem Sohm und der ganzen B«rgauA'nhe-st nichts wissen. Dies 'diirsle i-nr Jahre. 1W3 gewesen sein. Seit der Zvit hat nun von ihtu nichts gehört. Anscnkgs 1920 erschien Tillinger bei seinem Sohne, d« ÄlKvischen ein Ntzmes Geschä-ft «rösinet hatte, in Millich des-.- -latern Zustande, und hielt sich bei diesem -einige Zeit auf. Schließlich gab ihm sein Mohn Grldinittel .für -di« Reis« na s AmerKa. Einig:- ZeK später teilte Tillinger femem Söhne, mit, daß er «inen Povsten als R ä b b i n e r bekmninen habe, daß ek chni gut gehe und schickt« nicht nur 'den ihnr vovgeft-reckten Be. t-rag, sondern auch weitere G?ldbsträ^ bis in die -jüngste Zei feinem Sohne -zu: - ' Diese biographische Notizen sir^ gewiß benierk-nKwer-t dem: wer iveiß, ivekche WarMungen dieser „biemfene Zeug«" de, Mutlüge in seinem Leben twch durchmachen wird." Wäsche. Strfclcwaren Schiffmann fl., Taborstraße 4i Telephon 47-1*70 ’ Er »pos En detail] ijs-tfr

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